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Freitag, 10. Januar 2014, 23:40

Geschichten für die Seele

Ich habe bereits in diesem Forum über "Eine Minute Unsinn - Weisheitsgeschichten", zusammen gestellt von dem früh verstorbenen indischen Jesuiten-Pater Anthony de Mello (1931-1987), berichtet. Anthony de Mello hat Weisheitstraditionen aus seiner doch recht bunten, aus vielen geistigen Traditionen schöpfenden Heimat gesammelt und sozusagen im Sinne seiner christlichen Nächstenliebe international weiter gereicht und somit vielleicht ein wenig die Missionsrichtung umgedreht, von außen nach innen und von Osten nach Westen. Das indische Goa, seine Heimat, war dafür wie prädestiniert, denn hier fand sich ein früher multikultureller Schmelztiegel. Hinduistische, buddhistische, muslimische und christliche Strömungen fanden in dieser reichen Küstenregion mit seiner natürlichen Hafenbucht zusammen und die jesuitischen Missionare, die mit den Portugiesen an dieser Küste landeten, breiteten sich in dieser kleinen portugiesischen Kolonie, die bis 1955 bestand, aus und begannen unter Franz Xaver (eigentlich Francisco de Xavier) ihre Asienmission von Indien bis nach China, zu den Philippinen und nach Japan. Disziplinierte und kreative jesuitische Gelehrsamkeit und franziskanisches Armutsideal trafen auf eine reiche, auch schon multikulturelle indische Tradition.

Anthony de Mello wuchs in diesen Traditionen auf und wünschte sich schon als Kind und Schüler einer Jesuitenschule, in diesen Orden einzutreten. Als Buchautor und Weisheitslehrer äußerte er sich weniger in großen theologischen Schriften, sondern in vergleichsweise kurzen Weisheitsgeschichten und Aussprüchen, eine typische Erzähl- und Literaturform des Orients, in der ähnlich wie in den westlichen Märchen und Fabeln pointiert menschliche Erfahrung und sie reflektierende Weisheit seit Jahrtausenden vermittelt wird. So sind übrigens auch von Jesus von Nazareth selbst vor allem Gleichnisse, Spruchweisheiten und Aussprüche als Vermächtnis überliefert worden und ausdrücklich wollte der so überlieferte Jesus keine neue Religion entwerfen und auch kein irdisches Glaubensimperium, sondern die Worte der Schrift, gemeint war das ursprünglich jüdische "Alte Testament", "erfüllen". So ähnlich verstehen sich die Aussprüche, Geschichten und Zitatensammlungen de Mello's, die so auch in der modernen Welt unterschiedlichste Menschen allen Glaubens und jeglicher Herkunft ansprachen und noch heute ansprechen, sogar hinduistisch und buddhistisch inspirierte Yogis, wie ich der Rezeption einer Yoga-Schule entnehmen konnte. Die Geschichten, die Anthony de Mello erzählt, geben seine einfache, klare Denkweise, die nicht im Widerspruch zum Herzen steht, trefflich wieder. Dabei war er meist fröhlich, heiter und gelassen und gleichzeitig begeisterungsfähig. Er war dabei eher ein einfacher "Arbeiter im Weinberg des Herren", dem an theologischem Ruhm für eigene umwerfende Gedanken nicht gelegen war. Er wollte eine heitere, friedvolle, lebenspraktische Lehre von einem einfachen Glauben an die Menschlichkeit und wusste darum, dass nicht große und komplizierte Sätze und Weisheitsworte das Herz berühren, sondern die Energie, die zwischen oder hinter diesen Worten steht, mit ihnen transportiert wird und sich erst im Hörenden und mit dem Herzen Verstehenden nach einer Zeit der Versenkung des Nachsinnens selbst potenziert. Das Wort Gottes ist daher niemals eine schriftliche Zeile und niemals die wörtliche Rezitation einer heiligen Schrift. Das wissen die Mystiker aller Schulen und aller Religionen und dieses Wissen und Empfinden vereint sie.

Ich glaube heute an die Religion der guten Gedanken, Worte und Taten, die sich selbst erzieht und in sich selbst versenkt und aus einem tiefen Empfinden empor steigt und es vermag, Brücken zu anderen Menschen zu schlagen, ohne sie zu erobern, zu dominieren, zu verändern, zu bekehren. Das Berührende ergibt sich von selbst durch den, der berührt und den, der sich berühren lässt, allein, weil der Berührte es zulässt und nicht, weil der Berührende es will und weil es ein wechselseitiges Tasten ist, das zu ungestüme Neugier in liebevollen Respekt verwandelt. In den meisten Religionen haben Menschen zu aller Zeit die Ahnung entwickelt, das Menschen reinen, offenen Herzens Erlösung, Erleuchtung, Verwirklichung, eben das erlangen, was als Heil angesehen wird, unabhängig von ihrem spezifischen Glauben. Es gibt zwar die Auffassung, dass ein solcher guter Mensch, sobald er die "gute" oder "frohe Botschaft" ("Evangelium") der "richtigen Religion" (z.B. Katholizismus oder Islam) vernommen hat, auch zum "richtigen Glauben" übertreten muss, um in der "Wahrheit" zu leben und gerettet zu werden, doch stimmen nicht alle bedeutsamen "Religionsführer" darin überein. So hält es der derzeitige XIV. Dalai Lama Tendzin Gyatsho, Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, für verdienstvoller, wenn sich Gläubige einer Religion nach ihrem Glaubenssystem um vollkommene Menschlichkeit bemühen, statt aus möglicherweise opportunistischen Gründen ohne sorgfältigste Prüfung zu einer anderen Religion, z.B. dem Buddhismus zu konvertieren. Das "Gute", das diese Menschen verwirklichen, strahlt aus ihnen heraus, es überstrahlt sie. Sie sind in der Regel von fröhlicher, freundlicher, friedlicher Grundstimmung, versöhnlich, begeisterungsfähig, bescheiden und dabei vor allem auch humorvoll. Der Humor, den sie verwirklichen, bezieht sich selbst mit ein. Sie können über sich selbst lachen. Sie werden nicht dadurch weniger, dass sie sich selbst, ihr "Ich", nicht so wichtig und ernst nehmen.

