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21

Freitag, 24. Januar 2014, 23:48

Glauben

Ein aufgeklärter Jude sprach den chassidischen Rabbiner seines Dorfes an, um mit ihm über Glauben zu streiten: „An Gott zu glauben, ist doch verrückt!“, rief er herausfordernd. „Du hast Recht“, antwortete der Rabbi „und verrückt ist es, ohne IHN zu leben!“ „Na, dann ist es für mich besser, ohne Gott der Vernunft zu gehorchen, alles Andere ist doch Unsinn!“, erwiderte der Aufklärer trotzig. „Freilich ist es das für Dich, wenn Du glaubst, Dich aus Vernunft freiwillig gegen IHN entscheiden zu müssen. Du bist Mensch. Ich bin Mensch und Jude. Für meinen Glauben ist es besser, freiwillig auf IHN zu hören und bewusst in IHM verrückt zu sein.“
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Sonntag, 26. Januar 2014, 14:27

Heilen oder nicht?

Ein Meister wurde von seinem Schüler gefragt, welchem Beispiel mehr zu folgen sei, demjenigen eines Heilers, der diejenigen, die ihn darum bitten, heilt und sei es mit einem kleinen Wunder oder demjenigen eines Weisen, der jede Heilung ablehnt, weil seiner Meinung nach eine von außen gewirkte Heilung die innere Ursache der Krankheit nicht beseitige. Der Meister fragte seinen Schüler: "Wie siehst Du selbst es? Glaubst Du, das Worte und Wunder einen Menschen heilen?" "Es gibt Meister, die können dies bewirken. So wird jedenfalls erzählt", antwortete etwas verunsichert der Schüler. "Und ich sage Dir, kein Wort und kein Wunder bewirkt etwas ohne den Kranken, der sich selbst entschließt, solange er dazu noch im Stande ist, das Wort und das Wunder anzunehmen und zu genesen", stellte der Meister fest. "Und wenn Gott ihn selbst heilt, muss der Kranke dann nicht genesen und wenn der Meister im Auftrage Gottes ein Wunder wirkt?", wollte der Schüler wissen. "Auch wenn Du Gottes Wirken annimmst, so wirkt Gott und sein Beauftragter doch durch Geist, Seele und Körper des Kranken und nicht ohne dessen Einwilligung, sonst wird er nicht gesund. Nun sage Du selbst, ist es besser, die Bitte um Heilung zu erfüllen, oder zu verweigern?", fragte der Meister. "Ich weiß es nicht", grübelte der Schüler. "Nun, auf der höchsten Ebene ist es einerlei, wie Du Dich entscheidest, denn heilen können nur zwei zusammen, ein Heilkundiger, der mit aller Liebe gibt, was Gott gegeben hat, sogar sich selbst und ein Kranker, der mit aller Liebe nimmt, was Gott zu geben hat, sogar sich selbst. Und wenn dann Heilung geschieht, so ist es in aller und in Gottes Sinn." Der Schüler dachte nach. "Dann ist einer, der sich weigert, zu heilen, auch einer, der nicht heilen kann, weil er nicht von Liebe durchdrungen ist?" "Oder er ist einer, der von Liebe durchdrungen ist und merkt, dass der andere diese noch nicht in sich aufnehmen kann", erklärte der Meister. "Jetzt hast Du über die höchste Ebene gesprochen. Und was ist unterhalb der höchsten Ebene entscheidend, um die Frage zu beantworten", wollte der Schüler wissen. "Die Antwort liegt wieder in Dir. Denn die höchste ist auch die äußerste und die fernste Ebene und die tiefste und innerste Ebene erfährst Du in Dir selbst", ließ ihn der Meister wissen. "Und wie finde ich in mir die Antwort?", beharrte der Schüler. "Warst Du mal krank und hattest Schmerzen und Leid und warst zerrissen zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Hingabe und Hoffnungslosigkeit und fandest keinen Ausweg?" "Ich glaube schon", sagte der Schüler. "Und was bewirkte die tiefe Umkehr zum Besseren und zur Genesung?" wollte der Meister wissen, "war es Leiden oder Hoffen, Hoffnungslosigkeit oder Hingabe, Schmerz oder Trost?" Da sagte der Schüler: "Hoffnungslosigkeit ließ mich verzweifeln, im Hoffen und Flehen auszuhalten ließ mich mürbe werden und unendlich und ausweglos leiden. Erst als ich den Schmerz ganz verspürte und mich nur noch hingeben konnte an ihn und an einen göttlichen Trost, kam er von einem Menschen, aus mir oder von Gott selbst, stieg meine Seele wieder aus dem Leid empor." "So ist es", sagte der Meister, "nicht Leiden lässt unsere Seele nach dem Grund des Leidens forschen und ihn finden, nicht Hoffen befreit unseren Geist, nicht Flehen führt zu Erhörung und Ausweg, nur fühlende Hingabe an unseren Schmerz durch und durch, der in uns und um uns ist, in mir, im Nächsten, in Gott, führt in das Allerkennen, in das Alltröstliche, in uns selbst, in Gott und in das Herz eines Jeden. Dann, erst dann sind wir geheilt von Schmerz, von Krankheit und von Leiden."
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Sonntag, 26. Januar 2014, 17:26

