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Sonntag, 1. November 2009, 11:11

Allerheiligen: Gedanken über die verehrungswürdige menschliche Geistnatur

Was sind "Heilige"?

Am 1.11. feiert die katholische Kirche "Allerheiligen". Heute gedenkt sie all der verstorbenen Menschen, die nach ihrer Lehre entweder durch den fest gefügten Glauben vieler Generationen oder durch einen geistlichen Prozess, bei dem ein Ankläger, Advocatus diaboli und ein Fürsprecher, Advocatus angeli, auftreten, für heilig gehalten werden. Damit ist gemeint, dass diese Menschen zu Lebzeiten ein an den Kriterien des in der Bibel verbürgten Glaubens heiligmäßiges Leben geführt haben, ein Leben, dass von den Zeitgenossen und Nachfahren als gelungen angesehen wird, das sie dadurch sowohl Gott als auch den Menschen näher gebracht hat. Der jeweilige Heilige hat sich durch seine Lebensführung so weit zu Gott heraufziehen lassen, ohne dabei unmenschlich oder übermenschlich zu werden, dass die Lebenden die Seele des Verstorbenen jetzt schon in ihrer geistigen Natur vor der so genannten Wiederauferstehung in großer Nähe zum göttlichen Wesen wähnen. Da die Heiligen aber Menschen waren und mit menschlichen Mitteln ihren Verwirklichungsweg gegangen und zu spiritueller Reife gelangt sind, nehmen die Zeitgenossen und Nachfahren das Leben der Heiligen oft als Ansporn und Ermutigung und versuchen insbesondere in Zeiten der Bedrängnis und anlässlich von Gottesdiensten und Gebetsmeditationen eine spirituelle, geistige Verbindung zur Geistseele des Betreffenden aufzunehmen, um auch aus dem Jenseits Ermutigung und geistige Kraft oder Hilfe zu erfahren und sogar Fürsprache bei Gott zu erlangen und zwar sowohl für ihre zeitlichen und überzeitlichen ("ewiges Leben") Anliegen als auch für das spirituelle Wohlergehen anderer nahestehender Verstorbener, deren Geistseele in einer unsicheren, peinvollen Zwischenwelt in relativer Gottferne vermutet wird, sodass sie Leiden und Ängste ausstehen. Damit die Heiligen auch Ihnen durch Fürsprache und Beistand helfen, dereinst näher zu Gott zu kommen, rufen Gläubige in bestimmten Gottesdiensten diese Heiligen als Fürbitter an.

Der himmlische "Gnadenschatz" der Kirche

Das hatte eine alte Tradition. Die frühen Christen versammelten sich an den Grabstätten ihrer ersten Glaubenszeugen, ihrer "heiliger Märtyrer". Die römischen Katakombenfriedhöfe wurden soauch geheime Kapellen. Als der christliche Glaube legalisiert, ja Staatsreligion im alten Rom wurde, konnten über den verehrten Heiligengräbern regelrechte Kirchen erbaut werden. Man behielt den Katakombenbrauch bei und bestattete die Verstorbenen der Gemeinde in einem christlichen Begräbnis in Krypten und unter dem Boden der Kirchen nahe den Heiligengräbers sowie auf die Kirche umgebenden Friedhöfen. Diese Bestattung "ad sanctos" war mit der Vorstellung verbunden, dass die am Ende aller Tage zum Jüngsten Gericht zuerst erweckten Heiligen mit des übrigen Gläubigen ihrer Gemeinde vor den himmlischen Thron zögen. Zudem wurden die gewöhnlichen Verstorbenen der geistlichen Schätze mit teilhaftig, die der fromme Pilgerstrom an den Heiligengräbern durch Gebete, Gelübte und Opfer erwirkte und der dem reichen Gnadenschatz zugeschlagen wurde, den die nach einer sich mehr und mehr herausbildenden kirchlichen Lehrmeinung die Heiligen durch ihr heiligmäßiges Leben für die ganze Kirche und somit alle Gläubigen bei Gott erworben hätten. Durch Gebete zu den Heiligen mit dem Flehen um Fürbitte für die Verstorbenen, und durch mit Geld von Angehörigen oder aus dem Nachlass gestiftete Messen, die im Mittelalter an den Heiligenaltären manchmal Tag und Nacht von unzähligen Priestern gehalten wurden, die davon lebten, erhofften sich die Gläubigen sowohl den Erwerb eigener Verdienste durch die gute Tat wie eine Erleichterung des Fegefeuerschicksalls der "armen Seelen" ihrer verstorbenen Angehörigen, die auf diese Weise durch die Widmung der Messen posthum in einen Gnadenschatzgenuss kamen, einmal durch die Legate selbst, einmal durch die Fürbitte des angerufenen Heiligen und dessen angesammelten Gnadenschatz.

