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Dienstag, 31. Oktober 2006, 22:00

"Halloween": Brauchtum und Bedeutung

Halloween ist in Mittel- und Nordeuropa im Gegensatz zum angelsächsischen Kulturkreis lange nicht so bekannt gewesen. Doch vermittelt durch ein paar klassische Horrorfilme und die immer wache Neugier der Kinder, sich einen neuen Spass zu erschließen, änderte sich das allmählich und auch Halloween wird bei uns immer populärer. Da meine Familie eine gewisse Affinität zu den Angelsachsen hat, kannten wir Halloween schon lange und saßen am 31.10. zum Beispiel in irischen Pubs. Die Kinder hatten immer schon Spass am Halloweenlauf zu den Nachbarn und ersangen sich mit scherzhaften Drohungen ("Trick or Treat" = "Süßes oder {es gibt} Saures") Süßigkeiten. Zum Teil stießen sie anfangs auf völliges Unverständnis und Kommentare wie: "Sowas gibt es bei uns nicht, kommt an Fasching wieder" oder gar: "Wir sind hier deutsch, verschwindet!"

Eine nachdenklich stimmende Geschichte erzählte mir im letzten Jahr die katholische Frau eines evangelischen Pastors. Ihre älteste Tochter freute sich mit anderen Kindern ihrer Klasse auf Halloween und ihre Eltern stimmten einer entsprechenden Party zu, auch wenn sie von einem Lauf durch die Gemeinde nicht so begeistert waren, weil sie sich überlegten, wie die Gemeindemitglieder das wohl auffassen würden. Am Ende siegten jedoch die liberalen Ansichten. Unerwartet meldeten sich die katholischen Schwiegereltern des Pastors zu Wort, womit sie letzlich ihre Tochter sehr erbosten: Als Kinder eines Pastors könnte ihre Enkelin unmöglich ein solches heidnisches Fest zum Anlaß einer Feier und eines Laufes um die Häuser nehmen und der Pastor solle doch da mal für Aufklärung und Ordnung sorgen. Der Enkelin wurde ebenfalls bedeutet, dass sie zu diesem Anlass nicht willkommen sei.

Dazu paßt die diesjährige Geschichte aus dem elsässischen Ort Sainte-Marie-aux-Mines, in dem der Bürgermeister heute abend ab 19:00 h eine Ausgangssperre für Kinder verhängt habe, weil diese im letzten Jahr zum Teil bis 23:00 h um die Häuser gezogen seien und die Einwohner mit Bitten um Süßigkeiten bzw. Eierwürfe genervt hätten. Der Bürgermeister habe zwar nichts gegen den Halloweenlauf, doch hätten die Kinder nach den Beschwerden der Einwohner auch am Nachmittag genügend Zeit dafür. Ob sich die Kinder und deren Eltern das wohl gefallen gelassen haben?

Halloween wurde ursprünglich in den katholisch gebliebenen Gebieten der britischen Inseln insbesondere Irlands und zum Teil Schottlands begangen und bedeutete "der Vorabend vor Allerheiligen": "All Hallows Eve(ning)". Das Ereignis verbreitete sich mit den irischen Auswanderern nach Nordamerika. Es ist ein alter kirchlicher Usus gewesen, heidnische Kulte und auch Kultorte in die neue christliche Religion zu integrieren und zu absorbieren und somit die Akzeptanz der Anhänger der alten lokalen religiösen Traditionen zu fördern. So wird vermutet, dass das alte keltische Samhain-Fest, das ursprünglich an diesem Termin begonnen wurde, mit seinen Traditionen und Bräuchen in die Halloween-Bräuche eingegangen sein könnte, was aber keineswegs sicher ist.

Während sich Halloween heute aus Amerika zurück auf den Kontinent kommend wachsender Beliebtheit bei den Kindern erfreut, empören sich insbesondere evangelikale nordamerikanische Kirchen zunehmend über diese Bräuche, da sie satanistische Mißbräuche befürchten. Über ältere, heidnische Totengedenken oder Totenfeste gibt es jedoch eine Verbindung mit dem Jenseitsgedenken der katholischen Kirche zu Allerheiligen am 1.11. Im keltischen Glauben war der Gedanke verankert, dass sich zum Zeitpunkt des Samhain-Festes die Anderswelt der Verstorbenen und Geister der Welt der Lebenden sehr annähert und Verbindungen möglich sind. Hier gibt es sicher Verbindungen zu alten ahnenkultischen Vorstellungen, wie sie überall auf der Welt existiert haben und zum Teil immer noch existieren, auch wieder im "Neuheidentum" z.B. des Wicca-Kultes.

