Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: ganzheitlichesicht.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Beiträge: 3 459

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

1

Samstag, 26. Juli 2014, 00:13

Terror in Gottes Namen: zur Beziehung von Glaube und Gewalt

Ein Mörder ist kein Hindu, kein Jude, kein Buddhist, kein Christ und kein Moslem!

Ein Hindu, Jude, Buddhist, Christ oder Moslem ist kein Mörder und kein Kriegsverbrecher. Mörder und Kriegsverbrecher sind Menschen, Menschen wie Du und ich. Ein Mensch ist fähig, aus niedrigen Beweggründen zu morden. Nicht um zu essen oder sich zu verteidigen, also aus Angst vor dem Verhungern oder vor dem eigenen Tod, sondern aus Gier, Neid, Missgunst, Dünkel, Verachtung, Hass, Ekel und Lust, aus Mordlust und pervertierter sexueller Lust, im Rausch und in der Masse mit kaum vorstellbarer Brutalität. Es sind in der Regel keine Geisteskranken oder psychisch Abartige im üblichen Sinne. Es sind Menschen, wie Du und ich. Das ist nicht nur eine Vermutung von Philosophen und Moraltheologen, es ist inzwischen gut untersucht worden, was die menschliche Spezies, das Individuum, wie den Mob, dazu bringt, Seinesgleichen umzubringen. Anthropologen, Ethnologen, Psychologen, Soziologen, Biologen und Hirnforscher haben sich das genauer angesehen, haben Mörder und Massenmörder untersucht und befragt, Kindersoldaten, Attentäter, Armeeangehörige, Polizisten, Reservisten, religiöse und politische Fanatiker und "ganz normale Leute".

Der Mörder ist auch kein Tier, das jagt oder seine Jungen schützt. Der Mensch ist ein Mensch und der Mörder ist immer Mensch und jeder Mensch hat etwas in sich, das mit etwas Äußerem die Entscheidung zum Mord auslösen und die Fähigkeit zum Töten bestimmen kann. Der Mensch ist ein Raubtier mit einer Zutat, die spezifisch menschlich ist und die in einem tierischen Raubtier nicht vorkommt. Das Böse ist der ständige Begleiter des Menschen, genauso, wie sein Gutes. Das Böse kann der Mensch bis zum Bösartigen steigern. Es wohnt in seinem Gehirn, das nicht nur aber auch "kühle Entscheidungen" trifft. Es wohnt in einem Gehirn, das ein Rechner, ein Sender und Empfänger und eine Drüse ist, ein Gehirn, das Hormone produziert und andere Drüsen anregt, Hormone zu produzieren. Das Gehirn produziert auch Hormone für sich selbst und Botenstoffe, mit denen es sich selbst belohnt. Töten, Morden, Krieg Führen sind Entscheidungen und Taten, die aus neuronalen Reizungen und hormonellen Erregungen resultieren und in einem Erregungskreislauf in neue Erregungen münden und sich im Rausch selbst belohnen, im Blutrausch, im Mordrausch, im "heiligen" Zorn, in einer "Mordswut". Das kann das Gehirn trainieren. Wenn es diese Schwelle überschritten hat, will es wieder und wieder diesen Kick. Dazwischen ist es ganz "normal". Der Denkapparat sucht nach Rechtfertigungen für diese Rauschtaten - und findet sie.

Als der Mensch sich anschickte, nicht mehr nur ein einfaches und dazu noch relativ schwaches Raubtier zu sein, sondern ein intelligentes Wesen mit der Fähigkeit, seine Umgebung zu kontrollieren, seine Mitmenschen, Strategien zu entwickeln, um die Ecke zu denken, Pläne zu schmieden, Macht und Einfluss anzusammeln und Gesellschaften auszubilden, die mehr waren, als ein Rudel, wurde das Gehirn zur Schaltzentrale des Guten und Bösen. Zwar meldete sich in der persönlichen und kulturellen Verfeinerung irgendwann auch mal das Herz, doch das Gehirn konnte entscheiden, die herzlichen Impulse wahrzunehmen und zu befolgen, oder sie zu ignorieren. Der Mensch entwickelte ein religiöses Denken aus seinem Empfinden der Angst und der Schwäche angesichts der gewaltigen Natur mit ihren Unwägbarkeiten und Feinden. Um der Bedrohung Herr zu werden, konnte religiöses Denken hilfreich gegen die Angst vor dem Tod, vor der Natur und dem Anderen, Unbekannten sein, indem es Vorstellungen von Schutz und Stärke und der Möglichkeit magischer Manipulation durch Rituale gegen die Angst produzierte. Die ersten primitiven religiösen Vorstellungen halfen gegen die Angst vor dem Sterben und gegen die Angst vor dem Töten, gegen die Abscheu vor einem Verbrechen. Ein größeres Tier zu töten kostete Überwindung. Im Hormonrausch war es möglich. Doch die Angst forderte Opfer. Es musste geopfert werden, um die Herrin der Tiere zu versöhnen. Und man benötigte einen guten Grund, das Große zu töten.

Schließlich benötigte man gute Gründe, andere Menschen zu töten. Nicht nur einen, der einen angriff und die Jagdbeute streitig machte, sondern eine größere Gruppe, die eine andere Gruppe im Jagdgebiet störte, deren Höhle und Vorräte man haben wollte oder deren Frauen, die man schlachten und essen wollte oder vertreiben und berauben. Die ersten primitiven Kulturen suchten nach einer einigenden Identität und fanden sie bei ihren Ahnen, bei ihren Göttern und ihrer Religion und gegen die Anderen, deren Götter und deren Religion. Die Religionen erklärten, weshalb ihr Volk als auserwähltes Volk vor den anderen erstanden und groß geworden ist und weshalb sie Söhne der Götter, Kinder der Göttin, Menschen waren und die anderen Heiden, Barbaren, Bastarde, Untermenschen. Die ersten Kulturen und Stadtstaaten begegneten einander, handelten miteinander, sprachen miteinander, aber sie führten auch Krieg miteinander und diese Kriege waren nicht selten Ausrottungsfeldzüge. Auch die Räuber begnügten sich nur selten mit dem Raub, sie fanden auch Freude am Töten, Vergewaltigen, Versklaven, Quälen und Opfern. Die primitiven Religionen rechtfertigten das. Sie boten den theologischen und philosophischen Überbau für das Böse: Für das Böse, das man anderen antat. Und für das Gute: Für das Gute, das man für sich reklamierte, das eigene Volk, die eigenen Götter. Diese Religionen ließen Böses zu. Sie spalteten gut und böse und sie dienten der Rechtfertigung.

Es kam eine Zeit, da in einzelnen Menschen das Herz erwachte, das sich nicht länger nur verschließen ließ. Es erwachte immer neu mit jeder Geburt eines Kindes und mit jedem glücklichen Paar, mit jedem Leid einer Mutter und jeder Träne eines traurigen Kindes. Die Religionen entwickelten sich. Sie begnügten sich nicht damit, Instrumente der Herrscher und der Beherrschung zu sein. Auch die Religionen entdeckten ihr Herz mit den Mystikern und den Frommen, mit den Herzensguten und Mitfühlenden. Sie suchten nicht mehr die Macht, sondern die Ursache von Macht. Sie suchten keine einfache, glaubhafte Erklärung, sondern den Anfang und das Ziel und dazwischen den Weg. Sie rangen nicht um den richtigen Gott, sondern mit Gott und mit sich. Sie suchten Gott in der Liebe und in der Liebe Gott. Sie suchten, was mächtiger und ursprünglicher ist, als Macht. Sie schauten in die Herzen und fanden etwas unausprechlich Weiches, Weites und Zartes. Darum entstand der Glaube an das Gute im Menschen, an das Göttliche in Jedem und an das Schöne jenseits des Daseinskampfes. Eine neue Wissenschaft setzte ein und ein Interesse am Anderen und Fremden jenseits des Wunsches, sich dessen Güter anzueignen, dessen Frauen und Länder.