Luthers "Protest" setzte ihn der Gefahr der Inquisition und der kirchlichen Verdammung aus

Diese nicht durch den Bibelwortlaut belegbare Praxis eines Gnadenerwirkens nach dem Tode durch ebenfalls verstorbene Heilige und durch gestiftete Messen oder gar so genannte Ablässe rief unter anderem die intellektuelle und theologische Kritik des Augustiners Dr. Martin Luther hervor, als er mit dem Ärgernis konfrontiert wurde, dass geschäftstüchtige Ablassprediger diesen Volksglauben in bahre Münze verwandelten, indem sie mit waghalsigen theologischen Konstrukten und ungeheuer eindrucksvollen Angstpredigten über die drohenden Höllenqualen und das Leiden der Seelen in der öden, gottfernen Zwischenwelt des Fegefeuers die Furcht der Menschen vor Verdammung kapitalisierten. Luther war durch seine eigenen Verdammungsängste und Seelenqualen in seinem katholischen Gewissen aufs äußerste sensiblisiert und durchschaute gleichzeitig mit intellektuellem Scharfsinn die Infamie, dass es der römische Papst vermöge, Kraft seiner petrinischen Schlüsselgewalt über irdische und himmlische Angelegenheiten der Kirche Menschen zu ermöglichen, sich und Verstorbene gegen den Kauf von Ablassbriefen von den Folgen der Sünde, den Höllenstrafen und Fegefeuerjahren, loszukaufen. Je nach der eingezahlten Summe könnten verschiedene Zeitspannen des Leidens nach dem Tode verkürzt werden, versicherten die päpstlichen Gesandten. Im Zeitalter des Frühkapitalismus wurden diese Gelder für die künstlerischen Baupläne der Päpste, für ihre wirtschaftlichen und militärischen Aktivitäten von ihrem Kirchenstaat aus und schlicht zur Erhaltung der Macht benötigt. Damals ging bereits alles nur noch mit Geld, denn trotz Besitzes an Ländereien stand der Papst als Territorialherr weniger einem Agrarstaat vor, als einem international verbandelten Machtapparat, der Handels- und Geldströme kontrollierte und einsetzte. Die beherrschten Gläubigen waren nicht nur im politischen Sinne Untertanen, wobei der Papst weiterhin dafür kämpfte, dass seine geistliche Macht die Höherwertige vor der der Kaiser und Könige wäre, sondern auch vom Herrscher bis zum geringsten Leibeigenen geistliche Kinder, die zu glauben hatten, was der "Heilige Vater" gebot und das war z.B., dass Ungehorsam gegenüber der Kirche und ihrem Obersten, dem Papst als "Stellvertreter Christi", auch mit dem zeitlosen Tode, mit der Verwerfung der Seele in die Hölle und mit ewigen Qualen bestraft werden kann. Ketzern stellte man in Aussicht, dass man durch die schmerzhafte Vernichtung ihres Körpers, um mit ihrem irdsischen Sein ihre Zersetzungsmöglichkeit unter den Gläubigen auslöschen zu können, die Seele bei Bekehrung und Widerruf vor den ewigen Qualen - eventuell - retten könnte. Und so loderten überall die Scheiterhaufen. Keine Gnade gabe es für die Ungläubigen. Sie waren ohne Annahme der Taufe sowieso verloren.

