Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: ganzheitlichesicht.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Beiträge: 3 448

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

1

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 16:46

Gibt es ganzheitliche Sichtweisen zum Suchtverhalten und zur Benutzung illegaler Drogen?

Liebe Diskussionsfreudige,

ein heißes Thema ist nicht genug, was meint Ihr :D Aber Spaß beiseite: Der Drogengebrauch und das sogenannte Suchtverhalten werden ebenfalls in unserer Gesellschaft pathologisiert, psychiatrisiert und durch Strafandrohung und Prohibition illegalisiert, kriminalisiert und sanktioniert. Es gibt so viele Gründe dafür und dagegen, aber kaum einer kommt aus einer umfassenderen, ganzheitlichen Sicht, so ist jedenfalls mein Eindruck.

Ist ein Drogenbenutzer ein Kranker und wenn nicht, ab wann wäre er doch ein Kranker bzw. ein Süchtiger? Ist einer, der nicht vorallem säuft und raucht, sondern kifft, Rezepte fälscht oder gar kokst ein Krimineller? Oder was ist der, der massenweise Schmerzmittel, Abführmittel oder Stimulanzien zweckentfremdend einwirft? Nur dumm und naiv oder nichts von beiden?

Wie bewerten wir unser alltägliches Suchtverhalten, wenn wir am eigentlichen Ziel vorbeizugehen scheinen und uns in Sackgassen herumdrücken - so will es jedenfalls von außen scheinen? Und was sind wahrhafte Ziele, zu denen eine Orientierung lohnt? Auch wenn der Rausch Illusionen erzeugt: Wann erzeugt der Geist ungeübt und konditioniert, wie er ist, keine?

Alles können wir Menschen süchtig mißbrauchen, oder nicht? Essen, Trinken, Fasten, Drogen, Medikamente, Glücksspiel, Internet, Foren (seufz), Arbeit, Macht, Geld, Sex, Titel, Ehrgeiz, Ruhm, Autofahren, Freizeitvergnügen, Sport, Fortbildungen, Workshops, "Tantra", Therapieren/Helfen, Beten, Pilgern, Predigen, Missionieren, politische Arbeit... Was nicht? Steht Irgendeiner, der Irgendeinen be- oder verurteilt, außerhalb dieses Systems, das den Mißbrauch zuläßt?

Mißbrauch ist nicht gleich Sucht, vermuten wir, aber ab wann ist uns Mißbrauch und die dazu gehörige Unaufrichtigkeit so geläufig, dass wir gar nicht mehr merken, dass unsere vielleicht immer noch unbewußte Suche zurück zu den Ursprüngen (nur eine Hypothese) längst in einer Sackgasse der Sucht steckt? Weil wir nicht mehr in der Lage sind, aufzuhören, weil wir in unserer künstlichen Welt beschränkter Wahrnehmung gefangen sind und unsere Lebenslügen eine durch und durch falsche Persönlichkeit um unseren heilen, unverletzlichen Kern (wieder eine Annahme) konstruiert hat?

Hat Mißbrauch und Sucht wiederum zur Ursache, dass wir uns und einander, dass wir die Dinge, die sind, nicht so anzunehmen vermögen, wie sie sind? Dass wir immer etwas anderes sein und etwas anderes haben und auch die anderen immer verändern wollen? Und passt auf unsere Vorannahmen nicht, was wir sehen, fühlen, hören, schaffen wir uns unsere eigene Welt der Abspaltungen, Ausblendungen, Verdrängungen und Ablenkungen, laden wir die Dinge in unser Leben, die unseren Geist weiter im Nebel halten, nur dass er rosiger erscheint - zunächst mal - als der Nebel des Grauens, für den wir die unakzeptable Wirklichkeit - im Grunde aber unsere Annahmen über die Natur der Wirklichkeit - halten?

Wenn wir alle gleichermaßen denselben Gefährdungen unterliegen, trotz Volljährigkeit und Lebenserfahrung immer wieder unbewußt dieselben Mechanismen bedienen, wieso schwingen wir uns zu urteilenden Richtern und mahnenden Ärzten sowie spirituellen Besserwissern denjenigen gegenüber auf, die es gegen die anerkannten Normen und Moralvorstellungen einer Gesellschaft erkennbar übertreiben, die provozieren oder sich von unseren Urteilen abkoppeln oder die ihren Körper sichtbar und schneller zermürben, als es der lange arbeitsfähige Alkoholiker oder Workeholiker, der sexsüchtige Puffgänger oder der wenig ehrgeizige Kiffer - den man früher manchmal auch als "Gammler" bezeichnete -, tun? Erst, wenn wir Elend bemerken (und das ist meist schon sehr spät) oder jemand dieser Gesellschaft den Gehorsam oder seine Arbeitskraft frech verweigert, hört man allenthalben Sanktionsdrohungen und bürgerliche Unduldsamkeit. Sonst dürfen Frauen geschlagen, das Auto wichtiger als das Kind genommen und der Familienabend im Büro oder der Stammkneipe (oder im Forum?) genossen werden, könnte man provozierend hinzufügen.

Ich möchte Euch mit einer Einschätzung zum Umgang mit Drogengebrauch und dem Repressionsapparat drum herum bekannt machen, die ich im Rahmen einer Psychotherapieausbildung speziell vorallem für Kinderärzte vor über zwanzig Jahren aus dem Vortrag von Prof. Ernst Federn entnommen habe. Federn war auf der Flucht vor den Nazis von Österreich in die USA gelangt, wurde Social Worker und Psychoanalytiker. Zurückgekehrt nach Österreich hatte er später einen Lehrstuhl in Wien inne, schrieb und forschte wie sein Vater zur Ich-Psychologie und therapierte in Wien mit der psychoanalytischen Methode Jugendliche und junge Erwachsene mit sogenannten Psychosen, Schizophrenien und Persönlichkeitsstörungen im österreichischen Strafvollzug. Er hatte also eine Menge Erfahrung, Anschauung und auch viel persönlichen Mut. Kein Wunder, dass Politiker, Polizisten, Psychotherapeuten und Drogenbekämpfungsspezialisten entsprechender UNO-Organisationen, z.B. der WHO, seine Expertenmeinung in Gremien und auf Kongressen hören wollten.

Aber er hatte die Absichten und das System offenbar schnell durchschaut. Er legte uns Zuhörern schon damals dar, wie das ganze Unterdrückungssystem zu einer sich selbst erhaltenden, immer korrupteren Maschinerie verkommen konnte, die immer mehr Milliarden verschlingt, ohne die Süchtigen zu heilen oder die Kriminalität zu verhindern. Stattdessen förderte die Prohibition die Illegalität, verknappte und verteuerte den Stoff, der immer mehr manipuliert und zu einer noch tödlicheren Gefahr wurde, dessen Phantasie-Preise das Dealerunwesen und die Beschaffungskriminalität in Schwung brachte und gleichzeitig die Unterdrückungsanstrengungen motivierte und in Schwung hielt. Natürlich war die Polizei auf Informanten angewiesen und schleuste zusätzlich verdeckte Ermittler ein. Die Grenzen zwischen "legal" und "gut" sowie "illegal" und "böse" verschwammen in einer Grauzone, Gelder flossen, Korruption entstand.

Federn stellte die Vermutung an, dass inzwischen beinahe die Hälfte der Weltwirtschaft eine kriminelle Schattenwirtschaft aus illegalen Unternehmungen mit ähnlichen Absichten ist, wie die sogenannte legale Wirtschaft, nämlich Gewinnmaximierung. Nur dass die Geschäftsbereiche hier Waffenschieberei in größtem Stil, Prostitution- und Menschenhandel, Drogenhandel, Medikamentenschmuggel und -fälschungen, wirtschaftliche und politische Korruption, Glücksspiel und natürlich internationale Geldwäsche sind, um das "schwarze Geld" wieder in den "sauberen Kreislauf" einfließen zu lassen. Aber nicht nur die Hälfte der Weltwirtschaft sei schwarz, sondern auch die Entscheidungsgremien und Sicherheitsorgane seien bis zur Hälfte von diesen Schatten betroffen. Die Eliten ganzer Staaten leben von Drogenverkäufen und Supermächte machten sich diese Dinge für ihre Weltpolitik zu nutze.

Federn gab zu bedenken, was alles entbehrlich an Repression würde und welche Ressourcen heilsamen alternativen Projekten für wirklich austiegswillige Drogenabhängige zur Verfügung stünden, wenn man den gesamten infiltrierten, negativ ausgerichteten Überwachungsapparat durch Legalisierung des individuellen Drogengebrauchs bzw. Abschaffung einer Kriminalisierung hinfällig machen würde. Die Beschaffungskriminalität und damit das Leid, das davon herrührt, einschließlich Prostitution, würde zurückgehen, die Drogenbenutzer müßten sich keine Verleugnungsstrategie mehr zulegen und würden eher für Angebote ansprechbar werden, die bei Wunsch und Bedarf Alternativen aufzeigen könnten. Für Federn war zumindest die Entscheidung klar: auf den verlogenen Kongressen, wie er sie empfand, wo man gescheit über Repression und Therapie reden sollte, da wollte er nicht dabei sein. Für ihn ging das nicht zusammen, der Therapie- und der Repressionsgedanke bei einer Gesellschaft, die von Sucht und Korruption selbst tief zerfressen und somit zutiefst unaufrichtig zu sein scheint. Das klingt wie unsere uralte und doch jetzt wieder moderne Erkenntnis, dass das Phänomen wächst, dem man durch seine Aufmerksamkeit und das Bekämpfen Energie, Nahrung gibt. Und Federn wusste natürlich aus der Psychoanalyse vom so genannten unbewussten Schatten, der hinter all unseren bewussten Aktivitäten existiert.

Soweit der Traum. Die Realität sieht anders aus, Drogensubstitutionsprogramme selbst für Schwerstabhängige und liebevolle, annehmende Sozialarbeit sind selbst da höchst umstritten, wo begrenzte Bewilligungen für soziale Experimente (z.B. Schweiz, Blattspitz-Geschichte der Stadt Zürich, Niederlande) vorliegen. Man will sie nicht, die "Drögler" oder "Junkies" und therapieren möchte sie die Gesellschaft vorallem aus Angst vor ihnen und weil sie aus dem Stadtbild verschwinden sollen, nicht weil man sie liebt und sich um ihre Gesundheit sorgt. Das tun nur wenige, die bereit sind, diesen Menschen selbst zu begegnen, ein nicht immer ganz leichtes Zusammentreffen.