Die Religion wurde ethisch und nicht nur eine Moral, die eingrenzte und ausgrenzte. Sie verfeinerte ihre Kultur. Die Kultur verfeinerte sich und mit ihr ihre Religion. Die Religion verfeinerte sich und mit ihr ihre Kultur. Es entstand die Idee der Möglichkeit eines Friedensreiches und der friedlichen Koexistenz. Reale Paradiese wurden erträumt und Gerechtigkeit wurde ein Anliegen für alle, ebenso Mitgefühl, Mitfreude, Barmherzigkeit, Großherzigkeit, Redlichkeit, Friedfertigkeit, Nächstenliebe, Feindesliebe. Die Religionen fanden zu ihren Höhepunkten, als sie in die Tiefen ihres mystischen Herzens vordrangen, aus denen sich alles verstehen und alles ertragen ließ, sogar Ungerechtigkeit und Tod. Der Mystiker jeder Hochreligion verlor seine Fähigkeit zum Hass, als er seine Glaubenswurzeln in das eigene Herz senkte und die Wurzeln vieler Herzen sich verbanden. Wenn es von nun an Krieg gab - und es gab noch schreckliche - mussten die Menschen wieder auf eine niedere Ebene ihrer Kultur und ihrer Religion sinken, sie mussten sich wieder verrohen lassen, ihre Mystiker Lügen strafen, ihnen die Zungen herausreißen und sie als Ketzer vernichten.

Doch der wahre Moslem ist kein Mörder. Der wahre Jude tötet keinen Anderen. Der wahre Christ versöhnt sich mit dem Feind. Der wahre Buddhist fühlt mit jedem Wesen und der wahre Hindu vermehrt kein schlechtes Karma. Der Mörder ist ein Mensch. Es könnte jeder sein, ein Mensch wie Du und ich. In seiner reifsten Form erreicht der Mensch eine Zivilisation, die keine Tünche mehr ist, sondern ihn von innen ergreift, die in seinem Herzen wurzelt und ihn ganz bekleidet, unabwaschbar und unwiderruflich. Nur Wenige waren bisher berufen. Doch die neue Zeit verlangt es, dass wir wahre Gläubige werden, die an das Gute in uns glauben und dem Bösen einen Platz anbieten, an dem es nicht mehr töten muss, weil es keine Angst hat und weil es dafür keine Belohnung mehr gibt. Dafür müssen wir einen neuen Lohn finden, auch für unser Gehirn. Es gibt ein Glück und ein Wohlbefinden, das aus dem Frieden und aus der Liebe strömt und unser Hormonhirn kann auch davon satt werden. Der gute Kampf muss nicht länger ein Kampf Mensch gegen Mensch sein. Es kann ein Kampf um das menschlich Gute des Menschen sein, dass das Böse nicht mehr als real existierendes Gleichgewicht benötigt, nur noch als Erinnerung. Es gibt noch genügend Schmerz zu bewältigen. So wird doch weiter geboren und auch gestorben, ganz ohne Krieg. So gewinnen wir doch und verlieren auch, auch ohne dass wir rauben und beraubt werden. Die Antworten auf diese Mysterien finden wir nicht auf Schlachtfeldern oder mordlüstern.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 459

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

2

Mittwoch, 14. Januar 2015, 15:35

Das Gute Wecken

Sie beobachteten Jemanden, der in Jerusalem an der Klagemauer betete, in eine Kirche ging, ein Licht zu entzünden und sich die Schuhe auszog, um eine Moschee zu betreten und fragten: "Wen hältst Du für den, der in dieser heiligen Stadt alle an Güte und Gottesfurcht übertrifft, den Juden, den Christen oder den Moslem?" Nach kurzer Besinnung erhielten sie folgende Antwort: "Die Gottesfürchtigen scheuen sich, nur die Gesetze zu befolgen, doch dem Nächsten nicht gerecht zu werden in der Güte, die uns aufträgt: helfe deinem Nächsten, in seiner Weise und seiner Art alle menschliche Furcht und alle göttliche Liebe zu suchen, zu entdecken und brüderlich miteinander zu teilen, ob Muslim, Christ oder Jude!"
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 459

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

3

Mittwoch, 21. Januar 2015, 23:21

Glaube, Liebe, Hoffnung

Es gibt die Auffassung, dass die großen monotheistischen Religionen jeweils einen besonderen eschatologischen Aspekt betonen, der tief in der ontologischen Vision des menschlichen Geistes wurzelt und zweifellos Erbe des göttlichen Funkens ist: das Judentum betone die Hoffnung, das Christentum die Liebe und der Islam den Glauben. Nun frage ich: was ist eine Liebe ohne Hoffnung und Glauben? Was ist Hoffnung ohne Glauben und Liebe und was ist Glaube ohne Liebe und Hoffnung? Sie sind wie Geschwister, die einen Aspekt ihrer Eltern besonders zum Ausdruck bringen und doch stammen sie aus der Gleichen Abkunft und zeugen vom Selben und erfreuen sich gleichrangig der ungeteilten Elternliebe. Und es gäbe diese Kinder nicht, hätte das Leben sie nicht gewollt und der eine Geist das Leben nicht geschaffen und beseelt.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 459

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

4

Samstag, 14. November 2015, 11:52

Wäre die Welt ohne den Islam friedlicher?

Diese Frage wird derzeit so oder ähnlich nicht ganz überraschend gestellt, insbesondere seit dem gestrigen schwarzen Freitag in Paris, (13.11.2015) an dem fast hundertdreißig Menschen von einer Gruppe von Selbstmord-Attentätern mit Kriegswaffen und Sprengstoffgürteln ermordet wurden, die perverser Weise während ihrer Mordtaten auf arabisch den koranischen Lobpreis: "Gott ist groß", skandiert haben sollen. War das eine religiöse Tat? Man darf das bezweifeln. Hier wurde der Name Gottes und der Name einer Religion wie bei einer moralischen Onanie von selbstgerechter Dummheit missbraucht, hier wurde in Wahrheit Blasphemie verübt. Das war anti-islamisch, Gottes böser Widersacher, den wir in uns tragen wie den göttlichen Funken selbst, hat in diesem Moment seine Stimme verstellt und erhoben, um Gott anzuklagen.

Bevor die islamophobe Furcht in Europa, Amerika und Russland irrational aufgrund von Anschlagserien nun auch wieder in westlichen Metropolen und auf Flugzeuge überschnappt, sollte man sich zuerst einigen historischen politischen Fakten zuwenden. Die meisten Opfer von Islamisten waren und sind Muslime überall auf der Welt, besonders aber in Arabien und im nahen Osten. Die meisten Opfer des so genannten "Krieges gegen den Terrorismus" sind islamische Zivilisten und nicht Talibankämpfer und IS-Mörder. Dafür sind die permanenten Luftschläge und Drohnenangriffe seit Jahren nicht selektiv genug. Sie schüren aber Angst und Hass auf den Westen. Ein nicht unerheblicher Teil armer arabischer Kinder und Jugendlicher in Palästina, im Libanon, Jordanien, Ägypten, Libyen, Syrien und im Irak wachsen in Angst und traumatisiert mit dem Terror auf, auch mit Staatsterror. Das vermehrt das Potential der Gewalt.

