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Sonntag, 20. Dezember 2009, 18:47

Vierter Advent - Betrachtung über das Weihnachtslicht

Heute ist der vierte Adventssonntag. Viele Familien, auch solche, die mit der christlichen Botschaft unserer europäischen oder deutschen Weihnachtstradition weder vertraut sind, noch diese schätzen, schmücken ihre Häuser mit adventlichem Lichterschmuck oder haben einen Adventskranz und entzündeten die vierte Kerze. Unsere Kinder sangen beim Anzünden der Kerzen heute den schon Jahrzehnte alten Reimwitz: „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt!“ Ich habe im Rahmen meiner psychotherapeutischen Tätigkeit aber auch unter Kollegen in der Adventszeit viele Gespräche mit Einzelnen und Familien aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen geführt und festgestellt, dass unabhängig vom Herkunftsbezug und den Erinnerungen an eigenen überlieferten Traditionen bei fast allen, die die Winterzeit in einem nord- oder mitteleuropäischen Land verbringen, Kenntnisse von einigen wichtigen Elementen der Advents- und Weihnachtsbräuche vorhanden sind und die, die diese Bräuche ausüben, einen Zugang zu einigen Ideen haben, die über die uralten mythologischen Rituale bis heute transportiert werden. Menschen aus christlichen, jüdischen, muslimischen, jesidischen, „heidnischen“ aber auch atheistisch-humanistischen Familientraditionen stellen sich auf die uralte Landestradition, auf das, was die Erde an diesem geografischen Ort seit Jahrtausenden den Menschen durch kosmische Bezüge an Metaphern für eine innere Wandlung nahe legt, ein.

Manchmal folgen die Menschen den Traditionen des Landes, die älter sind, als die Traditionen der monotheistischen Religionen und des Christentums, weniger aus einem religiösen Interesse, sondern vordergründig aus einem politischen Integrationswillen. So hörte ich von Flüchtlingen aus einem inzwischen überwiegend muslimischen Land (Libanon), dass der Vater als „Ritualchef“ der Familie die Übernahme der deutschen Weihnachtstraditionen mit Lichterbaum, Geschenken und teilweise sogar Kirchgang anordnete und bei einem tolerant gelebten muslimischen Glauben den Kindern keinen Moscheebesuch vorschreibt. Genauso verhielten sich einige Jesiden, die einen toleranten Umgang mit Weihnachtssymbolik praktizierten. Nur von den Zeugen Jehovas hörte ich nach wie vor eine möglichst weit reichende und deutliche Abgrenzung zu allen Festbräuchen dieser Region. Auch Familien mit traditionell jüdischem Hintergrund, der allerdings zum Teil in Zeiten des Kampfes gegen Monarchie und später faschistischer Diktatur atheistisch-humanistisch überformt wurde, gibt es neben der Tradition der „Chanukka-Festes“ (in diesem Jahr schon am 12.12. und erst 2011 am 21.12.), ebenfalls ein Lichtfest mit genau festgelegter Reihenfolge der Entzündung der acht Chanukka-Lichter der Menora am 9., dem „Dienerlicht“, oft eine mitteleuropäische Weihnachtstradition, die vermutlich schon in den Wurzeln von der „Judenemanzipation“ integrierter, oft „aufgeklärter“ und wenig oder liberal religiöser jüdischer Bildungsbürger im 19.Jahrhundert stammte. Selbst in der atheistischen DDR feierte man in deutsch-jüdischen Familien mit streng marxistischer Ausrichtung, die sich die Eltern im Kampf gegen die Nazis z.B. im russischen Exil zu Eigen gemacht hatten, Chanukka und Weihnachten. Wenn das aber so ist, so glaube ich, hat dies einen viel tieferen Hintergrund, als eine bloß formale Anpassung an schöne Bräuche, die vor allem die Kinder durch Kerzenschein, Tannen- und Weihrauchduft und Geschenke erfreuen.

Es hat, so meine Überzeugung, mit den kosmologischen Vorgängen zu tun, die hier im Winter auf unserer Nordhalbkugel zu beobachten sind und die unsere Jahreszeiten und unser Wetter bestimmen und damit das Aussehen und alle Lebenserscheinungen der Natur, die somit auch Einfluss nehmen auf unsere ganz persönlichen biologischen, also körperlichen und damit auch auf unsere seelischen Lebensprozesse. Schauen wir uns die äußeren Bezüge an, die wir wahrnehmen können: Am 20.12.2009 ist der zweitkürzeste Tag dieses Jahres, bevor nach dem kürzesten Tag morgen um 18:47 Uhr mitteleuropäischer Zeit die astronomische Wintersonnenwende zur längsten Nacht des Jahres einlädt und bevor ab dem Morgen des 22.12.2009 das Sonnenlicht bereits einige Minuten länger oberhalb des Horizontes auf die winterliche Nordhalbkugel scheint als am Vortage. Wir befinden uns also ganz nahe an dem Zeitpunkt, an dem das letzte Tageslicht mit der Übermacht der Dunkelheit ringt, die das Licht dennoch nicht dauerhaft überwinden kann. Diese besondere astronomische Zeit bietet den makrokosmischen Rahmen zum mikrokosmischen Geschehen in jedem Menschen und zum interpersonellen Geschehen zwischen den Individuen wie auch auf größere Zusammenhänge übertragen zwischen den Völkern. Und obwohl wir in diesem Jahr am 16.12. Neumond und es nachts entsprechend finster hatten, haben wir jetzt am heutigen Sichelmond durch den Schneefall in den vergangenen Tagen mit einer geschlossenen weißen Schneedecke bei bewölktem, von den irdischen Lichtern der Städte und Dörfer gelborange leuchtenden Himmel mitten in der Nacht selbst im Park und auf den Waldwegen ein geheimnisvolles Leuchten und Glimmen, das uns sagt: Auch in der dunkelsten Nacht in tiefschwarzer Dunkelheit gibt es von irgendwoher kosmisches Licht, das das irdische Fünklein erleuchtet und am Leben erhält.

Doch unser Leben hier auf der Erde, das ist leider wahr, das machen wir Menschen uns oft so schwer, dass wir und die anderen so in Gefahr kommen, das Leben leichthin zu verpassen. Angesichts dieser "Wahrheit" sind die Trauer und Ratlosigkeit unserer oft „Winterdepression“ genannten melancholischen Empfindungen der dunklen und kalten Jahreszeit angemessene Gefühle und es lohnt, ein wenig inne zu halten und zu horchen. Eine innere Stimme wird sich hören lassen oder vielleicht mehrere. Und dann gilt es, zu entscheiden: War die Stimme des Lebens dabei, des hellen Lichtscheins aus tiefster Tiefe? Das Adventlicht? Das Lebenslicht? Und bin ich bereit, zu folgen? Oder bin ich noch nicht bereit? Oder sitze ich den Irrlichtern meiner Verwirrung auf und folge einem von ihnen, bevor sich Klarheit eingestellt hat? Es ist nichts davon an sich falsch. Wir sind auf einem Erfahrungsweg. Misserfolgserfahrungen gehören auch im Advent und vor der Weihnacht wesentlich zu unserem Erfahrungsweg, auch das Erleben, sich verfahren zu haben, sich festgebissen, verirrt zu haben. Darum werden ja im Advent Lichter aufgesteckt wie Positionsleuchten auf einem Weg durch die Dunkelheit der seelischen Nacht. Sie symbolisieren außerdem den inneren Weihnachtsfunken, also das kommende größere Licht, äußerlich die immer schon als göttlich angesehene aufgehende Wintersonne, nach innen gesehen jedoch die Chance der inneren Neugeburt. Die Umkehr in das eigene Herz, wenn man das Herz auf den bisherigen Wegen zu selten mitgenommen hat. Kein äußerer, menschlicher Rat erreicht die Tiefen unseres Herzens, aus denen uns Rat erwachsen kann. Äußere Krisen reizen zum hektischen Agieren, eigentlich können sie aber sehr gut zur inneren Einkehr führen.

