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Sonntag, 20. Juli 2008, 18:00

Eine kritische Betrachtung des Gedenkens an das Hitler-Attentat vom 20.Juli 1944

Heldengedenken oder Schurkenbeweinung?

Am 20. Juli, dem Jahrestag eines missglückten Hitlerattentates und Offiziersputsches des Obristen Claus Schenk Graf von Stauffenberg, beglückwünschen sich die Deutschen jedes Jahr dafür, dass einer aus den Reihen des militärischen Machtapparates von den Spätfolgen seines Gewissens getrieben den Tyrannenmord versuchte, wenn er auch kläglich an den Geistern scheiterte, die er nicht immer so kritisch gesehen und die Mehrzahl seiner Standesgenossen einst gerufen haben. Das Attentat sollte zunächst weder den verbrecherischen Krieg der Naziführung und der dieser größten Teils hörigen Wehrmacht beenden, noch die Diktatur. Die Befehlsstrukturen sollten intakt bleiben. Ein Volksaufstand war nicht vorgesehen, auch wenn sich die Attentäter Sorgen darüber gemacht haben sollen, ob sie auch bei einem gelingenden Attentat bei einem großen Teil des Volkes als Verräter in Erinnerung bleiben würden. Liberale, demokratische oder sozialistische politische Kräfte galten den militärischen Putschisten allenfalls als Zuträger. Ihnen war keine tragende, politische Rolle zugedacht. Von Stauffenberg soll nach dem Zeugnis seiner Wittwe daher große Bedenken gehabt und einen Abscheu vor dem Machtgerangel anlässlich einer neuen Regierungsbildung gehabt haben, wenn das Attentat geglückt wäre. Um eine Wiedererrichtung einer Demokratie sollte es nach den maßgeblichen Strategen des inneren militärischen Widerstandes wohl nicht gehen. Die nationalistische Gesinnung der Mächtigen in Deutschland, die versetzt mit kruden rassistischen und faschistischen Ideen zum Ausrottungsfeldzug gegen alles Undeutsche und gegen die Fremden, angeblich minderwertigen Völker im Osten aufrief, blieb die Gesinnung vieler putschbereiten Offiziere, wenn vielleicht auch nicht von Stauffenberg persönlich, der zwar als Militär auf den "Führer" schwören und als Offizier "Mein Kampf" gelesen haben musste, aber vom Rassismus und dessen Greuel in den eroberten Gebieten abgestoßen gewesen sein soll. Was die Militärs des Widerstandes am Ende an Hitlers Diktatur jedoch am meisten störte, war der Dilettantismus dieser kranken, drogensüchtigen, fanatischen, unberechenbaren Figur als Oberbefehlshaber der Wehrmacht: Adolf Hitler. Der einst von den Frontoffizieren des ersten Weltkrieges verächtlich als „Weltkriegsgefreiten“ verspottete gescheiterte Kunstmaler, antisemitischer Hetzautor und psychopathischer Verbrecher Hitler war nach seinem gescheiterten Putsch der NSDAP am 8.und 9.11.1923 in München von der deutschen Hochfinanz, den meisten national gesonnenen Militärs und dem antidemokratischen Block aus monarchistischen Aristokraten und ultrakonservativen Bürgerlichen zunächst noch mehrheitlich verlacht worden, hatte aber aufgrund seiner ersten machtpolitischen und militärischen Erfolge sogar eine gewisse Achtung beispielsweise auch bei von Stauffenberg und bei anderen hohen und aufstrebenden Militärs genossen.

