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Dienstag, 31. März 2009, 23:00

April, April...

Die letzten Stunden des Monats März sind angebrochen. Ja, der März, er macht gerne mal einen Scherz! Doch im Ernst: will man jemanden wirklich einmal "übel" mitspielen, aber nur so im Scherz, schickt man ihn in den April. Es ist nämlich der April, der nicht weiß, was er will, so sagen es uns die alten Bauernschlauheiten:

April, April,
der weiß nicht, was er will!
Mal Regen und mal Sonnenschein,
dann hagelt's wieder zwischendrein.
April, April,
der weiß nicht, was er will!

Nun seht, nun seht,
wie's wieder stürmt und weht,
und jetzt, oh weh, oh weh!
da fällt schon wieder dicker Schnee!
April, April,
der weiß nicht, was er will!

Der April, nach dem Gregorianischen Kalender der vierte, nach dem altrömischen Kalender der zweite Monat im Jahr, ist der erste Monat, der ganz im Frühling liegt. Der Frühling ist eine unbeständige, oft regnerische und windige Jahreszeit, in der die Tage länger werden und die Sonne die Erde erwärmt. Wärme und Feuchtigkeit treiben die Pflanzenkeimlinge hervor und die Wiesen und Felder begrünen sich, die Bäume schlagen auch schon im April, nicht erst im Mai aus und Blütenpflanzen kommen hervor. So erklärt man sich ethymologisch auch den Namen des April entweder vom lateinischen Wort apricus, sonnig oder von aperire, öffnen, analog zum sich Öffnen der Knospen. Unter Karl dem Großen wurden einige deutsche Monatsnamen "erfunden", so für den April der Name "Ostermond", da das christliche Osterfest meist im April stattfindet. "Launing" oder "Wandelmonat" sind ebenfalls alte, nicht mehr übliche Bezeichnungen, die auf das wechselhafte, launische Aprilwetter hinweisen mögen, denn der April weiß nicht nur nicht, was er will, er macht auch, was er will - wenn er es denn weiß. In der hinduistischen und buddhistischen Welt werden im April einige Neujahresfeste gefeiert, nämlich in Indien, China, Vietnam, im Kambodscha der Khmer, Thailand und im tamilischen Ceylon.

LG, Michael
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Freitag, 10. April 2009, 14:40

Die Karwoche

Zitat

Original von Michael
...Ab morgen am Aschermittwoch ist dann für die Meisten die Pflege des eigenen Katers und ev. die eine oder andere Neubesinnung in der so genannten "Fastenzeit" angesagt.


Die Fastenzeit aus christlicher Tradition steuert in der so genannten Karwoche von Montag über Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamastag am heutigen Karfreitag dem Höhepunkt zu. Gegen 15 Uhr begehen die Christen, insbesondere die evangelischen, in Gottesdiensten das Gedächtnis der Todesstunde Jesu Christi am Kreuz. Die Karwoche oder Trauerwoche vor Ostern, (aus dem Althochdeutschen von kara: Klage, Kummer, Trauer), auch Stille Woche genannt, ist ein Begriff aus dem Kirchenjahr. Der Kirchenkalender, der das Kirchenjahr beschreibt, hat sich von den mehr an den Naturerscheinungen angelehnten Feier- und Gedenktagen der vorchristlichen Religionen weit entfernt und sucht nicht mehr nach Analogien im Vergehen und Werden der Naturerscheinungen, sondern bezieht sich auf lithurgisch festgelegte Gebräuche zur Erinnerung an bestimmte hervorgehobene Ereignisse aus dem Leben und Sterben des von den Kirchen als Religionsgründer verehrten Jesus Christus. Dabei geht es weniger um die wenigen historisch bekannten Tatsachen dieses Lebens, als um die "heilsgeschichtliche" Bedeutung für die gläubigen Kirchenanhänger.

Im deutschsprachigen Raum, in dem Raum, in dem die Bibelverdeutschung Luthers und die lutherische, evangelische Theologie eine besondere Entwicklung anstieß und eine herausragende Rolle hatte, ist die Karwoche, die Woche der Klage und Trauer im Nachvollzug der Passion Christi, besonders deutlich von der österlichen Freudenzeit, den beiden Hochfeiertagen des Auferstehungsfestes Ostern am Ostersonntag und Ostermontag, geschieden. Die Deutschen, die gerne als besonders tiefe Denker und metaphysische Spekulanten gelten, haben ja auch der Theologie trotz einer gegenströhmenden Mystik gerne die Logik eingetrieben und mit dem Kölner Albertus Magnus neben dem in Paris lehrenden Thomas von Aquin einen Geistesriesen der Scholastik hervorgebracht. Dieses logische Denken und Argumentieren operiert mit Definitionen, Begriffen, Abgrenzungen und Gegenübersetzungen und gehört der Dualität an, die unzufrieden mit sich in dieser Spaltung sich immer nach der Auflösung, letztlich nach der Unio mystica oder in der materialistischen dialektischen Philosophie nach der Synthese sehnt.

Die evangelischen Theologen, die dazu beitrugen, den Karfreitag als einen der höchsten Festtage der Christenheit hervorzuheben, meinten damit die Selbstopferung des Gottessohnes Jesus Christus als eigentliche Erlösungstat, die die Gnade Gottes bewiese, da er seinen Sohn durch Menschen für die Menschen und deren Sünden sterben ließ. Damit hätte Gott durch die Opfertat seines Sohnes die Gnade für alle Menschen bzw. zumindest die gläubigen Christen erwirkt, die darauf vertrauen dürften. Diese Erlösungstat wirkt sich dann in die erlösende Auferstehung Jesu aus, ist aber die Voraussetzung dafür. Diese Auferstehung, so das Versprechen, werde am Ende der Zeiten auch den Gläubigen zuteil. Die eher katholisch geprägten Christen betonen in der von ihnen "Heilige Woche" genannten Zeit, die nicht nur die Kartage mit insbesondere Gründdonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, sondern auch Ostersonntag und Ostermontag mit einschließt, eher den Auferstehungsaspekt selbst, die so genannte Überwindung des Todes. Sie verstehen den Karfreitag nur aus dem Auferstehungsmysterium und weniger aus dem Opfermysterium. Wäre Jesus einfach nur hingerichtet, als Gottessohn geopfert und nicht aus ihrem Verständnis wieder auferweckt worden, hätte der Karfreitag als der Todestag und das Fanal kaum zum Ausgangspunkt der Gründung einer Auferstehungsreligion getaugt.

In den moraltheologischen Auseinandersetzungen über Sünde, Sühnen, Büßen und Vergeben, die sich an die Opferung des Gottessohnes, die Voraussetzungen dafür und die Auswirkungen emporranken, haben Vorstellungen über die so genannte "Schuld" einen wichtigen Stellenwert. So heißt es auch, dass Jesus Christus für die Sünden der durch die Erbschuld in Erbsünde lebenden Menschen gebüßt habe, dass er als Gottessohn bewusst diese Schuld auf sich genommen und die Menschheit dadurch erlöst und ihr das ewige Leben gebracht habe, sofern sie an diese Tat und an ihren Volbringer Jesus Christus glauben, da er sich nach der Bibel als der Weg zu Gott bezeichnet habe und keiner zum Vater käme denn durch ihn. Doch verfolgt man die Entwicklung der Schuld als ein natürliches Ergebnis der Schöpfungsentscheidung zurück, die einiges aus den am ungeschaffenen Beginn unendlichen Möglichkeiten hervor hob und anderes verwarf, so kommt man durch Rückverfolgung der Ergebnisse immer zu den Ursachen des Anfanges. Aber diesem "Schuldthema" sei ein anderer Beitrag in diesem Forum gewidmet: "Von Schuld und Schöpfung".
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Sonntag, 12. April 2009, 14:34

Das Grab ist leer...

Zitat

Original von Michael

Die evangelischen Theologen, die dazu beitrugen, den Karfreitag als einen der höchsten Festtage der Christenheit hervorzuheben, meinten damit die Selbstopferung des Gottessohnes Jesus Christus als eigentliche Erlösungstat, die die Gnade Gottes bewiese, da er seinen Sohn durch Menschen für die Menschen und deren Sünden sterben ließ. Damit hätte Gott durch die Opfertat seines Sohnes die Gnade für alle Menschen bzw. zumindest die gläubigen Christen erwirkt, die darauf vertrauen dürften. Diese Erlösungstat wirkt sich dann in die erlösende Auferstehung Jesu aus, ist aber die Voraussetzung dafür. Diese Auferstehung, so das Versprechen, werde am Ende der Zeiten auch den Gläubigen zuteil. Die eher katholisch geprägten Christen betonen in der von ihnen "Heilige Woche" genannten Zeit, die nicht nur die Kartage mit insbesondere Gründdonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, sondern auch Ostersonntag und Ostermontag mit einschließt, eher den Auferstehungsaspekt selbst, die so genannte Überwindung des Todes. Sie verstehen den Karfreitag nur aus dem Auferstehungsmysterium und weniger aus dem Opfermysterium. Wäre Jesus einfach nur hingerichtet, als Gottessohn geopfert und nicht aus ihrem Verständnis wieder auferweckt worden, hätte der Karfreitag als der Todestag und das Fanal kaum zum Ausgangspunkt der Gründung einer Auferstehungsreligion getaugt.


Es ist vollbracht! Es ist gefoltert, gekreuzigt, gestorben worden, die Höllenfahrt liegt hinter ihm und nach christlichem Erlösungsglauben ist der Heiland auferstanden von den Toten: Das Grab ist leer, als die Frauen der Bibel, Jüngerinnen und Jesu Mutter dorthin kamen. Es ist wieder Ostern. Die nächtlichen Gottesdienstbesucher sind mit ihren in der Dunkelheit entzündeten Osterkerzen nach Hause zurückgekehrt. Die Osterfeuer der letzten Nacht sind abgebrannt. Geblieben sind große warme Aschehaufen und Hunderte Kisten Leergut: Die Feuerwehren und Kleingartenvereine ließen ausschenken. Die Betrunkenen der vergangenen Nacht schlafen ihren Rausch aus, Einige in Ausnüchterungszellen der Polizei, Manche in der Psychiatrie, die Meisten zuhause in eignen oder fremden Betten. Für mich blieb es diese Nacht glücklicherweise ruhig. Kein jugendpsychiatrischer Einsatz.

Ostern wird für mich auch ohne die feiertagsübliche berufliche Beanspruchung dank einer Begegnung, die ich meinem Beruf verdanke, stets mit einer besonderen Erinnerung verknüpft sein, als vor etwa anderthalb Jahrzehnten ein Geistlicher in den besten Jahren zu seinem Schutz freiwillig auf eine geschlossene psychiatrische Abteilung eintrat, da er in seinem Leben keinen Sinn mehr erblickte. Es war nicht die erste, aber offenbar die tiefste und folgenschwerste Depression des Mannes, die ihren Tiefpunkt bemerkenswerter Weise am Karfreitag erreichte. Tägliche Gespräche mit dem hochintelligenten Prediger, der auch noch der Sohn eines bekannten geistlichen Würdenträgers war, bedeuteten zwar während dem langen Wochenende dieser "Heiligen Woche" eine besondere Herausforderung und auch ein intellektueller Genuss, dennoch schien mir dies nicht das Eigentliche zu sein.

Das Eigentliche war die faszinierende Zeugenschaft bei einem innerseelischen Prozess, den ich begleiten durfte, und der buchstäblich an die Klippen des Todes und durch die Hölle das Wahnsinns bis zur seelischen Wiedergeburt und dem Aufstehen eines geläuterten Ichs führte. Es ergab sich in den täglichen Gesprächen eine tiefere Verbindung zwischen Patient und Therapeut. Der tiefe Abstieg machte deutlich: alles intellektuelle Streben, alle Titel, beruflicher Erfolg, Ruhm, der gute Name, die bekannten Ahnen, die eigene Familie, sie schützten nicht vor der Erkenntnis eigentlicher Nacktheit, Armut und Bedürftigkeit und der Notwendigkeit, sich in einem Du zu begegnen, um aus tiefer Todesnot und Verzweiflung wieder aufzutauchen. Dies war kein intellektuelles, nicht einmal ein medizinisches Ereignis, sondern ein Spirituelles.