Fragen tauchen aus der innerlichen Versunkenheit auf: Was in mir ist schön, wertvoll und vor was in mir verberge ich noch mein Gesicht, obwohl es auch zu mir gehört und was mache ich dadurch dunkel, indem ich es vor mir verberge und mich vor ihm, obwohl es zu mir gehört, Teil meiner selbst ist? Wenn ich mich darauf einlasse, muss ich nicht mit äußeren Windmühlen kämpfen und ich kann auch in Not und Bedrängnis immer wieder fair und gerecht und ohne Rachedurst oder anhaltende Bitterkeit sein. Doch diese traurige Einkehr, bevor nach ganzem Auskosten dieses Gefühls besinnliche Freude wird, bleibt dem nicht erspart, der dem Phänomen der Vergeblichkeit und Sinnlosigkeit auf die Spur kommt, um seinen wahren Sinn zu entdecken und die dafür lohnende Anstrengung auf sich zu nehmen. Dieses Ringen um das Höchste und zugleich Tiefste in sich, das Ringen um Gotteserfahrung, ist übrigens der eigentliche Sinn, der sich hinter dem muslimischen Begriff des Dschihad (oder Djihad) verbirgt, der ein inneres Prinzip der Hingabe der Mystiker dieser Religion bedeutet. Gemeint ist die ausdauernde, heilige, innere Anstrengung. Der "heilige Krieg" findet in uns selbst statt und in ihm ringen wir unser Ego vom Thron nieder, in dem wir ihm seinen angestammten Platz geben und befreien die Liebe aus den Fesseln unseres Panzers. Wenn man diese Aufforderung an die befreiende Wirkung unserer Herzkräfte missversteht und ins Außen projiziert, meint man damit in der Verblendung z.B. wie ein politisch und religiös motivierter, angeblich um Gerechtigkeit kämpfender Selbstmordattentäter die explosive Wirkung von Sprengstoffgürteln, die einen ins Paradies und die Feinde in die Hölle katapultieren sollen. Unser hasserfüllter Streit mit Menschen, von denen wir einst etwas wollten, sogar "Liebe", unsere Art und Weise, in unseren Herzen und um uns herum verbrannte Erde zu schaffen, ist eine subtile Spielart des Terrorismus, ist Seelenterrorismus.

Die innere Botschaft von Weihnachten geht an unsere tiefste Menschlichkeit und das höchste göttliche Prinzip in uns und wir können im Leben einfach nur immer wieder die Anstrengung unternehmen, dieses Werben von Schöpfer und Geschöpf umeinander frei zu legen: Das Menschliche und Göttliche, beide mit dem Wunsch, sich zu vereinigen. Das ist die esoterische Bedeutung von Weihnacht als Geburtsfest des Erlösers, des Heilands in uns und für uns. Jesu Geburt als der Beginn der Christuswerdung meint in diesem Sinne kein historisches Ereignis nach der Glaubenslehre einer christlichen Kirche, sondern eine notwendige mytische Erneuerung aus unseren innersten Kräften (Mikrokosmos) heraus im Einklang mit dem Universum (Schöpfung, Makrokosmos) und deshalb vollzieht sich die Weihnacht an den Tagen der Sonnenwende, wenn das Licht mehr weiter von der Nacht in Bedrängnis gebracht werden kann und die Dunkelheit Tag für Tag diesem Lichtfünkchen mehr Raum geben muss. Erkannt werden kann dieser innere Prozess des wieder erstarkenden Leuchtens aus dem Inneren heraus allerdings nur in der relativ großen Dunkelheit um uns herum und in uns. In dunkler Stille erahnen wir die Quelle des Lebens und suchen das Licht, das dann allmählich in der Dunkelheit aufleuchtet. Die Dunkelheit ist nicht der Feind des Lichtes, sondern der Hintergrund, vor dem es erstrahlt und daher wird das Licht auch immer ein wenig Dunkelheit übrig lassen bis zur Sommersonnenwende. Eigentlich lieben sie einander wie Geschwister. Suche also das innere Licht nicht im Hellen, wo es nicht gesehen und nicht gefunden werden kann, sondern im Dunklen. Auch das meint Advent.

Am Ziel dieser "Geschwisterliebe" und der Vereinigung von menschlichem Erfahrungswerden und göttlichem Sein geschieht das unaufhörliche Hier und Jetzt in der Aufhebung der Dualität, die Vergangenheit und Zukunft beseitigt. Erfahren und Leben ist eins. Das ist Erleuchtung. Das Erleuchtungslicht ist kein Lichtfünkchen mehr vor tiefer Schwärze. Es ist "leuchtender schwarzer Samt", "leuchtende Schwärze", reine Energie, Liebe. Mit dieser Ahnung zu leben, kann quälend sein, weil man dort noch nicht sein und bleiben zu können glaubt und absolut beseelend, weil uns unsere Heimat ständig freundlich und einladend winkt und dadurch einen sehnenden Wohlfühlschmerz auslöst, der nichts anderes ist, als die Ausdehnung des Herzens, bis es das ganze Universum fasst. Wenn es uns auch noch gelingt, uns mit unserem ganzen bockigen Widerstand und Trotz so klein zu machen, dass wir in unserem Herzen ebenfalls Platz nehmen können, so ist dies der innere Teil der Erleuchtung und des Wachstums und indem wir unsere aufgeblähte (Ego) Kleinheit großherzig annehmen, nehmen wir unsere eigentliche Gottes-Kind-Gestalt an und haben Teil an der verehrungswürdigen göttlichen Menschwerdung. In diesem Moment sind wir Jesuskind, Maria und Josef, Ochs und Esel, die einladende Höhle, der zugige Stall, das hartherzige, überfüllte Betlehem, der Stern, die Weisen, die Hirten... Dann ist Weihnachten. Auch wenn mein kleiner Exkurs keine konkreten Ratschläge enthält, vielleicht gibt es den einen oder anderen Gedanken, der eine Leserin oder einen Leser inspiriert und berührt und doch noch zu Innerlichkeit und stiller Weihnachtsfreude beizutragen hilft, inmitten der Dunkelheit, die aber eine Segenstat vollbringt, nämlich uns ein Licht suchen und aufgehen zu lassen...

Michael
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Sonntag, 20. Dezember 2009, 21:33

Lieber Michael,
meine Tochter weilt zur Zeit in Istanbul, als Austauschschülerin für ein Jahr. Wiederholt wurde sie von türkischen Mitschülern zu "Christmas Parties" eingeladen. Diese Einladungen schlug sie aus, mit dem Hinweis darauf, dass sie Weihnachten keine Party feiern, sonder in die Kirche gehen und danach besinnlich feiern werde. Bis sie dann herausbekam, dass die türkischen Christmas-Pary-Fans das Syvesterfest meinen, und sie fand auch heraus, dass einige dann ihre Wohnungen weihnachtlich (im hiesigen Sinnde) schmücken. u. a. auch mit Plastiktannenbäumen und Lichterketten. Wie das zu verstehen ist, will sie noch herausfinden. Insofern ist das Weihnachtsfest also also auch in der Türkei ein Teil das Jahres, wenn es auch zu einem anderen Zeitpunkt erwähnt wird.
Deine Worte über die Bedeutung von Weihnachten als ein Neubeginn, als Enthronung des Ego usw. finden wir ja in ähnlicher Art in vielen Büchern und aus dem Munde vieler Menschen. Ich frage mich dann oft, wer das schreibt oder sagt. Das Ego? Das Herz? Die Liebe? Wenn es das Herz ist, dann ist es manchmal deutlich zu spüren. Ich habe einen sehr lieben Kollegen, der mir einmal, als ich über den Tod einer Klientin sehr traurig war, etwas zu ihrem Tod und meiner Traurigkeit schrieb. Ich habe diese Worte von ihm verwahrt und manchmal, wenn ich aus irgendeinem Grund Trost oder Ermutigung brauche, dann lese ich sie. Jedesmal gehen mir seine Worte so sehr zu Herzen, dass ich anfange zu weinen. Ich fühle mich dann sehr universal verbunden und gestärkt und ich bin sicher, es war nicht das Ego, das diese Worte schrieb. Auch sonst, wenn ich z.B. Bücher oder Texte in der Hand halte, die ähnliche Gedanken, wie du sie hier niederschreibst enthalten, achte ich zunächst darauf, wie es sich anfühlt und ich kann dann einigermaßen sicher entscheiden, ob ich sie lesen möchte oder nicht.
Demütig zu sein, sich vor der Schöpfung zurücknehmen, sich klein machen, damit man in seinem Herzen Platz nehmen kann gelingt wohl am ehesten, wenn es ohne Absicht geschieht. Wie aber kann es uns gelingen in all der Verwirrung, die wir uns täglich selbst bereiten, in all den Verstrickungen, in denen wir uns gefangen glauben, wie können wir immer wieder den hellen Pfad der Liebe finden, wenn wir uns immer wieder im Dschungel der eingebildeten Dunkel verlaufen? Ich glaube, dies kann gelingen, wenn wir uns von dem abwenden, was wir zu wissen meinen und anfangen, zu vertrauen, dass Weihnachten Gottes Zeichen für uns alle ist, dass wir in seiner Liebe geborgen sind und dass es uns dort an nichts mangelt.
Du schreibst, dass wir manchmal hasserfüllt streiten, mit Menschen, von denen wir einst etwas wollten, sogar "Liebe", dann frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, das alles von uns selbst zu wollen - denn wir sollten die anderen wissen, was sie uns geben sollen und wie kann die Liebe etwas sein, das ich von jemanden anderen haben möchte? Allerdings ist auch der umgekehrte Weg manchmal schwierig, es gibt auch Menschen, die vor der Liebe davon laufen, wenn sie ihnen entgegen kommt - auch das ist ein Rätsel.
Wie dem auch sei, Weihnachten bleibt ein Wunder, daran hast du mich heute erinnert und ich hoffe, dass viele Menschen etwas davon spüren können.

