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Freitag, 21. März 2008, 00:00

In Tibet ist der Teufel los

Seit über einer Woche ist in Tibet wieder der Teufel los. Das meint vermutlich sogar der katholische Papst Benedikt XVI., der den rotchinesischen Machthabern den Dialog mit dem exilierten 14. Dalai Lama anrät, nachdem die Diktatoren dem Papst bereits Ende letzten Jahres drohten, wenn der den Dalai Lama treffen wollte. Doch der chinesische Machtapparat sieht in der tibetischen Exilregierung der Vertriebenen nur einen gefährlichen Störenfried und im geistlichen Oberhaupt den Teufel in Person, wie der chinesische "Gauleiter" der "autonomen Provinz" Tibet giftete. Die Machthaber in dem besetzten Land erweisen sich seit fünfzig Jahren unfähig zum Dialog mit dem friedliebendem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, der für seinen gewaltlosen Widerstand ausgezeichnet (Friedensnobelpreis) wurde und als Gesprächspartner, spiritueller Lehrer und Autor überall in der Welt geschätzt wird - nur nicht bei den Kommunisten in der Volksrepublik China. Trotz der großen Wertschätzung, der sich der Dalai Lama erfreut, ist seine Exilregierung nirgendwo anerkannt.

Das System der Okkupanten wird jedoch von der tibetischen Bevölkerung als teuflische, machtzerfressene Diktatur wahr genommen, die die Bodenschätze Tibets ausbeutet, Atom- und Giftmüll in Tibets Boden vergräbt, die Tibeter durch Ansiedlung von Millionen Han-Chinesen und durch Zwangssterilisationen von Frauen und Zwangsabtreibungen zur Minderheit im eigenen Land macht. Die maoistische Diktratur betreibe einen Genozid und zerstöre die tibetische Identität und Kultur, morde und foltere und verwirkliche unter dem kommunistischen Mäntelchen eine imperialistische und raubkapitalistische Ausbeutung des einst selbstständigen, 1950 von Rotarmisten überfallenen Landes. Faktisch herrsche in Tibet seitdem Ausnahmezustand und Militärdiktatur. Gegen dieses Unrecht hätten sich einfache Tibeter und Mönche empört, obwohl der 14. Dalai Lama zur Gewaltfreiheit mahnt. Schon in der Vergangenheit wurden friedliche Proteste massiv unterdrückt, bevor sich der Unmut mancher Tibeter in verzweifelter Gewalt kund tat. Auf tibetischer Seite gab es immer viele Tote und chinesische Soldaten schafften Verdächtige in Gefängnisse und Konzentrationslager.

Kurz vor den Olympischen Spielen der Völkerverständigung und des friedlichen Wettbewerbs, die peinlicherweise dieses Mal in China ausgetragen werden, kann das Gewaltregime seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Tibet nur dadurch zu verbrähmen versuchen, indem Polizei, Geheimdienst und Militär auf höchste Anordnung massiv gegen Ausländer und Journalisten vorgehen, diese außer Landes treiben und versuchen, alles Film- und Tonmaterial zu konfiszieren und zu vernichten. Es gibt in Tibet so gut wie keine freien Beobachter mehr und die Stunde einer erbarmungslos losschlagenden Staatsmacht ist gekommen. Die Presse berichtet in Internetmedien durchaus unterschiedlich. Ein kürzlich ausgewiesener Journalist, Georg Blume, berichtet in seinem Beitrag "Jetzt bleibt die Wahrheit verborgen" in "zoomer.de" auch von unverhältnismäßiger Gewalt völlig frustrierter Tibeter gegen die "Sicherheitskräfte" und chinesischen Fremdherrscher. Ruth Kirchner berichtet für Zeit.de aus Peking in ihrem Artikel “Es herrscht das totale Chaos” von den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in dem zur Unruheprovinz gewordenen Protektorat.

