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Donnerstag, 9. August 2012, 21:33

Panik vor Pussy Riot

Pussy-Putin und Popen in Panik vor Pussy Riot

Die ehemalige Sowjetunion hat sich abgeschafft, nicht allerdings den Hegemonieanspruch Russlands in der Region. Der sowjetische Kommunismus hat sich durch den Stalinismus erledigt und Glasnost und Peristrojka haben den Stalinismus geschafft. Nicht abgeschafft wurde die Diktatur und die pseudoreligiöse Verehrung von sowjetischen Symbolen wurde von einer neuen, scheinheiligen Huldigung gegenüber einer nationalistischen, konservativen russischen Orthodoxie abgelöst. Spinnen im Netz der heutigen Oligarchie Russland sind die alten Strippenzieher z.B. aus dem stalinistischen Geheimdienst wie Putin und deren Partei, die um den neuen Zaren konstruiert wurde, neureiche Industrielle und die Russisch-orthodoxe Kirche. Diktatur, Oligarchie und Raubkapitalismus sind das Ergebnis der Angst, nicht nur der allgemeinen Angst vieler Leute vor Veränderung, sondern auch der Angst von einflussreichen Machtmenschen vor Verlust von Einfluss, Ansehen, Kontrolle und Macht. Ein solcher gefährlicher Feigling ist Wladimir Putin, dem der deutsche Machtmensch Gerhard Schröder als SPD-Kanzler bescheinigt hatte, ein „"lupenreiner Demokrat"“ zu sein. Vermutlich hängt das Urteil von der Lupe ab.

Putin hat sogar Angst vor „Pussys“, genauer gesagt vor drei jungen Mädchen, die als Künstlerinnen der feministischen Punk-Band "Pussy Riot" ("Pussy-Aufruhr") in der Moskauer Christ-Erlöser-Hauptkathedrale ("Herr, erlöse uns von der Dummheit!!!") den Protestsong mit dem Titel "Punk-Gebet" gegen die zunehmende Einschränkung demokratischer Bürgerrechte in Russland aufführten und seit Monaten von der Staatsmacht weggesperrt werden, obwohl zwei von ihnen junge Mütter sind. Mit ihrem Protestsong in der Kathedrale hätten sie angeblich Hass gegen die Religion geschürt und sich des „Rowdytums“ schuldig gemacht, für das bis zu 7 Jahre Lagerhaft verhängt werden kann, ein Relikt aus der stalinistischen Diktatur, sowohl was die Formulierung des politischen Strafvorwurfs betrifft, als auch was die Bestrafung betrifft. Nun will der Staatsanwalt immerhin noch drei Jahre Lagerhaft fordern, während es den Orthodoxiepopen und Papst Putin –oder besser Zar Wladimir selbst ein wenig peinlich zu werden beginnt, sodass sie unter dem Druck der Weltpresse und der internationalen öffentlichen Meinung vorschlagen, "keine schwere Strafe" zu verhängen. Dabei hatte der Oberpope, Patriarch Kyrill I., zuvor von "Blasphemie", also "Gotteslästerung" im Sinne von "Ketzerei" gesprochen, wie zu besten Inquisitionszeiten! Das wahrhaft Gotteslästerliche ist allerdings diese Kumpanei zwischen autoritärem Staat und autoritärer Kirche und den Hass auf diese Gottlosigkeit hätten sich die unheiligen Verbündeten redlich verdient! Schon zu zaristischen Zeiten hatte die russische Orthodoxie sich der Macht angebiedert und Herrschertum wie Leibeigenschaft schienen ihr gottgefällig. Nun hofierte Kyrill I. Putin vor dessen Wahl und missbrauchte das höchste Kirchenamt zur Einflussnahme auf gläubige Wähler.