An den Osterfeiertagen hatte sich der Pastor so weit erholt, dass er die Station verlassen konnte. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist nach all den Jahren. Aber dieser Verlauf parallel zu den Ereignissen der österlichen Geschichte hat mich nachhaltig beeindruckt. Wenn ich mir dieser Begebenheit bewußt werde, versuche ich, meine inneren Bewegungen von damals, die zum Teil Mitbewegungen waren, nachzuvollziehen und mich tief in meine eigenen Verwerfungen und Entfremdungen zu begeben, um zu fühlen und zu begreifen. Es ist allenfalls auszuhalten, kaum wirklich zu genießen, was sich da entdecken lässt. In sich eingeschlossen und ohne Verbindung nach innen und außen, fragmentiert und der Gemeinschaft mit Gott und den Menschen verlustig ohne Sinn und Ziel geht die Höllenlore tief in das Bergwerk des eigenen Unglücks um unverhofft am anderen Ende, wenn es tiefer nicht geht, wieder empor zu fahren und dem Licht zu begegnen. Unten bleibt, was sinnlos und ziellos war.

Das Grab ist leer. Sich in seiner Einsamkeit und Zwiespältigkeit zu begraben, brächte keine Weiterentwicklung. Ist man bereit, ergeben sich die lebendigen Begegnungen, die Entwicklung bedeuten, ereignen sich die inneren und äußeren Dialoge, die Verbindung herstellen und Verbundenheit. Wir finden wieder unseren Stand, unsere Unabhängigkeit und sagen gleichzeitig ja zu Verbundenheit und Bezogenheit. Wer uns dann in unserem Grab sucht, wird uns dort nicht mehr finden. Nun haben wir Menschen, denen selten die gesamte Erleuchtung auf einmal zuteil wird, noch viele tote Punkte, Stagnationen, Zeiten der Melancholie und Trauer vor uns und immer wieder werden wir einen dunklen tiefen Punkt aufsuchen und immer wieder werden wir uns zusammen mit anderen nach dem Licht recken und diese Erfahrung des Weiterkommens und Voranschreitens mit beiden Füßen auf der Erde in unser Leben integrieren.

Ähnlich wie die christlichen Theologen sich bemühen, den Sinn von Jesu Tod am Kreuz am Karfreitag aus der österlichen Auferstehungskunde zu verstehen, ist es auch mit dem Durchleben seelischer Tiefpunkte. Bliebe man am Boden der Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit und täte sich nichts weiter, wäre das vermutlich nicht lange aushaltbar und es würde für die Betroffenen keinen Sinn machen, dorthin zu gelangen und dort zu verbleiben. Hat man aber die Wiederaufstiegsbewegung ebenso erlebt, hat man noch einmal einen deutlicheren Blick auf die Sinn- und Hoffnungslosigkeit, weil durch die essenzielle Erfahrung, dass auch der Todespunkt nicht unverändert gehalten werden kann, sondern sich weiter entwickelt, erst wirklich klar wird, was Sinn macht und was nicht und was erhofft werden kann, auch für eine nächste Reise auf den Boden des Erfahrbaren, tiefst Moglichen bis empor zu den höchsten Ebenen.

Eine schöne, österliche Zeit wünsche ich allen,

Michael
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Freitag, 17. April 2009, 13:14

Sakura - Die Kirschblüte.

In Japan hat die Kirschblüte, dort Sakura genannt, Ende März begonnen, die Inseln zu erfassen und mit dem herrlichsten Frühlingsschauspiel das Frühjahr einzuläuten und den Japanern Gelegenheit zu ihrem schönsten und poetischten Natur- und Kulturfest zu geben, das in der Regel eine Woche lang – so lange die Kirschen jeweils blühen, dauert. Der Blütenrausch weht quasi von Ende März bis Anfang Mai über die japanischen Inseln mit der Ausbreitung der wärmeren Luftmassen. Die Kirschblüte treibt seit Jahrhunderten künstlerische Blüten in der japanischen Malerei und Dichtkunst und entzückt die Japaner trotz der uralten Tradition jedes Jahr neu und begeistert diese oft als so ernst, strebsam, fleißig und diszipliniert beschriebenen Menschen, Ostasiens „Preußen“. Etwa die Hälfte aller Straßenbäume und Bäume in städtischen Parks sollen in Japan Kirschbäume sein, die in Farbtönen von weiß, zart rosé bis kräftig rosa einen wahren, vergänglichen Farbenrausch auch in den Parks der Ballungsgebiete entfesseln und dies in einer äußerst kurzen Zeit von nur etwa einer Woche bis zehn Tagen. Danach werden die Japaner „wieder normal“ und sind dennoch nicht mehr so, wie vor der Kirschblüte. Sie bricht in den verschlossensten Menschen etwas auf, wenn sie mit dem Herzen schauen. Rosa ist nicht umsonst die Farbe des Herz-Chakras.

In einer der preußischten Städte Deutschlands, der einst kaiserlichen Marinestadt Wilhelmshaven, gibt es kleinere Alleen mit blühenden Zierkirschen. In der Widukindstrasse vor unserem Haus blühen sie vor allem in kräftigen Rosatönen. Seit einer halben Woche brechen alle Blüten auf und vereinigen sich zu kräftigen rosa Büschen. Ein einziger Kirschbaum hat nur, ein zweiter außerdem noch einige weiß blühenden Zweige neben rosa Blühenden. Die relativ schmale Allee, die sich vor unserem Haus zu einem kleinen Platz öffnet, ist nun eine Prachtstraße mit einem rosa Blütenhimmel, darüber strahlendes Himmelsblau mit einigen vom Wind getriebenen weißen Wolken, alles in helles Sonnenlicht getaucht. So haben auch die preußischen Wilhelmshavener ihr Kirschblütenfest – Sakura. So heißt auch das einzige japanische Restaurant in dieser Stadt. In Hamburg, wo mehr Japaner leben und häufiger japanische Gäste begrüßt werden, hat ein dort angesiedeltes japanisches Hotel, in dem ich auch schon mal wohnte, jedes Jahr ein Kirschblütenfest wie in der asiatischen Heimat um die Alster herum organisiert.

Mir kommt es so vor, als ob vielleicht auch als ein Zeichen der derzeitigen globalen Erwärmung die Kirschblütenzeit und der Frühlingsbeginn zeitlich im Jahr vorgerückt sind. Als mein Vater am 9.5.2005 starb, verblühten die Kirschbäume gerade, was mich zum ganz unten stehenden Gedicht inspirierte, das ich hier Kirschblütenherbst genannt habe. Es bewahrt für immer eine traurigsüße Erinnerung auf. Ein wundes Herz ist wie eine zarte, empfindliche, vergängliche Kirschblüte, die in einer kurzen Lebenszeit aufbricht, sich entfaltet und verblüht, während sie auf den Besuch der Nektarsammlerinnen wartet, der bestäubend die süße Spätsommerfrucht, die volle Kirsche erst möglich macht. Um auch den Beginn und das Leben zu feiern, sei als poetische Würdigung dieses einzigartigen Natur- und Kulturschauspiels ein Kirschblütenfrühlings-Gedicht voran gestellt.



Kirschblütenfrühling


Sanfter Wind treibt
Weißflockenden Wolkenflaum
Über blassblaue Himmelsbahn.

Sie grüßen flirrend von oben
Die kleine Klinkerallee
Gesäumt mit knorrigen Kirschen.

Duftender Farbbausch
Von zartem Pastell bis kräftigem Rosa
Wölbt sich um die Zweige.

Erster Frühlingshauch
Steckt mit buschigen Blüten
Baum für Baum an,

verwandelt die Strasse
in eine duftige Aue
aus wogendem Farbrausch.

Unter Kirschblüten Wandelnde
Verwandeln ihr Herz in Entzücken
Und schwebende Leichtigkeit.

Sanftes Ziehen ewiger Sehnsucht
Senkt der Frühlingswochen Schönste
Wehend in ein wehes Herz.



Kirschblütenherbst


Kirschblüten fallend
im Sterben so schön,
eine Flut in blassrosa,
treibt sie der Wind
wie Meerschaum
über die Wege
an unsere Hecken.

Verwehend
versprechen
die Blüten
im schimmernden Tod
des Frühlings
die süßen Früchte
in des Sommers Pracht.


Michael
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Mittwoch, 29. April 2009, 12:26

Der April geht, Walpurgisnacht, Mai- und Frühlingsfeste kommen

Noch eine Nacht, dann ist es wieder so weit:

Zitat

Original von Michael
In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai sollen nach alter Überlieferung im Harz die Hexen auf ihren Besen zum Brocken gereist sein, um an der "Walpurgisnacht" teilzunehmen. Obwohl die katholische Kalenderheilige Walburga ihren Ehrentag am 1. Mai hatte - die Benediktinernonne galt als Nothelferin gegen Sturm und Pest - war in alter Zeit die heidnische "Walpurgisnacht" ein Mondfest in der Nacht des ersten Vollmondes zwischen der Frühjahrstagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende. Dieser Maimond bzw. der erste Mai, um den herum im heidnischen Altertum der Zeitpunkt für Frühlingsfeste war, war sowohl den Römern als insbesondere den Kelten heilig. In Rom wurden die Floralien, ein Fest zu Ehren der Vegetationsgöttin Flora, gefeiert. Bei den Kelten feierte man Beltane, ein Frühlingsfest, an dem einem die Geistwesen der Anderswelt sehr nahe kommen konnten, weil die unsichtbaren Tore sich öffneten. In christlicher Zeit sind zahllose heidnische Riten als Bräuche überliefert worden: Maibäume, Maifeuer, Maisingen und Tanz in den Mai sind bekannt. In modernen Zeiten kam in vielen Ländern der Tag der Arbeit, als der Kampftag der Arbeiterbewegung hinzu, der in vielen Ländern gesetzlicher Feiertag geworden ist.

LG, Michael:gost


Nach sogar freundlich-warmen Apriltagen in der Mitte des Monats bringt uns etwas unsteteres, kühleres Aprilwetter am Ende noch die nötigen Niederschäge, die die Vegetation im Frühjahr ebenso zum Wachstum benötigt, wie längere Sonnenscheindauer und Wärme. Schon morgen können wir uns je nach esoterischer oder gewerkschaftlicher (oder einfach heiterer) Einstellung auf die "Walpurgisnacht" freuen und/oder auf den darauf folgenden 1. Mai, den "Tag der Arbeit". Diese Feiertage und ihr Zeitpunkt gehen auf viel ältere Überlieferungen zurück und haben mit der Kindergeschichte der niedlichen "Kleinen Hexe" des Ottfried Preußler oder aber der Arbeiterbewegung wenig zu tun:

Zitat

Original von Michael in Beitrag über Halloween und Walpurgisnacht

Die nächste Gelegenheit für die Anderswelt, den Kontakt zu den Hiesigen zu suchen, war nach den keltischen Vorstellungen die Zeit des Beltane-Festes (Beltaine) ein halbes Jahr später im Frühjahr. In der Nacht vom 30.4. auf den 1.5. begingen die Kelten den Beginn des Sommerhalbjahres. Im hiesigen Kulturkreis hat sich aus heidnischer Zeit die Walpurgisnacht erhalten. Es handelte sich um ein Mondfest und zwar zum Zeitpunkt des ersten Vollmondes zwischen der Frühjahrestagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende. Das während der christlichen Zeit verteufelte und mit Hexenumtrieben in Zusammenhang gebrachte Fest erhielt seinen Namen von der mittelalterlichen heiligen Äbtissen Walpurga, die um 870 am 1.5. heilig gesprochen worden sein soll. In der Neuzeit standen die traditionellen Bräuche Pate für allerlei Maifeste.