In dieser prekären Situation für die Menschenrechte in ganz China und besonders in Tibet möchte eine Künstlerinitiative mit Hinblick auf die Olympischen Spiele ein unübersehbares Zeichen setzen und zwar in der Farbe ORANGE. Das Projekt "The Color Orange" sucht im Internet weltweit Unterstützer. Die Farbe soll mit warmem Gelb das Rot der maoistischen Rotchinesen abmildern und erinnert an den orangen Protest in der Ukraine oder die buddhistischen Möchsgewänder, die ein orange, orangerot oder bordeaux- oder braunrot zeigen, aber kein knallrot, das als aggressiv gilt. Auch in You tube wird mit einem Video-Spot auf die Aktion aufmerksam gemacht. Als Begründer gilt der dänische Künstler Jens Galschiot. Auf der website der Galerie Thurnhofer in der Schweiz kann man zu dem Thema auch einige Hintergründe in deutscher Sprache nachlesen. Unser Forum war übrigens schon immer in Orange und tibetfreundlich..

LG, Michael
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Mittwoch, 26. März 2008, 08:35

Weltweiter Internetaufruf von Avaaz.org Zugunsten von Frieden und Dialog in Tibet

Die weltweit im Internet für Bürgerechte und Umweltschutz tätige Organisation Avaaz.org hat eine Tibet-Kampagne im Internet veröffentlicht und innerhalb einer Woche fast 1.000.000 Million Unterschriften für einen kurzen Brief an den chinesischen Ministerpräsidenten gesammelt:

Zitat

Zitat Avaaz.org Tibetbrief:

An den Chinesischen Präsidenten Hu Jintao:

"Als Bürger dieser Welt ersuchen wir Sie, bei der Reaktion auf die Proteste in Tibet, zur Zurückhaltung und zum Respekt der Menschenrechte. Berücksichtigen Sie bitte die Anliegen der Tibeter, indem Sie einen bedeutungsvollen Dialog mit dem Dalai Lama eröffnen. Nur durch Dialog und Reformen kann eine längerfristige Stabilität erreicht werden. Chinas aussichtsvolle Zukunft liegt in harmonischer Entwicklung seiner Beziehung zur Welt durch Dialog und Respekt."


Avaaz.org schreibt über sich selbst, dass seine Aktivisten die Globalisierung auf positive Weise zum Nutzen aller Menschen und Bürger mit Aktionen gemeinsam mit Umweltschutz-, Menschenrechts- und Bürgerechtsvereinigungen, Nichtregierungsorganisationen und internationalen Gewerkschaftsverbänden kritisch begleiten will:


Zitat

Zitat Avaaz.org über sich selbst:

Über uns

Unser Auftrag


Während neue Herausforderungen wie Klimawandel und religiöse Auseinandersetzungen unsere gemeinsame Zukunft gefährden, kommen Menschen auf der ganzen Welt zusammen, um Politik in ihre eigenen Hände zu nehmen. Avaaz bedeutet "Stimme" oder "Lied" in Sprachen wie Hindi, Urdu, Persisch, Dari, Nepali, Bosnisch und Türkisch. Avaaz.org ist ein Netzwerk von Weltbürger/innen, die sich aktiv den großen Herausforderungen dieser Welt stellen. Avaaz hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Einfluss der Ansichten und Wertvorstellungen aller Menschen – und nicht nur jener der politischen Eliten und Großunternehmen – auf globale Entscheidungen sicherzustellen. Die Mitglieder von Avaaz.org setzen sich ein für eine gerechtere und friedlichere Welt und eine Globalisierung mit menschlichem Gesicht.

