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Mittwoch, 18. Juni 2008, 14:59

P s y c h o l y t i s c h e Therapie

Jemand bekannt, der p s y c h o l y t i s c h im Köln - Düsseldorfer Raum arbeitet?

Bitte PM

Danke


Edit by erik:
Titel abgeändert, so daß es nun lesbar und via der Forensuche auffindbar ist ...

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »erik« (19. Juni 2008, 14:50)


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2

Donnerstag, 19. Juni 2008, 07:25

RE: P s y c h o l y t i s c h e Therapie

Zitat

Original von Godbes
Jemand bekannt, der p s y c h o l y t i s c h im Köln - Düsseldorfer Raum arbeitet?

Bitte PM

Danke

Hallo, Godbes,

ich weiß niemanden, möchte zu Deiner Frage aber gerne grundsätzlich Stellung nehmen: Deine Anfrage zu Namen und Adressen von Ausübenden der "psycholytischen Psychotherapie" in einem öffentlichen Forum ist hochproblematisch, da es nach wie vor insbesondere auch in Deutschland trotz einer gewissen Forschungstradition keine gesetzlichen Voraussetzungen für die therapeutische Verwendung psycholytischer Substanzen in der Psychotherapie gibt und sich Anbieter wie Nutzer der Gefahr der Strafverfolgung oder berufs- bzw. standesrechtlicher Komplikationen aussetzen können. Ich möchte daher Jeden davor warnen, über solche Dinge wie Namen und Adressen zudem mit einem Unbekannten - und das bist Du nunmal - öffentlich oder sogar per PN oder E-Mail zu kommunizieren. Solche Dinge sind und waren immer schon "Vertrauenssache" und Internet und Vertrauen sind so eine Sache. Und TherapeutInnenempfehlungen sind dazu noch mal ein Problem für sich. Es ist hier aber sicher möglich und vielleicht auch sinnvoll, über den Sinn und Unsinn von psycholytischer Psychotherapie zu diskutieren.

LG, Michael
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Donnerstag, 19. Juni 2008, 23:23

Psycholytische Psychotherapie

Zitat

Original von Michael
Es ist hier aber sicher möglich und vielleicht auch sinnvoll, über den Sinn und Unsinn von "psycholytischen Psychotherapie" zu diskutieren.


"Psycholytische Psychotherapie" ist eine wenig bekannte und vorallendingen derzeit legal kaum erhältliche Psychotherapieform, zu der schon vor Jahrzehnten u.a. in Deutschland (Leuner) und in den USA (Grof) geforscht wurde und bei der es auch gerade in der Schweiz (Styk, Widmer) viele noch heute tätige Ärzte (vorallem Psychiater) gibt, die praktische Erfahrungen gesammelt und in einer kurzen Zeit mit Ausnahmebewilligungen Ausbildungsgänge für diese Therapieform geschaffen haben. Während sich der Tiefenpsychologe Leuner ähnlich wie anfangs Grof sehr mit der wissenschaftlichen Untersuchung beschäftigte, zumal die veränderten Bewußtseinzustände unter psycholytischen Substanzen ("Drogen"), in der Regel mit halluzinogener Wirkung, Modelle für die Psychoseentstehung und das Psychoseerleben waren (eine Zeit lang gaben einige Psychiatrieprofessoren freiwilligen Probanden unter ihren Studenten z.B. "Mescalin"), wandte sich Grof auch nach dem Verbot therapeutischer LSD-Anwendungen dem "holotropen Atmen" als Trance-Technik zu und näherte sich dem spirituellen Feld und versuchten die Schweizer vorallem praktisch anwendbare und lehrbare Behandlungswege herauszufinden. Im literarisch-philosophischen bzw. spirituellen Gebiet tat sich besonders der Solothurner Psychiater Samuel Widmer hervor. Da für Widmer die psycholytische Erfahrung letztlich nur ein Weg der Therapie hin zu einer allgemeinen spirituellen Bewußtseinserweiterung war, die dann auch zu bestimmten Umgangs- und Lebensformen untereinander führen sollte, z.B. zum Verlassen des Besitz- und Eigentumsdenkens in Gesellschaft, Arbeit und Sexualität, sind seine zum Teil radikalen Ideen und seine Gemeinschaft auch umstritten. Die Schweizer Ärztegesellschaft für Psycholytische Therapie "SÄPT" hat sich um ein Ausbildungsmodell bemüht, da verantwortungsbewußte psycholytische Psychotherapie ohne eine gute Ausbildung und Selbsterfahrung der Therapeuten nicht denkbar ist. Leider liefen die Bewilligungen (1988-1993) aus, sodass es keine geregelte, legale Ausbildung mehr gibt, sondern nur noch verschiedene Forschungsansätze.

Psycholytische Substanzen sind übrigens nicht nur halluzinogen wirksame Drogen, sondern haben oft allein oder zusätzlich eine so genannte empathogene oder entaktogene Wirkung, wie das Amphetamin MDMA, bekannter als "Ecstasy". Diese Wirkungen können sehr gut mit niedrigen LSD-Dosen kombiniert zur erweiterten Innenschau im Sinne einer Tiefeneinfühlung aber auch für Gemeinschaftsrituale verwendet werden. Neben den künstlichen Drogen, die zum Teil als Medikamente geschaffen wurden, wie LSD, Ketamin oder verschiedene Amphetamine, gibt es in der Natur vorkommende stark wirksame (besonders halluzinogene) Substanzen aus Pilzen (Magic Mushrooms, Narrenschwämme) wie Psilocybin oder auch Mescalin aus dem Peyote-Kaktus, die für schamanische Heilungsrituale genutzt wurden. Schamanen benutzten auch eine Vielzahl anderer, zum Teil nur lokal bekannter und wenig erforschter Drogen, oft Alkaloide, die mitunter auch für "Hexentränke" und "Zaubersalben" in Europa verwendet wurden und eine hohe Giftwirkung haben konnten, was einen besonders kundigen Umgang mit diesen Substanzen verlangte, wollten die Trancereisenden nicht dauerhaft zu Schaden kommen oder sogar sterben. Sogar Nikotin aus der Tabakpflanze wurde in Südamerika in sehr hoher Dosierung zu wahrhaft heldenhaften und körperlich enorm zermürbenden schamanischen Heil-Ritualen verwendet. Es gibt übrigens auch einige Teemischungen, z.B. aus Ayahuasca, die psycholytische Wirkungen haben. Verstärkt werden die Substanzwirkungen durch rhytmisches Trommeln, Gesang, Tanz, Atem- und Visualisationstechniken. Geübte Schamanen versetzen sich übrigens oft auch ohne alle Substanzen in Trance und gehen auf "Geistreise" und religiös motivierte Trancemeister, etwa Sufi-Mönche oder meditierende buddhistische Mönche verzichten aus Prinzip auf den künstlich herbei geführten Rausch. Seit einiger Zeit zieht es wieder viele Europäer und Amerikaner zur den Heilern und Schamanen Asiens und Lateinamerikas oder auch Afrikas, worüber u. a. Clemens KUBY in seinem Buch "Unterwegs in die nächste Dimension - Meine Reise zu Heilern und Schamanen" berichtete. Der Bezug zum Schamanismus macht u.a. deutlich, dass es sich bei der Psycholytischen Psychotherapie durchaus um eine besondere Unterart, nämlich eine drogengestützte Form der "Transpersonalen Psychotherapie" handelt.

