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Mittwoch, 30. Dezember 2015, 13:53

Menschenrechte

Ein Religionslehrer wurde gefragt, ob er seinen Schülern eher die Menschenrechte oder die Religion lehren würde. Er antwortete: "JHWH, der Gott Israels, der auch der Gott Jesu und Allah Mohammeds ist, ist der erste Gott, der die Menschenrechte formulierte und der erste und letzte, der persönlich zu den Menschen kam. Davon erzähle ich meinen Schülern."
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Donnerstag, 31. Dezember 2015, 14:02

Jedes Kind ist eine Chance

"Jedes Kind ist eine neue Chance und ein Glück. Es sollte uns willkommen sein", sagte der Weise, "denn es bedeutet Hoffnung, auch die, dass Gott Großes mit ihm vorhat!" Da fragte einer, der sich über die Kriege und Flüchtlinge Sorgen macht: "Was bedeutet das aber für die Waisen des Krieges und die Kriegsflüchtlinge? Es sind viele Kinder darunter." Der Weise: "Ich bleibe dabei: Jedes dieser Kinder ist eine neue Chance und zwar auch für uns, denn es bedeutet, dass Gott hofft, dass wir Großen in seinem Namen Großes für diese Kleinen leisten und wir dadurch Mensch werden. Es ist viel nötig, damit aus einem Erwachsenen wieder der gute Mensch wird, als der er geboren wurde, in kindlicher Einfachheit. Die Kinder Gottes können ihm dabei helfen."
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Freitag, 1. Januar 2016, 15:15

Geht Euren Weg!

Am Neujahrstag wurde sie, die ihrem Volk als Prophetin galt, gefragt: "Du kennst die Wege des Lebens und des Glücks. Wohin nun sollen wir uns im neuen Jahr wenden?" Da antwortete sie: "Das gaben mir das Leben und die Weisheit mit auf den Weg: Was uns erfreute, ging seinen Weg. Die uns nährten, sie gingen ihren Weg. Die Zeit geht ihren Weg. Sonne, Mond und Sterne gehen ihren Weg. Ihr aber, geht Euren Weg. Ihr werdet erfahren, wenn Ihr angekommen seid!"
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Samstag, 20. Februar 2016, 11:52

"Wie geht Befreiung?"

Eine Gruppe von Suchenden und Zweiflern fragte eine Meditierende, wie es ist, den Schmerz abzustreifen, die Gier und die Abscheu und die Unwissenheit und darüber Befreiung zu erlangen. Sie sagte, dass dies kein Mensch für andere beschreiben könne und lud sie ein, mit ihr zu meditieren. Von den Suchenden folgten einige der Einladung. Die Zweifler fragten eine Gruppe von Philosophen und hörten kopfschüttelnd den Disputen zu. Sie verstanden nichts. Dann trafen sie einen Dichter und eine Erzählerin. Er träumte, sie erzählte ein Märchen. Sie sagten den Zweiflern, als sie deren Frage vernahmen: "Wir haben nur unsere Sinne, unsere Arme und Hände, unsern Verstand und unser Herz. Aber mit diesen halten wir uns fest und träumen und dann empfangen wir diese Bilder und Eindrücke: Als die Augen das Grauen sahen, verschlossen sie sich schmerzhaft. Als nun die Ohren die Schreie hörten, stellten sie alles wie ertaubt auf stumm. Als die Nase den Brandgeruch zu riechen vermeinte, würgte es die Kehle. Den Körper überfielen Schauer von Eiseskälte und Gluthitze. Als das Gehirn ob all dieser Eindrücke in einer großen Verkrampfung zuckte und Blitze das Denken zerschossen, strömte ein warmer roter Blutregen vom Inneren des Kopfes durch die Kehle in die Brust und sammelte sich dort, wo das Herz ist. Wie in einer Magma-Kammer sammelte sich all der glühende Schmerz in einem See und schmolz das Innere des Brustkorbes. Die pumpenden Lungenflügel führten wie Blasebälge dem Feuer Sauerstoff zu und ein scharfer Schmerz durchtrennte mit blauer Flamme das zerteilende Denken mitten entzwei. Es verbrannte die Wut, es verbrannten der Zorn und der Hass, es verbrannte die Trauer und zu Asche ward auch der Schmerz. Es verbrannte die Angst. Die Tränen öffneten die Augen. Die Ohren vernahmen Musik und im Gehirn entstand ein Ozean der Ruhe. Das Herz schlug mit dem Herzen der Erde und allen Herzen im gleichen Rhythmus. Es gab nur noch das Wissen vor dem Gedanken und nachdem alles Denken versiegte. Und wir berührten einander und nahmen uns in den Arm."
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Montag, 29. Februar 2016, 21:18

Alle vier Jahre, Minuten, Sekunden...

Der letzte Februartag ist alle vier Jahre ein Neunundzwanzigster. Doch nicht alle vier Jahre sondern alle vier Minuten sollten wir überprüfen, ob wir nicht wieder in irgendeiner Denkschablone festhängen, irgendwelche Lieblingsgrdanken pflegen und irgendeinem Vorurteil aufgesessen sind. Denn was wissen wir schon bei der winzigen Menge Informationen, die unser Gehirn nach antrainierten Filtern aus der Fülle der tatsächlichen Phänomene als Wahrnehmungen zulässt und registriert. Die Gedanken sind alles andere als frei. Die Fähigkeit, alle vier Sekunden eine Pause zwischen unsere Gedanken zu schieben, könnte uns hingegen frei machen.
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Samstag, 30. April 2016, 17:06

Vom Glauben an die Liebe

"Erzähle uns vom Glauben!", bestürmte die Menge eine Prophetin und die fromme Frau sprach: "GOTT ist immer der EINE und er wandelt sich nicht, doch es gibt Propheten der Gottesfurcht und Propheten der Gottesliebe. Der wahre Glaube bewahrt Euch nicht vor jedem Übel und jeder Furcht, aber er lehrt Euch lieben und lindert Eure größten Ängste: die Angst vor Eurem Nächsten, die Angst vor Euch selbst und die Angst vor GOTT! Dieser Glaube macht frei! Wenn Euch jemand von einem Glauben erzählt, der das Böse beschwört, im Antlitz des Nächsten, in Euren Gedanken und sogar im Antlitz des Höchsten, so seid wachsam: es ist vom Glauben der Sklaven, der Ängstlichen, von den Alpträumen des Teufels die Rede. Ihr aber fürchtet Euch nicht, seid frei in der Liebe zum Nächsten, zu Euch selbst, zu GOTT!"
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Samstag, 30. April 2016, 17:15

Das Ringen um Nähe hinterlässt die Wunden des Segens

"Warum ringen wir mit GOTT?", wollte eine Novizin von ihrer Meisterin wissen. "Weil wir uns tief nach seiner Berührung sehnen", entgegnete sie. "Aber ist das nicht oft mühsam und schmerzlich?", fragte die Jüngere. "Ja," seufzte die Meisterin "und doch scheint es mir, als wünschte sich auch GOTT diese Begegnung, gerade am dunklen Abgrund. Wir alle müssen immer wieder mit dem Engel der Nacht kämpfen und werden dabei oft schmerzlich gezeichnet und bleiben trotzdem gesegnet. ER liebt unser Mühen und unsere Anstrengung, denn nur so lässt er sich berühren."
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Montag, 23. Mai 2016, 00:48