Dieser geistige Humor, den ich in den Weisheitsschriften und Erzählungen des Ostens und des Westens und aller Religionen gefunden habe, hat mich immer angesprochen. Er ist dem Humor eigener Träume verwandt, die mit kräftigen, zum Teil grotesken Bildern von einer inneren Wirklichkeit und einer verborgenen Wahrheit künden können. Dem Verstand sind die Botschaften oft nicht ohne Weiteres zugänglich. Es wird diese besondere Qualität der Herzsicht benötigt. Herzhafter Humor führt zu herzlichem Lachen. Um de Mello zu zitieren: "Kann etwas wirklich wahr sein, wenn niemand darüber lacht?" Die Wahrheit hat gut lachen und lacht mit. Sie ist so beschaffen, dass sie von der Lüge nicht beleidigt, sondern nur besser heraus gestellt werden kann. Wahrer Geist lässt sich keinen "heiligen Ernst" verordnen, in dem das erlöste Lächeln und das heitere Lachen keinen Raum mehr findet. Das kann Dogmatiker des Ernstes und der Würde aufregen. Den heiteren Weisen amüsiert es. Das Lachen und der Humor bringt alles in Gefahr, nur nicht die Wahrheit und das Herz. Deshalb zitterten Könige vor den Narren und deshalb fürchteten sich Hohepriester und ihre Kirchen und Religionen vor dem Lachen und dem Humor, so wir es Umberto Eco in seinem mittelalterlichen Kloster-Roman "Der Name der Rose" erzählte. Und so konnten auch die ersten menschlichen Götter fluchen, lachen, lieben und Geschichten erzählen.

Mich haben Geschichten angerührt und überzeugt, nicht heilige Schriften, obwohl ich mich mit vielen beschäftigt habe und davon inspirieren ließ. Die meisten "Heiligen Bücher" sind als Ganzes zu lang, zu streng, zu geschichtlich, zu langweilig. Nur durch die einzelnen Geschichten darin und zwischen den Worten findet man durch das Wortgestrüpp zu den Wahrheiten. Bei den kurzen Geschichten ist der Zugang in das Herz unter Umgehung des Verstandes direkter. Selbst Menschen anderer Kulturkreise verstehen die meisten kurzen Geschichten intuitiv schneller und besser, als theologische Traktate und lange mythologische Abhandlungen. Ich hätte zur Spiritualität und Weisheit islamischer Gelehrter niemals einen Zugang gefunden, wenn ich die Übersetzungen des Koran ins Deutsche dazu herangezogen hätte. Erst die Sufi-Geschichten von Idries Shah und seiner Nachahmer, z. B. Nossrat Peseschkian, Letzterer ein Psychiater und Psychotherapeut, brachten mir den esoterischen Islam der Sufi näher, den Einzigen, den ich mit Herz und Hirn verstehen kann. Genauso verhält es sich mit dem Judentum, dessen mystische Wurzeln mir aus den esoterischen Auffassungen der Kabbala und dem davon beeinflussten Chassidismus näher gebracht wurden und zwar zunächst ausschließlich in der Form der jiddischen Weisheitserzählungen, die so humorvoll und menschlich waren, dass sie Lachen und Weinen gleichzeitig hervorzuzaubern vermochten. Der Chassidismus wiederum brachte mich auf Martin Buber und seine Philosophie vom dialogischen Menschen, die sich wieder mit den Theorien von Sigmund Freuds Psychoanalyse verbinden lassen. Tatsächlich studierte Anthony de Mello auch Philosophie, Theologie und Psychologie, auch eine Ausbildung, die ich als geistesverwandt zu der Meinen empfinde. Geradezu therapeutisch wirkten für mich die chassidischen Geschichten in Elie Wiesels Buch "Geschichten gegen die Melancholie - die Weiheit chassidischer Meister"! Und als ich in der 5. und 6. Klasse auf eine Jesuitenschule ging, haben mich auch Geschichten, die Pater Abel vorlas, inspiriert und für das jesuitische Denken eingenommen. Später waren es die Schriften des jesuitischen Wissenschaftlers Teilhard de Chardin, für den die Evolution nicht mehr im Gegensatz zum Gott der Bibel stand.

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen zusammen wachsen. Die Globalisierung bewirkt auch ein globales Bewusstsein. Gleichzeitig ist es wichtig, neben unseren ähnlichen Gefühlen und Bedürfnissen auch unsere Vielgestaltigkeit und Vielfältigkeit zu begreifen. Wir sind uns ähnlich und auch verschieden. Geschichten vermögen das zu vermitteln. Wir erzählen ständig Geschichten über uns und Andere. Dahinter gilt es die Wahrheit über uns zu entdecken. Heutzutage bevorzuge ich keine bestimmte Religion mehr, sondern bewundere die Schönheit des menschlichen Geistes, wenn er von der Liebe für die Menschen und die Schöpfung berührt ist. Eine Weisheit, die dies gelernt hat und dies auch zum Ausdruck bringt, scheint mir am Geeignetsten, um diese Essenz zu empfangen und weiter zu geben, wieder in Form von Geschichten. Auch der berühmte indische Weisheitslehrer Jiddu Krishnamurti machte in seinen einfachen, intelligenten, aus der unmittelbaren Anschauung genommenen Vorträgen von Geschichten und Gleichnissen Gebrauch. Weisheit ist eine durchaus ernstzunehmende Haltung, die Humor verträgt und Unwissenheit nicht mit Besserwissen bekämpft. Sie möchte niemals einem Menschen oder anderen Wesen schaden und ergibt und verschreibt sich keinem Fanatismus und keinem Fundamentalismus. Frauen und Männer haben gleichermaßen Zugang zur Weisheit des Herzens, die niemanden ausschließt. Daher ziehe ich es vor, Weisheitsgeschichten zu lesen und zu hören und zu erzählen, um weise zu werden und nicht religiös, um zu berühren und nicht zu überzeugen oder gar zu übertölpeln, um zur Heilung bei zu tragen und nicht um darüber zu predigen, was gesund und was krank ist, um zu lernen und nicht, um zu wissen. "Weisheit kann erlernt, aber nicht unterrichtet werden".

