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1

Dienstag, 9. Juli 2013, 11:24

Zeuge von Urlaubsstimmung

:urla
Koffer schieben voran,
Menschen eingestreut
dazwischen, redend,
gestikulierend
und transpirierend.
:blah :help

Train, Airtrain, Aeroplane,
worum geht es? Ich -
meine, eigentlich?
:biki
Frühstücksmusik vom
Sternkäfer-Café
schwappt hinein in den
"Duesseldorf Airport".
:pfiff :dance

Der Milchschäumer spuckt
Dampf. Heißer Kaffee
zischt aus dem Gerät.
:kaffee

Unten laufen sie
wieder, die Koffer,
wie von Ameisen
bewegt und gezerrt.
:obe
Und jeder Koffer
enthält ein Leben,
von Hast und Eile
voran getrieben.
:panic
Doch wir hier oben
trinken, genießen
und schauen, sind
schon abgeflogen,
ab in den Urlaub.
:coff

:wolke7 Michael:wolke9
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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2

Mittwoch, 10. Juli 2013, 00:09

Abends am Strand

Sanfte Dühnung spült
an den Lavastrand.
An den Füßen klebt
grobkörniger Sand.

Ein Ferienflieger
donnert über die
nahe Startbahn hin,
erschreckt Badende.

An der Poolbar schlecht
gemixte Cocktails;
trunkene Gäste
kümmert's nicht mehr.

Flirtende nebeln
ihre Absichten
im Tabakqualm zu,
zum Kuss kommt es nicht.

Der blaue Pool bleibt
ganz spiegelruhig.
Man geht zu Bett mit
Klimaanlage.

Die surrt Schnarchende
in lauten Schlummer
voll Urlaubsträumen
von Pool, Strand und Bar.

Ferienanlagen
knipsen Lichter aus;
dunkele Ruhe
befriedet die Nacht.
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3

Mittwoch, 10. Juli 2013, 11:17

Morgens auf der Strandpromenade

Joggend und stöhnend
schweißglänzend entrückt
pflügen sie den Strand.

In aller Ruhe
gewaltig lärmend,
ein Stadtreiniger:

Mit Sonnenbrille
Kappe, Overall,
"cool" und braungebrannt,

bläst er morgens Sand
und abends Kippen
laut von der Rambla.

Die Walkerinnen
schütteln mit Allem
was sie noch haben.

Der Rentner würdigt's
bewundernden Blicks;
sein Dackel schnüffelt.

Aus der Frühstücksbar
Kommt Radiomusik.
Noch ist kaum Betrieb.

Ein Paar, in's Leere
schauend, schlürft Kaffee.
Einsamer Morgen.

Doch die Sonne
ist aufgegangen,
neu, wie jeden Tag.
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4

Mittwoch, 10. Juli 2013, 15:51

Siesta

Ein Glas weißen Wein
und einen Kaffee
heiß und mit Milch
ein Lächeln dazu
und die Welt ist schön
unterm Sonnenschirm
an einer Bar auf
der Frühlingsinsel.
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5

Mittwoch, 10. Juli 2013, 16:11

Begegnung

Gestern sah ich den
schönsten Mann am Pool:
er humpelte sehr,
aber er lachte
die drei Kinder an,
mit schiefen Zähnen,
erzählte ihnen
eine Geschichte,
als er sie freundlich
aus dem Wasser rief,
weil es schon spät war.
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6

Mittwoch, 10. Juli 2013, 16:26

Sprache des Herzens

Wer spricht die schönste
Sprache auf der Welt,
wer kann sie hören?

Ist es Holländisch
dort oder Englisch
hier oder Spanisch?

Sprechen sie die zwei
Deutschen dort am Pool
und die Däninnen?

Sind es die Toasts der
netten Trinkbrüder,
freundlich umarmt?

Nein, die Kinder da
lachen sie fröhlich
und strahlen dabei.

