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Donnerstag, 8. September 2011, 00:01

Warum ist unsere Menschen-Welt so wenig herzlich?

Auf Warum-Fragen bekommt man meistens keine wahren Antworten. So ist mein Erklärungsversuch auch eher eine gewagte Annäherung. Ich versuche es trotzdem. Mir scheint, Viele kommen zur Welt, ohne einen Schlüssel zum Herzen mitgenommen zu haben und suchen ihr ganzes Leben danach, vornehmlich bei anderen, als hätten diese ihn bei sich versteckt oder in der Hoffnung, dass die Anderen zumindest beim Suchen behilflich sind. Ich schließe mich da nicht aus. Manche haben wohl ein offenes Herz und lernen, es allmählich zu verschließen. Entweder haben auch sie keinen Schlüssel dabei oder haben ihn unterwegs verloren, verlegt und es beginnt die gleiche Suche.

Dass es so oder ähnlich sein könnte, ist offenbar ein uraltes Wissen, das manche Weise – sie müssen dafür nicht erleuchtet gewesen sein – immer wieder einmal gefunden und in bemerkenswerten Worten überliefert haben. Der persische Sufi-Mystiker Rumi ist so einer. Er fand, dass der Mensch dreimal um die Welt reisen müsse, um festzustellen, dass er „nur“ die Tür zu seinem eigenen Herzen suche und um schließlich, so schließe ich daraus, vor dieser Tür auch anzulangen. Ist sie dann offen oder geschlossen? Und auch wenn die Welt des Mittelalters kleiner war, so waren die Reisen – und dann gleich dreimal um die Welt – länger. Die Anhänger Buddhas kalkulieren dafür vorsichtshalber viele Menschenleben ein.

Der psychologischen Idee, dass der erwachsen werdende, in der Regel verschlossene Mensch sich nur bewusst machen müsse, wie er sein Herz verschließt oder verschlossen hält, um zu wissen, wie er es umgekehrt wieder öffnen könne und um dazu dann auch tatsächlich in der Lage zu sein, vertraue ich nicht mehr so ganz, aus eigener Erfahrung. Die Angelegenheit ist wohl einfacher und komplizierter zugleich und damit im Laufe eines Erdenlebens in vielen Fällen für jeden Einzelnen ziemlich unüberschaubar, erst recht, wenn er nur allein darüber brütet. So macht es wohl am Ende Sinn, sich für eine so schwierige Angelegenheit nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere zu wenden und um ihre Sicht der Dinge zu bitten.

Es gibt wohl viele Menschen, die haben immer noch oder schon wieder ein halboffenes Herz. Man kann sie daran erkennen, dass sie mindestens zwei Seiten oder Persönlichkeiten und oft gegensätzliche Empfindungen und Stimmungen haben. Sie sind in der Dualität zerrissen, auch ohne dass sie das selbst bemerken müssen. Ich schließe mich da nicht aus. Mal blinkt ihnen der Schlüssel entgegen, vielleicht hingehalten von einem glücklichen Finder und das Herz lässt sich ein wenig aufschließen, kurze Zeit später weiß der Halbherzige aber schon nicht mehr, wie herum er den Schlüssel drehen muss oder wo er ihn jetzt wieder hingelegt hat. Vielleicht steckt er noch in der Türe aber damit rechnet er gar nicht. Wie auch immer.

Das halb offene, empfängliche Herz lässt sich berühren, doch sind es auch schmerzliche Berührungen, an die das Herz noch nicht (wieder?) gewöhnt ist und die Tür ist nicht weit genug offen dafür, dass diese Gefühle nur auf Besuch verweilen, um wieder losgelassen zu werden. Sie nisten sich ein, das ungeübte Herz fühlt sich wund an, es krümmt sich um den Schmerz, baut einen kleinen Verschlag darum, schließt ab und hängt den Schlüssel weg, damit keiner unbedacht daran rührt, der Herzträger am allerwenigsten.

Somit sind die vielen Menschen mit ihren halb geöffneten, halb verschlossenen Herzen und ihrer „selektiven Berührtheit“ und Berührbarkeit überhaupt kein Garant dafür, dass es in der Welt herzlicher zuginge. Eher geschieht sogar das Gegenteil. Die Berührung mit Schmerz und die Angst davor lässt uns die Herzen zusammen krümmen, ein Schutzreflex, den wir durchhalten bis zum Infarkt, bis uns das Herz im übertragenen Sinne „bricht“, vielleicht, nachdem wir dazu beigetragen haben, dass auch andere dieser Verzweiflung näher gekommen sind. Was nun?

Es gibt unerschrockene Erleuchtungs- d.h. Schlüsselsucher, die wissen um die Schmerzpunkte ihres Herzens gerade im Kontakt mit anderen Menschen und deren „Halbherzigkeit“ und suchen in der Stille für sich abgeschieden von der Welt des Schmerzes, der Betörung, der Enttäuschung, der Sehnsucht der Wünsche und Begierden und dem Hass der Verbitterten und Betrogenen. Diese einsamen Sucher, Eremiten in einer törichten Welt, erkennen das Törichte, die Torheit und die Toren. Auch sie schützen sich. Doch sie kommen weit.