Auch in dieser Diskussion gibt es viele Schnittstellen: politisch-gesamtgesellschaftliche, juristische, moralische, soziale, therapeutische Fragestellungen sind betroffen, letztlich auch Spirituelle. In einer offenen Diskussion muß auch die Frage erlaubt sein, nachdem wir wissen, wodurch Drogenmißbrauch und Sucht schaden können, wo der Gebrauch von Drogen und bewußtseinsverändernder Techniken auch positive oder neutrale Seiten hat und in welchem Kontext. Denken wir an den Kontext der Heiler, an den Schamanismus, denken wir an Initiationsrituale des Erwachsenwerdens und an individuelle und kollektive, geführte und ungeführte Reisen zur Erforschung der Arbeitsweise des eigenen Bewußtseins und zur Erforschung des Heilpotentials einer Substanz (siehe z.B. LSD-Therapie, psycholytische Therapie). Alle diese Stoffe und Methoden haben Risiken und Nebenwirkungen, "Wahnsinn" lauert überall in uns selbst und auch in der "Normalität", egal, ob wir einen Trip schmeißen, Zen sitzen, mit MDMA als Raver in einer Loveparade abspacen, im Tantrakurs Partnertausch zulassen, bei wenig seriösen Energiemedien Rückführungen mit Engelsmystik mitmachen und Teuflischem (in uns, außerhalb?) begegnen usw. Und vergessen wir nicht die furchtbaren, zum Teil sogar tödlichen Neben- und Wechselwirkungen der von Ärzten legal auf Rezept verordneten "Drogen", Arzneimittel der Pharmaindustrie, die unsere Beschwerden und Unlustzustände bekämpfen sollen!

Drogen und Spiritualität, (Substanz-)Mißbrauch, Sucht und ganzheitliches Heilsein - ein enormes Spannungsfeld, oder?

LG, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

2

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 22:05

Hallo Michael

So richtig weiß ich nicht wo du hin willst, vermute nur.
Mittel die das Bewußtsein erweitern sind so alt wie die Menschheit selber.
Hatten so mit eine Funktion und Aufgabe.

Sucht oder Mißbrauch von Dingen stellt immer ein Ersatz für was anderes dar.

Das wir zu diesen oder jenen greifen, dieses Zeug gibt sicherlich unseren Körper etwas, was ihm fehlt.

Selbst Nebenwirkungen werden in Kauf genommen.

Manchmal sehe ich bei einigen eine Art, Versuch auf ihre Probleme aufmerksam zumachen.

Wann findet man in der Gesellschaft Beachtung, wenn man aus den vorgeschriebenen Normen fällt.
Positiv wie Negativ, Workerholiker-Alkohliker.

Eine Tabuisierung finde ich viel gefährlicher als einer Legalisierung. Was reizt gerade junge Menschen, das was verboten ist.
Sie hören in der Schule wie gefährlich Alkohl und Nikotin ist, sehen doch bei jeder Feier wie die Erwachsenen das genießen, gut drauf sind.
Hier entsteht ein Widerspruch, ein Verbot aber auf der anderen Seite macht das Zeug viel Spaß.

Das sich das durch alle Schichten zieht, leuchtet mir ein. Ein Richter der einen Drogendealer in den Knast bringt und vorher sein Röhrchen geschnüffelt hat.
Wie will man den ganzen Scheiß(sorry) in dieser Welt ertragen.
Ein Richter mit Alkohlfahne, um Himmels Willen, Kokain riecht man nicht?

Tschüß Heike
Leben ist ganz einfach, was das Leben so schwer macht, ist der Mensch selber

3

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 23:01

Zitat

Original von Heike1
Eine Tabuisierung finde ich viel gefährlicher als einer Legalisierung. Was reizt gerade junge Menschen, das was verboten ist.

Ja, das ist in der Tat ein interessanter Punkt - das gesamte Feld der Reaktanz. Das sieht man ja schon an solchen Feldern wie Film: Natürlich ist ein indizierter oder gar verbotener Film für diejenigen, die gerade vor solch einem Film "geschützt" werden sollen, viel interessanter. Derjenige, der in der Schule so was besorgen konnte war der Star ...

Aber was soll das für die Praxis dann heißen?

Nichts mehr verbieten um es nicht "interessanter" zu machen? Ein interessantes Konzept; mich würde mal interessieren, wie die Nutzung ehemals verbotener Sachen nach einer Legalisierung aussehen würde (sind die Holländer dauerbekifft?) ...

Oder massiv aufklären? Zeigt sich da beim Rauchen schon eine Verbesserung?

Beiträge: 1 051

Wohnort: Schweiz

Beruf: Heilpraktikerin/Homöopathin

  • Nachricht senden

4

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 00:11

Lieber Erik

Schwierig, schwierig deine Fragen.

Solange rauchen und trinken etwas ist, was Erwachsene tun, solange wird es Pubertierende reizen, das auch zu tun. Ich habe bisher noch keine Aufklärung erlebt, die effektiv abhalten könnte. Es wissen doch heute sämtliche Jugendliche schon längst, dass Rauchen schädlich ist und was Alkohol bewirkt wissen sie auch. Es hält sie nicht davon ab, es seber auszuprobieren.

Von meinen drei Kindern raucht die mittlere, meine Tochter, die beiden Söhne haben nicht angefangen. Meine Tochter sagte ganz trocken: Meine Klasse war so bieder und brav, ich wollte etwas tun was die schockiert, also habe ich angefangen zu rauchen. Dass es schädlich ist, das war ihr völlig klar, aber die Lust, ihre Unabhängigkeit und Andersheit zu demonstrieren war ihr wichtiger.

Kiffen war übrigens in der Schweiz jahrelang genauso problemlos möglich wie in Holland. Erst die letzten Jahre sind die Behörden wieder restriktiver. Jetzt wird wieder mehr im Verbogenen gekifft, nicht mehr so öffentlich wie damals. Aber die Zahl der Kiffer, die hat sich kaum verändert. Kiffen gehört zur heutigen Zeit, egal ob es legal ist oder nicht.

Wie war das eigentlich mit den Alkoholikern nach der Prohibition in Amerika? Stieg da die Zahl sprunghaft?

Süchtige nach harten Drogen sind für mich Kranke.

LG
Bea
The purpose of life is joy; its basis is freedom; its result is growth.
ABRAHAM - HICKS

5

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 05:56

Nur ein paar Überlegungen :

Wo kommt Sucht nicht vor : bei Tieren und Menschen in natürlichen Urkulturen ? Der beinharte Überlebenskampf in der Natur lässt es nicht zu.

Sucht hat die Doppelgesichtigkeit von exzessivem Ausleben und Rückzug.

In Primitiv-Kulturen kann und muss ein Mensch seine Tier-Natur ausleben. Rückzug ist nicht möglich, weil man aus Nahrungsmangel bald sterben würde.

Sucht entsteht nur bei entfremdeten, zivilisatorisch kastrierten Lebewesen. Ich muss an Heike denken - Yin und Yang ist aus dem Gleichgewicht, die Sucht eine therapeutische Selbstbehandlung und Notmassnahme. Was fehlt, was ist zuviel - was stockt, was fließt zu schnell ?

Sucht entsteht, wenn man sich nicht voll und ganz leben kann - mit allen Licht- und Schattenseiten ?

LG, Reinhard

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Reinhard« (20. Oktober 2005, 06:50)


6

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 10:58

Hallo Reinhard

Deine Zitate sind für mich auch die Hauptschwerpunkte um Probleme der Sucht.

Zitat

Sucht hat die Doppelgesichtigkeit von exzessivem Ausleben und Rückzug.


Zitat

Sucht entsteht nur bei entfremdeten, zivilisatorisch kastrierten Lebewesen.


Zitat

Sucht entsteht, wenn man sich nicht voll und ganz leben kann - mit allen Licht- und Schattenseiten ?


Wobei wir hier wieder beim gesell. landen.
Auch Tiere wissen Alkohl zu schätzen, mache ich aber bei Off Topic.

Tschüß Heike
Leben ist ganz einfach, was das Leben so schwer macht, ist der Mensch selber

7

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 11:15

Hallo Erik

Zitat

Aber was soll das für die Praxis dann heißen?


Offen und ehrlich mit den Kindern darüber reden.
So war meine Aufklärung....
Alkohl schmeckt(Wein, Bier, Likör).
Man wird locker, entspannter, fühlt sich am Anfang gut. Traut sich Dinge zusagen, was nüchtern nicht oder kaum Möglich ist.
Wird das Verhalten anderes, kommt das Umfeld eher damit zurecht..... der hat ja was getrunken.

Die Gefahr besteht darin, weil es schmeckt, man greift hier wieder zu. Mit Hilfe von Alkohl über sich hinaus wachsen kann.
Wenn der Mensch das nur noch mit Alkohl kann, entspannen, über sich herauswachsen, läuft er in Gefahr süchtig zuwerden.

Teufel Alkohl zuverbannen, verbieten, sehe ich nicht als Weg. Sondern lernen damit umzugehen, mit seinen angenehmen Seiten, aber auch seine Gefahren und sich dieser Bewußt zu werden.

Rauchen tun meine Kinder nicht, ich leider, doch mache ich kein Geheimnis daraus, wie schwer es ist davon zu lassen. So erleben sie auch, was es heißt wie schwer es ist, sich aus diesen Fängen zubefreien.
Tschüß Heike
Leben ist ganz einfach, was das Leben so schwer macht, ist der Mensch selber

Beiträge: 3 448

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

8

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 15:33

Darf ich genauer nachfragen?

Zitat

Original von Bea Süchtige nach harten Drogen sind für mich Kranke.


Liebe Bea, Erik, Heike, Reinhard und auch alle anderen,

Bea, Du und andere haben Vieles gesagt und am Ende dieses knappe Statement von Dir, Bea, das ich mal exemplarisch aufgegriffen habe. Darf ich Dich und andere weiter fragen?

Wie würdest Du/würdet Ihr in diesem Zusammenhang aus Deiner/Eurer Erfahrung Sucht definieren im Unterschied von z.B. hedonistischen Gebrauch? Wo fangen "harte" Drogen an, wo sind Drogen noch als "weich" zu beschreiben? Was macht eine Sucht zur Krankheit? Ist das körperlich, psychisch oder sowohl als auch gemeint? Oder steht das Verhalten als "gieriges Verlangen" im Vordergrund? Beinhaltet die Einführung pathologisierender Begriffe (krank; Krankheit; Sucht) nicht wieder erhebliche Gefahren der "Nichtannahme", wie es Tania in ihrem Posting zu einem anderen Thema befürchtete? Wie sieht es mit dem Behandlungsbedarf aus? Ergibt sich der aus dem Krankeitsbegriff oder aus einem Auftrag des "Patienten"? Ist der Einzelne, der Süchtige oder Drogen oder Suchtmittel Benutzende ("Mißbrauchende") krank, ist es die Gesellschaft, beide, die gesellschaftlich anerkannten Glaubens- und Bezugsysteme? Was ergibt sich daraus im Umgang mit der Repression und Prohibition, Kriminalisierung, Strafverfolgung, aber auch korrupten Auswüchsen? Gibt es Umstände, Kontexte, in denen Gebrauch von Substanzen, Drogen zu tolerieren sind oder sinnvoll sind, in denen nicht von "Mißbrauch" gesprochen werden kann?