Ein alter Mann schaut
freundlich schmunzelnd
mit gütigem Blick.

Und das Liebespaar
versenkt sich trunken
tief ineinander.

Das ist die Sprache,
die mein Herz berührt:
es taumelt vor Glück.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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7

Mittwoch, 10. Juli 2013, 20:42

Frühling der Seele

Im Frühling Frühling,
im Sommer Sommer,
Herbst, Winter: Frühling:
wenig Wechsel auf
den Frühlingsinseln.

Nichts hält mich noch ab,
mich selbst zu treffen.

Ich schaue auf's Meer:
es ändert sich nie,
jede der Wellen
spiegelt sich nur selbst.

Durch den Wüstensand
betrete ich mich selbst:
Vulkanlandschaften
meines Innersten.

Alles scheint ewig
und ist es doch nicht.

Wir Menschen scheinen
immer dieselben,
doch sind wir es nicht.

Ich langweile mich,
zur Ruhe findend,
doch fürchten ich mich
nur noch vor mir selbst,
vor meiner Seele.
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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8

Donnerstag, 11. Juli 2013, 12:31

Defilee zum Kaffee (mit dem Auge gesehen - doch das Herz grinst mit)

:aste :obe :coff :


Defilee zum Kaffee

Angetreten beim
Frühstücks-Defilee
schreiten zum Kaffee:
Falten-Bitterblick,
genannt Medusa,
sweet little Sheila
mit dem Silberblick,
Pudeldame Mo,
herbei gezerrt von
Brillenschlange Loo
mit Kroko-Tasche,
an der Hand geführt
von Krokodil Dundee,
alias Jäger-Heinz,
der Schnurrbart-Hubert,
Sandalen-Sandy,
Fat-Franz und seine
sweet Showdance-Tina,
Club-Animateuse,
Tattoo-Ede und
Arschgeweih-Frida,
Pink-Lady und ihr
Glatzen-Ironman.
Locken-Lydia,
Gummilatsch-Otto,
Rotgesicht-Manni
und Mille-Mira
sind auch mit dabei
und schon von Weitem
brüllt er sein "¡Holla!":
Pablo Posado.

Aus der Reihe auch,
wie immer wieder:
Kevin und Justin,
Michelle und Jacqueline
samt sehr reizenden
Eltern Filz-Wolle
plus Pumps-Pepita,
KO-Kuno und
sein Sunglass-Model
Grazia Blondy.
Etwas abseits steht
Pokerface-Paul mit
Zocker-Zacc herum,
die Karten mischend.
Krösus-Kalle lässt
generös Vortritt,
zeigt Geld-Gerd seine
Klunker-Katrin und
Glitzer-Gabi stalkt
die Brilli-Biggi.
Blassbrötchen Dieter
schielt scheu zur Rita,
Handy-Mandy schaut
kurz vom Touchscreen auf,
als sie Nert Nörbi
jetzt erstmals erblickt
und Girlie-Gitti
kiekt zu Pitta-Piet,
old Henry's flirting
with brown Sugar-Babe.
Vera Orlowa
(Künstlername,
eigentlich Wanda
Popolski, Polen)
hört man von Weitem
wieder erzählen,
dass sie von altem
russischen Adel
stamme. Geheiratet
hat sie den alten,
reichen Sir Henry.

Noch nicht erschienen:
Baby Bolle mit
Mamma Monika,
alleinerziehend,
Schnarch-Bert mit Gerda,
Cocktail-Cordula,
Cuba-libre-Jim
and beauty Gay Garbs.
T-Shirt-Chantal sucht
noch'n neuen Aufdruck,
Muscle-Shirt-Martin
ist schon beim Workout,
Piercing-Pia findet
ihren Nabel nicht.
Gerade im Anmarsch:
Abendkleid-Diva
"Schmucki" mit Männern
(John, Joe, Jess and Jack,
bürgerlich Hannes,
Sepp, Jürgen und Max).
Bereits entschuldigt:
Bauch-Bumper Bill
"wegen Magen-Darm",
Migräne-Mary,
ist klar, wie immer.
Und Baywatch-Babsy
liegt noch am Strand.
Mit gutem Grund fehlt
Flitterwochenpaar
Gundi und Hunni.