Aber die Psychiater und Psychotherapeuten müssen aufgrund der Ängste der Gesetzgeber, die gleichwohl jede Menge legale "Drogen" - Medikamente zur Behandlung psychisch Kranker - erlauben, draußen vor bleiben und bis auf Weiteres aus schamanische Techniken mit Substanzen verzichten. Grund ist unter anderem oft die Angst, dass außergewöhnliche Bewußtseinszustände die Patienten mehr irritieren, als dass sie ihnen helfen, während es das Bestreben der schulmedizinischen Psychiatrie sehr oft ist, Symptome zumal produktiver Art aus dem psychotischen Formenkreis zu unterdrücken und zu dämpfen, noch bevor Patienten und Ärzte deren individuellen Sinn entschlüsselt haben, da sie oft für sehr quälend und gefährlich gehalten werden. Man könnte versucht sein, einen Vergleich zwischen der stützenden, zudeckenden Therapie und der Neuroleptikamedikation zu ziehen und zwischen der aufdeckenden Psychotherapie und der Gabe psycholytischer Substanzen. Die heilsame Wirkung und auch die spirituelle Erfahrung der Öffnung bestimmter Energietore kann jedoch nicht wirklich auf den Erlebnissen während der Wirkungsdauer psycholytischer Substanzen allein beruhen, sondern letztlich auf der mühsamen und geduldigen Integrationsarbeit des Erlebten in die eigene Psyche. Ohne Integration der Erlebnisse bleiben es randständige Erinnerungen ohne tiefere Wirkung. Diese Integrationarbeit bedarf sorgfältiger Anleitung in einem gut betreuten, einfühlsamen Setting. Daher kann eine psycholytische Psychotherapie nur eine intensive, vertrauensvolle therapeutische Arbeit sein, in die einzelne psycholytische Sitzungen nach ausreichender vorheriger Diagnostikphase eingestreut werden. Therapeut und Patient müssen sich also gut kennen. Die Begleitung erfordert ein hohes Verantwortungsgefühl und Therapeuten müssen auch nach einer psycholytischen Sitzung gut erreichbar sein.

Selbstverständlich gibt es wie bei jeder Therapie auch Risiken und Nebenwirkungen. Da die Erlebnisse unter psycholytischen Substanzen für den Patienten sehr eindrucksvoll und außergewöhnlich sein können, können starke Gefühle ausgelöst werden, die Manche nicht aushalten mögen und diese daher auf verschiedene Weise abwehren, u.U. sogar mit einer psychotischen Reaktion. Dies erfordert erfahrene Begleitung. Die Überleitung in den Normalzustand während des Abklingens der bewußtseinsverändernden Wirkungen sollte überwiegend in einer Art geleiteten, meditativen Entspannung stattfinden, damit der Klient sich den aufkommenden Gefühlen ruhig und reaktionslos zuwenden und sie besser integrieren kann. Hilfreich am Setting ist übrigens eine gut ausgewählte musikalische Begleitung. Risiken ergeben sich aus ungenügender Erfahrung oder mangelnder persönlicher Festigung von Begleitern psycholytischer Sitzungen und unvollständiger Abklärung der Indikation. Wenn zusätzliche Ängste auftreten, kann dies den Prozess gefährden. Halt beim Therapieleiter und Vertrauen in den Prozess sind wichtige Voraussetzungen für das Gelingen. Aber auch die Motivation für die Therapie kann Risiken mit sich bringen. Wer psycholytische Therapie als Therapeut oder Klient einsetzen möchte, um die "verhärtete Psyche", die unbewußten Blockaden geradezu mit der Brechstange aufzusprengen, wird unter Umständen diese Art unangemessener Gewalt mit der Gefahr gewaltiger Erschütterungen bezahlen, die sich schwer integrieren lassen. Wie bei aller Psychotherapie ist es nicht selten eben sehr schädlich, mit aller Gewalt etwas zu wollen, ohne schon so weit zu sein, es wirklich zu können bzw., wenn die unbewußten Anteile eigentlich noch nicht wollen, dann "kann" der Betreffende oft auch nicht, auch wenn die Substanzen zunächst einige Tore öffnen und Energien freisetzen. Die Wirkung verpufft dann bestenfalls unschädlich. Um also mehr Erfahrung und Sicherheit mit diesen als Medikamente brauchbaren Drogen zu erhalten, müßten nicht nur die Forschungen intensiviert werden, sondern auch gesetzliche Möglichkeiten für eine sorgfältige Ausbildung und eine praktische Anwendung geschaffen werden. Schließlich würde man auch sichere, reine Substanzen benötigen und kann dabei unmöglich auf einen kriminellen Schwarzmarkt angewiesen sein. Als Regeltherapie würde ich die Anwendung medikamentös induzierter Halluzinationen, Gemeinschaftserlebnisse und Tranceerfahrungen allerdings nicht empfehlen. Wenn es sich um ein sehr wirksames Mittel in bestimmten Fällen handeln soll, wird man auch mit starken Wirkungen rechnen müssen, die sich Mancher so nicht erwünscht. Vorallem werden manche Menschen sehr starke Gefühle, vielleicht tiefe Ohnmacht, Einsamkeit, Traurigkeit - je nach dem, was sich bei ihnen so am Boden angesammelt hat - erleben und benötigen hier einen äußerst vertrauten, verlässlichen Begleiter, um das auszuhalten, was sie sich im normalen psychischen Zustand ja nicht zutrauten, denn sonst wären diese Gefühle nicht ins Unbewußte oder in den Körper abgedrängt worden.

LG, Michael
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4

Freitag, 20. Juni 2008, 08:55

Hallo zusammen!

Danke für deine Beiträge Michael!

Vorweg: Ich habe den Titel extra so geschrieben, damit man den Eintrag halt nicht über ne Suche von aussen finden kann! Dass dann auch die foreninterne Suche leidet habe ich nicht bedacht...ok.

Natürlich ist es hochproblematisch, sogar höchstproblematisch über das Netz zu gehen bei diesem Thema.

Aber verrate mir bitte: Wie soll ich das anstellen? Wie soll ich Kontakte knüpfen? Soll ich jeden Psychologen, Heilpraktiker, Psychiater anrufen und ihn Fragen ob er psycholytisch arbeitet? Würde der mir am Tel sagen "jau, komm vorbei ?"
Bleibt mir doch eigentlich nur in Foren mein Glück zu versuchen.

