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Freitag, 7. April 2006, 23:09

Gebet und Versenkung - Zwiegespräch mit dem Ewigen am Beispiel des "Vater unser"

Gestern hat Sophie eine Studie über die Auswirkungen einer bestimmten Gebetsform auf Operationskomplikationen zur Diskussion gestellt. Das veranlaßt mich, überhaupt einmal über das Thema "Gebet" oder "Zwiesprache mit dem Ewigen, dem Höchsten, Gott" oder wie immer man dazu sagen möchte, nachzudenken. In der mystischen Versenkung, so wie Meister Eckhart sie erlebt und beschrieben hat, ist das Auge, mit dem er Gott schaut, das Auge, mit dem Gott ihn sieht. Die Ebenen verschmelzen. Gott wird im Herzen lebendig wahrgenommen und der Mensch fühlt sich wieder angenommen und eins mit seinem Ursprung.

Es verwundert nicht, dass die Apostel Lukas und vorallem Matthäus das überlieferte "Herrengebet" auf eine Weise von Jesus einführen lassen, dass klar wird, dass der Mensch und Gottessohn Jesus dieses Einigsein oder -werden mit dem Vater erfährt und voraussetzt. So könnte man jedenfalls die Einführung des Matthäus im Neuen Testament verstehen (Matthäus 6,7-13): Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die sich einbilden, dass sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen. Werdet daher nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr nötig habt, ehe ihr ihn bittet. So nun sollt ihr beten: Unser Vater, du im Himmel, geheiligt werde dein Name. Es komme dein Reich. Es geschehe dein Wille wie im Himmel auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben haben unseren Schuldnern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen.

Bei Lukas heißt es im Neuen Testament (Lukas 11,1-4) kürzer und prägnanter: Es begab sich, als er an einem Ort im Gebete verweilte und es beendete, da sagte einer seiner Jünger zu ihm: "Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte." Er sagte zu ihnen: "Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name; es komme dein Reich! Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag! Und vergib uns unsere Sünden; denn auch wir vergeben jedem unserer Schuldner! Und führe uns nicht in Versuchung!" (jeweils zitiert nach der katholischen Bibel von 1962, P. Pattlochverlag, NT herausgegeben und übersetzt von Prof. Dr. Josef Kürzinger). Interessant ist im Übrigen unter anderem der Wikipedia-Text: http://de.wikipedia.org/wiki/Vaterunser .

Natürlich wurden wir in der Kirche und zuhause früher angehalten, zu beten. Die Formel ist nur all zu vertraut, in Deutsch, in Latein: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. (Denn dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.) Amen. Und in Latein: Pater noster, qui es in caelis; sanctificetur nomen tuum; adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie; et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris; et ne nos inducas in tentationem; sed libera nos a malo. (Quia tuum est regnum, et potestas, et gloria in saecula.) Amen.

Aber die Formeln verlasse ich in der "Meditation" und auf dem Weg vom Wachen in den Schlaf. Nie ist die Verwandlung und Verinnerlichung zuende. Immer wieder neu und tiefer senkt sich ein Gedanke, bevor ich ihn wieder fliegen lasse. Unzählige Wendungen, z.B. wie diese: Vater und Mutter darf ich Dich nennen, der Du mich außen umfängst, erfüllst und ganz in Dir hälst. Du umspannst mit mir Erde und Himmel. Ich treffe Dich an jedem Ort zu aller Zeit. Mein Herz preist Dich und Deinen heiligsten Namen. Alles gehört zu Dir und geschieht nach Deinem Willen. Du sättigst uns und so stillst Du all unser Verlangen, jeden Tag. Du löst uns aus der Schuld und lehrst uns, alle Schulden zu erlassen. In Dir ist nichts Böses und Du läßt uns Frieden finden. Denn Du bist der, der war, der ist und der sein wird, alle Zeit und in Ewigkeit.

Für mich ist eine Gebetshaltung ein Bewußtwerden dessen, was schon ist. Es ist nicht nötig, zu betteln. Vater und Mutter wissen, was not tut. Es ist nur nötig, sich mit ihnen in Verbindung zu setzen, sie zu spüren, sich zu öffnen, bereit zu sein, bewußt zu sein. Im Autogenen Training wendet man positive Formeln im Präsenz an, als wenn das Herbeizuführende bereits da ist, geschieht. Ja, im Keim ist schon alles vorhanden, die ganze Pflanze, der Bauplan. Gebet ist eine Einstimmung auf das Ganze, Tiefe, Hohe, Umfassende, Enthahltende, Hervorbringende. Es bedeutet nicht, einen Wunschzettel auszufüllen. Das wäre "heidnisch", ohne Glauben, Gewißheit, Bewußtsein. Gebet ist in diesem Sinne Versenkung in das Sein, das Eigentliche, immer schon Seiende, Einreißen des Trennenden, Wiedervereinigung, Ankommen.

LG, Michael
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Sonntag, 9. April 2006, 23:16

Andere Stimmen zum Thema "Gebet"

Aus dem Buch "Ein Kurs in Wundern" (amerikanisches Original "A Course en Miracles" von 1975), Greuthof Verlag Gutach, 5. Auflage 2001, fand ich auf den Seiten 163 und 164 folgenden Text:

"II. Die Antwort auf das Gebet

Jeder, der je versucht hat, das Gebet zu verwenden, um etwas zu erbitten, hat so etwas wie einen Fehlschlag erlebt. Das trifft nicht nur im Zusammenhang mit bestimmten Dingen zu, die schädlich sein könnten, sondern auch in Verbindung mit Bitten, die genau mit diesem Kurs übereinstimmen. Besinders Letzteres könnte fälschlicherweise als "Beweis" dafür gedeutet werden, dass der Kurs nicht meint, was er sagt. Erinnere dich aber daran, dass der Kurs wiederholt sagt, sein Ziel sei das Entrinnen aus der Angst.

