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21

Donnerstag, 20. März 2008, 22:22

Frühlingsbeginn

In diesem Jahr ist der astronomische Frühlingsbeginn heute, am 20.3.2008.Genauer gesagt, er war bereits um 6:48 h MEZ. Dies war der Zeitpunkt des Frühjahrsäquinoktiums (Primaräquinoktium der Nordhalbkugel), die so genannte Tagundnachtgleiche. Metereologisch wird der Frühlingsbeginn schon auf den 1. März festgelegt. Der Frühlingsmond als erster Vollmond im Frühjahr ist bereits der 21.3.2008, am morgigen Karfreitag. Daher ist Ostern dieses Jahr so früh. Das Osterfest ist nach dem Kirchenjahr traditionell am ersten Sonntag nach dem Frühlingsmond. Ursprünglich war der Ostertermin am 14. Tag des jüdischen Frühlingsmonats Nisan und hing direkt vom jüdischen Pessachfest ab. Das christliche Osterfest mischte sich in Europa mit heidnischen Bräuchen und galt früher als Licht- und Frühlingsfest. Den Christen ist es ein Gedenken an Jesus Auferstehung.

LG, Michael
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22

Donnerstag, 20. März 2008, 22:50

RE: Frühlingsbeginn

Klickt mal auf: ( 1 ) - ( 2 ) - ( 3 ) ...

:guck Frühling (von Joachim Ringelnatz)

Die Bäume im Ofen lodern. Die Vögel locken am Grill.
Die Sonnenschirme vermodern. Im übrigen ist es still.

Es stecken die Spargel aus Dosen die zarten Köpfchen hervor.
Bunt ranken sich künstliche Rosen in Faschingsgirlanden empor.

Ein Etwas, wie Glockenklingen, den Oberkellner bewegt,
mir tausend Eier zu bringen, von Osterstören gelegt.

Ein süßer Duft von Havanna verweht in ringelnder Spur,
ich fühle an meiner Susanna erwachende neue Natur.

Es lohnt sich manchmal, zu lieben, was kommt, nicht ist oder war.
Ein Frühlingsgedicht, geschrieben im kältesten Februar ...
Der Klügere gibt nach, so lange er der Dumme ist.

23

Dienstag, 8. April 2008, 21:42

du lebst noch ERNSThaft :cool
danke für die 3 verlinkten Beiträge, sehr interessant

nur nicht vergesssen...das die Erkenntnis aus dem dritten Beitrag nicht nur für die Religionen gelten, sondern auch Ideologien sowie der Wissenschaft ;)

jedoch bleibt eine Frage offen...gibt es nun eine Schöpfungskraft?
Leben ist ganz einfach, was das Leben so schwer macht, ist der Mensch selber

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24

Donnerstag, 1. Mai 2008, 00:00

Mai- und Frühlingsfeste

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai sollen nach alter Überlieferung im Harz die Hexen auf ihren Besen zum Brocken gereist sein, um an der "Walpurgisnacht" teilzunehmen. Obwohl die katholische Kalenderheilige Walburga ihren Ehrentag am 1. Mai hatte - die Benediktinernonne galt als Nothelferin gegen Sturm und Pest - war in alter Zeit die heidnische "Walpurgisnacht" ein Mondfest in der Nacht des ersten Vollmondes zwischen der Frühjahrstagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende. Dieser Maimond bzw. der erste Mai, um den herum im heidnischen Altertum der Zeitpunkt für Frühlingsfeste war, war sowohl den Römern als insbesondere den Kelten heilig. In Rom wurden die Floralien, ein Fest zu Ehren der Vegetationsgöttin Flora, gefeiert. Bei den Kelten feierte man Beltane, ein Frühlingsfest, an dem einem die Geistwesen der Anderswelt sehr nahe kommen konnten, weil die unsichtbaren Tore sich öffneten. In christlicher Zeit sind zahllose heidnische Riten als Bräuche überliefert worden: Maibäume, Maifeuer, Maisingen und Tanz in den Mai sind bekannt. In modernen Zeiten kam in vielen Ländern der Tag der Arbeit, als der Kampftag der Arbeiterbewegung hinzu, der in vielen Ländern gesetzlicher Feiertag geworden ist.

LG, Michael:gost
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25

Samstag, 21. Juni 2008, 11:31

RE: Die Mittsommernacht und die Feste zum Sommeranfang

Zitat

Original von Michael
Um die kürzeste Nacht des Jahres auf der Nordhalbkugel unseres Planeten am 21.6., der Mittsommernacht, finden seit alter Zeit die Feierlichkeiten zur Sommersonnenwende statt, je nach dem am 20., 21. oder 22.6. eines Jahres. Die Sonne hat dann in unseren Breiten den höchsten Mittagsstand. Bis zum 21.6. wurden die Tage immer länger. Im hohen Norden am so genannten Polarkreis geht die Sonne in der Mittsommernacht nicht unter: Die weiße Nacht. Kalendarisch beginnt ab diesem Datum der Sommer der Nordhalbkugel. Von heute an werden die Tage zwar bis zur Wintersonnenwende wieder kürzer und die Nächte länger, zusammen mit der aber schon seit dem Frühjahr erfolgenden Aufwärmung unserer Breiten können wir jetzt in den nächsten drei Monaten die warme und lichte Sommerzeit genießen. Auf der Südhalbkugel sind die zeitlichen Vorgänge natürlich umgekehrt.

Die Menschen haben wohl schon seit der späten Steinzeit umfangreiches astronomisches Wissen gesammelt und weitergegeben, sodass die ersten Hochkulturen schon sehr genaue Kalender und eine Abfolge von Riten und Festen gekannt haben. Einige dieser Fest und Riten sind in mehr oder weniger veränderter Form bis in unsere Tage erhalten geblieben, auch wenn es den jeweiligen Religionen entsprechend neue Formen und Ausdeutungen gegeben hat, wie z.B. um den christlich inspirierten Johannistag am 24.6. herum. Die Festlichkeiten haben früher noch mehr als heute das Jahr unterteilt und dem Menschen Orientierungspunkte gegeben, um ihr inneres und äußeres, ihr persönliches und soziales Leben den Rhythmen der Natur anzupassen. So ist es ihnen allmählich immer besser gelungen, planvoll handelnd vom Sammeln und Jagen zu Viehzucht, Ackerbau und zur Gründung großer Gemeinwesen voranzuschreiten.

Wen es interessiert, der findet viel Anregendes zu diesen Tagen unter anderem bei folgenden Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sommeranfang und http://de.wikipedia.org/wiki/Mittsommerfest sowie http://de.wikipedia.org/wiki/Johannistag

LG, Michael


Sie ist wieder da: die kürzeste Nacht des Jahres kommt und der längste Tag des Jahres hat begonnen: Der Mittsommer ist da und hier und da bringt er auch ein wenig Sonnenschein! Ich wünsche allen ein schönes Mittsommerfest, sofern Ihr ein Solches begeht und ansonsten viel Licht für alle, die es schätzen und benötigen können :D

LG, Michael :cool
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Montag, 22. September 2008, 08:54

Herbstanfang

Zitat

Gedicht von Rainer Maria Rilke

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(Rainer Maria Rilke (* 4.12.1875, † 29.12.1926, 1902, aus: Das Buch der Bilder)

Quelle Wikipedia



Heute fängt mit dem Herbst-Äquinoktium astronomisch die Jahreszeit des Herbstes auf der Nordhalbkugel an. Im Herbst kommen alle Anstrengungen des Jahres zur Reife. Nach dem fröhlichen Beginnen im Frühling, der Zeit der Aussaat und des Spriessens, der fulminanten Wachstumsphase des Sommers, in der das Leben kräftig Luft holt und alles wachsen läßt, ist nun die Zeit der Reife, der Vollendung und der Ernte, bevor sich die Natur wieder zur Ruhe begibt, das Leben scheinbar welkt und im Winter oft wie tot wirkt, in Wahrheit aber nur schlummert´und Kraft holt für ein neues Erwachen im Frühjahr. So schließt sich der Kreis der Natur und gibt dem Menschen Analogiebeispiele, die er auf seine eigenen Lebenszyklen überträgt bishin zu den spirituellen Vorstellungen über die Wiedergeburt.

Zitat

Gedicht von Rainer Maria Rilke

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rainer Maria Rilke (* 4.12.1875, † 29.12.1926, 1902, aus: Das Buch der Bilder)

Quelle Wikipedia


Der Sinn des Lebens sei nach Marshall B. Rosenberg, dem Lehrer der "Gewaltfreien Kommunikation", nicht allein, glücklich zu werden, sondern alle Tränen zu weinen und alles Lachen zu lachen. In diesem Sinne bringt der gute alte Dichterfürst Goethe seine volle Herbsternte ein, in etwas schwellenderen (wenn nicht schwülstigen) Tönen als Rilke zwar, doch gewohnt kraftvoll:

Zitat

Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Herbstgefühl

Fetter grüne, du Laub,
Am Rebengeländer
Hier mein Fenster herauf!
Gedrängter quellet,
Zwillingsbeeren, and reifet
Schneller und glänzend voller!
Euch brütet der Mutter Sonne
Scheideblick, euch umsäuselt
Des holden Himmels
Fruchtende Fülle;
Euch kühlet des Mondes
Freundlicher Zauberhauch,
Und euch betauen, ach!
Aus diesen Augen
Der ewig belebenden Liebe
Vollschwellende Tränen.


Quelle Leselaube


Und wer sich an Herbstgedichten nicht satt lesen kann, findet in einem verwandten Schweizer Forum namens "Symptome - das Ende der Symptombekämpfung" jede Menge Herbstgedichte, die die Mitglieder dort notiert haben.