Früher gab es noch keine Psychotherapeuten im eigentlichen Sinne. Die Ärzte der Seele wahren weise Frauen und Männer, weise durch Erfahrung und Lebenskunst, die Geschichten erzählten, Fabeln, Parabeln, Märchen. Die Wissenschaft vom Leben stand gleichauf mit der Wissenschaft der Schriften. Die kleinen Erzählungen, die diese Weisheit tradierte, mussten nicht aufgeschrieben werden. Später hat man sie dann gesammelt. Die Weisheitsgeschichten gibt es in allen kulturellen und religiösen Traditionen und zum Teil gleicht sich manche Sufi-Geschichte fast auf ein Haar mit einer rabbinischen Geschichte oder einer Erzählung aus einem christlichen Kloster. Die Lehrer und Meister, wie weisen Frauen und Erzählerinnen, die ihre Hörer und Hörerinnen auf Plätzen, in Klöstern, Versammlungshallen, Palästen und an Krankenbetten, in Poststationen und Karawansereien unterhielten und aufmunterten, und deren Geschichten ich im Folgenden wiedergeben oder neu erfinden werde sind ganz verschiedene Menschen gewesen: christliche Mönche, buddhistische Lehrer, Zen-Meister, Sufi-Meister, Rabbiner, Mystiker, Priesterinnen aus allen Jahrhunderten und Kulturen. Heute werden die Geschichten wieder gezielt zur Seelenheilkunde verwendet und erzählt, z.B. vom erwähnten Nossrat Peseschkian. Und bis heute erläutern Gelehrte und Theologen mit Weisheitsgeschichten, die schon vor über tausend Jahren Lebenshilfe gaben, etwas vom Wesen des Menschseins: Es ist das Zuhören können. Unsere Augen und Ohren warten noch heute auf gute Geschichten. Diese Geschichten laden uns ein, sie in unserer Seele nachzuvollziehen und das heraus zu spüren, was noch heute zu uns sprechen kann, um uns erhabenen Trost und weisen Rat zu geben. Ab und zu will ich ein paar davon erzählen, denn was wäre eine Welt ohne Geschichten? Täglich entstehen sie vor unseren Augen und Ohren. Wir müssen sie nur hören und erzählen.

Michael

Zitat

Aus den Weisheitsgeschichten von Anthony de Mello:

Gleichnisse und Geschichten

Der Meister lehrte meistens in Gleichnissen und Geschichten. Jemand fragte einen seiner Schüler, woher er sie habe. "Von Gott", erwiderte er. "Wenn Gott dich zum Heiler bestimmt, schickt er dir Patienten; wenn er dich zum Lehrer macht, schickt er dir Schüler; wenn er dich zum Meister beruft, gibt er dir Geschichten."
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Freitag, 10. Januar 2014, 23:46

Wahre Freude

Ein Prediger zog seine Zuhörer mit seinen gewaltigen Reden über Wahrheit und Lüge in den Bann. Zerknirscht über ihre eigenen Fehler, ihre Verlogenheit und die ganze Niedrigkeit ihrer sündigen Existenz gingen sie wie vom Donner gerührt aus dem Gotteshaus. Auf dem Vorplatz, zuhause und im Kaffeehaus stritten sie mit ihren Nachbarn, Ehegatten und Freunden über die wahre Bedeutung der mahnenden Worte über Lüge und Wahrheit und vergaßen sie schließlich zufrieden mit ihren für richtig erachteten Deutungen während der restlichen Woche, um erneut von der Strafpredigt vergattert zu werden, tief in sich zu gehen. Die gläubigen Parteigänger des Predigers beobachteten dieses Verhalten und sprachen ihn darauf an und auch dieser wunderte sich über die kurze Haltbarkeit seiner wahren Worte über die Lüge trotz der großen Erschütterung, die sie jeweils bei den Zuhörern zu verursachen schienen. Der Schüler eines Weisheitslehrers, der auch den Predigten zugehört hatte, schlug vor, einen von dessen Vorträgen zu besuchen und sie taten es. Auch dieser Lehrer sprach von der Wahrheit, jedoch sehr liebevoll und ohne finstere Bilder über Lüge und Sünde. Mit einem Lächeln berichtete er über eine eigene Fehleinschätzung und wie ein Kind ihn darauf aufmerksam machte und zum Lachen brachte. Alle Zuhörer gingen mit einem Lächeln aus dem Saal. Beim Hinausgehen gab es viele freundliche Gespräche und die Leute nahmen sich bei der Hand, hörten einander zu und verabschiedeten sich herzlich. Die Begleiter des Predigers aber sagten zu diesem und dem Schüler des Vortragenden: "Es ist uns aufgefallen, wie fröhlich, freundlich und liebevoll die Zuhörer wirkten. Sie stritten nicht über die Worte oder versuchten, mit ihrem Standpunkt über die Wahrheit Recht zu behalten." Der Prediger bestätigte das, gab jedoch seinem Gastgeber zu bedenken: "Waren denn seine Zuhörer auch erschüttert genug, um die erfahrene Wahrhaftigkeit auch über eine Woche lang zu behalten?" Da sagte der Schüler des Vortragenden zum Prediger: "Ihr Herz war sogar so erschüttert, dass sie die Wahrheit miteinander teilen mussten und darüber miteinander heiter wurden!" Als der Redner als letzter den Saal verließ, sprach der Prediger ihn an: "Ich wundere mich, dass Sie Ihren Zuhörern einen Begriff von der Wahrheit geben können, ohne von der Lüge zu sprechen und die Gemüter der Sünder zu erschüttern!" Da antwortete der Redner: "Es ist nicht die Aufgabe der Wahrheit, zu verletzen, sondern zu leuchten. Sobald die Menschen sie sehen, freuen sie sich darüber und wollen sie miteinander teilen. Lüge und Sünde wollen etwas anderes. Deshalb erwähne ich sie nicht einmal."
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Freitag, 10. Januar 2014, 23:49

Ein anderer Lebensentwurf

Ein für seine Weisheit berühmter Rabbi wurde von einem seiner erwachsenen Schüler auf den Ruf der Kinder des Rabbis angesprochen. Manche in der Gemeinde empfanden deren Lebenswandel als ein wenig skandalös und wunderten sich, weil sie den Rabbi auch sittlich als großes Vorbild betrachteten. Also "fragte" der Schüler: "Rabbi, es muss Dich doch manchmal bedrücken, was Du so über Deine Kinder zu hören bekommst?" "Ja, Du hast recht", erwiderte der Rabbi, "eine zeitlang fand ich es bedrückend. Heute bin ich froh und erleichtert." "Warum das?", wollte der Schüler wissen. "Ich bin froh, dass ich nicht das Leben meiner Kinder leben muss. Ich könnte es nicht und ich wollte es nicht", erläuterte der Gefragte. "Das verstehe ich", entgegnete der Schüler, "aber weshalb bist Du erleichtert?" Da sagte der Rabbi: "In meinem langen Leben habe ich festgestellt, dass diese anderen Lebensentwürfe offenbar nötig sind, sonst würden sie nicht existieren und einer muss ein solches Leben schließlich führen. Meine Kinder, sie seien gesegnet, haben die Aufgabe übernommen. So bin ich erleichtert, dass ich nicht auch dafür noch verantwortlich bin." Nachdem der Schüler diese Antwort vernommen hatte, dachte er eine Weile nach und schämte sich dann für seine Frage. Der Rabbi aber lachte und rief: "Vielleicht hast Du jetzt Lust, in's Wirtshaus zu gehen. Ich möchte ein Gläschen auf unsere Kinder trinken!"
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Freitag, 10. Januar 2014, 23:54

