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Sonntag, 18. November 2012, 17:33

"GOTT"!? Was kommt Dir spontan in den Sinn?

Heute wurde ich gefragt: "Was kommt Dir spontan in den Sinn, wenn Du an GOTT denkst?" Die Frage traf mich unvorbereitet. Es sind auf ein Mal hundert Gedanken, Namen, Bilder und dabei als ein erstes fassbares Bild eine Rose. Sie war erst rot, dann weiß mit grünen Blättern. Und dann kam mir schon das Bild von Gott in mir in den Sinn, so wie die Sufi, die Mystiker des Islam es beschrieben haben: Gott ist im Herzen eines jeden Menschen zuhause. Er ist da und wir sind meist nicht da, meist nicht bei uns zuhause, nicht in unserem Herzen. Dann kommen schon die Gedanken, die aus einer uralten Tradition von vor Tausenden von Jahren bis heute herüber wehen: dass wir nach Gottes Ebenbild gewollt und auf diese Erde gesetzt worden sind und ihm und damit uns immer ähnlicher werden wollten.

Als die Frage weiter in mir arbeitete, wichen die spontanen Bilder und Gedanken über Gott Weiteren: Sie waren weiter und manchmal tiefer, aber eben auch intellektueller. JHWH, Elohim, El, Adonai und dann auch die griechischen und lateinischen, indogermanischen Worte Theos, Zeus, Deus oder das germanische "Gott"... Selbst das Wort "Vater" war nicht nur bei Jesus, der nicht direkt von JHWH sprach, mit Gott verknüpft, sondern auch schon bei den Griechen und Römern. Doch das männliche Vaterbild mit weißem Bart und dreieckigen (dreifaltigen) Heiligenschein ist nur ein Bild aus meiner katholischen Kinderikonographie. Es gibt auch das Bild einer Göttin, nicht so gezähmt wie die "Gottesmutter" Maria des Neuen Testamentes, sondern ungestüm und mächtig, wie sie die Kelten noch kannten und ältere Völker.

Als nächstes kamen mir Symbole in den Sinn, nicht nur das berühmte hebräische Tetragramm JHWH, sondern auch das Alpha A und das Omega Omega, welche Anfang und Ende des griechischen Alphabets markieren und damit Beginn und Ende umfassen und nach der davon kommenden deutschen Redewendung das "A und O" sind. A und Omega passen dabei für mich allerdings besser, weil man das A spitz von unten in das Omega schieben und die Gestalt damit schließen könnte. Das Menschliche A schiebt sich als Antwort in das göttliche, umfassende Omega und verdeutlicht, dass diese beiden Seiten einander antworten müssen und sich dabei umfassen, um ein Ganzes zu werden. Das Unendlichkeitssymbol der Lemniskate (liegende 8) wäre auch ein passenderes Symbol, als das O, welches einen geschlossenen Kreis bildet und das dialogische Prinzip nicht wieder gibt. A und O passen auch im Deutschen zu A-nfang und eben nicht Ende, sondern Unendlichkeit im Sinne des "o-hne Ende" Seienden, des "Ohn-Endlichen", das ohne Namen, ohne Begrenzung ist und immer Jetzt. Es umfasst alle Vergangenheit und alle Zukunft im ewigen, unendlichen Jetzt. Es ist das, was von Anbeginn ist, das war, ist und sein wird.

In einer zweiten Welle entleerten sich diese Gedanken wieder, auch von den Symbolen. Das alles mag ja mit unseren Vorstellungen von Gott zu tun haben, aber wenig mit Gott. Wenn meine Kinder - die Jüngsten sind nun immerhin Teenager - empört über den nicht einmal vermenschlichten oder kindlichen, sondern kindischen Unsinn schimpfen, der ihnen im Religionsunterricht über Gott erzählt wird und sie sich zu der Aussage versteigen, sie hassen (einen solchen) Gott oder sie glauben nicht an Gott, sage ich ihnen immer wieder: Es ist gar nicht nötig, ihm zu fluchen oder an das zu glauben, was Menschen sich darüber zusammen reimen. All das könnte er wohl in ihren Augen sein und er ist doch all das nicht. Einen kirchlichen Gott habe ich ihnen auch niemals vorgestellt. So haben sie wenig traditionelle Schablonen im Kopf, jedenfalls nicht von ihren Eltern.

Es bleibt uns heute wie damals, als die Menschen auch schon nach innen gehen und suchen wollten, nichts anderes übrig, als eine persönliche Beziehung zu suchen und eine Beziehung ist weniger ein Denkmodell, etwas Erdachtes, als etwas Erfahrenes, das aneinander wächst, was mindestens zwei miteinander erfahren. Ein Beziehung benötigt alle Anteile von uns, nicht nur unseren Denkgeist. Auch unser Fühlen und unser Körper, der manchmal als Tempel und Gefäß des Göttlichen bezeichnet wird, werden in einer wirklichen Beziehung benötigt. Und diese Beziehung ist nicht einfach da. Sie wächst, verändert sich, kennt Höhen und Tiefen, Freude und Verdruss, Enttäuschung, Verrat und Einsamkeit genauso wie Innigkeit, Aufgehobensein, Wärme, Intimität.