Liebe Grüße
Sabine
Sabine

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63

Dienstag, 22. Dezember 2009, 09:27

Erscheinungen

Zitat

Original von Sabine
Lieber Michael,
meine Tochter weilt zur Zeit in Istanbul, als Austauschschülerin für ein Jahr. Wiederholt wurde sie von türkischen Mitschülern zu "Christmas Parties" eingeladen. Diese Einladungen schlug sie aus, mit dem Hinweis darauf, dass sie Weihnachten keine Party feiern, sonder in die Kirche gehen und danach besinnlich feiern werde. Bis sie dann herausbekam, dass die türkischen Christmas-Pary-Fans das Syvesterfest meinen, und sie fand auch heraus, dass einige dann ihre Wohnungen weihnachtlich (im hiesigen Sinnde) schmücken. u. a. auch mit Plastiktannenbäumen und Lichterketten. Wie das zu verstehen ist, will sie noch herausfinden. Insofern ist das Weihnachtsfest also also auch in der Türkei ein Teil das Jahres, wenn es auch zu einem anderen Zeitpunkt erwähnt wird.


Liebe Sabine,

auf das Ergebnis der Recherchen Deiner Tochter bin ich gespannt. Die Kirchen "ätzen" sich ja über "Synkretismus" und "Kommerzialisierung" des Weihnachtsfest, weil sie die "spezifisch christliche Bedeutung" verloren glauben. Tatsache ist, das die Hintergründe von "Weihnachten" und die Symbolik universal auf der nördlichen Hemisphäre und älter sind, als das Christentum. Handel und deshalb unternommene Reisen sowie Wanderbewegungen haben die Kulturen zum Teil auch einander näher gebracht. In diesem Zusammenhang finde ich es allerdings schade, dass manche um Integration sehr stark bemühte Muslime,wie ich hörte, Weihnachten zwar in irgendeiner Weise begehen wollen, das eigene Zuckerfest (Fastenbrechen nach Ramadan) aber ausfallen ließen, obwohl dies den Kindern traditionell viel Freude macht.

Zitat

Original von Sabine
Deine Worte über die Bedeutung von Weihnachten als ein Neubeginn, als Enthronung des Ego usw. finden wir ja in ähnlicher Art in vielen Büchern und aus dem Munde vieler Menschen. Ich frage mich dann oft, wer das schreibt oder sagt. Das Ego? Das Herz? Die Liebe? Wenn es das Herz ist, dann ist es manchmal deutlich zu spüren. Ich habe einen sehr lieben Kollegen, der mir einmal, als ich über den Tod einer Klientin sehr traurig war, etwas zu ihrem Tod und meiner Traurigkeit schrieb. Ich habe diese Worte von ihm verwahrt und manchmal, wenn ich aus irgendeinem Grund Trost oder Ermutigung brauche, dann lese ich sie. Jedesmal gehen mir seine Worte so sehr zu Herzen, dass ich anfange zu weinen. Ich fühle mich dann sehr universal verbunden und gestärkt und ich bin sicher, es war nicht das Ego, das diese Worte schrieb. Auch sonst, wenn ich z.B. Bücher oder Texte in der Hand halte, die ähnliche Gedanken, wie du sie hier niederschreibst enthalten, achte ich zunächst darauf, wie es sich anfühlt und ich kann dann einigermaßen sicher entscheiden, ob ich sie lesen möchte oder nicht.


Wenn die Worte, die Dich so rührten und noch bewegen, von Herzen gekommen sind, sind sie es sicher wert, aufgehoben, erinnert, wieder gelesen und weiter gegeen zu werden. Solche Worte finden sich eben nicht nur in "heiligen Schriften", wo die Jahrhunderte die Bedeutung mehr und mehr überformt haben, sodass oft nur die innewohnende "esoterische" Botschaft Geist und Seele im Herzen treffen.

Zitat

Original von Sabine
Demütig zu sein, sich vor der Schöpfung zurücknehmen, sich klein machen, damit man in seinem Herzen Platz nehmen kann gelingt wohl am ehesten, wenn es ohne Absicht geschieht. Wie aber kann es uns gelingen in all der Verwirrung, die wir uns täglich selbst bereiten, in all den Verstrickungen, in denen wir uns gefangen glauben, wie können wir immer wieder den hellen Pfad der Liebe finden, wenn wir uns immer wieder im Dschungel der eingebildeten Dunkel verlaufen? Ich glaube, dies kann gelingen, wenn wir uns von dem abwenden, was wir zu wissen meinen und anfangen, zu vertrauen, dass Weihnachten Gottes Zeichen für uns alle ist, dass wir in seiner Liebe geborgen sind und dass es uns dort an nichts mangelt.


Ich mache das allerdings nicht von einem bestimmten Gott abhängig, sondern denke, dass dieses Göttliche in jedem Menschen vorhanden ist, so wie die Idee vom in Freiheit guten, der Mutter Erde, den Mitgeschöpfen und dem himmlischen Kosmos verbundenen im Herzen erwachte Menschen.

Zitat

Original von Sabine
Du schreibst, dass wir manchmal hasserfüllt streiten, mit Menschen, von denen wir einst etwas wollten, sogar "Liebe", dann frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, das alles von uns selbst zu wollen - denn wir sollten die anderen wissen, was sie uns geben sollen und wie kann die Liebe etwas sein, das ich von jemanden anderen haben möchte? Allerdings ist auch der umgekehrte Weg manchmal schwierig, es gibt auch Menschen, die vor der Liebe davon laufen, wenn sie ihnen entgegen kommt - auch das ist ein Rätsel.
Wie dem auch sei, Weihnachten bleibt ein Wunder, daran hast du mich heute erinnert und ich hoffe, dass viele Menschen etwas davon spüren können.

Liebe Grüße

Sabine


Heute geschah zumindest das "LIchtwunder", sowie es die Menschen seit einigen tausend Jahren bewusst bewundern: Nach der längsten Nacht wurde nach Sonnenaufgang hier in Wilhelmshaven um 8:40 h ein etwas längerer Tag geboren. 7 Stunden und 29 Minuten dauerte der kürzeste Tag.Heute ist er eine Minute länger, obwohl in Wilhelmshaven (40.689 Breitengrad, -74.044 Längengrad) die Sonne sogar noch ein paar Tage eine Minute später um 8:41 h aufgeht, geht sie täglich etwas später unter, heute nämlich um 16:10 h. So prosaisch werten es die Menschen heute nicht mehr als Wunder wie zu den Zeiten von Stonehange und Newgrange, als der erste Sonnenstrahl der Morgendämmerung am Wintersonnenwendtag die hinterste Wand der Grabkammer beleuchtete und die Ahnen den Lebenden zu versprechen schienen: Das Licht und die Dunkelheit sind Geschwister und die Dunkelheit wird dem Licht immer wieder Platz machen und solange Schatten und Licht auch scheinbar miteinander ringen, so werden sie einander doch nicht niederringen, sondern eine Erscheinung wird der anderen entsprechen - in der Welt der Erscheinungen, der Schöpfung, der Dualität.

