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Samstag, 28. Juni 2014, 19:08

Mörderisches vor 100 Jahren, Warnung für heute: Das Attentat von Sarajevo

Vor hundert Jahren, am 28.06.1914, erschoss der 19-jährige serbische Attentäter Gavrilo Princip das Österreichische Thronfolgerpaar. Erzherzog Franz Ferdinand, stolz und seiner Sache sehr sicher, gefährdete trotz vieler Warnungen, die auf eine gefährliche Lage hinwiesen, sich und seine Frau Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg und obwohl bereits eine Bombe auf den Fahrzeugkonvoi geworfen wurde, die er sogar mit der Hand abwehrte, begab er sich nochmals durch die Straßen Sarajevos und fuhr genau vor dem Café vorbei, in das sich der schon zur Aufgabe entschlossene letzte und letztlich erfolgreiche Attentäter einer Gruppe nationalistischer, von Großserbien träumender Verschwörer zurückgezogen hatte. Er erkannte seine späte, unverhoffte Chance und handelte. Alle, die sich letztlich zum Attentat auf einen Repräsentanten des unter den Serben unbeliebten Habsburgerreiches entschlossen hatten, waren selbst zum Tode bereit. Dieser ereilte drei der Verhafteten am Würgegalgen in Sarajevo, drei der zur Tatzeit Minderjährigen, zu langer Haft Verurteilten "verfaulten" im Kerker und starben an Tuberkulose.

Es gab schon seit längerem Kriegstreiber auf allen Seiten. Im vor nicht all zu langer Zeit von osmanischer Vorherrschaft befreiten Serbien, das zu einem Königreich wurde, erwachten nationalistische Gelüste auf ein Großserbien. Überall, wo ein Serbe lebe, solle Serbien sein, also auch in Bosnien-Herzegowina, in Kroatien, Montenegro, Mazedonien, Albanien, Kosovo, in Teilen von Bulgarien, Rumänien und dem damals in der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie befindlichen Ungarn. Mit Verbindungen zur serbischen Regierung operierten Geheimdienstler und Terroristen und planten Provokationen. Aber auch Österreich schürte mit und besetzte Bosnien-Herzegowina. Zwei Balkankriege im Wesentlichen zur Zurückdrängung des Osmanischen Reiches und zur Neuordnung der politischen Landkarte zeigten an, wie unruhig der Balkan geworden war, nachdem das Osmanische Reich als Ordnungsmacht auf dem Rückzug war und zerfiel. Auch andere Nachbarn hatten Gelüste und mussten ihre nationalistischen jungen Leute bei der Stange halten, das zaristische Russland beispielsweise, in dem sich panslawische Strömungen regten.

In dieser Phase gab es in Österreich eine Kriegspartei, die die von nationalistischen Strömungen von innen gefährdete Donaumonarchie mit einem starken Auftreten in einem kriegerischen Konflikt auf dem Balkan stabilisieren wollte. In diese Zeit fiel das Attentat und es gab der Österreichischen Seite die tragische und willkommene Gelegenheit, Serbien mit einer provokanten, unannehmbaren Forderung zu brüskieren und den Krieg nach dieser "Julikrise" am 28.07.1914 leichtfertig vom Zaun zu brechen. Andere alte und mit dem neuen Gift des Nationalismus vollgesogene Reiche stolperten hinterher mitten in das erste große weltweite hoch technisierte Schlachten, das dann als der Erste Weltkrieg in die Geschichte einging, der direkt 17 Millionen Tote forderte und vermutlich durch mittelbare Folgen noch viel mehr. Nachdem Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte, traten Russland als Verbündeter Serbiens an dessen Seite, Deutschland an Österreichs Seite, es folgten Franzosen und Briten an der Seite der von den Deutschen überrannten Belgier, später die Italiener gegen Österreich und die US-Amerikaner gegen die Mittelmächte.

Das Ergebnis kennen wir. Die morschen Monarchien krachten zusammen, Nationalisten traten auf allen Seiten in Aktion, der Waffenstillstand führte mit seinen Bedingungen zu keiner Befriedung und keiner Neuordnung, die Bestand hatte, Revanchismus und Nationalismus radikalisierten sich, die neuen Demokratien waren zu schwach, die wirtschaftlichen und politischen Folgen des Krieges zu heilen, faschistische Bewegungen entstanden in Italien und Deutschland, in Russland verkam die Revolution zu einer blutigen Diktatur, die Sieger versuchten die Besiegten durch Besetzungen und Reparationsforderungen nieder zu halten und schürten über Jahrzehnte Not und Hass, der sich dann in einem noch blutigerem Zweiten Weltkrieg, diesmal angezettelt von dem deutschen Diktator Hitler, dem Führer des Dritten Reiches, austobte.