Lernender

"Wenn du uns Geschichten vom Meister und seinen Schülern erzählst", wollte ein Schüler von seinem Meister wissen, "wer bist du dann in der Geschichte?" "Der Schüler", antwortete der Meister. "Und wann wird man dann Meister?", fragte der Schüler. "Nicht der wird Meister, der aufhört zu lernen, sondern nur der, der von einem Schüler gefunden wurde", antwortete der. "Und woher hat ein Meister seine Geschichten?", wollte der Schüler weiter wissen. "Die findet er wie seinen Meister durch ihn und nachher finden sie ihn selbst."
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Samstag, 1. Februar 2014, 16:13

GOTTES Leid und GOTTES Lob im Gebet

Der Meister sagte seinen Schülern: "Innigstes Gebet schreit zu GOTT, doch es ist nicht einmal eine Bitte. Es ist tiefste Klage und es ist höchstes Lob." Wenn der Meister betete, erlebten seine Schüler, die ihn begleiteten, immer dasselbe: Erst schrie er zu IHM. Dann wurden die Worte des Meisters leiser, Tränen flossen über seine Wangen und schließlich hörten sich die kaum hörbaren Worte wie Wehklagen an. Dann erhellte ein Schimmer von Freude sein Gesicht. Nach einer Weile verzerrten sich seine Gesichtszüge erneut und furchtbare Traurigkeit blickte aus seinen tränenlosen Augen, bis sich ein tiefer, unmenschlicher Seufzer seiner Brust entrang. Augenblicklich wurde das Gesicht heiter und leuchtete in überirdischer Freude. Schließlich wollte ein Schüler, der dies immer und immer wieder beobachtet hatte, vom Meister eine Erklärung über das Wesen seines Gebetes. Und er erhielt sie: "Es beginnt mit einer tiefen Klage: Der Mensch erfährt in seinem Leid, dass er ein Nichts ist. Je mehr er sich in sein Leid vertieft, desto größer wird es, es wird seines, das seiner Mitmenschen und der ganzen Welt und um so mehr leidet er und um so geringer kommt er sich in all dem Leiden vor. Das ist ein großer Schmerz und außer sich vor Schmerz muss er weinen. Doch wenn der Mensch angesichts des Leidens nichts ist, was ist dann sein Leid? Noch weniger als Nichts! Dann jetzt erst erkennt der Mensch, dass das Leid in ihm anfängt und endet, er aber dauert. Das ist die erste Freude. Dann entdeckt der Mensch das Leid GOTTES und erneut fühlt er sich winzig und während er am Anfang verzagt und eingeschüchtert war, ergreift ihn nun die allergrößte Ehrfurcht vor diesem erhabenen Leid. Und er verzehrt sich schweigend trauernd mit GOTT, um GOTT und um seine Schöpfung. Das ist der tiefste Schmerz, der nicht einmal mit Tränen ausgedrückt werden kann. Doch dann zeigt sich GOTT in allem Leid, in allen Leidenden und über allem Leid und gibt zu erkennen, dass das Leid in ihm anfängt und aufhört. Der Mensch erkennt GOTT, der den Menschen erkannt hat vor aller Zeit und sieht, dass der Mensch nicht überall sein kann, GOTT aber überall ist, selbst im Kleinsten und auch im großen Leid, das in ihm aufhört. Das ist der höchste Jubel und dieser endet nie. Und sein vollkommenster Ausdruck ist göttliches Schweigen. Ruft also so zu GOTT und die Antwort seines liebevollen, mächtigen, umfassenden Schweigens wird Euch allezeit umfangen und mit Frieden und Freude erfüllen!"
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Samstag, 1. Februar 2014, 19:04

Chassidisches Beten.