In den darauf folgenden zehn Jahren bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung machten sich jedoch immer mehr einflussreiche politische Kreise die Agitationen der faschistischen Populisten Hitler und seines intellektuellen Zuträgers Goebbels zu nutze, um ihre eigenen autokratischen und ständestaatlichen Staatsziele zu verwirklichen. Mit Hilfe der nationalsozialistischen Bewegung, die mit ihren Phrasen die Arbeitslosen und das Lumpenproletariat den Kommunisten und Sozialisten abspenstig machen und mit einer neuen, nationalistischen Wahnidee in den Krieg gegen innere und äußere Feinde führen wollte, versuchten das deutsche Großkapital, eine feudalistisch-militaristisch gesonnene Aristokratie der Reichswehr und der konservative Bürgerblock das Demokratie-Experiment der in diesen Kreisen zunehmend verhassten "Weimarer Republik" zu beenden und die nationale Düpierung nach einem verlorenen Weltkrieg zu überwinden. Aktive Kriegsvorbereitungen sollten Geld in die Rüstungsindustrie und die Arbeitslosen in die Fabriken und dann in die Reichswehr spülen, die noch den Restriktionen der Siegermächte von 1918 unterlag und man erhoffte sich, nach innen und außen durch wiedererlangte und zunächst im Geheimen aufgebaute militärische Stärke die nach 1918 eingebüßte Stärke und Bedeutung Deutschlands und seiner Herrschaftsschicht zurück zu fordern. Einige Offiziere erkannten die Kriegspolitik, die unmittelbar auf große militärische Auseinandersetzungen zusteuerte, zogen aber kaum Konsequenzen und blieben ihrem Beruf, der einzigen Berufung, die sie kannten, in dienender und planender Funktion z.B. als Stabsoffiziere treu und freuten sich über neue Aufstiegsmöglichkeiten, so auch der Berufsoffizier von Stauffenberg, der eine militärische Bilderbuchkarriere hinlegte und gleich vieler seiner adeligen Verwandten mit Leib und Seele Offizier war. Die Mehrheit des Offizierscorps bereitete sich somit willig auf das vor, was der Lebenszweck des Berufssoldaten der damaligen Zeit gewesen ist: Die Kriegsführung. Die Hitlerbewegung, die aus den gescheiterten Existenzen und den Opfern der weltweiten Kapitalismuskrise willige Unterstützungsheere sammeln konnte, bekam so auch nach und nach immer mehr die Sympathien und Unterstützung der Hochfinanz, der konservativen, nationalistischen Politiker und der Militäraristokratie auf ihre Seite. Schließlich gesellten sich Beamte, Rechtsanwälte, Ärzte hinzu, die ihre perversen eugenischen Ideen im Rassenwahn der Nationalsozialisten und ihrer psychopathischen Führungsriege ansatzweise verwirklicht sahen. Diese Kräftekonstellation führte zur Beendigung der "Weimarer Republik" und zur Machtergreifung Adolf Hitlers und der Nazis, wobei die alte preussische Militärkaste mit ihrem greisen Generafeldmarschall vonl Hindenburg, einem typischen "Junker" reinsten Wassers, dem demütigenden Ende des ersten deutschen Demolratieversuches durch den Nazi-Pöbel sozusagen den "würdevollen Anstrich" verlieh. Und selbst wenn sogar in einigen Junkerkreisen weiter über den Kretin Hitler gespöttelt wurde, hatten diese nicht den Anstand oder den Mut, den Dienst zu quittieren, statt auf diesen "Führer" einen Eid abzulegen.