Ich denke die Therapeuten, die so arbeiten haben sich Gedanken darum gemacht, wie sie ihr Risiko verringern und ihre Klienten auf solche Situationen vorbereitet. Denn gerade wenn die Therapie zu Erfolg führt, will man als "Geholfener" ja anderen Menschen helfen und ihnen eine Empfehlung aussprechen. Die Mögichkeit im Interet über ein Internetcafe eine nicht zuordbare Emailadresse bzw. annonyme Kontaktmögichkeit zu schaffen ist doch gegeben!? Wahrscheinlich besser als früher ohne Netz.

Also ich will hier keinen Animieren jemanden zu "verraten"! Sondern vielleicht ihm legitimierte Infos bzw. Kontaktmöglichkeiten an mich weiter zu geben. Ich habe zwar bereits welche bekommen, aber die sind doch recht weit weg...

Nun, mir ging es hier nicht darum über Sinn oder Unsinn einer Psycholyse zu diskutieren. Ich habe mich als Chemiker ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt, habe Therapien genossen (u.a. 3 Wochen intensive integrative Primärtherapie (jeden Tag), holotropes Atmen, biodynamische Massage, Atemmeditationen). Mein Ego ist so standhaft, dass es mein Bewusstsein nicht soweit frei gibt, damit ich in Prozesse des Verarbeitens gelangen kann...

Selbstversuche schließe ich kategorisch aus...deswegen suche ich einen Profi

LG

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5

Freitag, 20. Juni 2008, 09:26

Zitat

Mein Ego ist so standhaft, dass es mein Bewusstsein nicht soweit frei gibt, damit ich in Prozesse des Verarbeitens gelangen kann...


Hallo Godbes,

ich glaube mit Hypnose, Holotropes Atmen und vieleicht sogar auch mit der Gesprächstherapie kannst du ähnliche Ziele erreichen wie in der "psycholytischen Psychotherapie".
Aber wenn du diese Therapieform wirklich machen willst, vermute ich mal das du das in einem Land machen musst wo die Gestetze diesbezüglich toleranter sind. Oder du suchst dir einen Medizin- oder Psychologiestudenten der sich auf dieses Experiment einlässt.

Oder vieleicht zu einem Schamanen gehen!
:licht
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Freitag, 20. Juni 2008, 10:34

Michael ist ja schon äußerst Kompetent und ausführlich auf deine Frage oder Bitte eingegangen. Und auch du weißt als Chemiker bestens bescheid. Außerdem hast du ja quasi schon an sowas geschnuppert wenn du intensive integrative Primärtherapie, holotropes Atmen, biodynamische Massage und Atemmeditationen gemacht hast.

Zitat

von Michael
Wer psycholytische Therapie als Therapeut oder Klient einsetzen möchte, um die "verhärtete Psyche", die unbewußten Blockaden geradezu mit der Brechstange aufzusprengen, wird unter Umständen diese Art unangemessener Gewalt mit der Gefahr gewaltiger Erschütterungen bezahlen, die sich schwer integrieren lassen.

Und deswegen würde ich natürlich auch zu gerne wissen warum du die diese Therapieform wählen möchtest. Ich hätte nämlich keine Lust auf so eine Gefühlsüberflutung.


Gruß
Torsten
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7

Freitag, 20. Juni 2008, 12:07

Oder möchtest du einfach nur umsonst an Drrrougen kommen :pfiff
Für Umsonst kann ich dir leider keinen Tipp geben, aber gehe doch einfach mal in Drogerie
:))
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8

Freitag, 20. Juni 2008, 13:24

Der Weg wird vom wahren Sucher gefunden - einfach so! Vielleicht ist's auch gar nicht Deiner?!

Zitat

Original von Godbes
Natürlich ist es hochproblematisch, sogar höchstproblematisch über das Netz zu gehen bei diesem Thema.


Ja, Godbes, ich glaube, Du hast meine Sorge verstanden!

Zitat

Original von Godbes
Aber verrate mir bitte: Wie soll ich das anstellen? Wie soll ich Kontakte knüpfen? Soll ich jeden Psychologen, Heilpraktiker, Psychiater anrufen und ihn Fragen ob er psycholytisch arbeitet? Würde der mir am Tel sagen "jau, komm vorbei ?"
Bleibt mir doch eigentlich nur in Foren mein Glück zu versuchen.


Nachdem Du Dich über die derzeit geltenden Bestimmungen und die damit verbundenen Möglichkeiten wie Risiken in dem jeweiligen Land/Kanton etc. informiert hast und nachdem Du auf dieses Thema sowieso sensibilisiert entsprechende Informationen gesammelt und vielleicht soger "zufällige" Kontakte geknüpft hast, werden Dir bei entsprechender Offenheit (das Gegenteil von zwanghaftem Suchen) persönliche Begegnungen in Form von Büchern, Workshops und Gesprächen zuteil, die Du zu vertrauensvollen Beziehungen erweitern kannst und dann wirst Du sehen. Wenn es sein soll, dann klappt das schon. Der Weg wird vom wahren Sucher gefunden - einfach so! Vielleicht ist's aber auch gar nicht Deiner?! Auf jeden Fall wirst Du bei der augenblicklichen Gesetzeslage ein eigenes Risiko zu tragen haben, das kein Therapeut für Dich trägt. Und sich einem Forscher in seiner Uniklinik anzuvertrauen? Nun ja: Auch da gilt, kennenlernen und schauen, ob der denn auch ein Therapeut oder ob er eher ein Wissenschaftler ist. Für mich wäre in der "Transpersonalen Psychotherapie" - und m. E. ist die "Psycholytische Psychotherapie" ein drogenunterstützter besonderer Teilaspekt davon - die Persönlichkeit des Therapeuten und das Setting extrem wichtig.

Zitat

Original von Godbes
Ich denke die Therapeuten, die so arbeiten haben sich Gedanken darum gemacht, wie sie ihr Risiko verringern und ihre Klienten auf solche Situationen vorbereitet. Denn gerade wenn die Therapie zu Erfolg führt, will man als "Geholfener" ja anderen Menschen helfen und ihnen eine Empfehlung aussprechen. Die Mögichkeit im Interet über ein Internetcafe eine nicht zuordbare Emailadresse bzw. annonyme Kontaktmögichkeit zu schaffen ist doch gegeben!? Wahrscheinlich besser als früher ohne Netz.


Wie Du Deine Kontakte suchst, ist Deine Sache. Letztlich bestimmt die persönliche Beziehung die personale und transpersonale Psychotherapie.

Zitat

Original von Godbes
Also ich will hier keinen Animieren jemanden zu "verraten"! Sondern vielleicht ihm legitimierte Infos bzw. Kontaktmöglichkeiten an mich weiter zu geben. Ich habe zwar bereits welche bekommen, aber die sind doch recht weit weg...


Du wirst mit einiger Wahrscheinlichkeit relativ weit weg müssen und wenn es Dich zu schamanischen Erfahrungen mit exotischen Drogen oder Hypnosesessions zieht, sogar ziemlich weit weg. Ansonsten gibt es viele, die verschiedene Trancetechniken anbieten. Es macht auch durchaus Sinn, bei "Transpersonaler Psychotherapie" eventuell mit Gruppenerfahrungen mehr Zeit, z.B. ein ganzes Wochenende einzuplanen. Warum also nicht reisen? Das Problem könnte allenfalls die rasche Verfügbarkeit des Therapeuten nach diesem Wochenende sein.