Nehmen und Geben

Ein Mann hatte seine Frau verloren und war traurig. Immer wieder einmal erzählte er seinen Freunden davon, dass sie ihm fehle. Diese konnten es schon bald nicht mehr hören und nach einem Monat schickten sie ihn zum Arzt. Der diagnostizierte eine Depression und verordnete ein Antidepressivum. Der Mann nahm das Medikament, aber stellte immer noch fest, dass ihm seine Frau fehle. Immer wenn er das tat, weinte er ein wenig und war traurig. Nach zwei Monaten schickte der Arzt ihn zum Seelsorger: „Ihre Frau ist tot. Wenn sich die Trauer trotz Medikament nicht überwinden lässt, ist es keine Depression sondern ein spirituelles Problem.“ Der Mann ließ das Medikament weg und folgte dem Rat. Der Seelsorger hörte den Mann an und ließ ihn öfter zu sich kommen. Kurz danach gab er ihm eine Aufgabe. Er bat den Mann, mitzuhelfen, Menschen aus seiner Gemeinde, die in diesem Jahr einen Menschen verloren haben, zu einem gemeinsamen Abend einzuladen. Es wurde gegessen, es wurde geredet, es hörten Menschen zu, es wurde geweint, es wurde gelacht. Ein Freund des Mannes und der Arzt waren auch gekommen. Der Freund hatte einen Kollegen verloren, der Arzt einen Patienten, durch Suizid. Sie sahen, wie der Mann, der seine Frau verloren hatte, in seiner Aufgabe aufging und viele Gespräche führte. Er wirkte gestärkt und lebendig. Der Seelsorger sprach nur ein Gebet und sonst wenig. Am Ende des Abends fragten der Freund und der Arzt den Seelsorger etwas gerührt und ganz erstaunt, was der Seelsorger anders gemacht habe, als die Freunde und der Mediziner. Und dieser antwortete: „Der Tod hat ihm seine Frau genommen. Ich wollte ihm nicht auch noch seine Trauer nehmen. Stattdessen gab ich ihm etwas: erst Aufmerksamkeit und dann eine Aufgabe.“ „Von wem haben sie das gelernt“, fragte der Arzt. „Von Gott“, antwortete der Seelsorger, „ich spreche zu ihm und ich höre ihm zu.“ „Aber mein Freund glaubt nicht an Gott“, entgegnete der Freund. „Daher habe ich ihrem Freund zugehört und mit ihm gesprochen. Gott überließ mir diese Aufgabe“, antwortete der Seelsorger.
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Samstag, 11. Januar 2014, 00:29

Weiser Rat, bevor das Essen fertig ist

Ein Rabbiner saß gerne in seiner Studierstube und las im Talmud und in der Tora. Dem Streit seiner Kinder hörte er selten zu. Der Sohn war anderer Meinung als die Tochter und die Tochter als der Sohn. So war es immer und es würde sich nie ändern, was gab es da zu richten und zu sagen, dachte er in seiner Weisheit. Seine Kinder wussten es und störten ihn nur selten. Denn sie kannten das schon. Wenn sie in sein Arbeitszimmer stürmten und nach seinem Rat oder seiner Entscheidung fragten, schickte er sie stets hinaus zu seiner Frau und sagte: "Geht zu Eurer Mutter und fragt sie, sie ist eine weise Frau!" "Ja", beharrten sie, "das sagst Du, aber Deine Schüler meinen, dass Du weise bist und so wollen wir Deinen Rat!" "Aber Eure Mutter ist lebenserfahren. Das ist mehr wert in dieser Sache, als Weisheit." Missmutig trollten sie sich auch dieses Mal in die Stube, in der die Mutter den Tisch für das Abendessen deckte. Der Sohn rief: "Mutter, meine Schwester ist ganz abscheulich. Ohne zu fragen nimmt sie heimlich von meinen Süßigkeiten, die ich bei mir versteckt habe und verteilt sie unter ihren Freundinnen. Dann laufen sie in mein Zimmer und strecken mir die Zunge raus, rot gefärbt von den gestohlenen Zuckerstangen und lachen mich aus! Sag Mutter, ist das nicht der Gipfel der Frechheit und sollte bestraft werden?" Der Rabbi hatte die Rede seines Sohnes in seinem Studierzimmer mitgehört und war neugierig auf die Antwort und das Urteil seiner Frau. Die Mutter schaute den Sohn mitfühlend an und sagte in sanftem Ton: "Ja, mein Sohn, Du hast recht, ich verstehe, wie Dir zumute ist!" Der Sohn machte ein zufriedenes Gesicht. Da sagte die Tochter: "Mutter, sei nicht ungerecht, Du musst auch meine Seite hören! Ständig kommt mein Bruder in mein Zimmer gerannt, wenn meine Freundinnen zu Besuch sind und prahlt, wie viele Süßigkeiten er versteckt hat und dass er uns niemals welche abgeben wird. Dann beißt er in eine Zuckerstange, lacht uns aus und rennt davon. Ist das nicht gemein, geizig und böse? Ich finde, er sollte bestraft werden und alle Süßigkeiten abgeben, mit denen er uns ärgert!" Nun war der Rabbi auf die Antwort seiner Frau gespannt. Welches weise Urteil würde sie fällen? Mit der gleichen Einfühlsamkeit sprach die Mutter zu ihrer Tochter: "Ja, mein Kind, Du hast natürlich recht, ich kann sehr gut nachfühlen, wie es Dir geht." Das Mädchen lächelte triumphierend. Beide Kinder drehten sich noch eine Nase zu und verschwanden in ihren Zimmern. Da hielt es den Rabbi nicht mehr bei seinen Büchern und er rannte in die Stube: "Frau, wie kannst Du erst dem Sohn Recht geben und dann der Tochter und beide erzählen etwas völlig Gegensätzliches?" Da dachte die Frau des Rabbiners kurz nach, setzte ihr entwaffnendstes Lächeln auf und sagte: "Mein lieber Mann, wie weise Du bist, Du hast völlig recht!" Und sie fuhr fort, den Tisch zu decken und dann fragte sie mit einem lustigen Blick ihren Mann: "Soll ich die Kinder gleich noch einmal zu Dir schicken, damit sie Dir ihren Fall vortragen?" "Um Gottes willen", erwiderte etwas verwirrt der Rabbi, "rufe mich, wenn das Essen fertig ist!"
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Samstag, 11. Januar 2014, 01:42