Politische Interessen schützten Luthers Geburt des Gewissens eines "freien Christenmenschen": Gottes Gnade ist nicht käuflich

Luther räumte mit diesem Spuk theologisch auf und setzte sich damit selbst dem Bann des Papstes und der Verfolgung durch die Inquisition aus. Nur mächtige politische Interessen großer deutscher Fürsten gegenüber dem vom Papst legitimierten und damit im gewissen Sinne abhängigen deutschen Kaiser bewahrten Luther vor dem Verderben, sodass er sein Lebenswerk mit einer neuen Binbelübersetzung krönen und die Reformation der Kirche einleiten konnte. Da sich die katholische Kirche aber nicht von innen reformieren ließ, setzten sich die Protestanten von der römischen Kirche ab, die dann zu den Katholischen Kirche wurde und gründeten eigene dezentrale kirchliche Organisationen, die in enger Verbindung mit den mächtigen Landesfürsten ebenfalls bei der Politik Schutz suchten. Diese protestantisch gewordenen Fürsten führten mit den Kaiserlichen der katholischen Liga über ein Jahrhundert lang blutige Kriege um Macht und Einfluss in Deutschland und beriefen sich dabei auf religiöse Artikel und Freiheiten. Luther ging es aber ursprünglich um eine andere Freiheit, als er die Verdammungstheologie des Papstes mit dem Schüren der Höllenfurcht zur finanziellen Ausbeutung des Gewissens der Gläubigen angriff und widerlegte. Es ging ihm um die Gewissensfreiheit des "Christenmenschen" und das Primat der Bibel vor den politisch motivierten zeitgebundenen Auslegungen angeblicher Stellvertreter Christi. Er stellte in Frage, dass Heilige, die angerufen werden oder überhaupt die Himmlischen Mächte durch die Zahlungen von Ablasssummen veranlasst werden könnten, nach einem irdischen Urteilsspruch des Papstes vor dem Ende der Zeiten über Gnade und Ungnade zu entscheiden, Sündenstrafen zu verkürzen oder einen Sünder zu einem Gerechten werden zu lassen. Luther behauptete, dass niemand diese Macht habe, Gott da vorzugreifen, kein Heiliger, kein Engel, kein Stück Papier, das gekauft wird, kein gutes Werk, das getan wird. Er ging davon aus, dass Werke des Menschen in ihrer Unvollkommenheit zwar löblich sein können, aber nicht entscheidend. Allein die gläubige Hingabe, die einen seinem Gewissen gemäß handelnden Menschen zu einem demütigen Empfänger von Leid wie von Gnade wie Hiob machen kann, bringt diesen Gott näher, indem der gnädige Gott es so will und weil dies sein Angeot an den Menschen ist, aber nicht, weil der Mensch es so mit seinem Willen, seinem Handeln oder seinem Bezahlen so erzwingen und erkaufen könnte.

Luthers frühneuzeitliche theologische Rationalität ließ Geistwesen mit heilsamen und unheilvollen Einflüssen weiter gelten