Der spätere Putschist und Hitlerattentäter von Stauffenberg war anfänglich wohl wie viele Deutsche in seiner und ähnlicher Stellung ein Sympathisant des Nationalsozialismus - wenn auch nicht in seiner proletarisierten grobschlächtigen Erscheinungsform wie in der so genannten "Reichskristallnacht", die ihn wohl abstieß - und er scheint ein Bewunderer von Hitlers frühen Erfolgen gewesen zu sein. Somit war er anfänglich nicht nur ein Mitläufer, sondern in gewisser Weise auch ein Mittäter, ein Militarist aus Tradition und Antidemokrat von Haus aus, der in einer autoritären Staatsführung eine ideale Regierungsform für das Deutsche Reich sah und somit die Diktatur an sich nicht als verwerflich empfand, obwohl er persönlich durchaus unkonventionellen Gedanken anhängen mochte und ein gebildeter, belesener Mann gewesen sein soll. Allerdings war er eben durch und durch Soldat und mehr, nämlich adeliger Offizier mit einem strikten Ehrenkodex hinsichtlich Gehorsam und Unterwerfung unter die "Pflicht" und Teil einer untergehenden aristokratischen-militärischen Gedankenwelt, die sich vielleicht noch mithilfe des Nationalsozialismus gegen den demokratisch-revolutioonären Mob der Republik seit den Novemberrevolutionen 1918 zu halten suchte. Von Stauffenberg wandte sich von Hitler erst ab, als dessen dilettantischen Kriegsstrategien das Kriegsglück des Deutschen Reiches zu wenden begannen und als er feststellen musste, dass die „undeutschen“ oder gar „lebensunwerten“ Elemente im Reich wie bei den unterworfenen Völkern in für die meisten oft adeligen Offiziere mit ihrem speziellen Dünkel unappetitlicher und unsoldatischer Weise massenhaft und systematisch massakriert wurden, nackt, beraubt, mit Genickschuss, Maschinengewehrsalven oder im Gas. Ob sich da ein Unrechtsbewusstsein regte, echte humanistische Empörung oder mehr Abscheu und Ekel und so etwas wie peinliches Berührtsein und Scham, wer will das heute noch beurteilen, da er niemanden in seine "verräterischen" Gedanken einweihen mochte, außer seine Frau, die später angab, dass den Offizier schon bei Hitlers frühen Annektionen Zweifel kamen, dass er aber auch immer ins Kalkül zog, dass eine Absetzung oder Beseitigung Hitlers auf einer Welle militärischer und politischer Erfolge im deutschen Volk wenig Begeisterung auslösen würde, während den Widerständlern der Fluch des Verräters nachschleichen würde. Bekannter geworden ist, dass die militärischen Putschplaner den allmählich für wahnsinnig gehaltenen und nicht länger als nützlich empfundenen Hitler auch deshalb loswerden wollten, weil sie um ihr Ansehen im Ausland fürchteten, nachdem sie realisierten, dass der Kriegsverlauf wahrscheinlich separate Waffenstillstandsverhandlungen nötig machen würde, um z.B. mit antibolschewistischen Kräften in der russischen und ukrainischen Bevölkerung weiter gegen Stalin zu kämpfen und sich dafür an der West- und Südfront Ruhe zu verschaffen. Sie dachten daran, dadurch zuletzt noch Ehre und Ansehen der deutschen Militärs retten und die zweite große Weltkriegsniederlage verzögern oder abwenden zu können, um sich für eine Nachfolgelösung im Staats- und Militärapparat bereit zu halten. Nach Hitlers Tod und Entmachtung der höchsten Naziwürdenträger Goebbels, Himmler und Göring hätte man mit dem vorhandenen Apparat weiter gemacht und eine nationalistische Militärdiktatur errichtet, die dem Ehrenbegriff der aristokratischen und kapitalistischen Elite mehr entsprochen hätte, als die Herrschaft des nazistischen Mob mit seinen Idolen. Zudem hatten die oft adeligen Offiziere durchaus noch aus aristokratischen Herrschaftszeiten der Kaiserzeit weitgespannte Familienbande auch ins Ausland und bildeten insofern zum Teil eher eine konservativ-militaristische europäische Kaste als eine all zu enge nationalistische Clique.