Das Wesen der Heilkunst

Da fragten die Schüler einen alten weisen Arzt nach dem Wesen der Heilkunst und nach dem ärztlichen Ruhm und er sagte: "Wer heilt, hat recht, heißt es, aber wer immer Recht hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Ich glaube nicht, dass ich jemals geheilt habe, sondern allenfalls, dass ich mit dafür zu sorgen half, dass die Medizin und die Unvernunft der natürlichen Lebenskraft nicht im Wege standen. Am Ende steht sowieso immer die Heilung, oder der Tod, was manchmal das Gleiche ist. Es gibt ein antikes Sprichwort griechischer Ärzte: "Was Worte nicht heilt, heilt das Gift, was Gift nicht heilt, heilt das Eisen, was Eisen nicht heilt, heilt das Feuer und was Feuer nicht heilt, heilt der Tod". Dieser Satz zeigt die Größe des göttlichen Heilers, der das Leben ist, denn er heilt durch das Wort, während wir Ärzte sterblich sind, wie alle anderen auch. Wem also, meint ihr, gebührt Ruhm?"
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Donnerstag, 28. Juli 2016, 17:16

Welche Religion?

Von dem Weisen wollten sie wissen, welche Religion einem freiheitsliebenden und glücklichen Volk ziemt und welche Glaubenssätze es in Ehren halten sollte. Und er fragte zurück: "Sollten wir bei einem glücklichen Volk, das die Freiheit liebt, nicht auf den Einzelnen schauen? Welchem Glauben hängt nun jemand an, der glücklich ist und die Freiheit liebt, der ohne Sorge vor Feinden, Krankheit oder Tod friedfertig in den Tag lebt? Welche Religion würde so jemand für wichtig oder auch nur nützlich erachten? Eine, die diese edlen Zustände beschwört und ersehnt und ihre Gläubigen zu Tugenden ermahnt? Welche Religion ersinnen aber die Unglücklichen, die Ängstlichen und Unfreien, die sich vor ihren Mitmenschen und ihren Feinden fürchten wie vor ihrer Regierung, die sich in Sorge um Krankheit und Tod den ganzen Tag bekümmern? Und welche Dogmen stellen die Regierenden diesen Ängstlichen vor, um ihr Elendsvolk hinter sich zu scharen?" Und als die Umstehenden um jede Antwort verlegen waren, gab er sie selbst: "An der Religion der Armen und den Dogmen der Mächtigen erkennt ihr deren Freiheit und Glück. Dort, wo beides gelebt wird, werden weder eine Religion, noch ein Dogma benötigt, denn die Menschen glauben an die Liebe, ohne die es weder Freiheit noch glückliche Gefühle gibt."
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Freitag, 30. September 2016, 23:09

Wem glauben?

Der alte Abt war gestorben, ein Neuer war gewählt worden. Dieser arbeitete hart, um das Vertrauen der Brüder zu gewinnen, doch wollte es ihm nicht gelingen, ihnen näher zu kommen. Sie behandelten ihn mit Respekt und Ehrerbietung, doch blieb ihm verborgen, was seine Brüder dachten und fühlten. Da wandte er sich an seinen alten Kellermeister, in dessen Weinkeller sich die Brüder gelegentlich zu einer Kostprobe seiner Küferkunst trafen und fragte ihn eines Tages unverblümt: "Bruder Cellarius, Du hörst doch oft die Brüder, wenn sie zu Dir zum Trunke kommen und Wahres sprechen. Verrate mir doch, was sprechen sie über den neuen Abt?" Da antwortete der Kellermeister: "Vater, was wollt Ihr hören? Es ist ein Reden, wie es immer ist. Die einen blicken mit Wehmut in die Vergangenheit und erzählen, wie damals alles besser war und die anderen hoffen auf die Zukunft, in der alles besser werde. Der Wein öffnet auch unseren frommen Brüdern nur den Mund, aber nicht den Verstand und nicht das Herz. Wie aber steht es mit Euch? Wollt Ihr wirklich wissen und verstehen, wie unsere Brüder fühlen? Dann arbeitet nicht noch härter, weder an Euch noch an ihnen. Kommt einfach zu ihnen und öffnet Euer Herz! Und auch, was Ihr von Euch selbst zu halten habt, findet Ihr in diesem offenen Herzen und nicht in den Reden über Euch noch in Euren Gedanken über dieses Reden."
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Dienstag, 1. November 2016, 01:11