Now starts the famous
Allinclusive-Run
zum Kaffeebuffet!
Die Plastikbändchen
vorgezeigt, schüttet,
gerade erst da,
Joe Mia Kaffee in's
schöne Décolleté,
Schmucki quietscht entzückt,
die Begoss'ne sich
vom Buffet verdrückt,
Bert eben auf'm Plan,
rettet jetzt ganz wach
forsch mit kalter Milch
Mias BeHa samt
dem heißen Inhalt,
Gerda merkt es nicht.
Schnarchi wird ihr Held.
Mia sich entpellt
und ehrenhalber
wird sie gesellt
zum Frühstückclub all
inclusive als Jack
ihr sofort verfällt,
weshalb die Schmucki
ihm schnell eins verprellt.

Justin wirft Jacqueline
mit den Brötchen ab,
Michelle stellt Kevin
unterm Tisch ein Bein:
der fliegt in Honig
und Nutella rein.
Pipa kreischt, Kuno
keilt dem Wolle was,
der geht gleich KO,
Sunnglass-Grazia
sucht halbblind tastend
einen Notausgang,
prallt auf Billy's Bauch,
da der noch auftaucht,
als auch erscheinend
Gundi und Hunni
versenkten Blickes
die Sonnenbrille
knirschend unter sich
achtlos zermalmen.
Davon unberührt
singt Yoga-Flora
Eso-Isa und
Kletter-Max das OM
und Spiro-Micha
bekehrt den Doktor
und Pastor Peter,
der wird Atheist,
doch der Professor
lässt sich jetzt impfen
gegen die Gelbsucht.

Fünfzehn Minuten
später Sättigung
bis Übelkeit und
Frieden kehrt zurück:
Das ist Frühstücksglück.
Und: sind sie nicht süß?
Statt per "Anhalter
durch die Galaxis"
zu Monster-Visit
und Alien-Meeting
fahre ich lieber
nur noch zum Urlaub
mit "allinclusive"
in's Pauschalhotel:
Nur vom Schauen satt,
nehm' ich auch noch ab,
hab' ne Menge Spaß.
Ja, ich gönn' mir das!
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9

Donnerstag, 11. Juli 2013, 14:34

What to do with your tattoo?

Eigentlich könnten sich die sommerentblößten Tattooträger herausgefordert fühlen, sich sportlich-schöne, wohlgeformte Körper zu bewahren oder sie gar erstmalig ästhetisch zu formen. Tatsächlich erhalten ihre Körper regelmäßig nur ihre meist wenig ästhetischen Tattoos. Viele Tattoos sehen tatsächlich aus, als hätten die Kinder der Tätowierten ihnen, während sie schliefen, irgendetwas irgendwohin auf ihren Leib gekritzelt. Kein Wunder, wenn sie jetzt den Rahmen verfallen lassen, da ihnen das Bild selbst nicht mehr gefällt.
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10

Donnerstag, 11. Juli 2013, 20:18

Beruhigend

Das häufige Starten und Landen der Ferienflieger auf dem nahen Flughafen beruhigt vor allem die Touristen mit Flugangst, sahen sie doch noch keinen abstürzen und so seufzen sie erleichtert noch im Schlaf: "Ist ja noch mal gut gegangen!"
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Freitag, 12. Juli 2013, 16:24

Nationalfarben

Schwarze Lava,
rote Lava,
gelbe Lava,
Lava lavam labat.

