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Freitag, 9. Dezember 2011, 19:24

Therapie

Guten Abend.

Ich bin 27 Jahre alt und habe folgende Diagnosen. Posttraumatischebelastungsstöhrung, Borderline und Depressionen.
Bin der Zeit in einer stationären Therapie. Bin mir aber nicht sicher ob das was bringt Merke bis jetzt zumindest keine Verbesserung. Dann kommen noch die Symptome der Realitätsentfremdung dazu wo mir meine Therapeutin aber nicht sagen will woher sie kommen:( .

Vieleich hat Jemand einige Tipps wie ich was nun weiter machen soll und ob es sich überhaupt lohnt.

Würde mich über eine Antwort sehr freuen.

LG

Beiträge: 3 462

Wohnort: Deutschland

Beruf: "Heilberuf"

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2

Freitag, 9. Dezember 2011, 23:15

RE: Therapie

Zitat

Original von Seraphine
Guten Abend.

Ich bin 27 Jahre alt und habe folgende Diagnosen. Posttraumatischebelastungsstöhrung, Borderline und Depressionen.


Guten Abend, Seraphine,

ein Haufen Diagnosen auf einmal. Wenn sie auch nur ein wenig "stimmen", ist es ja gut, dass Du damit in eine persönliche Therapiebeziehung gehst und nicht in erster Linie in's Internet.

Zitat

Original von Seraphine
Bin der Zeit in einer stationären Therapie. Bin mir aber nicht sicher ob das was bringt Merke bis jetzt zumindest keine Verbesserung. Dann kommen noch die Symptome der Realitätsentfremdung dazu wo mir meine Therapeutin aber nicht sagen will woher sie kommen:( .


Das klingt nach einer elektiven, freiwilligen stationären Therapie, vielleicht sogar in einer Spezialklinik für Posttraumatische Belastungs- und Borderlinestörungen und nicht nach einer unfreiwilligen oder geschützten Behandlung wegen Suizidgefährdung im Rahmen Deiner Depression. Du hast die Behandlung also selbst gewählt und kannst bestimmen, ob und wann sie endet. Ob sie etwas bringt, kann man ja erst am Ende eines ernsthaften sich Einlassens auf einen Behandlungsweg entscheiden. Therapie ist Arbeit, keine Wellness-Veranstaltung. Manchmal geht es einem dadurch vorübergehend "schlechter". Deshalb ist man ja auch in einem etwas behüteterem Rahmen, nämlich auf der Psychotherapiestation einer Klinik. Du solltest Deine Empfindungen und Veränderungen mit Deinem Therapeuten oder Deiner Therapeutin besprechen.

Falls Du wirklich an einer Traumatisierungsfolge leidest, hast Du es vielleicht besonders schwer, Vertrauen aufzubauen. Dennoch ist nur eine vertrauensvolle persönliche Therapiebeziehung auf die Dauer hilfreich. Hast Du tatsächlich Borderline-Züge, wirst Du dazu neigen, schnell Hoffnung zu schöpfen und genauso schnell alles in Bausch und Bogen zu verdammen und eben noch als freundlich und tragfähig bewertete Beziehungen aus Enttäuschung zu entwerten und zu zerstören oder zumindest sehr stark zu prüfen und in Zweifel zu ziehen. Doch musst Du diese für Deine Problem typische Haltung aktiv und reflektiert angehen, denn was in früheren Beziehungen zerstört und verletzt worden ist, kann letztlich auch nur in neuerlichen guten Beziehungen wieder heilen. Die therapeutische Beziehung ist dafür eine Modellbeziehung, an der Du die dazu nötigen Schritte lernen und einüben kannst. Lasse Dich darauf ein!

Zitat

Original von Seraphine
Vieleich hat Jemand einige Tipps wie ich was nun weiter machen soll und ob es sich überhaupt lohnt.

Würde mich über eine Antwort sehr freuen.

LG


Mein Tipp ist, zumal Dir dieses Forum keine therapierelevanten fachlichen Ratschläge erteilen kann, nicht im Internet Antworten zu suchen, sondern bei Deiner Therapeutin oder Deinem Therapeuten. Deine Fragen gehören in diese therapeutische Beziehung. Das lohnt sich. Alles andere sind eher Ausweichbewegungen. Ganz offensichtlich bist Du mit einigen Widerständen gegen die Therapie an sich, die Art oder die Beziehung involviert. Kläre Dein Anliegen mit Deinen Behandlern. Bist Du noch nicht so weit, kläre mit ihnen, was Dir widerstrebt, Deinen Widerstand und Dein Misstrauen, eine Behandlung ernsthaft zu beginnen. Ist das noch nicht möglich, wirst Du die Beziehung zu den Therapeuten klären müssen. Vielleicht willst Du zur Zeit nicht wirklich an's Eingemachte und Therapie machen? Dann sind Pseudo- und Alibibemühungen vermutlich zunächst sinnlos.

"Normale" psychiatrische stationäre Behandlungen machen für Borderline-Depressive meist zunächst für Kriseninterventionen Sinn. Danach ist man vielleicht wieder am besten in einem stabilen ambulanten Behandlungsnetzwerk aus Psychotherapeuten, Hausarzt und Psychiater sowie eventuell Betreuer aufgehoben. Es gibt aber Spezialkonzepte von freiwilligen Langzeitbehandlungen in psychotherapeutischen Kliniken. Die Patienten leben in einer Art Lebensgemeinschaft und haben strukturierte Programme. Diese helfen der kognitiven Seite des Patienten, bei den zu erwartenden emotionalen Achterbahnfahrten durchzuhalten und auf Kurs zu bleiben, auch wenn es immer wieder sehr schwer fällt. Hier hilft der Verstand, sich einer Therapie anzuvertrauen, die gefühlsmäßig immer wieder aufgrund der fehlenden eigenen Konstanz unterschätzt und überschätzt, entwerten und zu hoch gelobt wird.