Wir wissen, dass die westlichen Staaten zum Teil über Jahre und Jahrzehnte massiv und auch mit militärischer und wirtschaftlicher Gewalt in der arabischen und islamischen Welt interveniert haben und wir jedwedem Regime, dass der Politik hier nützlich erschien, Militärgüter überlassen haben, mit denen diese Regime ihre Bevölkerung oder Nachbarstaaten terrorisiert haben. Der Westen trägt eine Mitschuld an den gewalttätigen Verhältnissen in Nahost und in den arabischen Ländern, in denen der Islam als Religion vorherrscht, obwohl es auch eine Jahrhunderte lange Tradition des mehr oder weniger toleranten Nebeneinanders der Religionen gab, aller möglichen christlichen und muslimischen Konfessionen, des Judentum, der Jesiden und der Drusen. Viele islamistische Täter haben sich in europäischen Armutsghettos ein, zwei Generationen nach der Einwanderung ihrer Eltern radikalisiert und diese wie ihre fanatisierten Konvertiten-Kumpanen aus europäischen Wurzeln wurden von unseren alles beschnüffelnden und wissenden Geheimdiensten und Polizeikräften zum Morden und zur Ausbildung in die Kriegsgebiete in Syrien und Irak gelassen und wieder zurück nach Europa. Sie sind Europas Terror-Export und -Import und der beste Beweis dafür, dass die zunehmende polizeiliche Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten keine nennenswerte Sicherheit gegen Terrorismus bringt.

Syrer, Iraker, Afghanen, Libyer, Jemeniten wissen heutzutage in dem allgemeinen Kriegschaos, das der Westen und Russland mit seinem militärischen Eingreifen noch kompliziert hat, manchmal gar nicht, wohin sie fliehen müssen, um keiner Gewalt ausgesetzt zu sein oder gezwungen zu werden, sie anzuwenden. In ihren Wohnsiedlungen passiert täglich das, was bislang vereinzelt in New York, Moskau, London, Madrid und Paris und einigen anderen Orten geschah. Einen Tag vor Paris gab es einen schrecklichen Anschlag im libanesischen Beirut. Auch der Staat Libanon, er viele Flüchtlinge aus Palästina und nun aus den anderen arabischen Kriegsgebieten aufnahm, ist eher ein Opfer als ein Akteur in diesen Konflikten. Und die mittellosen Flüchtlinge, die am Ende aus den aus allen Nähten platzenden Lagern in Nahost und der Türkei schließlich zu uns kommen wollen, sind zuallererst Opfer und keine Speerspitze des Islamismus oder der Kriminalität. Das zeigen Statistiken.

Unsere Gesellschaftsordnung bleibt das stärkere Überlebensmodell, wenn wir an den Werten Demokratie, Toleranz, Freiheit, Trennung von demokratischer Staatsgewalt und religiösen Institutionen, Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit festhalten. Dazu gehört, dass sich unsere Gesellschaft den Schwachen und Armen solidarisch annimmt und nach außen keine wirtschaftliche oder militärische Machtpolitik entfaltet, um andere Gesellschaften auszurauben oder zu dominieren. Die ganze Kriegsrhetorik westlicher Staatsoberhäupter, die Solidarität und gleichzeitig Rache beschwören, ist äußert schädlich. Sie wertet die kriminellen Mörder zu Soldaten auf und soll als Vorwand dienen, Soldaten selbst im Inneren der Demokratien Polizeiarbeit leisten zu lassen und weitere Bürgerrechte zu suspendieren und sei es nur auf Zeit. Die Diskussion darüber, den Bündnisfall für die Nato auszurufen, ist absurd und zeigt nur, wie Politiker mit hektischem Getue und Säbelgerassel Ängste in der Bevölkerung beruhigen wollen. Genau dieses Kalkül und eine mögliche Vertiefung von Gegensätzen in den Gesellschaften der so genannten freien Welt sind das Kalkül von Terroristen wie Machtpolitikern, die den Sinn der Demokratie nicht verstanden haben oder bewusst pervertieren möchten.

Wenn nun aber terroristische Gewalt im Einzelfall bei Mordanschlägen oder als generelles Mittel in kriegerischen Auseinandersetzungen im Rahmen von Bürgerkriegen mit der Berufung auf angebliche religiöse Werte oder Gebote gerechtfertigt wird, sollte man sich dann schnellstmöglich von der Religion abwenden, insbesondere vom Islam, in dessen Namen in letzter Zeit immer wieder Verbrechen durch so genannte Islamisten begangen werden? Die Eingangsfrage, ob die Welt ohne den Islam friedlicher wäre, weil sich Islamisten und ihre Gegner weltweit bekämpfen, lässt sich nicht im Sinne der populistischen Islamophobiker beantworten. Politisierende Phobiker, angstgetriebene Menschen, haben eines gemeinsam, egal mit welcher Religion sie sich schmücken und mit welcher Ideologie sie sich wappnen: sie differenzieren nicht, sondern verallgemeinern, sie diskutieren nicht, sondern schlagen zu, sie suchen keinen Dialog, sondern wollen verurteilen.

Die Frage, ob die Welt ohne eine bestimmte Religion, an der sich die Gemüter erhitzen, friedlicher wäre, ist ja historisch sowieso absurd. Es gibt diese Strömung dann schon und der Versuch, sie zu verbieten oder mit Gewalt auszurotten, ist ja bereits der Keim der Gewalt und des Krieges. Diese Keime sind im Menschen, nicht in einer bestimmten Religion. Religionen, die im Menschen nicht nur ein Geschöpf Gottes mit Willensfreiheit, sondern sogar sein Ebenbild sehen, müssen sich sogar die Frage stellen, ob der Keim der Gewalt und des Bösen nicht in Gott selbst verborgen liegt, denn auch der Teufel soll Gottes Geschöpf sein. Vermutlich würde man sogar feststellen können, dass auch in historischen Zeiten Menschen mit dem Hinweis auf ihre Religion nicht nur Verbrechen begangen und gerechtfertigt haben, sondern auch viel Gutes getan haben, indem sie in ihren religiösen Überzeugungen Antriebe für Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit gefunden haben. Fast jede Religion fordert ihre Gläubigen zur Unterstützung der Armen auf und zu sozialer Gerechtigkeit.

Eine Religion auszumerzen oder von außen zu beenden - wir wissen es aus Ketzerverfolgungen und Kreuzzügen - bedeutet, tödliche Gewalt zu vermehren. So kann es also nicht gehen. Deshalb wäre es absurd, sich eine friedlichere Welt vorzustellen, nachdem man religiöse Überzeugungen und Glaubensvorstellungen verboten und bekämpft hätte und daher gibt es zur Politik der Toleranz innerhalb einer aufgeklärten bürgerlichen Demokratie zunächst keine friedliche Alternative. Auch auf die Frage, ob Religionen im politisch-gesellschaftlichen Raum zur Gewalt verleiten und gewaltsame Konflikte begünstigen, gibt es nur differenzierende Antworten, die der Sache einigermaßen gerecht werden können. Alle Religionen haben einmal relativ klein angefangen und je mehr sie aus dem archaischen Dunkel in die historische Welt des modernen Menschen zur Zeit der ersten nach allgemeingültigen Gesetzen des Humanum forschenden Philosophen vordrangen, desto friedfertiger wurde ihr allgemeiner humanistischer Anspruch, an dem trotz kriegerischer historischer Bilder letztlich auch die verschiedenen hinduistischen Glaubensströmungen und das frühe Judentum arbeiteten und sich messen lassen wollten.

