Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: ganzheitlichesicht.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Beiträge: 3 462

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

1

Samstag, 21. Juni 2014, 20:32

Solidarität aus dem Inneren der Erde - ein modernes Höhlengleichnis

Mein Kollege hatte am gestrigen Freitag keinen besonders guten Tag, zuviel hatte er sich über Einiges in dieser Woche geärgert. Und mir fiel es schwer mit meiner Erkältung und dröhnendem Schädel all den Sarkasmen zuzuhören. Auch er hatte die Zeitung gelesen, so wie ich schon seit einiger Zeit über das Internet immer die neuesten Informationen über eine gigantische Rettungsaktion aus über 1000 m Tiefe einer Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen abrief, da mich das Thema seltsam faszinierte. Und so sagte er zum glücklichen Ausgang dieser beispiellosen Höhlenrettung des verunglückten Johann Westhausers aus der "Riesending-Schachthöhle": Er würde es dem Mann ja gönnen und es wäre ja auch eine Schweinerei gewesen, den da einfach unten zu lassen, aber mit diesem ungeheuren Einsatz von Geld, Menschen und Material könnte man überall Viele retten, nicht nur einen. Er wollte damit sagen, dass dort, wo ein Wille sei, Vieles möglich werde.

Was mich betrifft, so sehr ich diese Gedankengänge kenne und ihnen auch schon gefolgt bin, überwog die Faszination und tiefes Mitempfinden, seitdem ich von diesem Unglück, bei dem sich der 52-Jährige durch einen herabstürzenden Stein Tage vom Ausgang entfernt einen Schädelbruch mit Hirnblutung ("Schädel-Hirn-Trauma") zuzog, erfahren und es seitdem verfolgt habe. Es begann in der Kindheit und bis ins Erwachsenenalter faszinierten mich Höhlen, Krypten und Bergwerke. Auf den Spuren der schwäbischen Steinzeit-Saga "Rulaman" kroch ich als Kind und Jugendlicher durch Höhlen der Schwäbischen Alb, eine Arbeitsmedizinische Famulatur führte mich 3 Monate ins Gesundheitszentrum von Saarberg und in die Kohlengruben des Unternehmens und noch heute besichtige ich an Urlaubsorten gerne Höhlen und Bergwerke, wenn auch inzwischen am liebsten in geführter Form.

Jenseits meiner bedenkenlosen Sturm- und Drang-Zeit ist nämlich doch schon mal in engen dunklen Schächten ohne Bewegungsfreiheit bange geworden und ich kenne das innere Panikgefühl, das sich ausbreiten kann, wenn man weiß oder glaubt, dass man an einem engen Ort gefangen ist und sich in den nächsten Stunden kaum rühren kann und den Ort nicht einfach verlassen kann, ob in einer Grubenbahn und einem Bergwerk oder auf einem langen Flug. Daher nötigte es mir den allergrößten Respekt ab, dass sich Forscher in meinem Alter über tausend Meter tief und viele Kilometer vom Eingang in enge Höhlen quetschen und Höhlenretter nun sogar in tagelanger Schwerstarbeit unter Eingehen höchster persönlicher Risiken aus Solidarität und Humanität einen der Ihren, mit dem sie die Leidenschaft für diese ungewöhnlichen, geheimnisvollen Orte teilen, bergen und gut versorgt und lebend wieder ans Tageslicht holen.

Ruhm und Geld waren es nicht, die am Ende gut geplant und koordiniert über 700 Menschen aus mindestens fünf angrenzenden Nationen am Höhleneingang zusammen brachten und über 200 unter die Erde, wo sie den Weg präparierten und den Verunglückten in sich abwechselnden Teams tagelang an den Ausgang transportierten. Auch einige Ärzte stießen zu dem Opfer vor und leisteten die notärztliche Versorgung. Nichts davon ist in unserer Welt einfach selbstverständlich. Um dahin und wohlbehalten wieder hinaus zu kommen, wo das Unglück sich ereignete, benötigte man nicht nur Mut, Durchhaltevermögen und musste bestens trainiert sein. Ohne mentale Stärke, absolutem Willen auch bei dem Verunglückten und der Liebe zu dem, was gerade zu tun war, wäre die Kraft, die Übersicht, die Ruhe und Beharrlichkeit und letztlich die Hoffnung und das Vertrauen, dass es gut gehen könnte, nicht aufzubringen gewesen. Keiner geriet in Panik, auch der Verunglückte nicht, dabei wurde erst im Verlauf klarer, dass das Unternehmen glücken konnte und werde. Zu Beginn war der Ausgang alles andere als klar und sicher.