Ein Schüler wollte von seinem Rebbe* wissen: "Wie betet ein Chassid*?" Der Rebbe: "So dass die Engel weinen." "Und ein Zaddik*?" "Dass die Erde bebt." "Wieso der Unterschied?", will der Schüler wissen. Der Rebbe: "Den Chassid treibt die Sehnsucht der
G-ttesliebe, die Sehnsucht berührt ihn und er wird berührt. Den Zaddik erschüttert die Furcht in G-TT." "Wie geht das?", fragt der Schüler weiter. Der Rebbe antwortet: "Der Chassid sehnt sich mit seinem Herzen nach SEInem Herzen und möchte nach Hause kommen. Der Zaddik lebt in SEInem Herzen und ergriffen wirft er sich IHM, der dort wohnt, zu Füßen. ER ergreift den Zaddik, zieht ihn zu sich, erschüttert ihn und das Universum." Und der Rebbe schließt: "Wir brauchen die Zaddikim, um ihretwillen erschüttert ER die Herzen aller Menschen, um ihretwillen hält ER uns in der Welt, um ihretwillen bewahrt ER die Welt."



Erläuterungen:
"Rebbe", jiddisch für "Rabbi", "Rabbiner", Meister, Lehrer, Tora-Gelehrter, Vorsteher und Seelsorger einer jüdischen Gemeinde.
"Chassid": frommer, (osteuropäischer) Jude der charismatischen chassidischen Glaubensrichtung.
"Zaddik": "Gerechter", Ehrentitel eines heiligmäßigen, im höchsten Grade verwirklichten Gelehrten des Judentums
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Samstag, 1. Februar 2014, 23:48

Göttliches Schweigen

"Warum schweigt GOTT?", wurde der Meister gefragt. "Würde ER seine Stimme erheben, wären wir alle tot oder taub. ER will empfindsame Menschen, die in seinem Namen Gebete sprechen und sein Schweigen hören."
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Samstag, 1. Februar 2014, 23:53

Vergeben und Bemühen

"Was ist das höchste Gebot?", wurde der Meister gefragt. "Dass Du keines aus Angst, Lauheit, Hochmut oder Lieblosigkeit auslässt. Vergaßest Du aber eine Kleinigkeit, so vergib und bemühe Dich von neuem."
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Samstag, 1. Februar 2014, 23:59

Sorge dafür...

"Wie muss mein Leben sein, damit es mir nach dem Tode gut geht?", fragte ein Gläubiger seinen Meister. Der antwortet: "Wenn Du nicht allein sein möchtest, sorge ab jetzt dafür, dass den Menschen, denen Du begegnest, Gutes widerfährt und dass es den Menschen in Deiner Nähe mit Dir zusammen gut geht."
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Sonntag, 2. Februar 2014, 00:08

Was ist ein Wunder?

"Was ist ein Wunder?", wollte sie von ihrer Meisterin wissen. Diese antwortete: "Eigentlich alles. Auf jeden Fall alles, was Du siehst, hörst und wahr nimmst." "Aber wie kann es wahr sein? Ich glaube nicht an Wunder!" "Eben", sagte die Meisterin, "warum fragst Du also?" "Ich hatte gehofft, es von Euch zu hören", antwortete die Schülerin. "Nun, in Deinem Fall geht es um zwei Wunder. Das eine ist das Wunder, das ist, das Seiende, das sich sehen und hören lässt, sogar aus meinem Munde. Das andere ist, dass Du es wahr nimmst, also Dein Begreifen. Beides auf einmal wäre vielleicht ein zu großes Wunder für Deinen Glauben", sprach die Meisterin.
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Sonntag, 2. Februar 2014, 00:37