Das keltische Samhain-Fest fiel auf den britischen Inselkn traditionell auf den elften Vollmond eines Jahres, in anderen Traditionen auch auf einen Neumond. Es war das erste hohe Fest im keltischen Jahreskreis, also sozusagen eine Art "Neujahr" zum Winteranfang. Im Mittelalter bezog sich das irische Fest auf den 1. November und bedeutete "das Ende des Sommers" und galt auch als letztes Ernte(dank)fest des Jahreskreises. Es fand zu diesem Anlaß eine königliche Versammlung statt. Man beging es in der Nacht vom 31.10. auf den 1.11.

Die Vorstellung, dass sich in dieser metereologisch auch sehr stürmischen Zeit die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verwischte und die Geister der Anderswelt den Hiesigen Besuche abstatten konnten, motivierte viele ehrfurchtsvolle wie furchtsame Bräuche der Ahnengläubigen, die ihre Verblichenen ehren, sich zum Teil aber auch vor ihnen schützen wollten, sodass einige Sitten wie das Aufstellen von Lichtern und die Unkenntlichmachung durch Verkleidungen sowohl der Leitung wie auch der Irreleitung der Ahnengeister gedient haben sollen, um sich vor Schaden zu bewahren.

Die nächste Gelegenheit für die Anderswelt, den Kontakt zu den Hiesigen zu suchen, war nach den keltischen Vorstellungen die Zeit des Beltane-Festes (Beltaine) ein halbes Jahr später im Frühjahr. In der Nacht vom 30.4. auf den 1.5. begingen die Kelten den Beginn des Sommerhalbjahres. Im hiesigen Kulturkreis hat sich aus heidnischer Zeit die Walpurgisnacht erhalten. Es handelte sich um ein Mondfest und zwar zum Zeitpunkt des ersten Vollmondes zwischen der Frühjahrestagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende. Das während der christlichen Zeit verteufelte und mit Hexenumtrieben in Zusammenhang gebrachte Fest erhielt seinen Namen von der mittelalterlichen heiligen Äbtissen Walpurga, die um 870 am 1.5. heilig gesprochen worden sein soll. In der Neuzeit standen die traditionellen Bräuche Pate für allerlei Maifeste.

Diese alten und neuen kultischen Feste im Jahreskreis hatten hohe soziale und auch persönliche Bedeutung, symbolisierten sie doch den gesunden Ausgleich von natürlichen und übernatürlichen Kräften und Gewalten des Mikro- und des Makrokosmos, des Individuums, der Gemeinschaft und der Natur. Solange der Mondkalender uneingeschränkt galt, wie z.B. im kirchlichen Jahreskreis auch noch für das sich jedes Jahr im Datum verschiebende Osterfest und den Weißen Sonntag, waren diese Feste an einem jeweils anderen Tag des Sonnenjahres. Als das Sonnenjahr mit seinen 365 Tagen endgültig maßgeblich wurde, erfolgten Festlegungen auf ein bestimmtes Datum, eben z.B, die Nächte vom 31.10. auf den 1.11. und den 30.4. auf den 1.5., unabhängig von der Mondphase.

Beim kirchlichen Allerheiligenfest versuchte man schließlich all derer zu Gedenken, die nicht nach einem kirchenrechtlichen Selig- und schließlich Heiligsprechungsprozeß zu den so genannten kanonisierten Heiligen erkoren und in den Kirchenkalender mit einem eigenen Gedenktag aufgenommen wurden. Die katholische Kirche ging irgendwann einmal davon aus, dass zu allen Zeiten Menschen auf der Erde gelebt hätten, deren Leben auch vor Gott gelungen sei, indem sie sich ganz auf ihn und seine (Liebes-)Gebote eingel.assen hätten, auch wenn die offizielle Kirche davon noch keine Kenntnis genommen hätte, z.B. weil es sich um fromme vorchristliche Menschen gewesen seien. Damit kam man letztlich auch volksgläubigen Ströhmungen entgegen, die Heiligenlegenden zum Teil auch über mythologische oder geschichtlich letztlich nicht in Gänze fassbare Personen hervorbrachten, etwa auch in Irland.