Unsere Bilder können, so schön sie sind, der Wahrheit nur so nahe kommen, wie unsere biologischen Organe des Denkens und Fühlens und unsere kulturell eingefleischten Bedeutungsbilder uns dies erlauben. Selbst die bildhafte Sprache stößt an ihre Grenzen. Doch wenn sie Innigstes und Intimstes aus unserem unmittelbaren Erleben im Hier und Jetzt beschreibt, nähern wir uns der Ebene, die uns wirklich zugänglich werden könnte, in der spontanen Präsenz des Hier und Jetzt. Und so wurde der dialogische Gott des Alten Testamentes auch beschrieben, als der Seiende, der seinem menschlichen Gegenüber präsent sein möchte und solches ebenfalls wünscht. Der, der war, der ist und der sein wird ist der, der ohne Verstellung immer ist.

Dieses Sein durchdringt das ganze Leben, alles Denken, Fühlen, Sprechen, Handeln. Hunderte Namen können assoziiert werden und benennen nur einen Teil. Das Große ist ungeteilt alles und das kleinste Kleine immer noch ein subtiles Abbild von Allem und vom Großen und Ganzen. Das kann der Verstand kaum denken, doch das, was wir mit Seele umschreiben, scheint es immer schon zu wissen und das, was wir als unser Herz empfinden, scheint es zu fühlen. Dort suchen wir daher den Kontakt zum göttlichen Heilsfunken und letztlich uns selbst in unserer Ganzheit. Da kämen wir dann bei uns an und bei Gott, der immer schon da ist und ankommen möchte bei uns, wahr genommen sein will und unsere wahre Natur ist.

Das können nur einfältige Menschen denken und glauben oder eben diejenigen, die auf dem Gipfel ihrer höchsten Weisheit zurück sinken in dieses kindlich naive Urvertrauen der Allgültigkeit einer Allgütigkeit. Eine Ahnung tiefer Dankbarkeit, Güte und Barmherzigkeit breitet sich aus und erwärmt den fühlenden Menschen vom Inneren seiner Brust und drängt als Freudenschrei zu seiner Kehle und die Augen lachen Tränen. So könnte es sein. Dass es nicht öfter so ist, hängt wohl damit zusammen, dass wir nicht so oft bei uns im Innersten zuhause sind, schon gar nicht, wenn andere da sind, die uns besuchen möchten. Zu oft bekommen wir Angst, sind Misstrauisch und die Tür zum Herzen ist verklemmt.

Wenn ich also an Gott denke, dann denke ich auch an mich und an Dich und wie wir es göttlich miteinander haben können, besonders in dem Moment, an dem der Unterschied weniger zählt oder allenfalls als Schmuck und Erweiterung, als unser Gemeinsames. Natürlich ist es nicht einfach, in einem Alltag, den man uns seit Jahrtausenden als "Lebenskampf" zur Bewährung unserer Leistungsfähigkeit schildert, all das zu fühlen, von dem ich eben schrieb. Wir fühlen oft gar nichts oder bedrängend feinselige, schmerzhafte, ängstlich verengende Gefühle. Und dann machen wir zu und nehmen den Kampf auf, verlieren die Verbindung nach innen zu uns selbst und nach außen zu unseren Mitmenschen - und zu Gott, zu unserer göttlichen Natur.

Das ist der Sündenfall der Entfremdung. Es hat nur keinen Sinn, das alles nicht sein zu wollen und in unserem Nichtwollen zu übersehen, dass wir es eben doch noch sind: neidisch, eifersüchtig, ängstlich, zornig. Die Überwindung liegt nicht darin, dagegen anzukämpfen und es nicht sein zu wollen, sondern darin, das andere eben auch zu wollen und schließlich zu können: Lieben, präsent Sein, anwesend in unserem Herzen, antreffbar, betroffen, mitfühlend, willkommen heißend, dankbar, barmherzig mit uns und anderen. Damit erlauben wir uns, uns zu öffnen, damit wir wieder in unser eigenes Haus eintreten können und wir bemerken: dieses Haus hat viele Zimmer, es ist warm, bewohnt, es hat einen Festsaal und Gott ist schon da, lächelt und erwartet uns. "Endlich bist Du da! Ja Du, der Du bist, Dich meine ich. Du glaubtest Dich verloren, aber Du warst es nie, nicht für mich. Willkommen!" Dieses Willkommen, das ist Gott. Und so sind wir gemeint, als Wesen, die willkommen heißen können.

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)