Diese alten und neuen kultischen Feste im Jahreskreis hatten hohe soziale und auch persönliche Bedeutung, symbolisierten sie doch den gesunden Ausgleich von natürlichen und übernatürlichen Kräften und Gewalten des Mikro- und des Makrokosmos, des Individuums, der Gemeinschaft und der Natur. Solange der Mondkalender uneingeschränkt galt, wie z.B. im kirchlichen Jahreskreis auch noch für das sich jedes Jahr im Datum verschiebende Osterfest und den Weißen Sonntag, waren diese Feste an einem jeweils anderen Tag des Sonnenjahres. Als das Sonnenjahr mit seinen 365 Tagen endgültig maßgeblich wurde, erfolgten Festlegungen auf ein bestimmtes Datum, eben z.B, die Nächte vom 31.10. auf den 1.11. und den 30.4. auf den 1.5., unabhängig von der Mondphase.


Wie auch immer Ihr Eure Feiertage und das in diesem Jahr verlängerte Wochenende (da der 1. Mai auf einen Freitag fällt) begehen wollt, Donnerstagnacht auf dem Brocken um ein Lagerfeuer, grillend im eigenen Garten mit Nachtwanderungsspuk oder tags drauf marschierend (was man wohl gar nicht mehr macht) und Arbeiterlieder singend auf einer selten gewordenen zünftigen Gewerkschaftsveranstaltung, die auch meist eher mit Bier und Würstchen lockt: Lasst es Euch gut gehen und achtet ein wenig auf die Umwelt, die ganz still und leise neben Euch erblüht: Im Mai schlagen die Bäume aus und wer es gemerkt hat: Auch schon lange vorher... Und vielleicht lockt ja das Wetter auch zu einer Fahrradtour in die Umgebung statt zu einer Autofahrt.

Michael
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Freitag, 1. Mai 2009, 00:32

Mai

Der fünfte Monat des Jahres nach dem Gregoranischen Kalender ist nach dem römischen Haupt- und Frühlingsgott Jupiter Maius benannt und trägt somit eine lateinische Monatsbezeichnung. Nach dem älteren römischen Kalender war der Mai der 3. Monat des Jahres. Schon in alter Zeit gab es viele Frühlingsfeste und altes Brauchtum wie die Aufstellung von Maibäumen, Maiumzüge aber auch die Walpurgisnacht in der heutigen Nacht auf den 1. Mai und das keltische Beltanefest fallen auf den Monat Mai, vielfach auch - abhängig vom Ostertermin - das christliche Pfingstfest, das in diesem Jahr am 31.5.2009 begangen wird. Den Katholiken gilt der Mai mit zahlreichen Marienandachten seit dem 18. Jh. als der Marienmonat.

Im Mittelalter hat man sich auch im deutschen Sprachraum bei der Namensgebung an den für die bäuerliche Welt wichtigen Vegetationsereignisse gehalten. So blühen im Mai die meisten Pflanzen und dies veranlasste die Bezeichnung "Blumenmond". Der Wonnemonat Mai ist als Begriff noch heute in aller Munde, doch hat der von Karl dem Großen eingeführte Begriff weniger mit Wonne im Sinne von freudiger Lust zu tun. Das ursprüngliche althochdeutsche Wort [URL=http://www.chefkoch.de/magazin/artikel/126,0/Chefkoch/Walpurgisnacht-und-passende-Gerichte-zum-Maifeiertag.html]"Wunnimanot"[/URL] bezeichnet den Weidemonat, an dem die Tiere wieder auf die Weiden gebracht wurden.

Und dann ist es höchste Zeit für den Frühjahrsputz in Haus, Stall und Hof und natürlich mit entschlackenden frischen Frühlings-Kräutern im eigenen Körper. Der Arzt und Naturphilosoph Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) verordnete seinen Patienten und Freunden wie z.B. Johann Wolfgang von Goethe oder dem Naturforscher Alexander von Humboldt eine "Maikräutersuppe" zur Frühjahrskur mit folgenden Zutaten:

250 g junge Maikräuter (zum Beispiel Brunnenkresse, Sauerampfer, Brennnesseln, Kerbel, Schafgarbe, Gundermann, Kleiner Wiesenknopf, Tripmadam, Gänseblümchen u.s.w)
1 feingehackte oder geriebene Gemüsezwiebel
1 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
50 g Butter
30 g Vollkornmehl
500 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe
Salz und etwas Pfeffer
250 ml süße Sahne

Zwiebel und Knoblauch in der Butter glasig dünsten, mit dem Mehl bestäuben, mit der Hälfte der Brühe und der Sahne unter Rühren auffüllen, 5 Minuten köcheln lassen. Inzwischen die Kräuter mit der anderen Hälfte der Flüssigkeit im Mixer pürieren, dann langsam in die heiße Brühe geben und nur noch wenige Minuten köcheln. Mit gerösteten Brotwürfelchen sofort servieren.

Dann lasst Euch den Mai mal gut schmecken! Vielleicht mit einer Flasche Maibock?

Michael
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Donnerstag, 21. Mai 2009, 11:26

(Christi) Himmelfahrt - Vatertag

Eine Himmelfahrt ist, wenn sie spirituell verstanden und ernst gemeint ist, das Erreichen der Gipfelerfahrung, also z.B. die Erleuchtung. Etwas sarkastisch bezeichnet ein "Himmelfahrtskommando" aus dem Militärischen kommend einen Auftrag ohne Wiederkehr oder zivil eine tödliche Schnapsidee. Das nicht weltliche Himmelfahrtsmotiv kennen viele Religionen. In den monotheistischen Religionen bezeichnet es ein Ereignis, bei dem eine konkrete Person ohne Tod oder Hinterlassung eines Leichnams körperlich in den Himmel auffährt oder entrückt wird. Die christlichen Kirchen feiern am heutigen Tag als die bedeutendste Himmelfahrt die Aufnahme Jesu in den Himmel. Der Festtag wurde nach Angaben im Evangelium am vierzigsten Tag des Osterfestkreises, also 39 Tage nach Ostersonntag, festgesetzt. Damit fällt Himmelfahrt immer auf einen Donnerstag und verschiebt sich im Laufe der Jahre auf unserem Sonnenkalender wie das Osterfest. Himmelfahrt ist daher zwischen dem 30.4. und dem 3.6. eines jeweiligen Jahres und 2009 eben am 21.5..

Der Himmelfahrtstag, in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz auch Auffahrt genannt, ist vielerorts auch ein staatlicher Feiertag, in Deutschland seit 1936, was mich zu dem Gedanken veranlasste, ob diese Geste als eine Konzession der Nationalsozialisten an die Kirche für Wohlverhalten gemeint war. Die weltliche Auslegung dieses eigentlich kirchlichen Feiertages ist zumindest hierzulande der "Vatertag", an dem Männer, ob Väter oder nicht, gerne auf "Herrenpartie" gehen, oft eine Tour von Einkehrlokal zu Einkehrlokal mit einem Bollerwagen voller Bier, Schnaps und Wein, um sich zünftig zu betrinken. Die Tradition des Vatertags ist nicht alt, sie stammt vom Ende des amerikanischen Sezessionskrieg in den USA und von Berlin am Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland. In Österreich (2. Sonntag im Juni seit 1955) und der Schweiz ("Vätertag", 3. Sonntag im Juni seit 2007) wurde versucht, analog zum "Muttertag" eine moderne Tradition zu begründen.

Die theologische Bedeutung von Christi Himmelfahrt kennt unterschiedliche kirchliche Interpretationen. Bereits die Auferstehung Ostern hatte einen "Himmelfahrtscharakter". Christus erschien bereits im verklärten Leib, erhöht als Gottessohn, nun nicht mehr der alte Mensch, etwas entrückt, aber noch über die Erde wandelnd und leiblich erfahrbar etwa mit seinen Wundmalen. So erschien er nach dem Evangelium seinen Anhängern und Jüngern während der vierzig Tage zwischen der Auferstehung und der Auffahrt in den Himmel mehrfach, doch wurde er in seiner veränderten Ausstrahlung nicht sofort erkannt. Das leibliche Himmelfahrtsereignis bezeichnet dann das Ende der körperlichen Präsenz Jesu auf der Erde unter den Jüngern und die Einsetzung Christi als jenseitigen Himmelsherrscher und künftigen Weltenrichter an der Seite Gottvaters auf dem himmlischen Thron. Das (apostolische von 325 und das nicäische von 388) Glaubensbekenntnis bekennt daher: "Er ist am dritten Tag auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein."

Dieses Ereignis der leiblichen Himmelfahrt Jesu, das im Evangelium wiedergegeben wird, berichtet nicht nur von der Erhöhung und der Throneinsetzung Christi zur Rechten des Vaters, sondern auch von seiner Entrückung, von seinem Abschied und die Jünger blieben nach anfänglichem Staunen und ehrfürchtigem Schauer trotz des Versprechens Jesu, den heiligen Geist zu senden, schließlich vereinsamt und verzagt ohne Führer auf Erden zurück. Das habe nach der Apostelgeschichte dazu geführt, dass die Jünger sich mit Maria in den Abendmalssaal zurückzogen, ja einschlossen, um während der neun Tage bis zum Ausgießen des Heiligen Geistes am 10 Tag, dem Pfingstereignis, um diesen Heiligen Geist zu beten. In den katholischen Kirchen wird dieser nach Christi Himmelfahrt beginnende Zeitraum der "Pfingstnovene" begangen, um in bestimmten Gebeten göttliche Gnadenerweise herabzuflehen.

Nach Christi Himmelfahrt ist die letzte christlich überlieferte Himmelfahrt eines Menschen diejenige Mariens, die in der katholoischen Kirche eine besondere Bedeutung gefunden hat und am 15. August jeden Jahres erinnert und gefeiert wird, wobei in Österreich, Liechtenstein, einigen katholischen Schweizer Kantonen und in zwei Bundesländern auch staatlich Arbeitsfrei gegeben wird. Die "Aufnahme Mariä in den Himmel" ist nicht eindeutig im Evangelium bezeugt, sondern wird aus Johannes Offenbarung so gedeutet und nach Traditionen aus dem 6. Jahrundert schließlich durch ein päpstliches Dogma Pius XII. 1950 für die Katholiken zur verpflichtenden Glaubenswahrheit erhoben. Für die evangelischen Christen ist dieses "unbiblische" Ereignis daher ohne jede Bedeutung, wie überhaupt die starke Marienfrömmigkeit der katholischen Kirche unter Protestanten eher Ablehnung, mindestens aber wenig Anklang findet.

Überträgt man diese spezifisch christlichen Symbole, Erinerungsandachten und Rituale auf eine generelle spirituelle Entwicklung, so kann man sagen, dass eine spirituelle Neugeburt und Auferstehung ein innerliches Sterben des alten, konditionierten Menschen mit seinen spezifisschen Ängsten und Neurosen voraussetzt, eine Höllenfahrt, die mit dem Erwerb einer Art Lichtkrone, einer Erleuchtung endet. Die gnostischen Evangelien, die nicht in den offiziellen Kanon der Kirche gelangten, legen solche Interpretationen nahe. Auch der Körper eines erleuchteten Menschen verwandelt sich und untersteht nur noch in seinen grobstofflichsten Teilen den irdischen Gesetzmäßigkeiten. Doch diese Prozesse benötigen zunächst vorbereitende Zeit, bis schließlich die letzten Schritte getan werden können, die sich dann allerdings wie ein Schlag nach guter Vorbereitung und Bereitschaft, sich beschenken zu lassen, ereignen können.

Dabei ist es am Ende auch notwendig, dem eigenen Führer, dem Guru, dem Papst, dem Heiland, dem Messias, dem Buddha auf eine bestimmte Weise zu entsagen und ganz schutzlos selbst Verantwortung zu übernehmen. Auch die Heiligen Schriften" helfen dann nicht weiter und die Rituale verlieren ihre Kraft und Bedeutung jenseits dieser Schwelle. Das "Ich" und seine Anteile, die an dem spirituellen Führer und Lehrer kleben, die noch Dogmen und Glaubenssätze wie Landkarten benötigen, werden entlassen und müssen von uns absterben, wenn wir den letzten Schritt der "Vergöttlichung", "Erleuchtung" tun, der das Ende aller Konditionierungen, die unbeschränkte Freiheit des Geistes meint. Die "reine Seele", das "strahlende Herz" wissen den Weg zur Liebe und zum Höchsten von allein. In dieser Erfahrung im "pfadlosen Land" treffen wir dann wieder alle: Alles ist eins. Nirwana.