LG, Michael
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Freitag, 1. Januar 2010, 02:49

Allen ein "Frohes Neues Jahr"...

Das neue Jahr 2010 hat begonnen und manche haben sich bereits mit "guten Vorsätzen" belastet. Leben ist nichts anderes, als im Hier und Jetzt das Licht in der Dunkelheit zu suchen und zu finden.

Das ist wohl auch die "Queste", die Gralssuche der Ritter des Mittelalters gewesen, eine in mehrere Dimensionen gehende Reise, nach Außen und Innen, diesseitig und jenseitig...

Möge Euch im Neuen Jahr 2010 Glück beschieden sein, Erfolg, Ruhe, Frieden, Zufriedenheit, Freude, Wohlstand, Gesundheit, liebevolle Erfahrungen.

Herzliche Grüße und "frohes Neues Jahr" allen Lesern im Forum,

Michael
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Montag, 1. Februar 2010, 10:43

Endlich ein Winter, der, seinen Namen verdient... Ein weißer erster Februar!

Nun ist es auch mal in Norddeutschland so: Die Kinder haben Freude und alle, die in ihrem junggebliebenen Herzen noch Begeisterung angesichts der weißen Pracht, der hellen Schneewege im Mondschein und der Schlitterpartien auf zugefrorenen Gewässern empfinden können, ebenso. Endlich ein Winter, der seinen Namen verdient, könnte man denken. Doch schaut man in die Presse und hört die Nachrichten, ist von Freude nichts zu spüren: fast alle stöhnen, als hätten sie sich schon bestens mit dem befürchteten Klimawandel vertraut gemacht und vermissen nur die Rivierastimmung an Nord- und Ostsee. Stattdessen strenger Frost und Schneeverwehungen. Nun kann die moderne Dienstleistungs- und Verkehrsgesellschaft mal zeigen, wozu sie im Stande ist. Wenn man alles gemütlich angehen könnte, wenn man in der vermeintlichen und tatsächlichen Not mehr Solidarität, Mitmenschlichkeit, Nachbarschaftshilfe praktizieren würde, wenn es nicht jeder nur eilig hätte und an sich selber denken würde, hätten wir noch weniger Kälte- und Verkehrstote, wobei sich tatsächlich schon Viele an die veränderten Witterungs- und Verkehrsbedingungen angepasst haben.

Es scheint, dass komplexe Gesellschaften auch in den reichen Ländern mit bester technischer Ausstattung nur wenig in der Lage sind, flexibel auf die natürlichen Schwankungen der Natur zu reagieren, geschweige denn auf langfristigen Wandel, der zu einem Gutteil aus den Folgen der menschlichen Industrialisierung und Kultivierung unseres Planeten resultiert. Das Gewohnheitstier Mensch muss offenbar außer gezwungen durch die unmittelbare Katastrophe noch wie die Tierwelt langsam durch Mutation und Aussterben der zu wenig angepassten Teile über Generationen an den Wandel angepasst werden, ohne dabei die Flexibilität zu verlieren, auf kurztfristige Änderungen zu reagieren. Der Mensch als Spezies an sich kann das vielleicht. Seine komplexen Gesellschaften und überalterten Kulturen offenbar nicht. Wie der Mensch sich angesichts dieser Schwerfälligkeit und Verwundbarkeit noch das Risiko von Kriegen, egal ob mit Waffen oder wirtschaftlichen Mitteln, erlauben kann, ist mir schleierhaft und zeugt eher von Raubtierinstinkt loser, konkurrierender und unabhängiger Horden als von überlegener Vernunft und Weisheit eines Kulturwesens.

Michael
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Sonntag, 28. Februar 2010, 11:35

28.02.2010 - ein Wintermonat geht zuende!

Ein bemerkenswerter Februar geht zuende. Der letzte Wintermonat und der zweite des Jahres 2010 hatte es noch einmal in sich und auch uns klimakatastrophenbangenden Menschen in Norddeutschland, die seit einiger Zeit durch abschmilzende Festlandgletscher und ansteigende Meeresspiegel ihre Küsten und Deiche bedroht sehen, wurde am Ende noch ein richtig kalter Winter mit Eis und Schnee beschert. Im Regen des heutigen Sonntags schmilzen am letzten Februartag die Reste kompakter Eisschollen von den Parkwegen dahin. Bald ist nichts mehr zu sehen. Das Wetter ist deutlich wärmer. Allerdings werden in den Mittelgebirgen noch eine Zeit lang schöne Wintersportbedingungen versprochen, während sich in den Tälern an den Flüssen längst wieder die Furcht vor den Frühjahrhochwassern der Schneeschmelze ausbreitet. Dafür müsste sich jetzt der Depressionsindex wieder heben, denn nach einer bundesdeutschen Umfrage im Februar sollen sich vorallem jüngere Menschen in Ostdeutschland vom Winterwetter nicht nur genervt, sondern auch andauernd deprimiert gefühlt haben, während Ältere sich offenbar an die guten alten Winter noch erinnern konnten und trotz Beeinträchtigungen durch schlecht geräumte Wege mit Rutschfallen gerade für Ältere die gute Laune nicht verloren. Diese gute Laune steht allerdings bei den Pollenallergikern auf dem Spiel, die jetzt aus der Presse wieder erhöhte Pollenflugmengen gemeldet bekommen, als wenn sie es nicht selbst merken würden. Sie haben immerhin eine frostbedingte Leidenszeitverkürzung in diesem Jahr erlebt. Für alle, die jetzt bei immerhin längerer Tagesdauer und mehr Licht die grauen Regenwolken zum Anlass schlechter Gefühle nehmen, empfehle ich, den Blick zu senken und tief auf den Boden an die Heckenränder und auf die Bete sowie auf die Wiesen zu schauen: Der Schnee ist weg und die Schneeglöckchen haben sich gezeigt und schenken auch bei Regenwetter einen schönen Anblick! Also, dann viel Spaß auf den Frühling, der metereologisch am 1.3.2010, kalendarisch-astronomisch am 20.3.2010 um 18.32 h beginnt.

LG Michael
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Donnerstag, 23. September 2010, 18:16

Herbst-Spiegelung

Am herbstlichen Teich:
Himmlisch liegen die Blätter
im Wasserspiegel.
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Sonntag, 21. November 2010, 23:32

in Ewigkeit...

Nun sind sie vorbei, die herbstlichen religiös motivierten Gedenktage an das Vergehen am Ende des so genannten Kirchenjahres: Das Allerheiligen und Allerseelen der Katholiken und gerade im Ausklingen der Toten- oder Ewigkeitssonntag der Protestanten, den die Katholiken jetzt Christkönigstag nennen. Tatsächlich ist es beinahe eine Ewigkeit von fast 200 Jahren her, dass der preußische König Friedrich Wilhelm III., ein Protestant, am 25.11.1816 unter anderem zum Gedenken an seine 1810 verstorbene Gattin Luise und an die Gefallenen in den so genannten Freiheits- oder Befreiungskriegen gegen die Napoleonische Herrschaft 1813-1815 für die evangelische Kirche in den preußischen Gebieten den Sonntag vor dem 1. Advent zum "allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen" erhob, die in ewigem Frieden ruhen sollten.

In der Kirche gibt es am Ende des Kirchenjahres, bevor im Advent die Vorbereitung auf die Feier der Christgeburt beginnt, ein Gedenken an die Toten, dann an das "Jüngste Gericht" und dann an das "Ewige Leben". Die aus der Gemeinde Verstorbenen des Jahres wurden erinnert und mit Gebeten der Gnade des barmherzigen Gottes anheim gestellt. Was allerdings die Gefallenengedenken betraf, so waren sie offenbar bis heute keine Ermahnung, sinnloses Blutvergießen zu ächten und Kriege zu vermeiden, sondern die zu Helden Erhobenen sollten den Nachkommen Ansporn sein jederzeit erneut für nationale Werte zu den Waffen zu greifen, zu töten und sich töten zu lassen. Soll das in Ewigkeit so weiter gehen? Oder wann werden die Menschen durch Leid geläutert und klug geworden sein?