Angst, Macht, Geld und Kontrolle

Junger Bursche: "Was ist Demokratie?" Lehrerin: "Eine Regierungsform, bei der sich der Wille des Volkes in direkter oder repräsentativer Mitwirkung als Mehrheitsbeschluss oder auf dem Wege der Konsensfindung in der Gesetzgebung und im Regierungshandeln ausdrückt. Die Stimme jedes Wahlberechtigten sollte ohne Ansehen der Person, ihres Geldes oder ihrer Reputation den gleichen Wert und Einfluss haben." Bursche: "Ist das eine bessere Regierungsform, als eine Herrschaft einer Person oder weniger Personen, als eine Diktatur des Geldes, der Waffen oder des Klerus?" Lehrerin: "Das nimmt man an." Bursche: "Müsste eine solche Volksregierung nicht auf viele Völker eine hohe Anziehungskraft ausüben, sodass alle sich eine solche Regierungsform mit der Beteiligung der Mehrheit eines Staatsvolkes wünschen?" Lehrerin: "Das möchte man meinen und doch kommt es darauf an, was die Völker und ihre Bürger gewohnt sind, denn nichts scheint so zuverlässig zu funktionieren, als die Gewohnheit; sie gibt den Leuten ein Gefühl von Sicherheit und viele wollen keine Experimente, selbst wenn sie persönlich unzufrieden sind. Sie jammern lieber." Bursche: "Gelten nicht die Vereinigten Staaten von Amerika als erster moderner Verfassungsstaat mit demokratischer Regierungsform ohne Monarch oder Despoten?" Lehrerin: "Ja, die Verkündigung der Unabhängigkeit 1776 und die zweite, bis heute gültige Verfassung von 1787 gelten als die ältesten demokratischen Deklarationen eines modernen Staatswesens noch vor der Französischen Revolution." Bursche: "Wie ist der Zustand der us-amerikanischen Demokratie heute?" Lehrerin: "Auch heute gibt es noch eine demokratische Verfassung und es werden regelmäßig Wahlen für die beiden Kammern Kongress und Senat und für die Bestimmung des Präsidenten abgehalten." Bursche: "Das stimmt, gerade sind Präsidentschaftswahlen in den USA.Nach dem ersten farbigen Präsidenten will eine ältere Lady zur ersten Präsidentin gewählt werden und ein reicher Erbe und Immobilien-Milliadär im etwa gleichen Seniorenalter will seit langer Zeit wieder der erste "Nicht-Politiker" im Präsidentenamt werden." Lehrerin: "So ist es. Donald Trump, 70, will für die Republikaner und Hillary Clinton, 69, will für die Demokraten ins Weiße Haus einziehen." Bursche: "Ich habe gehört, dass beide Kandidaten, offenbar sehr reiche Leute, der anderen Seite Betrug, Unaufrichtigkeit, diverse Skandale, menschenverachtende Einstellungen, diverse Verbrechen, Steuerhinterziehung, Machtgier, moralische Verkommenheit sowie körperliche und geistige Schwächen und Erkrankungen vorwerfen. Man bekommt den Eindruck, dass zwei alternde, machtgeile Wracks ihre letzte Schlacht schlagen und ihre Widersacher moralisch oder sogar materiell vernichten wollen. Gehört das auch zur Demokratie?" Lehrerin: "Es gehört offenbar zum amerikanischen Wahlkampfgetöse, zur Unterhaltung der Massen durch die Medien und vielleicht zum Versuch, sich bei all zu großer Ähnlichkeit - wenn auch vielleicht in spiegelbildlich komplementärer Weise - irgendwie erkennbar zu unterscheiden, während sie im Prinzip an der Spitze eines mächtigen Staates das Gleiche wollen." Bursche: "Ist dieses Demokratiemodell und dieser Wahlkampf attraktiv für Nachahmer, die den Vorteil des demokratischen Stils auf ihr Land übertragen wollen?" Lehrerin: "Einerseits vermute ich, dass es nicht so ist, denn die USA stehen mit ihrem Modell schon recht einzigartig dar, andererseits gibt es vielleicht doch Versuche, bestimmte Aspekte zu kopieren. So glauben Präsident Putin und Ministerpräsident Medwedew, dass Russland eine Demokratie ist, aus der Putin gerne eine Präsidiale machen würde und Trump wäre gerne wie Putin." Bursche: "Wenn ich höre und lese, was die Medien hier über die beiden us-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten berichten, und was sie darüber berichten, was der eine über die andere sagt und umgekehrt, ergibt das ein furchterregendes Bild. Diese beiden Menschen wollen also eine Weltmacht mit Atomwaffen anführen!" Lehrerin: "Welches Bild meinst Du?" "Bursche: "Trump ist ein reicher Erbe, Geldverschwender und Steuerhinterzieher, ein Großmaul, ein Frauenfeind und gleichzeitig Notzüchtiger, ein Verleumder, Rassist, ein rechtsradikaler Waffennarr und Hetzer, der unter dem Verdacht steht, verrückt zu sein. Clinton ist eine machtgierige, vom Kopf her ebenfalls kranke eiskalte Kapitalistin und ein sogenannter Falke mit Hang zur militaristischen Machtdemonstration, eine in Geldadel und Politik verstrickte, korrupte und unehrliche Karrieristin mit einem merkwürdigen Ehemann, der als Präsident unter anderem für seine sexuellen Eskapaden und Meineide bekannt geworden und dabei von seiner Frau immer gedeckt und unterstützt worden ist." Lehrerin: "Es sind also machtbewusste ältere Leute mit einem Hang zu Populismus, die jeweils einen ziemlich großen Machtapparat, Beziehungen und viel Geld im Rücken haben." Bursche: "Macht das nicht gerade jeden von diesen so gefährlich? Wie konnte es in einer Demokratie so weit kommen, dass die Wähler, das Volk, am Ende nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera haben, zwischen zwei moralisch nicht akzeptablen, nicht integren Bewerbern?" "Das amerikanische Wahlsystem und die als ziemlich statisches Zweiparteiensystem konstruierte politische Machtverteilung kann ausnahmsweise einmal einen Obama oder einen Carter oder Kennedy an die Macht spülen, auch die nicht ohne Fehl und Tadel, aber eben auch einen Nixon, einen Reagan, ein oder zwei Bushs oder einen Clinton. Da passen ein Trump oder eine Clinton ganz gut dazu, ein Bernie Sanders oder Ralph Nader als linke oder grüne Politiker passen eben viel weniger gut da hinein und sind noch älter als die anderen beiden Senioren. Immerhin hat Sanders sich Clinton in der eigenen Partei nur knapp geschlagen geben müssen und die jetzige Grüne Jill Stein ist eben völlig unbekannt. Das ist in den USA noch schlimmer, als Rassist, Feminist, Kommunist oder homosexuell zu sein, jedenfalls wenn man irgendeine Stimme haben will" Bursche: "Das mag ja alles sein, beruhigt mich aber gar nicht. Ich gehe davon aus, dass nach dem 8. November einer der beiden geistig und psychisch gestörten und körperlich unzuverlässigen oder kranken, charakterschwachen machtgierigen Schimpfgreisen eine Weltmacht regieren und die Finger am Atomknopf haben dürfen. Das muss doch jeden in der Welt erschrecken und ängstigen!" Lehrerin: "Muss es das?" Bursche: "Bedrohen diese beiden Charaktere, die jetzt schon von Handelskriegen und militärischen Engagements reden, nicht in eklatanter Weise den Weltfrieden?" Lehrerin: "Tun das Russland, China, Pakistan, Indien, Iran, Nordkorea Israel und andere Atomstaaten auch aus Europa nicht in gewisser Weise auch?" Bursche: "Außer von Nordkorea oder den Ayatollahs oder dem einen oder anderen ultrarechten und orthodoxen israelischen Politiker hört man zur Zeit nicht so viel Dummes, wie von Trump oder Clinton." Lehrerin: "Vielleicht liegt es daran, dass diese beiden die Macht ja noch nicht haben, sondern sie zunächst erstmal anstreben." Bursche: "Haben Sie also keine Angst?" Lehrerin: "Was würde sie nützen, außer dass ich zu jemandem werde wie eine Trump-Wählerin, die aus Angst vor Clinton und ihrer Politikerkaste eben Trump wählt oder eine Clinton-Wählerin, die aus Angst vor Trump eben die in den Umfragen eigentlich sagenhaft unbeliebte Clinton als das kleinere Übel wählt. Oder ich würde gar zu einer wie der Trump, der die Angst vor Amerikas Untergang und vor Clinton schürt oder wie die Clinton, die die Angst vor Trump schürt." Bursche: "Was soll ich also mit der Angst machen?" Lehrerin: "Du musst gar nichts machen, denn Du darfst ja nicht wählen und wie sich im us-amerikanischen Wahlkampf wieder einmal herausstellt, wählen dort Geld und Angst. Das Geld steht für Sicherheit und Macht, für Kontrolle. Das interessiert die Bürger dort, nachdem beide politischen Parteien seit Jahren nicht müde werden, ihren Anhängern die Angst zu predigen. Und tatsächlich: einigen geht es so gut, dass es in deren Wahrnehmung nur noch abwärts gehen kann und die, denen es schon nicht mehr so gut geht oder noch nie gut ging, dienen irgendeinem knapp oder deutlich über diesem Einkommenslevel Liegenden immer noch als furchterregender Beweis für die Berechtigung der Verarmungsängste. Dabei ist längst bewiesen, dass gerade Systeme der Angst schon in den Untergang führten, wie die Hitlerei im "Tausendjährigen Reich", aber auch nationalistischer Stolz und Großmannssucht können in den Untergang führen, wie es der Donaumonarchie und dem Deutschen Kaiserreich widerfuhr. Aktuell probiert Erdogan aus, ob das nicht auch in der Türkei passieren kann oder ob es ihm wirklich gelingt, ein zweites, besseres osmanisches Sultanat anstelle des laizistischen kemalistische Staates zu verwirklichen. Der IS-Faschismus in Syrien und im Irak bricht offenbar trotz der Uneinigkeit diverser Kriegsmächte im Pulverfass Nahost militärisch genauso schnell zusammen, wie er erstarkte." Bursche: "Ist doch aber der islamistische Terrorismus nicht auch eine furchtbare Sache und eine Gefahr für den Weltfrieden und ein Grund, weshalb Trump und Clinton sich wie die Falken mit militärischer Macht entgegenstellen müssen?" Lehrerin: "Durch Gegen-Terror, Bomben und durch Waffenlieferungen an diverse Gruppen? Das aber ist doch das System der Angst, welches es mit sich bringt, dass ein Jeder nach Macht, Einfluss, Waffen und Geld für Waffen und Unterdrückungsapparate ruft, angeblich um den Weltfrieden zu bewahren und dem jeweiligen Gott einer angeblich friedfertigen Religion zu gefallen. Und siehst Du in den Absichten und den Handlungen irgendwelche Erfolge Richtung Frieden und Versöhnung?" Bursche: "Nein. aber was soll ich machen. Offenbar unterscheidet sich meine Angst nicht von denen der Trumps und Trump-Wähler und der Clintons und Clinton-Wähler." Lehrerin: "So ist es und solange die Angst regiert, regieren nicht das Volk und die Demokraten, sondern Macht, Geld und Kontrolle." Bursche: "Was also kann ich wirklich tun, um diesem Mechanismus zu entkommen?" Lehrerin: "Du siehst, dass Angst ins Verderben führt, wenn diese als Grund für Handlungen hergenommen wird, wie auch alle anderen so genannten "negativen" Gefühle, die unreflektiert ausagiert werden, wie z.B. auch Zorn und Hass oder Neid und Eifersucht. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als für diese schwierigen Gefühle einen inneren Weg der Versöhnung zu suchen und zu gehen, statt sie nach außen zu projizieren und damit eine entsprechende zerstörerische Resonanz zu erzeugen. Es kommt als darauf an, eine authentische, friedliebende, freundliche Resonanz zu erzeugen, indem wir diese Quellen dafür in uns selbst freilegen. Die Angst, mit der andere spielen, hindert uns daran, wenn wir dieses Spiel mitspielen." Bursche: "Und wie können wir verhindern, dass etwas Schlimmes passiert, bis die friedfertige Resonanz sich ausgebreitet hat?" "Lehrerin: "Nicht, in dem wir aus Angst vor dem Schlimmen unsererseits zur Macht greifen und die Mittel dazu, z.B. das Volk durch Angst vor irgendeinem Schlimmen rekrutieren. Wir müssen uns also völlig von diesem Weg abkoppeln, dann hat das Angstsystem und seine Repräsentanten keine Macht mehr über uns." Bursche: "Ist das nicht ein gefährlich naiver Glaube? Hätte eine solche Haltung jemals etwas Böses gestoppt?" Lehrerin: "Wenn nicht, haben das jedenfalls nicht sehr viele lange und ausdauernd genug versucht. Wir wissen es erst dann, wenn wir wirklich konsequent diesen neuen Weg einschlagen. Die vielen Rückfälle mit Rückkehr zu den alten Wegen beweist nur, dass der Weg der Angst, der Macht, des Geldes und der Kontrolle nicht funktioniert, dass er immer auf die eine oder andere Weise Leid und Verderben hervorruft, negative Gefühle und massenhaftes Unbehagen. Darin unterscheidet sich dann am Ende eine Diktatur von einer so genannten Demokratie nur scheinbar und äußerlich, aber innerlich empfinden die Menschen ähnlich, fühlen sich unfrei, als Opfer der Verhältnisse, sind ängstlich und leicht zu entmutigen, egoistisch und unsolidarisch, lieblos und verächtlich, letztlich auch sich selbst gegenüber." Bursche: "Wer will länger in einer solchen Welt leben, wenn er die Wahl hat?" Lehrerin: "Aber du hast die Wahl!"
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Mittwoch, 9. November 2016, 22:34