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen einen schönen Herbstbeginn und eine reiche Ernte,

LG, Michael
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Sonntag, 30. November 2008, 12:00

Advent

In diesem Jahr ist der Sonntag des 30. November der "Erste Advent" der katholischen und evangelischen Kirchen. Die orthodoxen Kirchen und die katholische Diözese Milano kennen noch sechs Adventwochen. In alter Zeit wurde in der seit dem 7. Jahrhundert in der christlichen Kirche begangenen Adventszeit sogar eine vierzigtägige Fastenzeit abgehalten, die von den Sonntagen jeweils unterbrochen wurde. Es handelte sich dabei also um eine achtwöchige relativ strenge Vorbereitungszeit vom 11. November bis zum Datum des früheren Weihnachtsfestes, des 6. Januars, dem "Dreikönigstag" zur Erinnerung an die Aufwartung der Weisen aus dem Morgenland, die nach der Weihnachtsgeschichte Geschenke für das Jesuskind in die Krippe gebracht haben: Weihrauch, Myrrhe, Gold.

Das lateinische Wort Advent bedeutet Ankunft oder, wie das griechische Wort dazu, Epiphanias, Erscheinung. Die frühe Kirche erwartete die Wiederkehr des verklärten Christus und den Anbruch des Gottesreiches auch auf Erden. Bereits mit dem Ersten Advent beginnt in den Kirchen das neue Kirchenjahr. Bis zu den Kreuzzügen gab es in den Kirchen sogar eine ausgesprochene Endzeiterwartung und die Gläubigen wurden gehalten, das "Jüngste Gericht" zu ihren Lebzeiten zu erwarten. Die ersten Jüngergenerationen nach dem Kreuztod Jesu gingen anscheinend ebenfalls vielfach davon aus, dass der Wiedererstandene Heiland nach seiner Verklärung und "Himmelfahrt" innerhalb der gleichen oder nächsten Generation leibhaftig wieder zu den Menschen käme.

Später errechnete die Kirche einen ernst gemeinten, vermutlich aber doch symbolisch zu verstehenden Viertausendjahrezeitraum bis zur Ankunft des Erlösers (etwa der Zeitraum von der Erschaffung der Welt nach der Bibel bis zum Erscheinen Jesu) und setzte damit die vier übrig gebliebenen Adventssonntage in Verbindung. Eine unmittelbare Erwartung des Jüngsten Gerichtes mit der strahlenden Wiederkehr Christi als Weltenrichter verlor sich im Laufe des letzten vergangenen Jahrtausends endgültig und die Adventszeit galt zunehmend der Erwartung des Weihnachtsfestes, das in den westlichen Kirchen auf den 25. Dezember mit der davor liegenden "Heiligen Nacht" vorrückte.

Einigen Einfluss auf dieses Geschehen hatte vermutlich die die Volkfrömmigkeit stark inspirierende Bewegung der städtischen Bettelorden, allen voran Franziskaner und Dominikaner. Der heilige Franz von Assisi, Ordensgründer der Franziskaner und selbst kein Priester, soll ein lebendiges Krippenspiel mit Rollen für einige Menschen und einem leibhaftigem Ochsen und Esel erstmals zur Aufführung gebracht und sich dabei sehr erbaut haben. Fasten war für die Bettelmönche aus biblischen Erwägungen dem Beispiel Jesu folgend (vierzigtägiges Fasten in der Wüste), als Solidarität mit den tatsächlichen Armen, zur Vertiefung der Meditation und als Bußübung ein fester Bestandteil ihres christlichen Lebens, mit dem sie hofften, Christus ähnlicher zu werden. Diese spirituellen Vorübungen erlaubten es ihnen dann, die Geburt Christi an Weihnachten Jahr um Jahr mit kindlicher Freude zu feiern.

Es ist in den meisten Religionen, alten wie neuen, bekannt, dass große Feste des Jahreskreises insbesondere von Priestern, im gewissen Umfang aber auch vom Volk durch Vorbereitungsrituale eingeleitet werden mussten, in denen man sich z.B. auch durch Fasten innerlich für die Mysterien reinigte und bereit machte und dann für die innerliche Erfahrung des Mysteriums aufnahmebereit war. Dadurch vertiefte sich die kultische Festerfahrung. Die bekannte "Vorfreude" steigerte die Erwartungsspannung und verschaffte dem Ereignis die überwältigende Wirkung.

Kommerzialisierung kannte man natürlich auch schon zu früheren Zeiten. Seit dem frühen Mittelalter wurden Wallfahrtsorte reich durch die Pilger, die ihr Geld für ihre Unterbringung, für Stiftungen, Spenden und Devotionalien los wurden. Die Praxis, aus Weihnachten ein Geschenkfest für Kinder und Erwachsene zu machen, befeuert bis heute eine riesige Geschenkindustrie, die auf das Weihnachtsfest hin produziert. Da Fabriken das ganze Jahr ausgelastet sein müssen, versuchen Handel und Produktion, bereits im November durch Schmuck, Werbung und Süßigkeiten nicht nur Weihnachten anzukündigen, sondern die ganze Advents- und sogar Voradventszeit zum Weihnachtsrummel und Weihnachtsmarkt umzufunktionieren.

Die Süßwarenindustrie ist sowieso das ganze Jahr präsent, natürlich besonders an Valentin, Ostern, mit Frühlings-, Sommer-, Herbstpralinen, an St. Martin, Nikolaus, Weihnachten und Dreikönig. Damit man das nicht vergißt, erscheinen die ersten Lebkuchen und Printen ab Ende August/Anfang September in den Läden. Fasten würde den Meisten da wohl schwer fallen. Und das tut es auch. Weder erinnert außer dem traditionellen Adventopfer in den Gottesdiensten und an den Krippen für die Armen etwas an das Fasten vor den Festen nocht dürfte es den heutigen Christen nach dem Überangebot der Ess- und Süßwaren an den Feiertagen leicht fallen, in der ebenso traditionellen Fastenzeit nach dem Karneval (Fasnacht) vor Ostern zu fasten, wenn sie all das aufessen wollen, was sich so in der Advents- und Weihnachtszeit in den Stuben an Leckereien ansammelt.

Die Kirchen schlagen schon lange Alarm vor dieser alles umfassenden Kommerzialisierung und sehen hier manchmal anscheinend ihren Haupteinsatz gegen den weltumspannenden Kapitalismus, der die Gegensätze von arm und reich natürlich auch erhält. Viele argumentieren moralisch oder traditionell und möchten mit ihrem Schutz der geistlichen Inhalte der Advents- und Weihnachtszeit auf die herauszustreichenden Glaubensinhalte hinweisen. Doch unabhängig von solchen religiösen und konfessionellen Festlegungen könnte man auch psychologisch argumentieren: Wenn die Feier des Lebens an bestimmten Tagen einen besonderen, überwältigenden, ausgelassenen Charakter bekommen und einen innerlich und äußerlich ganz berühren soll, ist eine Zeit der Vorbereitung und Besinnung und auch des Verzichtes auf unbewußten Konsum sehr hilfreich, um sich auf die Freude auszurichten. Dabei kann der bewußte Umgang mit sich, seinem Körper und seinen Mitmenschen zu jeder Zeit auch Freude machen und uns in einer freudigen Erwartung der Wohltaten halten, die wir dadurch uns und anderen bereiten.

Michael
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Sonntag, 21. Dezember 2008, 18:22

Wintersonnenwende - Winteranfang

Sonnenwenden sind seit antiker und vermutlich schon vorgeschichtler Zeit wichtige Markierungspunkte im Jahreslauf und oftmals Anlässe für kultische Feste. Heute um 13:04 Uhr MEZ war in diesem Jahr bei uns die Wintersonnenwende: Auf den kürzesten Tag ("Thomastag") folgt heute die längste Nacht ("Thomasnacht"). Ab Morgen werden die Tage wieder länger, von Tag zu Tag ein halbes Jahr lang bis zur Sommersonnenwende. Dazwischen liegt die Frühjahrstagundnachtgleiche. Zur vorchristlichen Zeit fand um den Termin der Wintersonnenwende das Julfest statt, welches vom Christentum dann als Termin für das Weihnachtsfest aufgegriffen wurde. Die genauen Abläufe und Daten der heidnischen Julfeste sind historisch nicht mehr exakt nachvollziehbar, doch ist vieles im folkloristischen Weihnachtsbrauchtum insbesondere in den nordeuropäischen Ländern (Skandinavien) in die christliche Zeit hinübergerettet worden und wird vom Neopaganismus der Neuheiden wieder aufgegriffen. Durch die Einführung des julianischen Kalenders wurde das Weihnachtsfest mit dem 25.12. kurz nach der astrologischen Wintersonnenwende begangen.

Heute erlebte ich einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Hafen der Stadt Wilhelmshaven und dem Wasserspiegel des Jadebusens zur Ebbzeit, als ich mit unserem Hund auf dem Deich unterwegs war. War vorher der Tag noch etwas trüb und grau, solange die Sonne hoch über über der dichten Wolkenschicht stand, sank sie hernach unter die tiefliegenden Wolken und löste sie in einem Geflecht aus roten, orangen, gelben und rosigen Streifen auf, die sich schimmernd im Wasser des Meeres spiegelten, das durch leichten Wind bewegt wurde. Kurz bevor die Sonne endgültig unterging, tauchte sie den Horizont in glutrotes Licht, das sich als ein breiter Streifen über die Meeresbucht legte und die norddeutsche Landschaft in ein zauberhaftes Licht tauchte. Diese Eindrücke gaben einen schönen Winteranfang ab und auch wenn in unseren Breiten an der Norseeküste der Schnee zu Weihnachten meist auf sich warten lässt und nichtmals Frost zu vermelden war, war dies allein durch seinen herrlichen Abschluss ein schöner letzter Herbsttag zu Beginn des neuen Winters. Nach einigen Traditionen kommen jetzt die "zwölf Rauhnächte". Die verbreitetsten Überlieferungen sehen die "Rauhnächte" aber zwischen dem 24.12. und dem 6.1. vor.