Obwohl nicht alle Christen Heilige verehren, z.B. tun dies die Protestanten nicht, gibt es die Idee, dass es besondere, "heiligmäßige" Menschen und damit sozusagen auch "spirituelle Ahnen", Helfer und Fürbitter gibt, die nach dem Ableben aus jenseitigen geistigen Dimensionen auf das Schicksal von Menschen und Völkern einwirken können, vermutlich auf der ganzen Welt. Im Buddhismus sind Arhats Verwirklichte, die ihre Buddhanatur erkannt und sich von Anhaftungen an Samsara befreit haben. Im tibetischen Buddhismus kehren Boddhisatwas entsprechend ihrem Gelübte bewußt solange Leben für Leben als Verwirklichte in die Welt des vergängllichen Scheins zurück, bis das letzte fühlende Wesen ebenfalls Befreiung erlangt hat. Und an den Schreinen muslimischer Heiliger und Sufis oder von Patriarchen und Propheten, die den drei monotheistischen Religionen der Juden, Christen und Muslime heilig sind, beten eben auch von Indien über Arabien bis Palästina Juden, Christen und Moslems.

So scheint es auch eine innere Beziehung zwischen alten, so genannten heidnischen Ahnenvorstellungen und Kulten und einer Art spirituellen Ahnenverehrung z. B. auch im Sinne eines Allerheiligenfestes zu geben, wobei die Art des römisch-katholischen Umganges im Rahmen eines kirchenrechtlichen Prozesses, angeblich vor allem, um "Aberglauben" zu verhindern, schon sehr speziell ist. Die Protestanten scheinen trotz der Ablehnung der römisch-katholischen Jurisdiktion, die sich im Mittelalter für Luther durch päpstlichen Mißbrauch diskreditierte, auch noch bestimmte "rechtgeleitete" Vorstellungen über "heilige" Feiertage und verehrungswürdige Personen (z.B. Martin Luther), nach denen man auch Kirchen benennt, zu haben. So sprach die als liberal geltende Bischöfin Käsmann anläßlich des Reformationstages über dessen herausragende Bedeutung für ihre lutherische Kirche vor allem anderen "Spuk", womit sie das von allen Kirchen oft kritisierte Halloweentreiben gemeint haben soll.

LG, Michael
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Mittwoch, 31. Oktober 2007, 19:21

Es ist mal wieder so weit: "Halloween"

Den wetternden Kirchenleuten;), insbesondere auch protestantischen Pastoren am "Reformationstag" zum Trotz:frech: Es ist mal wieder so weit: "Halloween" :evil: treibt Tausende von Kindern auf die Strassen, um bei den Nachbarn zu geistern :gost und mit dem Spruch: "Süßes:zahn oder Saures:zwil" Süßigkeiten locker zu machen. Na, dann füllt mal Eure Vorräte:sense !

LG, Michael :P
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Freitag, 31. Oktober 2008, 09:36

RE: "Halloween": Brauchtum und Bedeutung

Zitat

Original von Michael

Halloween wurde ursprünglich in den katholisch gebliebenen Gebieten der britischen Inseln insbesondere Irlands und zum Teil Schottlands begangen und bedeutete "der Vorabend vor Allerheiligen": "All Hallows Eve(ning)". Das Ereignis verbreitete sich mit den irischen Auswanderern nach Nordamerika. Es ist ein alter kirchlicher Usus gewesen, heidnische Kulte und auch Kultorte in die neue christliche Religion zu integrieren und zu absorbieren und somit die Akzeptanz der Anhänger der alten lokalen religiösen Traditionen zu fördern. So wird vermutet, dass das alte keltische Samhain-Fest, das ursprünglich an diesem Termin begonnen wurde, mit seinen Traditionen und Bräuchen in die Halloween-Bräuche eingegangen sein könnte, was aber keineswegs sicher ist.