LG, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 448

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

9

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 15:40

Heroin-Ratte im Käfig und glückliche Ratte im "Ratt-Parc"

Zitat

Original von Reinhard Wo kommt Sucht nicht vor : bei Tieren und Menschen in natürlichen Urkulturen ? Der beinharte Überlebenskampf in der Natur lässt es nicht zu.

Lieber Reinhard,

ich habe zu Deiner Hypothese von einem interessanten Rattenexperiment gehört: Ratten wurde in einer extrem öden, nicht artgerechten Käfigumgebung sauberes Wasser und Wasser mit Heroin angeboten. Manche Ratten stiegen auf die Droge um (aber nicht alle). Dann wurden die Ratten in einen artgerechten, interessanten, abwechslungsreich gestalteten "Ratt-Parc" mit vielen Spielmöglichkeiten, Verstecken ect. gesetzt. Alle Ratten wandten sich wieder dem Wasser zu.

Der psychische Überlebenskampf im Käfig ist brutaler, als in der Natur. Nur in dieser "denaturierten Hölle" des Käfigs hatten einige Ratten das Bedürfnis nach einer Droge...

LG, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

10

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 16:43

RE: Darf ich genauer nachfragen?

Zitat

Original von Michael
Wie würdest Du/würdet Ihr in diesem Zusammenhang aus Deiner/Eurer Erfahrung Sucht definieren im Unterschied von z.B. hedonistischen Gebrauch? Wo fangen "harte" Drogen an, wo sind Drogen noch als "weich" zu beschreiben? ...

Lieber Michael,

Kurz gesagt : ich betreibe keines der von Dir vorgeschlagenen Sprachspiele. Was bringen Definitionen, Unterscheidungen etc. ? Was braucht der Mensch, was fehlt ihm, welchen Vorteil bringt ihm die Droge, welches ungelöstes Problem kompensiert er damit, wie findet er seine Seele und sich selbst wieder - diese Fragen scheinen mir relevant.

LG, Reinhard

Beiträge: 1 051

Wohnort: Schweiz

Beruf: Heilpraktikerin/Homöopathin

  • Nachricht senden

11

Donnerstag, 20. Oktober 2005, 20:06

Lieber Michael

ich habe einige Zeit in einer Reha für mehrfach rückfällige Drogensüchtige gearbeitet. Mir kam es vor, wie wenn durch unglückliche Verkettungen Umständen diese Möglichkeit des Drogenmissbrauchs einmal angefangen hatte, dass dann bei jeder Herausforderung bei jeder Schwierigkeit dieses Programm wieder einsetzte.

Selbst Leute die monatelang drogenfrei gelebt hatten wurden bei Herausforderungen des Alltags wieder rückfällig, es war echt frustrierend, weil ich nämlich den Eindruck hatte, dass wir in jener Einrichtung wirklich gute Arbeit leisteten. Mir kam vor dass mit dem Süchtigwerden eine Schiene gebahnt wurde, die über körperliche und psychische Abhängigkeit hinausging. Es wurde ein Mechanismus etabliert, der immer wieder wie von selbst einsetzte und die Personen schienen dem hilflos ausgeliefert zu sein. Je länger die Süchtigkeit bestand, desto mehr äussere Umstände gab es natürlich, die veranlassten immer wieder rückfällig zu werden. Z.B. die Unmöglichkeit noch eine gute Stelle zu finden, Zehntausende Franken Schulden, mangelhaften Schulabschluss und deshalb keine Chancen eine anspruchsvollere Berufsausbildung zu machen usw.

Ich habe in der Zeit wo ich dort war zweimal erlebt, dass jemand tatsächlich wegkam, also wirklich auch heute noch (6 Jahre später) sauber ist. Beide hatten sich je in einen Partner verliebt der mit Drogen überhaupt nichts zu tun hatte und auch ganz klar äusserte, dass eine Beziehung erst in Frage komme, wenn der andere längere Zeit "sauber" sei.

Bei den weichen Drogen habe ich solche "Abstürze" nie erlebt. Ich kenne mehrere Bekannte die ganz regelmässig kiffen und ansonsten ihr Leben gut bewältigen. Wobei ich kiffen nicht für harmlos halte, aber es gibt offenbar Leute die es nicht gross beeinträchtigt.

LG
Bea
The purpose of life is joy; its basis is freedom; its result is growth.
ABRAHAM - HICKS

Beiträge: 3 448

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

12

Montag, 24. Oktober 2005, 00:51

Haste was, nimmste was

Liebe Bea,

vermutlich legen wir uns im Laufe der Zeit ettliche eigene und auch übernommene Glaubenssätze zu, die uns unbewußt zu diesem oder jenem Verhalten motivieren und wir folgen diesen inneren Dogmen oft über Jahrzehnte.

Ein Suchtverhalten, das sich unter einer bestimmten Kontrolle des Spitalaufenthaltes und der "therapeutischen Lebensweise" monatelang nicht mehr bemerkbar macht, wird dann in bestimmten Situationen wieder aufgenommen, im bisherigen Familien-, Partner, Arbeitskontext z.B. oder bei Ängsten vor Herausforderung, wenn man nicht diese Glaubenssätze bei sich selbst erfolgreich "deprogrammiert hat".

Möglicherweise hat uns unsere Medizin-Benutzungs-Umwelt früh den "Werbe-Slogan" der Verhaltensmaxime eingebläut: "Hast Du ein Problem, dann nimm etwas (dagegen)!" Oder: "Probleme kannst Du nur ruhig angehen und damit du dich beruhigst, nimm etwas zur Beruhigung." Es gibt bestimmt hunderte Beispiele. Überhaupt so zu denken, dass es Probleme gibt und man sie hat und demzufolge wieder loswerden oder erträglich machen muß, kreiert wieder ein Problem an sich.

Das Nichtraucherbuch von Allen Carr ("Endlich Nichtraucher",z.B.: http://www.methode.de/bu/gmb/ticarr1.htm) gibt eine ganze Menge von Glaubenssätzen von Rauchern als eigene Gehirnwäsche wieder und stellt die Hypothese auf, dass nicht die Nikotinsucht und die meist kurzen, wenig heftgen Entzugszeichen das schwerwiegenste Hindernis für den Schritt zum Nichtraucher sind, sondern die eigenen mit dem Rauchen verbundenen Überzeugungen, nämlich dass es cool, schick, erwachsen, sportlich, männlich, weiblich, schlank usw. sein soll, dass es ruhig macht, entspannt, gesellig wirkt, Konzentration verbessert... Diese Gehirnwäsche soll so gut funktionieren, dass die genau gegenteiligen Wirkungen, die der Körper spürt, vom Raucher nicht zur Kenntnis genommen oder anders interpretiert werden und dass auch die durchaus rational nachvollziehbaren Erkenntnisse über die Risiken nun Schädigungen ignoriert werden.

Dies gilt übrigens auch für die Benutzer anderer Drogen, die eine Fülle von Gründen, z.T. Rationalisierungen und Rechtfertigungen, z.T. "Glaubenssätze", für ihren Drogenkonsum anführen und auch dafür, dass sie ihn nicht beenden zu können glauben.

LG, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

13

Montag, 24. Oktober 2005, 11:49

Hallo Michael,

das Thema Sucht und Drogen ist m.E. sehr komplex und eine eindeutige Ursachenerklärung für die jeweilige Sucht, sucht man wohl vergebens.

Das Rauchen ist auch nicht für jeden ein Problem. Es gibt Menschen, die rauchen nach dem Abendessen die erste Zigarette, eine zur Tagesschau, zwei beim Spielfilm und eine vor dem ins Bett gehen.

Diese Dosis ist dann gesundheitlich wenig bedenklich, eine Sucht besteht hier nicht. Das Ritual abends, die Suggestion der Entspannung oder Geselligkeit ist hier im Vordergrund.

Die natürlichen Drogen wurden ja auch in den verschiedenen Kulturen kontrolliert und sinnvoll angewendet. Die Kokabauern kauen die Blätter während der Arbeit. Ich meine dass es wegen der stark entwässernden Wirkung die Schweißproduktion steigert und deshalb gegen die große Hitze schützt. Sicher aber ist, dass es das Hungergefühl reduziert, womit den armen Bauern wieder einmal geholfen ist.
Trotzdem bestellen sie ihre Felder und ernähren ihre Familien.
Ebenso der Opiumbauer! Er raucht es, aber er arbeitet und erfüllt seine Aufgaben.

Es ist also nicht unbedingt die Droge, die zu einer Sucht oder seelischen Abhängigkeit führt, sondern der Grund, weswegen man dazu greift.

Beim Nikotin ist leider ein sehr hohes Suchtpotential, da es physisch abhängig macht. Alkohol ebenso.
Viele natürliche Drogen bewirken aber gerade nicht diese körperliche Sucht!

Die psychische Abhängigkeit dürfte dann überwiegend durch gesellschaftliche Einflüsse begünstigt werden, auch durch die damit verbundene Kriminalisierung des "Kranken".

Nun kommt noch die Drogenberatung, wo mehrere Betroffene, von z.B. 2 Drogenberatern, beraten werden. Das erzeugt Druck bei denen, die vielleicht etwas größere Schwierigkeiten haben, mit dem Tempo der Entwöhnung mitzuhalten. Das schlägt dann leicht um, in Resignation und sie werden rückfällig.

Würde ein Drogenabhängiger in einer Gruppe Nichtkonsumenten integriert, an deren Unternehmungen teilnehmen, die Lebensfreude unberauscht vorgelebt bekommen, dann dürfte das zu besseren Erfolgen führen.

Das Ausgrenzen, Isolieren, Pathologisieren der Betroffenen, erhöht den Druck und begünstigt das Minderwertigkeitsgefühl, was wieder Probleme schafft.

Ich glaube, dass eine schnelle Integration in ein drogenfreies, gesellschaftliches Umfeld, die eigene Haltung zur Entwöhnung (Selbstheilung) stärker begünstigt, als der zwanghafte Versuch der Entwöhnung, bevor man wieder am gesellschaftlichen Leben teilnimmt.
Das ist das Prinzip der SM, die Symptombehandlung.
Ich bin da mehr für die vorrangige Beseitigung der Ursachen.
Die eigene Erkenntnis, dass eigentlich die Droge die Lebensfreude und die Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten behindert, führt beim Betroffenen zu einer Einsicht, bestenfalls zu einem starken Willen.