Luther war allerdings durch diese theologischen Überlegungen, die ihn zum politischen Feind des Papstums machten, dem ganzen Heiligen- und Ablasskult recht abholt geworden. So verwarfen er und seine Nachfolger den Heiligen- und insbesondere den Marienkult der katholischen Kirche, deren quasi Vergöttlichung ihm suspekt erschien, obwohl geistesgeschichtlich die herausragende Rolle Mariens wohl als Erinnerung an den von der patriarchalischen christlichen Religion ausgerotteten Glauben an die große Göttin aufgefasst werden kann, womit Maria heute etwa die weibliche Seite Gottes repräsentiert, wenn auch in verstümmelter, gezämter Form. Luther glaubte also weniger im katholischen Sinne an die Heiligen und die "Muttergottes" Maria, jedoch weiter an überirdische Geistwesen und Mächte und Gewalten, die Einfluss auf das Schicksal der Menschen nehmen konnten und zwar unmittelbar. Nach dem leibhaftigen Teufel, den er in seiner Studierkammer gesehen haben will, warf er ein Tintenfass und auch die protestantische Kirche überwandt ihre Furcht vor ketzerischen Teufelsanbetern und Hexen Jahrhunderte lang genauso wenig, wie die katholische Kirche und entzündete Scheiterhaufen oder richtete abweichende Theologen hin. Auch Kriege um die wahre Auslegung des Glaubens wurden geführt und Luther hatte persönlich ein anfangs ungeklärtes Verhältnis zum Judentum und nachdem jüdische Theologen nicht geneigt waren, sich von den evangelischen Theologen bekehren zu lassen, wie sie vorher schon Distanz zur katholischen Kirche hielten, wandelte sich Luthers Haltung in Ablehnung und Verketzerung. Was Luther theologisch von den Katholiken unterschied, war u.a. nicht der Glaube an Geistwesen und geistige Mächte, Gott, Engel, Teufel, Dämonen und an Gerechtigkeit und heiligmäßiges Leben schon hier auf der Erde bis zum letzten Tag, an dem im Mitwirken an Gottes Schöpfung ein Apfelbäumchen gepflanzt würde, auch wenn Christus schon am folgenden Tag käme, die Erde selbst zu erneuern. Er glaubte an den Beitrag des Menschen zum spirituellen Heil und behielt ein Sakrament der Entsühnung für eine spirituelle Entlastung des Sünders in der Beichte bei. Aber er beließ es bei Gott, jedes Heilswerk zu vollenden und glaubte, dass nur der Glaube an die Schrift bereit mache, diese Gnade vermutlich nicht zu erwirken, denn sie war von Gott bereits verheißen worden, sondern so zu empfangen, dass sie im Menschen wohnen und wachsen könnte. Die katholische Werkgerechtigkeit verlangte hingegen das sichtbare Gotteswerk und erwartete, dass diese als Ausdruck des Glaubens Heilsschätze im Himmel erwirken könnte, Schätze, die zu Ablasszeiten sozusagen gegen irdisches Geld an den Papst eingetauscht werden könnten. Und dies sollte nach deren Dafürhalten Gott und die Heiligen beeindrucken und erbarmen.

Archaische Traditionen religiösen Denkens wurden von protestantischen Reformatoren geistesgeschichtlich individualisiert und revolutioniert - doch es blieb das Phänomen des Geistes

Nun gehen die katholischen Vorstellungen, die sehr viel dinglicher, primitiver, merkantiler, materialistischer zu sein scheinen, als die wesentlich intellektuelleren spirituellen theologischen Spekulationen Luthers, der sich der Sache in psychologischer Selbsterfahrung als frühneuzeitlicher Gewissensmensch angenommen hatte, im Gegensatz zur schriftbasierten Geistesforschung Luthers auf urreligiöse Kultvorstellungen zurück. Die Menschen haben nämlich am Entstehungsbeginn des religiösen Denkens die hiesigen Wirkwelten und Geistwelten dual geschieden und sind mit den geistigen Mächten, die sie sich vorgestellt haben, in einen ständigen Handelsverkehr mit Kulten zur Zwiesprache und Aushandelung von Opfern zur Versöhnung getreten. Nicht nur Gegenstände, Worte und Gebete, sondern auch Tiere und Menschen wurden geopfert. Die mächtigen, vergöttlichten Geistwesen waren Ahnen, Ahnherren und -mütter der Tiere und der Menschen. Verstorbene, die als Ahnengeister weiter lebten, verlangten nach ständiger Aufmerksamkeit und Respekt, um hilfreich und nicht gar böse und rachsüchtig zu werden. Die Toten wurden besonders behandelt, damit sie gütig blieben und nicht negativ in das Schicksal der lebenden Menschen eingriffen. Allmählich bildete sich die Vorstellung heraus, dass die Tier- und Menschenahnen, mythische Landschöpfer und Lebensspender, Götter wurden mit eigenen Familien, mit denen man über Opferpriester durch Weihegeschenke in Verbindung treten und Orakel erfahren konnte sowie Abwehr von Unheil und Heilung. Irdische Herrscher wurden als Himmelsvertreter vergöttlicht und diese Priesterkönige hatten die Aufgabe, die materielle Wirklichkeit ihres Volkes auch spirituell bei den Himmlischen abzusichern, um die Legitimation zu haben reale Macht auszuüben. Die Pharaonen, Aztekenherrscher und römischen Kaiser waren Gottkönige, letztere grotesker Weise noch in einer Zeit, als das rationale Denken eines Sokrates, Plato und Arestoteles mit der Entdeckung der Demokratie das menschliche Denken bereits revolutioniert hatte. Aber es gibt immer wieder auch Rückschritte in der menschlichen Geistesgeschichte. Die Gottheiten nahmen zeitweise zu und es gab alle Arten von Schattierungen, Götter, Heroen, Titanen, Dämonen, mehr oder weniger mächtige Geistwesen, daneben allerlei halbgöttliche Fabelwesen. Später reduzierten sich die Gottheiten immer mehr und in Ägypten und im Nahen Osten wurde der Monotheismus in patriarchaler Form kreiert. Dem einen Gott standen allerdings spirituelle Helfer, Engelsscharen, zur Verfügung. Gerechte Patriarchen wie Abraham waren nach ihrem Tod Gottes Thron nahe und der ewige Gegenspieler, der Teufel, nahm bis zum Mittelalter insbesondere in der christlichen Kirche eine immer konkretere Gestalt an.