LG, Michael
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Mittwoch, 24. Dezember 2008, 00:00

Rauhnächte der Seele

Zitat

Original von Michael
Sonnenwenden sind seit antiker und vermutlich schon vorgeschichtler Zeit wichtige Markierungspunkte im Jahreslauf und oftmals Anlässe für kultische Feste. Heute um 13:04 Uhr MEZ war in diesem Jahr bei uns die Wintersonnenwende: Auf den kürzesten Tag ("Thomastag") folgt heute die längste Nacht ("Thomasnacht"). ... Nach einigen Traditionen kommen jetzt die "zwölf Rauhnächte". Die verbreitetsten Überlieferungen sehen die "Rauhnächte" aber zwischen dem 24.12. und dem 6.1. vor.


Nun kommt die Zeit, die man auch "zwischen den Jahren" nennt und über die hier im Forum schon geschrieben wurde. Es gibt auch eine andere Bezeichnung. Seit alter Zeit kommen nämlich jetzt die zwölf, manchmal auch dreizehn Rauhnächte. In manchen Traditionen beginnen sie mit der "Thomasnacht", der längsten Nacht vom 20.12. auf den 21.12. Diese beginnt also am 21.12. um 0:00 Uhr. Die wichtigsten vier Rauhnächte sind der 21.12., 24.12., 31.12. und 5.1.. Die überwiegende Anzahl der heute bekannten Traditionen in unseren Breiten geht von 12 Rauhnächten ab dem 24.12. aus, die mit dem Dreikönigstag, dem Erscheinungstag des Herren (Epiphanias), abschließen. Die Rauhnächte wollen besonnen begangen werden. Rituale und Feste sollen dafür sorgen, dass sie dem Menschen und seinen Gemeinschaften Heil und gute Vorboten bringen und nicht Schrecken und Gram. Der Mensch geht in sich, in dem er aucxh außer sicht geht und umgekehrt.

Diese besonderen Nächte sind vermutlich Überbleibsel der alten vorchristlichen Mondkalender aus germanischer und vorgermanischer, keltischer Zeit in Mittel- und Nordeuropa. Da die zwölf Mondmonate mit ihren jeweils 28 Tagen nur 354 Tage zusammen bringen, musste für die rechnerische Übereinstimmung mit dem Sonnenlauf, der das Sonnenjahr bestimmte, eine Anzahl Tage bzw. Nächte hinzugenommen werden. Die Bezeichnung "Nächte" könnte von der keltischen Gewohnheit herstammen, die in der "Jahresnacht" liegenden Tage analog als Nächte zu bezeichnen. Werden also keine Schaltmonate in den alten Mondkalender eingeschoben, waren die fehlenden 11 Tage bis zu den 365 Tage des Sonnenjahres mit ihren 12 Nächten anzufügen.

Diese zwölf überzähligen Nächte waren im Volksglauben besondere Nächte, die aus dem Jahreskreis herausgehoben und ein möglicher Zeitpunkt für unheimliche Begegnungen waren, da sie anderen Gesetzen gehorchten als die festen Kalendertage, die somit "gebändigt" waren. Es hing vom umsichtigen Umgang der Menschen ab, ob diese Nächte unheilvoll werden konnten, oder ob man in ihnen mit entsprechenden Ritualen und magischen Praktiken des weißen Zaubers die Zukunft glücklich vorbestimmen konnte. Dazu hielt man entsprechende Orakel ab und stellte sich z.B. vor, dass der Verlauf einzelner Rauhnächte bzw. der ihnen folgenden "Lostage" jeweils den Verlauf eines der zwölf Monate des kommenden Jahres repräsentierte. Gab es Mißgeschicke und unheilvolle Zeichen, konnten an bestimmten Tagen, den Wandlungstagen, bestimmte Handlungen das Schicksal noch einmal wenden.

Eine etwas verlässlichere Grundlage hatten z.B. metereologische Prognosen, wenn sie nicht aufgrund bestimmter magischer Orakel erfolgten, sondern auf der Grundlage jahrhundertelanger wenn nicht jahrtausendealter Beobachtungen insbesondere lokaler Begebenheiten, die erst mündlich, dann später schriftlich überliefert wurden. Für die früher noch von der Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht abhängigen Menschen waren dabei Wetterprognosen und Wetterregeln besonders wichtig und hatten damit auch eine lange Tradition, die in den so genannten "Bauernregeln" auf uns gekommen sind. Die neuzeitliches Wissenschaft hatte sich in den letzten zweihundert Jahren oft über die Unzuverlässigkeit dieser Prognosen lustig gemacht und die Bauernschaft früherer Generationen damit mehr oder weniger zu dummen und abergläubische Menschen deklariert. Erforschungen neuester Zeit ergaben, dass die Unzuverlässigkeit der sehr alten Regeln vorallem durch die Zeitverschiebung nach der julianischen Kalenderreform und durch die Generalisierung der Regel auf heutige Nationalstaaten oder große europäische Regionen verursacht wurde. Überprüfte man die Regeln an ihrem lokalen Ursprungsort nach den Kalendern der Ursprungszeit, zeigten sie oft eine erstaunlich präzise Vorhersagequalität.

In alter Zeit dachte man weniger logisch-analytisch als in Analogien. So waren die "toten Tage" und Nächte, die überzählige Zeit, in der ein anderes Gesetz, ein zeitloses eben herrschen konnte, Tore in eine andere Welt. Die Welten des Diesseits und des Jenseits berührten sich an den Übergängen der Jahre, des Scheidenden und des Neuen und ließen Begegnungen mit der Welt der Toten, der Geister, Götter und Dämonen zu. Die Welten durchdringen sich und das kann für die Lebenden bedeutungsvoll, unter Umständen auch bei mangelnder Vorsicht unheilvoll sein. Die Begegnung mit den Naturgeistern, aber auch mit den Ahnen oder mit den ruhelosen Seelen, konnte einen "zu Tode erschrecken", mit Krankheit schlagen oder einen frühen Tod verursachen, insbesondere wenn man furchtsam war. Bei den Germanen tobte Wotans wilde Jagd mit den Totengeistern über das Land, vorallem in der Sylvesternacht.

Manche Menschen, die in den Tagen der Rauhnächt geboren wurden, hielt man mancherorts für Zauberer, ja für Werwölfe, die dann ihr Unwesen trieben oder sagte ihnen nach, nach ihrem Ableben zu Untoten, zu Vampiren zu werden. An Sonntagen Geborene sollten geistsichtig sein oder nach osteuropäischer Tradition waren am Sabbat Geborene "geborene Vampirjäger". Zu den bestimmten Vorkehrungen, unbeschadet von den Geisterzügen in ein neues Jahr zu gelangen, gehörten allerlei Rituale der Geisterversöhnung wie mehr noch der Geisteraustreibung. Auch der so genannte "Perchtenlauf" ist ein solcher Brauch, der auf diese Rituale des magischen Umgangs mit den mythischen Kräften der Anderswelt bzw. auch der Naturgeister zurück geht. Die "Perchta" oder "Percht" könnte dabei das dämonisierte Überbleibsel einer vermutlich sogar vorgermanischen Göttin sein, die im norddeutschen Bereich als "Frau Holle" weiter lebte und u. a. Fleiß belohnte, aber Faulheit bestrafte. Später erfolgte ihre Abschwächung zu Naturgeistern und schließlich in christlicher Zeit zu Dämonen.

Die Rauhnächte waren aber nicht nach dem Rauch benannt, mit dem man die Wohnstätten und Kirchen ausräucherte, sondern nach dem rauhen Fell der Tiere, die in der damaligen bäuerlichen Welt die wichtigste Rolle spielten. Mit ihnen konnte man in den Rauhnächten wenn auch nicht gefahrlos kommunizieren und Tiergeister bzw. Dämonen hatten zum Teil ein "tierisches Aussehen", wie man sich ja auch manchen bocksbeinigen Teufel oder den Gott Pan und seine Faune vorstellte. Entsprechend gestaltete man die Masken und Gewänder für die traditionellen Umzüge. Vermutlich gehen diese Überlieferungen aber bis in die Steinzeit der Eiszeitjäger zurück und in die Glaubenswelt des Schamanismus. Eiszeitliche Höhlenmalereien geben Tiermenschen, möglicherweise verkleidete Schamanen wieder und Schamanen arbeiten auch mit Tiergeistern und Totems.

Getreu der alten gnostischen hermetischen Entsprechungsregel, dass das Oben dem Unten und das Außen dem Innen entspricht und der Makrokosamos dem Mikrokosmos, bilden die äußerlich geschauten Vorgänge in der Natur, z.B. die rauhen Winternächte mit dem scheinbaren Tod des Lebendigen, das aber ein verborgenes Leben tief innen und auch unter der Erde führt, um im Frühjahr wieder hervor zu brechen, die Entsprechung zu den inneren seelischen und geisthaften Vorgängen. Diese können manchmal innen in Träumen und Visionen, manchmal außen in unheimlichen Begegnungen mit mythologischen Wesenheiten geschaut werden. Diese Seelenkräfte haben eine außerordentlich Bedeutung für unser Leben und beeinflussen es aus dem Unbewußten zu unserem Segen oder zu unserem Verderben. Es ist also nicht unbedeutend, sich ihnen furchtlos aber bewußt zuzuwenden.