Einige von ihnen finden den Schlüssel zu ihrem Herzen und schließen auf. Einige von ihnen kosten die Wonne des eigenen Schmerzes und erlösen ihn und ihr Herz davon. Sie sind im Paradies, rosig, warm, geborgen und stark wie nach dem ersten Schuss Heroin für ein armes Menschenkind im Abgrund seiner tagtäglichen Traurigkeiten. Einige dieser herzlich offenen, erleuchteten, sich paradiesisch fühlenden Menschen steigen mit ihrem offenen Herzen und wiedergefundenen Schlüssel täglich in den höchsten Himmel bis sie sterben und erreichen ihre endgültige Auslöschung – Nirwana. Sie haben mit der Welt des Schmerzes gebrochen, haben mit ihr und mit uns nichts mehr zu schaffen, haben nichts mehr zu tun. Wenn sie gehen, hinterlassen sie nichts und niemand kennt sie und sie kennen Niemanden.

Ganz Wenige, eine verschwindend kleine Zahl, heutzutage vielleicht ein Dutzend alle hundert Jahre in jedem Volk, öffnen ihr Herz für allen Schmerz, den eigenen, den des Nächsten, den der Menschen ihrer Umgebung und schließlich für den Schmerz der ganzen Welt. Und sie öffnen die Tore weit, weit und trainieren ihr Herz lang, lang. Sie lassen alles hinein, doch behalten nichts. Sie fühlen und halten es aus, indem sie nichts festhalten. Und sie bestehen nicht darauf, allein zu sein, abgeschottet von allen. Die Mitmenschen suchen ihre Nähe. An ihnen nährt sich die Welt, die sie liebt und die sie hasst, fürchtet, beneidet, bewundert, verehrt und immer wieder herbeisehnt und hinunter betet.

Sie sind die Hoffnung, sind die Messiasse. Und es gibt Fortschritte, kleine Fortschritte. Sie waren vor zweitausend und dreitausend Jahren noch sehr Wenige. Nur einer etwa alle vierhundert Jahre wurde von seinen Mitmenschen überhaupt bemerkt. Doch aus den Millionen Seelen von damals sind Milliarden Wesen heute hervorgegangen und die Zahl der Herzlichen nimmt tatsächlich zu. Sie sind immer noch Wenige, aber da sie uns nahe waren und sein wollten, hinterließen sie uns Beispiel und Ansporn und damit Bewusstsein. Sie verzichteten auf das für sich Sein im Paradies vor der Auslöschung.

Diese Herzlichen sind immer noch Wenige und wir Halbherzigen, Schmerzgeplagten sind immer noch sehr viele. Darum ist unsere Welt immer noch kein herzlicher Ort. Aber die Hoffnung auf Heilung ist uns geblieben und wird von den Wenigen genährt, denn was sind diese Engel und Heiligen – wie sie uns vorkommen mögen - anderes als Menschen mit offenem Herzen? Sie heilen nicht mit Macht, sondern beinahe homöopathisch. Sie fügen unserem persönlichen Schmerz, unseren beharrlich festgehaltenen negativen Empfindungen einen kleinen weiteren Schmerz hinzu: die süße Sehnsucht nach Heimkehr und die Ahnung vom Paradies, aber nicht für jeden alleine, sondern ohne Ausnahme mit jedem und für alle miteinander.

Das ist ein überwältigendes Gefühl. Wer sich dafür öffnet, wird (sehn)süchtig danach und immer wieder kommen, bis er es mit den anderen gefunden hat. Es sind Schlüsselsucher. Man erkennt sie daran, dass sie das Schloss ihres Herzens ausgebaut haben. Jeden Schlüssel, den sie finden, verschenken sie an diejenigen, die einen haben wollen und helfen, ihn passend zu machen, denn sie benötigen selbst keine mehr. Je nach Menschengegend und Kultur werden diese Wegbereiter auf ihrem müh-se(e)ligen, jahrtausendelangen Weg anders geheißen: Propheten, Heilige, Messias oder Bodhisattva. Sie nennen sich nicht so. Erkannt werden sie an den „Eigenschaften des Gottes vom offenen Herzen“: Mitgefühl, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit… Wer erkennt schon mit halbem Herzen die unbekannten Namen Gottes?

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Mittwoch, 21. Dezember 2011, 13:23

Namaste,
weil wir im Kali Yuga Zeitalter leben.

Liebe Grüße
Renata

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Beruf: "Heilberuf"

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3

Mittwoch, 21. Dezember 2011, 13:43

Zitat

Original von Renata
Namaste,
weil wir im Kali Yuga Zeitalter leben.

Liebe Grüße
Renata


Moin,

weil wir, du, er, sie, es...in irgendeinem Zeitalter leben? Und wann lebten wir nicht darin? Ich hörte auch schon davon. Für Gläubige egal welcher Richtung scheinen die Dinge manchmal einfacher zu liegen, als für die Nutzer eines kritischen Bewusstseins und eines skeptischen Verstandes, die die Dinge gerne selbst unter Einbeziehung ihrer Erfahung untersuchen. Auch der Buddha forderte uns ausdrücklich dazu auf, nicht zu glauben, sondern selbst zu prüfen. Vielleicht ist das mehr oder weniger alles Quatsch, was ich da geschrieben habe?!

LG Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)