Michael
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Dienstag, 14. Dezember 2010, 00:55

Wintersterne

Geminiden

Wind fegt von weißfingrigen Zweigen,
Schneestaub auf mich herab und
entschleiert den Winterhimmel.
Ein Sternschnuppenschauer
entzückt den liegenden Mond
und verzaubert die weiße Nacht.
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Mittwoch, 22. Dezember 2010, 23:55

Endlich Winter

Schnee senkt sich herab
über mein Denken,
über mein Fühlen,
Schläfrigkeit breitet sich aus
über Sorgen und Hoffen.
Weiße Stille umfängt mich
am kürzesten Tag
und in der längsten Nacht:
Endlich Winter.
Es atmet die Zeit
unter der Schneelast
doch die Ewigkeit
merkt es nicht.

Noch ein wenig Zeit
und das alte Laub
taugt mir noch
als wärmendes Polster
in mulchiger
Winterschlafhöhle,
schläfriger Hort,
Wartestation
vor dem eigentlichen
Erwachen.

Das Neue ist noch nicht da.
Wenn die Erinnerung verblasst,
tasten die Schritte
hinaus in den Morgennebel.
Die Milchglassonne
scheint milde
schon am nächsten Morgen
nach langer Nacht.

Die Erde sammelt Kraft
in leichtem Schlaf
für einen noch nie gesehenen
Frühling,
während mein Freund,
der Winter,
in rauen Nächten der Seele
mit wilden Träumen
voll Lust, Zorn und Traurigkeit
das Erwachen vorbereitet.


Michael
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Samstag, 25. Dezember 2010, 15:44

Poetische Weihnachten

Zur Abwechslung nach all dem "Selbstgebrannten und -gebrauten" mal ein rührseliges Weihnachtsgedicht von unseren Klassikern:


Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht.
Vom Tannenwalde steigen Düfte
und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken.
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muß ich stehn.
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl's: ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm (1817 - 1888)



Das war schon wunderlich, doch es geht noch wunderlicher:


Weihnachtswunder

Durch den Flockenfall
klingt süßer Glockenschall,
ist in der Winternacht
ein süßer Mund erwacht.

Herz, was zitterst du
den süßen Glocken zu?
Was rührt den tiefen Grund
dir auf der süße Mund?

Was verloren war,
du meintest, immerdar,
das kehrt nun all zurück,
ein selig Kinderglück.

O du Nacht des Herrn
mit deinem Liebesstern,
aus deinem reinen Schoß
ringt sich ein Wunder los.

Gustav Falke (1853 - 1916)



Oder einfach mal was Schlichtes?


Weihnachten

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
dass die kleinste Welt die größte ist.

Joachim Ringelnatz (1883 - 1934)



Und jetzt mal was Schwieriges von einer Romantikerin vom Bodensee - eine Frau soll auch mal zu Wort kommen:


Am Weihnachtstag

Still ist die Nacht; in seinem Zelt geboren,
der Schriftgelehrte späht mit finstren Sorgen,
wann Judas mächtiger Tyrann erscheint;
den Vorhang lüftet er, nachstarrend lange
dem Stern, der gleitet über Äthers Wange,
wie Freudenzähre, die der Himmel weint.

Und fern vom Zelte über einem Stalle,
da ist’s, als ob aufs nied’re Dach er falle;
in tausend Radien sein Licht er gießt.
Ein Meteor, so dachte der Gelehrte,
als langsam er zu seinen Büchern kehrte.
O weißt du, wen das nied’re Dach umschließt?

In einer Krippe ruht ein neugeboren
und schlummernd Kindlein; wie im Traum verloren
die Mutter knieet, schlichter Mann rückt tief erschüttert
das Lager ihnen; seine Rechte zittert
dem Schleier nahe um den Mantel noch.

Und an der Türe steh’n geringe Leute,
mühsel’ge Hirten, doch die ersten heute,
und in den Lüften klingt es süß und lind,
verlor’ne Töne von der Engel Liede:
"Dem Höchsten Ehr’ und allen Menschen Friede,
die eines guten Willens sind."

Annette von Droste-Hülshoff (1797 - 1848)



Ja und der Novalis ist immer ganz entzückt:


Fern im Osten wird es helle,
Graue Zeiten werden jung;
Aus der lichten Farbenquelle
Einen langen tiefen Trunk!
Alter Sehnsucht heilige Gewährung,
Süße Lieb' in göttlicher Verklärung.

Endlich kommt zur Erde nieder
Aller Himmel sel'ges Kind,
Schaffend im Gesang weht wieder
Um die Erde Lebenswind,
Weht zu neuen ewig lichten Flammen
Längst verstiebte Funken hier zusammen.

Ueberall entspringt aus Grüften
Neues Leben, neues Blut,
Ew'gen Frieden uns zu stiften,
Taucht er in die Lebensfluth;
Steht mit vollen Händen in der Mitte
Liebevoll gewärtig jeder Bitte.

Lasse seine milden Blicke
Tief in deine Seele gehn,
Und von seinem ewgen Glücke
Sollst du dich ergriffen sehn.
Alle Herzen, Geister und die Sinnen
Werden einen neuen Tanz beginnen.

Greife dreist nach seinen Händen,
Präge dir sein Antlitz ein,
Mußt dich immer nach ihm wenden,
Blüthe nach dem Sonnenschein;
Wirst du nur das ganze Herz ihm zeigen,
Bleibt er wie ein treues Weib dir eigen.

Unser ist sie nun geworden,
Gottheit, die uns oft erschreckt,
Hat im Süden und im Norden
Himmelskeime rasch geweckt,
Und so laßt im vollen Gottesgarten
Treu uns jede Knosp' und Blüthe warten.

Novalis, Friedrich von Hardenberg (1772 – 1802)



Ein Zeitgenosse der Vorangestellten, von Platen, ist kosmisch elektrisiert von der Kindsgeburt und dichtet "englisch":


Christnacht

Der Engel der Verkündigung:

Seraphimsche Heere,
Schwingt das Goldgefieder
Gott dem Herrn zur Ehre,
Schwebt vom Himmelsthrone
Durchs Gewölk hernieder,
Süße Wiegenlieder
Singt dem Menschensohne!

Ein Hirte:

Was seh’ ich? Umgaukelt mich Schwindel und Traum?
Ein leuchtender Saum
Durchwebt den azurnen, ewigen Raum,
Es schreiten die Sterne des Himmels entlang,
Mit leisem Gesang,
Der seligen Scharen musikalischer Gang.

Chor der Hirten:

Die Engel schweben singend
Und spielend durch die Lüfte,
Und spenden süße Düfte,
Die Lilienstäbe schwingend.

Chor der Seraphim:

Wohlauf, ihr Hirtenknaben,
Es gilt dem Herrn zu dienen,
Es ist ein Stern erschienen,
Ob aller Welt erhaben.

Chor der Hirten:

Wie aus des Himmels Toren
Sie tief herab sich neigen!

Chor der Seraphim:

Lasst Eigentriebe schweigen,
Die Liebe ward geboren!

Der Engel der Verkündigung:

Fromme Glut entfache
Jedes Herz gelind,
Eilt nach jenem Dache,
Betet an das Kind!

Jener heißerflehte
Hort der Menschen lebt,
Der euch im Gebete
Lange vorgeschwebt.

Traun! Die Macht des Bösen
Sinkt nun fort und fort,
Jener wird erlösen
Durch das Eine Wort.

Chor der Hirten:

Preis dem Geborenen
Bringen wir dar,
Preis der erkorenen
Gläubigen Schar.

Engel mit Lilien
Stehn im Azur,
Fromme Vigilien
Singt die Natur.

Der den kristallenen
Himmel vergaß,
Bringt zu Gefallenen
Ewiges Maß!

Der Engel der Verkündigung:

Schon les’ ich in den Weiten
Des künft’gen Tages bang,
Ich höre Völker schreiten,
Sie atmen Untergang.

Es naht der müden Erde
Ein frischer Morgen sich,
Auf dieses Kindes "Werde"
Erblüht sie jugendlich.

Chor der Seraphim:

Vergesst der Schmerzen jeden,
Vergesst den tiefen Fall,
Und lebt mit uns im Eden,
Und lebt mit uns im All!

August von Platen (1796 - 1835)



Bei soviel esoterisch-romantischer Politik hat's der gute alte Thoma aus Bayern eher bauernschlau-derb und nicht minder politisch:


Heilige Nacht

So ward der Herr Jesus geboren
im Stall bei der kalten Nacht.
Die Armen, die haben gefroren,
den Reichen war’s warm gemacht.