Die Zeiten der langen Nächte, der Schatten, der Dämmerung bringen uns mit diesen Seiten mehr in Verbindung und Kontakt. Manchmal geschieht das so, dass wir unsere traurigen Gefühle und unsere Ängste mehr spüren. Wenn wir uns auf sie fixieren, statt sie einfach zu spüren und vorbei gehen zu lassen und stattdessen nach unseren innersten Bedürfnissen zu fragen, mit denen diese Gefühls- und Gedankenwelten in Kontakt stehen, können wir uns mit Schuld- und Versagensgefühlen in einer depressiven Vorstellungswelt festbeißen. Wenn wir aber recht furchtlos einfach den schneidenden Schmerz von Kälte, Einsamkeit, Ohnmacht, Trauer, Angst lediglich registrieren, die manchmal unbequemen und dunklen Gäste mit Respekt behandeln, ihnen tatsächlich oder symbolisch ein Licht anzünden, um ihnen damit auch Teil an der Ganzheit zu geben und ihnen einen Weg oder einen Platz anweisen, damit sie ihre Botschaft loswerden können, werden diese Gefühle sich einfach auflösen, werden diese Gäste weiterziehen und uns ihren Segen hinterlassen und nicht ihren Fluch.

Das ist die innere, tiefenpsychologische Bedeutung dieser Mythologien und der damit umgehenden Rituale. Wir reinigen unsere innerstes Haus, indem wir uns unseren Schatten stellen. Wir erkennen die Zwittrigkeit und Zwielichtigkeit, die Zwillingsnatur (für die übrigens der "ungläubige Thomas" und "Zwillingsbruder des Herren" mit seiner "Thomasnacht" steht) unseres Seins, auch unseres seelischen Seins und nehmen das Gegebene nach dieser Erläuterung und Läuterung an und sind damit versöhnt und dadurch furchtlos. Wir sind dann die Ruhe in der Veränderung, das Bewußtsein in der schwankenden Gefühlswelt. Wir werden sehend zwischen der Welt des Toten und Lebendigen und erkennen, dass alles Ausdrucksformen eines weit größeren, geheimen Lebens sind, das Tod und Leben in sich hält als scheinbar paradoxe Prinzipien, die sich aber ergänzen. Im letzten Bewußtsein werden wir eins mit dem, der war, ist und sein wird und geben dennoch unserer irdischen Existenz und Erscheinungsform das, was sie braucht, um ihre Erfahrungen im Diesseits zu lernen.

LG, Michael
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Freitag, 26. Dezember 2008, 20:52

Letzter Weihnachtstag - Ausblick auf eine Zeit des Wandels und der Verantwortung

Zitat

Original von Michael
Gedanken zum "Fest der Liebe" und die Weihnachtszeit

Die Tage um die Wintersonnenwende, die Zeit kurz danach, in der das christliche Weihnachtsfest seinen Platz gefunden hat und früher schon das heidnische Julfest, wird immer gerne als eine besinnliche, stille Zeit angesehen. Es ist um die Zeit, da die Tage bei uns am kürzesten sind, es lange dunkel ist in der Natur, die auf ihrem biologischen Tiefstand angekommen ist. Alle Lebensrhythmen, die der Wärme und des Sonnenscheins bedürfen, sind weitgehend zur Ruhe gekommen. Viele Tiere halten Winterruhe oder gar Winterschlaf. Auf dem Acker gibt es nichts zu tun. Man verzehrt die Vorräte, sitzt am Herd, wärmt sich auch inwendig ein wenig und gegenseitig. Liebevolle und verwandtschaftliche Beziehungen sind wichtig. Aber auch die Gastfreundschaft wird besonders ernst genommen. Man ist empfänglicher für die Nöte anderer, hilft schon mal eher und nachhaltiger, auch echte, materielle Not zu lindern.


Am Ende des letzten Weihnachts- und ersten Märtyrertages der christlichen (katholischen) Kirche, dem so genannten Stefanstag, werden in unseren Breiten bei den noch Wohlversorgten die Reste der opulenten Mahlzeiten gesammelt und verzehrt, die letzten Verwandschaftsbesuche um die Festtage gemacht und beendet und vielleicht beim Blick auf die Waage die erste Reue darüber empfunden, wieder über die Stränge geschlagen zu haben. Mancher Festtagsstreit klingt ab, neues Unverzeihliches ist gesagt oder nicht gesagt worden, man hat lauter unnütze Geschenke bekommen oder gar keine oder zu viele und die Ernüchterung setzt ein.

Nun ist ja immer noch Winter und Stille in der Natur und nach den hektischen Umtauschtagen vor Sylvester, wo sich die Feiermenschen nochmals ins Zeug legen, kehrt langsam Ruhe ein. Und wer es während der Festtage noch nicht geschafft hat, Besinnung einkehren zu lassen und sein Bewusstsein in ruhigere Bahnen zu lenken, um sich gewahr zu werden, was ist und was nicht ist, was künstliche Aufregung und eingebildete Befürchtungen und was tatsächlich der Leidenschaft lohnt, der Liebe und dem Bemühen, der findet vielleicht jetzt eine Zeit, die unausgefüllt ist und dies am besten auch bliebe, um zu erkennen, was das Leben und den Menschen wirklich ausmacht.

Dazu muss sich der Wind erstmal legen, die Wasseroberfläche klar werden, der Geist zur Ruhe kommen, die Emotionen und Gedanken sich verlangsamen. Der ruhige Geist beobachtet das Treiben und urteilt nicht mehr nach vordergründigen Prinzipien und Glaubenssätzen, nachdem er erkannt hat, was leer ist und was Anfang und Ende hat und was hingegen von bleibender Bedeutung ist. Unsere Vorstellung vom Ich, dass, was wir glauben, selbst zu sein, das, was wir in unserem Besitz wähnen, Beziehungen, die wir für fest und unveränderlich halten, all diese Dinge sind alles andere als fest und unveränderlich, haben keine überdauernde Bedeutung und sind allenfalls hinsichtlich ihrer guten oder leidvollen Wirkungen interessant und somit für die Frage, ob wir uns entscheiden wollen, leidvolle Ursachen zu beenden, um leidvolle Erfahrungen zu beenden.

Diese Betrachtungen sind anlässlich eines altkirchlichen Märtyrergedenktages nicht unwesentlich für mich: Wofür wünsche ich künftig zu leben, wie wünsche ich mein Leben einzusetzen, was schreckt mich an der Vorstellung eines Endes? Wie kann ich also dazu beitragen, Leid zu vermindern und die Voraussetzungen für ein heilsames, gütiges, auch für andere nützliches Leben schaffen und vermehren? Zwar kann ich Niemanden ohne dessen Zutun glücklich oder unglücklich machen, doch kann ich den Samen legen für Künftiges und dieses wird nützlich oder schädlich sein können, auch wenn es wie alles Geschaffene und Erzeugte eine begrenzte Wirkung, ein Ende haben wird. Ich wünsche allen eine besinnliche Nachweihnachtszeit in den letzten Tagen des Jahres und in der Zeit "zwischen den Jahren".

LG, michael
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Mittwoch, 31. Dezember 2008, 11:50

Sylvester - Eine Jahresschau

Zitat

Original von Michael
Mit dem Wetter und den Jahreszeiten an sich hat der Begriff "zwischen den Jahren" eigentlich nichts zu tun und einen echten Zeitraum zwischen den Jahren gibt es ja nicht, nur sozusagen einen Umschlagspunkt vom 31.12., 24.00 h auf 1.1., 0.00 h. Das war aber nicht immer so. So wie zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Kalender mit mehr oder weniger genauer Erfassung des Sonnenjahres existierten, die aus religiös-traditionalistischen Gründen zeitweise in verschiedenen Gegenden parallel existierten, so gab es auch unterschiedliche Zeitpunkte für das Ende des alten und den Beginn des neuen Jahres, z.B. im Mittelalter mit extremer Varianz im Januar, aber auch Weihnachten, Ostern, Mariä Verkündigung etc.

Insofern existierten in einer historischen Zeit bis zumeist in das 17./18. Jahrhundert tatsächlich eine nicht unerhebliche Zeit lang unterschiedliche Zeitrechnungen und damit unterschiedliche Termine für das Neujahrsfest, nämlich in einem Zeitraum vom 25.12. (1. Weihnachtstag) bis zum 6.1. (Dreikönigstag): dies war der Zeitraum "Zwischen den Jahren", in der nach einer anderen Tradition, die damit aber verwandt ist, auch die "Rauhnächte" liegen. Der Papst Silvester I., der am 31.12.335 gestorben sein soll, wurde Namenspatron des letzten Tages im Jahr, als es in der katholischen Kirche zur verbindlichen Festlegung des Neujahrestages nach dem Gregorianischen Kalender (Kalenderreform, nach Papst Gregor XIII. benannt, der 1582 den Julianischen Kalender nach Julius Caesar ablöste) kam. In der orthodoxen Kirche wird dem Papst Silvester hingegen am 2.1. gedacht. Vorher galt der 24.12. inzwischen in der westlichen Christenheit allgemein als letzter Jahrestag.
....

Obwohl der Julianische Kalender den Januar (Janua = Pforte, hier zur Wintersonnenwende, die näher am heutigen Weihnachten lag) als Monat des Jahresanfanges vorsah, war zur römischen Imperatorenzeit der Jahrebeginn in den einzelnen Gebieten des römischen Imperiums höchst unterschiedlich festgelegt worden: In Ägypten am 29. August, in Konstantinopel und im Oströmischen Reich sowie später in Russland und in der Ostkirche: am 1. September, im christlichen Mittelmeerraum am 25. Dezember. Erst ab dem 13. Jahrhunderte bürgerte sich dort allmählich der 1. Januar als Tag des Jahresbeginns ein. Auch die Monatsbezeichnungen wechselten zur römischen Kaiserzeit häufiger, um damit einzelne Imperatoren zu ehren. Die meisten Bezeichnungen hielten sich nicht. Im althochdeutschen Sprachraum richteten sich die alten Monatsnamen, die Karl der Große eingeführt haben soll, u. a. nach landwirtschaftlichen Tätigkeiten entsprechend den natürlichen Jahreszyklen. Diese Bezeichnungen hielten sich zum Teil bis in die Neuzeit.