Diese Menschen müssen das Leben sehen, nicht das Elend in dem sie sich befinden, mit dem Eindruck, sie seien anders, krank oder sonst was.

Das anders sein, in dieser Gesellschaft, ist wohl das Hauptproblem. Das wird aber leider immer mehr herausgestellt. Gilt für viele Bereiche, wo Menschen gleich mit sehr nagativen Begriffen klassifiziert werden.

Junkies, Fixer, Kiffer, aber auch Chaoten, Raser, Temposünder. Dieses "Abwerten" von Menschen, die etwas bestimmtes einmal getan haben, ist eine gravierende Ursache, für ihr weiteres Verhalten.

Stell dir vor, du wirst abends geblitzt. Nach Abzug der Tolleranz bekommst du ein Verwarnungsgeld für z.B 61 Km/h (€ 15,-?), weil nur 50 Km/h erlaubt waren.

Am nächsten Tag findest du dich in der Zeitung!

Polizeigrosseinsatz! 38 Verkehrssünder geschnappt. Führerscheine eingezogen.
Zahl der "Raser" wird immer größer! Tempokrieg auf Deutschlands Strassen. Polizei machtlos!

So Michael, da bist du jetzt auch mit dabei! :P

Erzähl das mal jemandem! Der denkt zuerst, du hast auch den "Lappen" abgegeben.

Dass du nur € 15,- Verwarnungsgeld zahlen musst, interessiert den gar nicht.

Nächste Woche hast du wieder das Pech!

Schlagzeile: ...dabei waren 5 Wiederholungstäter!
Uneinsichtige Raser usw.

Jaja, der kleine Gelegenheitskiffer..., wenn der erwischt wird, womöglich gleich beraten, von sogenannten Drogenberatern, er wird sein Selbstwertgefühl so lange ausgeredet bekommen, bis er seinen Konsum nicht mehr kontrollieren kann.

Das Phänomen des Helfersyndroms! Fälle schaffen!

Die Friedenspfeife, bei den Indianern, soll ja auch einen bewusstseinserweiternden Rauschzustand bewirkt haben. Trotzdem sind die Indianer nicht rauchend in den Kampf oder zur Jagd geritten.

Wo liegt also jetzt die Ursache für die psychische Abhängigkeit? Beim gewollten Verlust der Selbstkontrolle, also beim Zwangspathologiesieren, oder bei der Droge selbst?

(Ich meine hier nicht die Drogen, die schwer in den Stoffwechsel eingreifen und zu einer schweren physischen Abhängigkeit führen.)

Ich sehe die bisherigen Therapieansätze als die größte Gefahr für einen Rückfall. Den Betroffenen wird ihr "Anderssein" so deutlich vorgehalten, dass sie nur noch weiter fallen.

Ich würde gerne mal den Versuch machen, z.B. bei einer Tagestour an die Ostsee, mit ein paar Freunden, einen Drogenabhängigen am Strassenrand anzusprechen, ob er nicht mit uns mitkommen will. Die Utensilien bleiben natürlich wo sie sind. Wenn er kein Geld hat, zahlen wir die Currywurst mit Pommes und auch ein Eis. Cola, O- Saft o.ä. ist auch noch drin!
Er ist also gut versorgt, den Tag. Macht für jeden Freund gerade mal ca. € 2,-!

Am Strand dann Volleyball, Wasserball oder ein paar Stehversuche auf dem Surfbrett. Vielleicht will einer auch einen kleinen Strandspaziergang machen und fragt gerade den "Jukie", ob er nicht Lust hat mitzugehen, weil er ihn gerne näher kennenlernen möchte, können dann etwas unterhalten.
Dieser Mensch wird etwas erfahren, was er nicht kennt, oder woran er nicht mehr glaubte.

Abends wird er fragen, wann wir wieder fahren und ob er wieder mitkommen darf. Zuwendung statt Ausgrenzung!
Die Motivation kommt dann aus ihm, denn er will dabeisein!

Ich würde diesen Versuch gerne einmal wagen. Nächsten Sommer vielleicht. Es ist kaum Aufwand, deshalb bin ich auf das Ergebnis gespannt. (Obwohl ich glaube es zu kennen!)

Ausgrenzung ist die eigentliche Ursache, nicht die Droge selbst!
Und die Dosis macht das Gift!

LG, Rolf

14

Samstag, 5. November 2005, 10:03

RE: Heroin-Ratte im Käfig und glückliche Ratte im "Ratt-Parc"

Zitat

Original von Michael

Zitat

Original von Reinhard Wo kommt Sucht nicht vor : bei Tieren und Menschen in natürlichen Urkulturen ? Der beinharte Überlebenskampf in der Natur lässt es nicht zu.

Lieber Reinhard,

ich habe zu Deiner Hypothese von einem interessanten Rattenexperiment gehört: Ratten wurde in einer extrem öden, nicht artgerechten Käfigumgebung sauberes Wasser und Wasser mit Heroin angeboten. Manche Ratten stiegen auf die Droge um (aber nicht alle). Dann wurden die Ratten in einen artgerechten, interessanten, abwechslungsreich gestalteten "Ratt-Parc" mit vielen Spielmöglichkeiten, Verstecken ect. gesetzt. Alle Ratten wandten sich wieder dem Wasser zu.

Der psychische Überlebenskampf im Käfig ist brutaler, als in der Natur. Nur in dieser "denaturierten Hölle" des Käfigs hatten einige Ratten das Bedürfnis nach einer Droge...

LG, Michael



lieber michael, das experiment ist mir bekannt ... es fand im rahmen der untersuchung statt, ob das "suchtgedächtnis" gelöscht werden kann.

grundsätzlich werden auch tiere drogenabhängig - wie du aber bereits erwähnt hast: nicht grundsätzlich. d.h., dass es hier auch beim menschen "solche und solche" gibt.

"(...) nehmen Versuchstiere wie Affen, Ratten und Mäuse enorme Strapazen in Kauf, wenn sie die Möglichkeit haben, sich Suchtstoffe wie Kokain oder Heroin durch Drücken eines Hebels selbst in die Blutbahn zu spritzen (...) quelle bundesministerium für bildung und forschung

http://www.simmformation.de/html/body_sucht-biologie.html
"Eine Erfolgsformel kann ich den Menschen nicht geben, aber ich kann ihnen sagen, was zum Misserfolg führt: der Versuch jedem gerecht zu werden."

Herbert Bayard Swope

Beiträge: 3 448

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

15

Freitag, 28. November 2008, 22:08

Halluzinogene Pilze im Fadenkreuz der Strafverfolger

Es dürfte unbestritten sein, dass Halluzinogene die Wahrnehmung verändern. Darum haben sie im Strassenverkehr nichts zu suchen. Bei schamanistischen Heilritualen können sie therapeutisch eingesetzt werden, meist nimmt sie allerdings der Schamane zur Vertiefung seiner Trance oder Weckung paranormaler Fähigkeiten und nicht der Klient. Auch in der so genannten "psycholytischen Therapie" können bestimmte Drogen als Medikamente eingesetzt werden, auch synthetische und natürliche Halluzinogene wie z.B. L S D oder Psilocybin der "Magic Mushrooms" oder "Narrenschwämme". Tatsache ist allerdings auch, dass diese kraftvollen Substanzen vorallem in der Jugendszene aus hedonistischen Gründen konsumiert werden, manchmal aber auch, um die eigenen Grenzen zu erfahren oder auszuweiten, was z.B. Künstler interessieren könnte. Klar ist, das das Pilzalkaloid Psilocybin ein starker Stoff ist und Partykonsumenten ihm nicht den nötigen Respekt entgegenbringen, wie etwa ein Schamane und dies kann Folgen haben, auch unangenehme. Denn nicht alle Konsumenten sind darauf vorbereitet, nicht nur angenehme sondern auch unangenehme Bilder aus dem Inneren, dem wohl gehüteten Unbewußten zu empfangen, auch wenn das unter sachkundiger Anleitung durchaus therapeutisch wirken könnte.

Die Grenzen der Vernunft sprengt allerdings möglicherweise die Überreaktion in diesem Fall der holländischen Politik und Justiz, die das Verbot des Verkaufes von Rauschpilzen damit begründen, dass eine Siebzehnjährige nach Genuss von Rauschpilzen von einer Brücke sprang und starb. Diese Begründung ist ohne einen direkten Verursachungsnachweis etwas naiv und absurd. Mit der gleichen Begründung müßten dann z.B. auchPsychopharmaka und insbesondere Antidepressiva verboten werden, weil viele, die diese Substanzen nehmen, Selbstmordversuche begehen, einige erfolgreich. Das tun sie anscheinend nicht nur, weil sie depressiv sind, sondern auch, weil viele dieser Medikamente bei Therapiebeginn insbesondere durch Antriebssteigerung vor der - teilweise auch fraglichen - Stimmungsaufhellung Impulse zur Ausführung von Suizidgedanken ermöglichen. Vermutlich geht es gar nicht um die Verhinderung von Suizide, sondern um eine weitere Repression des legalen Rausches mit nicht alkoholischen Mitteln. Denn die, die sich umbringen möchten, tun dies auch ohne Pilze und notfalls auch mit illegalen Substanzen. Aber lest selbst:


Zitat

aus AFP-Meldung über [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/gesundheit/krankheiten/7078842-Den-Haager-Gericht-bestaetigt-Verbot-von-Magic-Mushrooms,articleset=5871760,cc=0000001859000707884219Z1GP.html]gmx[/URL]

[SIZE=3]Den Haager Gericht bestätigt Verbot von "Magic Mushrooms"[/SIZE]

In den Niederlanden dürfen "Magic Mushrooms" wie geplant von kommenden Montag an nicht mehr verkauft werden.


Die Besitzer von Smart- und Coffeeshops scheiterten vor dem Den Haager Bezirksgericht mit einem Antrag auf einstweilige Verfügung gegen das Verbot. ...

Gesundheitsminister Ab Klink müsse erst einmal nachweisen, dass die halluzinogenen Pilze "schädlich für die öffentliche Gesundheit" seien. Dies sei ihm bisher nicht gelungen.

Das vom Parlament gebilligte Verbot tritt am 1. Dezember in Kraft. Klink hatte seine Initiative damit begründet, dass der Konsum der sogenannten Zauberpilze ein "unvorhersehbares Verhalten mit gefährlichen Folgen" auslösen könne.

So war im März 2007 eine 17-jährige Französin nach dem Verzehr der Pilze von einer Amsterdamer Brücke in den Tod gesprungen. Allerdings konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob die Droge der Auslöser für den Sprung war. ...