Was in Sarajevo nach einigen Vorwehen auf dem Balkan begann, war für lange Zeit das Ende von Kultur, Weisheit und Menschlichkeit. Die morschen Monarchien waren keine Kulturträger mehr. Die ersten, mythischen Könige opferten sich für das Land oder wurden geopfert. Später versuchten gute und weise Könige ihre jungen Krieger nur dann in eine Schlacht für das Gute zu führen, wenn es sich nicht vermeiden ließ, es ehrenvoll war und ein Erfolg möglich. Aber das war vermutlich immer mehr ein Mythos als Realität. Jetzt aber rebellierten die jungen Nationalisten gegen die monarchistischen Väter, wetterten gegen ihre Welt und bekämpften sie mit ihren "anarchistischen" Attentaten. Und was machten die Alten, halsstarrig und ihren und den Untergang ihrer Welt fürchtend? Sie opferten ihre Söhne, die ja die Gewalt zunächst freudig begrüßten. Und ihre Frauen und Mütter, noch nicht von der Emanzipation erfasst, dichteten Heldenliedchen und wunderten sich erst, als ihre Kinder hungerten und sie in die Fabriken und aufs Feld mussten, ob das mit dieser Art von Krieg wohl seine Richtigkeit haben konnte. Doch da waren schon die Meisten tot und ganze Landschaften und Städte zerstört und der Hass für Jahrzehnte neu ins blutige Feld gesät.

Und, sind die heutigen Staaten und ihre Regierungen klüger? Sind sie gewarnt und haben sie andere Rezepte? Sie sollten sie haben, denn ihre Waffen sind noch furchtbarer und der Planet ist noch gefährdeter als früher, denn wir haben ihn geplündert, nicht nur in großen Kriegen, sondern auch im Frieden. Ausbeutung ist weiter das Hauptkennzeichen und die Hauptbetätigung der menschlichen Rasse. Gier und Dummheit ist aus den Völkern noch nicht gewichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es den Kalten Krieg zwischen den einstigen Verbündeten und viele heiße Kriege seitdem. Es gibt Gesellschaften in Afrika, im Nahen Osten, auf der Arabischen Halbinsel und in Asien, die haben seit Jahrzehnten keine Sicherheit und keinen Frieden. In Lateinamerika bekämpften sich Jahrzehnte lang Diktaturen und Guerilleros. Japan, China und Russland streiten über Land, jetzt Russland und die Ukraine und mit ihr die Europäische Union und die USA. Das Auftreten der Großsprecher, der kalten und heißen Krieger, ob aus dem Mob der Straße oder aus Regierungskreisen und Präsidentensuiten ähnelt sich, die Argumentationen folgen der gleichen idiotischen Eskalationslogik, wie vor 100 Jahren. Über eines dürfen wir auch heute sicher sein: Dass wir uns nicht darauf verlassen dürfen, dass die Mehrheit der Menschen und die Repräsentanten von deren staatlichen Gebilden Entscheidendes dazu gelernt haben, sodass große Kriege unmöglich sind.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Montag, 28. Juli 2014, 23:25

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg

Heute vor 100 Jahren bekamen die Falken, Kriegstreiber aus Serbien, die ein Großserbien anstrebten und die Kriegspartei der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die den Serben einen Denkzettel verpassen wollten, Oberwasser. Das österreichische Kaiserreich erklärte dem Serbischen Königreich am 28.07.1914 den Krieg. Danach traten infolge bestehender Bündnisse mit Österreich bzw. Serbien Deutschland, Russland, Frankreich und Großbritannien in den Krieg ein und Deutschland marschierte in das neutrale Belgien ein, sodass sich bis zum 8.8. ein großer Europäischer Krieg entwickelte, in den später auch noch Italien, Bulgarien, Rumänien, das Osmanische Reich und die USA eintraten. Durch die kolonialen Besitzungen der Europäer war der Krieg auch ein Kolonialkrieg, der Teile Asiens, Arabiens und Afrikas, aber kaum Südamerika erfasste. Die direkten Folgen waren 10 Millionen tote Soldaten, 7 Millionen tote Zivilisten und 20 Millionen Verwundete. Die direkten Kriegskosten betrugen fast eine Billion Goldmark, was man im Vergleich zum Euro vervier- bzw. verfünffachen müsste. Die Gesamtwirtschaftlichen Folgen waren höher. Die Zahl der Toten als mittelbare Kriegsfolgen stieg in ganz Europa auch noch nach dem Einstellen der Kampfhandlungen durch Hunger und Seuchen wie die "Spanische Grippe" an. Je nach Berechnungen forderte der Erste Weltkrieg 30 Millionen Tote, mit den Seuchen bis zu 50 Millionen Tote. Am Ende standen außerdem wirtschaftlicher Ruin und Inflation sowie ein Friedensvertrag, der durch seine Einseitigkeit die Ursache neuen Unfriedens wurde und als einer der Auslöser des Zweiten Weltkrieges 1939 - 1945 mit noch mehr Toten angesehen wird.
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