Sein Vater ist Schreiner gewesen,
die Mutter war eine Magd.
Sie haben kein Geld nicht besessen,
sie haben sich wohl geplagt.

Kein Wirt hat ins Haus sie genommen,
sie waren von Herzen froh,
dass sie noch ins Stall sind gekommen.
Sie legten das Kind auf Stroh.

Die Engel, die haben gesungen,
dass wohl ein Wunder geschehn.
Da kamen die Hirten gesprungen
Und haben es angesehn.

Die Hirten, die will es erbarmen,
wie elend das Kindlein sei.
Es ist eine G’schicht’ für die Armen,
kein Reicher war nicht dabei.

Ludwig Thoma (1839 - 1924)



Ja und warum nicht so? So haben wir die Weihnachtsgeschichte noch nicht gelesen mit dem Milchmädchen und der Gesichtsverschönerung. Eine Wundergeschichte vor der Ära der plastischen Chirurgie:


Maria und das Milchmädchen

Maria kam auf ihrer Flucht
Gen Mittag in ein ödes Tal.
Da war kein Baum mit Laub und Frucht,
Der Rasen dürr, der Felsen kahl,
Und sengend fiel der Mittagsstrahl.
Es schmachten Kind und Mutter sehr,
sie schaut nach einem Quell umher,
Jedoch umsonst, kein Quell und Tau
Tränkt dieses Tal, so nackt und rau.
Das schmerzt die Frau der Lieb’ und Huld,
Das Knäblein trägt es mit Geduld.

Jetzt kommt ein Mägdlein wohlgemut
Mit Milch daher, ein junges Blut,
Zwar gelb und hässlich von Gesicht,
Doch klingt gar lieblich, was es spricht.
Es grüßt die Mutter mit dem Kind,
Es nimmt herab den Topf geschwind
Und bietet ihn der Jungfrau an
Und freut sich, dass es geben kann.

Es sagt zur Mutter: "Dreimal Glück
Dir und dem Kind! Ich trüg’ es gern
Nur einen kleinen Augenblick,
So schön ist nicht der Morgenstern."
Die Mutter legt von ihrer Brust
Den Knabe in des Mägdleins Arm,
Die Maid herzt ihn mit frommer Lust,
Sie küsst sein Mündlein, rot und warm,
Und wünscht der Mutter nochmals Glück
Und geht und schaut noch oft zurück.

Und als sie kommt mit frohem Sinn
Zu ihrer Hütte, still und klein,
Da tritt sie an den Brunnen hin
Und wäscht vom Staub das Antlitz rein.
Jedoch ein fremdes schönes Bild
Strahlt aus dem Wasser klar und mild.
Sie teilt das Wasser mit der Hand,
Das Bild kommt wieder, wie’s verschwand,
Sie lacht es an, es lacht sie an,
Sie ist es selbst, es ist kein Wahn.
Vom Kuss des Knäbleins kam alsbald
Ihr diese himmlische Gestalt.
Doch quillt ihr in dem Busen auch
Ein Sehnen wie beim Frühlingshauch,
Und alles ist ihr fremd, als wär’
Die Erde nicht ihr’ Heimat mehr!

Alois Schreiber (1761 - 1841)



Der Anarchist Erich Mühsam ist da doch etwas sozialkritischer:


Lustiges Weihnachtsgedicht - Weihnacht

Nun ist das Fest der Weihnacht,
das Fest, das alle glücklich macht,
wo sich mit reichen Festgeschenken
Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,
wo aller Hader wird vergessen
beim Christbaum und beim Karpfenessen; -
und Gross und Klein und Arm und Reich, -
an diesem Tag ist alles gleich.
So steht's in vielerlei Varianten
in deutschen Blättern. Alten Tanten
und Wickelkindern rollt die Zähre
ins Taschentuch ob dieser Märe.
Papa liest's der Familie vor,
und alle lauschen und sind Ohr ...
Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt
ein armer Kerl gelesen hat.
Er hob es auf aus einer Pfütze,
dass es ihm hinterm Zaune nütze.

Erich Mühsam (1878 - 1934)



Allerhand Kriege gab es in Europa und Hoffmann von Fallersleben hatte auch so einen Sinn für Ironie:


Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn' und Säbel, und noch mehr,
Ja, ein ganzes Kriegsheer
Möcht' ich gerne haben!

Bring' uns, lieber Weihnachtsmann,
Bring' auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Pantherthier,
Ross und Esel, Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge!

Doch du weisst ja unsern Wunsch,
Kennst ja unsre Herzen.
Kinder, Vater und Mama,
Auch sogar der Grosspapa,
Alle, alle sind wir da,
Warten dein mit Schmerzen.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874)



Fast zum Abschluss noch einmal derbe Lebensfreude mit Folgen:


Christbaumfeier

Piano, Geige: Hupf mein Mädel (forte),
Im Christbaum zucken gelblich ein paar Lichter,
Und an die Rampe tritt Kommis und Dichter
Und stottert stockend tannendufte Worte.
Man trampelt: "Bravo, Bravo" mit den Füssen
Und prostet mit den Krügen nach dem Helden,
Indem sich schon zwei weisse Fräuleins melden,
Mit "Stille Nacht" die Menge zu begrüssen.
Man säuft, man schreit, man giert und man verlost
Die Lebenslust - Rosa, unwiderstehlich,
Bringt lächelnd ihrem Buben bei (allmählich),
Dass er mich Papa ruft. - Na danke. Prost.

Alfred Henschke (1890 - 1928)



Doch auch der Dichterfürst und geheime Rat Goethe hatte Humor:


Epiphanias

Die heiligen drei König’ mit ihrem Stern,
sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
sie essen gern, sie trinken gern,
sie essen, trinken und bezahlen nicht gern.

Die heilgen drei König’ sind gekommen allhier,
es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
und wenn zu dreien der vierte wär,
so wär ein heilger drei König mehr.

Ich erster bin der weiߒ und auch der schön’,
bei Tage solltet ihr mich erst sehn!
Doch ach, mit allen Spezerein
werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfreun.

Ich aber bin der braun’ und bin der lang’,
bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerein,
da werd ich überall willkommen sein.

Ich endlich bin der schwarz’ und bin der klein’,
und mag auch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern ich trinke gern,
ich esse, trinke und bedank mich gern.

Die heilgen drei König’ sind wohlgesinnt,
sie suchen die Mutter und das Kind;
der Joseph fromm sitzt auch dabei,
der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
dem Weihrauch sind die Damen hold;
und haben wir Wein von gutem Gewächs,
so trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,
aber keine Ochsen und Esel schaun;
so sind wir nicht am rechten Ort
und ziehen unseres Weges weiter fort.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)



Und versönlich Romantik pur mit der Erschauereffekt:


Weihnachten

Markt und Strassen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Scheees Einsamkeit
Steigt's wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857)



Ich weiß nicht, was Eichendorf geraucht hat, vermute aber, was der letzte Dichter getrunken hat (und seinen Namen hat er dabei vergessen - sonst würden wir ihn auch lieber verschweigen...)


Der Stern, der hagelt uns nun voll
wir trinken unser Weihnachtssoll.
Was wir heute nicht vertragen
wird nur schlecht an andern Tagen.
Drum lasst uns froh und lustig sein
an Wein und Schnapps uns recht erfreun,
vorm bösen Erwachen noch einmal froh,
kommt doch der Kater so oder so,
als käm' es heut' darauf noch an,
jetzt bin ich noch der Weihnachtsmann.
Kein Mensch weiß, was der Morgen bringt,
wenn's heute mir davon schon rinnt,
doch feiern will ich, solang ich steh,
kommt sie doch bald, die Nüchternfee,
dann wird das Leben wieder bilanziert,
da schlaf ich lieber, werd ich blamiert.
Drum hebt noch einen auf die Engel:
Zechkumpanen, Luderbengel!