Michael
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Sonntag, 31. Mai 2009, 12:00

Pfingsten - Wes Geistes sind wir eigentlich?

Zitat

Original von Michael

Dieses Ereignis der leiblichen Himmelfahrt Jesu, das im Evangelium wiedergegeben wird, berichtet nicht nur von der Erhöhung und der Throneinsetzung Christi zur Rechten des Vaters, sondern auch von seiner Entrückung, von seinem Abschied und die Jünger blieben nach anfänglichem Staunen und ehrfürchtigem Schauer trotz des Versprechens Jesu, den heiligen Geist zu senden, schließlich vereinsamt und verzagt ohne Führer auf Erden zurück. Das habe nach der Apostelgeschichte dazu geführt, dass die Jünger sich mit Maria in den Abendmalssaal zurückzogen, ja einschlossen, um während der neun Tage bis zum Ausgießen des Heiligen Geistes am 10 Tag, dem Pfingstereignis, um diesen Heiligen Geist zu beten. In den katholischen Kirchen wird dieser nach Christi Himmelfahrt beginnende Zeitraum der "Pfingstnovene" begangen, um in bestimmten Gebeten göttliche Gnadenerweise herabzuflehen.


Pfingsten dürfte als das kirchlichste Fest des gesamten Christentums überhaupt betrachtet werden, denn die Christen führen den Beginn ihrer missionierenden Religionsgemeinschaft auf das Pfingstereignis zurück, als die Jünger mitsamt Jesu Mutter Maria eingeschlossen und verzagt nach der Hinrichtung und Himmelfahrt des Meisters der kommenden Dinge harrten und von der "Ausgießung des Heiligen Geistes" überrascht wurden, als sie das jüdische Schawuotfest begehen wollten. Die Auswirkungen der Herabkunft des "Heiligen Geistes" werden wie ein Brausen und Tosen beschrieben und anschließend sprachen die Jünger in "Zungen" und zwar auch mit fremden Zungen, also mit den Sprachen der damals bekannten Welt. Und sie fühlten sich plötzlich bestärkt und geläutert und mit neuem glühenden Eifer stürzten sie nach draußen in die Öffentlichkeit und begannen mit diesem "Zungenreden" überall die "Frohe Botschaft", das "Evangelium" zu verkünden, ob die Leute es nun hören wollten oder nicht und sie zum Teil, völlig genervt, Gegenmaßnahmen ergriffen. Fühlten sich die lokalen Herren gar vom Inhalt dieser Missionsreden bedroht, griffen sie auch zur Verfolgung und tödlicher Gewalt. Gestärkt vom "Heiligen Geist" freuten sich die Pfingstprediger angeblich noch darüber, wussten sie doch von den Prophezeiungen ihres Meisters, dass sie um seinetwillen verfolgt würden und dafür das Himmelreich erlangen sollten.

Für die christlichen Theologen war das Ereignis die Aufhebung der "Babylonischen Sprachverwirrung", als die Menschen sich angeblich hochmütig von Gott abwandten, in dem sie in einem zum Scheitern verurteilen Versuch ihr vermessenes Bauwerk bis in den Himmel trieben und einander nicht mehr verstanden. Im Gegensatz dazu verstanden die Jünger als christliche Missionare alle Sprachen und verkündeten den Völkern in diesen Sprachen die "einigende Botschaft" - so war sie gedacht - des Evangeliums von Jesus Christus. Wie die Geschichte bezeugt, blieb es nicht bei diesen fremdsprachlichen Überredungskünsten der Apostel und Jünger, die mit dem "Heiligen Geist" Feuer und Flamme für Verkündigung und notfalls Martyrium waren, sondern die erstarkende christliche Kirche, die im römischen Imperium die Staatsreligion des Kaiserkultes ablöste, verbreitete den christlichen Glauben in der Folgezeit auch mit Gewalt, also mit Feuer und Schwert über die bekannte und von den Kolonisatoren erreichbare Welt und rottete Gegner, kurzerhand zu Ketzern erklärt, grausam aus. Das Erleuchtungsfeuer der Pfingstbegeisterten hat also später mindestens eine grausame Doppeldeutung erfahren, z.B. in den vielen Scheiterhaufen, auf denen man Ketzer und Hexen lebendig verbrannte.

Trotzdem Pfingsten also eine solche Bedeutung für das Selbstverständnis des missionarischen Chritentums hat, ist es kein originär christliches Fest, das im alten Judentum keinen Vorläufer hätte. Das christliche Pfingstfest, das sich wie das Osterfest, dem es nach 50 Tagen folgt, an den alten Mondkalender hält - zur Erinnerung: der christliche Ostertermin ist der erstes Sonntag nach dem ersten Frühlingsmond, Christi Himmelfahrt ist am vierzigsten Tag danach und nach den neun Tagen der Verbarrikadierung im Abendmalssaal, der Pfingstnovene, ist am fünfzigsten Tag nach Ostern Pgingsten - hat genau wie das christliche Osterfest einen jüdischen, also nach christlicher Interpretation alttestamentarischen Vorläufer. So, wie die Christen fünfzig Tage nach Ostern Pfingsten feiern (also immer zwischen dem 10.5. und 13.6. eines Sonnenjahres), feiern die Juden fünfzig Tage nach Pessach das Wochenfest Schawuot. Abgesehen davon, dass die Jünger nach der öffentlichen, schmachvollen Hinrichtung ihres Meisters Angst hatten und sich vor ihren Mitbürgern verkrochen, sollen sie sich extra zu diesem jüdischen Schawuot-Fest im Abendmalssaal versammelt haben, als der Pfingstgeist in sie fuhr. Als christliches Fest wird dieses Ereignis in der Kirche selbst erst seit dem Jahre 130 n. Chr. bezeugt. Die Vorgänge um die Ausschüttung des Heiligen Geistes entnahmen die christlichen Gläubigen dem 2. Kapitel der Apostelgeschichte.

Das jüdische Schawuot gedenkt der Offenbarung der hebräischen heiligen Schrift, der Torah an das Volk Israel, die von der Schöpfung, den Patriarchen, Moses, den Propheten und Königen Israels erzählt. Somit zählt Schawuot - der Name bedeutet "Wochen" - zu den Hauptfesten im Judentums und wird bis heute in dieser Bedeutung von gläubigen Juden begangen. Die Bedeutung des Wortes Schawuot, Wochen, gibt einen Zeitraum von 49 Tagen entsprechend sieben Wochen vom Pessachfest bis zum Schawuotfest wieder, das ja am fünfzigsten Tag mit vollendeten sieben Wochen auf das Pessachfest folgt. Aus dieser Tradition stammt auch der griechische Name "pentekoste" in der Ostkirche, bzw. als die Sprache des neuen Testamentes noch Griechisch und nicht Latein war. Aus dieser Bezeichnung hat sich dann später der deutsche Begriff „Pfingsten“ entwickelt. Das Schawuot ist in der jüdischen Tradition übrigens auch ein Erntedankfest. Nach alter Überlieferung begann die Weizenernte im Land Israel nach dem Pessachfest und endete am Schawuotfest. Für die Jünger des jungen Christentums begann mit Pfingsten die Erntezeit: Sie wollten Seelen für das von ihnen verkündete Heil einbringen und sie missionierten nach Kräften.

Gibt es einen spirituellen Nutzen aus den Hintergründen dieses christlich gedeuteten Pfingstereignisses? Ich meine, es gibt auch hier einige allgemeingültige Wahrheiten, die sich von den Fesseln bestimmter religiöser Auslegungen befreien können. Zunächst ist es häufig so, dass eine spirituell besonders begnadete Gestalt mit hoher Ausstrahlungskraft Menschen polarisiert und dann eine eigene Anhängerschaft begeistert, die sich sehr an diese Person hält, ja in großer Gefahr ist, einen Personenkult zu erschaffen. Geht dieser Guru, dieser Führer, Lehrer, Prediger, Heiliger den Weg allen Irdischen und stirbt, verlässt diese Welt, brechen meistens neben Trauer und Schock in Folge davon auch Verwirrung, Verzagen und bald auch Streit unter den Anhängern aus. Im Inneren kann eine Hoffnungslosigkeit und ein Verlassenheitsgefühl gespürt werden. Man sucht in den Schriften und möchte sich unter Gleichgesinnten aussprechen und sich gegenseitig bestärken. Gleichzeitig werden die vielen Unterschiede jedes Einzelnen, die Persönlichkeiten wieder spürbar, die vielleicht hinter der Verehrung des geliebten Führers zurück getreten waren. Es kommt zu Missverständnissen, Missgunst, ja Streit. Kämpfe um die rechte Auslegung und um die Nachfolge in diesen messianischen Organisationen können die menschlich-soziale Folge sein.

Nun kommt es darauf an, ob und wenn ja, welchen Befreiungs- und Erleuchtungsgeist der hervorragende Lehrer in seinen Anhängern entzündet hat. Wes Geistes sind die Anhänger eigentlich? Haben sie das Potential, sich vom großen Vorbild und seinen Worten, die gerne wie heilige Verkündigungen aufgeschrieben werden, zu lösen? Werden sie den heiligen Geist in sich selbst entdecken und sich seiner Führung anvertrauen, als auf Erinnerungen, Schriften, Worte zu achten, die schnell zu Dogmen stilisiert werden von denen, die die Machtkämpfe der Nachfolge gewonnen haben? Wird das eigene Gewissen erwachen? Wird die eigene Sprache und Ausdrucksform gefunden werden, die wahre Freiheit und Unabhängigkeit? Wird der Mensch sich von seinen Konditionierungen lösen, um der wahre Mensch zu werden? Die Erleuchtung oder das Erwachen ist zunächst einmal ein persönliches Ereignis, das bestimmten Gesetzmäßigkeiten im äußeren Ablauf folgen kann, aber einzigartig ist. Erst danach werden die Unterschiede bedeutungslos und einsehbar. Die Wahrheit ist ein pfadloses Land und in diesem muss kein König regieren. Ein Bettler ist dort ebenso geachtet. Die Erwachten verstehen einander in jeder Sprache. Sie sind auch bereit, sich auszutauschen, aber sie haben nicht den Zwang, ihre Wahrheit zu verkünden. Sie antworten - vielleicht - auf Fragen, aber bewusst stiften sie keine Religion. Das ist immer noch die Sache derjenigen,die noch nicht soweit sind und sich und anderen Gerüste bauen wollen, die leider all zu oft zu Mauern und Gitterstäben eines Gefängnisses werden. Somit ist "Pfingsten" Chance und Warnung zugleich!

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Sonntag, 31. Mai 2009, 13:52

Pfingsten - Metapher vom Erwachsenwerden?

Zitat

Original von Michael
Gibt es einen spirituellen Nutzen aus den Hintergründen dieses christlich gedeuteten Pfingstereignisses? Ich meine, es gibt auch hier einige allgemeingültige Wahrheiten, die sich von den Fesseln bestimmter religiöser Auslegungen befreien können. Zunächst ist es häufig so, dass eine spirituell besonders begnadete Gestalt mit hoher Ausstrahlungskraft Menschen polarisiert und dann eine eigene Anhängerschaft begeistert, die sich sehr an diese Person hält, ja in großer Gefahr ist, einen Personenkult zu erschaffen. Geht dieser Guru, dieser Führer, Lehrer, Prediger, Heiliger den Weg allen Irdischen und stirbt, verlässt diese Welt, brechen meistens neben Trauer und Schock in Folge davon auch Verwirrung, Verzagen und bald auch Streit unter den Anhängern aus. Im Inneren kann eine Hoffnungslosigkeit und ein Verlassenheitsgefühl gespürt werden. Man sucht in den Schriften und möchte sich unter Gleichgesinnten aussprechen und sich gegenseitig bestärken. Gleichzeitig werden die vielen Unterschiede jedes Einzelnen, die Persönlichkeiten wieder spürbar, die vielleicht hinter der Verehrung des geliebten Führers zurück getreten waren. Es kommt zu Missverständnissen, Missgunst, ja Streit. Kämpfe um die rechte Auslegung und um die Nachfolge in diesen messianischen Organisationen können die menschlich-soziale Folge sein.