LG, Michael


Inzwischen hat sich die ganze, kalendarisch modernisierte, offizielle, politische und wirtschaftliche Welt geeinigt: Der 31.Dezember ist der letzte Tag des ausklingenden Jahres, nach einem katholischen Kalenderheiligen und Papst "Sylvester" genannt, und der 1. Januar ist der erste Tag des heraufdämmernden neuen Jahres, der Neujahrstag. Daneben existieren noch religiös motivierte Zeitrechnungen, in den christlichen Kirchen nach Konfessionen in ihren Grenzen verschoben, in denen z.B. ein Kirchenjahr früher endet und beginnt. Dies hat dann noch eine Verbindung zur Liturgie, aber nicht mehr zu der Art von wirklichem Leben, nach dem der Arbeitnehmer sich ausrichten muss, der Manager hetzt, die Bilanzen schielen, die Börsen spekulieren...

Ja, müssen wir? Muss ich wirklich? Haben wir nur eine äußere Zeit, die so genannte "Sachzwänge" bestimmen, oder haben wir auch eine innere Zeit, einen inneren Rhythmus, der sich vielleicht ganz unmerklich und unbewusst mehr an den Rhythmen der Natur, an der Tageshelligkeit und der Nachtdauer, an den Vegetationsphasen und an den Sternenläufen anlehnt, auch wenn wir je nach Weltgegend, in der wir aufgewachsen sind und leben, seit Jahrhunderten in temperierten Behausungen wohnen und seit zweihundert Jahren immer mehr von Manufaktur- und Industrieprodukten abhängig werden? Und dennoch ist unsere biologische Natur und die biologische Natur unserer Erde und unsere geistige Ausrichtung, die etwas damit zu tun hat, wo wir unsere Herkunft vermuten und wohin wir wieder streben, eine nicht zu unterschätzende Basis für unsere Empfindungen, für unsere Orientierung und für unseren Weg. Spüre ich das selbst bei mir auch?

Die Kalender, die sich die Menschen gaben und die eine Funktion in ihren religiösen Vorstellungen aber auch in ihren Bedürfnissen hatte, die Rhythmen der Natur besser einschätzen zu können, um Jagd- und Vegetationszeiten vorausberechnen zu können, drückten im Prinzip die komplizierte Natur des Menschen und die ebenso komplizierten Bedürfnisse aus und tun es im Kern auch heute noch: Da der Mensch ein geistiges Wesen ist, will er sich weiter mit dem Himmel verbinden, mit der kosmischen Energie, die er dem Geist am nächsten einschätzte. Gleichzeitig stehen die Füße seines Leibes auf dem Erdboden und für die Erhaltung seines Körpers benötigt er die Verbindung zur Natur und den natürlichen Energien der Erde. Seine Seele aber ist ständig damit beschäftigt, die körperlichen und geistigen Bedürfnisse zu verbinden und auszudrücken, z.B. in Gefühlen.

Unsere Umwelt haben wir Erdbewohner und Himmelsstürmer komplizierter gemacht, sozial, religiös, wirtschaftlich, wissenschaftlich und dadurch auch emotional. Dabei haben sich weder die geistigen noch die biologischen Grundlagen und somit auch nicht die Grundbedürfnisse unseres Lebens geändert. Der Weg zurück zu sich selbst, zu den Ursprüngen und Potentialen und damit zur Einfachheit ist damit eben oft nicht einfach. Manchmal geht es einfacher, wenn man sich besinnt, jedoch nicht in einem Akt endlosen Grübelns oder im Zweifel, im verzweifelten Zerdenken zerronnener Zerrspiegel unseres Seins. Eine versöhnliche und hilfreiche Art der Besinnung kann durchaus an bestimmten herausgenommenen, besonderen Gelegenheiten beginnen, wenn sie uns helfen, uns außer der relativen Zeit und in uns selbst zu versenken. Der Sylvestertag kann somit geeignet sein für eine persönliche Jahresschau.

Was hat mich im jetzt zu ende gehenden Jahr bewegt? Welche Gefühle haben mich um getrieben? Welchen Bedürfnissen bin ich näher gekommen? Wo und wann bin ich mir nahe gewesen und dadurch vielleicht auch anderen, denen ich näher sein wollte? Oder ist es mir zu einigen Gelegenheiten auch gerade nicht gelungen und ich habe mich von mir und meinen Zielen entfernt? Wie konnte ich Zufriedenheit erreichen und empfinden und was machte ich, wenn ich es nicht erreichte? Vor welchen Erfahrungen und Lehren hätte ich mich so gefürchtet, dass ich sie vermieden hätte, hätte ich hellsehen können? Für welche Erfahrungen bin ich rückblickend dankbar, obwohl sie schwer für mich waren? Konnte ich mich durch sie und die Art, wie ich mit ihnen rang, lebendiger fühlen? Ließ ich die Lebendigkeit überall in mir ankommen, in meinem Geist, meiner Seele, meinem Körper?

Was gibt es im vergehenden Jahr zu betrauern, zu beweinen? Wohin blicke ich mit Zorn und Verbitterung zurück? Welche Gefühle decken Wut und Ärger zu? Welchen Schmerz wollte ich nicht fühlen, sehen, zulassen? Vor was hatte ich Angst? Gibt es eine Möglichkeit, auch für diese Einladungen meines ganz persönlichen Lebens dankbar zu sein? Kann ich den Weg feiern, den ich zurückgelegt habe, auch dort, wo ich im Kreis ging und zwar nicht stumpf und ignorant, sondern voller Mitgefühl? Kann ich die Empfindungen, die noch ungeklärt sind, in mein Gedächtnis zurückholen und erneut einen Anlauf unternehmen, ihnen gerechter zu werden? Kann ich meine Niederlagen würdigen, wie meine Siege, meine Träume wie meine Taten als Ausdruck meiner Sehnsucht und meiner Lebendigkeit? Kann ich das, was noch unbelebt ist, sehen und den neuen Möglichkeiten, die darin noch begraben sind, Kraft geben?

Sind meine Schwächen, die mich gestern noch beschämt haben, nicht vielleicht auch die heimlichen Stärken von Morgen, bei einer neuen Gelegenheit zu einem späteren Zeitpunkt? Und werden uns die alten Stärken in einer neuen Herausforderung unterstützen, wenn wir das wesentlich Neue nicht wirklich erspüren können? Können wir offener sein für das, was ist, um gerüstet zu sein für das, was kommt? Können wir einen nützlichen Gebrauch von unserem Gedächtnis und unserer Vergangenheit machen, indem wir auch da offen sind für neue Beurteilungen oder sogar für das Fallenlassen eines Urteils? Was bedeuten uns die Begriffe Gerechtigkeit, Recht, Gnade, Barmherzigkeit, Mitmenschlichkeit, Mitgefühl in diesem Zusammenhang, wenn wir daran gehen, uns und andere zu beurteilen, unsere Vergangenheit, unser Sein, unsere Aussichten, unsere Vorstellungen vom Göttlichen und von der Liebe?

Wie kann ich mir, irgendeinem anderen oder einem Ereignis gerecht werden, ohne Mitgefühl und Liebe? Wie kann ich es ohne eine zweite Perspektive zu der gewöhnlichen Ersten, die immer einen Unterschied macht zwischen dem Beobachter und dem Betrachteten? Nein, wir benötigen eben auch noch die andere Perspektive, die uns eins sein lässt und die die Grenzen beendet, indem sie ganz unsere Verbundenheit mit Allem, was lebendig ist erkennbar werden lässt. Nur mit beiden Perspektiven ist der Mensch ein Mensch, ein geistig-göttliches und ein materiell-biologisches Wesen mit einem Körper in einer körperlichen Welt und doch unsichtbar verbunden mit der Gesamtenergie unseres Kosmos. Es ist etwas kompliziert und gleichzeitig die einzige Möglichkeit zu einer umfassenden Erfahrung zu gelangen und diese Erfahrungen auskosten zu können, nach allen Seiten, in die Höhen und Tiefen, nach innen und außen. Und dazu könnte ein kleiner Rückblick uns an unsere Zukunft erinnern und daran, dass die einzige Lebensweise, die wir tatsächlich lebendig gestalten und spüren können, die in der Gegenwart ist: jetzt. Ich wünsche Euch alles Gute für das vergangene und kommende Jahr, also für hier und jetzt!

LG, Michael
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32

Mittwoch, 31. Dezember 2008, 18:53

Meine persönliche Jahresschau: 2007 war schon widerlich und ich dachte, schlimmer kann`s nicht mehr werden. 2008 war dann noch widerlicher und jetzt denk ich gar nix mehr. Es kommt wie`s kommt.
Guten Rutsch allerseits!

Tania

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33

Mittwoch, 31. Dezember 2008, 23:18

Ich wünsche Euch ein besonders schönes neues Jahr mit vielen glücklichen Momenten.



Liebe Grüße, Torsten
Aber er hat ja gar nix an
(des Kaisers neue Kleider)

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Donnerstag, 1. Januar 2009, 15:15

Abwechslungsreich

Der Neujahrstag zeigte sich in Wilhelmshaven an der "südlichen Nordsee" bis jetzt schon dunstig, bedeckt, sonnig, trüb, nieselig, regnerisch und jetzt wieder sonnig mit einigen Wolkenschleiern. Die Feuchtigkeit fraß den Reif auf den Wiesen und Tropfen hängen glitzernd an den Zweigen.

War das alte Jahr am letzten Tag "den Alten" noch ein Anlass, zum Teil in Schmerz und Bedauern zurückzuschauen und abzuschließen, so ist der Neujahrstag oft ein Anlass für die noch lebenshungrig jung Gebliebenen, in die Zukunft zu orakeln und Prognosen anzustellen.