Während sich Halloween heute aus Amerika zurück auf den Kontinent kommend wachsender Beliebtheit bei den Kindern erfreut, empören sich insbesondere evangelikale nordamerikanische Kirchen zunehmend über diese Bräuche, da sie satanistische Mißbräuche befürchten. Über ältere, heidnische Totengedenken oder Totenfeste gibt es jedoch eine Verbindung mit dem Jenseitsgedenken der katholischen Kirche zu Allerheiligen am 1.11. Im keltischen Glauben war der Gedanke verankert, dass sich zum Zeitpunkt des Samhain-Festes die Anderswelt der Verstorbenen und Geister der Welt der Lebenden sehr annähert und Verbindungen möglich sind. Hier gibt es sicher Verbindungen zu alten ahnenkultischen Vorstellungen, wie sie überall auf der Welt existiert haben und zum Teil immer noch existieren, auch wieder im "Neuheidentum" z.B. des Wicca-Kultes.

Das keltische Samhain-Fest fiel auf den britischen Inseln traditionell auf den elften Vollmond eines Jahres, in anderen Traditionen auch auf einen Neumond. Es war das erste hohe Fest im keltischen Jahreskreis, also sozusagen eine Art "Neujahr" zum Winteranfang. Im Mittelalter bezog sich das irische Fest auf den 1. November und bedeutete "das Ende des Sommers" und galt auch als letztes Ernte(dank)fest des Jahreskreises. Es fand zu diesem Anlaß eine königliche Versammlung statt. Man beging es in der Nacht vom 31.10. auf den 1.11.

Die Vorstellung, dass sich in dieser metereologisch auch sehr stürmischen Zeit die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verwischte und die Geister der Anderswelt den Hiesigen Besuche abstatten konnten, motivierte viele ehrfurchtsvolle wie furchtsame Bräuche der Ahnengläubigen, die ihre Verblichenen ehren, sich zum Teil aber auch vor ihnen schützen wollten, sodass einige Sitten wie das Aufstellen von Lichtern und die Unkenntlichmachung durch Verkleidungen sowohl der Leitung wie auch der Irreleitung der Ahnengeister gedient haben sollen, um sich vor Schaden zu bewahren.
:gost

Wie auch immer Ihr Eurer Ahnen, Toten, guten und unguten Geister gedenken wollt, heute habt Ihr dazu eine inzwischen auch bei uns schon fast wieder "traditionelle" Gelegenheit zum "Halloween". Wenn auch die Kirchenleute noch grummeln, die Kinder haben Spass an Süßigkeiten und/oder Schabernack und die Werbung und die Geschäftsleute haben diesen neuen Markt für ihre Freizeitindustrie natürlich schon längst entdeckt und so können in der kommerzialisierten Welt allerorten Halloween-Artikel und entsprechende Auslagengestaltungen in den Schaufenstern bewundert werden. Manchmal ist dem Kommerz eben doch etwas heilig, nämlich das, was einträglich ist. Aber warum Moralisieren: Zweifellos kann man mit ein wenig Gruseln auch Spass haben, nicht nur in den Geisterbahnen. Die Kinder wissen das.
:evil:
LG, Michael
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Samstag, 31. Oktober 2009, 01:11

Halloween wirft im Mondlicht seinen Schatten voraus

:gost Alle Jahre wieder. Heute kommt Halloween. Einen Vorgeschmack bot der nächtliche Mondspaziergang heute Nacht mit dem weißen Schäferhund, der im hellen Mondlicht aufleuchtete. Sternenklar und frostig war es und die Ausatemluft wurde bereits als kleiner Nebel sichtbar. Das trockene Laub, das vom frischen Wind schon zahlreich von den Bäumen gefegt wurde, raschelte laut bei jedem Schritt und gab dem Gang durch den Park eine etwas unheimliche Note.