Um auch mal nur zu labern: Lanzarote erscheint als sehr "deutsche" Insel. Man hört es an der Sprache, liest es auf den Schildern ("Deutsche Klinik" usw) und sieht es in der Farbe des Vulkangesteins. Karg und sauber ist es auch, nur viel wärmer... Und es gibt noch ein paar Holländer, Briten (wie bei uns) und natürlich ein paar Lanzaroteños. Die Farben der Inselfahne sind allerdings Rot und Blau, die der autonomen Provinz der Kanarischen Inseln Blau, Weiß und Grün.
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12

Freitag, 12. Juli 2013, 22:43

Mutter Erde auf der Vulkaninsel Lanzarote

Sehr einsam steht sie im Tuff,
geduckt und ganz weiß getüncht,
mit rauen Basaltsteinen,
die alte Wallfahrtskirche
Virgen de los Dolores
oder auch bekannt als die
Virgen de los Volcanes.
Glühende Lavaströme
und Vulkanasche sah sie
und hat sie überstanden,
sah Angstprozessionen,
hörte Flehen und Beten
der verzweifelten Menschen.
Sie überstand Unglauben
und Glauben gleichermaßen,
denn sie ist Teil der Erde,
aus ihren Knochen gebaut,
Zeichen der großen Mutter,
jungfräulich wie Artemis,
weil sie herrscht, nimmt und zerstört,
sich vom Strolch nicht nehmen lässt
und Leben schenkt, wie sie will,
nur durch einen, den sie will.
Nicht Glauben oder Unglauben,
Flehen, Opfern und Betteln
retten die Menschen heute,
vor sich selbst und ihrem Tun,
nicht Menschlichkeit und Vernunft,
nur die Geduld der Mutter,
der missachteten Erde,
die größer ist, als der Zorn
der großen Göttin Kali.
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Samstag, 13. Juli 2013, 21:46

Irdische Ausnahme - elementarer Ansporn

César Manrique war,
wie sein Name schon sagt,
Künstler-Tausendsassa,
Architekt, Bildhauer,
Maler, Politiker,
monoman, telegen,
Highsociety approved,
traditionell-modern,
ökologisch-mondän,
universal-lokal,
Lanzarotes famous
Heroe, ein Monument,
unbesorgt-libertär,
Kaktusstachel gegen
den Muff des Caudillo.
Doch was immer man sagt,
beneidend, bewundernd,
entzückt, kritisch, entrückt,
Jeder bemerkt die Glut
seiner Lavabilder,
sie scheuern die Seele
wie Bimsstein und Meersand,
wie Salz würzen sie uns,
sonnenheiß brennen sie,
wie Wind jagen sie uns
über die Insel, über's Meer,
nie lassen sie ruhen
und meditieren doch.
Seiner Plastik Gewalt
haucht unseren Körpern,
vorher zerbrechlich klein,
der Erdmutter Macht ein.
Seine Häuser geben
mit archaischer Form
uns Heimat im Innern,
Vulkanbauch der Erde
und seine Windspiele
lassen Saiten klingen
tief in unserm Fühlen
und bis nach Atlantis
tragen uns die Sinne
weit hinaus auf das Meer.
Lanzarotes Erde,
die Glut aus der Tiefe
und der Weinstöcke Blut
floss auch in Manrique,
César, einem Großen,
dessen Segel noch weht
mit den Passatwinden
in eine neue Welt.