Gerade der zunächst von seinen Zeitgenossen missbilligte und verfolgte Prophet Mohammed sah in seiner Überlieferung, seinem Koran, der der Ausgangspunkt des Islam wurde, eine zu Frieden und Gerechtigkeit aufrufende und einigende fromme Kraft, die Korruption und Ungerechtigkeit in Mekka und die blutige kriegerische Gewalt der arabischen Stämme und Familienclans um Macht und Einfluss beenden helfen sollte. Jüdische, christliche und naturreligiöse Überzeugungen der semitischen Stämme hatten es nicht vermocht, Gier, Eigennutz, Kriegslüsternheit, Gewalt und Raub zu vermindern. Es herrschte das Recht des Stärkeren und eine archaische, kriegerische Tradition, die die eigentlichen Verbrechen und kriminellen Ambitionen mit Blutrache und Loyalität gegenüber den Ahnen, den Patriarchen und Führern verherrlichten und mystifizierten. Mohammed wollte ein Friedensbringer sein und als er von der Mekkanischen Gesellschaft, die ihre Macht, ihren Reichtum und ihre Selbstgerechtigkeit in Gefahr sah, bedroht, verfolgt und bekämpft wurde, begann er sich zu wehren, zweifellos wie ein in die Enge Getriebener angesichts des eigenen Todes mit den grausamen und gewaltsamen Mitteln seiner Zeit.

Vielleicht ist es die Tragik des Islam, dass er von Anfang an wie das frühe Judentum als Religion eines kriegerisch wehrhaften Nomadenstammes durch die ersten kriegerischen Auseinandersetzungen um die Verfolgung Mohammeds und seines Familienclans von Anfang an eine staatspolitische Dimension bekam und den sich entwickelnden oder sogar von Anfang an implizierten Universalitätsanspruch sehr bald mit einem Heer von Soldaten in der arabischen Welt verbreitete und dann darüber hinaus. Das passierte aber auch mit dem als Minderheitenreligion beginnenden äußerst friedfertigen Buddhismus, sobald sich der indische Kaiser Ashoka dieser Religion im Sinne einer Staatsreligion bemächtigte, eine Funktion, die der in sich schillernd unterschiedliche Hinduismus in dieser zentralistischen Form niemals innehatte. Auch dem Christentum als zutiefst pazifistischer und gegen- oder nichtstaatlicher Glaubensrichtung hat es letztlich nichts genützt, als unterdrückte universale Friedensreligion der Armen und aller vom römischen Imperialismus unterdrückter Teilvölker begonnen zu haben. Ein römischer Kaiser, Konstantin, bekehrte sich aus opportunistischen Gründen, führte den ersten Feldzug unter dem Kreuz und machte das Christentum zur Staatsreligion eines Imperators, eines Gewaltherrschers.

Die Religionen erhalten ihre Gewalttätigkeit nicht aus ihrem Streben nach Erkenntnis um das innere Wesen Gottes, nicht aus den Gebeten und Riten, nicht aus der Beschäftigung mit der Grundangst des Menschen vor Tod, Auslöschen, Vergessen, kollektive Demenz. Erst als Einigungs- und Propagandainstrument in den Händen von Herrschern und ihren Vasallen, ihren Anhängern und Sklaven, Truppen und Missionaren entfalten sie ihre tödliche Aggression, ihr eifersüchtiges Gift und ihren angstgegründeten und angstverursachenden Terror. Wenn die so Verführten und Verführer all das Böse in ihnen selbst auf die Anderen und die Fremden projizieren, brechen die angeblichen "Glaubenskriege" los. Auch hier geht es immer nur um das verzweifelt gesuchte Gegengewicht zur Existenzangst einflussreicher Cliquen, die etwas zu verlieren haben, nämlich Macht, Geld und Einfluss. Dieses Gegengewicht finden sie in individuellem oder gemeinschaftlichem Terror ausgehend von Machtgebilden, in die sie auch religiöse Überzeugungen und Organisationen einbinden.

Und selbstverständlich ist jede organisierte Form von "Wahrheit", als die sich Religionen meist konstituieren, anfällig für die Entwicklung von Machtansprüchen und Machtstrukturen und die werden mit den Mitteln der ängstlichen Menschen durch Gewalt und Terror im Geiste oder auch ganz körperlich oder gesellschaftlich entfaltet. Vermutlich tun sie das sogar, weil der Keim einer ernstzunehmenden Religion mit Universalitätsanspruch sogar anarchisch gegen jede Form von Herrschaft des Menschen über den Menschen und gegen jede Anmaßung göttlicher Rechte für Einzelne ausgerichtet ist. Da ist es schon faszinierend, wie es Menschen und ihre Machtcliquen immer wieder hinkriegen, sich zwischen das einfache Volk und Gott zu stellen und in seinem Namen einen Herrschaftsanspruch zu verkünden. Der tiefste Kern einer Religion kann allen, die dorthin noch nicht vordringen konnten oder verweilen, eine "Himmelangst" machen. Nicht umsonst umfasst die Liebe zu Gott eine "Ehrfurcht", die zutiefst erzittern lässt. Diese Berührung verändert unsere Grundfesten.

Auch und gerade, wenn die Ausbildung religiöser Vorstellungen durch die Existenzangst des sich selbst und seiner prekären Lage bewusst werdenden Menschen begründet und gefördert wird, ist die universale Antwort, die der religiöse Mensch finden kann, wenn er sich tief in diese Angst versenkt, in sein Innerstes geht und dort am Ende auf göttlichen Frieden trifft, der ihm die Angst nimmt, eine zutiefst Versöhnliche und Friedfertige, wie uns die Überlieferungen von Mystikern aller Religionen und aller Jahrhunderte bezeugen. In dieser inneren Universalität angekommen sehnen wir uns nach tiefstem Frieden, finden ihn in uns und wollen ihn mit unserer Umgebung teilen, aber ohne ihn jemals aufzuzwingen. Wir strahlen ihn aus und laden dadurch zu dieser Erfahrung ein. Das schützt Selige im Zustand universaler Friedfertigkeit bekanntermaßen nicht vor einem Gewaltschicksal am Ende ihres irdischen Lebens, nicht vor dem Kreuzigungstod Jesu oder dem Pistolenschuss auf Gandhi, dem Messerstich gegen Roger Schutz in Taizé oder eben die unzähligen Anschläge auf das Leben anderer Menschen, die sich zur Friedfertigkeit durchgerungen haben und beispielsweise lieber fliehen, als endlos jede Gewalt mit einer Gegengewalt zu beantworten.