Stimmen zu Trump

"Wie kommt es, dass Sie nicht bewegt davon sind, dass Trump mit weniger Stimmen als Clinton mehr Wahlmänner auf sich vereinigen und im Präsidentschaftswahlkampf Erfolg haben konnte?" "Wenn ich die Wahl habe - und wir haben immer eine Wahl - zwischen Feixen und Verachtung, wähle ich die Mitte: Gelassenheit."

"Warum sind Sie nicht erschrocken? Haben Sie nach der US Wahl keine Angst vor Trump?" "Wenn Trump Angst hat - und wir wissen, dass er immer Angst von geradezu paranoidem Ausmaß hat - sollten wir gerade keine haben, denn Furcht gibt den vielen kleinen Trumps die Macht, die den einen kleinen Trump groß gemacht hat."

"Was ist schlimmer als ein Trump, der alle f..... will?" "Die, die sich von Trump f..... lassen"

"Ist Trump gegen das System?" "Nein. Er ist sogar für Frauen und für Schwarze. Sie sollen wieder für Amerika arbeiten, um ihn groß zu machen!"
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Sonntag, 13. November 2016, 12:14

Ich hab' mich (nicht) lieb

Malay Varma, die gerne als das spirituelle Herz des Mimetischen Volkes bezeichnet wird, welches schon seit den Fünfziger Jahren unter der chichemischen Unterdrückung leidet, wurde von einem westlichen Journalisten, Mr. Smith, gefragt, wie sie sich die im Westen so häufig diagnostizierte Depression erkläre. Dieser Journalist stellte einmal in einem seiner Artikel über Aussteiger dar, dass Viele, die im Umfeld von Malay Varma's Exiltempel die Erleuchtung suchten, in Wahrheit einfach eine Depression hätten und es gefährlich sei, sich in ein Zen-Kloster zurückzuziehen, wie einstmals Leonard Cohen oder Mantra zu rezitieren oder "Osho's" "Dynamische Meditation" zu praktizieren, statt einfach regelmäßig seine Antidepressiva zu schlucken. Malay Varma wurde von ihm mit der Aussage zitiert, Depressionen seien ein Mangel an Liebe. Mr. Smith wollte herausfinden, auf welche Expertenkenntnisse sich die von ihm als "spirituelle Ikone" bezeichnete Weisheitslehrerin, die großen Zulauf aus dem Westen erhalten soll, berufen könne.

Zunächst wollte Mr. Smith, wissen: "Frau Varma, was halten Sie von den wissenschaftlichen Entstehungshypothesen der Erkrankung Depression?" Malay Varma: "Mir ist bekannt, dass Psychiater im Westen seit den späten Fünfzigern behaupten, die Depression sei eine körperliche Erkrankung des Gehirns und gehe darauf zurück, dass es in einigen Bereichen des Gehirns zu wenig Botenstoffe zur Übertragung von Signalen von einer Nervenzelle zur nächsten geht. Und es ist mir bekannt, dass seit ein paar Jahren von anderen Psychiatern behauptet wird, traumatische Erfahrungen in der Kindheit würden sozusagen die Seele verletzen und die Depression werde von den Opfern als eine Art Abwehrverhalten gelernt. Ich finde, diesen Streit sollten die Wissenschaftler und Psychiater erst unter sich ausmachen, bevor sie ihre Ergebnisse als die reine Wahrheit der geneigten Öffentlichkeit anbieten und verkaufen, denn sie haben handfeste Interessen, die hinter ihrer Meinung stehen." "Was meinen Sie damit?", bohrte Mr. Smith nach. Malay Varma, oft nur genannt "Ma", antwortete: "Nun, es ist doch offensichtlich, dass die Anhänger der fast sechzig Jahre alten Transmitter-Hypothese, die nie zweifelsfrei bewiesen wurde, auch weitere Jahrzehnte Antidepressiva verschreiben und verkaufen möchten, die dem angeblichen Transmittermangel aufhelfen sollten. Und die Trauma-Anhänger wollen mit diesem Erklärungsmodell eine angeblich innovative Variante von Psychotherapie anpreisen, die Traumatherapie."