Nun kommt es darauf an, ob und wenn ja, welchen Befreiungs- und Erleuchtungsgeist der hervorragende Lehrer in seinen Anhängern entzündet hat. Wes Geistes sind die Anhänger eigentlich? Haben sie das Potential, sich vom großen Vorbild und seinen Worten, die gerne wie heilige Verkündigungen aufgeschrieben werden, zu lösen? Werden sie den heiligen Geist in sich selbst entdecken und sich seiner Führung anvertrauen, als auf Erinnerungen, Schriften, Worte zu achten, die schnell zu Dogmen stilisiert werden von denen, die die Machtkämpfe der Nachfolge gewonnen haben? Wird das eigene Gewissen erwachen? Wird die eigene Sprache und Ausdrucksform gefunden werden, die wahre Freiheit und Unabhängigkeit? Wird der Mensch sich von seinen Konditionierungen lösen, um der wahre Mensch zu werden? Die Erleuchtung oder das Erwachen ist zunächst einmal ein persönliches Ereignis, das bestimmten Gesetzmäßigkeiten im äußeren Ablauf folgen kann, aber einzigartig ist. Erst danach werden die Unterschiede bedeutungslos und einsehbar. Die Wahrheit ist ein pfadloses Land und in diesem muss kein König regieren. Ein Bettler ist dort ebenso geachtet. Die Erwachten verstehen einander in jeder Sprache. Sie sind auch bereit, sich auszutauschen, aber sie haben nicht den Zwang, ihre Wahrheit zu verkünden. Sie antworten - vielleicht - auf Fragen, aber bewusst stiften sie keine Religion. Das ist immer noch die Sache derjenigen,die noch nicht soweit sind und sich und anderen Gerüste bauen wollen, die leider all zu oft zu Mauern und Gitterstäben eines Gefängnisses werden. Somit ist "Pfingsten" Chance und Warnung zugleich!

Michael


Man kann das Pfingstereignis über seine oben beschriebene religiöse und spirituelle Bedeutung hinaus auch als eine psychologische und soziale Metapher über das Erwachsenwerden verwenden. Als wir uns mit unserem spirituellen Wesenskern dazu entschlossen, uns als biologische Wesen zu inkarnieren, haben wir auch die Grenzen, d. h. Konditionen, die biologische Wesen für das Existieren und das Wachstum benötigen, akzeptiert. Kein biologisches Wesen kann zur vollen Blüte seiner Art heranreifen, ohne durch Grenzen Wachstumsimpulse und Form zu erhalten. Ein grenzenloses biologische Wachstum führt über kurz oder lang aufgrund von Ressourcenmangel zu einem Kollaps in der Population und zwar auch, wenn es innerhalb eines komplexen Organismus geschieht: Ein solches Wachstum, das den Gesamtorganismus auslaugen und seine inneren Strukturen tödlich zerstören kann, ist der Krebs, der über seine biologische Notwendigkeit einer momentanen Konfliktantwort und -verkörperung destruktiv hinauswuchert. Also: biologische Wesen benötigen Grenzen, so wie bereits der Wurzelballen einer kleinen Pflanze in dieser Grenze erst besser wächst, bevor er mehr Erde und Raum benötigt.

Sozial lebende biologische Wesen, die darüber hinaus große seelische Räume für ihr Zusammenspiel zwischen Geist und Materie sowie die soziale Gruppe entwickeln, benötigen zum Wachstum ebenfalls - vorübergehende - Begrenzungen. Grenzen sind dabei nicht als starre, unüberwindbare Hindernisse zu verstehen. Sie geben Halt und vorübergehenden Sinn, sie vermitteln Sicherheit und Gleichzeitig sind sie eine Verheißung und stacheln die Neugier an, zu erfahren, was hinter ihnen liegt. Jedes biologische, soziale Wesen mit einer komplexen Psyche funktioniert mehr oder weniger angepasst nach den Grenzen seiner biologischen Herkunft und Umweltbedingungen und nach seinen sozialen Traditionen und Überlieferungen. Das ist auch beim Menschen so und hat Bedeutung für die Erziehung, die Pädagogik. Eltern, die das aufgrund eigener schmerzlichen Grenzerfahrungen mit rigiden, strafenden, unzugänglichen Erwachsenen beschlossen haben, in der Weise alles anders zu machen, als ihre Eltern, indem sie nicht erziehen und keine Grenzen erkennbar setzen, tun zwar das Gegenteil von dem, was ihre Eltern taten, nämlich fast überall unübersteigbare Hürden und Glaubenssätze aufrichten, aber sie tun den Kindern keinen Gefallen damit. Das Gegenteil ist nämlich in gewisser Weikse nichts Anderes, sondern das Gleiche mit umgekehrten Vorzeichen.

Das drückt sich dann darin aus, dass diese scheinbar grenzenlos aufwachsenden Kinder in Wirklichkeit die gleichen diffusen Unsicherheiten, Agrressionen und Ängste, also Unfreiheiten wie ihre Eltern entwickeln, die sie ihnen nämlich unbewusst und subtil abgeschaut haben; und dabei wissen sie nicht einmal, dass sie in den Grenzen ihrer Eltern gefangen bleiben, die diese ihnen ohne Worte und Erklärungen in unentwirrbaren Doppelbotschaften weitergegeben haben. Während die Eltern nämlich darauf verzichteten, Regeln und Gebote oder Verbote aufzustellen, fühlten, dachten und handelten sie weiterhin nach ihren oder gegen ihre verinnerlichten und verhassten Begrenzungen und ließen diese innere, unbewusste Qual die Nachkommen spüren, indem sie sich in diesen Bereichen emotional gefangen und begrenzt sowie ohne Bewusstsein zeigten. Sie verursachten damit unwissentlich und gegen ihren erklärten Willen oft größeres Leid, da sie die bewusste Identitätsfindung ihrer Kinder ungleich schwerer machten, als bei sich selbst. Die Kinder haben dann oft gar kein Gefühl dafür, für oder gegen was sie sich entscheiden möchten und können sich den inneren Konflikten nicht bewusst stellen. Stattdessen werden Pseudoidentitäten geschaffen, fragile Masken, hinter denen Ratlosigkeit, Verwirrung und Ohnmacht als Quelle häufigen Versagens und lähmender Unzufriedenheit lauern. Oft können die Opfer dieser "Erziehung" durch scheinbare Grenzenlosigkeit nicht einmal mit sich selbst unzufrieden sein, obwohl sie das manchmal glauben, genauso wie sie für ihre Verwirrung natürlich selbst Schuld sein sollen, da sie ja die freieste und schönste aller Kindheiten gehabt haben sollen: Ein solches Selbstgefühl haben sie nämlich oft gar nicht. Jedenfalls ist es nicht stabil.

Lernt man als Kind aber die Grenzen gutmütiger und bewusster Erwachsener kennen, die diese natürlich auch für die noch kleinen Kinder definieren, gibt es einige kleine Entwicklungsrevolutionen. Das Kind lernt in der so genannten Trotzphase Abgrenzung und Eigenwillen kennen und entwickelt soziale Begriffe von "Mein und Dein" und von "Wollen" und "Nichtwollen". Das "Nein" wird geboren. In der Pubertät lernt der junge Mensch schließlich während des Heranwachsens, der Adoleszenz, sich bewusst mit den Erwachsenen und ihrer Welt kritisch auseinanderzusetzen und das Recht auf eigene Erfahrungen und Grenzverletzungen und -erweiterungen einzufordern. Glaubensätze werden in Frage gestellt, Dogmen gestürzt, Revolution liegt in der Luft. Die Götterdämmerung der Eltern bereitet für den Jugendlichen die Welt vor, in der er selbst gestalten und Verantwortung übernehmen möchte. Dazu sucht er die Gesellschaft der Gleichaltrigen, die sich eigene Gesetze geben möchte, eigene von den Erwachsenen getrennte Rituale kennt und eine eigene Sprache. Am Ende kommt für die jungen Erwachsenen eine Weltsicht und eine soziale Umwelt heraus, die denen der Eltern zwar - wie könnte es anders sein - immer noch ähnelt, die aber dennoch qualitativ wichtige Modifikationen und Weiterentwicklungen erfahren hat. Die Menschheit wächst trotz gewisser Rückschritte und Katastrophen dennoch auf diese Weise weiter und weiter: vorallem psychologisch und sozial und am Ende auch spirituell.

Das Erwachsenwerden ist jedoch mit der Erlangung einer sozialen und wirtschaftlichen Autonomie von der Elterngeneration noch nicht ganz abgeschlossen, auch nicht mit dem Höhepunkt biologischer Kraft und Potenz in der körperlichen Entwicklung des jungen Mannes und der jungen Frau. Von nun an geht es um eine stetige weitere psychologische und spirituelle Reifung, bei der oft die Konfrontation mit eigenen Erziehungsaufgaben durch Elternschaft hilfreich ist. Hier in dieser individuellen psychologischen Weiterentwicklung ohne die alten Idole der Gleichaltrigengeneration unserer Jugendzeit und ohne die wieder restaurierten Gebote der greiser werdenden und halbwegs rehabilitierten Elterngeneration geschieht der Prozess, der uns zu Erwachsenen macht, vollständige Individuuen mit eigener Identität, die erspürt, erkannt, beschrieben und vermittelt werden kann. Erst, wenn wir uns ganz haben, und zwar als ganzheitliches Individuum körperlich, seelisch und geistig, können wir das Wagnis unbeschadet beginnen, im geistig spirituellen Sinne auch diese Grenzen zu übersteigen und die erworbenen Ichfunktionen nur noch als bewusst erkennbare und einsetzbare Hilfswerkzeuge in unserer biologischen und sozialen Existenz zu benutzen, die dann, meist im dritten Lebensabschnitt und nach der Kindererziehung, durch eine spirituelle Ordnung des Herzens abgelöst wird. Hier ist dann unser König, unser Gott beheimatet, nicht in Regeln, Gesetzen, Staaten, Religionen und Kirchen. Wir haben dann ein Stadium erreicht, in dem wir keine Wegleitung aus Büchern und Traditionen mehr für unser Wachstum benötigen und in dem wir diese Grenzen dennoch anderen lassen können, statt uns anzumaßen, unsere Einsichten, die auf eigenen oft leidvollen bzw.schmerzlichen Erfahrungen basieren, aufzuzwingen.

Dieses Erwachsenwerden kann auch mit dem "Pfingstereignis" als Metapher verstanden werden. Unser innerster Geist und Motor, die Summe der Herzkräfte als tiefster innerer Ort mit der Energie von Verlässlichkeit, Frieden und Verstehen wird entdeckt, eröffnet, Ziel und Wohnort unseres Wesens. Die anderen Dinge sind noch da und haben Bedeutung in ihrer Begrenztheit, die wir jetzt erkennen. Da wir uns ganz haben, unseren Körper, unser Ich, unsere Seele, unseren Geist, können wir uns auch ganz überlassen und werden nicht von Ängsten überschwemmt und eingeschüchtert. Diese neue Person wächst und wächst auch mit allen anderen, mit der inneren und äußeren Welt, mit dem, was die Menschen vorher wie fremd ehr-furchtsvoll "GOTT" genannt und angebetet haben, zusammen. Das wäre dann der Erwachensprozess, die Erleuchtung: Wir haben uns ganz und bewusst und lassen uns dann sein. Und das strahlen wir aus unseren Poren und Worten aus. Die Aura dieses mit "Heiligem Geist" erfüllten Menschen ist sichtbar und fühlbar für den, der hören, sehen, schmecken und fühlen will - und schon kann. Eine Missionierung ist dafür nicht mehr nötig. Die Apostel von damals benötigten ihre Kirche und die von heute und deren Gläubige. Jesus hat nie eine Kirche benötigt und GOTT schon gar nicht. Ich bin sicher, erleuchtete Wesen betrachten diese menschlichen Übergangsgebilde mit herzlichem Lächeln.