Verwirrende Bücher

Ein Psychotherapeut hatte erfahren, dass Kollegen in einer deutschen psychiatrischen Klinik die Patientenbibliothek zensiert und alle Bücher entfernt hatten, bei denen die Psychologen davon ausgingen, dass sie die Insassen auf Gedanken bringen könnten, die ihnen schaden würden. Entsprechend der psychiatrischen Lehre würden psychiatrische Patienten besondere Schwierigkeiten haben, Phantasie und Wirklichkeit auseinander zu halten. Somit kamen alle Bücher, deren Geschichten und Inhalte sehr fiktiv waren oder phantasievoll ausgestaltet, auf den Index. Die Zensoren begründeten ihre Handlung mit ihrer Fürsorgepflicht. Der kritisierende Psychologe empfand dies als spießig und peinlich. Ein nachdenklicher Patient versuchte das Beste daraus zu machen und sagte zum Kritiker: "Ich verstehe Ihre Haltung. Die ärztliche Leitung handelt beschämend simpel. Denn wenn die Phantasie nach der psychoanalytischen Lehre sowohl krank wie auch gesund machen kann, liegt es wohl nicht an der Phantasie an sich und man sollte sie nicht zensieren. Doch ist mir das lieber, als wenn die etwas simplen Zensoren anfangen, ernsthaft über ihr Tun nachzudenken, denn wenn sie das tun, zensieren sie logischerweise als Nächstes Menschen!" "Aber das", erwiderte der Therapeut dem Patienten, "tun Deine Ärzte doch schon. Als Diagnostiker stellen sie Krankheitsdiagnosen und deklarieren Dich als krank und damit begründen sie, warum Du hier in einer Klinik bist." "Ja, schon", meinte der Patient, "aber im Gegensatz zu den echten Zensoren der Inquisition oder einer Diktatur verbrennen sie keine Bücher, denn es hieß, wer erst Bücher verbrennt, verbrennt später Menschen. Die heutigen Psychiater brauchen ihre Kranken, um von ihnen zu leben, deshalb schützen sie sie auch, sogar vor Büchern mit gefährlichen Phantasien, z.B. über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit, Gesundheit..."
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Samstag, 11. Januar 2014, 14:59

Geschmack der Erleuchtung

Ein Zen-Schüler machte sich Sorgen über das Leben, den Tod und die Erleuchtung. Da sagte der Meister: "Sieh das Leben wie ein Festmahl und den Tod wie eine Verdauungspause. Es ist unmöglich und wenig freudvoll, ständig zu essen. Wenn Du wieder hungrig bist, isst Du erneut." "Aber wie ist das mit der Anstrengung?" wollte der Schüler wissen, "muss man sich nicht ständig Mühe geben, um die Erleuchtung zu erlangen, damit der Hunger aufhört?" "Du gibst Dir Mühe", sagte der Meister, "um eine Mahlzeit zuzubereiten, aufrecht bei Tisch zu sitzen und die Nahrung zu kauen. Erleuchtung aber ist wie ein einzigartiger Geschmack. Du kannst Dir noch so viel Mühe geben, Du schmeckst deshalb nicht besser oder mehr. Im Gegenteil, es ist nötig, sich Zeit zu nehmen und alle Anstrengung zu vermeiden. Nimmst Du diesen einzigartigen Geschmack wahr, wirst Du nie mehr hungrig und benötigst keine Verdauungspause."
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Sonntag, 12. Januar 2014, 14:25

Wahres Sehen

"Du hast gesagt, alles, was wir erkennen, ist eine Projektion unseres Inneren, eine Wiederholung von als wahr Geglaubten", sprach ein Schüler seinen Lehrer an. "Wie erkenne ich dann aber die Wahrheit?" "Indem Du sie siehst", sagte der Lehrer, "und nicht, in dem Du denkst!" Der Schüler überlegte, dann fragte er: "Meinst Du, dass wir das, was wir sehen, als Spiegel unseres Inneren wahrnehmen und dann uns selbst erkennen können?" "Ja, in etwa so", erwiderte der Gefragte, "die Wahrheit, die Du suchst, liegt nicht im Außen, sondern in Dir, doch da siehst Du sie normalerweise nicht." "Also sollte ich das, was ich im Außen sehe, genau reflektieren, um mich in meinem Inneren zu erkennen?", wollte der Schüler jetzt genau wissen. "So ungefähr, aber nicht so, wie das Reflektieren normalerweise gelehrt wird", erläuterte der Lehrer. "Du meinst, ich soll nicht über mich nachdenken, um die Bedeutung heraus zu finden?", wollte der Schüler wissen. "Wenn Du mit Reflektieren Denken meinst, arbeitest Du mit einem getrübten Spiegel oder einer verzerrten Linse", erklärte der Lehrer. "Dann erkläre mir das wahre, ungetrübte Sehen", bat der Schüler. Der Lehrer antwortete: "Etwas sehen heißt hier, schauen, also es ganzheitlich wahrnehmen. Dann spiegelt es Dich, also auch Dein Innerstes, ganzheitlich. Das reflektierende Denken ist kein Sehen, es liefert nur Splitter eines Bildes. Manche Splitter glaubst Du zu erkennen und kannst sie dem Mosaik zuordnen. Manche erkennst Du nicht. Dein Puzzle bleibt unvollständig."
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Sonntag, 12. Januar 2014, 14:51