Allen eine frohe, poetische Weihnacht,

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Freitag, 31. Dezember 2010, 14:49

Bilanz des Energieflusses

In den letzten Jahresstunden
vor dem Zerfließen des Alten
vor den Güssen des Neuen
in die Schalen des Schicksals,
die mein Inneres fluten
ohne bewusste Hingabe,
wenn ich nicht Acht gebe,
kommt aus der Stille
des Rückzugs
aus der Prüfung des Alleinseins
gefühltes Wissen darüber,
was gehen soll, was bleiben,
was lebendig ist und was tot:
was schmerzt, lebt noch
und was noch nicht
durch meine Adern fließt,
ist keine gelebte Hoffnung.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Montag, 18. April 2011, 23:47

Vollmond

Heute um 4:44 h war Vollmond. Es gibt einen ganz netten Vollmond-Kalender, in dem man sich zeitnah über die Mondereignisse informieren oder auch Gedichte lesen und schreiben kann.


Frühlingsmond

Silbermondglanz streut
Lichtwege zwischen Schatten
und es geht ein Wind.


Mondaufgang zur Nacht
gießt Silberlicht über uns,
spiegelt sich imTeich.


Sturmmond

Vollmondnachtgestürm:
Wolkenflocken und Blätter
streifen meine Stirn.


Mondlaterne

Ein dunstiger Mond
liegt in den Zweigen, schimmernd
in silbrigem Reif.



Der Mond hat auch eine dunkle, der Sonne abgewandte Seite. Auch sie tönt durch die Helle hindurch und der Vollmondwanderer kann sie fühlen...



PERSONEN

Als schwere Jungs und leichte Mädchen
versuchen sie dem Schmerz zu entgehen,
in ihrer Schwäche, ihrer Verzweiflung
ohne Macht mit der Lizenz zum Töten
und ohne Geld für große Verbrechen
reißen sie einige Herzen heraus,
die der Opfer und ihre eigenen.

Doch wir bedürfen ihrer noch, ja wir,
weich blickende Chimären des Bösen
mit gerechter Empörung und auch Stolz
auf das Gute des Bösen, doch fürchtend
den bösen Fluch unserer guten Tat.
Nicht ahnend die atomare Gewalt,
spalten wir doch bedenkenlos Seelen.

Das Verbrechen kurzsichtiger Dummheit
und die Ahnungslosigkeit der Liebe
umarmen sich, unbekannterweise.
Die Absurdität des Paradieses
kriecht tief in die Alpträume der Seele,
die Wasser Letos vergiftend, wo sie
bewirken des Vergessens Vergessen.

Das Unheil durchwirkt alleweil das Heil
und unheilig war selbst unser Heiland,
am Kreuz als Verbrecher hingerichtet,
als Gotteslästerer und Umstürzler,
Spinner, Guru unter Geächteten,
den Zöllnern, Herumtreibern, Huren
und Leuten aus dem Volk, Bauern, Fischern.

Sie waren Feiglinge, die einschliefen
und ihn verleugneten, als ihr Meister
um sein Leben bangte, Ungläubige,
Terroristen, Sektenanhänger,
doch sie läuterten und bekannten sich
oder brachten sich um: Judas oder
Paulus und Petrus, Felsen der Kirche.

Saulus, einst ein politischer Mörder,
bekehrte sich fromm zum Schreiber Paulus,
schrieb der Welt wahnsinnige Episteln
von keuscher Liebe und vom Himmelreich.
Phantasiebegabte Seher schufen
mit ihren Botschaften von Abraham,
Moses und Jesus den neuen Glauben.

Der Karawanenhändler Mohammed
handelte im Auftrag seiner Frau und#
zitierte Gabriel in einem Buch,
auch er zeitweise ein Geächteter,
überlieferte Traumreisebilder
voller Schönheit und voller Grausamkeit,
Wahrheiten us Himmeln und aus Höllen.

Doch schon an der Wiege dieser Stämme
standen die Urmütter und Stammväter,
die betrogen und ein Brudermörder,
ein Menschenopferer, ein Verkaufter,
ein Sklave, Totschläger und Verführer,
treulose, ungerechte Könige
und starke Frauen, zur Bluttat bereit.

Auch Siddhartha war einst ein reicher Prinz,
abgeschieden von Armut, Not und Tod
hinter den Mauern seines Palastes,
bevor er Wanderer, Bettler, Büßer,
Prediger und dann der Buddha wurde,
der Verkünder des mittleren Pfades,
erleuchtet und mit dem Geist in Frieden.

Solange wir uns're Götter haben
und Gebote, sehen wir Gesichter,
haben wir Gesichter und Geschichten,
Geister und Gelüste, sind getrieben,
Abgetriebene aus dem Paradies,
Haie um die Inseln der Glückseligen,
sind Personen, die durch Masken tönen.

Gleicher Ruf durch Helden und Halunken
tönt hoffend als ein Flehen nach Liebe.
Es heißt, geboren worden sei sie einst
in einem Menschen, einem Kind, im Fleisch,
in einer göttlichen Person, durch die
Ewigkeit hallt vom Anbeginn bis jetzt,
da sie endlich die Gegenwart berührt.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Sonntag, 24. April 2011, 12:42

Auferstehung - eine andere Oster-Predigt

Am heutigen Ostersonntag erinnern sich die Christen an die Auferstehung von Jesus. Nachdem seine Jünger den Karfreitagsschock der Hinrichtung ihres Meister am Kreuz überwunden hatten, formierte sich aus seinen überlebenden gläubigen Anhängern das noch junge Christentum, eine friedfertige Auferstehungsreligion, die in Erwartung des nahen Endes der Welt Buße und Umkehr predigte und gleichzeitig auf die Freuden der Umwandlung der Schöpfung in einen dann wieder schönen Ort des friedvollen Miteinanders hinwies. Auch heute steht die Welt knapp 2000 Jahre nach dem Kreuztod des Jesus Christus vor einem menschengemachten Abgrund und Viele sind wieder in der Erwartung, dass die Selbstsucht und Gier der Menschen in kurzer Zeit zu einem katastrophalen Ende dessen führen muss, was wir bis dahin mit bequemer Selbstverständlichkeit als unsere heile Welt hingenommen haben. Für die Mehrheit der Bewohner unseres Planeten ist die Welt aber schon lange nicht mehr heil, leiden sie doch unter menschengemachten Verteilungskriegen und den Folgen einer immer größeren Umweltzerstörung.

Was bedeutet angesichts der zunehmenden Umweltkatastrophen und der Klimawende, angesichts der Überbevölkerung, der Ernährungs- und Wasserprobleme, angesichts der Atomunglücke mit Super-GAU in Tschernobyl und Fukushima heute "Auferstehung", wie sie die Christen in den großen Kathedralen und kleinen Kirchen zur Erinnerung an ein geschichtlich nicht belegbares, mystisches Ereignis fast 2000 Jahre zuvor feiern? Sollen wir uns angesichts der großen Zerstörungen auf unserem Planeten und in der Erwartung noch größeren Ungemachs auf ein fernes, irreales Paradies am Ende aller Zeiten freuen? Verzichten wir angesichts der Feindschaften gieriger, ängstlicher und egoistischer Menschen überall um uns herum auf soziale Utopien und leben, so gut wir eben können ohne Rücksicht auf nachfolgende Generationen unsere persönliche "Restlaufzeit"?

Würde das auch unseren Hunger nach Sinn befriedigen und unsere Sehnsucht nach Frieden und gemeinsamer Freude, nach Überwindung der Angst und kurzsichtiger Rivalitäten? Würden wir nicht lieber jetzt und sofort und sei es in letzter Minute aufstehen und uns nicht länger der allgemeinen Dekadenz oder desperaten Lethargie unterwerfen? Auferstehung bedeutet in diesem Sinne etwas anderes, als einem individuellem Tod zu entgehen oder ihn zu überwinden. Es bedeutet im Wissen um die Endlichkeit allen menschlichen Strebens und die Sinnlosigkeit jeder Gier Schluss zu machen mit einem menschlichen Selbstmordprogramm für unsere Erde. Es bedeutet Aufstand für eine sinnvolle, nachhaltige, mitmenschliche Umwelt- und Energiepolitik, für gerechten Handel und Verteilung der Ressourcen, mit denen wir sparsam und verantwortungsbewusst umgehen müssen.

