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Beiträge: 3 464

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Beruf: "Heilberuf"

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Sonntag, 25. Dezember 2011, 16:29

Trauer und Licht - Herzenergie

In regelmäßigen Abständen im Advent erinnert mich eine Freundin an einen Austausch über die Trauer um ein Mädchen, das wir gemeinsam kannten. Da sie die Gedanken von damals immer noch als so beseelend und wahr empfindet und trotz des traurigen Anlasses irgendwie tröstend, licht und schön, will ich sie weiter geben. Trauer kann unser Herz tatsächlich weich und leuchtend machen, sodass wir vor dieser tiefen Empfindung keine Angst aufbauen müssten. Trauer und Schmerz kann in unserem Herz heilen, kann unser Herz selbst heilen und ein warmes Licht hinterlassen. Ich erinnere mich noch heute an die jungen Menschen, die in den letzten 25 Jahren meines Berufes vor mir gegangen sind. Manche sind mir einfach unvergesslich, sodass ich mich sogar an ihren Namen, ihr Alter, ihr Leid noch erinnern kann. Diese Erinnerungen sind zumeist keine Bürde. Es überwiegt die Freude über die Begegnung. Es scheint, als haben sie in ihrem kurzen, schweren Leben Licht hinterlassen, das in den Herzen derer, die sie kannten, weiter leuchtet. Für mein Herz kann ich das sagen.


Thu, 08. Dec 2011 15:46:59

Lieber M.,

zwei Jahre sind wir nun weiter - vieles ist geschehen und nichts hat sich geändert - immer noch empfinde ich diese Kraft und Hilfe, wenn ich deine mail lese. Ich habe lange nicht an A. gedacht, wer weiß, was es bedeutet, dass ich gerade jetzt wieder mit ihr in Berührung gehe. Vielleicht ist B. auch so ein Juwel auf dem Weg, und ich habe es nicht erkannt, jedenfalls kommt mir erst jetzt dieser Gedanke. Es ist wahr, niemand kann wissen, ob die Wege eines anderen gut oder schlecht sind, es sind Wege, sonst nichts und manchmal kann man ein winziges Stück gemeinsam erleben und zieht dann wieder seiner (eigenen) Wege. Derzeit fühlt es sich etwas so an, als würde ich ein ziemlich lange Verschnaufpause einlegen, aber dann denke ich, dass muss auch sein, sonst schafft man ja vielleicht den weiteren Weg nicht.

Ich grüße dich mit meinem Herzen, deine C.



12/09/09 1:49


Lieber M.,

solange ich in dieser Ambulanz arbeiten werden, wird diese mail von dir in meiner mailbox bleiben. Sollte ich sie einmal verlassen, würde ich sie ausdrucken und mitnehmen. Ich lese sie hin und wieder, wenn ich z.B. Mut brauche, die Wege, die sich die Menschen suchen, auszuhalten oder wenn ich sicher gehen will, dass ich trotz allem berührbar geblieben bin, denn deine Worte bringen mich dann sehr schnell in Kontakt mit meinem Herzen und meinen Augen und überhaupt mit all dem, was gar nicht in die Sprache hineingequetscht werden kann.

Ich wünsche dir eine schöne Adventszeit und grüße dich von Herzen,

deine C.


02/11/08 11:34


Liebe C.,

vom Tode A's wolltest Du also erzählen. Ich verstehe, dass Du betroffen und traurig bist. Ein angemessenes Gefühl, wenn ein junger Mensch, den man mit so vielen Eigenschaften kennen gelernt hat, eine in diesem Leben anscheinend unüberwindliche Entfernung zwischen sich und uns gebracht hat. Lass Dir dieses Gefühl des Verlustes und des Abschieds nicht durch den kleinsten Hauch eines Schuldgefühles oder eines Zweifels über den Wert von Freiheit und Freiwilligkeit zerstören. Es geht ums Fühlen. Mit unseren Gedanken: "Was wäre gewesen, wenn..." blocken wir das nur ab.

Man könnte so vieles denken. Hätte A. ein besseres, schöneres, glücklicheres Leben haben können, als die letzten 17 Jahre? Wirklich? Wieso denn? Wissen wir denn alles über sie? Und ist es trauriger, schmerzlicher, gewaltsamer, elender, an einer Überdosis Heroin zu sterben, als von einem unachtsamen Fahranfänger auf dem Fahrrad rasiert zu werden, in der Fülle des Lebens? Das sind ja alles nur Gedanken, ohne jede innere Erfahrung und stimmiges Gefühl. Es könnte sogar sein, dass der Tod an einer Überdosis Heroin viel angenehmer ist, als die meisten anderen Todesarten, mit denen das Leben von jungen Menschen scheinbar vorschnell endet.