"Und welche Erklärung haben Sie anzubieten?", hakte Mr. Smith nach, "Ist es Ihr Ausspruch, es handele sich um einen Mangel an Liebe?" "Das ist eine wichtiger Punkt, der aber in dieser Verkürzung vermutlich etwas provozierend erscheint und so scheint mir Ihre Frage auch gemeint zu sein, Mr. Smith", erwiderte "Ma". "Also, wie ist es Ihrer Meinung nach wirklich?", wollte Mr. Smith wissen. "Ich kann Ihnen zu diesem Punkt gerne meine Meinung sagen. Ob sie für Sie wahr ist, sollten Sie aber für sich selbst überprüfen. Also: Das, was die Mediziner im Westen als Depression bezeichnen, kann nicht ohne die Selbsteinschätzung eines so genannten "Ich's" existieren, ein fragiles psychologisches Gebilde, dass Menschen in frühester Kindheit unter Aneignung all der äußeren Zuschreibungen und inneren Erfahrungen dazu entwickeln und dass sie seitdem nicht mehr autonom empfinden und urteilen geschweige denn lieben lässt. Die Anforderungen der Gesellschaften, in denen Depressionen beschrieben werden, sind sehr komplex und auf den ersten Blick sehr widersprüchlich und damit sozusagen etwas "verrückt" oder paradox. Die Individuen sollen für ihre eigenen Bedürfnisse sorgen und ihr persönliches Glück anstreben und gleichzeitig sollen sie jederzeit nützlich für die Bedürfnisse der äußeren Gesellschaft sein, für ihre Eltern und Partner sowie Kinder innerhalb ihrer Familien, für die Gemeinde, das Dorf, ihre Firma, den Staat. Dieses Ich entwickelt sich unterschiedlich, es ist flacher oder tiefer, platt oder niveauvoll, aber darauf kommt es weniger an. Es ist ein fragiler Kompromiss, der auf Erlösung hofft. Menschen mit solch einem Ich suchen in Erlösungsreligionen Hoffnung. Erlösungsreligionen sind jedoch Schuldreligionen. Sie betonen wie die Eltern eines neugeborenen Kindes es oft unbewusst von Anfang an tun, dass es eine grundlegende Schuld, einen geradezu erblichen Mangel gibt, ein Nichtkönnen und eine fehlende Perfektion und darum die Notwendigkeit der Reinigung, Bekehrung und des nützlich Werdens für die anderen und der ständigen Optimierung."

"Und ist das denn nicht so?", will Mr. Smith wissen. Darauf "Ma": "Das hängt von Ihrem Standpunkt ab und den können Sie nach so einer Prägung von frühester Kindheit an kaum unabhängig finden. Noch wichtiger als die Frage, ob diese Prägung ausreicht - das allein vermutlich nicht, denn es gibt später Befreiungsmöglichkeiten - ist die, wohin eine solche Erziehung und spätere Haltung bei den Menschen führt. Sie erfahren einen Mangel an Akzeptanz und das ist in diesem Fall ein Mangel an bedingungsloser Liebe für alles, was sie sind. Und dieses Mangelgefühl nehmen sie mit sich. Depression baut darauf auf. Sie ist eine chronisch gewordene Haltung, die das jeweilige Ich zwar immer in den Mittelpunkt stellt, jedoch in die Mitte von Anforderungen und Ungenügen, was sowohl bestätigend wie gleichzeitig destruktiv und verletzend ist. Das Ich richtet sich in dieser prekären Situation ein. Die, die es schaffen, sich darin einzurichten, ohne erkennbar verrückt zu werden, indem sie wesentliche Anteile von sich unterdrücken und verdrängen, haben gute Chancen, eine Depression zu entwickeln, die anderen haben nicht einmal die Möglichkeit, eine relativ stabile Ichvorstellung zu entwickeln, sie werden irgendwann einmal ganz verrückt, vielleicht sogar geradezu schizophren, um in den diagnostischen Formeln westlicher Psychiater zu sprechen. Dabei ist doch dieses System schon von selbst sehr gespalten, eben schizophren."

"Was ist also Ihre Formel?", fragt Mr. Smith. Und "Ma" antwortet: "Formeln sind immer nur eine Abstraktion für eine kompliziertere Sache. Aber sie sind auch manchmal eine gute Ausgangsthese für echte Diskussionen. In der Depression steht immer eine hybride und anfällige Konstruktion eines Ichs im Mittelpunkt, dass sich mehr oder weniger erfolgreich versucht, zu rechtfertigen, zu verteidigen, zu behaupten oder zu verändern, je nach dem was die alten oder modernen Schuldreligionen unter Einschluss der modernen Psychologie dazu sagen. Diese Selbstbeschau unter Schuldvorwurf oder der Angst, ständig ungenügend zu sein, steht im Mittelpunkt und chronifiziert. Wir wurden als Betroffene schon in unserer Kindheit immer wieder lieblos angeschaut und beurteilt und tun dies bis heute selbst. Wir wurden auch nicht selten für die Bedürfnisse anderer missbraucht, in der Folge missbrauchen wir uns dann selbst und andere. Wir leiden unter einem Mangel an aufrichtiger Selbstliebe, die mit der Selbstbeweihräucherung eines durch massive Verdrängung künstlich gestärkten Ich-Idols nichts zu tun hat. Daher ist Depression ein Mangel an Liebe. Wir kompensieren das, in einer Variante zum Beispiel, in dem wir noch demütiger zu sein versuchen und nehmen uns noch mehr Selbstachtung und liefern und der Rechthaberei der Schuldreligionen aus, wenn wir von diesem Mangel betroffen sind. Eine solche Variante scheint eine sehr weibliche Art und Weise zu sein, während die Männliche oft in Wut gewandet gegen andere ausbricht statt gegen sich selbst. Aber es gibt stets Mischungen von Beidem. Aus diesem Mangel an liebevoller Erfahrung und dadurch genährter Haltung heraus können so Betroffene weder sich selbst noch andere wirklich warmherzig und liebevoll annehmen. Sie müssen immer weiter spalten und verdrängen, damit dieses Problem nicht auffällt, ansonsten werden sie ganz verrückt oder sogar für verrückt erklärt."