Alle, die da ausharrten, Hilfe holten, Hilfe organisierten und zum Schluss die Aktion zum glücklichen Ende führten haben einschließlich des Geretteten mehr als Mut, Nervenstärke, Teamgeist und Hingabefähigkeit bewiesen und das empfand ich wiederum als beispielhaft. Denn nur so können wir Menschen uns sowohl unserem kollektiven Schicksal und unseren Aufgaben stellen, wie unserem jeweils eigenen und dabei in uns hinein wachsen, in unsere Menschlichkeit und über uns hinaus wachsen, um in den Kontakt mit der Göttlichkeit zu kommen, wie es auch Paulo Coelho in seinem Buch: "Auf dem Jakobsweg" beschreibt, das ich gerade heute zu Ende gelesen habe. Solange wir nicht entdecken, was unser Herz wirklich begehrt und nicht in der Lage sind, seinem Ruf zu folgen, sind wir ein wenig wie lebendig begraben unter unseren Ängsten und unserer Unwissenheit und folgen eher der Gier oder fliehen vor der Angst.

So ähnlich, wie mein Kollege es gemeint hat, als er darauf hinwies, dass ein gewaltiger, einigender Wille die Mittel bereit stellen kann, viel mehr Menschen zu retten, so glaube ich, dass dieses Beispiel, wenn man sich auf das Kernerlebnis einlässt und nicht nur auf eine eher sterile Gerechtigkeitsmathematik, dass wir aus einer solchen Erfahrung des Grabes, des Höllenweges durch hingebende Liebe zu uns selbst und zum Nächsten in einer einigen, herzlichen, das Leben wollenden und herbeisehnenden Handlung von jedem Ausmaß bis zur größten Menschheitsbewegung zur Rettung unseres Planenten vor Ausbeutung und Krieg auferstehen können. Doch diese Begeisterung und Hingabe im Bewusstsein von der Größe der Aufgabe, wir das hier beispielhaft vorgelebt wurde, ist unbedingt nötig und daher ist zu hoffen, dass solche intensiven Erfahrungen internationaler Kameradschaft und Nächstenhilfe, wie sie gerade bei Bergwerksunglücken und Katastrophenhilfe gebraucht und auch erlebt werden, Schule machen.

Tatsächlich haben wir Menschen ja eine Welt geschaffen, in der wir in Gefahr sind, immer mehr zu Zombis zu werden, computer- und geheimdienstüberwacht zwar, aber unlebendig oder nur auf unsere niedrigen Instinkte zurück geworfen ohne Ahnung von unserer großen, gemeinsamen Bestimmung. Wir zerstören unseren Planeten, vergiften Boden und Wasser, ersticken uns mit verpesteter Luft, verändern unser Klima, rufen Naturkatastrophen inzwischen selbst hervor und streiten uns kriegerisch über die noch ausbeutungsfähighen Ressourcen und demnächst schlicht um bestellbares Land und genießbares Wasser. Schon jetzt erzeugen unsere Wirtschafts- und Handelskriege massenhaft Armut, Krankheit und Hunger. Und gibt es Probleme, wissen die kleinen und großen Herrscher und Führer oft nichts anderes als den blutigen Kampf und Krieg gegen Menschen, die sich gerade in der gleichen Situation befinden. Das ist oft an Absurdität nicht zu überbieten. Und wie oft wurden internationale Sportereignisse wie Olympiaden und Fußballweltmeisterschaften zum Anlass genommen, über friedliche Koexistenz bei sportlicher Rivalität in fairen Wettkämpfen zu sprechen. Machen wir ernst damit und bleiben fair und friedlich, auch wenn unsere Mannschaft verliert und freuen wir uns mit anderen!

Es ist ein Geist wie bei der Rettungsaktion in dieser "Riesending-Schachthöhle" notwendig, wenn wir gemeinsam ans Licht wollen und leben. Bei der Rettungsaktion dieser Vielen kam wie durch ein Wunder kein weiterer Mensch zu Schaden und der Verunglückte wurde gerettet und wird wohl ganz genesen. Ein solches "Wunder" ist auch auf die Energie der begeistert und kameradschaftlich helfenden Menschen zurück zu führen, die trotzdem sie Spezialisten und zum Teil extreme Individualisten sind, zu einem absolut gemeinsamen, koordinierten Handeln zusammen finden konnten. Nicht mehr und nicht weniger benötigen wir für unsere Welt. Geld darf keine Rolle mehr spielen. Wo unser Herz ist, ist unser Schatz. Im Kleinen gelingt es schon, doch war es mehr, als eine Kleinigkeit, wenn 700 Menschen sich für einen zusammentun, weil er zu ihnen gehört. Auf unserem Raumschiff Erde gehören wir alle zusammen und wir sollten Wege finden, diese Wahrheit friedlich miteinander zu leben. Im Schoß von Mutter Erde könnten wir ein gemeinsames Bewusstsein lernen, zumal wir auch im Grunde ähnliche Ansichten vom Himmel haben.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

Beiträge: 3 462

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

  • Nachricht senden

2

Sonntag, 13. Juli 2014, 13:31

Heilung von Innen

Der aus dem Inneren der Erde, der von ihm mit entdeckten Schachthöhle aus über 1000 Meter Tiefe gerettete Höhlenforscher erholte sich schnell auf der Intensivstation von seinen Schädelbrüchen und der damit einhergehenden Blutung und war bald so munter, dass er vom Krankenbett mit noch etwas beeinträchtigter Sprache eine Grußbotschaft an seine Retter per Video senden konnte. Nach einer weiteren relativ kurzen Genesungsphase nach einem Schädelhirntrauma konnte er die Intensivstation verlassen. Die Ärzte bezeichneten es wenn nicht als Wunder so doch wunderbar, dass der Mann als über Fünfzigjähriger nach Tagen des Eingeschlossenseins in der Höhle, tiefer Bewusstlosigkeit und zunächst ohne medizinische Versorgung die ebenfalls hochkomplizierte Rettung über weitere Tage mit eingeschränkten medizinischen Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten so gut überstanden hat.