Vollkommenes Weglassen

Ein sehr eifriger Frommer bemühte sich Tag um Tag, alle Gebote zu befolgen, um vollkommen zu werden, aber er war mit dem Ergebnis nicht zufrieden und fühlte sich der Vollkommenheit nicht näher. Da fragte er einen Meister, von dem gesagt wurde, er kenne einen Weg: "Was muss ich noch tun, um vollkommen zu werden?" "Nichts!", war die knappe Antwort. "Nichts?", fragte der Fromme ungläubig. "Jedenfalls nichts von dem, was du bisher getan hast, oder hat es dich etwa der Vollkommenheit näher gebracht?" Der Fromme schüttelte traurig den Kopf. Also sagte der Meister: "Manche müssen alle Gebote studieren und befolgen und werden erleuchtet. Du aber lasse einfach alles weg und befolge nur dies: nähere dich dem Vollkommenen, indem du es in dir und in deinem Nächsten liebst."
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Sonntag, 2. Februar 2014, 13:39

Welcher Weg?

Ein Chassid wollte von seinem Rebbe einmal wissen, warum der eine Zaddik seinen Schülern rate, fleißigst Talmud und Tora zu studieren und der Andere, sich vor allem um ihre Mitmenschen zu kümmern und warum der gleiche Rebbe dem einen Schüler dieses und dem Anderen das Andere rate. "Sind wir denn nicht alle gleich auf dem Weg zu G-TT und sind nicht die Wege zu IHM vorgezeichnet?", beendete er seine Frage. "Nein", antwortete der Rebbe, "so verschieden wir sind, so verschieden sind unsere Wege und die Lehrer dieser Wege, gleich ist nur ER und SEIN Gebot, IHN mit unserer ganzen Kraft, mit unserer ganzen Seele, unserem ganzen Herzen und ganzen Körper, unserem ganzen Sein zu lieben. Und weil das so ist, fängt am Besten jeder mit etwas an, das er liebt. Der eine liebt das Studium mehr, der andere seine Freunde, seine Frau, seine Kinder. Durch beides lernt er, alle zu lieben und dadurch lernt er, IHN zu lieben und dadurch lernt er SEINE Liebe kennen. Studierst Du, ohne es zu lieben, liegt darauf kein Segen und kein Gewinn. Gehst Du mit Menschen um, ohne sie zu lieben, wird dies Dir und ihnen zum Fluch und wendest Du Dich an IHN, ohne IHN und die, die ER liebt, zu lieben, was sollte ER Dir auftragen, als zu lieben und nochmals zu lieben?"
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Donnerstag, 6. Februar 2014, 00:29