Mr. Smith, zufrieden, dass Malay Varia offenbar keinerlei psychiatrische Expertenkenntnisse ins Feld führt und lediglich in spirituellen Dimensionen von "Liebe" spricht, fragte weiter, um sie zu entlarven: "Wenn Sie von Liebe sprechen, meinen Sie vermutlich irgendein Gefühl oder eine religiöse Liebe. Auch dem Christentum wurde nachgesagt, eine Liebesreligion zu sein. Was hat das aber alles mit den tatsächlichen Leiden depressiver Patienten zu tun, die vielleicht zu Ihnen kommen, um geheilt zu werden, in dem sie bei Ihnen Liebe erfahren?" Darauf antwortete "Ma": "Ich bin kein Arzt. Ich heile nicht. Das wissen die aus der westlichen Medizin als ungeteilt Entlassenen sehr wohl. Gute Ärzte wissen darüber hinaus, dass sie selbst nicht heilen: 'Medicus curat, natura sanat', heißt es sogar bei den Ahnen der abendländischen Medizin. Der Arzt kümmert sich um den Kranken, die Natur aber, die eigene, innere Natur nämlich, heilt. Ich bin übrigens davon überzeugt, dass das Liebesprinzip, das sich sowohl von einem Gefühl wie von einem Bedürfnis unterscheidet, sowohl im spirituellen Sinne wie im psychologischen oder psychoanalytischen Sinn Überschneidungen in seiner Bedeutung hat. Es geht um liebevolle Annahme, um totale Selbstakzeptanz und um die Kraft und Schönheit, die wir damit empfangen und aus deren Überfluss wir verschenken können, sogar uns selbst, weil wir ein Teil davon werden, ohne dass wir dadurch weniger werden."

"Dennoch habe ich den Eindruck", bohrte Mr. Smith weiter, "dass Sie nicht viel von Psychiatern und Psychologen halten und ich frage mich, was Sie zu geben haben. Bekommen Sie nicht eine Menge Zuwendungen und Spenden? Wofür? Andrerseits kritisieren Sie, dass die Mediziner Arzneien und Therapien verkaufen wollen." Dazu "Ma": "Es ist nicht meine Einstellung, dass hilfreiche Arzneien umsonst sein und nichts kosten sollen und auch nicht, dass Menschen, die sich um Kranke kümmern und dies in einer Gesellschaft tun, in der diese Aufgabe von bestimmten Berufsständen wahrgenommen werden, nicht ihren Lebensunterhalt durch ihre Arbeit verdienen dürfen. Was die Zuwendung an uns betrifft, so akzeptiere ich Gaben, die in Liebe oder Dankbarkeit zur Förderung dieses Anwesens und unserer Anliegen gegeben werden. Was für eine Liebe würden wir vertreten, wenn diese Liebe nicht eine annehmende und gebende Liebe wäre? Aber sie ist eben keine Fordernde, sie ist nicht an Erwartungen fixiert und auf Gegenleistung aufgebaut und daher muss sie auch nichts versprechen oder für sich werben. Sie ist einfach da und wir leben in ihr und nicht von ihr."

"Aber", wirft Mr. Smith ein, "Sie machen auf mich und wohl auf viele Westler den Eindruck, als seien Sie erleuchtet und schauen von daher nur mit allergrößter Distanz und Skepsis auf uns Zurückgebliebene, die ab und zu noch einen Therapeuten aufsuchen oder ein verordnetes Medikament einnehmen müssen. Viele Anhänger Ihrer Ideen unterscheiden nicht einmal zwischen selbst eingenommenen illegalen Drogen und vom Arzt verschriebene Psychopharmaka. Sind Sie erleuchtet?" "Ma" lachte laut auf und erzählte: "Beurteilen Sie es selbst! Vor fünf Jahren hatten wir anlässlich eines Jubiläums sehr viel Besuch bei uns von Reisegruppen und Journalisten, Politikern und natürlich ernsthaft Suchenden (zwinkert). Obwohl wir hervorragende Leute haben, die alles viel besser erklären können, als ich, wurde ich immer wieder gebeten, bei Empfängen, Rundgängen und Ansprachen dabei zu sein. Das war wirklich sehr anstrengend und ich kam kaum noch zu Zeiten des Alleinseins oder für vertrauensvolle Zwiegespräche. Aber es machte auch Spaß. Da vertrat ich mir den Fuß an einer kleinen Unebenheit des Weges. Der Knöchel tat weh und ich humpelte. Ich bekam einen Salbenverband und benutzte eine Gehhilfe. Meine Wege ging ich nun langsam und mit äußerster Achtsamkeit. Die große Menge der Besucher wollte schnell voran und begleitete meine jungen, behänden und eloquenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Meine Assistentin fragte später, ob ich das Unglück nicht hätte kommen sehen. Ich gab zu Bedenken: und wenn ich es vermieden hätte, weil ich es hätte kommen sehen, hätte ich wohl diese Schonung, Fürsorge, Rücksichtnahme und Ruhe bekommen, die man mir nach dieser kleinen Verstauchung so rührend und liebevoll zukommen ließ? Und einige hatten sogar das Vergnügen, über mein menschliches Pech zu lächeln, denn es wird kaum berichtet, dass sich ein heiliger Mann, ein Gott oder ein Erleuchteter den Knöchel verstauchte und en einer Krücke humpelte (kicherte).

Mr. Smith konnte sich eines Schmunzelns nicht erwehren, fragte dann aber doch insistierend nach: "Also, Verband und Krücken akzeptieren Sie, aber Therapie und Therapeuten, Ärzte und Medikamente?" Und dann sprach "Ma" in ernsterem Ton weiter: "Mit den Tabletten und den Ärzten ist es meiner Meinung doch so: Die Einbildungskraft ist unser schöpferisches Vermögen, sie kann sogar stärker sein, als der Eingriff von Psychopharmaka oder anderen Drogen in das Gehirn. Wenn diese Kraft Anhaltspunkte benötigt, an denen sie ansetzt, um sich zu entfalten, zum Beispiel um einen Zustand des Wohlbefindens und der Gesundheit wieder herzustellen, dann ist es nicht in erster Linie wichtig, ob ein Placebo, ein Psychopharmakon, eine homöopathische Arznei oder ein Mantra diesen Anhaltspunkt bieten. So lange das Bewusstsein sich seiner Schöpferkraft ausreichend bewusst ist und die Wirkung nicht ausschließlich auf den Anhaltspunkt projiziert, ist alles im Rahmen und mehr oder weniger unschädlich. Wenn aber irgendein System, eine Wissenschaft oder ein anderes Glaubenssystem verkündet und unser noch begrenztes Bewusstsein das glaubt, dass nur diese Pille oder dieser Glaubenssatz hilft und heilt und wir ohne diese Mittler nicht mehr auskommen können, sind wir unter Kontrolle der Dinge, die wir mit unseren Projektionen füttern und lähmen unser schöpferisches Bewusstsein. Ich akzeptiere einen Verband und eine Salbe für meinen Knöchel und eine Krücke für das langsame, behutsame, achtsame Gehen, nehme mir die Zeit und Ruhe, die ich benötige und weiß, dass mein Körper zusammen mit meiner vernünftigen und rücksichtsvollen Einstellung ihm gegenüber loyal und freudig an der Heilung arbeitet. Wenn eine Pille dafür hilfreich ist, wie eine Salbe oder ein Verband oder ein Stock, dann werde ich erwägen, vorübergehend eine zu nehmen, z.B. ein Mittel, das dem Knöchel hilft, abzuschwellen und dem Bluterguss, vom Körper aufgenommen zu werden. Was die Ärzte und Therapeuten betrifft, ist ihre Arbeit gut, wenn sie von Achtung und Liebe getragen ist, sich selbst und ihren Patienten gegenüber. Diese Arbeit ist gut, weil sie von liebevollen Menschen vollbracht wird. Das gilt übrigens für alle guten Berufe und für alle guten Arbeiter."