César Manrique (*24.4.1919 ,+25.9.1992), als vielseitiger Allroundkünstler Lanzarotes berühmtester Inselsohn der Neuzeit, bezog seine schöpferische Kraft wie sein numinoses Ansehen aus der Gegensätzlichkeit, die auch die raue und ursprüngliche Naturlandschaft seiner Heimat ausstrahlt und ausmacht. Um nur wenige Anhaltspunkte zu nennen: Als relativ verwöhnter Spross einer besseren Familie, die umgekehrt zu den früheren Emigrationsbewegungen von Fuerteventura nach Lanzarote eingewandert ist und als politisch reichlich naiver Jüngling von 17 Jahren schloss sich freiwillig der gegen die Spanische Republik putschenden Interventionsarmee des sich als konservativen Retter verkaufenden Faschistengenerals ("Caudillo") Franco an. Drei Jahre später, äußerlich unversehrt aus dem Bürgerkrieg zurückgekehrt, der in Spanien eine faschistische Ära hinterließ, die länger als irgendwo anders bis zum Tode des Diktators 1975 andauerte, verbrannte Manrique seine Uniform und äußerte sich nie mehr öffentlich zu seinen Kriegserlebnissen. Als Vertreter einer künstlerischen Avantgarde stand er, wiewohl man auch im Franco-Spanien eine gewisse künstlerische Freiheit als Ventil erlaubte, solange sie nicht direkt den Caudillo, seine Politik oder die Katholische Kirche angriff, eher auf der Seite der Unangepassten, Eigensinnigen, war ein Original und Nonkonformist wie der Spanier Dalí. Andere jedoch wählten wie Picasso zeitlebens das Exil, wobei man allerdings die Kanaren schon als eine Art geistiges Exil im Vergleich zum kastilisch dominierten Festlandsspanien bezeichnen konnte. Die konservative Grundhaltung zu seiner Heimat und die Verbindung zu bürgerlichen, gemäßigt francistischen und vor allem lokalpatriotischen Politikern erlaubten dem naturliebenden Künstler einen maßgeblichen Einfluss auf eine mehr ökologisch und landschaftsbewahrende Baupolitik auf seiner auch mehr und mehr vom Massentourismus profitierenden Heimatinsel Lanzarote. Er unterstützte das neue Nutzungsverständnis einer touristisch erschließbaren alten Kultur- und ursprünglichen Naturlandschaft mit seinen großformatigen abstrakten Öl-, Sand- und Lavabildern, seinen markanten Skulpturen und Windspielen und seiner an die Umgebungslandschaft angepassten Architektur, mit der er insbesondere Bauten in der Nähe von Naturwundern und Aussichtspunkten gestaltete, die selbst zu Besuchermagneten wurden. Er nutzte wie die bäuerlichen Baumeister immer schon in allen Weltgegenden die natürlich vorgefundenen Materialien und variierte traditionelle Stilelemente der lanzarotenischen Campensinos. Obwohl Manrique eine sehr bodenständige Ader hatte, lebte auch eine andere, mondäne, auf Aufmerksamkeit erpichte Zwillingsseele in ihm. Wundert es einen, hatte er doch eine Zwillingsschwester? Der konservativ bewahrende Ökologe mit seiner Verehrung für das einfache Leben der Bauern, Fischer und Salinen-Arbeiter zählte viele Promis seiner Zeit zu seinen guten Bekannten und liebte untere Anderem auch schöne und schnelle Autos und gestaltete welche für BMW und SEAT. So wundert es fast nicht bei einem so gegensätzlichen Charakter, dass er doch relativ früh und mit 72 Jahren noch überaus rüstig wenige Meter vor seinem früheren Wohnhaus und neuer Bleibe seiner eigenen Stiftung Opfer eines Autounfalls wurde. Vielleicht hat er damit eine alte karmische Schuld aus Bürgerkriegstagen abgetragen? Jedenfalls hat er in seinem Leben viel Bleibendes geschaffen und dieses vermutlich nicht nur, um seinen eigenen Nachruhm zu befördern, denn seine Werke strahlen die Liebe für dieses ursprüngliche Stückchen Erde aus und wenn man sie mit feinen Sinnen in ihrer natürlichen Umgebung betrachtet, können sie einem das Herz öffnen: für das Einfache, für das, was ist. Sein Grab auf dem Friedhof von Haria, seinem letzen Wohnort, passt gut zu seiner Persönlichkeit. Es ist nicht viereckig, sondern oval. Am Kopfende steht eine kanarische Dattelpalme und an Fußende ein Kaktus, beide nach gut 20 Jahren inzwischen von beträchtlicher Höhe. Dazwischen verzeichnet eine Platte aus braunem Vulkangestein schlicht und einfach den Namen und das Geburts- und Todesjahr: "C. Manrique 1919 - 1992". Es gibt Absichten, ihn später in den Garten seines letzten Anwesens, das gerade renoviert wird, umzubetten. Herausgehoben war er ja in den letzten Jahren und er würde wohl von Hunderttausenden besucht, die wegen ihm als Künstler zu seinen Stätten pilgern und für seine Foundation Eintritt zahlen. Andererseits wollte er eigentlich mit seinen Wurzeln, den kanarischen Vorfahren und den Lanzaroteños verbunden sein. Dann liegt er eigentlich gut unter seinen ehemaligen Mitbürgern und erhielte auch weiterhin "normalen Besuch"
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Samstag, 13. Juli 2013, 23:41