Damit die Menschen aber die Zeichen der Zeit erkennen, das Ende der alten Zeit und die Notwendigkeit der Zeitenwende, sind auch heute leider noch Kreuze und Opfer notwendig. Der Mensch lernt oft erst im Unglück etwas über seine Fähigkeit, das Leben zu lieben. Die heutigen Kreuze bestehen aus bitteren und sinnlosen Kriegen, aus Tschernobyl und Fukushima und aus dem täglichen Krieg einer gigantischen, fossile Brennstoffe und Kernbrennstoffe fressenden Megaindustrie gegen die Umwelt, da sie den Treibhauseffekt antreibt, die Erderwärmung fördert und viele Landstriche unbewohnbar macht. Wenn wir damit aufhören wollen, müssen wir aufstehen, bereit sein, die Zeichen der Zeit in das Bewusstsein möglichst vieler Menschen zu transportieren und eine grüne Energierevolution beginnen. Wir müssen uns bewusst werden, dass alles, was wir verbrauchen, aus dieser Erde kommt und von der Energie der Sonne und alles, was wir auch an Abfall und Wärme erzeugen, auf diesem Planeten bleibt. Ohne ungiftige, biologisch einwandfreie Stoff- und Energiekreisläufe ist die menschliche Zivilisation keine 2000 weitere Jahre zu erhalten.

Frohe Ostern,

Michael
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Sonntag, 1. Mai 2011, 00:01

Erster Mai am Sonntag

Der erste Mai, Feiertag der Arbeiter, fällt heute auf einen Sonntag, an dem der Schöpfer sich nach biblischer Überlieferung und christlicher bzw. jüdischer Auffassung von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen ausruhte: Der Tag der Arbeit - der Tag des Herrn - ein Ruhe- und Feiertag. In einem Ort in Friesland wollte man "traditionell" am ersten Sonntag nach Ostern - dem "Weißen Sonntag" - einen verkaufsoffenen Sonntag ausrufen. Die Gewerkschaft Verdi klagte und bekam Recht: Die Ausnahmegenehmigung der Kommune wurde verworfen, weil man den Besonderheiten des 1. Mai bei der Entscheidung nicht genügend Rechnung getragen habe. Nun müssen die Arbeitnehmer schon auf einen weiteren freien Tag verzichten, da der Maifeiertag auf den sowieso meist arbeitsfreien Sonntag fällt, da wollte man den Angestellten nicht auch noch zusätzliche Arbeit an einem "verkaufsoffenen Sonntag" zumuten.

Michael
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Dienstag, 14. Juni 2011, 23:15

Junimond

Zitat

Original von Michael
Heute um 4:44 h war Vollmond. Es gibt einen ganz netten Vollmond-Kalender, in dem man sich zeitnah über die Mondereignisse informieren oder auch Gedichte lesen und schreiben kann.


Es ist bald so weit. Der Juni-Vollmond kündigt sich an. Morgen Abend hat es der Mond dann geschafft: Am Mittwoch, den 15. Juni 2011 um 22:13:36 Uhr ist Vollmond. Schon jetzt ist er annähernd rund und er steigt mit einem wunderbaren dunstigen, leuchtenden Hof von Süden in den Nachhimmel, um das im Norden schwindende Tageslicht zu verabschieden. Ein frühsommerlicher Abendhimmel, wie er schöner nicht sein könnte, während die Vögel in der Dämmerung langsam verstummen, ein einsamer Eulenruf ertönt und Fledermäuse auf dem abendlichen Hundespaziergang mein Haupt umflattern. Die abendliche Kühle gibt dem Ganzen noch ein recht fröstelndes Ambiente im Gegensatz zu der gestrigen leichten Schwüle. Mögen Viele die schönen Lichtimpressionen dieser Nächte genießen.

Michael
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Mittwoch, 15. Juni 2011, 09:09

Totale Mondfinsternis bei Vollmond

Zitat

Original von Michael
...Am Mittwoch, den 15. Juni 2011 um 22:13:36 Uhr ist Vollmond. Schon jetzt ist er annähernd rund und er steigt mit einem wunderbaren dunstigen, leuchtenden Hof von Süden in den Nachhimmel, um das im Norden schwindende Tageslicht zu verabschieden. ...


In gut 12 Stunden wird, gutes Wetter bzw. ein allenfalls wenig bewölkter Himmel vorausgesetzt auch in Niedersachsen am südlichen Abendhimmel ein nicht ganz so häufiges kosmisches Schauspiel zu beobachten sein: eine totale Mondfinsternis. Mehrere Stunden lang taucht der Erdtrabant in den Schatten unserer Weltkugel ein und leuchtet in einem unwirklich roten Licht vom Nachthimmel herunter. Weiter südlich von hier wird der Beginn des Ereignisses etwas früher eintreten, ab ca. Viertel nach Neun, nördlicher von uns etwas später.

In früheren Zeiten, als die Menschen ungewöhnlichen oder seltenen Himmelsereignissen aus astrologischer Sicht auch eine besondere Bedeutung für individuelles Schicksal wie für das allgemeine Wohlergehen besondere, oft unheilvolle Bedeutung zumaßen, konnte eine totale Mondfinsternis mit einem blutroten Vollmond die heftigsten Empfindungen auslösen, begleitet von wilden Spekulationen und beunruhigenden Prophezeihungen.

Doch auch unabhängig von solchem algemeinen gemütsbewegenden Aufruhr findet in Vollmondnächten, insbesondere verbunden mit solchen außergewöhnlichen astronomischen Konstellationen intrapsychisch in vielen menschlichen Gemütern soviel Bewegung und Aufwallung statt, dass die merkwürdigsten Empfindungen und ungewöhnliche Verhaltensweisen ausgelöst werden, nicht nur, dass Manche Wehrwölfe erblicken, andere schlafwandeln oder schlafen auch nur schlecht. Doch ehrlich: wer möchte das nächtliche Himmelsspektakel heute verpassen, indem er schläft?

Michael
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Donnerstag, 16. Juni 2011, 02:20

Totale Mondfinsternis fiel hier aus wegen Wolkenfinsternis...

Zitat

Original von Michael

In gut 12 Stunden wird, gutes Wetter bzw. ein allenfalls wenig bewölkter Himmel vorausgesetzt auch in Niedersachsen am südlichen Abendhimmel ein nicht ganz so häufiges kosmisches Schauspiel zu beobachten sein: eine totale Mondfinsternis.


Hier bei uns haben dunkle Regenwolken mit einem kleinen Schauer die Mondfinsternis so zugedeckt, dass es wirklich ziemlich finster wurde :(. Jetzt, weit nach Mitternacht, tauchte der Vollmond dann ab und zu durch die dunklen Wolkenbänder und zeigte sich. Die psychischen Probleme einiger Klienten zeigten sich bei Vollmond allerdings auch im Dunkeln - sonst wäre ich jetzt nicht noch auf...

Michael
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Freitag, 15. Juli 2011, 23:02

Julimond - Sommermond

Der erst Vollmond des Sommers ist heute am 15. Juli 2011 zu beobachten, wie er ab 22:13 h am Himmel erschien. Hier im Hessischen Bergland im Naturpark Kellerwald stieg er aus dunklen Wolkenschichten kupferfarben in den im dunkler werdenden Abendhimmel.

Kupferner Vollmond
glänzt aus Nachtblau über Berg,
Tal, Dorf, Wald und Feld.


Michael
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Freitag, 12. August 2011, 15:41

Nächtlicher Meteorenschauer der Perseiden kurz vor Vollmond

Nach schönem und viel zu trockenem Frühjahr präsentierte sich der Sommer kühl und nass. Das war auch für astronomische Schauspiele schade, denn was sich jenseits der Wolkenschichten abspielt, bekommt man so nicht mit. Wolken und Regen können neben dem herannahenden Vollmond (am Samstag, den 13. August 2011 um astronomisch genau 20:57:30 Uhr) daher der wichtigste Grund sein, dass man hierzulande den Meteorenschauer der Perseiden heute Nacht zwischen 22 und 4 Uhr über Deutschland kaum bzw. eben gar nicht beobachten kann. Wem es doch gelingt: Herzlichen Glückwunsch. Im Maximum soll man über 100 Sternschnuppen pro Stunde beobachten können. Der Beobachtungszeitraum liegt in diesem Jahr zwischen dem 10. bis 14. August. In der Nacht zu heute war das Maximum erwartet worden, doch unterm hiesigen norddeutschen Himmel war in der fraglichen Nachtzeit dank dichter Wolkendecke leider nichts zu erkennen. Sollte der Himmel doch aufreißen, wird empfohlen, sich unter Baum- oder Gebäudeschatten vom Vollmond abgewandt aufzustellen und in den Himmel zu spähen.

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)