Tierschutz mit allen Mitteln

Eine Lehrerin leitete eine "Tiergilde" an. Die Schülerinnen und Schüler pflegten ihre tierischen Schützlinge mit Hingabe und sehr verantwortungsbewusst. Jeden Tag konnten sie und der junge Sozialassistent, der das Projekt begleitete, beobachten, wie liebevoll die Kinder mit den ihnen anvertrauten Tieren umgingen. Als die Lehrerin auf einer Fortbildung war, unterrichtete der Sozialassistent die Arbeitsgemeinschaft alleine. Er gehörte einer Organisation militanter Tierschützer an und fragte die Kinder, wer in seinen Familien noch Fleisch esse. Einige Kinder erzählten, dass sie sehr viel weniger Fleisch essen, seit sie sich um die Tiere kümmern würden. Nur bei wenigen Kindern hatte sich nichts geändert. Drei sagten sogar, sie seien Vegetarier geworden. Zwei waren es schon. Viele hatten mit ihren Eltern diskutiert, seit die Lehrerin mit den Kindern über bewussten Fleischverzehr oder bewussten Fleischverzicht gesprochen hatte. Bei manchen Eltern schien bereits eine sehr bewusste Haltung vorzuliegen und sie aßen wenig und vor allem Fleisch aus artgerechter Haltung, so genanntes Biofleisch. Einige Eltern sahen die Aufklärungsarbeit aber auch mit Besorgnis. Zwei Mädchen erzählten, dass Ihre Schwester seit dem vierten Lebensjahr kein Fleisch esse und dass das in der Familie sehr respektiert werde. Für sie werde extra gekocht, wenn es Fleisch gäbe. Diese Schwester hätte ein paar grausame Schlachthaus-Videos. Da beschloss der eifrige Tierschützer, die Schwester der beiden Schülerinnen um ihre Videos zu bitten, um damit den Unterricht zu bereichern. Die Schwester stellte ein besonders grausames und abschreckendes Video zur Verfügung. Darauf war zu sehen, wie Tiere nach einem langen Transport in einem viel zu engen Tiertransporter schrecklich misshandelt, geschlagen und getreten wurden, bevor die verängstigten Wesen getötet und zerteilt wurden. Der Sozialassistent beschloss, dieses Video aus didaktischen Gründen seinen Schülern zu zeigen, um ihnen klar zu machen, wie grausam und abstoßend es ist, Fleisch zu verzehren. Die Lehrerin meinte, dass es keine gute Idee sei, das den Kindern auf diese Weise nahe zu bringen. Sie sei Vegetarierin, werde sich den Film aber auch nicht anschauen. Sie denke, dass er zu grausam sei. Der Sozialassistent und seine neue Mitstreiterin waren enttäuscht. Sie warfen der Lehrerin vor, dass sie das gar nicht beurteilen könne, wenn sie selbst nicht einmal wage, in den Film hinein zu schauen. Zur großen Unzufriedenheit der Beiden blieb die Lehrerin bei ihrer Meinung. Der Sozialassistent und seine neue Mitstreiterin entschieden jedoch, dass sie die Gelegenheit nicht verstreichen lassen durften, auch die letzten sensibilisierten Kinder mit den brutalen Aufnahmen zum Fleischverzicht zu bringen, denn Fleischverzehr, da waren sie sich einig, sei so brutal, dass jedes Mittel gerechtfertigt ist, ihn zu unterbinden. Kein Kind würde nach einem solchen schockierenden Film seinen Ekel und seine Abscheu noch überwinden können. Da die Lehrerin aber die Videovorführung untersagt hatte, überredeten die junge Frau und der Sozialassistent die Kinder, ihnen ihre Mobilfunknummern und Emailadressen weiter zu geben. Sie versprachen den Kindern, ihnen ein Tierschützervideo zu schicken. Schließlich wollten alle KInder der "Tiergilde" echte Tierschützer sein. Die beiden betonten noch, dass Tierschützer "echten Mut" benötigen, um Tierschützer zu sein und auch, um das Tierschützervideo zu sehen. Und so geschah es kurz vor dem Wochenende. In der nächsten Woche erreichten die Lehrerin einige empörte Anrufe von Eltern. Fünf Kinder wurden von der "Tiergilde" abgemeldet. Die Direktorin zitierte die Lehrerin und den Sozialassistenten zu sich. Ein Kind war am Wochenende wegen Alpträumen und Schreianfällen dem Kinderpsychiater vorgestellt worden. Die Lehrerin, die davon nichts gewusst hatte, war schockiert. Der Sozialassistent verteidigte sein Vorgehen trotzig. Die Lehrerin hielt mit der Schulsozialarbeiterin und dem Schulpsychologen eine Sitzung mit den jungen Tierpflegerinnen und Tierpflegern ab. Nicht alle waren gekommen. Einige weinten. Die Kinder, die das Video zum Teil oder gar ganz gesehen haben, waren entsetzt, traurig und auch sehr wütend. Sie waren aber nicht nur wütend auf die Tierquäler, sondern auch auf die, die das Video geschickt haben. Der Sozialassistent blieb hart. Es sei richtig gewesen, den Kindern "die ganze Realität" des Fleischkonsums zu zeigen. Die Lehrerin lud die Verbreiterin des Videos und den Sozialassistenten zu sich. Sie fragte, ob sie keinen Verstand oder kein Herz haben oder weder das eine noch das andere, nachdem sie von den Auswirkungen auf die Kinder gehört oder diese gar gesehen haben und keine Regung des Bedauerns zeigen konnten. Sie blieben dabei, dass das Video doch eine gute Abschreckungswirkung gezeigt habe. Da sagte die Lehrerin: "Ja, das stimmt. Ich bin von Eurem Verhalten und davon, wie Ihr es verteidigt, nachdem ihr die schreckliche Wirkung auf die Seelen der Kinder wahrgenommen habt, abgeschreckt, ja angewidert, entsetzt und traurig. Ich habe mich gefragt, ob ihr, wenn ihr das einmal tief in Euer Herz eindringen lassen würdet, einen Unterschied spüren würdet: zwischen den Tierquälern, denjenigen, die diese Szenen mitleidlos filmten, ohne einzuschreiten und euch, die ihr diesen Film mitleidlos trotz meiner Warnung an Kinder geschickt habt, um sie zu manipulieren. Ich spüre keinen Unterschied, nur das gleiche Entsetzen über Eure Grausamkeit." Da wurde der Sozialassistent stumm und die junge Frau hatte eine Träne im Auge. "Na, wenigstens das", seufzte die Lehrerin schwer. "Die Direktorin plant, die "Tiergilde" zu schließen. Das Thema Tiernutzung wird nicht mehr extra unterrichtet, sondern als Teil des Biologieunterrichtes. Informationen über Tierschutz werden nicht mehr ausgelegt, ohne von ihr genehmigt zu sein. Sie und ich müssen an die Eltern ein Entschuldigungsschreiben senden. Es wird lange dauern, bis ich die Schulleitung wieder dazu bewegen kann, ihre Entscheidung zu modifizieren. Das habt ihr wirklich super hingekriegt. Meint ihr, dass es den Tieren und den Kindern jetzt besser geht?" Es gab keine Antwort.
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Samstag, 1. März 2014, 00:48