Meisterschaft erkennen

Die Schülerin fragte Ihre Meisterin: "Wie werde ich eine Meisterin?" Sie antwortete: "Es gibt mehrere Wege." "Nenne mir den Besten", begehrte die Schülerin. "Du erkennst, dass Du schon eine Meisterin bist", antwortete die Meisterin. "Das scheint mir am schwersten, denn woran erkenne ich, dass ich eine Meisterin geworden bin?", wollte die Schülerin wissen. "Für das Erkennen gibt es zwei Wege", sagte die Meisterin. "Sage mir, wie ich es am klarsten erkennen kann", bat die Schülerin. "Am klarsten erkennst Du Deine Meisterschaft daran, dass Du nichts mehr wirst, was Du nicht schon bist", war die Antwort. "Gibt es einen leichteren Weg", erkundigte sich die Schülerin nach kurzem Nachdenken. "Ja, aber nur, wenn Du wenigstens Deine Mitmenschen richtig einschätzen kannst, sofern Du Dich noch nicht selbst erkennen kannst", erklärte die Meisterin. "Wenn dann die Anderen sagen, dass Du eine Meisterin bist und Du kannst ihnen vertrauen, weil auch sie Meisterinnen und Meister sind und Du in der Menschen Herz schauen kannst, dann weißt Du es auch." "Und wie war es bei Dir, Meisterin?", fragte die Schülerin ein wenig keck. "Genauso", war die knappe Antwort. "Wie nun?", beharrte die Schülerin, "bist Du eine Meisterin?" "Was ich für Dich bin, hängt davon ab, was Du siehst und erkennst und nicht, was ich sage", erläuterte die Meisterin. "Du willst es also nicht selber sagen?", war die Schülerin etwas irritiert. "Was würde es Dir nützen?", fragte nun die Meisterin und fuhr fort: "Eine Närrin, die von sich selbst sagt, dass sie einfältig ist, ist vermutlich gar nicht so beschränkt und eine, die von sich sagt, dass sie nicht viel wisse, ist darum nicht dumm und hat vielleicht mehr Klarheit, als eine, der vorgibt, eine belesene Gelehrte zu sein." "Und das heißt jetzt was?", erkundigte sich die Schülerin immer noch ein wenig begriffsstutzig. Die Meisterin antwortete voller Geduld: "Es bleibt Dir nichts anderes übrig, als alles selbst zu prüfen und zu erkennen. Am Ende mag es einfacher sein, an etwas oder an jemanden zu glauben. Aber Du hast mich nach der Meisterschaft gefragt und nach Sein und Erkenntnis, oder?"
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Sonntag, 12. Januar 2014, 15:37

Kognitive Therapie: Denk Dir die Lösung!

"Wie löse ich mein Problem?", fragte eine Frau am Ende ihrer Wehklagen eine befreundete Therapeutin. Sie antwortete: "Auf der kognitiven Ebene natürlich durch Denken." Die Freundin schüttelte denKopf: "Aber durch Denken bin ich ja erst auf des Problem gestoßen." "Ja eben", sagte die Therapeutin, "Denk Dir die Lösung." "Ja wenn das so einfach wäre...!", rief die Freundin aus. Darauf die Therapeutin: "Deshalb wurde Dir ja Verstand gegeben." "Sagst Du das Deinen Klienten auch", fragte die Freundin. "Nein, sie sind ja nicht meine Freunde, da habe ich geringere Ansprüche und wenn ich sie vor den Kopf stoße, denken die nicht nach, sondern laufen davon und suchen jemanden mit gefälligerem Psychogesülze."
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Sonntag, 12. Januar 2014, 16:07

Geschlechtsloses Wissen

Eine Psychiatrie-Professorin wurde kürzlich gefragt, warum sie in Ihren neueren Schriften inzwischen immer von Ärztinnen und Ärzten oder etwa PatientInnen schreibt. Das sei doch umständlich oder gar grammatisch falsch. Die Professorin antwortete: "Ich schreibe es für meine Schülerinnen und Studentinnen, da sie sich sonst nicht gemeint fühlen könnten oder, wenn sie schon etwas mehr verstanden haben, sich nicht so an der Formulierung stören müssen, dass sie gehindert sind, tiefer in die Materie einzudringen." "Dann schreiben Sie das also nur für Ihre weiblichen Leserinnen und ihre Zuhörerinnen?", wurde sie weiter gefragt. "Nein", antwortete sie, ich schreibe das auch so für die Dozenten und Professoren der jüngeren Generation, die sich heute mehr anstrengen, politisch korrekt zu formulieren, als unvergleichliche Erkenntnisse zu publizieren. Vielen fehlt die Weisheit und der Mut, um zu erkennen und zu sagen, dass das Wissen geschlechtslos ist, egal, wer es in sich trägt und wem es vermittelt wird." Eine wissenschaftspolitisch interessierte Kollegin aus der Gender-Forschung intervenierte: "Ignoriert Ihr Denken, das hinter Ihren Worten hervor scheint, nicht völlig die Gender-Problematik in der Wissenschaft, nämlich dass die männliche Dominanz Jahrhunderte lang Wissenschaftlerinnen in den Hintergrund drängte?" "Keineswegs", antwortete die Psychiaterin. "Meine Worte weisen darauf hin, dass sowohl das Wissen als auch das Denken kein Geschlecht hat, selbst wenn Frauen und Männer manchmal unterschiedlich denken und dass mein Denken diese Trennung bereits überwunden hat. Doch für diejenigen, die lieber noch eine Weile an der Erinnerung an die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern in der Wissenschaft festhalten wollen, verwende ich die für sie besser politisch verständlichen politisch korrekten Gender-Sprachregelungen." "Das hört sich so an", insistierte die Gender-Forscherin, "als würden ausgerechnet Sie als Psychiaterin ignorieren, dass die Sprache das Denken bestimmt." "Ich bin mir nicht sicher", antwortete die Psychiaterin, "ob uns dieser Gedanke weiter bringt. Bringt die Sprache das Denken hervor oder das Denken die Sprache? Nach meiner Erfahrung lernen die Babys die Muttersprache von ihren Müttern, schon im Mutterleib übrigens und dann von ihrem Singsang, der die Babysprache stimuliert. Sprache ist bei ihrer Entstehung genauso intuitiv, wie sie später geeignet gemacht wird, kognitive Konstruktionen zu formulieren. Wenn sich die Intuition und das Denken verändern, verändert sich auch die Sprache. Politisch korrekte Sprachregeln sind der Ausdruck davon, dass es so noch nicht ist. Aber wie gesagt: Das Wissen und das Denken haben kein Geschlecht, die Intuition und die Sprache sind weiblich, zumindest in unserer Sprache." "Ja, und was als weiblich oder männlich in unserer Sprache definiert wird", ergänzte ein Linguist, "ist ja vermutlich ebenso kulturgeschichtlich wandelbar und hängt letztlich von den Benutzern der Sprache ab. Politische Sprachregeln dürften da wenig ausrichten im Denken und Fühlen der Sprachbenutzer." "Der Hinweis auf das Fühlen ist wichtig und ich meine nicht so sehr das Sprachgefühl", erläuterte ein Psychologe: "und auch nicht allein die Intuition, wie sie von meiner psychiatrischen Vorrednerin erwähnt wurde. Wenn ich vom Drang nach Erkenntnis und Verstehen begeistert bin, fühle ich nicht männlich, sondern ich fühle einfach ein Hochgefühl in meinem Kopf und ein Vibrieren in der Brust, aber wenn ich mich körperlich nach meiner Frau zuhause sehne, fühle ich sehr deutlich im Kopf und an anderen Körperstellen wie ein heterosexueller Mann. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie über wissenschaftliche Themen nachdenken", wollte er von der Gender-Forscherin wissen. "Ich weiß, dass ich eine Frau bin und als eine Frau denke", erwiderte Sie. "Ja, das denken Sie und wo fühlen Sie das?", fragte der Psychologe.
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Montag, 13. Januar 2014, 23:47