Aber es kam anders. Die deutschen aristokratischen Militaristen, die zu großen Teilen letztlich nicht am Kriegsziel Deutschlands als einer aggressiven Großmacht zweifelten und auch nicht an einer autoritären Staatsform, waren nicht nur als Mitläufer und Mittäter von der militärischen Schlamperei der Naziführer korrumpiert. So dilettantisch, wie Hitler und seine hörigen Befehlshaber die Kriegsstrategie handhabten, so dilettantisch versuchten die Junker und Offiziere ihre Attentate auf den völlig unberechenbaren und damit schwer zu treffenden Hitler. So gelang es nicht, ihn zu erschießen oder durch Sabotage zu Fall zu bringen. Mehrere militärische Attentatsversuche scheiterten oder wurden kurzfristig wieder abgeblasen, sodass sie gar keine Bekanntheit erfuhren. Und selbst dass Aktentaschenattentat von Stauffenbergs wurde durch eine winzige Planänderung des „Führers“ vereitelt, da die Besprechung in der Barracke und nicht im Bunker stattfand und weil der Attentäter nur einen Zünder schärfen konnte und versäumte, dennoch den zweiten Sprengsatz dazu zu legen, um wenn auch nur mit einem Zünder die doppelte Explosionswucht auszulösen. Man muss von Stauffenberg allerdings zu Gute halten, dass er nach einer Kriegsverwundung einäugig, einhändig und als dadurch erzwungener Linkshänder mit nur drei Fingern an der "gesunden" Hand die denkbar schlechteste Wahl für einen geschickten Attentäter war und anderen möglicherweise zu diesem Zeitpunkt der Mut, die Entschlossenheit oder der Zuganz zu Hitler fehlte. Bis von Stauffenberg dann nachdem inzwischen ausgeführten, Hitler aber nicht außer Gefecht setzenden Sprengstoffanschlag in Berlin ankam, um die Führung des Putsches zu übernehmen, war es bereits für kraftvolles Handeln zu spät. Der Obrist wurde mit seinen Mitverschwörern ein Opfer der nationalsozialistischen Geister in seiner eigenen Militärkaste, die die Militärs, Aristokraten, Kapitalisten und Nationalisten einst riefen, um mit deutscher Demokratie und Weltkriegsschmach aufzuräumen. Mag der Graf zuletzt noch aufgrund eigener später Gewissensbisse ein Gewissensfanal um den Preis einer nach außen verräterischen, nach innen ehrenvoll gedeuteten suizidalen Untergangstat beabsichtigt haben, die feige Mehrheit der Mitläufer und Mittäter aus dem Militär-, Polizei- und Staatsapparat, durch die Nazipartei inzwischen völlig durchsetzt, war zu einer Umkehr nicht mehr willens noch in der Lage und am Ende versuchte jeder nur seine eigene Haut zu retten. Aus diesem Kriechertum wenigstens ragte von Stauffenberg mit seinen engsten Verschworenen, die infolge des missglückten Attentates und Putsches hingerichtet und deren Familien in Sippenhaft genomjmen wurden, heraus.

Den Aufstand gar nicht einzukalkulieren, war vermutlich auch ein arsitokratischer Denkfehler, denn auf das geknechtete Volk, die eingeschüchterten Massen, die Millionen Soldaten, die als Kanonenfutter für das Reich verheizt wurden, die Mütter, die als Rüstungsarbeiterinnen und Gebärmaschinen gut bewaffnete Soldaten für den Hitlerstaat hervorbringen sollten, auf die KZ-Insassen und Zwangsarbeiter wollte die aristokratische Militärclique für ihren Putsch nicht setzen, denn revolutionäre politische Kräfte, Aufruhr, Destabilisierung, das wollte man nicht, das war einem seit der französischen Revolution der Königsmörder zutiefst suspekt, ja widerlich. Hätte die Beseitigung des Nationalsozialismus die Schwächung des deutschen Militärapparates und einen weiteren schmachvollen Waffenstillstand, einen zwar ehrenhaft beendeten, aber im Kern doch verlorenen Krieg bedeutet, hätte man diese Umsturzanstrengungen aus der Spitze des militärischen Machtapparat nicht unternommen und selbst, wenn von Stauffenberg da zuletzt anders gedacht hätte, hätten ihm die von ihm verehrten Generäle wohl nicht folgen mögen. Damit war das Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit von vorn herein zum Scheitern verurteilt, da es ohne jede Basis in der Bevölkerung und oppositionellen Politik gewesen ist. Als abgehobene Militärmeuterei, wie sie die Nazis selbst zu verunglimpfen suchten, wurde das Attentat als ernsthafter Umsturzversuch vom Volk nicht ernst genommen – außer von den Nazis, die ihren Vergeltungsterror auf die Familien der Verschwörer ("Sippenhaft") ausdehnten. Das Scheitern rührte auch aus einem Mangel an Fähigkeit und Entschlossenheit, mit dem Geist zu brechen, der den Nationalsozialismus in Deutschland auf den Plan gerufen hat, als dem Geld- und Militäradel der sich selbst zerstörenden Republik offenbar noch nicht klar war, welche Art der „völkischen Revolution“ der fanatische Gefreite von Braunau da in seinem Wahn plante.