Die mächtige russische Orthodoxie und der Zar Putin merken nun wohl, wie armselig es in den Augen der Weltöffentlichkeit ist, dass sie so offensichtlich um ihre weichen Schwänze vor der anarchischen Pussy einer Frau zittern. Mögen sie einknicken, bevor sie Russland weiter beschämen und beschädigen - nichts weiter meint die Erhörung des "Punk-Gebetes"! Der Verdienst dieser Punk-Band war nicht der eher mäßige Kunstgenuss eines mittelmäßigen Gedichtes mit wenig ansprechender Performance, es war eher die Tatsache, dass diese harmlose Show den unheiligen Machtapparat offenbar ins Mark traf und ihn mit seiner polizeistaatlichen Reaktion der verdienten Lächerlichkeit preis gab, wozu eben in Russland persönlicher Mut erforderlich ist, denn in Russland zahlt man für den lauten Ruf nach Freiheit weiterhin einen hohen Preis. Und nein, es war kein ethischer Fehler, den Protestsong in der zaristischen Staats-Kirche Moskaus aufzuführen, wie sich die Künstlerinnen entschuldigten, sondern eine freche, entblößende und notwendige demokratische Herausforderung der peinlichen Maske angemaßter und nun beschämter demokratiefeindlicher Macht! Doch es gibt in Russland noch stabile Werte, für die es sich unbeschränkt einzutreten lohnt. Der für mich herausragende und selbst genutzte Wert besteht aus Eisenblech und billigem Plastik und ist der beste zivile leichte Geländewagen der Welt und dies seit über 35 Jahren: Der Lada Niva! Damit kommt man/pussy überall hin, auch dahin, wo Putins Macht nur auf dem Papier steht. Denn Russland ist groß und Putin ist nicht mal eine Pussy.
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Sonntag, 2. September 2012, 17:24

RE: Panik vor Pussy Riot - Kommentar und Interview zum Urteil gegen die Punkband

Zitat

Original von Michael
...
Putin hat sogar Angst vor „Pussys“, genauer gesagt vor drei jungen Mädchen, die als Künstlerinnen der feministischen Punk-Band "Pussy Riot" ("Pussy-Aufruhr") in der Moskauer Christ-Erlöser-Hauptkathedrale ("Herr, erlöse uns von der Dummheit!!!") den Protestsong mit dem Titel "Punk-Gebet" gegen die zunehmende Einschränkung demokratischer Bürgerrechte in Russland aufführten und seit Monaten von der Staatsmacht weggesperrt werden, obwohl zwei von ihnen junge Mütter sind. Mit ihrem Protestsong in der Kathedrale hätten sie angeblich Hass gegen die Religion geschürt und sich des „Rowdytums“ schuldig gemacht, für das bis zu 7 Jahre Lagerhaft verhängt werden kann, ein Relikt aus der stalinistischen Diktatur, sowohl was die Formulierung des politischen Strafvorwurfs betrifft, als auch was die Bestrafung betrifft. Nun will der Staatsanwalt immerhin noch drei Jahre Lagerhaft fordern, während es den Orthodoxiepopen und Papst Putin oder besser Zar Wladimir selbst ein wenig peinlich zu werden beginnt, sodass sie unter dem Druck der Weltpresse und der internationalen öffentlichen Meinung vorschlagen, "keine schwere Strafe" zu verhängen. Dabei hatte der Oberpope, Patriarch Kyrill I., zuvor von "Blasphemie", also "Gotteslästerung" im Sinne von "Ketzerei" gesprochen, wie zu besten Inquisitionszeiten! Das wahrhaft Gotteslästerliche ist allerdings diese Kumpanei zwischen autoritärem Staat und autoritärer Kirche und den Hass auf diese Gottlosigkeit hätten sich die unheiligen Verbündeten redlich verdient! Schon zu zaristischen Zeiten hatte die russische Orthodoxie sich der Macht angebiedert und Herrschertum wie Leibeigenschaft schienen ihr gottgefällig. Nun hofierte Kyrill I. Putin vor dessen Wahl und missbrauchte das höchste Kirchenamt zur Einflussnahme auf gläubige Wähler. ...


Nun, es kam, wie es in einer Scheindemokratie, die eigentlich eine Oligokratie aus stalinistischen Altkadern und Geheimdienstlern, Neureichen (manche sind beides) und Neu- und Altreligiösen (das System der Russischen Orthodoxie) ist, kommen musste: Die Richterin verurteilte die drei Frauen, deren die Staatsmacht nach ihrem öffentlichen Protest habhaft werden konnte, um ein Exempel zu statuieren zu zwei Jahren Lagerhaft wegen "Rowdytums" und "religiösem Hass", dabei galt die Abneigung der Protestsängerinnen dem selbstgefälligen Führer Putin.