Mr. Smith wollte es genauer wissen: "Aber wenn die Ärzte an den Leiden der Kranken verdienen, finden Sie das doch nicht gut, oder?" "Ma" antwortete: "Wenn Ärzte und Therapeuten sich Zeit nehmen, ihren Patienten zuzuhören und zu helfen, dass die Kranken die Lösungen und Wege in sich entdecken, die der Natur ihrer Heilung noch im Wege stehen und wenn sie dies in der erwähnten Haltung der Liebe und des Respekts tun, können sie während der gleichen Zeit nicht für sich selbst oder ihre Familien da sein, es sei denn, sie erhalten etwas zum Lebensunterhalt durch die Ratsuchenden oder durch die Gemeinschaft. Sie erfahren dadurch ebenfalls Wertschätzung und Ausgleich. Das ist für mich in Ordnung und es ist in unserer Welt ganz offensichtlich notwendig." "So erachten Sie die bezahlte Heilkunde nicht als Betrug, als Manipulation oder als Prostitution?" wollte Mr. Smith wissen. "Nein, nicht, wenn es in der Weise geschieht, wie ich es erwähnte", präzisierte "Ma": "Manipulation entsteht dann, wenn ich etwas vorgaukele und ein anderes Ziel verfolge, als das Offensichtliche. Das hat tatsächlich etwas mit Betrug zu tun. Und bei der Prostitution betrüge ich mich als Anbieter wie Kunde selbst. Ich kann Liebe nämlich nicht verkaufen, Zuneigung und Nähe genauso wenig wie Anerkennung und aufrichtige Anteilnahme. Dies sind vielmehr Haltungen, die ich in mir entwickelt haben muss. Wenn ich mit dieser Haltung einem Menschen gegenüber trete, der einen Rat möchte oder einfach ein Gespräch sucht und dafür meine Zeit, meine Gegenwart benötigt und ich dafür zur Verfügung stehe und mein Gegenüber mir dafür ein Honorar, eine Anerkennung gibt, so ist das in unserem System keine Prostitution. Bei der sexuellen Prostitution gaukeln sich beide Vertragspartner etwas vor bzw. dem Anderen und beide sind oft psychologisch sehr bedürftig. Letzteres und bei manchen Prostituierten kommt noch eine existenzielle Not oder Zwang dazu, macht absolut unfrei. Es geht zwar bei unseren Sehnsüchten im Tiefsten um Liebe, Intimität und Anerkennung und doch kommt es gerade bei diesen Geschäften nicht dazu, dass diese essentiellen Erfahrungen verkauft oder erworben werden. Trotz möglicher erotischer Abenteuer und äußerlicher Befriedigung bleiben wichtige Bedürfnisse unerfüllt und leer und fordern eine permanente Wiederholung von Ersatzbefriedigungen, um diese Leere zu verdecken. Wir können aber ohne Probleme ein Gesundheitswesen konstruieren, dass wie ein Bordell mit Prostitution, Werbung und Ausbeutung funktioniert." Mr. Smith: "Sehr verehrte "Ma", ich danke Ihnen für dieses Gespräch.
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Dienstag, 15. November 2016, 12:49

Humankapital

Der Referent erwähnte in seinem Vortrag mit wertschätzenden Worten, dass Mitarbeiter heutzutage wertvolles Humankapital seien und man sich in der Unternehmensführung weltweit der Verantwortung bewusst sei. Ein Abt und Leiter eines Klosterunternehmens wohnte der Tagung "Christlicher Unternehmer" bei und er wurde gefragt, was er von dieser Formulierung halte. Er antwortete: "Ich würde vorsichtig sein. Diese und ähnliche Begriffe legen nahe, dass Humanismus und Kapitalismus miteinander vereinbar wären. Wenn man aber aus kapitalistischer Sicht den "Faktor Mensch" wie eine Ware oder ihr Tauschmittel Geld oder als Produktionsmittel, eben Kapital bezeichnet und behandelt, muss das für den Menschen nicht unbedingt vorteilhaft sein. In früheren Zeiten waren z. B. Sklaven auch in christlich geprägten Ländern "Humankapital", behandelt wurden sie wie Dinge, nicht wie Menschen und es zählte der Profit, nicht die Menschlichkeit. Die Kapitalisierung macht aus Menschen Produzenten, Produktionsmittel, Waren und Konsumenten. Das Menschliche lässt sich dann nur noch in der Gier und der Angst der einzelnen Individuen oder ganzer Gruppen wiederfinden. Gemeinsam ist dieser Form von menschlichem Umgang mit Besitz und Macht am Ende die Not, die er unseren Körpern, unserer Seele und unserem Geist bereitet. Menschlich wäre, wenn alle Menschen, ja die ganze Welt von den Dingen einen guten Nutzen hätten, unmenschlich ist, wenn wir Menschen den Dingen unterordnen oder sie wie Dinge betrachten und benutzen.""
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Freitag, 25. November 2016, 13:54

Warum sind wir hier?

In uns kann sich die Göttliche Liebe in der Enge erfahren und Geduld üben. Vom irdischen Hier zieht die göttliche Liebe wieder in die Weite und erfährt sich in der Großzügigkeit und erneut in der Geduld mit all den Anteilen, die auf Erden noch miteinander in der Enge wohnen. Aber wo auch immer atmet das Göttliche die geduldige Liebe im Kleinen und Großen, im Engen und Weiten, oben und unten.
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Sonntag, 11. Dezember 2016, 12:29

Leiden Können oder Lieben

"Ich habe viel Mitleid mit meinen Mitmenschen, sagte der Schüler", "darum denke ich immer, Gott müsste eingreifen. Was ist der Unterschied zwischen dem menschlichen und dem göttlichen Mitleid?" Der Meister: "Wenn Du Deine Mitmenschen leiden kannst, musst Du viel leiden und das hältst Du nur begrenzt aus, weshalb Du Dir wünscht, jemand möge das Leiden beseitigen, damit es Dir besser geht. Dafür suchst Du Dir einen Gott. Wer GOTT mit LIEBE gleichsetzt, spürt, dass ein LIEBENDER und eine LIEBENDE einfach lieben und gar keinen Sinn für Leiden haben, die jemand anderer wegnehmen müsste, um die Liebenden davon zu befreien."
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Samstag, 24. Dezember 2016, 19:20

Schärfstes Gesetz zu Weihnachten

Ein Mitglied der Societas Jesu wurde nach einem Anschlag auf Christen durch einen Terroristen gefragt, was er von einem besseren Schutz für verfolgte Christen und einer Verschärfung der Gesetze halte und er antwortete: "Wenn man das Gesetz dann auch endlich einmal anwenden würde, sei er dafür und zwar das schärfste und radikalste Gesetz, das auch für Christen von Christus gegeben worden ist: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Es sei ganz offensichtlich, sagte der Journalist, ohne Zweifel ein liberaler Religionskritiker, dass die Christen weder sich noch andere genügend lieben würden, um Friedensstifter zu sein. Der Jesuit seufzte und antwortete: "Darum hat Jesus eine Vereinfachung erlaubt, wenn die Selbstliebe noch nicht so weit vorangeschritten ist und geboten: Liebet Eure Feinde!"
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Sonntag, 1. Januar 2017, 23:07