In unserer globalisierten Welt haben die Handlungen politischer Entscheidungsträger und Unternehmen tiefgreifende Auswirkungen auf uns alle. Ihr Einfluss und Wirkungsbereich sind grenzenlos. In einer massiven, weltweiten Bürgerbewegung nehmen es Mitglieder von Avaaz.org mit ihnen auf. Als 'Bürger ohne Grenzen' haben wir zwar nicht die gleichen Mittel wie Regierungen, Unternehmen oder die Medien – aber wir können Millionen von Menschen aus der ganzen Welt zu einer lauten Stimme vereinen, und ihnen Gehör verschaffen gegen Armut und Klimawandel, für Menschenrechte und globale Sicherheit.

Mit neuesten Technologien ermöglicht Avaaz.org allen Menschen überall auf der Welt, die weltweit bedeutendsten Entscheidungsträger, Unternehmen und Medien direkt zu beeinflussen. E-Mails und SMS machen Mitglieder von Avaaz.org auf neue Kampagnen und Aktionen im Netz und außerhalb aufmerksam. So können Tausende von Menschen gemeinsam in kürzester Zeit Weltpolitik machen!


Über das Avaaz-Team ist auf derselben Seite zu lesen:

Zitat

Zitat Avaaz.org über das Team:

Unser Team

Zu den Gründern von Avaaz.org gehören Res Publica, eine bürgerschaftliche Organisation, und MoveOn.org, ein Kampagnen-Netzwerk, das den Online-Aktivismus in den USA angeführt hat.

Avaaz.org wurde von einer Gruppe sozial engagierter Unternehmer entwickelt, die an der Schnittstelle zwischen globaler Gerechtigkeit und Online-Organisationstechniken arbeiten. Die Mitgründer von Avaaz.org sind Geschäftsführer Ricken Patel, Jeremy Heimans, David Madden, Eli Pariser, Tom Perriello, Tom Pravda und Andrea Woodhouse.

Avaaz.org wird von einem kleinen Aktivisten-Team auf vier Kontinenten geleitet. Das Avaaz.org-Team recherchiert für Kampagnen, bereitet Aktionsaufrufe vor und informiert die Medien über Avaaz.org-Kampagnen. Die Kampagnen und Prioritäten der Organisation entstehen in Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedern. Avaaz.org profitiert außerdem von der Unterstützung führender Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt, wie beispielsweise der internationalen Dienstleistungewerkschaft, GetUp.org.au und vielen anderen.


Vielleicht wollen andere dem Beispiel folgen und ihre persönliche Präsenz im Internet im Sinne eines Teils des Weltgewissens über solche und ähnliche Vereinigungen und Aktionen zur Geltung bringen. Was die Tibet-Aktion betrifft, haben sich bis jetzt in sieben Tagen 977.924 Unterzeichner gefunden. Eine weitere, relativ krasse englischsprachige Internetseite zum Anlass der Gewaltausbrüche in Tibet und der Olympischen Spiele in China, die von Menschenrechtsaktivisten ins Leben gerufen wurde, ist "No Torch in Tibet".

Die Kehrseite: Vielleicht sind solche und andere internationale Bürgerechtsbewegungen im Web ein Grund dafür, dass Diktaturen wie China ihr Internet massiv kontrollieren, abschotten und anzapfen und sich kapitalistische IT- und Internetunternehmer wie Bill Gates von Microsoft oder yahoo sich mit den chinesischen Machthabern zu Zugeständnissen und Kooperation bereit finden: Anteile am lukrativen Markt z.B. in China sind dann nämlich wichtiger, als Bedenken hinsichtlich der Menschen- und Bürgerrechte.

Michael
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Donnerstag, 3. April 2008, 09:35

Das größte Gefängnis der Welt nennt sich Volksrepublik

[SIZE=3]Das größte Gefängnis der Welt nennt sich Volksrepublik - und die Welt will nach China zum Spielen kommen[/SIZE]

Zitat

Original von Michael

...Kurz vor den Olympischen Spielen der Völkerverständigung und des friedlichen Wettbewerbs, die peinlicherweise dieses Mal in China ausgetragen werden, kann das Gewaltregime seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Tibet nur dadurch zu verbrähmen versuchen, indem Polizei, Geheimdienst und Militär auf höchste Anordnung massiv gegen Ausländer und Journalisten vorgehen, diese außer Landes treiben und versuchen, alles Film- und Tonmaterial zu konfiszieren und zu vernichten. Es gibt in Tibet so gut wie keine freien Beobachter mehr und die Stunde einer erbarmungslos losschlagenden Staatsmacht ist gekommen....