Doch tatsächlich sind relativ große Teile der wenig aufgeklärten und nicht gerade in den Metropolen wie etwa Moskau lebenden "einfachen Russen" wohl aus der Not und durch jahrhundertelange Übung in Unterwerfung und im zu Kreuze Kriechen bei den Wahlen wie in den Meinungsäußerungen, soweit sie in Russland überhaupt frei getätigt und aufgenommen werden können, Sympathisanten von Putin und seinem Machtapparat. Der teils zarenähnlich, teils rambohaft auftretende allmächtige Präsident repräsentiert die einst bei der inneren Ostkolonisation wichtige starke Zentralmacht, die Russland wieder einig und groß machen sollte, so wie früher Zar und Orthodoxie oder danach Lenin, Stalin, das Zentralkomitee der KPDSU und der Sowjetkommunismus als pseudoreligiöser Überbau.

Und die schwachen, wenig demokratieerfahrenen und -begeisterten "Bürger" haben vor allem Angst, so wie sie von der Propaganda geschürt wird: Vor Terroristen, vor Wirtschaftskriminalität - die es dort gibt wie sonst kaum irgendwo - vor Arbeitslosigkeit, weiter steigenden Preisen und sinkenden Einkommen, vor Renten unter dem Existenzminimum, vor dem bösen alten Westen, vor den verhassten neuen islamistischen Radikalen usw. Da soll ein Putin und sein orthodoxer Patriarch als sein Förderer die Nation retten und hält zum Preis dafür Medien und Volk in Unfreiheit und lässt es durch die alte neue Schicht reicher Familien und Geschäftsleute ausbeuten. Wer die Wahrheit darüber all zu offen und all zu frech verkündet und den mächtigen Interessen schaden könnte, wandert wie früher in den "Archipel Gulag".

Tatsächlich fürchtet auch der Westen ein destabilisiertes, "demokratisches" Russland und nicht nur, weil ein Schröder auch als Ex-Kanzler so mit dem jetzigen Russland und seinem "lupenreinen Demokraten" (Schröder über Putin) besser Geschäfte machen kann. Man fürchtet, dass das weiter bestehende enorme Atomwaffenpotential in falsche Hände geraten könnte oder dass andere Scharfmacher etwa aus der Armeeführung, die weniger auf Koexistenz mit dem Westen setzen, wie Putin, der sich gerne als einen neuen Zar Peter der Große sehen würde, dem Westen wesentlich ungemütlicher kommen könnten, als Putin, der im Wesentlichen für die innerrussische Demokratiebewegung eine Geißel ist und nicht für die geschäftstüchtigen und politische Allianzen gegen das Dominanzstreben Chinas oder die "islamistische Gefahr" (unter anderem aus dem Iran gesteuert) suchenden westlichen Politiker.

Was eine der drei verurteilten Frauen von dem ganzen hält, hat kürzlich Focus online verbreitet:

Zitat

Aus Focus online vom 2.9.2012

Punkband „Pussy Riot“-Aktivistin Tolokonnikowa

"„Tatsächlich ist Putin klein und armselig“..."

Die inhaftierte „Pussy Riot“-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa sagt einen langen Kampf gegen das System Putin in Russland voraus. Die Allmacht Putins sei aber ein Trugbild, meint sie, an dem der Westen nicht unschuldig sei...


"„Dieses System hat das Urteil über sich selbst gesprochen –indem es uns zu zwei Jahren Haft verurteilte, ohne dass wir ein Verbrechen begangen haben"“, sagte Tolokonnikowa in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. "„Das freut mich natürlich."“ Auf ein Russland, wie sie es sich wünsche, werde sie aber wohl leider „lange warten müssen“.