Nimmt man das Wetter zum Ausgangspunkt einer Vorhersage für 2009, so könnte man voraussehen, dass das Jahr vorallem Abwechslung bringen wird, getreu der alten (etwas verjuxten) "Bauernregel": "Kräht der Hahn heut' auf dem Mist, ändert sich's Wetter oder bleibt, wie's ist!"

Vermutlich ist es immer eine Frage des Standpunktes. Was bedeutet schon Veränderung angesichts der einzig feststehenden Regel, nach der alles Gewordene der Veränderung und dem Entwerden gehört? Es ist wie es ist und es ist nicht wie es ist und nichts ist, wie es scheint und es scheint nicht etwas zu sein.

So kommt man ganz schnell zu dem, was aus sich ist und dem, was ohne etwas nichts, also leer ist; doch wollen die Meisten darüber keine Belehrung hören. Das Jahr wird es schon an den Tag bringen oder in die Nacht hinaus posaunen, in diesem Jahr nicht anders als in all den anderen.

In jedem Wechsel liegt auch Magie, liegt auch Poesie verborgen, wenn man sie zu hören, zu sehen, zu spüren vermag, so wie es der romantische Dichter Joseph von Eichendorff in diesem kleinen Lied "Wünschelrute" von 1835 offenbar andeutet - jedenfalls für mich:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.


In diesem Sinne wünsche ich jedem neujahrsbegrüßenden Mitmenschen das rechte Gespür, das rechte Gehör und den richtigen Blick für das innere Lied in allen Dingen, für das magische Wort des Lebens und vorallem das rechte Herz, dies alles immer wieder in sich aufzunehmen.

LG, Michael
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Dienstag, 6. Januar 2009, 23:55

Die "Heiligen drei Könige" in einem unheiligen Land

Zitat

Original von Michael
Mit dem heutigen Tag, der den "Heiligen drei Königen" am 6. Januar (und damit in katholischen Gegenden oft den traditionellen Sternsingern) gewidmet ist, endet die Zeit "zwischen den Jahren" und die "Weihnachtszeit" des Kirchenjahres. Die letzten Weihnachtsbäume werden von ihrem Schmuck befreit und aus dem Haus getragen. Unser ist morgen dran. Nun haben auch die geduldigsten Kinder ihre Bescherung erhalten und - leider für manche - ab übermorgen, Montag, enden die Weihnachtsferien und beginnt der Schulalltag wieder.
Zum letzten Mal::weih in diesem Jahr und Tschüss, Michael


Wohl den Kindern, die hier ab morgen wieder in ihre Schule gehen können, nach ihren Weihnachtsferien im winterlichen Europa. Wohl denen, die das, was die königlichen Sternsinger auf ihrer Segnungsreise im Heiligen Land vorfinden würden, allenfalls aus dem Fernsehen kennen. Denn wenn sich heute am 6.1.2009 Sternsinger auf den Spuren der drei Weisen aus dem Morgenland nach Palästina verirrt hätten, hätten sie etwa das Folgende erlebt:

Als die Drei Könige dem Sternenregen folgten, sahen sie 2009 Szenen biblischer Strafen über Sodom und Gomorrha etwas weiter weg von Bethlehem, in einem schmalen Landstrich des Heiligen Landes am Meer, genannt Gaza, genau an ihrem Festtag, da die orthodoxen Christen ihr Weihnachtsfest feiern wollen, in Palästina und überall auf der Welt, überall, nur nicht im Lande des Schreckens, wo es lange schon hieß und mehr denn je heute heißt, wenn man jemanden zur Hölle wünschte: "Geh doch nach Gaza!". Doch nicht Gott schien das Strafgericht bestellt zu haben, waren doch die Engel dieses Treibens ohne Heiligenschein und Lichtschwert, sondern schwarz vermummt oder tarngefleckt mit großkalibrigen Gewehren und Panzerfäusten, Patronengurten und Sprengstoffgürteln angetan, wahre Ausgeburten der Hölle, Daniels Schleuder spottend, Hassblicke sprühend und Feuer vor sich hin spuckend mit giftigem Rauch. Was sie, die reisenden Weisen, sahen, ließ sie erschauern: wären sie doch niemals diesen Leuchtspuren gefolgt in dieses unheilige Heilige Land, in dieses entweihte Heilige Land, in dieses Haus der Völker, in dieses Schlachthaus der Völker, der Ismaeliten und der Israeliten und ihrer schlechtmeinenden Freunde, Freunde der Schlächter, schlechte Freunde, Schächer der Rächer. Denn nun stieg ihnen nicht der Duft von Myrrhe in die Nase, nicht von Weihrauch, nein, von alttestamentarischen Brandopfern, von verbranntem Menschenfleisch und kein Gold hätte irgendeine Möglichkeit geboten, dem Elend zu entkommen und dem Opfern und Schlachten und kein guter Gott hätte sich an diese Schlachtaltäre verirrt, einem gehorsamen Abraham, Urvater der beiden Völker, beim Söhneschlachten im Namen Gottes, der Ehre und der Feindschaft in den Arm zu fallen. Eine Krippe sahen die verwunderten Weisen überall und verwundete Kinder darinnen. nicht von Jungfrauen geboren, sondern von Witwen und Verwaisten, selbst verwaist, blutend und zusammengeschossen. Zuletzt töteten Bomben und Granaten Dutzende Kinder in einer Schule der UN, der blauen Fahne spottend, Kinderträume in den Dreck werfend aber auch Alpträume begrabend. Die Bevölkerung wurde zur Geisel der Geißel des Krieges der Hamas-Terroristen und des israelischen Militärs. Geiselerschießungen waren und sind auf diese Weise an der Tagesordnung. Die Wohnungen der Menschen waren nun wieder Höhlen und die Hirten waren in der Wüste obdachlos und ohne Wasser und ohne Trost. An Geschenke war nicht zu denken, im Heiligen Land am 6.1.2009, fünf vor zwölf. Das heiße Sehnen der Menschen nach Frieden, konnten die Kriegführenden vieler Seiten nicht verstehen. Das Flehen der Angehörigen der erschlagenen Kinder war für sie nur mit der weißen Fahne der Kapitulation Wehen, ein schändliches Verraten. Beachtung fanden bei ihnen nur die Racheschwüre und erneuten Ankündigungen von Vergeltung der Vergeltung der Vergeltung. So könnte es dann ewig weiter gehen, bis des Letzten Herz vom Hass vergiftet ist. Doch außer Trümmer und Elend ist dann auch nichts mehr zu sehen und die Bettlaken in den überfüllten Lazaretten sind schon lange nicht mehr weiß. Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, nahm zu Beginn eines ersten Kreuzzuges des Humanität Bettlaken und strich das große rote Kreuz aus dem Blut der Verwundeten darauf und schwenkte es vor den Gewehren der Soldaten, die verdutzt die Waffen sinken ließen vor diesem Symbol und die Verwundeten passieren. In den modernen Gemetzeln und Terrorkriegen gegen die Bewohner der Häuser, der Schulkinder und Säuglinge würde man Bleichmittel benötigen, um ein Teil des Blutes aus den getränkten Laken weg zu ätzen. Doch Blut kann man nicht abwischen... Die drei Weisen fanden den Gott des Tötens, dem schon Gold, Myrrhe und Weihrauch geopfert war, nun auch Kindheit, Jugend, Familie, Völker, Boden, Hoffnung, Leben. Sie versuchten, sich an ihre Königreiche der Weisheit zu erinnern, um wenigstens in Gedanken zu ihnen zurück zu kehren. Aber sie fanden nichts, nichts in ihrer Erinnerung war vergleichbar mit dem, was sich in den Ländern des Ostens, des Westens, des Nordens und des Südens von diesem höllischen Paradies aus gesehen, von dem unheiligen Land aus, abspielte. Telefondiplomatie. Die Botschaft der königlichen Weisen kam nirgendwo mehr an, nicht bei den Weisen und Waisen, nicht bei den Regierungen und Völkern, nicht bei den Heeren und Herren, nicht bei den schlechten Schlächtern und den Diplomaten und den Vereinten Nationen und sie kam nirgendwo her, denn Gott verhüllte sein Angesicht und rief seine Propheten, seinen Sohn Jesus und seinen Letzten, Mohammed, zum diplomatischen Rapport zurück in den brennenden Himmel, in dem die Engel mit versengtem Gefieder brausten. Bis er wiederkommen wird, der gute gütige Gott, in Herrlichkeit, in das edelsteinbesetzte Jerusalem, werden nicht unter tausend Jahre vergehen und bis dahin beglückwünschen sich die Jünger der Apokalypse mit Sternenregen aus Phosphor, TNT und vielleicht - Plutonium. Pluto, der neue lächelnde Gott, benötigt keine Höllenhunde mehr in seinem Jenseits: Sie sind alle diesseits beschäftigt und der Hades bleibt leer, da die Länder der Erde als Gefängnis der Dummheit genügen. Nicht Tod ist das Ende, sondern lange vorher die Schlachten der Untoten und Trüben, verhärtete Ignoranten mit steinernen Herzen und hohlen Köpfen, so die Verkündigung aus Palästina, von wo wir den Messias erwarteten und in einer Krippe zu finden hofften...