Puerto del Carmen

Von den Bergen fällt der Wind,
vom Meer schlagen die Wellen
im Aufruhr Schaum an den Strand.
Ich geh' im Frieden entlang,
die Füße wasserumspült,
ganz wie durch flüssigen Sand.
Der Horizont dunkelt schon,
Mond und Venus stehen hoch,
Nachtwolken ziehen vorbei,
von Ferne ein Möwenschrei.
Ich kehr' zurück über'n Strand,
barfuß durch wärmenden Sand,
geh' durch die Palmenallee,
Wind raschelt in den Zweigen,
dann find' ich heim in's Hotel,
bei den Büschen mit Feigen.
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Sonntag, 14. Juli 2013, 11:39

Meertraum

Schon morgens Wärme
und eine Brise vom Meer
im Paradies
aus Farben und Wehen.

Palmblätter rascheln
im Wind wie ihr Strandkleid,
bunt flatternd und luftig
um ihre Hüften

Von Wellen verwischt:
ihre Fußspur im Sand,
glitzernd im Licht
der steigenden Sonne.

Ein Hauch von Kiefer,
würzigem Meertang
und ihr Jasmin-Duft
schweben in der Luft.

Wenn Aphrodite
träumt, seh ich hier
morgens am Strand ihre
Fata Morgana.
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Montag, 15. Juli 2013, 11:11

Los Salinas des Janubio

Der Himmel fällt in die rosigen Becken
und teilt sich in geometrische Spiegel,
verwandelt von der abendlichen Sonne,
die zwischen Passatwolken im Golf versinkt,
in gleißende Muster aus Silber und Gold.

Vor den Schattenrissen der Mühlenstümpfe
aus schwarzem Basalt, versteinerte Riesen,
die einst Meerwasser in die Becken schöpften,
türmen sich weiße Kristallpyramiden
aus duftendem Meersalz in das Himmelblau.

In alte, leere, lavaschwarz gefasste
Becken kriechen Salzpflanzen, rot, grün, orange,
und verzieren zart die weißgrauen Krusten,
die unter den Schritten knirschend zerbrechen;
auf der Zunge schmecke ich Salz - und Stille.
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Montag, 15. Juli 2013, 12:02

Montañas del Fuego

Feurig rotorange, erdig ockerbraun
oder drohend schwarzblau ragen sie auf ins
Himmelblau über der flirrenden Ebene,
bizarr zerbrochene Krusten der Erde,
deren Schlote noch Höllenhitze entströmt,
deren Krater so still sind, weil die Luft steht
und kein Meereshauch vom nahen Strand sie trifft.
Doch aus eingestürzten Höhlen am Rande
erstarrter Lavaströme schauen schon hervor
Aloe, Kakteen und selbst erste Blätter
einer Feige, grün inmitten der Schwärze.
Zarte Flechten kriechen gelb, weiß und rosa
über raue Brocken porösen Gesteins
und dazwischen Dornensträucher eingestreut.
Frau Hölle lebt und der Teufel lacht mit ihr
über ihre wunderbare Schöpfungstat,
dass sogar Gott und Göttin schmunzeln müssen:
hier, wo Feuer zerstört und Leben gebiert,
versöhnen sich alle Kräfte der alten
und immer auch jungfräulich neuen Erde.
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Montag, 15. Juli 2013, 15:30