Bewegung

Und der Weise sprach zu seinen Zuhörern: "Übersteige den Zaun Deiner Religion. Verfalle keinem Zauber, denn er ist ein neuer Zaun. Das Leben ist wie eine Brücke. Wir sind gekommen, sie zu überqueren und zu erfahren, wie es ist, ein Ufer zu verlassen und einen Fluss zu überschreiten. Wir sind nicht hierher gewandert, um auf Brücken zu schlafen."
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Samstag, 15. März 2014, 14:26

Jetzt

Ein Schüler fragte: "Was bedeutet, wenn GOTT in der Schrift von sich sagt, dass er derjenige sei, der war, ist und sein werde?" Der Meister: "Es bedeutet: schau Dich an, jetzt, betrachte Deinen Gedanken, jetzt!" "Das verstehe ich nicht", antwortete der Schüler. "Nun", erklärte der Meister, "Viele suchen GOTT in der Vergangenheit, in alten heiligen Schriften und Andere erwarten sein Kommen in der Zukunft. Doch ist er das immer währende Jetzt. Er war das Jetzt, er ist das Jetzt und er wird immer jetzt sein und damit immer, überall, hier, in Dir, jetzt. Denke nicht darüber nach. Betrachte es einfach."
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Donnerstag, 31. Juli 2014, 20:05

Bescheidene Tugenden in Dankbarkeit

Ein junger Mann fragte einen Erfahrenen: "Welche Tugenden können einem Mann zu einem glücklichen Leben verhelfen?" Der antwortete: "Ich glaube, es sind im Wesentlichen zwei, denn sie führen zur Dankbarkeit, eine Voraussetzung für Glück. Die erste Tugend ist bescheidene Klugheit. Sie befähigt, einen Klügeren, Weiseren oder Stärkeren um Rat und Hilfe zu bitten und ihm dafür zu danken. Die zweite ist bescheidene Großzügigkeit. Sie erlaubt, jemandem ohne Gegenleistung seine Hilfe und seinen Rat zu gewähren, wenn man darum gebeten wird. Der Lohn ist Dankbarkeit. Für Klugheit und Großzügigkeit dürfen wir Gott danken." "Also ist die eigentliche Tugend eher die Bescheidenheit?", wollte der Jüngere wissen. "Nein", entgegnete der Erfahrene, "Bescheidenheit ist eher die Qualität und das Maß der beiden Tugenden. Ohne Bescheidenheit wird eine Tugend leicht zur Untugend der Maßlosigkeit. Ich würde eher denken, die höchste Tugend, die aus der Klugheit und der Großzügigkeit hervorgeht, ist die Dankbarkeit. Dankbarkeit ist ein Geschenk, das wir erhalten und das wir uns selbst machen. Wenn wir dankbar sind für unser Leben und dafür, was wir erhalten und was wir geben dürfen, fühlen wir uns vom Glück beschenkt."
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Donnerstag, 18. Juni 2015, 14:38