Etwas weiter weg von Bethlehem

In Bethlehem ist nichts zu sehen
kein Kindelein und kein Messias
zu dem die Hirten können flehen:
zur Offensive dieses Frühjahrs
müssen zweitausendneun die Weisen
und Könige nach Gaza gehen.
Sterne, die nicht das Kind verheißen,
sind aus Phosphor: Im Feuer stehen
Frauen, Kinder und oft schon Waisen
und große Feuerwalzen mähen
und über dem Getöse kreisen
Geier. Doch Rauch ist nur zu sehen.
Die Krieg und blut'ge Opfer preisen,
Männer, die über Ruinen gehen,
stehen dort auf den blassen Leichen,
wo Frauen um die Kinder flehen,
wo Kämpfer sie von ihnen reißen,
dem Feind zu fluchen sie befehlen,
wütend schreiend hinter den Greisen,
die schon entsetzt zur Flucht sich drehen:
"Was sind das denn für feige Weisen,
Verräter, wollt hinweg euch stehlen,
wenn tausendfach fliegt heißes Eisen?
Euch wird es dennoch nicht verfehlen,
Bomben durch euern Hass verheißen,
soll'n nun auch auf euch niedergehen!
Der Trost verlasse eure Seelen,
wenn die Raketenblitze gleißen,
wenn fünfzig Jahre Hass befehlen,
Isaak in Ismaels Fleisch zu beißen,
und Ismael Isaaks Fleisch zu pfählen."

Michael - das ist Hebräisch und heißt: Wer ist wie Gott?
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Sonntag, 1. Februar 2009, 00:01

Der Eingang ging und weiter gehts...

Januarius ging, Februarius kommt. Der Januar oder Jänner, der erste Monat unseres Jahres seit der Gregorianischen Kalendereform, ging soeben (vor einer Minute) am 31. Tag und machte dem Februar Platz. Im alten Rom bezeichnete der nach dem römischen Gott Janus benannte Monat Januarius erst seit dem Jahre 153 v. Chr. den ersten Monat des Jahres und somit das Tor oder die Eingangstür - lateinisch ianus - zum neuen Jahr. Zuvor war der Januar der elfte Monat und das Jahr begann am 1. März, dem Monat des Kriegsgottes Mars. Alte deutsche Monatsnamen für den lateinischen Namen Januar bzw. die ältere, oberdeutsche Ableitung Jänner sind Hartung, Eismonat, Schneemonat und Wintermonat, wie ihn Karl der Große in seinem Kalender bezeichnen ließ. Aus dem Mittelalter stammt auch der mehr in Osteuropa verwendete Name Wolfsmonat, was weniger mit ausgehungerten Wölfen im Winter zun tun hatte, als mit Jagdgewohnheiten, da die Wölfe sich während der winterlichen Paarungszeit im Januar leichter jagen und erlegen ließen.

Der namengebende Gott Janus wird in antiken Statuen und auf Münzen doppelköpfig dargestellt. Janus schaute nach vorn und nach hinten, in das alte Jahr und in das neue Jahr. So war der Januar auch die Zeit der Jahresrückschau und der Vorausschau. Aus den Ergebenissen der Rückschau plante man das Neue und faßte gute Vorsätze. Im Januar war man dem alten Jahr noch nahe. Mit dem heutigen ersten Februartag ist man im Jahreslauf nun ein gutes Zwölftel vorangerückt. Nun beginnt der Reinigungsmonat. Das lateinische februare, reinigen, steckt in der Monatsbezeichnung und weist auf das große römische Reinigungs- und Sühnefest "Februa" hin, das unter der Schirmherrschaft der römischen Göttin Juno mit dem Beinahmen Februa steht, der Göttin der Ehe und der Geburt und als Gattin des Jupiter (analog zu Hera, der Gattin des Zeus), die höchste weibliche Gottheit des römischen Pantheon. Juno gibt auch noch dem Monat Juni ihren Namen. Die Lupercalien, ein anderer Name für die Februar-Festlichkeiten, in der Mythologie auf Romulus zurückgeführt, waren ein Fruchtbarkeitsfest und wurden am 15. Februar beim Herannahen des Frühlings begangen. Als Tag der Reinigung und Sühne vor Einkehr der Fruchtbarkeit hieß dieser Festtag dies februatus.

Die Fruchtbarkeitsfeste bahnten den Frühling an und begannen, den Winter zu verabschieden. Es ist da toll und närrisch hergegangen und die Fasnacht oder der Fasching im Februar, dem Monat des Karnevall, hat Einiges von der "heidnischen Ausgelassenheit" in das ernstere und weniger sinnenfrohe Brauchtum des Christentum gerettet, von den kirchlichen Würdenträgern seit jeher mit Argwohn beäugt. Im Mittelalter waren auch die Namen Schmelzmond oder Taumonat gebräuchlich. Die längeren Tage mit einer längeren Sonnenscheindauer begannen, Schnee und Eis des Eis-, Schnee- und Wintermonats Januar zu tauen und zu schmelzen. Die Bezeichnung "Hornung" für den Februar, die noch im Elsass gebräuchlich ist, möchte man mit der Geweihreife der Rothirsche in Verbindung bringen, die ihr altes Geweih nach der Brunft abwerfen und ein Neues schieben. Nach anderer Ansicht bedeutet "Hornung" ein im "Verborgenen gezeugter Bastard" analog zu einer Art Minderwertigkeit dieses Monats, da er in Bezug auf die Anzahl der Tage zu kurz kam. Aus der Zeit vor 153 v. Chr., als der Februar der zwölfte und letzte Monat des Jahres war, stammt die Tradition, diesem Monat die Schalttage anzuhängen, was ihn in der alten Zeit zu einem Monat mit mehr Tagen als die anderen Monate des Jahres machte, im Gegensatz zur Situation seit der Augustinischen Kalenderreform im Jahre 8 n. Chr., als der Februar 28 Tage zählte und nur in Schaltjahren 29 Tage.

Michael
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Sonntag, 1. Februar 2009, 12:21

RE: Der Eingang ging und weiter gehts...

Zitat

Original von Michael

...Die Fruchtbarkeitsfeste bahnten den Frühling an und begannen, den Winter zu verabschieden. ...

...Im Mittelalter waren auch die Namen Schmelzmond oder Taumonat gebräuchlich. Die längeren Tage mit einer längeren Sonnenscheindauer begannen, Schnee und Eis des Eis-, Schnee- und Wintermonats Januar zu tauen und zu schmelzen. ...

Heute hatten wir hier an der Nordsee etwas von allem am 1. Februar: eine Menge feiner Pulverschnee in den letzten Nachtstunden und nun seit Sonnenaufgang herrlicher Sonnenschein, der bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Einiges von dem Schnee wieder wegtaut und verdunstet. Also zeigte sich der Winter noch einmal weiß und prächtig und die kommende Kraft des Frühjahrs mit Sonnenschein und Schneeglöckchen ebenfalls schon am gleichen Tag.

LG, Michael
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Dienstag, 24. Februar 2009, 09:12

Die "fünfte Jahreszeit"

Zum Karneval oder der Fastnacht gibt es ganz unterschiedliche Bräuche. In einigen alemannischen Gebieten, z.B. auch im Baseler Raum, findet verschärftes Fastnachtstreiben auch noch (und den Katholischen zum Trotz gerade) nach Aschermittwoch statt. Für die anderen Narren gilt: Nach Beginn der närrischen "fünften Jahreszeit" am 11.11. um 11:11 Uhr sind die Karnevalshöhepunkte der Donnerstag als "Altweiberfastnacht", der gestrige Rosenmontag und der heutige Faschingsdienstag. Ab morgen am Aschermittwoch ist dann für die Meisten die Pflege des eigenen Katers und ev. die eine oder andere Neubesinnung in der so genannten "Fastenzeit" angesagt.

Zitat

Orignial von Michael vom 27.2.2006

Fasten in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern?

Heute ist auch im Rheinischen Karneval, nachdem die Fasnet im Allemanischen schon begonnen hat. Es ist die "fünfte Jahreszeit" und sie lädt dazu ein, im Namen des Narrentums über die Stränge zu schlagen. Und Lachen soll ja sehr gesund sein, vielleicht auch ausgelassenes Feiern, sofern der Körper genügend Schlaf und nicht zuviel Alkohol und Nikotin bekommt. Und danach: Ausnüchtern, Entgiften, Fasten? Schon Manche(r) hat bereits daran gedacht.

Traditionell gibt es im christlichen Kulturkreis zwei Hauptfastenzeiten: Während des Advents und von Aschermittwoch bis Ostern. Für Manche ist das noch heute ein Anlaß, die entschlackende, gesundheitsfördernde und auch das geistig-sinnliche Erleben wieder belebende uralte Methode für einige Tage oder gar Wochen zu praktizieren, eventuell zusammen mit anderen ausleitenden, entgiftenden Verfahren. Andere Kulturen kennen ebenfalls Fastenzeiten.

Beim Fasten oder gar Heilfasten geht es mir nicht um eine besondere Diät, sondern um den Verzicht auf feste Nahrung. Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr Fastenerfahrungen? Wie und warum habt Ihr es erprobt? Waren es gesundheitliche und/oder spirituelle Gründe oder gar Ästhetische? Gab es Schwierigkeiten und wovor ist zu warnen? Wie sahen die Erfolge aus? War es ein Einleitung langfristiger Änderungen? Geschah es allein, mit Anleitung, in einer Gruppe? Welche Ruhe und Bewegungsübungen waren begleitend hilfreich?


Auch wenn man denkt, der eigentliche Ursprung und Sinn des Karnevals und der Fastnacht liege in der Vorbereitung auf die Fastenzeit als eine Zeit der freiwilligen Einschränkung im Dienste einer spirituellen Reinigung, um danach einige Frühlingsfeste, wie z. B. Ostern um so freudiger zu begehen, so ist doch auch die Festlichkeit des Karnevals und die Freude der Narren an sich ein wichtiges Ereignis und eine Höhepunkt an sich. Der Mensch tut sich offenbar leichter, seine Entwicklungszyklen abzuschreiten, wenn deutlich erkennbare Markierungen im Jahresablauf als kultische Feste und Zeiten besonderer Ausgelassenheit und dann auch wieder tieferer innerer Besinnlichkeit einander abwechseln.