Was heißt vorschnell? Ist es denkbar, dass ein Mensch sein Leben zurückgibt, ohne dass die letzten höheren Instanzen, sein höheres Selbst, seine Geistseele, "Gott" usw. ihren "Segen" dazu geben und diese Rückkehr annehmen? Ist also das, was uns unfertig erscheint, unterbrochen oder gar abgebrochen, tatsächlich für dieses Mal unfertig geblieben? War Lieblosigkeit Ursache des frühen Todes? Und wenn einer der Beteiligten diese Sorge hätte, kann nicht alle Liebe immer noch zu den Beteiligten auf die eine oder andere Weise kommen?

Du warst nicht lieblos, Du warst offen, freundlich, fürsorglich, geduldig und hast Deiner Patientin Selbstverantwortung zugetraut. Ob das, was Du nicht verhindern konntest, ein Missbrauch dieser Selbstverantwortung, ein Versagen, ein Unvermögen war, wer könnte das von unseren Erkenntnismöglichkeiten aus erkennen? Wäre eine solche Aussage nicht Anmaßung? Hilflos resigniert klingen die Worte des Sozialarbeiters, das Mädchen sei Opfer einer falsch verstandenen Freiwilligkeit geworden. Wie kann er so etwas wissen? Ist das sein Gewissen, das da spricht? Auch er benötigt also unser Mitgefühl.

Gibt ein ein "Unfreiwillig", selbst wenn man die jeweiligen Grenzen des Bewusstseinshorizontes einbezieht? Eine philosophische Frage. Wer diese Frage als Keule schwingt, um Schuld aufzuzeigen, wird voll von ihr getroffen werden. Was bleibt am Ende? Fühlen. Und Mitfühlen: Mit den Eltern, dem Sozialarbeiter, der Therapeutin, den FreundInnen und MitschülerInnen. Kann ein Leben umsonst gewesen, ein Tod sinnlos sein? Nein. Das Leben und der Tod der A. haben uns berührt. Das Herz fühlt sich lebendig in dieser Berührung. Die Essens des Herzens überdauert das körperliche Herz. Diese Essenzen fließen zusammen und berühren sich über die Grenzen des Todes hinweg.

Denke freundlich und liebevoll an A. Sie wird es auch da schätzen, wo sie jetzt ist. Sie ist dafür vielleicht sogar empfänglicher, offener. Sie hat einen Weg gewählt, den wir jetzt noch nicht gehen werden, den wir nicht einmal ganz nachvollziehen können. Warum also sollten wir dies versuchen und Gedanken zwischen unser Fühlen bringen. Der Weg ist jedoch nicht aus der Welt, so lange er nicht aus dem Herz herausführt. Führt er sogar in dieses hinein und werden die Zurückleibenden weicher, sanfter, offener, ist dies eine gut verwendete Energie, ist es ein Geschenk.

Liebe Grüße, M.



Wed, 09. Dec 2009 13:49:31


Liebe C.,

ich habe gerade erst gelesen, was Du mir hier schriebst und es bewegt mich, Danke. Wenn meine Worte von damals Dich so berührt haben und noch bewegen, dann waren, dann sind sie wahr und wert, bewahrt und weiter gegeben zu werden.

Es sind Worte, die ich in einer besonderen Energie schrieb, verbunden mit meinem Herzen. Diese Energie ist in den Worten weiter enthalten. Ich konnte das fühlen, als ich sie wieder las. Diese Worte machen mein Herz augenblicklich weich und weit für den Schmerz anderer und ich erkenne, dass auf dieser Ebene kein Unterschied ist zwischen dem Schmerz eines anderen und meinem Schmerz, kein Unterschied zwischen Dir, A., und mir.

Und in dieser Empfindung des geöffnet und präsent Seins ist Liebe und Schmerz kein Unterschied und Schönheit und Hässlichkeit ebenfalls nicht. Ich denke und hoffe, dass A. oder Menschen, die ein Stück weiter gegangen sind, schneller und länger in dieser Sonne des Seins verweilen können. Wir benötigen manchmal das Brennen der Sonne, um zu brennen und schnell sehnen wir uns wieder nach Schatten...

Liebe Grüße, M.



Die Mädchen, von denen meine Freundin schrieb, haben, wie sie, wunderschöne Namen. Doch der Persönlichkeitschutz erfordert ihre Verschlüsselung in A., B., C..

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)