Gottesfurcht und Liebe

Ein Vater, als fromm, ehrbar und gottesfürchtig bekannt, brachte seine Tochter zum Geistlichen des Ortes und klagte: "Oh Mann des Glaubens! Kannst Du mir helfen? Ich versuche meinen Kindern die Gottesfurcht einzubläuen und glaube mir, ich tue es mit Liebe und Eifer! Auch meine Frau lobt mich dafür. Und stelle ich meine jüngeren Kinder zur Rede, weil sie noch besonders der Erziehung und Zucht bedürfen, kommt meine ältere Tochter danach heimlich zu ihnen, tröstet sie und sagt ihnen, sie sollten meine Worte nicht so schwer nehmen, der Vater würde auch sie lieben!" "Ich werde mit Deiner Tochter reden und sie fragen", versprach der Geistliche und an die Tochter gewandt, als diese mit ihm allein war, fragte er: " Nun, meine Tochter, Du hast Deinen Vater gehört, was sagst Du dazu?" "Ich weiß, was mein Vater meint und von mir will und doch verstehe ich ihn oft nicht. Und wenn er meinen kleinen Brüdern etwas gesagt oder getan hat, was auch sie nicht verstehen, sodass sie weinen, gehe ich zu ihnen und sage: Euer Vater hat Euch lieb. Und GOTT hat Euch auch lieb. ER hat Euch sogar so lieb, dass ER Euch liebt, wie Ihr seid, genauso. Und darum ist es recht, dass Ihr auch GOTT liebt, wie ER ist, aus ganzem Herzen und Euch bemüht, so gut Ihr es eben könnt, IHM nahe zu kommen und SEINEN Willen zu ergründen und zu tun! Dann werden die Kinder leise, hören auf zu Weinen und lächeln." "Es ist gut, was Du tust," sagte der Geistliche und sprach zum Vater: "Deine Tochter ist gottesfürchtiger als ich. Nimm sie nach Hause und sei gut zu ihr." Als der Vater ging, die beiden kleinen Söhne an der Hand, von denen der eine nach dem anderen trat und die Zunge herausstreckte, sah der Geistliche noch, wie der Mann beide mit heftigem Griff packte und anschrie: "Ihr sollt den Bruder nicht beleidigen und auf Euren Vater hören! So will es GOTT, der ein Freund der Menschen ist und Zucht und Ehrfurcht verlangt!" Der Geistliche schüttelte den Kopf und sagte zu sich: "Ich fürchte, er hat nichts verstanden von der Gottesfurcht und von der Liebe seiner Tochter."
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Sonntag, 11. Oktober 2015, 10:39

Das Wesen der Religion: ein Herz und eine Seele

Sie lebten zusammen als ein Paar in einem jüdischen Land und galten für weise und waren einander bis ins hohe Alter liebevoll zugetan. Eines ihrer Kinder ließ sich taufen, eines lebte ohne Religion, einer wurde Buddhist, eine heiratete einen Juden, einer eine Muslima. Sie waren ein arabischer Christ und eine Muslima und sie wurden von Journalisten nach dem Geheimnis ihres friedvollen und liebevollen Zusammenlebens in einer Familie in Israel gefragt: "Was ist das Wesen des Christentums?" "Liebe", antworteten sie. "Und was ist das Wesen des Islam?", wurden sie gefragt."Liebe", sprachen sie beide. "Und was ist das Wesen des Judentums, das Euch umgibt?" "Natürlich auch Liebe, daher leben wir gerne hier." "Und warum gibt es so viele Religionen und warum bleiben so viele bei ihrer eigenen Religion, wenn das Wesen jeder Religion Liebe ist?", wollten die Interviewer wissen. "Kennen Sie eine Liebe, die der anderen gleicht?" fragte die Frau den Journalisten. Und der Mann ergänzte: "Wenn Milliarden Menschen Gott lieben, sehnen sie sich nach einer exklusiven Beziehung. Da Gott mit allen eine liebevolle Verbindung wünscht, bemüht er sich, jedem auf seine Weise entgegen zu kommen." "Und wenn das gelingt, am Ende einer langen Beziehung", beendete die Frau das Gespräch, "verschmelzen die Herzen und wer wüsste noch, welches sein eigenes Herz ist."
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Sonntag, 11. Oktober 2015, 11:22