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Sonntag, 31. Mai 2009, 23:06

Juni

Juni, der sechste Monat unseres Sonnenkalenders - in Römischer Zeit der Vierte - ist nach Juno, der Gattin Jupiters und Göttermutter des römischen Pantheons benannt. Sie war die römische Stadtgötting und Schützerin der Ehe. Im Mittelalter nannte man den Juni hierzulande Weidemonat oder Brachet oder Brachmond, denn im Juni wurde die Brache der Dreifelderwirtschaft bestellt. In den Juni fällt die Sommersonnenwende mit dem längsten Sonnentag und der kürzesten Nacht. Diese ist zwischen dem 20. und 22. Juni, meist jedoch am 21. Juni. Wegen der Johannisnacht am 23.6. hieß der Juni auch Johannismond.

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Montag, 1. Juni 2009, 14:00

Das Licht des Nordens am längsten Tag im Juni

Zitat

Original von Michael
In den Juni fällt die Sommersonnenwende mit dem längsten Sonnentag und der kürzesten Nacht. Diese ist zwischen dem 20. und 22. Juni, meist jedoch am 21. Juni.


Jeder Monat hat für mich etwas Besonderes. Der Juni, auf den ich mich freue, verursacht allerdings auch etwas zwiespältig-melancholische Gefühle. Im Dezember freue ich mich zur Wintersonnenwende auf jeden längeren Tag. Der längste Tag und die kürzeste Nacht sind im Juni. Ich mag das helle Tageslicht und lebe daher auch gerne im Norden. Es ist etwas paradox, denn ich schätze auch die Nacht sehr und bleibe gerne lange auf. Es ist eine ruhige Zeit nur für mich. Ich benötige nur wenig Schlaf, mehr empfände ich manchmal als Zeitverschwendung. Wenn ich schlafe, kann es dunkel sein aber an einem Arbeitstag wache ich gerne im Hellen auf und komme gerne im Hellen nach Hause, denn meine Arbeitstage sind lang. Daher schätze ich den Sommer - im Gegensatz zur Hitze, auf die ich gerne verzichten kann, vorallem wegen des Tageslichtes. Licht, das Licht des Nordens ist es, das ich begrüße. In Mittel- oder Süddeutschland ist es weniger lange hell im Sommer und dauert die Dämmerung kürzer. Am besten, man verbringt den Sommer im Norden und den Winter im Süden, allerdings auf schneesicheren Bergen - so denke ich oft. Aber jetzt haben wir Juni. Die letzten Gartenmöbel wurden aus dem Gartenhaus befreit, die "Hollywood-Schaukel" aufgebaut und der Hängestuhl in den Baum gehängt. Es fehlt nur noch das Seil für die Hängematte. Der Sommer kann beginnen. Und dennoch: mit etwas Wehmut gedenke ich dem kommenden längsten Tag: Danach werden alle Tage wieder kürzer und alle Nächte länger. So ist das Leben, so sind die Zyklen. Immerhin: noch drei Wochen zunehmende Helligkeit! Das Licht-Glas des Juni ist also fast dreiviertelvoll und nicht halbleer!

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Sonntag, 21. Juni 2009, 20:10

Sommerbeginn auf der Nordhalbkugel am 21.6.2009

Zitat

Original von Michael
Der Sommer kann beginnen. Und dennoch: mit etwas Wehmut gedenke ich dem kommenden längsten Tag: Danach werden alle Tage wieder kürzer und alle Nächte länger. So ist das Leben, so sind die Zyklen. Immerhin: noch drei Wochen zunehmende Helligkeit! Das Licht-Glas des Juni ist also fast dreiviertelvoll und nicht halbleer!

Heute war der offizielle kalendarische und astronomische Sommerbeginn mit der Sommersonnenwende am 21.6.2009 um 7.45 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Wir haben - noch - den längsten Tag dieses Jahres mit über 16 Stunden auf der Nordhalbkugel (im Süden ist es der kürzeste Tag) und die kürzeste Nacht. Metereologiosch begann der Sommer in Deutschland verhalten mit Bewölkung, wechselhafter, eher kühler Witterung und zum Teil heftigen Regenschauern. In den Alpen und in Italien war es mit heftigen Unwettern sogar richtig ungemütlich. Immerhin war es auch an der Nordsee am Abend durch beginnenden Hochdruckeinfluss so warm und stabil mit ein paar Sonnenstrahlen, dass der erste sommerliche Grillabend beginnen konnte. Auch gestern Abend war das Wetter stabil genug, um eine schöne Kulisse für den Abi-Ball unserer Ältesten zu bilden...

Michael
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Montag, 6. Juli 2009, 14:18

Juli

Dank eines Ausbildungsseminars in Körperpsychotherapie in der "Julihitze" kommen die Ausführungen zum Monat Juli jetzt schon etwas spät. Der Juli ist mit dem August eigentlich der Sommermonat auf der Nordhalbkugel. Es kann sehr warm werden, wobei metereologische Turbulenzen bei der Vermischung unterschiedlicher Luftschichten auch zu heftigen Unwettern führen können sowie zu Wärmegewittern mit teilweise verheerenden Hagelschlägen.

Den Bauern sind zur Einbringung der ersten Heuernte stabile warme Wetterverhältnisse wichtig, damit das Heu trocknen kann, denn feuchtes Heu kann sich auf dem Heuboden durch Hitze erzeugende Gärungsprozesse auch selbst entzünden. Im Juli ist normalerweise die erste Heumaht angesagt und meine Kinder haben das gerade auf dem Pferdehof selber über zwei Tage miterleben dürfen. So kommt es, dass traditionelle deutschsprachliche Bezeichnungen für den Juli seit dem frühen Mittelalter Heuet, Heuert, Heumond oder Heumonat lauten.

Entsprechend dem Eintrag der Bienen (die "Tracht"), die zur Fütterung ihrer Brut Honig und dem winnterlichen Überleben produzieren, den der Mensch seit Jahrtausenden nutzt (aber auch die Bären), wird der Juli auch Bärenmonat, Honigmonat oder Honigmond genannt, wobei manche Beerenfrüchte auch schon im Juli heranreifen, z.B. die ersten Brombeeren (die bis in den Juli hinein blühen und bis in den Oktober geerntet werden) oder je nach Boden und Lagen noch etwas früher ab dem spätem Juni die Himbeeren (bis zum Spätherbst) sowie ab Juli die Blau- oder Heidelbeeren.

Drei bis viermal im Jahr kann Honig aus dem Bienenstock durch die hiesigen Imker geerntet werden. Dazu gibt es eine Frühtracht, ein oder zwei Trachten im Laufe des Sommers und meist eine Spättracht vor der Einwinterung. Die Tracht meint den Eintrag der Bienen entsprechend den jeweiligen Hauptblütezeiten der Pflanzen, nahe denen die Bienenstöcke stehen oder dorthin gestellt werden und die anschließende Ernte des Honigs. Die Frühtracht mit der anschließenden Honigernte ist meist im Mai, die Sommertrachten sind etwa im Juni und Juli.

Übrigens gibt es auch eine Verbindung zwischen dem Monat Juli und der Bezeichnung "Honeymoon", was ja "Honigmond" bedeutet, aber eben auch "Flitterwochen", die "honigsüße" Zeit etwa einen Monat nach der Hochzeit. Offenbar feierte man die Hochzeiten von alters her in den Sommermonaten besonders gern, wenn das Wetter zum Reisen und Feiern günstig war, es Nahrungsmittel aller Art gab, z.B. auch Honigmet, die leicht zu beschaffen war, aber die schwere Erntezeit noch nicht unmittelbar anstand. Später entwickelte sich die Tradition der Hochzeitsreisen für die, die es es sich leisten konnten.

Die lateinische Bezeichnung des Monats Juli stammt von dem römischen Kalenderreformator und Imperator Gaius Julius Caesar aus dem römischen Patriziergeschlecht der Julier (gens Iulia), der im Jahre 46 v. Chr. den "Julianischen Kalender" schaffen ließ. Vor der ersten römischen Reform 153 v. Chr., die den Jahresbeginn zwei Monate vorverlegte, war der heutige Juli der fünfte Monat und wurde "Quintilis" (der fünfte Monat von lat. "quintus") genannt. Im Jahr 44 v. Chr. wurde dieser Monat zu Ehren Caesars (*13.7.100 v. Chr; +15.3.44 v. Chr.) dann in "Julius" umbenannt wie später der ursprüngliche Monat "Sextilis" als der frühere sechste und dann achte Monat in "Augustus" nach dem ersten römischen Kaiser dem Imperator Gaius Octavianus "Augustus" (eigentlich Gaius Iulius Divi filius Caesar, *23.9.63 v. Chr; +19.8.14 n. Chr.), der nur durch Adoption von Julius Caesar ebenfalls dem Geschlecht der Julier angehörte, das in direkter Linie mit Caesars Ermordung erlosch.

Um die Bezeichnung Juli im Deutschen z.B. beim Telefonieren lautlich etwas besser von der des Vormonats Juni abzugrenzen, spricht man oft von "Julei", wenn Juli gemeint ist und von "Juno", wenn Juni gemeint ist.

Michael
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Samstag, 1. August 2009, 11:18

August

Zitat

Original von Michael
Die lateinische Bezeichnung des Monats Juli stammt von dem römischen Kalenderreformator und Imperator Gaius Julius Caesar aus dem römischen Patriziergeschlecht der Julier (gens Iulia), der im Jahre 46 v. Chr. den "Julianischen Kalender" schaffen ließ. Vor der ersten römischen Reform 153 v. Chr., die den Jahresbeginn zwei Monate vorverlegte, war der heutige Juli der fünfte Monat und wurde "Quintilis" (der fünfte Monat von lat. "quintus") genannt. Im Jahr 44 v. Chr. wurde dieser Monat zu Ehren Caesars (*13.7.100 v. Chr; +15.3.44 v. Chr.) dann in "Julius" umbenannt wie später der ursprüngliche Monat "Sextilis" als der frühere sechste und dann achte Monat in "Augustus" nach dem ersten römischen Kaiser dem Imperator Gaius Octavianus "Augustus" (eigentlich Gaius Iulius Divi filius Caesar, *23.9.63 v. Chr; +19.8.14 n. Chr.), der nur durch Adoption von Julius Caesar ebenfalls dem Geschlecht der Julier angehörte, das in direkter Linie mit Caesars Ermordung erlosch.


Über den August git es nicht so viel zu sagen. Ob er etwas sommerlicher, zumindest in Norddeutschland wird, als der diesjährig regen- und unwetterreiche Juli? Man wird sehen. Die Tage sind jedenfalls schon deutlich kürzer seit dem 22. Juni geworden und man sitzt abends, wenn man denn draußen sitzen kann (gestern war es doch bei klarem Himmel richtig kühl an den Füßen) schon sehr viel eher in der Dämmerung.

Für die Landwirte ist der August der Monat, in dem viele Ernten beginnen, insesondere diei Getreideernte. Daher heißt dieser achte Monat unseres Kalenders seit dem Mittelalter in unseren Breiten Erntemonat, Ährenmonat, Sichelmonat oder Ernting. Um das Getreide und das Stroh gut und trocken einzubringen, werden ein paar warme, trockene Tage benötigt, auch wenn die Mechanisierung bei allen ökologischen Nachteilen viel Zeit spart.

Der August hat 31 Tage und hat seinen auch bei uns jetzt gebräuchlichen lsateinischen Namen im Jahre 8 v. Chr. nach dem römischen Kaiser "Augustus" (s.o.) erhalten. Dieser erste römische Imperator nach Julius Caesar und dessen Adoptivsohn hatte in diesem Monat einst sein erstes Konsulat angetreten, als er noch "Republikaner" war. Eine Demokratie war Rom ja eigentlich nie...

Ursprünglich war der August im römischen Kalender der sechste Monat des Jahres, und hatte vor seiner Umbenennung nach dem Kaiser den Namen Sextilis (lateinisch: der sechste Monat). Im Jahr 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn durch eine Kalenderreform auf den 1. Januar vorverlegt.