Die Religion, die sich von der Macht der Welt unabhängig macht, die sie am Ende weder negiert noch verehrt, weder nutzt und anstrebt, noch ignoriert, die Dinge sieht, aber nicht in diesen Dingen bleibt, trägt den Keim zur Freiheit, zur inneren Befreiung, zum inneren Aufruhr einer Liebe zu Gott, die den Mitmenschen bedingungslos einschließt. Eine solche Religion lebt im Herzen und lässt sich nicht ausrotten, noch ruft sie dazu auf, andere zu bekämpfen oder auszurotten und sich mit Gewalt eine Vorherrschaft über andere Glaubensvorstellungen und Ideologien zu erstreiten. Sie ist transzendent, nicht von dieser Welt des kulturverbrämten wilden und gleichzeitig angstgesteuerten Tiers im Menschen, aber sie ist in dieser Welt. Sie will weiter mit dem Menschen zu tun haben, wendet sich weder in der Trauer noch im Schmerz ab, sondern zu. Das macht die so bewegten Menschen dem Schöpfer ihres Liebespotentials ähnlich. Dieses kann die Angst besiegen, indem es sie annimmt, integriert und nicht mehr dämonisiert.

Die wahre Religion kennt daher weder "echte Christen" noch "wahre Muslime" oder "gerechte Juden". Sie unterscheidet nicht das Etikett, sondern sucht eine Herzverbindung zu den Freunden der göttlichen Liebe, die bereit sind, dem Schmerz, der Trauer, dem Hass, dem Neid, der Eifersucht und der Bosheit - all den negativen Gefühlen, die wir gerne bei den anderen sehen und bekämpfen wollen, wenn sie uns unerträglich werden - einen Platz und eine Heimat in uns selbst zu geben und sie dort zu befrieden, statt sie durch äußere Gewalttaten zu befriedigen. Diese wahre Religion sucht keinen Anschluss zu einer Macht, zu einem Staat, zu einem Führer, zu einer Ideologie, zu einer äußeren Herrschaftsstruktur. Sie ist selbst im täglich gelebten Leben transzendent. Das macht sie nicht unpraktisch. Im Gegenteil, durch das Ergriffensein von dieser anarchischen Macht strahlt das Paradies, das Reich Gottes durch einzelne Menschen in die reale Welt und macht sie ein wenig wohnlicher, auch wenn viele noch mit Hass und Angst aufeinander eindringen. Wir haben immer noch die Wahl, was wir mit unserer Angst und unseren als negativ empfundenen Gefühlen tun wollen: ausagieren oder in uns befrieden?
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 459

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

5

Dienstag, 17. November 2015, 10:24

Wir müssen uns in Frage stellen, wenn wir überleben wollen

Terroristen und Diktatoren wollen eine demokratische Gesellschaftsordnung in Frage stellen. Sie stellen die Macht ihrer Cliquen, ihres Geldes, ihrer Ideologie oder ihr krankes Bild eines Gottes über alle Menschen. Sie glauben, ein authentisches Bild davon zu haben, was wahre Moral, die richtige Gesellschaftsordnung und die wahre Religion ist. Ihre Führer sind ängstliche Schwindler, machtbesessen, ehrsüchtig, perfide. Sie benutzen junge Leute, die auf der Suche nach Ruhm und Bedeutung in einer Welt voll Rivalität, Angst und Verachtung sind. Sie haben keine Ahnung von der Liebe, aber eine Sehnsucht danach. Sie haben eines mit vielen Kindern dieser Welt gemeinsam: sie fühlten sich nicht erwünscht, nicht willkommen, selbst wenn man ihnen wohlfeiles Geld mit einer Fülle von Ansprüchen hinterher geworfen hat, die aber eines ausdrückten: „Wir wollen dich nicht, wie du bist in deinem kleinen, hilflosen Menschsein. Wir wollen dein Schweigen kaufen, dein Wohlverhalten, dein Vergessen, deinen Ehrgeiz, deine Liebe, alles, was du hast. Was du eigentlich bist, das interessiert uns nicht.“

Wenn wir anders sein wollen, als die, die herrschen und kaufen und verkaufen wollen, wenn wir zu unserem Sein vordringen wollen und von einer Möglichkeit einer liebevollen menschlichen Existenz in einer Welt der Konkurrenz und Rivalität, des Neides, der Eifersucht, des Stolzes, müssen wir uns in Frage stellen können, unsere verblendete Lebensart, den ganzen Schein, den wir um unsere Existenz aufbauen und der Angst unserer Lebens- und Todes-angst ist, unser Misstrauen vor der Kraft der Menschlichkeit und der Liebe. Natürlich haben wir auch das Böse in uns, aber nicht nur. Wir haben eben beides und hier fängt unser inneres Bemühen an, den manche als inneren Kampf zu nennen belieben. Es ist ein Ringen um Klarheit, um Selbsterkenntnis und die Infragestellung gehört dazu. Wenn wir das nicht tun und nicht gewohnt sind, uns selbst Fragen zu stellen, unser Bild vom Selbst und unser Ich in Frage zu stellen, überrascht uns die Angst, der Tod und das Leben immer im falschen Augenblick und immer mit mehr oder weniger schrecklichen Begleitumständen.

In gewisser Weise vollziehen wir immer wieder bis zu unserer „Erleuchtung“, unserem leuchtend und klar Werden eine Kulturgeschichte des Menschseins nach, die wohl mit der Entdeckung des bewussten Fühlens und Denkens und mit der Entwicklung der Sprache begonnen hat. Die Umwelt, die Natur begann uns zu ängstigen, nahm sich in unserem wachsenden Vorstellungsvermögen gewaltig aus und die Naturgewalten mit ihren für unser Leben und das Leben unserer Sippe manchmal katastrophalen Auswirkungen begannen uns einzuschüchtern, denn wir nahmen unser Dasein nicht nur einfach so hin und mit ihm den Tod, sondern wir hielten inne, spürten hinein und witterten hinaus, wurden uns unserer Gefühle und Gedanken bewusst und waren fortan damit beschäftigt, unser Dasein zu sichern und ihm einen hintergründigen Sinn abzugewinnen. Das planmäßige Handeln zeigte Folgen für unser Denken über uns selbst, über unsere Existenz. Wenn wir heute die Folgen von Natur- oder aber Kulturkatastrophen spüren, erschüttert sind und darüber nachdenken, vollziehen wir diesen Menschheitsprozess, der schon einige hunderttausend Jahre anhält, in kürzester Zeit nach.

Für Kulturkatastrophen sind wir Menschen kollektiv selbst verantwortlich. Gemeint sind Kriege und Bürgerkriege, feindselige Auseinandersetzungen also, aber auch die Folgen unseres unbedachten Handels für die Ökologie unserer Lebensgrundlage, unserer Erde, die Folgen unseres Raubbaus und der Klimaveränderung durch unsere Art, Boden, Gewässer und Luft mit unserem Abfall und Emissionen unserer industrialisierten Lebensweise zu verschmutzen. Dieser Prozess hat bereits mit den ersten Hochkulturen begonnen und ist seit der Gründung von militärisch geschützten und global Handel treibenden Imperien anscheinend unumkehrbar geworden, sodass sich die Logik dieser Systeme, die auf Despotismus, Sklaverei und Ausbeutung des Menschen durch Menschen für Güter, Land und Geld beruhen, bis heute in unseren Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen vorfinden und sich jede ernstzunehmende Religion an den Folgen der Entmenschlichung, Entseelung und Entweihung unseres Planeten abarbeitet. Manche Religionen oder aber religiös fehlgeleitete Menschen sehen das Heil, das Paradies auf Erden nur durch Gewalt und Diktatur einer Art zu Glauben und zu Denken gewährleistet, doch fast alle, die selbst in den Kulturkreisen dieser religiösen Überzeugungen aufgewachsen sind und tiefer empfinden, ganz in sich hinein sinken und alle Ohnmacht, Sinnlosigkeit und Verzweiflung, die die existentiellen Fragen in uns auslösen können, in sich selbst spüren und in sich selbst Frieden finden lassen wollen wissen, dass genau das Streben nach Macht und Kontrolle, welches eine nicht angenommene und bewältigte Angst her-vorbringt, die Wurzel des Übels ist und nicht dessen Heilung.