Was aber wäre gewesen, wenn der Stauffenberg-Plan Erfolg gehabt hätte und Hitler mit seinem ihm hörigen Generalstab tatsächlich zur Hölle gefahren wäre, und zwar gut zehn Monate vor dem späteren definitiven Untergang von Nazi-Deutschland? Die aristokratische Militärdiktatoren mit den sie unterstützenden Kriegsgewinnlern unter den Industriellen und Kapitalisten hätten im Verein mit den deutschnationalen Konservativen nicht nur alles getan, um die Fronten zu halten und den antibolschewistischen Krieg im Osten weiter zu führen, sie hätten nach ein paar spektakulären Standgerichten und politischen Prozessen auf eine Säuberung des Militär- und Machtapparates von Nazielementen weitestgehend verzichtet, da fast alle mehr oder weniger Dreck am Stecken hatten und zumindest Mitwisser waren und hätten sich mit Vertuschung und Verharmlosung über die Gräuel der Nazischergen und ihrer Helfershelfer hinweg zu lügen versucht. Ein Neuanfang in Deutschland, insbesondere einen Demokratischen, hätte es mit den Putschisten freiwillig und aus eigener Überzeugung nicht gegeben. Die dennoch nicht wirklich aufhaltbare militärische Niederlage aufgrund der Schwächung des Deutschen Reiches, der auch noch das einigende fanatisierende Gift der Rassistenbande und ihrer Oberideologen abhanden gekommen wäre, hätte zu einem erneuten Diktat der Siegermächte mit Gebietsverlusten für das Deutsche Reich und Reparationsansprüchen geführt und eine erneute Grundlage für deutsche Ressentiments und deutschen Revanchismus geliefert. Der Nationalsozialismus wäre noch viel weniger aufgearbeitet worden, als es in Ansätzen nach dem totalen Zusammenbruch von Hitler-Deutschland immerhin vorkam, auch wenn die alten Nazis von den Siegermächten im Rahmen ihrer Blockpolitik in einem ideologisch gespaltenen Europa alsbald wieder in die unterschiedlichen Dienste genommen wurden, und der antidemokratische, militaristische deutsche Ungeist, der sich in der Beamtenschaft, im Militär, bei den Fabrikanten, den Juristen und Medizinern festgesetzt hatte und einer unglaublichen menschenverachtenden Rassenideologie den roten Teppich ausgerollt hatte, wäre vermutlich bis heute zu spüren gewesen und unentwegt dabei, den „Unglücksfall“ des „Tausendjährigen Reiches“ und der Naziherrschaft zu vertuschen oder zu rechtfertigen.