„Pussy Riot“ wolle eine Revolution in Russland erreichen. "„Ich liebe Russland, aber ich hasse Putin"“, sagte Tolokonnikowa. Es sei möglich, gegen den russischen Präsidenten zu gewinnen: „"Die Allmacht Putins ist ein Trugbild. Dass sie nicht unendlich ist, liegt ebenso auf der Hand wie die Tatsache, dass Putins Propagandamaschine die Machtfülle des Präsidenten übertreibt.“"

„"Tatsächlich ist der Präsident klein und armselig“"

Der Westen sei allerdings ebenfalls daran interessiert, das Ausmaß von Putins Macht aufzubauschen. "„Tatsächlich ist der Präsident klein und armselig. Das sieht man an seinen Taten als Mensch und Politiker. Wie kann es einem Führer, der sich seiner sicher ist, in den Kopf kommen, so gegen drei junge Oppositionsaktivistinnen vorzugehen?“"

Kritik an dem Auftritt in der Moskauer Erlöserkirche lässt Tolokonnikowa nur bedingt gelten. Es tue ihr leid, wenn der Eindruck entstanden sei, „Pussy Riot“ hasse die Religion. Das sei nicht der Fall. Dennoch seien die Aktionen richtig und wichtig gewesen: „"Wer Angst vor Wölfen hat, darf nicht in den Wald gehen. Ich fürchte Wölfe nicht. Ich kämpfe dafür, dass meine Tochter in einem freien Land aufwächst."“

"„Nicht ich, sondern die Staatsgewalt muss Angst haben"“

Auch ihre Eltern hätten kein Problem mit provokativen Auftritten der Gruppe, erzählte Tolokonnikowa weiter. Angst vor dem Leben im Straflager habe sie angeblich auch nicht. „"Nicht ich, sondern die Staatsgewalt muss Angst haben."“


Falls Putin und sein Staat sowie die Staatskirche glauben, dass mit dem Urteil Ruhe ist und Demokraten nun ein und für alle Mal das Maul gestopft worden ist, werden sie sich wohl irren.

Michael
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Sonntag, 29. Dezember 2013, 15:40

Wahrheit wichtiger als Freiheit

Am 23.12.2013 wurden die letzten beiden inhaftierten Protestlerinnen Marija Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa der feministischen Punkband "Pussy Riot" durch den mit diktatorischer Machtfülle ausgestatteten russischen Präsidenten Wladimir Putin wenige Monate vor ihrer regulären Freilassung "begnadigt". Jekaterina Samuzewitsch wurde bereits Im Oktober 2012 in nach einem Berufungsverfahren auf Bewährung freigelassen. Offiziell handelt es sich um eine Amnestie für ca. 25.000 Inhaftierte, davon viele politische Gefangene, zum 20. Jahrestag der russischen Verfassung am 12.12.2013. Tatsächlich gibt es in einem Verfassungsstaat keinen Grund für Massenamnestien. In Unrechtsstaaten wird dieses innen- und außenpolitische Mittel immer wieder benutzt, um insbesondere vor internationalen Ereignissen die Weltöffentlichkeit freundlich zu stimmen und um innenpolitisch ein kurzfristig wirksames Ventil für die rechtlich unterdrückten Massen und die verfolgten Oppositionellen zu öffnen. So sagte auch die ehemalige "Pussy-Riot"-Aktivistin Marija Aljochina, die zusammen mit ihrer Mitstreiterin Nadeschda Tolokonnikowa verurteilt worden war, anlässlich ihrer Freilassung: „Das ist kein humanitärer Akt, das ist ein PR-Trick.“ Dieses Mal sind die herannahenden Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi der Grund für die politische Flurbereinigung in den russischen Straflagern.

Zitat

[URL=http://www.nwzonline.de/politik/personen/nadeschda-tolokonnikowa_a_11,5,654943058.html]nwzonline.de[/URL] vom 29.12.2013 über Nadeschda Tolokonnikowa

Sie sei eine vom Teufel besessene Punkerin, meinte nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch die Kirche, gegen deren Macht in Russland sie protestiert hatte. „Die Wahrheit ist das Wichtigste für uns, mehr noch als die Freiheit“, sagt die Künstlerin selbst.