Windwund-erbar

Äolischer Freund,
mal sanft und mal wild,
säuselnd und stürmisch,
flüsternd und brüllend,
Passat und Schirokko,
feuchtmild oder heiß,
belebend, trocknend,
du streichelst und beißt,
bist frei wie du willst
und kümmerst dich doch:
du weckst mich morgens,
du kühlst mich mittags,
du wärmst mich abends
und befeuchtest nachts
Boden und Pflanzen.

Ohne dich weder
Wellen noch Meersand,
kein Salz, kein Regen,
ohne dich, du Wind,
kein Sirren, Singen,
Rascheln und Flüstern
in den Bäumen und
Zweigen und Ästen,
kein Duft in der Luft
von Blumenblüten,
von Bergen hierher,
von feuchter Erde,
von Seetang vom Meer.

Ohne dich wüsst' ich nicht
wie die Seele fliegt,
wie Schmerz aus mir weht,
wie Angst an mir zerrt,
wie Furcht durch mich geht,
wie mein Herz bestürmt
und die Freude braust
und sicher sah ich
ohne dich noch nie,
dass Liebe über
alle Berge schwebt.
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Montag, 15. Juli 2013, 16:12

Über das darüber Entzücken

Lanzarote ist, wie die kanarischen Insel überhaupt, doch vermutlich noch viel ursprünglicher, ein lebendiges Museum für den Schöpfungsbeginn auf Erden und für deren Vollendung. Aufgrund des harmonischen Zusammenwirkens der Gegensätze eignen sich die dualistisch darstellbaren Naturerscheinungen wunderbar für das projektive künstlerische Schaffen, sei es mit farbintensiven Bildschöpfungen und kraftvollen Skulpturen, sei es mit poetischen Beschreibungen. Aus der Natur lassen sich eindrucksvolle Bilder nehmen, ob mit Worten, Klängen, Formen oder Farben. Kein Zweifel, wie der ganze Planet käme Lanzarote ohne den Menschen aus. Doch wer wäre dann in der Lage, diese Ehrfurcht und Dankbarkeit zu empfinden und in kunstvollen Gebilden und klangvollen Worten auszudrücken und wer würde überhaupt die Schöpfung erfassen und zu feiern wissen? Sicher, alles, was ist, ist und ist damit zufrieden. Und es ist eine hohe Kunst für uns Menschen, einfach nur so zu sein. Doch darüber hinaus kann sich unser Herz auch noch bewusst daran entzücken, was in uns, um uns und mit uns ist.
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Montag, 15. Juli 2013, 16:38

Feuerseele

Pyroklastische Ströme,
Sechs Eruptionsarten
mit seismischen Wellen,
heiße Magmakammern
viertausend Meter tief
unter den Calderen,
von dünner Stricklava
las ich und von zäher,
von Basalt, Tuff und Bims,
von vulkanischem Glas,
heißem Aschenregen,
Runden Lavabomben
und auch noch anderen
Auswürfen der Hölle.
Das Vulkanmuseum
ließ den Kopf rotieren,
Wissen explodieren
und spannte die Neugier.

In den Feuerbergen
sah ich Schwarz, Rot, Orange,
Gelb, Braun, Grauschwarz, Weißgrau,
Umbra, Siena, Ocker,
Erd- und Feuertöne
in jeder Schattierung.
Heiß ist der Boden noch
unter meinen Schritten
über knirschenden Kies
aus schwarzen Lapilli.
Und in tiefen Kratern
weht mir seelenruhig
Einsamkeit und Stille
leise um die Ohren
und ein lauter Sturm brüllt
in mir auf: "Erlösung!"
Eine Schmerzeruption
durchzuckt feurig das Herz.
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