Auch in Asien gab es frühzeitig umwälzende religiöse, philosophische und psychologische Gedanken zur Natur des Geistes als das Heilige an sich

Im fernen Osten, genauer in Zentralasien in Nepal,Tibet, Indien, China, blieben die Antworten der Menschen auf spirituelle Fragen nach dem Woher und Wohin des Menschen und dem Sinn seines Erdenweges nicht bei urreligiösen schamanistischen und ahnenkultischen Vorstellungen stehen. Auch ein ethischer Kanon aus Weisheitslehren, die frühstaatliche Reichsbildungen durch einen Kodex für gute Bürger, Staatsdiener, Beamte und Herrscher begleiteten und kultivierten, waren noch nicht der Gipfel religiös-moralischen bzw. ethischen Denkens. Ein Reformer trat auch hier auf, Gautama Buddha, der von den insbesondere indischen Hochreligionen seiner Zeit, der griechischen Aufklärung und der chinesischen Weisheit zehren konnte und den Weg der Selbsterfahrung und Selbstversenkung ging und beim Ziel der Selbstverwirklichung ankam. Er machte sich dadurch, dass er die inneren Strukturen des Geistes erforschte, von überkommenen Gottsbildern unabhängig indem er erkannte, dass der Geist als Ursprung aller Bewegung und Schöpfung eigentlich leer, ruhig, umfassend, unveränderlich ist im Gegensatz zu allen Emanationen dieses Ursprunges. Das Verwirrende des Gewordenen zu durchschauen und auf den ruhigen Boden zu blicken, immer bewusst, was wir sind und was nur erscheint, als dass es wirklich wäre, führte zur Erleuchtung und zur Fähigkeit, den Geist vollkommen zu beherrschen und damit auch sein eigener Erklärer und Schöpfer zu werden. Natürlich haben die Menschen aus so einer Geistesgröße wie Buddha etwas Göttliches gemacht, das sie zur Hilfe bei den eigenen Anstrengungen, ihre Buddhanatur, ihren ruhenden Geist zu entdecken, anrufen. Und es entstand in Tibet sogar eine Tradition bewusster geistiger Wiedergeburten (Tulkus), wobei erleuchtete Boddhisatwas, die ihre Buddhanatur verwirklicht haben, sich bewusst reinkarnieren sollen. Sie durchschreiten das Bardo des Zwischenreiches von Tod zu Geburt völlig unbeeinflusst von Anhaftungen. Natürlich bildete sich auch ein Stand von Heiligen des Frühbuddhismus heraus und Buddha ignorierte die alten Traditionen nicht völlig und beließ Gottheiten und Dämonen auch im buddhistischen Pantheon. Jedenfalls ist das im tibetischen Buddhismus auf ausgeprägte Weise so. Allerdings gilt interessanter Weise die menschlich Wiedergeburt als die Erstrebenswerteste, denn die zwar nicht unsterblichen, aber mehr als tausend Jahre alt werdenden Götter scheinen im Allgemeinen zu stolz, zu mächtig und machtversessen und zu eifersüchtig zu sein, um den einzig erfolgversprechenden Erleuchtungsweg der Selbsterkenntnis über die Leere des Geistes, in der auch Götter keinerlei Bedeutung haben, erfolgreich absolvieren zu wollen.