Ganzer Text [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/gesundheit/krankheiten/7078842-Den-Haager-Gericht-bestaetigt-Verbot-von-Magic-Mushrooms,articleset=5871760,cc=0000001859000707884219Z1GP.html]gmx[/URL]


Das Verbot des Rausches an sich, um das es hier aufgrund der vermeintlichen Gefährlichkeit geht, sehe ich sehr zwiespältig, da sich ein Mensch dank seiner "hirneigenen Opiate", den Endorphinen und ihren Kopplungsstellen an Nervenzellen an sehr vielen Dingen, Handlungen und auch Stoffen berauschen kann und zumeist auch darf. Sokann und darf sich der Mensch an Macht, Geld, Sex, Arbeit, Medienkonsum, Musik, Extremsportarten, Geschwindigkeit, Höhe, Alkohol und bestimmten Medikamenten berauschen und auch beruhigen, also seinen natürlichen psychischen Zustand und seine Wahrnehmung verändern. Die Gesellschaft erlaubt dies, wenn daurch die Arbeitsfähigkeit erhalten bleibt oder stimuliert wird und bestimmte Grenzüberschreitungen im Privaten bleiben. Für bestimmte Gelegenheiten wie das Führen von Fahrzeugen oder Maschinen und am Arbeitsplatz gelten Beschränkungen, um teure Unfälle oder Produktivitätseinbußen zu vermeiden.

Die strikten Verbote der anderen so genannten Rauschdrogen haben allerdings eher mit der Angst der Hüter gesellschaftlicher Normen zu tun, dass Individuen oder Randgruppen den vorgegebenen Rahmen überschreiten und dadurch Autorität und Ordnung in Frage stellen. In insbesondere vorchristlichen früheren Zeiten öffnete man durchaus auch kollektiv die Anpassungsventile und erlaubte Orgien mit Drogen, doch waren diese vorallem durch einen kultischen Rahmen eingebunden in die Gesamtgeselklschaft und erfüllten eine bestimmte Funktion, z.B. über Fruchtbarkeitskulte den der Arterhaltung durch Fortpflanzung und landwirtschaftlichen Tätigkeiten wie Aussaat und Ernte. Durch diese Einbindung in rituelle Vorgänge funktionierte die Ventilfunktion kulturerhaltend, nicht in Frage stellend.

Solche Kulte waren seit Aufkommen der kirchlichen Prüderie suspekt und verschwanden mit Ausnahme solcher Relikte wie dem Karneval. Doch auch unsere Gesellschaft ist im Zeitalter des Konsums und Hedonismus erfinderrisch. Industrien produzieren künstliche Lebensmittel, Getränke, Zigaretten und virtuelle Vergnügungen, die süchtig machen können. Sex ist nicht nur wie seit eh und je als Ware käuflich sondern fast jede Ware läßt sich mit Sex besser bewerben. Doch entdeckt die jugendliche User-Szene oder irgendein Althippie-Stamm ein Kräutlein, das man rauchen kann und einem schöne Träume beschert, heulen das Establishment, die Sittenwächter und die Gesetzeshüter auf.

Bei einer anderen "Modedroge", nämlich der rauchbaren Kräutermischung "Spice", wiehert der Amtsschimmel schon angstvoll aber weiterhin hilflos. Obwohl das reichlich überteuerte Kraut nach Auskunft von Benutzern so gut einfährt und berauscht, wie Gras und nach einem verkehrsmedizinischen Test auch nicht die Konzentrationsleistung und Reaktionsgeschwindigkeit beeinflusst, ist m. E. Vorsicht geboten. Die Inhaltsstoffe sind unzureichend auf Nebenwirkungen z.B. bei Dauergebrauch untersucht und wie das so bei kommerziellen Medikamentenherstellern ist, kann man sich über Reinheit und ökologischer Güte nie ganz sicher sein. Auch ändern sich die Mischungsverhältnisse von Zeit zu Zeit. Und ob es mal ernsthaft Horrortrips oder psychotische Nebenwirkungen gibt, weiss man wohl auch noch nicht so genau. Sicher können auch unangenehme Stimmungen verstärkt werden.

Zitat

aus dpa-Meldung über [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/gesundheit/krankheiten/7066976-Modedroge-Spice-Wirkung-ist-schwer-einzuschaetzen,articleset=5871760,f=mba1.html]gmx[/URL]

[SIZE=3]Modedroge Spice: Wirkung schwer einzuschätzen[/SIZE]

Berlin (dpa/tmn) - Es gilt als neue hippe Droge: "Spice". Dahinter verbirgt sich eine Kräutermischung, die unter anderem Blauen Lotus, Indischen Lotus und Meeresbohne enthält. Sie ist als Räucherwerk - ähnlich einem Räucherstäbchen - frei verkäuflich.


Spice hat psychoaktive Wirkungen und wird von Konsumenten ähnlich wie Cannabis geraucht, wie die Fachstelle für Suchtprävention in Berlin beobachtet hat. Und das ist keine gute Idee, sagt die Leiterin Kerstin Jüngling. Zum einen könne niemand sagen, wie Spice wirkt. "Denn jede Mischung ist anders. Das kontrolliert ja niemand."

Außerdem reagiere jede Person unterschiedlich auf die Substanzen: "Bei einem 40-Kilo-schweren Mädchen wirkt das ganz anders als bei einem 80-Kilo-Mann." Psychoaktive Substanzen beeinflussen die Gefühle. Wer gerade schlecht drauf ist, fühlt sich hinterher unter Umständen noch viel mieser, sagte Jüngling. Mit vier bis acht Stunden hält der Rausch außerdem ziemlich lange an, was viele unter Stress setze.

Dennoch plant die Bundesregierung nach einem Zeitungsbericht kein schnelles Verbot der neuen Modedroge. Es lägen noch keine belastbaren wissenschaftlichen Ergebnisse zu Spice vor, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), der "Zeit". Mit einem Verbot sei frühestens in einigen Wochen zu rechnen.

Experten warnen dagegen vor dem Konsum der Kräutermischung. In der Schweiz ist Spice bereits seit Ende 2007 verboten, in Österreich soll das Produkt bald unter das Arzneimittelgesetz fallen. Die auch als Biodroge bezeichnete Kräutermischung wird in Deutschland dagegen nur als untauglich für den Verzehr deklariert.

Kerstin Jüngling rät aber noch aus einem ganz anderen Grund von Spice ab: Die Kräutermischung wird als Räucherwerk für angenehmen Duft verkauft. Und darin liege das Problem: Da sie nicht zum Rauchen oder Essen, sondern zum Verfeuern hergestellt wird, wisse eben niemand, was genau enthalten ist. ...

Ganzer Text Ganzer Text © dpa[URL=http://portal.gmx.net/de/themen/gesundheit/krankheiten/7066976-Modedroge-Spice-Wirkung-ist-schwer-einzuschaetzen,articleset=5871760,f=mba1.html]gmx


Also Räucherwerk unterm Tannenbaum:weih ja, Rauchen und tief Inhalieren:zigg vielleicht besser nicht. Der Preis scheint mir außerdem mit 30 - 50 € je 3 Gramm unanständig hoch... Und warum sollte man etwas rauchen, von dem man gar nicht weiß, was es ist?

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 45

Wohnort: oldenburg in oldenburg

Beruf: psychologin

  • Nachricht senden

16

Freitag, 28. November 2008, 23:53

Lieber Michael,

mir erzählte in den letzten Tagen eine Kollegin, dass extremes Weihrauchgewedel in der Kirche ihr während des letzten Gottesdienstes erstens fast einen Asthmaanfall beschert hätte und sie sich zweitens zusätzlich völlig benebelt und der Ohnmacht nahe fühlte - dank ihres Mannes sei ihr aber die Flucht ins Freie geglückt!

Glaubst du, dass das auch die Bundesregierung interessiert?

Ich hab mal gehört, dass man Weihrauch auch kauen kann - dann ist die Wirkung noch viel intensiver und man bekommt auch keinen Asthmaanfall, oder?

Ich jedenfalls kann mich an dem guten Geruch meiner Kinder bekiffen, das ist völlig ungefährlich - außer man wird dabei beobachtet und für übergriffig und / oder verrückt erklärt.

LG Sabine
Sabine

Beiträge: 3 448

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

17

Samstag, 29. November 2008, 01:01

Weihrauch

Zitat

Original von Sabine

Ich hab mal gehört, dass man Weihrauch auch kauen kann - dann ist die Wirkung noch viel intensiver und man bekommt auch keinen Asthmaanfall, oder?


Echter Weihrauch hat seit dem Altertum kultische, reinigende, desinfizierende, heiligende, heilende und auch berauschende Wirkung. Daneben wurden zusammen mit Weihrauch auch andere Harze verbrannt, z.B. Myrrhe, ebenfalls ein Heilmittel. Weihrauch wurde nicht nur verbrannt und inhaliert, sondern auch in Wein aufgelöst und als Heilmittel getrunken und zwar schon zu biblischen, alttestamentarischen Zeiten. Mit Weihrauch konnte man auch Salbenauflagen herstellen. Besonders entzündungshemmende Wirkungen schreibt man dem Weihrauch zu. Man hatte auch schon die Idee, dass Weihrauch antiasthmatisch wirkt, doch sind das nur Einzelfallbeobachtungen. Eine pharmakologisch nachweisbare halluzinogene Wirkung ist nicht bekannt, jedoch eine fraglich antidepressive, was vielleicht überhaupt mit dem Wolhlgeruch (wie auch bei Rosenöl und anderen natürlichen Ölen) zusammen hängt, wenn man es mit dem Räuchern nicht übertreibt. Tut man das aber, können andere "toxische" Erscheinungen durch die Rauchgase vielleicht die Sinne vernebeln und Übelkeit auslösen wie auch zu starke Gerüche. Du weißt ja, allein die Dosis bewirkt, ob eine geeignete Substanz Heilmittel oder Gift ist. Das kann auch bedeuten, dass die zu starke Einnahme bzw. das zu intensive Einatmen ätherischer Öle Krämpfe auslösen kann, besonders bei Kleinkindern.

LG, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 448

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

18

Donnerstag, 22. Januar 2009, 23:38

Sieg der Ordnung: nach "Spice"-Spass droht Strafverfolgung.