Der alte Sextil hatte 29 Tage und bekam durch Julius Caesars weitere Reform 31 Tage. Die Reihenfolge der Tageslängen der Folgeonate (September, Oktober, November und Dezember, nämlich 31 und 30 Tage) wurde umgekehrt, da sonst drei Monate (Juli bis September) mit je 31 Tagen unmittelbar aufeinander gefolgt wären.

Michael
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Samstag, 29. August 2009, 16:41

Der September naht und damit der Herbst

Dass die Tage wieder kürzer werden, der Abend schneller hereindämmert und es auch schon kühler, etwas windiger, manchmal sogar stürmisch und regnerisch wird, werden die meisten hierzulande schon bemerkt haben.

Auf der Nordhalbkugel ist im September, dem neunten Monat des Gregorianischen Kalenders (im römischen Kalender ursprünglich der siebte Monat), der in drei Tagen beginnt, der astronomische Herbstanfang und zwar zum Zeitpunkt der Herbsttagundnachtgleiche, die am 22. oder 23. September stattfindet. Die Sonne steht dann exakt über dem Äquator und geht an diesem Tag genau im Osten auf und genau im Westen unter.

Traditionelle Namen im deutschen Sprachraum für den September sind Herbstmond, Herbsting, Holzmonat, Scheiding und Engelmonat. Die Namen deuten auf den Herbstbeginn hin und auf die Notwendigkeit, Holzvorräte für die kalte Jahreszeit zu beschaffen. Gutes, hartes, relativ trockenes Bauholz schlägt man allerdings lieben während trockener Frosttage im Winter.

Interessant ist der Name Engelmonat. Der Festtag der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael ist laut katholischem Heiligenkalender im September, genauer am 29. September und darauf bezieht sich diese Bezeichnung vermutlich.

Wenn man in diesen Tagen unterwegs ist, in der Dämmerung oder Nachts und ein Lufthauch weht, kommt es vor, dass etwas Leichtes, Unsichtbares das Gesicht streift. Es sind jedoch meist keine Engel, sondern Spinnengewebsfäden, die man im Sonnenlicht am Tage glitzern sehen kann. Sie sind typisch für den "Indian Summer" oder den Altweibersommer, die meist noch warmen Spätsommertage besonders im September.

Michael
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Montag, 21. September 2009, 10:21

Heute ist der letzte Sommertag - Morgen beginnt der Herbst

Zitat

Original von Michael

Zitat

Gedicht von Rainer Maria Rilke

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(Rainer Maria Rilke (* 4.12.1875, † 29.12.1926, 1902, aus: Das Buch der Bilder)

Quelle Wikipedia



Heute fängt mit dem Herbst-Äquinoktium astronomisch die Jahreszeit des Herbstes auf der Nordhalbkugel an. Im Herbst kommen alle Anstrengungen des Jahres zur Reife. Nach dem fröhlichen Beginnen im Frühling, der Zeit der Aussaat und des Spriessens, der fulminanten Wachstumsphase des Sommers, in der das Leben kräftig Luft holt und alles wachsen läßt, ist nun die Zeit der Reife, der Vollendung und der Ernte, bevor sich die Natur wieder zur Ruhe begibt, das Leben scheinbar welkt und im Winter oft wie tot wirkt, in Wahrheit aber nur schlummert´und Kraft holt für ein neues Erwachen im Frühjahr. So schließt sich der Kreis der Natur und gibt dem Menschen Analogiebeispiele, die er auf seine eigenen Lebenszyklen überträgt bishin zu den spirituellen Vorstellungen über die Wiedergeburt.


Heute ist der letzte Sommertag auf der Nordhalbkugel und in Norddeutschland zeigt er an der Küste am Morgen sonnig noch einmal seine ganze Pracht. Schon lange hat der Spaziergänger am Abend die Spinnwebenfäden, die so charakteristisch für den "Altweibersommer" sind, im Gesicht. Die oft noch lauen Abende, an denen die Sonne jeden Tag ein wenig früher untergeht, werden bereits von kühleren, nebeligen Morgenden gefolgt und in einigen Gebieten unserer Breite gab es schon windiges, regnerisches Herbstwetter. Morgen ist dann die Herbsttagundnachtgleiche, genauer gesagt am 22.9.2009 um 23.18 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Danach beginnt der astronomische Herbst.

Der Herbst ist als eine der vier Jahreszeiten in unseren Breiten mehr als die bloße Übergangszeit zwischen Sommer und Winter. In den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel ist er die Zeit der Ernte insbesondere von Baum- und Beerenfrüchten aber auch von späten Ackerfrüchten, während manche Feldfrüchte auch schon im Sommer geerntet werden. Und der Herbst ist die Zeit des Blätterfalls, in der sich die Blätter Laubbäume vor ihrem Fall von ihren verschiedenen Grüntönen je Baumart hin zu den charakteristischen Gelb-, Braun- und Rottönen verfärben.

Das deutsche Wort "Herbst" ist dem englischen "harvest" verwandt und hat mit den alten indogermanischen Sprachen, z.b. lateinisch "carpere" (= pflücken, Ernte) und griechiechisch karpós (= Frucht, Ertrag) eine gemeinsame ethymologische Wurzel, nämlich das indogermanische "sker" (= schneiden). Somit stammt unsere Bezeichnung des Herbstes aus ältester nachforschbarer sprachlicher Zeit und bedeutete schon immer "Zeit der Früchte", "Zeit des Pflückens" und "Erntezeit".


Herbsttag im Wendland


Ein Windhauch
nimmt einen Schwarm
Blätter mit,
treibt sie voran
in den kleinen Teich.

Das Wasser kräuselt sich,
der Spiegel der Bäume zerbricht,
Eicheln und Kastanien
hageln herab: Plopp, plopp.

Blätter rascheln im Wind.
Die Halme des Schilfs biegen sich
im Hin- und Herwiegen.

Verwunschener Ort

Die Zweige der Bäume
fächeln flirrendes Sonnenlicht
auf die Allee
und sprenkeln das grobe Pflaster
aus Kopfsteinen
von buntem Granit.

Kinder schieben ein Rad,
dahinter rumpelnd
ein Bollerwagen angehängt
voll Äpfel und Birnen.

Stimmenlärm mischt sich
mit heiserem Geschrei
vom Marktplatz
aufflatternder Krähen;
sie huschen
als kurzlebige Schatten
über den Fachwerkgiebel
eines alten Hofes.

Eine Frauenstimme
ruft laut zum Mittagessen.
Die Stimmen der Kinder
ziehen sich in die Häuser zurück.

Auch die Sonne macht Mittag
über den Kronen
der Eichen und Kastanien
des großen Dorfplatzes,
den die Höfe
rund umstehen
und wo sie eben noch
die Strahlen milden Herbstlichts
auf die Dorfkirche sandte,
breitet sich Schatten aus.

Mächtige Wolkenbänder
schieben sich den Himmel entlang
vor die Sonnenscheibe.

Der Wind flaut ab.
Ruhe breitet sich aus.

Ab und zu plumpst
eine Eichel in den Weiher:
plitsch, plitsch;
und noch gelegentlicher
eine Kastanie:
platsch.

Die Krähen kehren
kreisend zurück.
Ein Taubenpaar läuft gurrend
über den Platz.

Aus der offenen Haustür
dringt das Geklapper
des Bestecks auf den Tellern
und das Klirren der Gläser.

In der Hecke summen
späte Bienen;
eine Eidechse blinzelt träge.
Es ist Mittag.

Mittag
verkünden auch
die zwölf Schläge
der Turmuhr.
Erneut beginnen
die Krähen zu kreisen.


Michael
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Donnerstag, 1. Oktober 2009, 00:46

Oktober

Der zweite Herbstmonat ist nach dem Herbstbeginn Ende September der Oktober, nach seiner lateinischen (octo =acht) Bezeichnung der achte Monat des altrömischen Kalenders, der aber durch die Julianische Kalenderreform an seine heutige zehnte Stelle rückte. In den Ländern insbesondere Europas, in denen die Sommerzeit wieder auf die mitteleuropäische Normalzeit umgeschaltet wird, ist der Oktober durch die zusätzlich eingefügte Stunde der längste Monat des Jahres. Die Umstellung erfolgt dieses Jahr am Sonntag, den 25.10.2009.

In diesem Herbstmonat werden sich die Blätter der Laubbäume verfärben und abfallen. Neben rötlichen und bräunlichen Verfärbungen überwiegen meist gelbe Farbtöne, die in der Sonne golden schimmern können. Man spricht aus diesem Grunde auch oft vom "goldenen Oktober". Die altdeutsche Bezeichnung ist Gilbhard oder Gilbhart, benannt nach der Gelbfärbung des Laubes. Die Bezeichnung Weinmonat, die auf Karl den Großen zurückgehen soll, bezieht sich auf die in diesem Monat in der Regel beginnende Weinlese und Traubenverarbeitung mit Mostkelterung zur Herstellung des Weines. Bei den Jägern heißt der Oktober Dachsmonat, denn ab dann verlassen die männlichen Nachkommen bis zur Winterruhe den Mutterbau, manchmal auch die Weiblichen.

Im Oktober gibt es zahlreiche Herbstfeste. Einige gehen auf historische Ereignisse zurück, wie auf eine Fürstenhochzeit beim Münchner Oktoberfest, auf die "Wiedervereinigung" der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland zum vereinten Deutschland (Feiertag ist der 3.Oktober) oder der Reformationstag am 31.10. zum Gedenken an Luthers historischen Thesenanschlag an die Schlosskirche zu Wittenberg, ein möglicherweise so nicht stattgefunden habendes Ereignis, das zum Beginn der Reformationsbewegung erklärt wurde. Andere Feiertage sind ganz religiöser oder kultischer Natur, wie die Erntedankfeste, Kirchweihfeste oder die dem Halloween-Tag am 31.10. voran gegangenen älteren (keltisch-)heidnischen Bräuche, die sich mit christlichem Brauchtum in Irland zum Allerheiligenvorabend ("All Hallows' Even") verbanden.

LG, Michael
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Samstag, 31. Oktober 2009, 11:11

November

Der elfte Monat des Gregorianischen Kalenders ist der November. In alter rölmischer Zeit vor einer ersten Kalenderreform 153 vor Christus war dieser Monat noch der Neunte und erhielt seinen Namen vom Lateinischen Zahlwort "novem", zu deutsch "neun". Im frühen Mittelalter war der alte, von Karl dem Großen im achten Jahrhundert eingeführte deutsche Name für den November Windmond. Daneben gab es die Bezeichnungen Wintermonat und Nebelung. Und diese auf das typische Novemberwetter bezogene Angaben, die eine stürmische Herbstzeit und den herannahenden, kühlen Winter bezeugen, erleben wir ja gerade. Der Wind fegt die Blätter von den Bäumen und in klaren Nächten, wenn es nicht regnet, kann die Temperatur bereits Frostgrade erreichen. Andere alte Namensbezüge können sich auf den Zyklus des Landwirtschaftsjahres beziehen, z.B. bei unseren niederländischen Nachbarn, die den November auch Schlachtmond oder Schlachtemonat nannten: Man schlachtete die dicksten Schweine, die dann nicht mehr im Stall die Wintermast aufzehren mussten, sondern rund schlachtreife erreicht hatten und pökelte sie ein, gewann Rauchwurst, Blutwurst, Grützwurst, Schinken und Speck, allesamt konserviert durch Salz und oder Kaminrauch.