Wie steht es in der Neuzeit mit dem Geist, dem Heiligen, den spirituellen Mächten? Neue Erkenntnisse zu altem kultischen Wissen aus der esotherischen Innenschau

Modernere esotherische Strömungen aller Religionen, insbesondere aber auch im christlichen Umfeld, z.B. die Rosenkreuzer, beschäftigen sich seit den Alchemisten mit geistigen Kräften, mit Magie und dem Übersinnlichen. Sie verfolgen auf spirituellen Einweihungswegen die psychologische Erkenntnis, dass die feinstoffliche, mehr geistige Welt nicht inexistent und wirkungslos ist, weil unsere Sinne sie nicht erfassen. Im Gegenteil. Es ist daher auch möglich, geistige Energien sogar personifiziert jenseits unserer erkennbaren Wirklichkeit zu deponieren, zu lenken, anwachsen zu lassen oder einzuschränken. Da keine Energie verloren geht, gilt das auch für das geistige Wesen des Menschen und seelische Energien. Ihre Erscheinung, ihr Ausdruck, ihr materielles Gewand wandelt sich allerdings. Also gibt es eine geistige Welt und sie beeinflusst Wirklichkeit und lässt sich beeinflussen. Das, was ich mit Aufmerksamkeit bedenke, versorge ich mit Energie und es wächst. So kann auch spirituelle Macht aufgebaut werden. Allerdings benötigt sie einen Ankerpunkt in den Menschen oder Objekten, mit oder in denen sich diese Wirkmacht manifestieren soll. Diese Kräfte können in der Dualität natürlich "gut" oder "böse", "zerstörerisch" oder "schöpferisch" wirken, "schwarz" oder "weiß", "negativ" oder "positiv" gepolt sein. Ursprung und Endziel ist allerdings die Integration zur geeinten Vollkommenheit. Vor diesem Gedankenhintergrund kann man sich nun beispielsweise fragen, wie das mit den Gebeten, Anrufungen, dem Heiligenkult und überhaupt mit dem Verkehr mit den spirituellen Mächten funktioniert, einmal von unserem Bewusstsein als sterbliche Menschen her, einmal von unserem Bewusstsein nach unserem physischen Tod. Es ist demnach durchaus möglich, sich geistige Konstrukte zu schaffen oder am Ausbau und Erhalt kollektiver Konstrukte teilzunehmen, die als mächtige Bewusstseinswolke metaphysische Wirkmacht bis in unser kollektives und individuelles Dasein einfach durch die Vorstellungskraft erlangen kann. Wir können diese Elemente nähren aber auch aushungern und vergessen machen. Daher verlieren alte Religionen, also kollektive geistige Vorstellungen, an Kraft, wenn sie nicht in neue Formen übersetzt werden. Gibt es von daher also die Möglichkeit, über die Vorstellung hilfreicher Engelswesen und fürsprechender Heiliger eine wohltuende spirituelle Macht in unserem Leben durch Anrufung, Gebet und Ritual spürbar werden zu lassen? Nach der oben erwähnten Theorie sehr wohl. Genauso könnten spirituell veranlagte Wesen nicht nur während der körperlichen Inkarnation zu irdischen Lebzeiten sondern auch als geistiges Bewusstsein oder Energie nach dem Zurücklassen des grobstofflichen Körpers durch konkrete Verbindungsaufnahme mit den in der materiellen Wirklichkeit handelnden, inkarnierten Kräften etwas bewirken, das als hilfreich oder störend bemerkt werden könnte. Somit könnte sich also das Wirken eines Menschen, eines "Gerechten", "Erleuchteten", "Verwirklichten", eines "guten Menschen" tatsächlich zu Lebzeiten heilsam und liebevoll gegenüber den Mitmenschen, Mitwesen und der Schöpfung zeigen und diesen guten Menschen als einen "Engel auf Erden" oder als einen "Heiligen" in Erscheinung treten lassen, obschon er einach ein Mensch ist. Und so könnte ein solches Wesen seine heilsamen Energien auch nach seinem Ableben weiter wirken lassen, noch weniger begrenzt von Zeit und Raum, aber mitunter dadurch weniger konkret, sinnlich erfahrbar und menschlich.