Liebe finden und erkennen

Sie wollten von ihrer Prophetin wissen, woran sie Liebe erkennen können. Sie sagte: "Es ist schwer, denn sie ist kein einziges Gefühl und es ist leicht, denn Eure Intuition kann sie fühlen. Es ist schwer, denn sie bietet dem Intellekt keine Beweise und sie rechtfertigt sich nicht. Und es ist leicht, denn ihre Wahrheit verbirgt sich nicht, noch drängt sie sich auf. Es ist schwer, denn auch wenn sie sich hingibt und dem Höchsten dient, ist sie keine Tugend. Es ist leicht, denn sie ist ein Geschenk, das sich nicht kaufen lässt. Es ist schwer, denn sie lässt sich mit unseren Alltagssinnen und unserer Einsicht nur schwer finden. Es ist leicht, denn auch wenn der Alltag sie verdeckt, geht ihre Essenz nicht verloren. Es ist schwer, sie zu sehen, weil wir weniger durch die hässlichen als noch mehr durch die schönen Bilder der Welt blind für sie werden können und es ist leicht, sie zu hören, wenn wir hingebungsvoll auf unsere innerste Stimme lauschen. Es ist schwer, sie wirken zu lassen, weil wir oft fürchten, dass sie verloren gehen könnte und wir sie zu eifersüchtig hüten und es ist leicht, weil wir durch sie alles aufgeben können und doch nie verloren sind. Es ist schwer, weil durch die Liebe alles Bekannte endet und es ist leicht, weil die Liebe der Beginn jedes wahren Lebens ist. Es scheint schwer zu sein, weil die Menschen Philosophen, Propheten und Priester nach der Liebe fragen und doch offenbart sie sich noch leichter einem einfachen Menschen, der einfach nur wach ist und lauscht, schaut und spürt."
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Dienstag, 7. März 2017, 22:40

Reiskorn

Buddha trifft Jesus in Bali und schaut auf Mohamed: "In einem Punkt können wir uns einigen: lasse alles los bis auf die Liebe und in dieser eifere!" "Oh Reiskorn, wunderbares! Speise und Gleichnis!"
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Samstag, 8. April 2017, 10:19

Experten

"Ich habe schon einige Psychiater hinter mir", begann der neue Klient das Gespräch mit dem Therapeuten. "Da waren viele Experten in der psychopharmakologischen Therapie dabei. Ich nehme jetzt schon drei Medikamente." "Und nun kommen Sie zu mir?", fragte der Therapeut, "gehören Sie zu den Mutigen, die sich eine Empfehlung zu einem weiteren Psychiater erhoffen, der mit einem neuen Medikament behandelt?" "Nein, eher nicht", antwortete der Klient, "man hat mir gesagt, dass Sie zu den Therapeuten unter den Psychiatern gehören, die keine Medikamente verschreiben wollen." "Also möchten Sie eine Begleitung beim Absetzen der Medikamente?" wollte der Therapeut wissen. "Nein", erläuterte der Klient, "ich möchte nichts daran verändern, die Medikamente haben viele Nebenwirkungen und mit denen von meiner jetzigen Kombination kann ich gerade so leben." "Also möchten Sie eine längere Psychotherapie, vielleicht stationär in einer Klinik?", erkundigte sich der Therapeut. "Um Gottes Willen, dafür habe ich keine Zeit", platzte der Klient heraus, "ich will einfach nur einen guten Rat." "Jeder ist ein Experte für sich selbst", sagte der Psychotherapeut zu einem Klienten, der von ihm einen Expertenrat verlangte. "Das kann nicht sein", beharrte der Klient, ich weiß überhaupt nichts!" "Das wissen Sie offenbar besser als ich, was meine Ansicht zu bestätigen scheint." Der Klient schwieg einen Augenblick. Der Therapeut fuhr fort: "Bevor wir uns unterhalten haben, war ich der Überzeugung, dass jeder Mensch etwas gut kann." "Ich bin da offensichtlich die Ausnahme. Ich kann gar nichts und schon gar nicht kann ich irgendetwas gut", entrüstete sich der Klient. "Ich wäre mir da nicht so sicher", entgegnete der Psychotherapeut, "ich habe den Eindruck, Sie können sich sehr gut schlecht machen und bestimmt werden Sie mir auch noch sehr bald beweisen können, wie recht Sie mit dieser Ansicht über sich haben." Der Klient schaute verwirrt und setzte dann mit etwas ärgerlicher Stimme nach: "Hören Sie mal, ich bin zu Ihnen gekommen, damit Sie mir in meiner Situation einen Expertenrat geben, um mir zu helfen und nicht, damit Sie mich analysieren." "Sehen Sie", räumte der Therapeut ein, "ich fürchte, Sie haben schon wieder recht. Analysieren können Sie sich selbst vermutlich auch am besten. Nur mit dem Rat wird das wohl nichts. Ich wüsste nicht, was ich Ihnen noch raten könnte, nach all den anderen Experten." "Da haben ich wohl den falschen Experten konsultiert?" fragte der Klient etwas gereizt. "Ja, genau das sollten Sie sich fragen. Sie wissen am besten, welche Fragen Sie gefragt werden wollen und welche Antworten Sie akzeptieren können", antwortete der Therapeut. "Aber weshalb komme ich denn zu Ihnen? Ich will, dass Sie mir etwas Neues sagen! Wenn ich immer das Gleiche höre, denke, sage, tue, kommt immer wieder das Gleiche dabei heraus. So ändert sich ja nie etwas bei mir!", schrie der Klient auf. "Das haben Sie gesagt", erwiderte der Therapeut. "Ich vermute, Sie ahnen, dass ich Ihnen in der Weise, wie Sie unsere Expertenrolle definieren, nicht helfen kann. Aber es war ein toller Versuch und beinahe hätte ich mich sehr geehrt gefühlt. Doch Sie kennen das ja: in Wirklichkeit will niemand für etwas gelobt werden, was er nicht wirklich kann." Der Klient wurde nachdenklich. Dann sagte er: "Vielleicht kann mir Ihre Unwissenheit noch nützlich sein, mehr als ein weiterer unnützer Rat eines Experten, von denen ich schon so viele gesammelt habe. Aber Sie scheinen mir von allen Experten wirklich der Dümmste zu sein. Sie hätten mit einer anderen Haltung viel Geld verdienen können." "Da haben Sie vielleicht wieder recht", seufzte der Therapeut, "aber gut dass Sie mich daran erinnern, Ihnen für meine bescheidenen Bemühungen eine Rechnung zu schreiben." "Naja," sagte der Klient, "bisher kamen mich die Folgen der Ratschläge anderer Experten oft teurer, als die Rechnung. So wenig, wie manche Psychotherapie etwas bringt, für beide Seiten, so wohlfeil sind die Worte und die Pillen und so folgenschwer die Auswirkungen!"
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