Von Ferne hörte ich Geschrei und Getöse. Eine Gruppe betrunkener Jugendlicher zog singend und randalierend durch eine Straße, vielleicht von einer Disko kommen und in die Nächste ziehend. Oder war es die unheimliche Schar der Gewesenen und Abgelebten, der Geister, die um diese Zeit das offene Tor der Anderswelt nutzen, um uns einen Besuch abzustatten? Es naht die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November. Dann dann ist die Zeit der lustigen Kinderstreiche, der unheimlichen Geschichten und der merkwürdigen Begebenheiten, die es eigentlich nicht geben sollte.
:evil:
Wie auch immer: Mögen alle ihre Freude an Begegnungen der dritten Art haben und auch den steifen Erwachsenen sei gesagt: am kommenden Abend freuen sich die Kinder auf etwas Süßes und über Bewunderung für ihre phantasievollen Maskeraden... Unsere Kinder haben jedenfalls schon ihren "Graf Grusel" aus einem dicken Kürbis geschnitzt und den Inhalt für die morgige Kürbissuppe und den Kürbiskuchen bereit gestellt. Das Treppenhaus ist von Weben durchzogen und dicken Spinnen bevölkert und der Knochenmann liegt einladend in seinem Sarg. Seine untoten Kollegen und die bettelnden Kindergeister können kommen und in eine wohlgefüllte Schüssel mit allerlei ekelig Süßem greifen...
:sense

:zahnMichael :n8
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Montag, 1. November 2010, 01:08

Halloweenparty

Diesmal haben die Kinder aus eigenem Antrieb wieder eine wunderbare Halloweenparty vorbereitet und zusammen mit fünf eingeladenen Freundinnen zogen sieben Hexen und drei Hexer durch die Straßen, um vorher und anschließend ihre Party zu feiern. Toll, welche Kreativität sie entfaltet und wie gut sie das alles organisiert haben - mit knapp 12 Jahren, denn es ging auf die Inititiative der Jüngsten zurück. Und anschließend haben sie noch den Tisch aufgeräumt. Ich war schon sehr angenehm überrascht.
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Donnerstag, 4. November 2010, 07:55

wir waren gerüstet mit tonnen von süßigkeiten .... aber alles zog an unserem haus vorbei ----- wie sich später herausstellte, lag es daran, dass unsere klingel noch nicht da ist, wo man sie sehen kann und die dunkle ecke ist nicht beleuchtet. jetzt verteilt töchterchen die sachen heute in ihrer klasse :D .... die werden sich freuen.
:evil: :evil: :evil: :evil: :evil: :evil: :evil: :evil: :evil:
"Eine Erfolgsformel kann ich den Menschen nicht geben, aber ich kann ihnen sagen, was zum Misserfolg führt: der Versuch jedem gerecht zu werden."

Herbert Bayard Swope

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Samstag, 6. November 2010, 00:04

Reaktionen auf verdrängte Bedürfnisse

Auch unser Vorrat wurde kaum beansprucht. Hier bei uns ist der alte irische, auf keltische Wurzeln zurückgehende Brauch trotz der amerikanischen Verbreitung noch ziemlich unbekannt, obwohl es analog eine Vielzahl eigener, kulturell verwurzelter "Heischebräuche" in unserem Land gibt. Als nächstes kommt das Martinisingen, das in protestantischen Gegenden an Martin Luther (10.11.) gemahnt oder in katholischen Gebieten an alte Sankt-Martins-Bräuche (11.11., zugleich Fasnachtsbeginn).

Interessant ist, welch heftige Reaktionen es bei den leer ausgehenden Bittstellern oder den verärgerten, sich bedroht oder belästigt fühlenden Hausbewohnern laut Medienberichten mitunter geben kann. Da wurden auch schon Kinder verprügelt. Ausdruck eines ängstlichen, intoleranten, gereizten gesellschaftlichen Grundklimas mit entsprechendem Misstrauen zwischen den Generationen?

Tiefenpsychologisch könnten die als Hexen und gierige Monster verkleideten bettelnden Kinder den Erwachsenen mit ihrer Forderung "Süßes oder Saures" ("Trick or Treat") ihre eigenen ungestillten und jetzt als Gier abgelehnten und verdrängten kindlichen Bedürfnisse spiegeln und dadurch massiven Widerstand mobilisieren.

Bedürfnisse, die abgelehnt, verdrängt, verleugnet und abgespalten werden, kehren in ihren Schattenbildern als gierige, nimmersatte Fratzen zurück und bevölkern als Archetypen oraler oder phallischer Bedrohung unsere Märchen, Sagen und damit in Verbindung stehenden Bräuche, die der kollektiven magischen Abwehr dieser zivilisationsbedrohenden (Un-)Geister dienen.