Zitat

Original von Godbes
Nun, mir ging es hier nicht darum über Sinn oder Unsinn einer Psycholyse zu diskutieren. Ich habe mich als Chemiker ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt, habe Therapien genossen (u.a. 3 Wochen intensive integrative Primärtherapie (jeden Tag), holotropes Atmen, biodynamische Massage, Atemmeditationen). Mein Ego ist so standhaft, dass es mein Bewusstsein nicht soweit frei gibt, damit ich in Prozesse des Verarbeitens gelangen kann...


Du weißt also, was Du willst? Nun, für die "Transpersonale Psychotherapie" gibt es auch ähnlich wirksame, nicht drogen-gestützte Erfahrungen und wenn man im spirituellen Bereich segeln will, kann man auch zu so renomierten Leuten wie dem Psychosomatiker Dr. Ruediger Dahlke (wenn Du also einen Profi suchst) gehen, der mit seiner Frau eine Klinik unterhält und unter Anderem mit Hypnose- und Rückführungstechniken im Bereich der so genannten "Archetypischen Medizin" arbeitet. Für so etwas findest Du Hinweise hier im Forum, auch zu jemandem, der eine solche Arbeit als Psychologe mit hypnotherapeutischen Methoden, gemeinschaftsbildenen Ritualen, Rückführung, Aufstellung usw. macht. Nur eben nicht "Psycholytische Psychotherapie".

Zitat

Original von Godbes
Selbstversuche schließe ich kategorisch aus...deswegen suche ich einen Profi

LG


Das ist ja löblich, aber ein Profi muss nicht nur viel Therapieerfahrung haben, sondern auch menschliche und therapeutische Qualitäten, die zu Dir passen und dazu muss man einander gut kennen.

LG, Michael
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9

Freitag, 20. Juni 2008, 13:35

Flatliners oder was?

Zitat

Original von Ahorn

ich glaube mit Hypnose, Holotropes Atmen und vieleicht sogar auch mit der Gesprächstherapie kannst du ähnliche Ziele erreichen wie in der "psycholytischen Psychotherapie".
Aber wenn du diese Therapieform wirklich machen willst, vermute ich mal das du das in einem Land machen musst wo die Gestetze diesbezüglich toleranter sind. Oder du suchst dir einen Medizin- oder Psychologiestudenten der sich auf dieses Experiment einlässt.

Oder vieleicht zu einem Schamanen gehen!
:licht

Also: es gibt Unterschiede und die hängen vom Einzelfall ab. Aber jede Brechstangenmethode - wenn das der Impuls wäre - hat Brechstangennebenwirkungen ;). Man sollte die Nebenwirkungsmöglichkeiten von Psychotherapie vielleicht gar nicht so gering einschätzen, schließlich könnte man auch mit vielen neuen Glaubenssätzen über "falsch" und "richtig" infiziert werden, wenn einer unsauber arbeitet:frech! Und das mit den Medizin- und Psychologiestudenten würde ich nicht einmal im Alptraum erwägen. Dann schau Dir lieber "Flatliners" an.

LG, Michael
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10

Freitag, 20. Juni 2008, 19:25

Sinn und Unsinn therapeutischer Interventionen ins Unbewußte

Zitat

Original von Michael
Aber jede Brechstangenmethode - wenn das der Impuls wäre - hat Brechstangennebenwirkungen ;). Man sollte die Nebenwirkungsmöglichkeiten von Psychotherapie vielleicht gar nicht so gering einschätzen, schließlich könnte man auch mit vielen neuen Glaubenssätzen über "falsch" und "richtig" infiziert werden, wenn einer unsauber arbeitet:frech!


Den Sinn und Unsinn einer (Psycho-) Therapie muss natürlich jeder ganz unabhängig von der Expertise so genannter Fachleute selbst für sich bestimmen. Wenn wir uns jetzt die in die Tiefen des Unbewußten und in die Weite des transpersonalen Raumes vorstoßen sollende psycholytische Intervention ansehen, so können wir uns fragen, was eigentlich die Absicht, was die Wirkung unserer Bemühungen und was die vermutete Ursache des Problems sein soll.

Etwas vereinfacht dargestellt gibt es also die Vermutung, in unserem Unbewußten und vielleicht bis in die Körperlichkeit vorgedrungen gibt es eingefrorene Gefühle, einen tief verdrängten und sehr gefürchteten Schmerz und alle bewußten Anstrengungen können ihn nicht erreichen. Ratlosigkeit und Verzweiflung sickern allmählich an die Oberfläche unseres Bewußtseins.

Da wir und/oder Andere unter unseren Symptomen leiden, z.B. an Bewertungen zu bestimmten Gefühlen, der Angst, die über dem Schmerz liegt und ihn schon unsichtbar macht, unter der Wut, mit der wir unsere Angst bekämpfen und unserer Hilflosigkeit, die es uns unmöglich macht, die störenden Empfindungen langfristig zu verbannen, gehen wir weiter und tiefer in die Gedanken und fällen ein Urteil nach dem anderen über unseren Zustand, über uns und über die möglichen Gründe für unser So-Sein. Wir begeben uns auf die Suche nach der "Schuld".

Irgendwer oder Irgendwas hat uns so gemacht, wie wir nun leidend sind und wir sind dumme, hilflose Opfer und wir verurteilen uns dafür, dass wir hilflos und leidend sind und all die unangenehmen Gefühle haben und möglicherweise andere damit belästigen. Wir wollen diesen Zustand nicht mehr. Wir wollen diese störenden Gefühle weg haben und auch die bedrückenden Gedanken von Schuld und Vergebung.

Wir glauben, dass eine Art von Sühne- und Reinigungsarbeit der Weg sein könnte, eine Art Kampf mit uns selbst: Das Falsche Erkennen, Reue Zeigen, Buße Tun, Umkehren. Wir wollen ins Licht, erlöst sein. Der Schatten muss weg. Aber der Schatten verbirgt sich nur vor dem Licht. Und wo das Licht ist, ist der Schatten nicht sehr weit. Den Schatten beleuchten, ihn licht zu machen oder ins Bewußtsein zu heben, gelingt nur über eine herzliche Annahme all der Dinge, die da sind.

Wir nehmen aber dauerhaft eine Teilung vor und betreiben mit unserem Bewußtsein ein Geschäft, dass die Trennung zwischen begrenztem und begrenzendem Bewußtsein und unbekanntem Unbewußten aufrecht erhält. Wir (ver-) urteilen, wir trennen, wir spalten auf und ab, wir decken zu! Dieses Teilen und Herrschen hat Projektionen zur Folge. Windmühlenkämpfe werden im "Außen" geführt und gelten dem "Innen", ohne dass wir das erkennen.