Kontinuierliches, hartes Arbeiten an sich selbst und seinen Zielen benötigt Struktur, Verstand, Beistand. Daraus wird dann eine fühlbare Realität im Gegensatz zum Gefühl der Derealisierung. Wenn Du etwas ändern willst und Dich auf den Weg der Heilung begeben möchtest, verbinde Dich mit den Teilen Deines Denkens und Fühlens, die diesen Weg in eine positive Veränderungsrichtung gehen möchten und nicht mit den Dir schon sattsam bekannten Anteilen, die Dich selbst und alle anderen schlecht machen, die Dich runter ziehen, die Dir einreden wollen, dass alles sinnlos ist, dass es keine Liebe gibt, kein Vertrauen, keine Schönheit usw. Tust Du immer das Gleiche, kommt nichts Neues dabei heraus.

Mache Dir klar, dass Du nicht nur diese negativen Anteile und Stimmen in Dir hast, sondern auch das Gute und Schöne. Du trägst auch schon die Lösungen Deiner Probleme in Dir, vielleicht noch völlig verdeckt und unbekannt. Geh mit Deinem therapeutischen Gegenüber auf Entdeckungsreise. Die Unkenstimmen des Schlechten sind aus körperpsychotherapeutischer Sicht Produkte eines Teils Deines so genannten "Charakters", einer Lebensweise, die unbedingt recht behalten will, nämlich in diesem Falle, das alles Mist ist und Du niemandem wirklich vertrauen kannst, vor allem Dir selbst nicht. Identifiziere Dich nicht weiter damit, sondern verbünde Dich mit der anderen Seite. Wenn Du unterwegs strauchelst und hinfällst, stehe wieder auf und begrüße jede weitere Chance, die alte Unke eines Besseren zu belehren. Das Leben kann schön sein und sich lohnen.

Viel Erfolg, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

3

Samstag, 10. Dezember 2011, 18:18

Hi.

Vielen dank für die schnelle Antwort.
Eine Traumatherapie ist es noch nicht. Soll danach aber eine Stationär machen.
Das es kein Wellnesurlaub ist weiß ich :) . Ich bin mir durchaus bewust das ich die jenige bin die arbeiten muß aber ich hoffe auch das man mich dabei nicht fallenlässt sondern mich untestützt und auch mal antreibt bzw. mir die Dinge aufzeigt die ich selber nicht sehen kann oder will. Ja die Diagnosen stimmen leider. Vertrauen naja das ist so eine Sache ohje ganz schwehr. Dazu kommt halt noch null Selbstwertgefühl.
Mh ich werde mal versuchen mit meiner Therapeutin hier zu reden oder ne ich schreibe es lieber auf. Wenn ich jemandem gegenübersitze ist entweder alles weg oder ich kann mich überhaupt nicht ausdrücken .

Ich danke dir auf jedenfall. Es ist das erstemal das ich mich so gut in dem geschriebenen wiedergefunden habe .

Lg

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4

Sonntag, 11. Dezember 2011, 00:19

Sorge Dich nicht, sorge für Dich!

Zitat

Original von Seraphine
Dazu kommt halt noch null Selbstwertgefühl.


Immerhin hast Du Dir als Name (falls es nicht sogar Dein richtiger Name ist), die vornehmste und mächtigste Engelschar ausgesucht. Weniger glücklich warst Du mit der Auswahl Deiner Email-Adresse, wenn Du etwas Gutes für Dein Selbstwertgefühl tun willst. Ein Name wie "sorgenvoll", den Du bewusst immer wieder eintippst und unbewusst ständig zur Kenntnis nimmst, wird zum Programm bzw. ist Dein Programm. Ich schlage Dir vor, dieses Programm zu ändern. Sorge Dich nicht, kümmere Dich um Dich, mach Deine Therapie!

Es heißt nicht von ungefähr: ich mache mir Sorgen, sie macht sich Sorgen, Du machst Dir Sorgen... Es ist genau so: wir laden uns unsere Sorgen selber auf! Doch es ist unnötig, wie ein Kropf, sich Sorgen zu machen und sich damit zu belasten. Denn wenn es am Ende doch so kommt, dass Deine Sorgen Dir recht geben, hast Du das Unheil trotz Deines ganzen besorgt Seins nicht abwenden können. Und tritt das sorgenvoll Erwartete am Ende doch nicht ein, hast Du Dich lange umsonst gegrämt.

Mit Sorgen kann man vernünftigerweise nur Eines tun: sie entsorgen. Das tust Du am besten dadurch, dass Du gut für Dich sorgst. Was wir für uns und andere tun können, ist zu sorgen, Vorsorge zu treffen, sorgsam und sorgfältig zu sein, aber nicht besorgt oder sorgenvoll. Das macht uns und andere nur sorgenschwer und zu einem Sorgenfall. Also überprüfe Deine negativen Glaubenssätze über Dich selbst und werfe sie ohne Trauer und unbesorgt über Bord. Suche Dir Sätze, die Dich aufbauen und Dir Zuversicht vermitteln. Tiefschläge gibt es immer wieder einmal. Sorge dafür, dass sie nicht auch noch von Dir selbst kommen.

Gute Nacht, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)