Michael
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Donnerstag, 17. Februar 2011, 12:07

Es ist schon mit einem Augenzwinkern zu betrachten, dass ausgerechnet die Vertreter der Religionen mit dem Spitituellen Ursprüngen unserer keltischen und germansichen Religionen so schwer tun. Schließlich sind ja auch der Protestantismus und der Katholizismus Religionen und haben so einen spirituellen Anspruch. Dennoch haben sie es nicht ganz geschafft unsere spirituellen Ursprünge zu verdrängen. In den angelsächsischen Ländren wird noch fleißig Helloween gefeiert, in Südwestdeutschland und in der Schweiz die allemannische Fassenacht. Dann gibt es noch den Weihnachtsbaum, eher ein Brauch aus dem germanischen Sonnenwendefest und in Island gibt es oder gab es sogar mal einen Elfenbeauftragten von der Regierung, der aufpasst, dass etwa beim Straßenbau die Elfen nicht gestört werden. Überhaupt ist in Skandinavien das heindnische noch gegenwärtiger, was vielleicht darin liegt, dass die Jungs und Mädels dort erst ein knappes halbes Jahrtausend später christinisiert wurden. Der Mensch ist halt ein spirituelles Wesen und lässt sich seine Spiritualität nicht bis ins letzte Detail vorschreiben.

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Freitag, 18. Februar 2011, 09:49

Religiöse Vorschriften

Zitat

Original von Jultomte
... Der Mensch ist halt ein spirituelles Wesen und lässt sich seine Spiritualität nicht bis ins letzte Detail vorschreiben.


Verfasste Religiosität hat oft einen "Pferdefuß", nämlich die Dogmatik. Es stellt sich mir ganz ketzerisch die Frage, ob "Vor-Schriften" nicht eher "des Teufels" sind, als dass sie göttlichen Eingebungen entspringen? Mag sein, dass der Urmensch besondere Hordenmitglieder für begabt hielt, als Schamane den Verkehr mit Ahnen und Geistern zu führen und zwischen menschlichem und göttlichen Bereich zu vermitteln. Die Aufklärung sollte uns genügend Selbsterkenntnis und die Psychologie genügend Selbstbewusstsein vermittelt haben, um die Machtansprüche von Dogmatikern und Priestern zurückzuweisen, die sich zwischen die individuelle Seele und den numinosen Bereich des Heils stellen wollen.

Michael
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Sonntag, 1. November 2015, 17:15

Samhain

Hallo Zusammen,
wo ich diesen Faden lese, frage ich mich, ob sich in den Jahren etwas verändert hat. Ist es inzwischen akzeptierter Halloween zu feiern?

Ich selbst finde mich Stück für Stück mehr in die alten Feste ein. Mit Halloween und dem Umherziehen kann ich nicht so viel Anfangen, das ist mir fremd. In meiner Kindheit gab es das mehr oder weniger bei manchen Familien der Siedlung (Süd-Baden). Solche Widerstände und Ängste sind mir da nicht zu Ohren gekommen, obwohl es dort recht christlich zugeht.

Samhain dagegen ist anders, der Klang des Wortes allein ist mir Vertraut, obwohl mir noch nicht so klar ist wie ich es selbst angemessen begehen kann, außer es im inneren Wichtig zu nehmen und Bewusst wahrzunehmen. (Kinder habe ich noch nicht)
Ich lerne gerade die kollektiven Energien bewusster wahrzunehmen. Vor einer Woche (Samstag auf Sonntag), wenige Tage vor dem Vollmond war es ein Gefühl wie eine Wage auf einer Nadel die genau in der Mitte weilt. Die Tagesstruktur hat es widergespiegelt, bei so vielen Gelegenheiten standen die Dinge dazwischen, nicht das eine und nicht das andere, jederzeit bereit in die eine oder andere Richtung zu kippen. Ist das eine typische Energie für die Zeit um Samhain?

Hier wurde die Fastnacht angesprochen, die beginnt im Schwarzwald am 11.11. um 11:11 Uhr, also etwas später und wird eigentlich erst viel später im Januar gefeiert und dort nur von wenigen eingeläutet.