Um die Welt

Ein Meister wurde mal von seinem Schüler gefragt warum er so wenig lehre und wenn er doch etwas sage, klinge das Wenige für ihn verwirrend. Der Meister erklärte: "Was willst Du von mir? Ein System, eine Methode? Ich lehre nichts davon. Im Gegenteil: sie sind Fallen. Verlasse Dich auf Deine eigenen Sinne, Deine Augen, Deine Ohren, Deine Nase und Deinen Verstand. Was die nicht erfassen und Du nicht begreifst, ist noch nichts für Dich." "Aber Du hast mir gesagt, der Verstand betrügt Dich, verlasse Dich auf Deine Intuition", protestierte der Schüler. "Eben, das verstehst Du nicht, nach all den Jahren", sagte der Meister mit einem Lächeln. "Dann hätte ich auch bei mir zuhause bleiben können", rief kopfschüttelnd der Schüler. Darauf entgegnete der Meister: "Wenn Du zuhause bei Dir bist, hättest Du bei Dir bleiben können. So kommt es mir vor, als seist Du noch unterwegs zu Dir. Manche reisen dafür um die Welt."
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Samstag, 18. Januar 2014, 18:28

Verborgenes

Ein Schüler sagte zu seinem Sufi-Meister: "Mir ist aufgefallen, dass Du Menschen mit einer etwas finsteren Ausstrahlung oft interessanter findest, als die mit einer Lichten." Der Meister entgegnete: "Selbst die Finsteren verbergen in ihrer Dunkelheit ein Licht. Viele, die leuchten und strahlen, verbergen aber nur ihre Dunkelheit." Der Schüler fragte: "Hast Du die Dunklen also lieber?" Der Meister daraufhin: "Auf keinen Fall weniger lieb. Doch vor allem weiß ich gerne, woran ich bin."
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Sonntag, 19. Januar 2014, 00:50

Ruhm und Bürde des Wissens, Gnade des Vergessens

Die Äbtissin, die Oberin des Klosters, unterhielt sich mit der ehrwürdigen Mutter, ihrer schon sehr betagten und doch als sehr weise geltenden Vorgängerin, über die Vorzüge des Wissens, des Nichtwissens und der Weisheit. Eine Novizin, die zugehört hatte, fragte neugierig: "Mutter Oberin, was meint Ihr? Ist der Ruhm des Wissens der Gnade des Vergessens vorzuziehen?" Da antwortete die Äbtissin: "In Deinem Alter wusste ich die Antwort ganz genau. Doch damals fragte ich noch nicht nach der Bürde des Wissens. Was meint Ihr, ehrwürdige Mutter?" Die weise alte Frau überlegte einen Augenblick, dann schmunzelte Sie und antwortete der Äbtissin: "Mutter Oberin, ich stimme Euch zu. Im Alter unserer jungen Schwester wusste auch ich die Antwort sehr genau und in Eurem Alter wusste ich, dass sie richtig war. Doch jetzt in meinem Alter weiß ich auf jeden Fall, dass ich die Antwort vergessen habe. Darum habe ich die Bürde wohl an Euch übergegeben."
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Sonntag, 19. Januar 2014, 01:03

Freiheit des Nichtwissens

"Welcher ist der weiseste Mensch? Ist dies nicht derjenige, der alles weiß oder sich zumindest zeitlebens darum bemüht?", wollte eine Schülerin wissen. "Ich denke, es ist noch weiser, sich für alle Fälle auch die Freiheit des Nichtwissens einzuräumen", meinte die Meisterin und ergänzte: "Denn wer betrachtend dem Zwang entsagt, hat selbst als Schüler und Lernender einen ruhigeren und tieferen Geist, als derjenige, der vom Wissensdurst getrieben einem Zwang zu lernen gehorcht, um sein Wissen lehrend immer noch einen kleinen Vorsprung vor anderen Lernenden zu behaupten."
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Sonntag, 19. Januar 2014, 01:22

Tapferkeit oder Mut

"Ist nicht Tapferkeit am höchsten zu loben, besonders dann, wenn der Tapfere den Mut hat, eine aussichtslose Position zu behaupten?", fragte ein streitbarer Gelehrter herausfordernd einen anderen. "Warum sollte ich diese Form der Tapferkeit preisen", entgegnete der andere unwillig, "denn eine solche Tapferkeit ist der Mut der Sklaven, die sich auch angesichts der Aussichtslosigkeit nicht von ihrer Ehrsucht befreien können. Ich hingegen feiere den Mut, alles aufzugeben, auch den eigenen Standpunkt, wenn er nicht mehr zu halten ist. Das ist die Kühnheit der Freien, die sich nicht einmal vor Fehlern scheuen."
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Sonntag, 19. Januar 2014, 01:30

Rechthaben

"Woran merkst Du, dass Du in einem Disput Recht hattest?", wollte ein Rhetorik-Schüler wissen. "Gar nicht," antwortete sein Lehrer, "aber wenn beide Seiten nach einer Weile ergriffen schweigen, weiß ich, dass wir einander berührt haben."
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Sonntag, 19. Januar 2014, 02:23