Zitat

Original von Michael

Bei einer anderen "Modedroge", nämlich der rauchbaren Kräutermischung "Spice", wiehert der Amtsschimmel schon angstvoll aber weiterhin hilflos. Obwohl das reichlich überteuerte Kraut nach Auskunft von Benutzern so gut einfährt und berauscht, wie Gras und nach einem verkehrsmedizinischen Test auch nicht die Konzentrationsleistung und Reaktionsgeschwindigkeit beeinflusst, ist m. E. Vorsicht geboten. Die Inhaltsstoffe sind unzureichend auf Nebenwirkungen z.B. bei Dauergebrauch untersucht und wie das so bei kommerziellen Medikamentenherstellern ist, kann man sich über Reinheit und ökologischer Güte nie ganz sicher sein. Auch ändern sich die Mischungsverhältnisse von Zeit zu Zeit. Und ob es mal ernsthaft Horrortrips oder psychotische Nebenwirkungen gibt, weiss man wohl auch noch nicht so genau. Sicher können auch unangenehme Stimmungen verstärkt werden.


So ist es auch weiterhin: Nichts Genaues weiß man nicht und die Wissenschaftler haben bis auf ein paar isolierte Substanzen aus "Spice" nichts zu bieten. Aber schon hat der Amtsschimmel sich blitzschnell zur rettenden Tat aufgerafft und sein Kontroll- und Strafbedürfnis befriedigt: Spice-Verkäufer und Konsumenten stehen seit heute mit einem Bein im Knast und wissen im Zweifel gar nicht warum. Der Trick: Der Staat vernbietet bestimmte Inhaltsstoffe und ob die in den einzelnen Kräutern wirklich vorhanden sind, kann man nicht von außen sehen. Vermutlich sind sie enthalten, wenn "Spice" berauscht und das ist wohl der springende Punkt: Berauschung ist unerwünscht und muss verboten werden unter dem Vorwand, dass Räusche auf jeden Fall die Gesundheit gefährden.

Der Staat kann schon nichts dazu beitragen, dass unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen angenehmer werden und unser Wohlstand weiter steigt, dass unsere Gesellschaft solidarischer, wärmer und friedlicher wird, dass die Menschen mehr Spass und Freude haben, aber er kann eines: verbieten, was einigen Hedonisten Freude verheißen könnte. Natürlich tut er es nur aus Verantwortungsbewußtsein, rechtfertigten sich der Gesetzgeber und die Kontrollbehörden. Ich glaube, die ewigen Erwachsenen, die nur kratzenden und dumm machenden Alkohol (wie lange noch?), nebenwirkungsreiche "Glückspillen" der Pharmazeuten und stinkende Zigaretten ab 18 Jahren erlauben, verbieten aus Angst. Und Angst ist meistens ein schlechter Lehrer, erst recht, wenn sie die anderen betrifft, die man mittels der Angst einschränken möchte. Aber lest selbst, wie erwachsene Leute von heute gegängelt werden sollen:

Zitat

Zitat [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/gesundheit/krankheiten/7406408-Modedroge-Spice-ist-verboten,page=0.html]dpa[/URL]

[SIZE=3]Modedroge "Spice" wird jetzt verboten[/SIZE]

Berlin (dpa/tmn) - Die Modedroge "Spice" ist von Donnerstag (22.1.) an verboten. Dann sind Handel, Herstellung und Besitz strafbar. Die wichtigsten Fragen zum Verbot von "Spice" im Überblick:


GILT DAS VERBOT FÜR ALLE FORMEN DER KRÄUTERMISCHUNG? Nein. Durch die Eilverordnung wurden fünf Stoffe unter das Betäubungsmittelgesetz gestellt. Enthält das angebotene "Spice" einen dieser Stoffe, dürfe es nicht mehr verkauft werden, erklärte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) in Berlin. Dazu gehörten die Substanzen "JWH-018" und "CP-47,497" sowie damit verbundene.

GIBT ES AB DONNERSTAG KEIN "SPICE" MEHR IN LÄDEN ZU KAUFEN? Sofern die angebotenen Mischungen einen der verbotenen Stoffe enthalten, müssen sie dem Ministerium zufolge entfernt werden. Wenn der Händler sich darüber nicht sicher sei, sollte er besser vorsichtig sein. Hat er "Spice" mit den verbotenen Wirkstoffen im Regal liegen, mache er sich strafbar.

MÜSSEN BESITZER VON "SPICE" IHRE VORRÄTE WEGWERFEN? Vorausgesetzt die Mischung enthält die verbotenen Substanzen, ist dem BMG zufolge auch der reine Besitz strafbar. Das gelte unabhängig davon, ob man "Spice" als Räucherware nutzen will oder zum Konsumieren. Auch hier gilt: Wer nicht sicher ist, was sein "Spice" enthält, sollte sich besser davon trennen.

WELCHE STRAFEN DROHEN BEIM HANDEL ODER BESITZ VON "SPICE"? Wer mit "Spice", das die verbotenen Substanzen enthält, handelt oder es besitzt kann eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bekommen, erläutert das Bundesjustizministerium in Berlin.

Verkauft jemand "Spice" in nicht geringer Menge oder gibt ein Über-21-Jähriger die verbotene Substanz an einen Unter-18-Jährigen ab, drohe eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr.

Nach Paragraf 31a Betäubungsmittelgesetz besteht jedoch die Möglichkeit, von einer Verfolgung abzusehen. Dafür muss es sich um eine geringe Menge der verbotenen Substanz für den Eigenverbrauch handeln, die Schuld des Täters muss gering sein und es darf kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestehen.

Wenn die Ermittlungsbehörden den Verdacht einer Straftat haben, müssten sie aber in jedem Fall erstmal ermitteln, so das Justizministerium. Staatsanwaltschaft oder Gericht könnten das Verfahren einstellen.

Rauschgift zum Taschengeldpreis

Die Modedroge "Spice" wird als Räucherwerk zum Beduften von Räumen verkauft. Entgegen den Empfehlungen auf der Packung rauchen es aber viele. Die erstmals vor etwa zwei Jahren in England aufgetauchte Kräutermischung wird in Drei-Gramm-Tütchen zum Taschengeldpreis zwischen 10 und 30 Euro angeboten und ist auch deshalb bei Jugendlichen besonders beliebt. Die wie Tee aussehende Mischung galt bisher als legale Alternative für Cannabisraucher.

"Spice"-Konsum ist nicht mit herkömmlichen Drogentests nachweisbar. Das Bundeskriminalamt warnt wegen der großen Suchtgefahr vor dem Konsum. In mehreren Ländern wurden Verbotsverfahren eingeleitet.

Quelle [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/gesundheit/krankheiten/7406408-Modedroge-Spice-ist-verboten,page=0.html]dpa[/URL]


Der Staat reagiert, wenn er etwas verbieten will, oft auf Verdacht und schützt Wissenschaftlichkeit meist vor. Wird eine Substanz als Rauschmittel gekennzeichnet, sehen die Gesundheitsritter rot. Und Rauschmittel sind Mittel, die berauschen, was sofort verdächtig ist, aber bei der Menschheit seit dem Altertum immer wieder hoch im Kurs. Bei Medikamenten verfährt der Staat oft anders. Im Fall von "Spice" war es wohl ausreichend, dass ein einzelnes Tierexperiment mit Mäusen darauf hinwies, dass JWH-018, welches in Kräuterbestandteilen von "Spice" isoliert werden konnte, bei Mäusen potenter sein soll, als des Cannabinoid THC.

Würde man diese Vorgehensweise für seriös halten und den Verbraucherschutz über alle Zweifel an allerhöchste Stelle setzen, würde man wohl weniger das sowieso nicht empfohlene "Spice" verbieten, sondern endlich die Schülerdroge Methylphenidat bzw. Ritalin und Konsorten, die es auf BTM-Rezepten gibt, da Rattenexperimente ergeben haben, dass Methylphenidat das erwachsene Rattenhirn reversibel, das vorpubertäre Rattenhirn jedoch dauerhaft verändert und dadurch die Gefahr enorm ansteigt, dass diese Ratten mit veränderten Gehirnen frühzeitig an Parkinson-Symptomen leiden werden.

Hier kommt die gleiche Unaufrichtigkeit zum Tragen, wie sie schon die Argumentation der pharmazeutischen Industrie und ihrer forschenden ärztlichen Lobbyisten kennzeichnet: Nutzen die Studienergebnisse aus Tierexperimenten der Pharmaindustrie, heißt es, dass die Substanz berechtigte Hoffnungen auf große Heilerfolge macht. Stören die Ergebnisse von Tierversuchen wegen schädlicher Nebenwirkungen, argumentiert man umgekehrt: Man könne "das Tiermodell nicht einfach auf die Wirkungsweise beim Menschen übetragen".

John W. Huffman, Research Professor of Chemistry, Clemson University, beantwortete Fragen des Bloggers Pierre Markuse zu einem angeblichen Inhaltsstoff von "Spice":

Zitat

Zitat Pierre Markuse

Spice: JWH-018 - Email von Prof. John W. Huffman

Um mehr über JWH-018 (den in Spice gefundenen Stoff) und dessen evtl. Spätfolgen zu erfahren, habe ich eine Email an den Entwickler von JWH-018 geschickt, Prof. John W. Huffman von der Clemson University.

Ich fragte ihn nach Langzeitwirkungen von JWH-018 sowie weiteren Informationen wie z.B. der Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes beim Rauchen im Vergleich zu THC und der Potenz verglichen mit THC.

Gerade kam seine Antwort, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Email von Prof. John W. Huffman

Mr. Markuse,

I can only supply limited answers to your questions. We have never investigated the long term effects of JWH-018 in animals and other than the anecdotal data from Der Spiegel and assorted blogs that my wife unearthed there are no data regarding its effects in humans. In mice it is considerably more potent than THC as we published almost ten years ago. I don’t have any idea regarding the safety or toxicity of this compound nor any information regarding its bioavailablity. THC is also a CB2 agonist, although with less affinity for the CB2 receptor than JWH-018. I have no idea if 018 is a CB2 agonist or inverse agonist/antagonist. I would note that we have made over 100 cannabimimetic indoles in the last 15 years and jWH-018 is just one of them.
I hope that I have answered your questions satisfactroily.

Regards,

John W. Huffman
Research Professor of Chemistry
Clemson University


Aufgrund einer Anregung in den Kommentaren habe ich die Email auch übersetzt:

Herr Markuse,

ich kann Ihre Fragen nur eingeschränkt beantworten. Wir haben die langfristigen Auswirkungen von JWH-018 bei Tieren nie untersucht und abgesehen von den Einzelberichten aus dem Spiegel und diversen Blogs, die meine Frau aufgestöbert hat, gibt es keine Daten über seine Wirkung beim Menschen. Bei Mäusen ist es wesentlich potenter als THC, wie wir bereits vor zehn Jahren veröffentlicht haben. Ich habe weder eine Ahnung über die Sicherheit oder die Toxizität dieser Substanz noch Informationen über ihre Bioverfügbarkeit. THC ist ebenfalls ein CB2-Agonist, wenn auch mit geringerer Affinität zum CB2-Rezeptor als JWH-018. Ich habe keine Ahnung, ob JHW-018 ein CB2-Agonist oder inverser Agonist / Antagonist ist. Ich möchte darauf hinweisen, dass wir in den letzten 15 Jahren über 100 cannabimimetische Indole hergestellt haben und JWH-018 ist nur eines von ihnen.
Ich hoffe, dass ich Ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet habe.