Nun scheint es ein genialer Schachzug zu sein, mit psycholytischen Medikamenten dem Unbewußten Zutritt in unser Bewußtsein zu schaffen, mit der Idee, dass das Bewußtsein auch mehr Zugang zum Unbewußten erhielte. Aber funktioniert das wirklich und dauerhaft? Kommen wir so in die Tiefen unserer gefürchteten und geleugneten unerlösten Gefühlswelten? Das ist das, was wir angeblich wollen und doch eigentlich wieder nicht wollen, weil die Angst vor dem Schmerz uns lebenslang "Vorsicht" heißt, damit wir von diesen unwillkommenen Gefühlen nicht "überschwemmt" werden.

Da wir unserem eigenen Mut, unserem Willen und unserem Bewußtsein nicht trauen, wollen wir es überlisten und in eine transzendentale Erfahrung zwingen, hoffend, dass die trennenden Grenzen niedergerissen werden, und zwar so vorsichtig, dass immer nur das zum Vorschein kommt, was wir vielleicht ertragen und aushalten. Und da ist sie wieder dabei und zwar oft als Gegnerin und nicht als Freundin: Die Angst. Und dann: Der Schmerz.

Wir wollen angeblich dahin, zu dieser Angst und zu diesem Schmerz, um beide aufzulösen und gleichzeitig haben wir unsere Psyche und unser Leben so aufgebaut, um um alles in der Welt einen solchen Unterweltsgang in unsere Bewußtseinstiefen zu vermeiden. Der schamanische Trick soll es ermöglichen, dass wir in die Tiefe geschleudert werden oder die Tiefe zu uns hinauf kommt. Aber sind wir bereit, für die schamanische Reise, die Schamanische Krankheit, die Zerstückelung, den Tod, der der Wiedergeburt vorausgeht?

Wenn wir das wären, bereit, zu "sterben", los zu lassen, müßten wir uns nicht mehr auf eine Weise "heilen" wollen, die bestimmte Aspekte unseres Seins ablehnt und verurteilt, die diese störenden Aspekte als zu schmerzlich einfach nur beseitigen will. Dann wären wir bereit, unseren Schatten anzunehmen, zu integrieren, wie es die Tiefenpsychologen formulieren. Wir würden Tod und Schmerz in unser Leben lassen, transformieren und uns wandeln, indem wir uns uns selbst ganz zuwenden und erst dann auch wirklich - transpersonal - offen für andere werden.

Wenn wir das aber tun wollen, was wird dann aus unserem kurzsichtigen Heilungsbemühen? Ein großer Teil unserer Angst vor dem großen Schmerz ist ja, dass wir uns nicht so haben und erleben wollen, wie wir nun mal sind und fühlen. Wir beurteilen uns in vielen Teilen als schlecht, böse, traurig, minderwertig, unvollkommen, eben unannehmbar. Wir empfinden Scham und Elend und lehnen das ab, lehnen uns ab. Wir wollen und sollen - das glauben wir - ganz anders sein. Und das führt uns zur Therapie, auch zur Therapie mit der Brechstange.

Und diese Motivation, die Therapie überhaupt begründet, nämlich zu glauben, dass man zunächst Veränderung herbeiführen muss, bevor man sich ertragen kann, also das Urteil, die Indikation, führt erstens wieder zu Scham und Leid und zweitens zur Verlagerung und damit nicht zur Annahme und zum Sein. Die Annahme aber führt uns zurück zu den von uns versteckten Gefühlen, die in unser Leben gekommen sind, um gefühlt zu werden und sich nach dieser Erfahrung aufzulösen. Unser Urteil über diese Gefühle und Erfahrungen, unser Denken führt dazu, dass die Gefühle sich verändern, verstecken und verewigen und immer unzugänglicher werden.

Nun will die psycholytische Therapie die Denkblockaden machtvoll beiseite räumen und dem urtümlichen Fühlen der allerdings schon völlig veränderten und körperlich verankerten Gefühle eine Bahn brechen. Doch das Denken hört auch unter bewußtseinsverändernden Substanzen nicht wirklich auf, sondern zeigt sich eher in einer etwas schillernderen Verrücktheit im Vergleich zu unseren gewohnten, engen Bahnen. Erst wenn alles zur Ruhe gebracht wurde, indem man nichts zur Ruhe bringt, in dem man nichts tut, sondern nur schaut und fühlt, klärt sich der eine oder andere Strudel, um sofort wieder zu rotieren, wenn man an der Oberfläche seines Denkens auftaucht.

Und wenn man die verrückten Gedanken, die Ängste und Schmerzen nicht unwillkürlich weggedrängt hat, wenn nun das alte Bewußtsein wieder regiert und die Energietore sich schließen, beginnt die Kunst der Integration, beginnt das Kunststück, auch jetzt noch die Fähigkeit hinüber zu retten, zu fühlen ohne Urteil, zu denken ohne Zweck mit und ohne Angst, zu sein, ohne sich zu rechtfertigen. Und wenn man da hin will, warum fängt man nicht gleich damit an, nachdem einem klar ist, woher Leiden kommt? Aus dem Denken und nicht aus dem Fühlen. Schmerz ist in unserer Sozialisation unvermeidlich, Leiden ist "freiwillig".

LG, Michael
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11

Freitag, 20. Juni 2008, 20:43

RE: Sinn und Unsinn therapeutischer Interventionen ins Unbewußte

Zitat

Und wenn man da hin will, warum fängt man nicht gleich damit an, nachdem einem klar ist, woher Leiden kommt?


Gute Frage, Michael ! Hast Du auch eine Antwort? Müßtest Du eigentlich, nicht wahr? Denn erst die Tasse nur eine Tasse, dann ist sie keine Tasse mehr und dann ist sie wieder eine Tasse.

Tania :D

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Freitag, 20. Juni 2008, 22:14

Zitat

Dieses Teilen und Herrschen hat Projektionen zur Folge. Windmühlenkämpfe werden im "Außen" geführt und gelten dem "Innen", ohne dass wir das erkennen.


Müssen die Schatten in den unendlichen Tiefen des Unbewussten gesucht werden, wenn sie auch im Außen zu finden sind? Diese Projektionen sind nicht integrierte oder angenommene Gefühls- und Erlebnisanteile, die wir ins Außen setzen. Ist mit einer erhöhten bewussten Wach- oder Achtsamkeitsfrequenz auf das Äußere, ein Seelenfrieden, oder korrigieren der Psyche zu erreichen?





T..
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Samstag, 21. Juni 2008, 11:36

Ich vermute das die Psycholytische Psychotherapie wie ein noch tiefer in die Höhle hinabsteigen ist, wobei es auch sehr viel dunkler wird. Ich glaube Marquis de Sade hat so einen Weg gewählt. Er ist nicht Richtung Licht gegangen, sondern hat den umgekehrten Weg gewählt, er ist noch viel tiefer in den Abgrund gestiegen und hat sich versucht so zu "lichten". Es ist möglich so an die tiefen unbewussten Seelenanteile zu kommen, aber man kommt nicht bewusst an sie heran. Mit einer bewussten Aufmerksamkeit auf das Äußere, ähnlich wie beim Rorschach-Formdeuteversuch kann Licht und Schatten vereint werden. (?)