So stellt sich am Ende mit Recht die Frage, in welcher Haltung und welcher Form man überhaupt dem gescheiterten Hitlerattentat und Obristenputsch vom 20. Juli 1944 gedenken soll, als eine Art "Heldengedenken" oder "Schurkenbeweinung", denn verbrecherisch waren nicht nur die Nazis, sondern auch ihre Eroberungskriege und die diese befehligenden Offiziere, denen nichts Besseres einfiel, als alles bis zum Ende mitzumachen, mit dem einen oder anderen Gewissensfanal, das dann trotz gewaltiger und jahrelanger Planung in einer stümperhaften Selbstmordaktion kulminierte, über die heutzutage jeder Terrorist und Selbstmordattentäter lachen würde. In der Tat ist es völlig unverständlich und überaus tragisch, dass Viele aus dem militärischen Kreis der Attentäter gewaltige Heere in einen Vernichtungskrieg schicken konnten, der auf das Land, aus dem sie kamen, selbst zurück schlug, dass sie aber dabei versagten, im Zentrum der Macht, zu dem sie Zugang hatten, einen einzelnen Mann zu erschießen oder in die Luft zu sprengen, den die hypnotisierten Massen vielleicht aus der Ferne in inszenierten Massenereignissen verehrten, der aus der Nähe betrachtet aber ein widerlicher, charakterloser, ungebildeter Phrasendrescher gewesen sein muss, ein Scheusal ohne Format mit mickriger, zwergenhafter Körperlichkeit voller hohler, einstudierter Gesten. Vielleicht waren die Offiziere unter den Attentätern zu sehr mit ihrem späteren Ansehen, mit ihren Gewissenskonflikten und Ehrproblemen und mit der Organisation des Machtapparates nach Hitler beschäftigt, um die Symbolfigur des Nazitums schlicht und einfach und ohne Federlesen zu beseitigen, wie sie auch in Sandkastenspielen ihrer Stabsstellen ohne jede Sentimentalität hundertausende Soldatenschicksale besiegelten. Es hat sich heute beim Militär der Bundesrepublik Deutschland eingebürgert, diese so genannten "Widerstandskämpfer" des "militärischen Widerstandes" aus der Wehrmacht, der ja völlig ineffektiv war, obwohl die Herren Offiziere gewaltige Heere gegen Hitler hätten befehligen können, zum Vorbild der heutigen "Bürger in Uniform", Bundeswehrsoldaten einer verfassungsgebundenen Wehrpflichtigen-Armee im demokratischen Nachfolgestaat des Dritten Reiches, zu stilisieren. Nachdem dieser Einfall der politischen und militärischen Führung dieser Republik nicht neu ist, findet am 20.7.2008 sogar das erste "öffentliche Gelöbnis" von 500 Bundeswehrrekruten im "Bendlerblock" statt, in dem die damaligen Putschisten festgesetzt und kurz nach Mitternacht am 21.7.1944 erschossen worden sind. Das Echo der damaligen Tat war unter den häufig adeligen oder in preußischen Militärtraditionen bereits aufgewachsenen Offizieren des Dritten Reiches oft ablehnend gewesen, zumal offiziell, als sich diejenigen, die sich weiterhin mit den Machthabern arrangieren wollten, um ihre eigene Haut sorgen mussten und trotz schwindender Hoffnung auf den militärischen Endsieg einen weniger ehrenhaften Kompromiss zwischen Hitlertreue und Sauberkeit suchten, um nach Deutschlands Kapitulation nicht von den Siegern aufgehängt zu werden. Eine Meuterei gegen den Obverbefehlshaber, auf den die Wehrmachtsangehörigen vereidigt waren, galt bei Vielen auch als Verrat, wenn dieser Hitler hieß. Heutzutage predigt Verteidigungsminister Jung (CDU), dass sich die Soldaten auf die Verfassungstreue der politischen Bundeswehrführung verlassen können, dass der Soldat aber immer und zuallererst der Verfassung treu zu dienen habe und nicht einem Befehl, wenn dieser der Verfassung widerspräche. Damit ist jeder Soldat sein eigenes Verfassungs- und Militärgericht? Taugen die Obristen und Generäle, die damals all die fehlgeschlagenen Attentate auf Hitler versuchten und mehr Gehirnschmalz darauf verwendeten, wie die Nachfolgediktatur abzusichern wäre, als wie durch effektive Mittel die Naziführung aus dem Wege zu räumen wäre, als Vorbild für ein Militär in einem demokratischen Staat? All diese Offiziere, die Hitler zum Teil mit ermöglichten und ihn jahrelang das Deutsche Reich und die Wehrmacht herunter wirtschaften und Millionen Menschen in den Tod treiben ließen, wollten keine pluralistische Demokratie. Sie waren zumeist antidemokratisch und zum Teil sogar nationalistisch bis faschistisch im Sinne des Nationalsozialismus, dem sie in großer Zahl anhingen, politisiert. Die Gewissenstat Einzelner löscht nicht das Andenken an das historische Versagen der gesellschaftlich maßgeblichen Kräfte am Ende der "Weimarer Republik", der aristokratischen Militärkaste der Reichswehr, der Hochfinanz, des konservativ-bürgerlichen Blocks, wichtiger Teile der Kirchen und auch der organisierten Arbeiterbewegung, der die Arbeiter und Arbeitslosen zu einem großen Teil zu den Nazis und ihrer SA weggelaufen sind.