Zitat

Original von Michael vom 2.3.2006

Ursprung von Karneval

Carne vale! - Fleisch, adé! Oder Carnelevale (-levare), Fleischentzug. Fastnacht/Fasnacht, die Nacht vor der Fastenzeit. Aschermittwoch: Das Aschenkreuz auf der Stirn: "Memento, homo, quia pulvis est, et in pulverem reverteris" - "Gedenke, Mensch, dass Du Staub bist und zum Staub zurückkehrst."


Der Mensch dachte sich in alter Zeit das Leben als ein Ablauf von bestimmten Zyklen und orientierte sich dabei an den zu beobachtenden Kreisläufen der Natur und an natürlichen Phänomenen. So wie das Jahr mit seinen Naturerscheinungen dank des Kreislaufs der Erde um die Sonne jährlich wiederkehrende Jahreszeiten hat, so gibt es einen täglichen Kreislauf der Erde um sich selbst. Es gibt auch viel ausgedehntere Zyklen. Ein Kommen und Gehen, ein Auf und Ab bilden den Rhythmus darin und es gibt Höhepunkte, an denen sich der Mensch oft in ekstatischer Weise des Besonderen seines Lebens und seiner Existenz bewußt wird. Und diese Höhepunkte feiern die Menschen zumeist in der Gemeinschaft und um dieses Erlebnis zu etwas ganz Besonderem zu machen, bereiten sie sich innerlich und äußerlich in Rüst- und manchmal Fastzenzeiten darauf vor. Heute ist jedenfalls noch einmal Karneval, Fastnacht, den ganzen Tag und die ganze Nacht bis zum morgigen Aschermittwoch.

LG, Michael
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Montag, 2. März 2009, 09:34

Im Märzen der Bauer… Der Frühlings-, Feld-, Fasten- und Biermonat…

Unser erster Frühlingsmonat März (altertümlich Märzen), bei den Alten Lenz oder Lenzing genannt, ist der dritte Monat des Gregorianischen Kalenderjahres. In der römischen Antike war der dem Kriegsgott Mars geweihte Monat Martius allerdings der erste Monat des Jahres, somit war also am 1. März Neujahr. Unsere überlieferten Monatsnamen September, Oktober, November und Dezember spiegeln diese alte Kalenderzählung noch wieder, denn übersetzt heißen diese lateinischen Monatsnamen der siebte, achte, neunte und zehnte Monat.

Im März beginnt mit dem Termin der ersten Tagundnachtgleiche (Äquinoktium) des Jahres, die zwischen dem 19. und 21. März, zumeist aber am 20. März, stattfindet, offiziell der Frühling. Für dieses Jahr 2009 wurde das Äquinoktium auf den 20.3. um 12:44 h berechnet. Der März ist wie oft auch der April je nach Gegend ein recht feuchter, windiger, unbeständiger aber milderer Monat, als die Wintermonate. Seit heidnischer Zeit finden im März einige Frühjahrsfeste und in der Zeit, als der März der erste Monat des Jahres in Rom war, auch Neujahrsfeste statt. Das christliche Osterfest findet manchmal im März, öfter im April statt. Im letzten Jahr war Ostersonntag am 23.3.08. In diesem Jahr wird Ostersonntag der 12.4.09 sein. Somit liegt ein Teil der vorösterlichen sechswöchigen Fastenzeit auch immer im März.

Ein Brauch aus alter Zeit ist das "Märzchen". In römischer Zeit hätten Frauen Männern am 1. März ein Präsent aus einer roten und weißen Wollschnur überreicht und die haben es dann ein oder zwei Wochen am Handgelenk getragen. Die Rumänen, die manche Überlieferung und die Sprache von den Römern übernommen haben, führen den Brauch auf die Thraker zurück, ein indogermanisches Volk der Antike, Nachbarn der Griechen und Römer, berühmt für ihr Gold, ihre Reitkunst und Trinkfreude.

Heute sind es Präsente, die die Herren den Damen machen, Glücksbringer, die z.B. mit einem Schneeglöckchen überreicht werden. Wenn der erste blühende Baum gesehen wurde, warfen die Beschenkten ihre Kettchen und Reifen in den Baum und wünschten sich was. Der Hintergrund der rot-weiß-Symbolik ist prosaischer. Rot soll die Sonne symbolisieren, die den weißen Schnee schmilzt und die darunter liegenden Samen keimen und dann aufblühen lässt. Der März ist der Monat, in dem die Feldarbeit beginnt. "Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt...", heißt es in einem alten Volkslied.

Eine Kuriosität, die aus der Zeit kommt, als wir ein agrarisches Land ohne ausgefeilte Technik waren, ist das "Märzen", eine süddeutsche Biersorte. Die bayerische Brauordnung aus dem Jahre 1539, die zusammen mit dem Reinheitsgebot des bayerischen Herzogs 1516 in Ingolstadt das so genannte deutsche Reinheitsgebot 1919 begründete, bestimmte damals, dass nur zwischen dem 29. September, dem Tag Erzengels St. Michael und dem 23. April, dem Tag des Ritterheiligen St. Georg, Bier gebraut werden durfte. Neben der Brandgefahr in den Sommermonaten, die dieses Bierbrauverbot für die Münchner Brauereien bedingte, war die Haltbarkeit des Bieres im Sommer schlecht und führte zu diesem "Verbraucherschutzgesetz".

Man behalf sich damit, dem Märzenbier mehr Stammwürze zuzufügen und mit einem höheren Alkoholgehalt zu brauen (sehr hoch offenbar im "Maibock"), was die Haltbarkeit verbesserte. Sodann lagerte man z.B. aus den im Winter zugefrorenen Teichen der Brauereien Eis in tiefen Bierkellern ein, die man obendrein mit Schatten spendenden Kastanien bepflanzte. Das Eis taute nur sehr langsam in den tiefen Kellern und hielt das Märzen lange genug kühl. Die Tradition der Biergärten beim Bierkeller unter Kastanienbäumen soll daher kommen. Ob man an manchen Märztagen schon draußen sitzen kann? Na, dann Prost, zunächst mal vielleicht mit einem Fastenbierchen...

Und dieses Fastenbierchen gab es wirklich. Das mittelalterliche Bier war ein Nahrungsmittel, "flüssiges Brot", das zum Teil aufgrund des sehr niedrigen Alkoholgehaltes sogar Kindern als recht keimfreies Getränk angeboten wurde. Die Keimfreiheit wurde durch das lange Kochen des Sudes erzeugt, denn die natürlichen Wasserquellen waren im Mittelalter oft kontaminiert und sorgten für allerlei, im Säuglings- und Kleinkindalter durchaus tödlichen Durchfallerkrankungen. Noch heute kennt man das Nähr- und Bauchweh-Getränk „Malzbier“, das es früher zu trockenem Salzgebäck bei Durchfallerkrankungen gab, heute weitgehend und bestimmt nicht gesünder durch „Cola“ abgelöst

Das Bier hatte gerade auch im Mittelalter einen relativ hohen Nährwert und konnte das knappe Nahrungsangebot für das Volk teilweise ergänzen. Dazu kam eine gewisse Haltbarkeit. Aus diesem Grunde durfte zur Verbesserung des Kalorienangebotes während der Fastenzeit ein gehaltvolleres Bier gebraut und ausgeschenkt werden, sogar mit päpstlicher Erlaubnis: Das Fastenbier. Die Braukunst wurde auch von den Mönchen sehr gepflegt, die den Hopfen als einzige bedeutende Würze in das Bier brachten, das ansonsten viele verschiedene Kräuter beinhalten konnte.

LG, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Freitag, 20. März 2009, 18:38

Der erste Tag des neuen Frühlings

Gerade geht in Wilhelmshaven am westlichen Horizont die rote Sonnenscheibe unter und ein frischer, aber klarer, sonniger erster Frühlingstag endet an der südlichen Nordsee unter Vögelgezwitscher. Noch kann man in der Dämmerung die bunten Krokusse, die beinahe schon verblühten Schneeglöckchen und die noch nicht aufgegangenen Osterglocken erkennen. Feine Dunstschleier zeigen sich am blassbläulichen Himmel. Auch in diesem Jahr ist der astronomische Frühlingsbeginn heute, am 20.3.2008. Genauer gesagt, er war bereits um 12.44 h MEZ. Dies war der Zeitpunkt des Frühjahrsäquinoktiums (Primaräquinoktium der Nordhalbkugel), die so genannte Tagundnachtgleiche. Gestern ging also der längste Tag des Winters zuende und heute begann der kürzeste Tag des Frühjahrs. Die Tage werden jetzt immer länger, die Nächte immer kürzer, bis zur Sommersonnenwende, die zwischen dem 20. und 22.6. stattfindet, in diesem Jahr am 21.6., an dem wir die kürzeste Nacht, die Mittsommernacht feiern. In dieser Nacht endet das Frühjahr und beginnt der Sommer. Metereologisch wird der Frühlingsbeginn schon auf den 1. März festgelegt. Vor der Einführung des Sonnenkalenders galt uns der Lauf des Mondes als Orientierung. Am Donnerstag, den 26.3.2009 haben wir Neumond. Der Frühlingsmond als erster Vollmond im Frühjahr ist in diesem Jahr erst am Gründonnerstag den 9.4.2009, dem Tag vor dem Karfreitag. Daher ist Ostern dieses Jahr so spät, nämlich am ersten Sonntag nach dem Frühlingsmond, am 12.4.2009. Das ist der traditionelle Ternmin für das Osterfest nach dem Kirchenkalender. Ursprünglich war der Ostertermin am 14. Tag des jüdischen Frühlingsmonats Nisan und hing direkt vom jüdischen Pessachfest ab. Das christliche Osterfest mischte sich in Europa mit heidnischen Bräuchen und galt früher als Licht- und Frühlingsfest. Den Christen ist es ein Gedenken an Jesus Auferstehung.

LG, Michael
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