Fürchten Tod und Teufel und misstrauen Gott

"Viele, die vorgeben, an Gott zu glauben, vertrauen ihm dennoch nicht und fürchten daher den Teufel," sprach der Alte kopfschüttelnd. "Wie kommt das?", wollte ein jüngerer Pilger vom Herbergsvater wissen. "Nun, schau Dich an, auch Du traust Deinen Sünden mehr Verderbnis zu, als der Gnade Gottes Segen, sonst würdest Du nicht diese beschwerliche Pilgerfahrt auf Dich nehmen", antwortete der Alte. "Muss ich Gott nicht beweisen, dass er mir wieder vertrauen kann?", fragte der Pilger, der einen Ablass für seine Sünden begehrte. Da entgegnete der Alte: "Ja, Du denkst, Du hast ein Glaubwürdigkeitsproblem genauso, wie Dein Gott, den Du Dir als Dein Ebenbild denkst. Aber ich kann Dich verstehen: Dein Teufel hat kein Glaubwürdigkeitsproblem, er ist klar auf der Seite des Bösen und tut nur das Böse. Gott aber soll alles geschaffen haben, das Gute, das Böse und er lässt beides weiter zu und Dich entscheiden."
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Sonntag, 19. Januar 2014, 12:30

Nicht alles auf einmal

In seinem Dorf galt er schon als Schüler als etwas trottelig, obwohl er manchmal ganz unverhofft etwas überraschend Kluges sagte. Für praktische Arbeiten jedoch wenig zu gebrauchen, träumte er gerne vor sich hin. In der Kleinstadt am Gymnasium gab man ihm nach dem Abitur, das er so gerade bestand, auf den Weg, dass man große Hoffnung habe, es könne noch etwas aus ihm werden, wenn nur der Knoten platzt. Der junge Mann studierte Lehramt und nach zwanzig Jahren kam er in sein altes Gymnasium zurück. Der alte Direktor sollte verabschiedet werden und er wollte die Direktorenstelle antreten. Er war der einzige Kandidat aus der Gegend. Um die Einführungsrede des aussichtsreichen Kandidaten zu hören, war das Kollegium gekommen, viele Bürger und auch Leute aus den umliegenden Dörfern und Bauernschaften wollten sehen und hören, was aus dem verträumten Trottel von damals geworden ist. Der Kandidat hielt eine große, fulminante Rede. In seinem Vortrag streifte er die Historie seiner Heimat, würdigte die wirtschaftliche Klugheit der Vorfahren, nicht ohne die neuen Herausforderungen anzumahnen, erteilte den Kirchturmpolitikern einige ironische Belehrungen, erörterte die Grundlagen und den Nutzen der Wissenschaften für die heutigen Schüler, erklärte die Grundzüge der Pädagogik und Psychologie, die nötig seien, in der Zeit des sozialen Wandels heutigen Menschen Denken und Wissen beizubringen und schloss mit einigen moralischen und philosophischen Betrachtungen über unveränderliche Werte, ohne die eine Gesellschaft nicht Bestand haben könne. Nachdem es während der zweistündigen Ausführungen zeitweise unruhig gewesen ist und einige den Saal sogar verlassen hatten, um dringenden Bedürfnissen nachzugehen, entstand am Ende der Rede ein langes Schweigen, bis sich erst verhalten, dann etwas kräftigerer Applaus einstellte. Der Kandidat verbeugte sich artig, doch etwas unsicher und mischte sich unter die Leute des Empfangs für den alten, scheidenden Direktor. Die Eltern des Kandidaten waren gleich zu ihm geeilt und gratulierten ihm. Er fragte den Vater, wie er auf ihn gewirkt hätte. "Großartig", sagte der Vater, "irgendwie so, wie ich mir immer gewünscht habe, dass Du es mal werden solltest. Großartig!" Der Sohn lächelte zufrieden und fragte weiter: "Was fandest Du denn besonders großartig?" "Ja Dich. Verstanden habe ich nichts von all dem, aber es klang ungeheuer klug und großartig." "Ja", stimmte die Mutter zu, "ich habe Dich nie so viel reden hören, es scheint, der Knoten ist geplatzt." Etwas unsicher von diesem Lob ging der Mann weiter. Ein alter Bauer, dem er früher bei den Kühen und Pferden half, bis der seine Eltern gebeten hatte, ihn zuhause zu behalten, weil er sich die einfachsten Dinge der Landwirtschaft nicht merken konnte, prostete ihm zu. Der Mann erwiderte den Gruß und fragte: "Na, wie war die Rede?" "Hm", sagte der Bauer nachdenklich, "ich würde mal so sagen. Wenn du einigen leichtfuttrigen Vollblütern das ganze Gras, Silo, Heu und Kraftfutter auf einmal gibst, das für deine 100 Kühe und schwer arbeitenden Kaltblüter und Kutschpferde bestimmt ist, werden sie es schwerlich verdauen können, sondern eine Kolik kriegen und platzen." Der alte Direktor stand in der Nähe, hatte zugehört und grinste, der Kandidat aber war verblüfft und verstand die Antwort nicht. Also fragte er den alten Direktor, der so wissend gegrinst hatte und bat ihn um eine Erklärung. Da sagte dieser: "Ich will es mal so ausdrücken. Wenn der verträumte Schüler von damals heute mit einer solchen Rede gekommen ist, um allen klar zu machen, wie gut seine Universität war und dass er jetzt zwanzigmal klüger und hundertmal eloquenter ist, kann er jetzt wieder gehen. Wenn der Kandidat aber hofft, das Nützliche und Brauchbare davon an die Kinder dieser Menschen hier weiter geben zu können, sollte er bleiben, aber den gesamten Inhalt seiner heutigen Rede auf 20 Jahre verteilen, seine Schüler viel reden lassen und selbst viel dazu schweigen." Jetzt verstand der Kandidat.
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Donnerstag, 23. Januar 2014, 10:33

Michael

Ein Schüler wollte vom Rabbi wissen, was die tiefere Bedeutung des Namens Michael ist. Der Rabbi erklärte: "Michael hütet unsere ewige Seele mit der Frage: >Wer ist wie GOTT< und fragt uns damit nach unserer Gottesfurcht und unserer Gottesliebe. Michaels Schwert gemahnt uns an unsere Furcht in GOTT, nicht vor GOTT. Sie spricht: GOTT ist und niemand ist wie GOTT. Doch Michaels Flügel sind die Schwingen der Liebe. Sie tragen uns an GOTTES Ohr und GOTTES Mund, der seine Liebe in uns haucht und uns anvertraut: wenn wir einander lieben, wie wir sind, mit ganzem Herzen und ganzem Eifer, sind wir in diesem Moment wie ER, der uns liebt in unserer Furcht, in unserer Angst in unserem Mut, in unserer Liebe, so wie wir sind. Das ist alles."
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