Lass uns also einmal annehmen, dass das, was du vom HEILIGEN GEIST erbittest, das ist, was du wirklich willst, was du aber noch fürchtest. Sollte dies der Fall sein, so würde, es zu erlangen, nicht mehr das sein, was du willst. Deshalb kommen bestimmte konkrete Formen der Heilung nicht zustande, auch wenn der Zustand der Heilung erreicht wird. Es mag jemand um körperliche Heilung bitten, weil er Angst vor körperlichem Schaden hat. Gleichzeitig könnte - würde er körperlich geheilt - die Bedrohung für sein Denksystem ihm wesentlich mehr Angst machen als dessen körperlicher Ausdruck. In diesem Fall bittet er nicht wirklich um Befreiung von der Angst, sondern um die Beseitigung eines Symptoms, das er selbst gewählt hat. Daher geht es bei dieser Bitte gar nicht um Heilung.

In der Bibel wird betont, dass jedes Gebet erhört wird, und das ist in der Tat wahr. Allein die Tatsache, dass man etwas vom HEILIGEN GEIST erbeten hat, stellt eine Antwort sicher. Doch es ist ebenso gewiss, dass keine Antwort, die ER gibt, jemals die Angst vermehren wird. Es ist zwar möglich, dass SEINE Antwort nicht gehört wird. Aber es ist unmöglich, dass sie verloren geht. Es gibt viele Antworten, die du bereits empfangen, aber noch nicht gehört hast. Ich versichere dir, dass sie auf dich warten."


Den Inhalt dieser Schrift, die von einer "Foundation for Inner Peace" in den USA herausgegeben wird, kann man als eine Art nichtkonfessionelle christliche Erleuchtungsbotschaft klassifizieren, die sich zum Ziel setzt, in einer Art (Lese-) "Kurs" innerhalb einer Lebensspanne von Angst und Glaubenszweifel zu befreien. Über das Buch kann man auch hier nachlesen: http://www.ekiw.org/ . Von den Kirchen dürfte dieser Kurs in Wundern und seine Autoren mit größter Skepsis gesehen werden und manche Etablierte mögen ihn gar in die Ecke von Sektierern stellen. Ich fand in den Ausschnitten, die ich bisher gelesen habe, jedenfalls recht interessante und tiefgehende Gedanken. Wie ich jetzt feststelle, gibt es dazu sogar ein Forum: http://f20.parsimony.net/forum36831/

LG, Michael
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Sonntag, 9. April 2006, 23:39

Bitten an die "himmlischen Mächte" als eine Form eines "Heilungsgebetes"

Laut verschiedener christlich motivierter Darstellungen über hilfreiche himmlische Geistwesen, Engel genannt, sind diese Mächte immer bereit, im Sinne göttlicher Liebe für die Menschen hilfreich zu wirken. Da nicht nur sie die freie Willensentscheidung haben, auch wenn sie helfen wollen, sondern auch der Mensch, sei mit einem Eingreifen dieser Mächte ohne eine Einladung dazu nicht zu rechnen. Außerdem orientieren sie sich an den höheren Zielen des Heiligen Geistes und richten ihre Hilfe nicht nach den vordergründigen Bitten der Menschen sondern ihrem tiefsten Verlangen nach Heil und Frieden aus. Dafür müsse sich der Mensch aber öffnen. So kann dann auch etwas Wunderbares geschehen. In anderen, nicht christlichen Kontexten sind die spirituellen Helfer unter anderen Namen bekannt.

Für mich persönlich geht es bei der Beschreitung dieses Weges immer um eine Öffnung für das Eingreifen der höchsten Essenzen, von denen sich meine heilsameren Überzeugungen inspirieren lassen. Ich öffne mich diesen möglichen, von mir oft nicht begriffenen Inspirationen weiter und weiter und lege meine Ängste, Befürchtungen und Begrenzungen ab. Ich lasse mich führen. Anschließend bedanke ich mich für diese Inspirationen und ihre Wirkungen. Selbst wenn ich etwas sehr Konkretes im Sinne hätte, lasse ich geistig immer Platz für das unerwartete Wunder und bin dann nicht enttäuscht, wenn die Antwort nicht in der Sprache kam, die ich mir am liebsten gewünscht hätte. Ich glaube, damit ein solcher Weg wirksam beschritten werden kann, ist kein bestimmter Glaube und keine bestimmte Religion nötig. Man könnte sich auch einfach an sein höheres Selbst wenden.

LG, Michael
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Mittwoch, 30. Juli 2014, 00:06

Halte uns in Deiner Treue

Die jüdische Religionsphilosophin Ruth Lapide hält die übliche christliche Formulierung des "Vater Unser": "Und führe uns nicht in Versuchung", für unjüdisch, denn nach jüdischem Glauben ist Gott kein Versucher. Aus der Sicht der jüdischen Bibel versuchte Gott auch nicht Hiob. Der Versucher war der Böse und weil Gott Hiob die Treue hielt und er wusste, dass auch Hiob treu zum Gott des Bundes hielt, ließ er den Versucher, den Bösen gewähren. Somit hätte der jüdische Lehrer und Rabbi Jesus bei seinem "Vater Unser" wohl eine andere Formulierung gewählt und Ruth Lapide schlug daher folgende Wendung vor: "Und führe uns in der Versuchung." Oder wie wäre es mit folgendem Satz: "Halte uns in Deiner Treue und Freude!"?
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