Aus einem angeblich kommunistischen Land ist nach der Maoistischen Kulturdikatur ein Land mit extremen sozialen Gegensätzen geworden, die die ethnischen und religiösen Gegensätze nun zu einer brisanten Mischung aus Angst, Not und Unzufriedenheit aufkochen. Das Rezept der regierenden Parteibürokraten und Kader ist immer gleich, wie in jeder großen Diktatur der Neuzeit: Ein Gemisch aus massiver Repression und Gewalt auf der einen Seite und zügellose Wirtschaftsliberalisierung gemischt mit Staatsmonopolkapitalismus zum Nutzen für eine bestechliche, regimetreue Elite und ein paar wohlhabende Kader, die ewige Gewinnler-Klasse, egal ob es Krieg oder Kulturrevolution gibt. Sie bildet sich als Staatsfreund immer neu. Die Volksrepublik China ist das größte Gefängnis der Welt mit den meisten Todesurteilen.China ist sozusagen [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/nachrichten/ausland/asien/5738784-Amnesty-China-nimmt-die-meisten-Hinrichtungen-vor,cc=000000160300057387841vpB1w.html]"Weltmeister im Hinrichten"[/URL]. Eine Staatspropaganda und die Unterdrückung jeder freien Meinungsäußerung soll nach innen und außen Harmonie verbreiten. Glaubt das etwa noch jemand? Und dennoch: Die Welt will nach China zum Spielen kommen. Amnesty international macht sich Sorgen. Die Gefängniswärter auch. Wo kommen wir denn dahin, wenn man sich in die inneren Angelegenheiten eines Gefängnisses mit Todestrakt einmischen würde...

Zitat

Original AFP-Bericht

[SIZE=3]Amnesty nennt Menschenrechtslage in China "beschämend"[/SIZE]

Die Menschenrechtslage in China im Vorfeld der Olympischen Spiele ist nach Einschätzung von Amnesty International (ai) "beschämend".


Das repressive Vorgehen gegen Dissidenten erfolge "nicht trotz Olympia, sondern wegen Olympia", kritisierte die Menschenrechtsorganisation in einem Bericht. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums sagte, Amnesty hege Vorurteile gegen China. Mit Blick auf Berichte, wonach der Dalai Lama von der EU eingeladen werden soll, warnte die Sprecherin vor einer Unterstützung des geistlichen Oberhauptes der Tibeter.

"Die chinesische Führung hat ihr Versprechen nicht gehalten: Die Lage hat sich eher verschlechtert als verbessert", sagte die Generalsekretärin der deutschen ai-Sektion, Barbara Lochbihler, in Berlin. In London erklärte ai-Generalsekretärin Irene Khan, das Vorgehen gegen Kritiker habe offensichtlich zum Ziel, der Welt bis zu den Spielen im August ein "stabiles" und "harmonisches" Bild zu präsentieren.

Amnesty forderte Politiker und das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf, ihre Beunruhigung auszudrücken und öffentlich Veränderungen zu forden. Andernfalls könne das Verhalten als "stillschweigende Billigung der Menschenrechtsverletzungen" durch die chinesischen Behörden interpretiert werden. Lochbihler sagte, Regierungen und das IOC, "aber auch Sponsoren wie Adidas und Volkswagen" müssten "ihren Einfluss geltend machen und öffentlich einen Wandel fordern". Auch die Organisation Human Rights Watch forderte das IOC auf, sein Schweigen zu brechen. Das Komitee müsse verlangen, dass die olympische Bewegung die Menschenrechte respektiere.