Es gibt mehrere Faktoren, die zu der wunderbaren Überlebensfähigkeit und zur Selbstheilung beigetragen haben. Manche sind auch medizinisch begründbar bzw. glaubwürdig. Der gut trainierte Forscher war in guter körperlicher, geistiger und psychischer Verfassung. Er behielt Ruhe und Hoffnung und konnte von der Mitmenschlichen Zuwendung und der extrem aufwändigen professionellen Hilfe bei der Rettung profitieren und auch mithelfen. Die Bedingungen waren für ihn Schädel-Hirn-Verletzten eigentlich optimal und als Höhlenforscher war er an diese besonderen Bedingungen und das Leben mehrere Tage ohne Tageslicht in engen, glitschigen und nassen Löchern schon gewöhnt. Sie beunruhigten ihn nicht. Eine kühle, gleichmäßige Temperatur und Reizabschirmung sowie viel Ruhe sind für ein verletztes Gehirn optimale Erholungsbedingungen.

Möglichst wenig zu tun und das, was getan werden muss, sanft zu tun sowie mit beruhigenden Zuspruch bei aufmerksamer Beobachtung ist Teil des berühmten "minimal handling", das als Behandlungsmaxime in den Achtziger Jahren auf den Frühgeborenen-Intensivstationen auch der High-Tech-Medizin in der Neonatologie Einzug hielt. Die hoch sensiblen und durch Hirnblutungen gefährdeten und oftmals daran erkrankten extrem unreifen und untergewichtigen Frühgeborenen benötigten viel Ruhe, Reizabschirmung und wenig Manipulation bei gleichzeitiger liebevoller persönlicher Präsenz seiner Pfleger bzw. Eltern. Auch in der traumatologischen Intensivmedizin weiß man, dass zu bestimmten Zeiten der Regeneration und Heilung sehr viel Ruhe, wenig Reize und wenig Eingriffe hilfreicher sein können, als polypragmatisches und dadurch stressintensives Behandeln.

Von der Ruhe profitieren Körper, Seele und Geist gleichermaßen. Psychologische Faktoren bestimmen eben doch ganz entscheidend die immunologische Abwehrlage, die körperlichen Selbstheilungskräfte, die Energierückgewinnung des Organismus durch Energieeinsparung und Verdauung und die seelische Traumaverarbeitung. Der Mensch befindet sich mit seinem Körper und seiner Seele in einer tiefen Krise. Sie zur Heilungskrise mit gutem Ausgang werden zu lassen ist eine Kunst, die durch innere und äußere Ruhe sehr mitbestimmt wird und durch Liebe zu sich selbst und bei der Betreuung des Patienten. Dann geschieht das Wunder, dass der Körper selbst schwerste Wunden und chirurgische Eingriffe überstehen und heilen kann.

Die medizinischen Erkenntnisse über die Physiologie und Endokrinologie (Hormonstoffwechsel) des Organismus in Stresssituationen und Erkenntnisse der Körperpsychotherapie, wie sie uns etwa Gerda Boyesen mit ihrer Arbeit zur biodynamischen Psychologie hinterließ, geben immer mehr gemeinsame Verständnisgrundlagen dafür, wie ein Organismus mit extremen Reizen, zu denen auch Traumata gehören, umgeht, wie er sie übersteht, die schädigenden Folgen und Energien abbaut, den Stress "verdaut" und in eine Phase der Entspannung, Erholung und Wiederherstellung (vasomotorischer Zyklus des parasympathischen Nervensystems) überleitet. Die vollständigen Abläufe benötigen ihre Zeit, benötigen Ruhe, Einkehr, Sammlung und das manchmal über mehrere Stationen und Phasen.

All das scheint bei dem Höhlenforscher nach seiner Kopfverletzung in der "Riesending-Schachthöhle" sehr gut funktioniert zu haben und sollte modellhaft für jedes medizinische Handeln in Notfallsituationen sein: Es zwar manchmal nötig, schnell das Richtige zu tun, Vieles muss man aber auch einfach erstmal beobachten und unterlassen, um dem Organismus weiteren Stress zu ersparen: Übersicht, Ruhe, behutsames, freundliches, liebevolles, achtsames Handeln und die Selbstheilungskräfte auf körperlicher, psychischer und mentaler Ebene unterstützen. Die richtigen Worte zur richtigen Zeit mögen genauso hilfreich sein, wir das Unterlassen von irritierenden Botschaften, die nur aus der Angst und mangelhaften Übersicht resultieren und den Kranken ängstigen oder verwirren können.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)