Wenn wir nun heute auf dem Zenit übersatter, dekadenter, räuberisch lebender Wohlstandsgesellschaften von deren dunklen Rändern und aus den schon offensichtlich verwüsteten, verkarsteten, verarmten Regionen der Welt mit terroristischer Gewalt angegriffen und das Leben der arglosen, ihre vermeintliche Freiheit nur konsumierenden Bürger in Frage gestellt und scheinbar sinnlos geopfert und zerstört wird, wäre genau das ein äußeres Signal für uns, genau wegen dieser ausgelösten Existenzängste inne zu halten und die Infragestellung unserer Gesellschaftsordnung, sogar unseres Lebens, die auch ohne Terrorangriffe und Kriege permanent aber unbewusst durch unseren eigenen Lebensstil geschieht, bewusst aufzunehmen und uns selbst zu fragen: Wie und für was wollen wir leben? Wollen wir weiterhin ohne Rücksicht auf die berechtigten Interessen vieler Anderer und auf deren Kosten leben, ohne sie gleichberechtigt an diesem Leben und an den Entscheidungen zu beteiligen? Wie halten wir es selbst mit der Angst und mit der Liebe, mit der Kontrolle und mit der Freiheit, mit dem Selbstbetrug und mit der Wahrheit?

Wenn wir den Terrorismus und den Krieg besiegen wollen, müssen wir uns dem unbewussten Schmarotzer in uns selbst zuwenden, dem Unfrieden und der Herzlosigkeit in unserem Denken, der Lebens- und Todesangst, der Lebensgier, dem Hass, dem Neid, der Eifersucht, der Wut. All diese in uns selbst entstehenden Gefühle sind Hinweise auf unsere ungestillten Bedürfnisse. Sie mögen uns als kleine Kinder, unschuldig geboren und mehr oder weniger gewollt und willkommen wie jeder Mörder und jeder Heiliger, verweigert worden sein, doch selbst als Erwachsene weigern wir uns oft, im Denken träge und im Fühlen lau, die Verantwortung für unsere Gefühle und unsere Bedürfnisse zu übernehmen und reagieren mit Rückzug und Verbitterung oder Aggression und Gewalt, wenn andere unser vermeintliches Recht auf ungezügelte (Ersatz-) Befriedigung nicht stillen. Wir müssen uns selbst und unsere Art, unser Leben zu denken und zu führen, in Frage stellen, um eine Lösung für unser Leben und das Leben aller Menschen in Gemeinschaft auf dieser Erde zu finden, die nicht von Gewaltphantasien und bitterem Trotz durchtränkt ist, sondern von Annahme und Verstehen.

Wenn man sich dem Terrorproblem innerhalb der ja nur scheinbar satten, selbstzufriedenen Industrienationen zuwendet, die ja in sich in unterschiedlichste Gruppen zerfallen sind, die sich beneiden und bekämpfen und wo letztlich doch meist jeder selbst der Nächste ist, auch wenn immer wieder großartige Beispiele von Solidarität, Mitgefühl, Nächstenliebe und Mitfreude uns bewegen und aufrütteln, wenn man sich selbst in dieser Gesellschaft und die Gesellschaft des Reichtums neben krasser Armut, der Verschwendung neben innerer und äußerer Not und der Oberflächlichkeit und Sinnentleertheit neben hochtrabenden religiösen und ethischen Staatsphilosophien und Gesellschaftsentwürfen in Frage stellt, kann man interessantes beobachten und immer wieder neue und tiefere Fragen an die eigene Existenz in und außerhalb dieser Gesellschaft stellen und schließlich zu einem Verstehen kommen, dass nicht von vornherein jedes Handel lähmt, aber unkontrollierte, unreflektierte Reflexhandlungen aus unseren unverdauten negativen Gefühlen und unbefriedigten kindlichen Bedürfnissen vermeidet. Solche Fragen möchte ich im Folgenden ohne Anspruch auf Vollständigkeit sammeln.

Wenn wir uns unsere inzwischen recht heterogenen Einwanderungsgesellschaften in den nach außen hin militärisch und wirtschaftlich potenten Industrienationen anschauen, die aus globalen kriegerischen Verwerfungen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts in die heutige Form fanden und bis heute auf die Ausübung von globaler Dominanz und Ausbeutung nicht verzichtet haben, sehen wir im Kleinen ein komplettes Abbild unserer Welt, die der Ausdruck von Getrenntheit und Kampf, Gegensätzlichkeit und Disharmonie ist. Deshalb finden wir das Gute und das Schlechte, das Hoffnungsvolle und das Bedrohliche aus der Welt der Menschen, aus der gesamten Menschheit in unseren Staaten, in unseren Gemeinden, in unseren Familien, in unseren eigenen Köpfen. Deshalb begegnen wir Anderen mindestens mit latentem oder gar unverhohlenem Misstrauen und schon bei kleinen Anzeichen von Missverständnissen mit Ablehnung und Feindschaft und vergleichen uns und andere ständig auf der Suche nach mehr Energie und Anerkennung oder, wenn wir die schon nicht erhalten, auf der Suche nach Beweisen zur Bestätigung unseres engen, einschränkenden Denkens, das uns so etwas wie Sicherheit im bekannten Elend vermitteln soll.

Und selbst wenn die Ursprungsreligion des sogenannten „Christlichen Abendlandes“ in der ihren heiligen Kerntexten, etwa in den Worten der Bergpredigt und anderen Gleichnissen Jesu aus dem Neuen Testament unsere uneingeschränkte Nächstenliebe als von der Gottesliebe nicht zu trennender Haltung einfordert, wollen wir uns zu diesen Einsichten nicht überwinden. Wir wollen keine Gefangenen besuchen und Bereuenden und Büßenden ihre Taten vergeben, um sie vor Bitterkeit, Verhärtung und Radikalisierung zu bewahren, weil wir Angst haben und den Dünkel, im Grunde unseres Herzens besser zu sein, als ein Gewalttäter oder ein Betrüger. Wir lassen zu, dass junge Leute in den Gefängnissen noch schlimmer werden, als zu dem Zeitpunkt ihrer Verurteilung. Wir wollen Fremde nicht wirklich willkommen heißen und ihnen gleiche Rechte und Chancen gewähren. Wir sehen sie als Konkurrenten, die uns etwas wegnehmen wollen, selbst wenn wir persönlich niemals von einem Fremden übervorteilt, bedroht oder bestohlen worden wären. Wir halten Menschen aus uns fremden Kulturen oder anderen Ländern mit anderen Religionen für weniger kultiviert, weniger gebildet, befürchten, sie seien unmoralischer, unaufrichtiger und werten sie ab und uns auf. Wir teilen die Menschen in wertvollere und weniger wertvolle, in nützliche und unnütze ein und halten die innerlich Abgelehnten auch äußerlich auf Abstand, aber nicht aufgrund individueller Erfahrungen mit einem dieser abgelehnten Menschen, was für diesen einen Fall verständlich wäre, sondern aufgrund abstrakter und gleichwohl irrationaler Verallgemeinerungen in unserem angstgeleiteten Denken.