Religionslos ist nicht trostlos

"Sie gehören keiner Religion an?" fragten sie. "Nein." "Dann sind Sie Atheist?" wurde weiter gefragt. "Nein", war die Antwort. "Sie glauben also?" "Nun ja." "An einen Gott?" "Ja, sonst wären die Religionen gar nicht auszuhalten." "Wie meinen Sie das?" "Ich liebe die Vorstellung, dass da jemand zu mir sagt: Es ist gar nicht so schlimm, wie es aussieht. Und dann mag ich es, wenn ich einmal feststelle, es ist noch viel schlimmer, dass da jemand sagt: ich weiß, Du hast recht, aber ein besserer Trost ist mir gerade auch nicht eingefallen." "Würden dafür nicht Freunde reichen?" "Ach ja, ich glaube auch an Engel, die mir Gott manchmal schickt, wenn er wieder mal keinen Trost weiß."
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Sonntag, 11. Oktober 2015, 22:38

Versalzen

Was ist Gerechtigkeit ohne Liebe? Das ist wie Salz ohne Suppe, zu stark gewürzt und nicht nur ohne Nährwert, sondern lebensgefährlich, denn schon wenige Gramm bringen qualvollen Tod. Aber Suppe ohne Salz schmeckt fad.
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Sonntag, 11. Oktober 2015, 23:08

Gottesstaat

Die religiösen Autoritäten des Landes hatten die Aufgabe, vor der Ausarbeitung der neuen Verfassung zu diskutieren, welchen Einfluss die Religion auf Staat und Gesetz haben sollte. Die fundamentalistischen Anhänger ihrer Religionen wollten einen Gottesstaat. Die drei Autoritäten antworteten am vierten Tag ihrer Beratungen im Sinne ihrer jüdischen, christlichen und muslimischen Religion überraschend einheitlich und gemeinsam: "Ja, wir wollen einen Gottesstaat auf Erden und zwar auf der Grundlage von Liebe und Vergebung. Solange diese Grundlage noch nicht im Herzen von uns allen geschaffen ist, sind wir dafür, ein Gemeinwesen auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Bemühen zu errichten und jeder, der dazu beitragen möchte, soll daran teilhaben und die anderen teilhaben lassen."

Nun wollten dann doch Einige wissen, was in den vier Tagen und drei Nächten der Verhandlungen geschehen ist, um solch weise Beschlüsse zu finden. Es hätten dann einige erfahren, dass der Großmufti, der Oberrabbiner und der Patriarch sich nach einer einigungslosen Debatte in der ersten Nacht schlafen legten und alle drei den gleichen Traum gehabt hätten: Gott habe vorgeschlagen, einen gerechten Staat zu schaffen und zwar aus Eifer und Bemühen um den besten Weg. Dann habe er noch aufgetragen: Das ist das, was ich Euch Männern auftrage und nun holt mir eure Frauen. Der Patriarch war erschrocken, hatte er doch offiziell keine, aber Gott sieht bekanntlich alles und der hohe Gottesmann fand eine Lösung.

Wie zu erwarten, fanden die Christin, die Jüdin und die Muslima in einem langen Tag des Diskutierens und Streitens auch keine Lösung und fielen in den Schlaf, während die Männer sich bei Brett- und Kartenspielen zerstreuten. Alle drei Frauen träumten, dass Gott ihnen auftrug, einen Gottesstaat aus Liebe und Vergebung nach mütterlichem Vorbild anzustreben. Den Männern aber sagten die Frauen, Gott habe aufgetragen, dass sie einander in der nächsten Nacht lieben sollten und so geschah es und alle hatten denselben Traum und der ging ungefähr so:

Solange die Menschen nicht weiter seien in ihrem Herzen, als nach Gerechtigkeit zu streben, wie ihre obersten Führer, die ja meistens noch Männer seien, sollten sie einen solidarischen und toleranten Staat gründen, in dem alle nach Gerechtigkeit eifern, aber eben miteinander und nicht gegeneinander. Die Sache Gottes aber wäre besser bei den Frauen aufgehoben und bis auch die Männer Liebe und Vergebung in ihren Herzen wohnen lassen könnten, sollten sie das Gottesreich in ihren Frauen lieben und sich von ihnen inspirieren lassen. Vom Gottesstaat aber sollten die Männer die Finger lassen.

Dieser zweite Teil, wie sollte es anders sein, ist eine eher geheime Geschichte und gerade bei den männlichen Zuhörern, aber auch bei einigen Frauen, wurden Zweifel angemeldet.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)