Gruß
Leander

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Sonntag, 1. November 2015, 23:20

Samhain begehen



...
Samhain dagegen ist anders, der Klang des Wortes allein ist mir Vertraut, obwohl mir noch nicht so klar ist wie ich es selbst angemessen begehen kann, außer es im inneren Wichtig zu nehmen und Bewusst wahrzunehmen. (Kinder habe ich noch nicht)
Ich lerne gerade die kollektiven Energien bewusster wahrzunehmen. Vor einer Woche (Samstag auf Sonntag), wenige Tage vor dem Vollmond war es ein Gefühl wie eine Wage auf einer Nadel die genau in der Mitte weilt. Die Tagesstruktur hat es widergespiegelt, bei so vielen Gelegenheiten standen die Dinge dazwischen, nicht das eine und nicht das andere, jederzeit bereit in die eine oder andere Richtung zu kippen. Ist das eine typische Energie für die Zeit um Samhain?
...


Samhain heutzutage angemessen zu begehen, ist schwierig, falls man sich nach authentischen Vorbildern richten möchte. Die gibt es nämlich nicht, nur die mittelalterlichen Aufzeichnungen älterer irischer Sagen aus der keltischen Vorzeit. Diese sind recht blutig und voll Kampfgetümmel. Während manche Überlieferungen den Jahresanfang in das Frühjahr legten, verorteten andere Traditionen den Jahresbeginn an Samhain. In der polaren Welt der keltischen Dualität ist Samhain der dunkle Pol und steht dem hellen Pol im Frühjahr an Beltane gegenüber. Das passt auch zur Jahreszeit. Die Nacht zum 1. November im Sonnenjahr bzw. die Zeit des Vollmondes um dieses Datum herum ist die Zeit der immer kürzer werdenden Tage und länger werdenden Nächte. Es wird Winter, es wird kalt, es wird dunkel.

Das Fest steht mit dem Tod und den mythischen Ahnen in der Unterwelt bzw. Anderswelt in Verbindung, mit den archaischen Erd- und Muttergottheiten. Im Keltentum ist der Tod nur der Ausgang aus dem alten und der Eingang in das neue Leben. An den vier großen Festen - Samhain ist eines davon - können die Lebenden mit den Ahnen und den Wesen der anderen Welt, der Feen-, Zwergen-, Riesen- und Götterwelt aber auch mit weniger freundlichen Geistern und Dämonen in Kontakt treten und sogar in diese Welt gelangen, was für Normalsterbliche ohne heldenhafte Veranlagung nicht empfohlen wird.

Die innere Ebene der energetischen Bedeutung, die man auch begehen könnte, ist die der Bilanz, der Rechenschaft, der Rückschau und der Vorschau. Es kommt etwas zum Abschluss und sinkt zurück ins Dunkel und es taucht Neues auf und erscheint am Horizont. Die verschiedenen Anhänger des so genannten Neuheidentums haben ihre jeweils ganz eigene Vorstellung von Halloween, das "Allerheiligen" der Christen, das Samhain der keltischen Druiden und entsprechend begehen sie es unterschiedlich, mehr oder weniger spirituell und innerlich irgendwelchen esoterischen Interpretqtionen folgend oder auf eine phantasievoll nachempfundene historisierende Weise.

Wie auch immer. Mir gefällt die Form der Bilanz am besten sowohl innerlich wie äußerlich: man bringt die letzte Ernte ein und sichert sie für den Winter, lagert Nüsse, Obst, Heckenfrüchte, trocknet Pilze, kocht ein, räuchert, keltert, braut, pflügt das Feld um, zählt das Vieh, sammelt Laub für Einstreu und Bettsäcke und nun kann der Winter kommen mit seinen typischen Arbeiten: Holz schlagen, jagen, Heimarbeit.

Und man hält auch innerlich Resümee: Was war gut in diesem Jahr, was ist noch zu erwarten, welche Verluste sind zu beklagen, sind wir gereift und gewachsen, hat es gereicht und war es genug, können wir gehen oder müssen wir bleiben? Und was streben wir als nächstes an? Mit wessen Hilfe? Und nicht zuletzt: wem haben wir zu danken? Wen wollen wir nicht vergessen? Wer benötigt unsere Zuwendung?

LG, Michael
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