Die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Jiang Yu, sagte kurz vor der Veröffentlichung des Amnesty-Berichts, die Organisation hege Vorurteile gegen China. "Also können Sie sich vorstellen, was für einen Bericht sie veröffentlicht." Jeder Versuch, Druck auf China auszuüben, werde jedoch scheitern, betonte Jiang. "China ist ein Rechtsstaat. Wir können nicht wegen der Olympischen Spiele die Anwendung der Gesetze aussetzen."

Jiang sagte ferner, die Regierung in Peking sei dagegen, dass offizielle Vertreter anderer Staaten die "spalterischen Aktivitäten" des Dalai Lama unterstützten. Die Sprecherin reagierte damit auf Pläne des geistlichen Oberhaupts der Tibeter, in der kommenden Woche auf dem Weg in die USA einen mehrstündigen Zwischenstopp einzulegen. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hatte außerdem im Radiosender RTL gesagt, die EU-Außenminister wollten den Dalai Lama nach Brüssel einladen.

© AFP

Quelle [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/nachrichten/ausland/asien/5660692-Amnesty-nennt-Menschenrechtslage-in-China-beschaemend,articleset=5569480.html]gmx[/URL]
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Mittwoch, 9. April 2008, 02:03

Fackel-Farce: das Olympia-Omen

Mit einem gigantischen, millionenteuren Aufgebot an Polizisten und Sicherheitskräften, mit dem man sonst einen Staatschef oder den Papst von seinem Volk abschirmt, wird die Olympiafackel, die prochinesische Propagandabilder in die Welt tragen soll, mit Staffettenläufern durch Hauptstädte getragen. Zuletzt war Paris dran und versank im Chaos: Demonstranten für Einhaltung der Menschenrechte gerieten in den Konflikt mit angeheuerten regimetreuen Jubel-Chinesen und dem aufgeblähten Polizeiapparat, der "Störer" der heiligen - für mich nur peinlichen - Propagandaveranstaltung festnahm. Dennoch gelang es einigen Demonstranten, den Fackellauf zu beeinträchtigen, sodass das angebliche "Friedenssymbol" dreimal erloschen ist, genauso, wie ständig Menschenleben in Unterdrückung und Staatsterror grausam erlöschen, überall auf der Welt und besonders in China... Diese Demonstrationen haben vor aller Welt die Fackel-Farce bloßgestellt, sodass die chinesische Führung mit ihren üblichen Zensurmaßnahmen die unschönen Bilder im Internet und Fernsehen für ihre Bürger unterdrückt.

Die Welt hoffte: Olympia in China wird die Parteidiktatur der Rotchinesen veranlassen, mit Lockerungen ihres Polizieistaates und Zugeständnissen an die Bürgerrechte der Welt ein freundliches Gesicht zu zeigen. Inzwischen zeigen sich außer der chinesischen Staatspropaganda unabhängige Kommentatoren und Menschrechtsaktivisten gewiss: Die 30-Milliarden-Dollar-Olympia-Show der Chinesen, die den Fackellauf als "Reise der Harmonie" zu einem Propagandainstrument für ihr Regime machen wollten, hat der Milliardenbevölkerung des Vielvölkerstaates China neuen Druck und neues Leid gebracht. Nicht nur in Tibet wird gemordet, gefoltert und unterdrückt. Chinas Oppositionelle und Bürgerrechtler sind zur bevorzugten Schießscheibe des Staates geworden und das eitle IOC-Komitee zur Geisel der staatlichen chinesischen Olympiapropaganda. Wären die Milliarden für dieses angeblich weltverbindende Sportereignis, das außerdem regelmäßig ein Anreiz für nationalistische Gefühlsaufwallungen und Dopingbetrug ist, und die Millionen für die Fackel-Farce nicht besser für die Bekämpfung der Armut, für die Verbesserung der Menschenrechtssituation in zahlreichen Ländern und für Klimaschutzmaßnahmen aufgewendet worden?