Vielleicht sollten wir uns allgemein mehr mit der Frage beschäftigen, wie es sein kann, dass das Kapital und die Industriekapitäne bis heute immer wieder Kriege suchen, um Waffen abzusetzen und Geld zu verdienen und dass die Krieger- und Politikerkasten immer wieder Gelegenheiten suchen, Macht, Ruhm und Einfluss auf Kosten ganzer Völker zu mehren und ohne Rücksicht auf Verluste und dass Massenbewegungen durch die populistischen Hetzreden einiger Psychopathen entstehen und johlend in den Untergang treiben. Sind es unsere persönlichen und die massenhaft projizierten kollektiven Minderwertigkeitskomplexe, die uns antreiben, andere zu bekriegen, zu vertreiben, zu töten und dabei lustvoll mit Heldentums- und Ehrgeschwafel den Untergang zu suchen? Waren es diese Minderwertigkeitsgefühle des Psychopathen Hitler mit seiner Kleinbürgerherkunft, seiner unbedeutenden Existenz, seinem unbekannten, vielleicht sogar jüdischen Großvater, der ihn zum arischen Führer emporstreben ließ, nachdem den Gefreiten eine Kriegsverletzung einen Hoden gekostet hatte? War es der verkrüppelte Fuß des Zynikers Goebbels, die geringen Geistesgaben des Prassers Göring und die schwächliche Physiognomie und Statur Himmlers, die diese dazu veranlassten, eine Herrenrasse züchten zu wollen, die sie als Idole anführen wollten? War es die unverdaute Niederlage der Offizierskaste im Ersten Weltkrieg, die zur Revanche und zu nationalistischer Kriegslüsternheit aufstachelte? Fühlten sich das deutsche Großkapital und die Hochfinanz nach einem verlorenen Weltkrieg, Reparationsleistungen und Verlusten durch die Weltwirtschaftskrise wieder reif für einen gewinnbringenden internationalen und industriellen Großkrieg? Waren die durch die Absetzung des kleindeutschen Kaisers Wilhelm II. und die Ausrufung der Republik düpierten Aristokraten, die durch die drastische Reduzierung der Reichswehr ungenügende berufliche Beschäftigung befürchteten, so in ihrer Existenz bedroht, dass sie nur in einem monströs aufgeblähten Militärapparat eine Überlebensmöglichkeit für ihre Art oder aber ein Fanal für einen ehrenhaften Untergang erhofften? Und die zynischen Wissenschaftler und Ärzte, die Menschen zu Versuchskaninchen degradierten und wie Laborratten dahinmordeten, versprachen sie sich durch die nationalsozialistische Rassenideologie endlich die politische Unterstützung für ihre wahnwitzigen eugenischen Ideen, ein reines, starkes, arbeitsames und willfähriges Menschengeschlecht zu züchten und alles Schwache, Abweichende, Widersetzliche auszumerzen? Wie weit sind wir heutzutage damit, diese Abgründe zu verstehen und dadurch künftigen Katastrophen vorzubeugen?

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Sonntag, 20. Juli 2008, 19:59

RE: Eine kritische Betrachtung des Gedenkens an das Hitler-Attentat vom 20.Juli 1944

Zitat

Vielleicht sollten wir uns allgemein mehr mit der Frage beschäftigen, wie es sein kann, dass das Kapital und die Industriekapitäne bis heute immer wieder Kriege suchen, um Waffen abzusetzen und Geld zu verdienen und dass die Krieger- und Politikerkasten immer wieder Gelegenheiten suchen, Macht, Ruhm und Einfluss auf Kosten ganzer Völker zu mehren und ohne Rücksicht auf Verluste und dass Massenbewegungen durch die populistischen Hetzreden einiger Psychopathen entstehen und johlend in den Untergang treiben.

Sollten wir das? Weshalb? Mal abgesehen davon ist diese Frage ganz einfach zu beantworten. Im Kern ist es immer Angst und Suche nach Wohlbefinden.
Ich persönlich finde die Frage interessanter, was z.B. Familienväter in ihrer freien Zeit in Kneipen, auf Fußballplätze oder zu Wissensdemonstrationen in Internetforen treibt anstatt z.B. die Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Ich weiß, die Frage passt nicht so recht zu Deinem Thema, lag mir jetzt aber irgendwie auf der Zunge :D .