Die ehemaligen politischen Gefangenen der feministischen Punk-Band "Pussy Riot" wollen in ihren zukünftigen politischen Aktionen vermehrt den Blick der Weltöffentlichkeit auf den unmenschlichen Strafvollzug in der ehemaligen Sowjetunion, dem heutigen Russland, aufmerksam machen. Das Erbe des Stalinismus besteht dort ungehindert fort und dient dazu, politisch unbequeme Menschen verschwinden zu lassen und andere oft auch wegen geringfügiger Delikte für Jahre hinter Gittern zu bringen und ihre Arbeitskraft in Lagern auszubeuten, wobei die Menschen durch Unterernährung, Misshandlung, schlimme Hygienezustände, schlechte medizinische Versorgung und ständige Demoralisierung und Hoffnungslosigkeit krank werden und oft frühzeitig sterben. Dazu noch einige Zitate von Tolokonnikowa:

In der Tradition der Plaidoyers politischer Verfolgter sagte Nadeschda Tolokonnikowa damals am Ende der Gerichtsverhandlung: „Im Grunde genommen wird in diesem Prozess nicht über die drei Sängerinnen der Gruppe Pussy Riot verhandelt. Wäre es so, dann hätten die Vorgänge hier absolut keine Bedeutung. Dies ist eine Verhandlung über das gesamte Staatssystem der Russischen Föderation, das zu seinem eigenen Unglück in seiner Grausamkeit gegen die Menschen, seiner Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Ehre und Würde, so gern das Schlimmste zitiert, was in der russischen Geschichte je geschehen ist. Diese Imitation eines Gerichtsverfahrens kommt dem Muster der „Gerichtstroiken“ der Stalinzeit nahe.“

Nach der jetzigen Freilassung erklärte sie: „Russland ist nach dem Modell einer Strafkolonie aufgebaut. Straflager und Gefängnisse sind das Gesicht des Landes und um das Land zu verändern, muss auch das Strafvollzugssystem geändert werden.“ Gegenüber dem Fernsehen präzisierte Tolokonnikowa, sie betrachte Aljochinas und ihre „Freilassung nur wenige Monate vor Ablauf ihrer Haftstrafe nichts weiter als eine kosmetische Maßnahme Putins vor den Olympischen Spielen in Sotschi“, und sie „rufe die Europäer auf zum Boykott der Spiele, zu Ehrlichkeit und dazu, sich nicht für russisches Öl und Gas zu verkaufen.“

In einer Pressekonferenz in Moskau bestätigten Aljochina und Tolokonnikowa am 27. Dezember 2013, sich für bessere Haftbedingungen in russischen Gefängnissen einsetzen zu wollen. Zum Präsidenten Wladimir Putin sagte Tolokonnikowa: „Ich würde mir Michail Chodorkowski auf diesem Posten wünschen.“ Chodorkowski warnte die Aktivistinnen schriftlich vor „Hass und Groll„ und gratulierte ihnen zur Freilassung: „Ich bin froh zu hören, dass die Folter, die einem europäischen Staat im 21. Jahrhundert unwürdig ist, nun zu Ende ist.“ Auch er hatte angedeutet sich für russische Häftlinge einsetzen zu wollen. Sie planen mit dem Oppositionspolitiker Alexei Nawalny, der kürzlich als Moskauer Bürgermeisterkandidat recht gut abgeschnitten hatte, zusammenzuarbeiten. Er ist zudem ein bekannter Internet-Aktivist.

Obwohl der im Westen hofierte und ebenfalls kürzlich freigelassene Michail Chodorkowski sicher ebenfalls ein Opfer politischer Justiz in Russland gewesen ist, war der schwerreiche und anscheinend immer noch wohlhabende Industrielle zunächst eine Art "Kriegsgewinnler" des überstürzt eingeführten Kapitalismus in Russland. Den kleinen Leuten brachte diese Umwandlung wirtschaftliche Unsicherheit und Armut. Er profitierte von der Umwandlung der staatsmonopolkapitalistischen Öl-, Gas- und Energieunternehmen der ehemaligen Sowjetunion in privatisierte kapitalistische Großkonzerne sowie von der immer noch verbreiteten Korruption und macht Milliarden, bevor er von Putin zu Fall gebracht wurde. Falls er nun zu einem Paulus der Demokratie geworden ist, so war er zumindest erst ein Saulus und insofern ist bei diesem Mann ebenfalls Vorsicht geboten. Er ist ein Täter und Opfer dieses skandalösen russischen Systems.

Die Wahrheit ist wichtiger, als die Freiheit, weil nur die Wahrheit frei macht. Wer nicht in und mit seiner Wahrheit leben kann, ist unfrei, fast schon tot.
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