:licht



T..
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14

Samstag, 21. Juni 2008, 14:28

Therapie und Behandlung führt zu Linderung, nicht zu Heilung

Zitat

Original von Ahorn

Müssen die Schatten in den unendlichen Tiefen des Unbewussten gesucht werden, wenn sie auch im Außen zu finden sind? Diese Projektionen sind nicht integrierte oder angenommene Gefühls- und Erlebnisanteile, die wir ins Außen setzen.

Lieber Torsten,

"Müssen" schon überhaupt nicht und Du hast recht, wir können die Begegnungen und Ereignisse im "Außen" mit unserem Inneren in Beziehung setzen, indem wir sie wie einen Spiegel auffassen. Mit diesen Bereichen beschäftigt sich in der Psychologie mit Fokus auf das Individuum und seine Erfahrungen die Psychoanalyse, mit Fokus auf die kollektiven Schatten die Tiefenpsychologie z.B. der Jungianer.

Die Schattenwelt oder das Unbewußte ist auch in sofern interessant, weil wir hier über kollektive Erfahrungen über unzählige Generationen innig mit den Anderen verbunden sind. Wir teilen unsere Wurzeln und unsere primären Bedürfnisse, bringen aber mit unserem individuellen Sein mit seinen Erfahrungen sozusagen "Lotosblüten" aus dem nährenden "Sumpf" hervor. Mit Anregungen aus der Spiritualität des Ostens ist in diesem Bereich die Transpersonale Psychologie zuhause.

Zitat

Original von Ahorn
Ist mit einer erhöhten bewussten Wach- oder Achtsamkeitsfrequenz auf das Äußere, ein Seelenfrieden, oder korrigieren der Psyche zu erreichen?


Diese Frage ist nicht im Bereich der Psychologie und Psychotherapie zu beantworten und das ist ein wenig das Dilemma, das ich anzudeuten versuche, da der Verstehensbereich weit in die Philosophie und letzlich den spirituellen Bereich hinein ragt und damit sogar den geisteswissenschaftlichen Bereich verläßt.

Das therapeutische Erreichen von Seelenfrieden - die "Korrektur der Psyche" als eine subtile aber doch gewaltsame Form von "Gehirnwäsche" will ich einmal gleich ausklammern - ist für mich letztlich lediglich eine Art pragmatischer Notfallhilfe für die Seele und ihre "Ich-Instanz", die sich noch nicht vom Leidensmodus verabschieden kann oder will und dadurch in Gefahr ist, noch mehr zu Leiden und auch Leiden im Innen und Außen zu verursachen.

Dieser Weg der Psychotherapie ist noch sehr medizinisch. Er definiert Erkrankungen und Abartigkeiten in der pathologisierenden Sprache von Diagnosen und findet dadurch Indikationen für Psychotherapieverfahren, medikamentöse Behandlungen und sogar "schützende" Unterbringungen. Der damit erreichte "Seelen-Frieden" ist nur der zeitweilige Gegensatz zum unbewußten emotionalen Aufruhr, zum Krieg der unerkannten Bedürfnisse und Gefühle und der widerstreitenden Urteile des Denkens, das sich sogleich auf alles stürzt und es "problematisiert".

Viele Menschen "wissen" schon viel mehr über sich und das Ganze, als sie wirklich annehmen können bzw. wollen. Einige haben noch oder wieder einen erweiterten Fühlbereich und sind schon sehr empfindsam. Sie bemühen sich um Transzendenz und Erleuchtung und scheuen doch das Loslassen der letzten Brücken, fürchten Wahnsinn und Orientierungslosigkeit. Es ist der bewundernswert emsige Planer in uns, ein wahrer Kämpfer und Bewahrer, das "Ich", das sich natürlich vorallem selbst schützt, indem es vorgibt, das Ganze zu sehen.

Heilung ist jenseits von Therapie und Bemühen, jenseits vom Ich und damit jenseits der Psychoanalyse und ihrer Ich-Psychologie. Hier erfolgt nur eine oberflächliche Korrektur, Anpassung, Befriedung im Sinne einer Zufriedenstellung der Ich-Kräfte nach dem Motto: Wo "Es" ist muß "Ich" werden. Das ist schon mal was, wenn dadurch Gewalt im Außen vermieden werden kann, indem wir uns und unserem Unbewußten Gewalt antun und uns in sozialverträglichen Neurosen ausdrücken, statt in kollektiven Psychosen...

Aber unsere angepassten Normalneurosen sind auf einer anderen Ebene eben auch der "Wahnsinn", weil sie ja dem befürchteten Chaos des Unbewußten die Waage halten und eben als logischer, korrespondierender Teil der Dualität mit verantwortlich sind (z.B. über Verdrängung, Projektion) für die kollektiven psychischen Menschheitskatastrophen mit einer allgemein gewaltsamen Haltung, mit Kriegen, Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Selbstzerstörung.

Die Lösung nun im "Kampf gegen das Böse" oder "Kranke" und "Abartige" in uns und außerhalb von uns zu suchen, ist nun leider erfahrungsgemäß sehr kurzsichtig. Es ist eine lebenslange, ja generationenlange fruchtlose Beschäftigung, die im Grunde das Bekämpfte nur stabilisiert und ihm Dauer verleiht, genauso wie unserem heroischen Kampf, mit dem sich ein Teil von uns Ehre und Ruhm an die Brust heften kann, während der bekämpfte und geleugnete Teil in alle Ewigkeit Schimpf und Schande erbt und weiter vererbt. Der Kreis des "Samsara", wie die Buddhisten das wohl nennen würden, schließt sich so und unterhält sich fortlaufend.

Also: es ist sicher zur Zeit für eine große Anzahl von uns noch ein wichtiger und dadurch auch durchaus richtiger und notwendiger Weg, über Verstehen, Psychologie und Therapie und bei Vielen auch noch über religiös-konfessionell verankerte Formen der Spiritualität einen Zugang zu sich, zu den Bedürfnissen und Gefühlen und einen Zugang zu den Anderen zu suchen und dadurch dazu beizutragen, dass wir wieder mehr fühlen, mehr mitfühlen, weniger urteilen und weniger projezieren. Während unser Bewußtsein sich langsam weiter entwickelt und unser Ich die ihm zukommende Anerkennung, aber auch liebevolle Begrenzung erfährt, wachsen wir innerlich und auch äußerlich zusammen.

Die Therapie oder Behandlung leistet ihren Beitrag zur Linderung übrigens nicht nur durch das verstandesmäßige Verstehen, durch den kognitiven Weg eines Teils unserer möglichen Bewußtseinleistungen, sondern auch durch die Verbindung, durch echte Beziehungen zum Gegenüber, auch wenn sie noch zeit- und situationsgebunden und damit fragmentarisch bleiben. Sie nähren aber die Hoffnung, in einen Erfahrungsraum einzutauchen, in dem solche Begegnungen zwischen Menschen, Paaren, Eltern und Kindern und auch ferner stehenden Mitmenschen die Regel sind und nicht die kurzzeitige Ausnahme.