Wie geht es jungen Leuten heute in unseren westlichen Gesellschaften, solchen, die sich in Deutschland als Deutsche oder in Frankreich und Belgien als Franzosen oder Belgier verstehen und solchen, die in zweiter oder gar dritter Generation von Einwanderern, "Gastarbeitern" und Flüchtlingen aus nach dem Zweiten Weltkrieg in Befreiungs- und Bürgerkriegen untergegangenen Kolonialreichen stammen? Ganz allgemein muss man davon ausgehen, dass Jugendliche nach ihrer Kindheit auch zunehmend nach gesellschaftlicher Anerkennung und Aufmerksamkeit streben und eben auch nach Wirksamkeit. Sie wollen keineswegs nur Geld und Wohlstand, auch wenn Ihnen die Eltern und andere Erwachsene ständig suggerieren, dass dieses und Sicherheit letztlich das einzig Erstrebenswerte sind. Sie wollen wahr-genommen werden, ernstgenommen, sehr viele suchen Aufgaben und Bewährungsproben und natürlich Abenteuer und die Liebe ihres Lebens. Ist in unseren Gesellschaften Platz da-für? Diese Gesellschaften erlauben schon den Kindern aus Angst vor Unfällen im Spielzimmer wie im Autoverkehr und Bedenken wegen der unbekümmerten Spiellust der Kinder diesen allenfalls in Computerspielen eine simulierte Bewegungsfreude und Anregung für die Sinne und wundert sich dann, wenn sie im Klassenzimmer über die Stränge schlagen oder spielsüchtig werden und die Schule drangeben oder ihre sozialen Rivalitäten in Internet-Hetzereien austoben.

Wir Erwachsene laden junge Leute, die sich ernsthafte Sorgen über die Nachteile unseres Lebensstils machen, nicht dazu ein, uns, unsere Art zu denken, unseren Lebensstil zu kritisieren und in Frage zu stellen. Wir bauen darauf, dass wir sie umerziehen und kaufen können oder durch Sanktionen in die Schranken weisen. Wenn sie dann zu Hauf böse werden, wundern wir uns und rufen nach Erziehung, Psychiatrie und am Ende Justiz. Vorher probieren wir es individuell mit Pillen, Medizin, sozialer und therapeutischer Gehirnwäsche. Einige aber wenden sich vermeintlich erlösenden Botschaften aus fundamentalistischen Auslegungen diverser religiöser Überzeugungen zu, die einen großen Markt überschwemmen, weil die Bedürftigkeit der Seele und des Geistes nach irgendeiner Art von ethischer Führung und Sinnhaftigkeit in einer kapitalistischen Welt der Ausbeutung, in der dieser Zweck jedes Mittel heiligt, immer mehr zunimmt. Was wir unseren Jugendlichen mitgegeben haben ist allerdings die armselige Einfachheit des Denkens, die alles auf ein paar Schlagworte reduziert oder auf der anderen Seite die Kapitulation vor der Komplexität, weil unsere Denkfaulheit sich über-fordert fühlt. Am schlimmsten aber ist die Achtlosigkeit und Lieblosigkeit, mit der wir trotz aller „Affenliebe“ und Kontrollzwänge ängstlich unseren Nachwuchs umhegen, ohne ihn wirklich so zu wollen und willkommen zu heißen, wie ein Kind in seiner Seele ist: liebebedürftig, empfänglich, neugierig, lebendig.

Unsere Ethik, die wir vorleben und skandieren, gibt den Jugendlichen in Wirklichkeit nichts, das ihre inneren Bedürfnisse befriedigt und zu allem Überfluss haben sie auch immer seltener die Chance, mit diesen Werten in den Gesellschaften und Wirtschaften, die ihre Eltern ihnen übrig lassen, etwas zu werden, auf das ihre Eltern mit Stolz blicken und das den Jugendlichen die Würde und die Anerkennung vermittelt, nach der sie suchen. Wir sind immer noch eine Welt, in der man fleißig, strebsam, lern- und arbeitswillig sein soll, um Wohlstand und Teilhabe zu erreichen. Aber es gibt immer weniger Ausbildungen, Berufe und Arbeitsplätze, mit denen diese Versprechungen für die überwiegende Mehrheit auf Dauer einzulösen sind. Unsere Gesellschaft erlaubt es sich, immer größere Gruppen der Bevölkerung durch Armutsbedrohung zu marginalisieren und gleichzeitig wird an der Ideologie des unbegrenzten Wirtschaftswachstums (auf wessen Kosten?), des ungetrübten Konsums und an dem Glauben an die eigene Erwerbsarbeit als Motor, Sinn und Existenzgarantie für das eigene Sein und das seiner Familie festgehalten. Wie geht es den von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängten Familien und Jugendlichen? Zunehmend oder auch immer schon benachteiligt sind überproportional häufig kinderreiche Familien, alleinerziehende Eltern – zumeist Frauen – mit Kindern, arme Familien, deren „Ernährer“ von Jobs leben müssen, die ihre Existenz kaum sichert und die in zunehmendem Maße oder zum Teil schon seit Generationen von Sozialhilfe leben, Durchschnittsrentner und eben auch Einwandererfamilien.

Selbst bei den Familien, die es zu bescheidenem Wohlstand, zu einem Auskommen ohne staatliche Wohlfahrtsunterstützung gebracht haben, ob sie aus dem Land stammen, im Land geboren sind oder von Einwanderern abstammen, macht sich ein Mangel an Werten jenseits materieller Grundsicherung und materieller Träume breit. Die Jugendlichen glauben zunächst nicht daran, dass Geld in Form bescheidenen Wohlstandes glücklich macht. Sie suchen Anerkennung in ihren Familien, dann außerhalb in ihren Jugendcliquen und schließlich in der Gesellschaft. Welche Mitwirkungsmöglichkeiten haben sie? Wie können sie auf ihre Existenzängste reagieren, die wir ihnen mit unserem System eingeimpft haben? Sie suchen nach Bestätigung durch Taten, nach erlösenden Aktionen. Früher hat man Jugendliche massenhaft in schwere Arbeits- und Kriegsdienste abschieben können, heute halten wir sie in unserem Bildungssystem unmündig und bedeutungslos fest, sortieren sie nach imaginären Leistungen und von ihnen nicht mitbestimmten Kriterien für das nicht mehr einlösbare Versprechen einer goldenen Zukunft für die Besten, während die Welt ausgebeutet und verschmutzt erkennbar in ihren Angeln ächzt und von Armuts- und Verteilungskriegen bedroht wird. Und den modernen Imperien fällt wie den alten nichts Besseres ein, als die alten Parolen, die alte Moral und den jungen Enttäuschten und Hungrigen fällt nichts anderes ein, als Anpassung oder Rebellion, Heilsideologien, Heilsreligionen oder Unterwerfung, Kampf auf Seiten der Macht oder gegen die Macht. Ob nun die Realität, oder die unterhaltsamen Phantasien aus dieser realen Welt, die als „Tribute von Panem“ oder ähnliche Hollywood-Kassenschlager die Welt an ihrem eigenen kranken Denken unterhalten soll, die Ergebnisse erscheinen am Ende immer wieder wie eine düstere Wiederholung und das schon seit einigen tausend Jahren Menschheitsgeschichte.