Grüße,

John W. Huffman
Research Professor of Chemistry
Clemson University


Langzeitfolgen von JWH-018 somit unbekannt

Demnach gibt es keine Studien über die Langzeitwirkungen von JWH-018. Ebenso wurden keine Versuche mit dem Wirkstoff an Menschen durchgeführt.

Bei Mäusen ist die Wirkstärke wesentlich höher, als die von THC. Er kann aber keine Aussagen zur Giftigkeit von JWH-018 machen, auch wie es sich mit der Bioverfügbarkeit nach dem Rauchen verhält, weiß er nicht.

Prof. Huffman hat mir gerade eine weitere Email geschrieben und gebeten, dass ich in meinem Artikel folgendes betone:

Please emphasize that there are no toxicology data for this compound.

Er möchte also betont wissen, dass es keine Daten zur Toxizität der Substanz gibt.

Quelle Pierre Markuse


Die ganze Aufregung geht auf eine Untersuchung der Firma THC-Pharm zurück, die "Spice" analysiert hat. Das war bereits im Dezember 2008:

Zitat

Zitat Steffen Geyer

[SIZE=3]JWH-018 in Spice
Was steht in der Analyse von THC-Pharm[/SIZE]


vom 17.12.2008

Seit am Montag das Drogenreferat der Stadt Frankfurt/ Main auf einer Pressekonferenz verkündete, Spice enthalte das synthetische Cannabinoid JWH-018 überschlagen sich die Medien mit Meldungen über die "gefährliche Substanz". Mitunter wird aus Spice durch die Analyse gar eine "suchtigmachende Designerdroge".

Die Berliner CDU-Fraktion war sich noch nicht einmal zu schade, am Tag nach dem JWH-018-Fund bereits ein Spiceverbot zu fordern. "Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) solle ein Verbot der auch in Berlin legal zu beziehenden Droge prüfen, forderte der gesundheitspolitische Sprecher Mario Czaja am Dienstag." so die Nachrichtenagentur ddp.

In Wirklichkeit weiß niemand, ob der Wirkstoff JWH-018 besonders giftig oder gefährlich ist! Auch über Gewöhnungseffekte, Entzugserscheinungen oder andere Abhängigkeitsindikatoren ist nichts bekannt.

Dazu kommt, dass die wenigsten Journalisten tatsächlich einen Blick in die Analyse des Frankfurter Unternehmens THC-Pharm geworfen haben. Das will ich ändern!

Im Folgenden findest Du Zitate aus dem Schreiben, das THC-Pharm auf der gestrigen Pressekonferenz präsentierte. Da sich die Verbotsdiskussion der kommenden Wochen sicher mehrheitlich auf dieses Dokument beziehen wird, habe ich mich dazu entschlossen, es außerdem als Volltext-PDF zu Verfügung zu stellen.

Dieser Artikel soll Dir die Möglichkeit geben, möglichst gut informiert über die Risiken des Konsums von Spice zu urteilen. Ich will mich mit der Veröffentlichung ausdrücklich weder für noch gegen Spice aussprechen. Auch ich muss erst mehr wissen, bevor ich ein Urteil fällen kann, dass diesen Namen verdient.

Zitat

Aus THC-Pharm "Untersuchung des Handelsproduktes Spice" (PDF)

Untersuchung des Handelsproduktes "Spice"

...
Beauftragt durch das Drogenreferat Frankfurt widmete sich die THC Pharm der Identifizierung der aktiven Ingredienzien.

Cannabinoide

Unter Cannabinoiden versteht man einerseits bestimmte Substanzen aus der Cannabis Pflanze, von denen nur das THC die typische Cannabiswirkung besitzt.
Zum anderen bezeichnet man damit Stoffe, unabhängig von ihrer chemischen Struktur, die wie THC am Cannabinoid Rezeptor (CB-Rezeptor) binden.

In der Arzneimittelforschung wurden seit der Entdeckung des CB-Rezeptors hunderte bis tausende von sogenannten CB-Agonisten synthetisiert. Die überwiegende Mehrzahl wurde nie am Menschen getestet, es ist jedoch offensichtlich, dass die meisten davon auch beim Menschen Cannabiseffekte hervorrufen.
...

Beurteilung

Die gefundene Substanz JWH-018 ist ein CB Rezeptor Agonist mit THC Wirkung und erklärt vollständig die durch Spice hervorgerufenen Effekte. JWH-018 wurde entwickelt in dem Versuch, die Struktur des WIN55,212-2 zu vereinfachen. Es besitzt eine ähnliche Stärke wie THC (im unteren Milligramm Bereich).
Bestimmung des Gehaltes an JWH018 in verschiedenen Spice Proben

Seit der Identifizierung der "Verunreinigung" konnten zwischenzeitlich weitere Proben untersucht werden. Diese wurden auf das Vorhandensein von JWH-018 geprüft, sowie eine ungefähre Quantifizierung vorgenommen.

Probe 1 über das Drogenreferat erhalten. Herkunft unbekannt, Aufschrift "Spice" war negativ (kein Wirkstoff nachweisbar).
Probe 2 bis 7 über Internet, jeweils Doppelproben der Sorten "Spice Gold", "Yucatan Fire" und "Arctic Synergy", von denen alle JWH-018 in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten.

Tabelle - Gehalt von JWH018 in Verschiedenen Spice Proben

Spice Probe Gehalt %
Gold 1------------------------------------------0,5 %
Gold 2------------------------------------------0,2 %
Arctic Synergie 1------------------------------1,7 %
Arctic Synergie 2------------------------------1,8 %
Yukatan Fire 1---------------------------------1,1 %
Yukatan Fire 2---------------------------------1,5 %



Zitiert aus THC-Pharm "Untersuchung des Handelsproduktes Spice" (PDF)

Quelle Steffen Geyer


Der andere in dem Verbot genannte Stoff ist "CP-47,497". Es handelt sich um ein Cannabinoid, das bereits von einer Pharmafirma hergestellt wurde. Offenbar gibt es diesen Stoff auch aus einem Naturprodukt. Damit wurden bisher insgesamt drei verschiedene Cannabinoide in verschiedenen "Spice"-mischungen gefunden. Über CP-47,497 heißt es in [URL=http://de.wikipedia.org/wiki/CP-47,497]Wikipedia[/URL]:

Zitat

Zitat [URL=http://de.wikipedia.org/wiki/CP-47,497]Wikipedia[/URL]

CP 47,497 ist ein Cannabinoid-Rezeptor CB1 Agonist, der in den 1980er Jahren von der Firma Pfizer entwickelt wurde. Die Substanz hat analgetische Wirkungen. CP 47,497 ist ein hochwirksamer CB1-Agonist mit einer Dissoziationskonstanten von 2,1 nMol.

Am 19. Januar 2009 haben Mitarbeiter der Universität Freiburg mitgeteilt, dass „eine chemisch leicht modifizierte Form [„Analogon“] des synthetischen Cannabinoids CP-47,497“ der wirksame Inhaltsstoff der Droge Spice ist.

Als pharmakologisch aktive Substanz wurde CP 47,497 mit Wirkung ab dem 22. Januar 2009 in Deutschland durch Eintragung in die Anlage II des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) als ein verkehrsfähiges, aber nicht verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft. Beschränkt auf ein Jahr ist somit jede Form der unerlaubter Herstellung, Handel und Besitz untersagt.


Ein nicht unerhebliches Problem sowohl für die Genießer von "Spice" wie für die Verbieter ist der immer wieder vorgefundene Befund, dass die auf den "Spice"-Packungen gefundenen Inhaltsbezeichnungen teilweise nicht mit den tatsächlich vorhandenen Kräutern bzw. mit den angegebenen Mischungsverhältnissen übereinstimmen. Solange das so ist, sollte sich jeder, der gerne mit Kräutermedizin und ihren verschiedenen Darreichungsformen experimentiert, lieber auf selbst Gezogenes und Gemischtes verlassen! Ob man Kräuter aber rauchen sollte, würde ich mal in Zweifel ziehen und auch zusätzlich zu bedenken geben, das Kräuter hochaktive Substanzen sein können, die man mit Vorsicht und Respekt anwenden sollte.

Meine persönliche Meinung zu dem modischen Rauchkraut für den Abenteuer-Hedonisten ist die: "Spice" ist irgendein Scheiß, über den niemand was Gescheites weiß mit viel zu hohem Preis! Ich hätte weder Lust, irgendwelche unbekannten Kräuter in einer Zigarette zu inhalieren, in denen Stoffe enthalten sind, die nichtmals die Pharmafirmen, die sie schon entdeckt oder synthetisiert haben, auf den Markt geschmissen haben, um damit Kohle zu machen. Da könnte man auch blauäugig ins Bergwerk Asse zur Salzstockinhaltionskur einfahren. Noch hätte ich Lust, auf den hysterischen Angsttrip der Ordnungshüter aufzuspringen und deren Kontroll- und Bestrafungswahn zu fröhnen.

Das Verbieten und Verfolgen ist ein ebenso verfehlter wie teurer Weg, der Dinge, die der Aufklärung bedürfen und nicht des Verbotes, unnötig interessant macht und über Kriminalisierung einem Schwarzmarkt zuführt, der letztlich nur die Korruption sogar bei den Unterdrückungsorganen fördert. Weder jugendliche noch erwachsene Konsumenten lassen sich von kindischen Verboten schrecken, wenn sie schon so wenig Vernunft haben, nicht irgend ein Zeug zu rauchen. Wer ernst genommen werden möchte, bleibt bei den Tatsachen und klärt auf, ruhig und ohne alle Hysterie, die nur ineffektiven Aktionismus heuchelt, wo in Wirklichkeit blanke Ahnungslosigkeit und Angst bestehen. Auch das ist kindisch.

Wer gesunden Spass ohne Reue haben will und dabei abspacen, Rausch empfinden und seine Glückshormone im Gehirn puschen will, um mit seligem Lächeln auf die Arbeit zu gehen oder mit dem oder der Geliebten ins Bett, der nimmt weder Koks noch Ritalin oder "Spice" und benötigt nichtmals ein Glas Rotwein: Es reicht, täglich eine halbe bis eine Dreiviertelstunde zu joggen und schon wird das Gefühlsbarometer auf heiter bis sonnig eingestellt und zwar von unserem eigenen Körper und dessen Gehirn. Was will man mehr? Fit macht es auch und beugt früher Senilität vor. Und dann gibt es noch Tantra, Chi Gong, Tai Chi und Ikebana. Na, ist das was? Falls das für Euch in Frage kommt, gleich über die Segnungen der Bewegung in diesem Forum unter dem Titel "Sich regen bringt Segen" weiterlesen.