Transpersonale Erlebnisse in der Meditation und auch als schamanische oder psycholytische (Selbst-)Erfahrung geben uns eine Ahnung von diesem Sein und nähren Sehnsucht und Hoffnung. Der Mystiker "weiß" allerdings, dass selbst Sehnsucht und Hoffnung als Formen willentlicher Zielorientierung mit einer Spur verzehrenden Leides auch erst "sterben" müssen, um am Ende da zu sein, wo wir hin wollen: In der liebevollen Annahme allen Seins... Das ist mit dem im Zen bekannten Gleichnis gemeint, dass am Anfang eine Tasse (Tee z.B.) eine Tasse zu sein scheint, dann keine Tasse und am dann wieder eine Tasse ist.

Heilung wäre dann am Ende die intentionslose Überwindung sowohl eines wie auch immer gearteten Krankheitsbegriffes, wie auch aller Therapiebemühungen. Der Weg wäre eine Annahme aller Gefühle und der zugrundeliegenden Bedürfnisse. Gefühle würden wieder gefühlt und nicht weg gesperrt. Solange die Polarität Gesundheit und Krankheit existiert, kann man sich immer nur irgendwo dazwischen aufhalten und niemals sehr lange an einem Pol, denn wenn man lange nur am Krankheitspol verharrt, stirbt man als Individuum und "ganz gesund" könnte man ja nur durch fortwährende Anstrengungen sein, die nötig sind, die anderen Polkräfte abzuwehren.

LG, Michael
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15

Samstag, 21. Juni 2008, 14:51

Die Unterweltsfahrt

Zitat

Original von Ahorn
Ich vermute das die Psycholytische Psychotherapie wie ein noch tiefer in die Höhle hinabsteigen ist, wobei es auch sehr viel dunkler wird. Ich glaube Marquis de Sade hat so einen Weg gewählt. Er ist nicht Richtung Licht gegangen, sondern hat den umgekehrten Weg gewählt, er ist noch viel tiefer in den Abgrund gestiegen und hat sich versucht so zu "lichten". Es ist möglich so an die tiefen unbewussten Seelenanteile zu kommen, aber man kommt nicht bewusst an sie heran. Mit einer bewussten Aufmerksamkeit auf das Äußere, ähnlich wie beim Rorschach-Formdeuteversuch kann Licht und Schatten vereint werden. (?)


:licht

Viele gingen mit verschiedenen Mitteln und auf unterschiedlichen Pfaden den Weg durch die Unterwelt und er ist im Sinne des Aufsuchens der dorthin geschafften Gefühle auch zweckmäßig, wenn auch furchteinflößend, da dort nach unserem ängstlichen Urteil Monstrositäten warten. Es ist am Ende bloß ein ziemlich heftiger Schmerz. Manche bleiben in ihrem Leben scheinbar lange "dort unten" und fördern ein paar Bilder zutage, die unterhaltsam oder erschreckend sind, je nach urteilendem Rezipienten.

Ich selber fand an einem solchen Abstieg die Erfahrung interessant, dass am tiefsten Punkt der Einsamkeit, des Schmerzes, der Gottlosigkeit kein Gedanke und keine Handlung in der Lage wäre, nicht einmal Selbstmord, dieses Fühlen auszulöschen oder zu begrenzen. Es gibt nur grenzenloses Fühlen. So lange dieses Fühlen das Denken noch nicht ganz aufgezehrt hat, ist da unendliches Leid durch sich darauf häufende Gedanken. Nach der Aufzehrung ist dieser Schmerz. Und dann kommen "Einsichten". Und ganz allmählich taucht man von selbst aus der Tiefe wieder auf, erlebt Befreiung, Frieden, erlebt Kontakt mit anderen Wesen, Mitmenschen, "weiß", das Einsamkeit nur ein eigener Gedanke ist und Schmerz und Trauer nur eigene Gefühle.

LG, Michael
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16

Sonntag, 20. September 2009, 15:13

Supergau bei Gruppentherapieexperiment mit Drogencocktail

Ein Beispiel für fahrlässige Scharlatanerie eines Arztes, der angeblich psycholytisch arbeitete und dabei vermutlich eine unmögliche, nicht zu verantwortende und zu kontrollierende Drogenmischung verabreichte, scheint sich gerade mit fürchterlichen Auswirkungen in Berlin ereignet zu haben, wenn man einem dpa-Bericht folgt, der seit gestern in zahlreichen Medien kursiert:

Zitat

Aus stern.de nach einem dpa-Bericht vom 20.9.2009

Tote und Verletzte nach "Therapiesitzung" in Berlin

Der nach der tödlichen Vergiftung von zwei Menschen festgenommene Berliner Arzt hat eingeräumt, den Opfern Drogen verabreicht zu haben.


Der nach der tödlichen Vergiftung von zwei Menschen festgenommene Berliner Arzt hat eingeräumt, den Opfern Drogen verabreicht zu haben. Der 50 Jahre alte Therapeut habe bei der Vernehmung zugegeben, bei einer Gruppensitzung verschiedene Substanzen und Psycho-Drogen verabreicht zu haben.

Das teilte die Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. Die Ermittler gehen aber nicht davon aus, dass der Mann vorsätzlich jemanden töten wollte. Mit den Drogen sollte wohl eine Art Bewusstseinserweiterung erreicht werden. Welche Drogen genau verwendet wurden, war noch unklar. Nach Medienberichten war es eine Mischung aus Heroin, Amphetaminen und Ecstasy. Unklar ist auch, ob der Drogencocktail gespritzt oder als Tabletten verabreicht wurde.

Der Arzt hatte eine «psycholytische Therapie» angeboten. Das steht auf dem Schild an seiner Praxis im Berliner Stadtteil Hermsdorf. Bei dieser Art von Therapie werden psychoaktive Substanzen verwendet. Dazu zählen auch Rauschgifte wie LSD oder bestimmte Pilze, die in der Medizin verboten sind.

Bei der Therapiesitzung im Norden der Stadt waren zwölf Menschen vergiftet worden. Ein 59-jähriger Mann starb am Samstagnachmittag. Ein 28-Jähriger starb am Abend im Krankenhaus. Er hatte zuvor im Koma gelegen. Ein weiterer Mann war in der Nacht noch im Koma. Die anderen Betroffenen konnten das Krankenhaus wieder verlassen.