Fundamentalistische Heilsbringer aller Couleur haben in solchen Krisenzeiten Hochkonjunktur und sind von ihrem Fazit, das sie sowieso nichts zu verlieren und nur alles zu gewinnen haben, regelrecht besoffen, sodass sie die verrücktesten Visionen eines paradiesischen Jenseits, einer alle kindlichen Bedürfnisse befriedigenden Utopie kreieren, um möglichst viele Anhänger in einen berauschenden kollektiven Selbstmord zu verführen, der ihnen erstrebenswerter zu sein scheint, als das langsame Verfaulen in der Vergessenheit und Ohnmacht eigener individueller und sich dann kollektiv vereinigender Ängste. Sie wollen explodieren und das aber nicht alleine. Sie wollen die angstmachende Welt des ihnen Bekannten, die ihnen scheinbar keine Chancen auf Würde, Bedeutung und Ruhm oder gar Liebe und Frieden einräumt, in ihrem Selbstzerstörungsrausch mitnehmen und dann der heldenhafte, märtyrerhafte Beginn einer nie dagewesenen Utopie sein: Frieden und Liebe, doch das in selbstbewusster Größenüberzeugung, in dem sie sich einer angeblich heiligen Sache weihen und einem pervertierten Gottesbild, das alle ihre und auch unsere Ängste und Schrecknisse beinhaltet.

Was also haben wir unserer Jugend anzubieten? Welche Welt überlassen wir Ihnen? Was ist die Botschaft, die von unserem Leben ausgeht? Haben wir uns immer klaglos angepasst und sind krumm, krank und langweilig geworden, zwar satt aber immer noch ängstlich, frei aber nur an irgendeiner Form von Konsum von Urlaub bis Fernsehen interessiert? Wieviel Zeit widmen wir unserem Nachwuchs? Sind wir offen für Fragen? Lassen wir uns in Frage stellen? Reagieren wir auf offensichtliche Fehler unserer Kinder und Jugendlichen mit Verständnis und Aufmunterung, oder mit Kritik, Kontrolle, Anpassungsforderungen? Sind wir Vorbilder des Glaubens an Menschlichkeit und wohlwollender Gerechtigkeit, sind wir dabei nachdenklich, besonnen und gefühlvoll oder schnell im Urteil, barsch und selbstgerecht? Stimmt unsere Moral noch, leben wir unsere Werte? Was können wir uns in einer Welt knapper werdender Ressourcen und zunehmender Umweltkatastrophen noch erarbeiten? Kann eine Menschheit ökonomisch um jeden Preis wachsen oder muss sie ökologisch radikal umdenken, wenn wir überleben wollen und zwar in einer Kultur und nicht als vertriebene Horden aus Kriegs- und Armutsflüchtlinge, die vor Dürre, Hunger, Durst, Gewalt und Naturkatastrophen weichen müssen. Haben wir ein Gefühl dafür, in einem Boot zu sein, das nicht nur vom Meer bedroht ist, sondern mehr noch von Zwietracht an Bord? Wollen wir gemeinsam einen Hafen finden, oder uns gegenseitig über Bord werfen? Unsere Kinder sind anfangs oft noch mitfühlender, als verbitterte Erwachsene, unsere Jugendlichen würden gern mehr neue Wege gehen, als wir ihnen zutrauen und doch erben sie auch unsere Ängste, Unsicherheiten, inneren Verbote. Wir müssen mit ihnen sprechen, aber anders, als in der alten Form.

Die alte Form ist, dass wir in dieser Generation die Chancen der nächsten Generation schmälern, uns aber über die Unreife und wilde Tatkraft der Jungen bescheren und sie be-grenzen wollen. Was bleibt ihnen anderes übrig, als uns herauszufordern und, wenn sie sich am Ende mit unserem Pessimismus identifizieren, der als Antwort nur repressive Gewalt kennt, sich, das Alte und den Glauben an eine reale Zukunft so in Frage zu stellen, dass ein globales Selbstmordattentat als Fanal zugunsten einer imaginären paradiesischen Utopie bei irgendeinem neuen Gott jenseits des Mammons als einzige Alternative in Frage kommt. Die mächtige oder maßgebliche Generation einer Gesellschaft hat immer schon ihre jungen Re-bellen, Revolutionäre und heutzutage auch Terroristen hervor gebracht. Sie kommen von uns und aus unserer Mitte. Sie bedrohen unsere Werte, an die wir selbst nicht mehr glauben, die wir nur kaufen, verkaufen, konsumieren. Arme jugendliche und auch junge Eliteschüler wollen nicht nur Coca Cola trinken und Ego-Shooter spielen oder via Smartphone mit der Welt kommunizieren. Diese „westlichen Werte“ genügen nicht für ein Leben in Würde und als Antwort auf die globalen Fragen unseres Zusammenlebens und des ökologischen Überlebens. Stellen wir uns radikal in Frage, uns, unsere Haltungen und Werte, um zu überleben, nicht um den all zu simplen Ausweg in irgendeiner Form von kollektivem Selbstmord zu sehen. Jeder kann dazu ein wenig beitragen. Jeder Mensch hat auch das Potential, eine wichtige Aufgabe an Bord des Menschheitsschiffes auf dem Weg durch dass Universum auszufüllen. Wo soll es hingehen? Was ist der Sinn unserer Existenz? Welche Erfahrungen benötigen wir, um zu uns und zueinander zu kommen, um uns wahrzunehmen und uns aneinander zu freuen?
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 459

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

6

Montag, 23. November 2015, 22:37

Wer ein Leben nimmt, zerstört die ganze Welt, wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt

Fast jede und fast jeder kennt diesen Satz aus hebräischer und sogar islamischer Überlieferung. Im Netz lässt sich der Ursprung dieses Satzes und seine Bedeutung aus der Mischna, einem Teil des Talmud, finden:


Quelle

Zitat

"Nur für diesen Zweck wurde der Mensch erschaffen:
Zu lehren, wer eine einzige Seele zerstört,
Zerstört die ganze Welt.
Und wer eine einzige Seele rettet,
Rettet die ganze Welt...
Deshalb kann der Mensch sagen:
Die Welt wurde um meinetwillen erschaffen."

Also, die Version des Babylonischen Talmud, sowie der Einzelausgaben der Mischna liest sich:
"Jeder, der eine Seele aus Israel erhält: es ihm die Schrift anrechnet, als hätte er die ganze Welt erhalten."

In der Version des Jerusalemer Talmuds sind die Worte "aus Israel" ausgelassen und der Spruch bezieht sich damit auf alle Menschen, nicht nur Juden:
"Jeder, der eine Seele erhält: es wird ihm angerechnet, als hätte er die ganze Welt erhalten"

Babylonischer Talmud: kol ham'kajem nefesch achat mijisra'el ma'ale alaw hakatuw ke'ilu kijem olam male.

Jerusalemer Talmud: kol ham'kajem nefesch achat ma'alin alaw ke'ilu kijem olam male.


Ursprünglich ging es um den Schutz jüdischen Lebens, doch auch das Judentum zielte schon bald auf eine universale Bedeutung für alle Menschen und Völker wie dann auch das Christentum und schließlich der Islam. Aus dem Koran solle sich folgende Version ableiten lassen: "Wer aber eines Menschen Leben rettet, der ist wie einer, der ALLER Menschen Leben rettet." (Koran 5,32 nach Wikiquote) So könnten sich diese drei großen monotheistischen Religionen eigentlich im Bewahren des Lebens und der Ablehnung von Mord, Krieg und Gewalt zur Verbreitung oder auch nur zur Behauptung des Glaubens die Hände reichen.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)