Wie kann ich das heute ganz persönlich spüren und für mich oder andere nutzen?

Wenn man mitunter die Vorstellung hat, und da ich sie ab und zu bei mir entdecke und ihre Wirkung dann unmittelbar verspüre, dass wir von hilfreichen Energien und Wesen umgeben sind, von Kräften, die lindern, verstehen, bezeugen, bekräftigen, versichern und ermutigen, können diese in bestimmten Situationen und unter bestimmten Gestalten oder Namen in mir und durch mich im Fühlen, Denken und Handeln wirksam und sichtbar werden. Ohne eine Art der Anrufung sind in mir in bestimmten Situationen manchmal Kräfte, Energien und Einsichten zugewachsen, die auf einer Art geistigen Verbindung zu einem inneren Selbst und etwas um mich herum basierten und manchmalnicht nur im Traum mit konkreten inneren Bildern oder Zuordnungen verbunden waren. Auch unter dem Bild von Ahnen, Heiligen, Engeln, Boddhisatwas, Buddhas, Göttern, Geistern, Elementarwesen, Totemtieren usw. kann dies bis heute überall und jederzeit geschehen und zwar geistig gesunden, psychisch stabilen Menschen in bestimmten Situationen genauso, wie in angeschlagenen, unsicheren, geistig und seelisch erregten und besonders empfänglichen Personen. Menschen, die sich mit diesen spirituellen Kräften und Wesen beschäftigt haben, erkennen an den Wirkungen, die sie spontan oder herbei gerufen entfalten, ob diese Fremdenergien aus eigenen unheilen, egoistischen, anhaftenden Intentionen heraus Einfluss nehmen bzw.sich mit solchen Tendenzen in einem selbst verbinden und beherrschen wollen, oder ob diese energetischen Strukturen und Wesen harmonisierend und uneigennützig unterstützend eine Hilfe nur anbieten und nicht aufzwingen, die anderen Wesen frei lassend und nicht in eine Abhängigkeit zwingend. Das Göttliche bietet sich nur an und erzwingt nicht, fordert keinen Kniefall, verhandelt nicht. Alle anderen Energien und Intentionen stammen von "niederen Geistern", auch wenn sie der göttlichen Energie der Liebe, der Lutherischen Barmherzigkeit und Gnade letztlich auch dienen und zur Wirksamkeit verhelfen wollen. Wenn wir also heute den Heiligen gedenken, können wir der "verehrungswürdigen Geistnatur" des Menschen gedenken und uns über das Göttliche freuen, das über unsere Öffnung für die Kräfte der Gnade und der Barmherzigkeit in jedem von uns wirksam werden kann, in diesem Leben und weit darüber hinaus. Es kann uns heil machen und uns dadurch heiligen. Unser Anteil wäre die aktive Öffnung für diesen unendlichen Raum in uns und um uns. Zweifellos ist dafür manchmal äußere Hilfe willkommen, wenn ungute Erfahrungen im Leben uns fortwährend dazu bringen, unsere Pforten mit aller Kraft zuzuhalten und uns zu verschließen. Diese Hilfe muss sanft kommen und nicht mit Gewalt, sie muss unser Bewusstsein mitnehmen und nicht betäuben. Es ist so sanft und so kraftvoll, wie bewusstes Atmen, mit dem wir uns mit unserem Geist und dem Göttlichen verbinden. Am Anfang war dieser Geisthauch. Und er atmete ein und er atmete aus.

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)