Mehr bei stern.de nach einem dpa-Bericht vom 20.9.2009


Es darf bezweifelt werden, dass dieser Arzt die persönliche Eignung und das Fachwissen insbesondere auch in pharmakologischer Hinsicht für eine solche (Gruppen-) Therapie besessen hat. Opiate (wie Heroin) gehören außerdem nicht zu den beherrschbaren und empfehlenswerten "bewusstseinserweiternden" Substanzen und sind auf dem illegalen Markt nicht in kalkulierbarer Reinheit und Güte zu bekommen. Auch eine Mischung aus verschiedenen psychostimulierend wirkenden synthetischen Substanzen wie Amphetaminen und MDMA ("Ecstasy"), letzteres auch ein Empathogen, das prinzipiell in bestimmten Fällen einen therapeutischen Nutzen haben kann, dürfte nicht empfehlenswert sein und kann neben fatalen Kreislaufwirkungen auch zu neurologischer Erschöpfung durch starken Eingriff in das Transmittersystem führen.

Dieses Beispiel zeigt an einer derzeit vorallem aufgrund politischer Entscheidungen nach wie vor illegalen Therapieform das grundsätzliche Dilemma der Verwendung nebenwirkungsreicher hochpotenter Psychopharmaka, die insbesondere auch in der Mischung zu unkontrollierbaren Effekten mit lebensgefährlichen Krisen und tödlichem Ausgang führen können. Das gilt auch für die Verabreichung von insbesondere mehreren erlaubten, verschreibbaren Psychopharmaka an substanzabhängige Menschen, die Opiate, Alkohol, Kokain und verschiedene Medikamente sowie diverse psychoaktive Drogen konsumieren. Aber auch "normale" Patienten, die noch andere Medikamente nehmen oder nicht völlig gesund sind, haben grundsätzlich erhöhte Risiken bei der Einnahme von Psychopharmaka zu befürchten.

In der Schweiz gab es einmal einen kurzen Zeitraum, in dem speziell ausgebildeten und erfahrenen Psychiatern die Verwendung und Erprobung einiger psychoaktiver Substanzen zur Etablierung einer wissenschaftlich überprüfbaren, legalen psycholytischen Therapie mit Sondererlaubnis gestattet wurde. Ziel war, Ausbildungskurse zu initiieren, damit Fachkunde entsteht und wissenschaftlich begleitbare Verfahren entwickelt werden können. Die Ausnahmebewilligungen wurden viel zu früh für die Erreichung dieser sinnvollen Ziele zurückgezogen bzw. nicht mehr erneuert und die Erforschung befand sich damit von einem auf den anderen Tag im illegalen Raum. Dieses kann zu schädlichem, unkontrollierbaren Experimentieren ohne jeden Standard führen, wie offenbar auch in Berlin.

Die früheren Erforschungen von z.B. LSD oder Meskalin mit experimentellem Charakter oft in einer Art sterilen Universitätsmedizin ohne vertrauenserweckendes, patientenfreundliches Setting und oft unter Vernachlässigung des eigentlichen Psychotherapieanliegens sind hingegen auch nicht besonders geeignet gewesen, die Therapietauglichkeit der Methode zu untermauern, sondern ließen eher lediglich pharmakologische und psychopathologische Befunderhebungen zu. Diese ergaben zwar ein buntes, geradezu exotisches Bild der menschlichen Psyche unter bewusstseinsverändernden Substanzen mit allerlei medizinschen und psychologischen Spekulationen über das Wesen von Psyche und Bewusstsein, aber keine ernstzunehmende Therapieforschung. Zu dieser kam es z.B. weder in den USA (Grof) noch in Deutschland (Leuner), ebenfalls aus politischen Gründen. Allenfalls war man interessiert, zu erfahren, auf welchen Drogenwirkungen die Therapieerfolge schamanistischer Heilrituale angeblich "primitiver" Kulturen beruhten oder sogar, was sich von den Erkenntnissen militärisch nutzen ließ.

Vor unerfahrenen Nachahmern früherer Therapieforschungen und Experimentatoren neoschamanistischer Ausrichtung mit fragwürdigem, angeblich wieder modernem, nonkonformistischem Therapiegehabe, die mit Substanzencocktails dubiose Gruppensessions aufpeppen, kann nach dem oben zitierten Bericht nur gewarnt werden! Bei jeder Art von Psychotherapie, die mit arzneilich verwendeten Stoffen - insbesondere solchen mit Katalysatorenwirkung - unterstützt wird, ist unbedingt ein gefestigtes Vertrauensverhältnis zwischen Klient und Therapeut und eine sehr gute Kenntnis des Falles, der Geschichte und der Symptomatologie sowie des allgemeinen und psychischen Gesundheitszustandes der Klienten notwendig. Für die Wirkung jeder Arznei kommt es auf das Set und das Setting an. Und natürlich muss man seine Heilmittel genau kennen.

Diese Voraussetzungen erfüllen leider sehr viele Ärzte auch im legalen Raum nicht, die relativ unkritisch oft einen Cocktail von Psychopharmaka verschreiben und sich nicht gleichzeitig engmaschig psychotherapeutisch mit ihren Klienten beschäftigen und darüber hinaus oft keine guten pharmakologischen Kenntnisse besitzen! Schon der Arzt, Alchemist, Naturforscher und Philosoph Paracelsus (Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim 10.11.1493 in Egg bei Einsiedeln; † 24.9.1541 in Salzburg) schrieb 1538: "Allein die Dosis macht das Gift." (Original lat.: "Dosis sola facit venenum"). Diese Grundregel gilt für jede arzneilich verwendbare Substanz und nicht nur für die psycholytische Psychotherapie sondern auch für jede andere Psychopharmakotherapie.

Der Ansatzpunkt der klassischen schulmedizinischen Psychopharmakotherapie ist dabei meist das Unterdrücken, Zudecken, Abmildern oder Erträglichmachen von psychischen Symptomen, die der Klient oder seine Umgebung nur noch schwer erträgt und in der Regel nicht die Heilung. Ein prominentes Opfer einer psychopharmakologischen Unterdrückungsbehandlung bis zur ärztlich unterstützten schwersten Medikamentenabhängigkeit ist übrigens der Fall Michael Jackson, der bei zerrütteter körperlicher und seelischer Gesundheit den Medikamentencocktails seines hochbezahlten Leibarztes Conrad Murray und seiner Schmerz- und Betäubungsmittelsucht erlag. Solche medienbekannten Extremfälle sind aber nur die Spitze des Eisberges ärztlich geduldeter oder geförderter Formen von Medikamentenmissbrauch.

Der Ansatzpunkt der psycholytischen Therapie ist im Gegensatz dazu die katalytische Eröffnung oder Beschleunigung eines zunächst unbewussten Prozesses mit der Eröffnung neuer, dem Bewusstsein zugänglicher Räume und hat daher eher provokativen, aufdeckenden Charakter. Bei dieser Arbeit wäre besondere Fallkenntnis und ein besonderes schützendes Setting erforderlich. Wer diese höchsten Ansprüche erfüllen möchte, benötigt eine gute Ausbilodung und jahrelange Erfahrung. Selbst wenn der Arzt, der diese tragischen Zwischenfälle provoziert hat, in guter Absicht handelte, hatte er jedenfalls offenkundig keine der notwendigen persönlichen und fachlichen Voraussetzungen für ein verantwortungsbewusstes und erfolgreiches Handeln.

LG Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)