Im Kirchenjahr ging es weniger "lustig" (außer für die Schweine) zu, als im Bauernstall und in der Küche. Der November gilt beiden großen Kirchen, der katholischen wie der evangelischen Kirche, von jeher als Besinnungs- und Gedenkmonat. An "Allerheiligen" gedenkt die römisch-katholische Kirche aller ihrer Heiligen, die ihr Leben nach der Lehre dieser Kirche vor Gott bereits im kirchlichen Sinne verwirklicht haben und damit ein Anrecht auf den Himmel erworben haben. Der Allerheiligentag wird immer am 1. November begangen und die Katholiken gedenken dabei besonders ihrer Fürsprecher bei Gott in der Vorstellung, dass diese ihm ganz nahe seien. In der Nacht davor ist das anglo-irische Halloween, das kirchliche Allerheiligentraditionen mit alten heidnischen, insbesondere keltischen Überlieferungen verquickt. Direkt darauf folgt am 2. November "Allerseelen", an dem die römisch-katholische Kirche der Verstorbenen gedenkt, die eben noch nicht bei Gott, sondern in einem Zwischenreich seien, nach mittelalterlichen Vorstellungen im "Fegefeuer" der Läuterungen. Dort seien sie nach überkommenen Vorstellungen auf die Fürbitten der noch Lebenden Gläubigen bei Gott und den Heiligen angewiesen.

Dieser Fürbitten- und Fegefeuerglaube führte mit ein paar frühkapitalistischen Tricks zum Ablassunwesen zur Befriedigung des Geldhungers der Päpste, die damit den römischen Vatikan schmückten, die Peterskirche bauten, die Kunst aber auch ihre Macht förderten. Die Idee, dass man Seelen für Geld stückweise aus dem Fegefeuer frei kaufen oder näher an den göttlichen Thron zur erhofften endgültigen Erlösung bringen könnte, beleidigte den Intellekt des Augustiners und Theologen Dr. Martin Luther und er bekämpfte diese durchsichtige "Irrlehre" intellektuell und politisch, das hieß damals vornehmlich theologisch und schuf zusammen mit der Berufung auf die Heiligige Schrift der Bibel als einzige Glaubens- und Rechtfertigungsquelle, die er mit einer deutschen Neuübersetzung des christllichen Glaubensbuches allen verfügbar machen wollte, die Grundlagen der Reformation und schließlich der Abspaltung der evangelischen von der römisch-katholischen Kirche.

Wenn dann der 11. November als der so genannte. Martinstag begangen wird, wird allerdings nicht an den berühmten Martin Luther erinnert, sondern es handelt sich um einen alten Heiligen-Festtag der römisch-katholischen Kirche zu Ehren des schon früh heilig gesprochenen Martin von Tours, einem Soldaten einer römischen Legion, der als barmherziger Bekehrter zu kirchlichen Ehren kam und seit Jahrhunderten Anlass zu Martinsumzügen eines ritterlich gekleideten Reiters einlädt, der im Fackelschein einen lumpengekleideten Bettler wirkungsvoll in kalter Novembernacht mit der Hälfte seines kostbaren, warmen Offiziersumhanges bekleidet wird, den jener Sankt Martin damals mit seinem Schwert zerteilt haben soll. Eine nette Legende über eine auch heute noch unerwartete Solidarität eines im wahrsten Sinne des Wortes Hochgestellten mit einem ganz Niedrigen. Auch damals konnte es durchaus vorkommen, dass ein Militär einen lästigen Bettler ohne Prüfung seines Anliegens einfach nieder ritt. Keiner würde ein überflüssiges Mitglied einer ziemlich rohen Gesellschaft vermissen. Hier hat die Kirche einmal wieder Gelegenheit, soziale Verantwortung anzumahnen!

Lustiger geht es beim am 11.11. um 11:11 Uhr eingeläuteten Karneval zu, der ebenfalls religiös-kirchliche Wurzeln hat und in den Karnevalshochburgen am Rhein aber auch in den schwäbischen und allemannischen Siedlungsgebieten als die "fünfte Jahreszeit" gilt, die erst am Aschermittwoch zum Beginnder Fastenzeit vor dem großen Frühlings- und Osterfest endet. Das ändert nichts daran, dass ein modernerer Gedenktag im November die Laune der Gedenkenden wieder aud Moll stimmt: Der so genannte Volkstrauertag wird immer zwei Sonntage vor dem 1. Advent begangen und ist der Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten der beiden Weltkriege. Und als wäre das nicht genug der deprimierenden Stimmung - wobei zu bedenken ist, dass die deutschen Soldaten nicht allein starben, sondern auch Millionen ihrer Verbündeten wie Gegner auf den grausigen Schlachtfeldern blieben - gibt es auch noch einen evangelischen Mahntag: Am Mittwoch zwischen Volkstrauertag und Totensonntag liegt der Buß- und Bettag, ein spät erfundener Besinnungstag der evangelischen Kirche, an welchem man sich wieder mehr Gott zuwenden soll, denn Buße war nicht als Sühne für vergangene Sünden gemeint, sondern als Umkehr und Haltungsänderung. In der frühen Neuzeit wurden solche Bußtage insbesondere in Zeiten der Notr und des Krieges begannen. Erst in der Neuzeit fand das Gedenken mit Hilfe des preußischen Staates und seines evangelischen Herrscherhauses einen festen Termin.

Einen Sonntag vor dem 1. Advent liegt der "Totensonntag", an dem die evangelische Kirche der Verstorbenen gedenkt. Dieser auch von Alters her "Ewigkeitssonntag" genannte Feiertag markiert gleichzeitig das Ende des evengelischen Kirchenjahres. Die katholische Kirche feiert an demselben Tag hingegen den "Christkönigssonntag" und gibt dem Ganzen eine mehr triumphale Deutung. In der folgenden Zeit stimmt sich der kirchlich orientierte Mensch sowohl besinnlich als auch feierlich erwartungsvoll auf die Weihnachtszeit ein und das schon Ende November: Der erste Adventssonntag, vulgo der "Erste Advent", liegt in vier von sieben Fällen als Sonntag im November, in drei von sieben Fällen schon im Dezember. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt für die Kirchenkalender die erwartungsvolle Adventszeit mit der Vorbereitung auf das große Hochfest der Christenheit, "Weihnachten". Das zweite große Hochfest ist "Ostern". Der Sonntag vor dem 1. Advent bildet auch den letzten Sonntag des Kirchenjahres katholischer Rechnung. Der letzte Tag im Kirchenjahr jedoch liegt, gemäß der kirchlichen Wochenzählung am darauffolgenden Samstag; dieser kann damit spätestens am 2. Dezember liegen, in fünf von sieben Fällen liegt er aber im November.

Im Astrologischen dominiert das Tierkreiszeichen bzw. Sternzeichen des Skorpions (24.10. bis 22.11.) den November, gefolgt vom Sternbild des Schützen (23.11. bis 21.12.) am Ende des Monats. Astrologische Bezüge hatten in der Antike, in der Renaissance und z.B. der Alchemie Bedeutung, allerdings nicht für die kirchlich-religiösen Deutungen, die sich im Gegensatz zu den ursprünglicheren Naturreligionen und daraus entstehenden Hochreligionen nicht mehr auf sichtbare Himmelsereignisse bezogen. Da die christliche Kirche aber ältere Kulte integrierte und assimilierte, finden sich immer wieder Berührungspunkte zwischen kirchlichen religiösen Festen und astrologischen Erscheinungen.

Michael
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Mittwoch, 11. November 2009, 23:44

Beginn der "fünften Jahreszeit" am 11.11.

Zitat

Original von Michael
Zum Karneval oder der Fastnacht gibt es ganz unterschiedliche Bräuche. In einigen alemannischen Gebieten, z.B. auch im Baseler Raum, findet verschärftes Fastnachtstreiben auch noch (und den Katholischen zum Trotz gerade) nach Aschermittwoch statt. Für die anderen Narren gilt: Nach Beginn der närrischen "fünften Jahreszeit" am 11.11. um 11:11 Uhr sind die Karnevalshöhepunkte der Donnerstag als "Altweiberfastnacht", der gestrige Rosenmontag und der heutige Faschingsdienstag. Ab morgen am Aschermittwoch ist dann für die Meisten die Pflege des eigenen Katers und ev. die eine oder andere Neubesinnung in der so genannten "Fastenzeit" angesagt.


Heute am 11.11. beginnt seit dem 19.Jahrhundert in vielen Gegenden für die Narren die fünfte Jahreszeit. Die Karnevalsgruppen bereiten sich den ganzen Winter über auf die "tollen Tage" zwischen dem "Schmutzigen Donnerstag" ("Altweiberfastnacht") und "Rosenmontag" bis "Aschermittwoch" vor der vorösterlichen Fastenzeit der Kirchen vor. Daher finden am 11.11. einige besondere Veranstaltungen statt.

Die Herkunft dieses Datumsbezuges könnte mit den jeweils vierzigtägigen Fastenzeiten vor den beiden christlichen Hochfesten Weihnachten und Ostern zusammen hängen. Man feierte noch einmal ausgelassen und verzehrte die in den Fastenwochen verpönten Nahrungsmittel, z..die Fleischvorräte. Der 11.11.liegt demnach 40 Tage vor Weihnachten. Noch heute wird z.B. am Martinstag, dem 11. November eine "Martinsgans" für das traditionelle Festmahl vorbereitet.

Ansonsten galt seit dem Mittelalter in deutschen Landen das Dreikönigsfest am 6.1. als Beginn der fünften Jahreszeit, der Karnevalszeit. Die Zeit zwischen dem 12.11. und dem 5.1. bleibt auch in den Karnevalshochburgen in der Regel frei von Faschingsveranstaltungen, was sowohl mit der vierzigtägigen Fastenregel bis Weihnachten, als auch mit dem Charakter des Besinnungs- und Gedenkmonats November und der ebenfalls feierlichen und besinnlichen Advents- und Weihnachtszeit in Zusammenhang steht.

Im niederdeutschen Raum heißt der Karneval plattdeutsch Faslaomt oder Faslam, wobei insbesondere Faslam im protestantisch geprägten Norddeutschland ein Winterbrauch ist, der mit dem rheinischen Karneval wenig gemein hat und auch um die Wintersonnenwende oder Anfang Januar begangen wird. Verkleidete Junge Leute zogen lärmend von Haus zu Haus und Hof zu Hof und "schnorrten" mit der Drohung, dass der Winter halt auf dem Hof blieb, wenn die Hofleute nichts geben.

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Dienstag, 1. Dezember 2009, 23:55

Dezember

Eiskalt und klar ist die Nacht an diesem ersten Dezember 2009 in Norddeutschland und es ist fast Vollmond. Ein fahles Silberlicht erhellt den Rauhreif. Und so wird aus dem Wintermonat mit seiner alten Bezeichnung "Dustermond", die er durch die Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember hat, wenn nach dem kürzesten Tag und der längsten Nacht des Jahres die Tage wieder länger werden, heute ein heller "Heilmond". Die letzte Bezeichnung, auch "Heiligenmond", hat der "December", der im alten Rom der zehnte (lat. "decem" = zehn) Monat war und nun bei uns der Zwölfte ist, durch das christliche Weihnachtsfest erhalten, das zu Ehren der Geburt des "Heilands" nach der "Heiligen Nacht" am 24.12. zwei Tage lang vom 25. bis zum 26.12. gefeiert wird. Andere Bezeichnungen, die diese Bedeutung aufnehmen, sind "Christmond" oder "Christmonat". Dieses Weihnachtsfest führt die vorchristliche germanische Tradition des Lichtfestes nach der Wintersonnenwende fort, das so genannte "Julfest", das dem alten Namen "Julmond" Pate stand. Das christliche Kirchenjahr beginnt Ende November oder Anfang Dezember (vom 27.11. bis 3.12.) mit dem ersten Adventsonntag, der in diesem Jahr auf den 29.11. fiel. In der Adventszeit bereiten sich die Christen feierlich und besinnlich und ursprünglich acht Wochen seit dem 11.11. fastend auf die Weihnachtszeit vor. Diese mit Abzug der Samstage und Sonntage vierzigtägige Fastenzeit wurde erst 1917 aus dem Kirchenrecht gestrichen. Geblieben ist z.B. das Adventsopfer. Dabei hat es anfangs ab dem 7. Jahrhundert bis zu sechs Adventssonntage gegeben, bis Papst Gregor der Große die Anzahl auf vier festlegte. Advent bedeutet im Lateinischen "Ankunft". Das griechische Wort ist "Epiphaneia" oder Epiphanias, Erscheinung. Gemeint ist die Ankunft bzw. Erscheinung des "Herrn", Jesus Christus, mit dessen Geburt.

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