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 448

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

19

Sonntag, 5. Juni 2011, 12:56

Weltweiter Aufruf für neuen internationalen Ansatz in der Drogenpolitik

Zitat

Original von Michael

... Ich möchte Euch mit einer Einschätzung zum Umgang mit Drogengebrauch und dem Repressionsapparat drum herum bekannt machen, die ich im Rahmen einer Psychotherapieausbildung speziell vorallem für Kinderärzte vor über zwanzig Jahren aus dem Vortrag von Prof. Ernst Federn entnommen habe. ... ... er hatte die Absichten und das System offenbar schnell durchschaut. Er legte uns Zuhörern schon damals dar, wie das ganze Unterdrückungssystem zu einer sich selbst erhaltenden, immer korrupteren Maschinerie verkommen konnte, die immer mehr Milliarden verschlingt, ohne die Süchtigen zu heilen oder die Kriminalität zu verhindern. Stattdessen förderte die Prohibition die Illigalität, verknappte und verteuerte den Stoff, der immer mehr manipuliert und zu einer noch tödlicheren Gefahr wurde, dessen Preise das Dealerunwesen und die Beschaffungskriminalität in Schwung brachte und gleichzeitig die Unterdrückungsanstrengungen motivierte und in Schwung hielt. Natürlich war die Polizei auf Informanten angewiesen und schleuste zusätzlich verdeckte Ermittler ein. Die Grenzen zwischen "legal" und "gut" sowie "illegal" und "böse" verschwammen in einer Grauzone, Gelder flossen, Korruption entstand.

Federn stellte die Vermutung an, dass inzwischen beinahe die Hälfte der Weltwirtschaft eine kriminelle Schattenwirtschaft aus illegalen Unternehmungen mit ähnlichen Absichten ist, wie die sogenannte legale Wirtschaft, nämlich Gewinnmaximierung. Nur dass die Geschäftsbereiche hier Waffenschieberei in größtem Stil, Prostitution- und Menschenhandel, Drogenhandel, Medikamentenschmuggel und -fälschungen, wirtschaftliche und politische Korruption, Glücksspiel und natürlich internationale Geldwäsche sind, um das "schwarze Geld" wieder in den "sauberen Kreislauf" einfließen zu lassen. Aber nicht nur die Hälfte der Weltwirtschaft sei schwarz, sondern auch die Entscheidungsgremien und Sicherheitsorgane seien bis zur Hälfte von diesen Schatten betroffen. Die Eliten ganzer Staaten leben von Drogenverkäufen und Supermächte machten sich diese Dinge für ihre Weltpolitik zu nutze.

Federn gab zu bedenken, was alles entbehrlich an Repression würde und welche Ressourcen heilsamen alternativen Projekten für wirklich austiegswillige Drogenabhängige zur Verfügung stünden, wenn man den gesamten infiltrierten, negativ ausgerichteten Überwachungsapparat durch Legalisierung des individuellen Drogengebrauchs bzw. Abschaffung einer Kriminalisierung entbehrlich machen würde. Die Beschaffungskriminalität und damit das Leid, das davon herrührt, einschließlich Prostitution, würde zurückgehen, die Drogenbenutzer müßten sich keine Verleugnungsstrategie mehr zulegen und würden eher für Angebote ansprechbar werden, die bei Wunsch und Bedarf Alternativen aufzeigen könnten. Für Federn war zumindest die Entscheidung klar: auf den verlogenen Kongressen, wie er sie empfand, wo man gescheit über Repression und Therapie reden sollte, da wollte er nicht dabei sein. Für ihn ging das nicht zusammen, der Therapie- und der Repressionsgedanke bei einer Gesellschaft, die von Sucht und Korruption selbst tief zerfressen und somit zutiefst unaufrichtig zu sein scheint. Das klingt wie unsere uralte und doch jetzt wieder moderne Erkenntnis, dass das Phänomen wächst, dem man durch seine Aufmerksamkeit und das Bekämpfen Energie, Nahrung gibt. ...


Inzwischen sind die Gedanken, die ich vor vielen Jahren in diesem Forum nieder geschrieben habe, Teil eines öffentlichen Diskurses. Internetplattformen wie "Avaaz" nehmen sich dieser Diskussion an und verbreiten den oben skizzierten Gedanken in leichter lesbarer Vereinfachung und dafür mit den Verbreitungsmöglichkeiten eines großen, im Internet agierenden Netzwerkes mit globaler Resonanz:

Zitat

Original aus einer Avaaz-Kampagne

Aktualisierung 1. Juni 2011

Unglaublich! In wenigen Tagen erreichten wir unser erstes Ziel von 500.000 Stimmen für ein Ende des Drogenkriegs. Unsere Botschaft wird am Donnerstag 2. Juni persönlich an weltweit führende Staats-und Regierungschefs an einer Pressekonferenz in New York übergeben, und am Freitag, den 3. Juni, direkt an den UNO-Generalsekretär. Ein Live-Zähler wird an prominenter Stelle während dem Ereignis sichtbar sein und die gerade abgegebenen Unterschriften anzeigen -- lassen Sie uns also die Kampagne weiter aufbauen und es weitererzählen.

Beitrag vom 30 Mai 2011

In Kürze können wir endlich Zeuge des Anfangs vom Ende des Krieges gegen die Drogen werden. Dieser teure Krieg ist gänzlich an der Herausforderung gescheitert, die Plage der Drogenabhängigkeit einzudämmen. Stattdessen hat er zahllose Menschenleben gefordert, ganze Gemeinschaften zerstört und Milliarden von Dollar in gewalttätige, organisierte Verbrechernetzwerke fließen lassen.

Experten sind sich darüber einig, dass Regulierung die sinnvollste Strategie ist. Doch die Politiker scheuen sich, auf das Thema einzugehen. In wenigen Tagen wird eine globale Kommission - darunter ehemalige Staatschefs und Außenpolitiker aus der UNO, der EU, den USA, Brasilien, Mexiko und anderen Staaten - das Tabu brechen und öffentlich neue Ansätze fordern, einschließlich der Entkriminalisierung und der Regulierung von Drogen.

Dies könnte ein einmaliger Wendepunkt sein -- wenn genügend von uns ein Ende dieses Wahnsinns fordern. Politiker behaupten zwar, sie würden einsehen, dass der Krieg gegen die Drogen gescheitert ist, doch sei die Gesellschaft noch nicht bereit für eine Alternative. Lassen Sie uns ihnen zeigen, dass wir eine bedachte und humane Politik nicht nur akzeptieren -- sondern verlangen. Klicken Sie auf den Link, unterzeichnen Sie die Petition und sagen Sie es weiter -- wenn wir 1 Million Stimmen sammeln, wird die Petition von der globalen Kommission persönlich an führende Regierungschefs übergeben:

Mehr als 50 Jahre lang hat die derzeitige Drogenpolitik in jeder Hinsicht versagt, doch die öffentliche Debatte hat sich festgefahren, zwischen Angst und Fehlinformationen. Jeder, selbst das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, welches für die Umsetzung dieses Ansatzes verantwortlich ist, stimmt zu. Das Militär und die Polizei einzusetzen, um Drogenfarmen niederzubrennen, Drogenhändler zur Strecke zu bringen und Händler und Süchtige einzusperren ist ein teurer Fehler, der unzähligen Menschen das Leben kostet. Von Afghanistan über Mexiko bis in die USA zerstört der illegale Drogenhandel Staaten auf der ganzen Welt, während Abhängigkeit, Todesfälle wegen Überdosis und HIV/Aids-Infektionen weiter zunehmen.

Indes haben Länder mit einer weniger strikten Gesetzeslage -- wie die Schweiz, Portugal, die Niederlande und Australien -- nicht den explosionsartigen Anstieg des Drogenkonsums beobachten müssen, der von den Befürwortern des Drogenkriegs prophezeit wurde. Stattdessen wurde dort sowohl ein wesentlicher Rückgang von drogenbedingten Verbrechen festgestellt, als auch niedrigere Abhängigkeitsraten und weniger Todesfälle. Diese Länder können sich demnach voll und ganz auf die Bekämpfung von organisierten Verbrechen konzentrieren.

Doch mächtige Lobby-Interessen stehen dem Wandel im Weg. Hierzu zählen das Militär, Strafverfolgungsbehörden und Justizvollzugsanstalten, die alle die Streichung Ihrer Haushaltsgelder fürchten. Und die Politker fürchten sich vor einer Abwahl durch die Bürger, denn sie glauben, dass eine Unterstützung liberaler Ansätze als Schwäche im Bereich der öffentlichen Ordnung und der Sicherheit ausgelegt werden würde. Doch viele ehemalige Minister und Staatschefs haben sich nach dem Verlassen ihrer Ämter für eine Reform ausgesprochen, und Umfragen zufolge wissen Bürger auf der ganzen Welt, dass der gegenwärtige Ansatz katastrophale Folgen hat. Doch die neue Strategie erhält immer mehr Unterstützung, vorallem in den Gebieten, die von dem Drogenkrieg heimgesucht sind.

Wenn es uns gelingt in den nächsten Tagen einen weltweiten Aufschrei zur Unterstützung des mutigen Vorstoßes der globalen Kommission einzuleiten, dann können wir die altbekannten Ausreden für den Status Quo übertönen. Unsere Stimmen halten den Schlüssel zum Wandel -- Unterzeichnen Sie die Petition und erzählen Sie Freunden und Bekannten von der Kampagne:

Gemeinsam haben wir die Möglichkeit, das Schlusskapitel dieses brutalen “Krieges” einzuläuten, der Millionen von Menschenleben zerstört hat. Nur die Weltöffentlichkeit kann bestimmen, ob dieser katastrophalen Politik ein Ende gesetzt wird, oder ob Politiker vor einer Reform zurückscheuen werden. Lassen Sie uns die Bedenken und Befürchtungen der Entscheidungsträger aus dem Weg räumen und sie gemeinsam zur Vernunft bringen.

RESOLUTION

An Ban Ki-Moon und alle Staatschefs:

Bitte beenden Sie den Krieg gegen Drogen und die Prohibition. Stellen Sie Entkriminalisierung, Regulierung, öffentliche Gesundheit und Bildung in den Vordergrund. Diese 50-jährige Strategie ist gescheitert, fördert gewalttätige, organisierte Verbrechernetzwerke, zerstört Leben und kostet Milliarden. Es ist Zeit für einen humanen und wirksamen Ansatz.


Quelle Avaaz


Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)