Aber Umweltschutz und Menschenrechte haben in China offiziell keine ernsthafte Lobby. Und unter Frieden versteht das offizielle China die Ruhe auf dem "Platz des himmlischen Friedens", als Panzer mit den protestierenden Studenten die Demokratiebewegung zermalmten: Die Ruhe eines Friedhofs, eines Massengrabes. Mit Harmonie ist im kommunistischen Parteikader der Gleichschritt der staatlichen Unterdrückungskolonnen gemeint. Chinas Regierung bemüht sich, mit wirtschaftlichen Anreizen oder Drohungen demokratische Staaten auf Linie zu bringen, auf die Linie der Unterdrücker, was sowohl in den kapitalistischen Staaten wie bei den Empfängern chinesischer Entwicklungshilfe bzw. Investitionen funktioniert. Denn es gibt immer noch genügend Politiker, die Peking nach dem Munde reden. Der Protest gegen Chinas Repression ist ein oft spontaner, nichtstaatlicher Bürgerprotest, der im eigenen Land Verhaftung und Schikane zur Folge haben kann. Die chinesische Propaganda verkauft dem eigenen Volk den Aufruhr des Gewissens als geschürte antichinesische politische Kampagne westlicher Regierungen. Das ist bei den vielen Speichelleckern in dieser Riege eine ziemlich paranoide Verzerrung der Wirklichkeit.

"Wir respektieren das Recht eines friedlichen Protests, aber die Fackel hat auch das Recht, friedlich herumgereicht zu werden", hieß es in einer [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/sport/olympia/5699274-Letzte-Weltreise-der-Fackel-Jetzt-Abbruch-der-Tour,articleset=5622756,page=2.html]IOC-Pressemitteilung[/URL] . Perfide, was die IOC-Funktionäre da anlässlich der Fackel-Farce der chinesischen Politpropagandisten äußerten. Anscheinend haben auch die für die Einhaltung der Menschenrechte eintretenden Bürger in China das recht, "friedlich herumgereicht" zu werden: In Polizeibussen direkt in Gefängnisse und Internierungslager und zusammengeschossen von den Protestplätzen in Massengräber. Das findet alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Chinas Regierung beschwert sich, dass der Westen unwahr und reißerisch über Chinass "innere Angelegenheiten" berichtet, nachdem man die Journalisten ausgewiesen und die Nachrichtenverbindungen gekappt hat. Gelegentlich werden handverlesenen Presseleuten auf wohl abgeschirmten Reisen geschönte Bilder vorgeführt. Wenn westliche Journalisten das monieren, ist das für die Diktatur bereits eine "tendenziöse Berichterstattung". Den reißenden Fluss des Protestes nennt man gewalttätig. Aber das ihn einengende Ufer der Repression nennt man eine friedlich daliegende Landschaft lieblicher Harmonie. Damit die Fackel brennt, wird die Freiheit eines Fünftels oder Sechstels der Menschheit gleich mitverbrannt. Ein böses Omen für eine friedliche Welt der Völkerverständigung, für Olympia.

Michael
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Dienstag, 29. April 2008, 23:23

RE: Weltweiter Internetaufruf von Avaaz.org Zugunsten von Frieden und Dialog in Tibet

Zitat

Original von Michael

Vielleicht wollen andere dem Beispiel folgen und ihre persönliche Präsenz im Internet im Sinne eines Teils des Weltgewissens über solche und ähnliche Vereinigungen und Aktionen zur Geltung bringen. Was die Tibet-Aktion betrifft, haben sich bis jetzt in sieben Tagen 977.924 Unterzeichner gefunden. Eine weitere, relativ krasse englischsprachige Internetseite zum Anlass der Gewaltausbrüche in Tibet und der Olympischen Spiele in China, die von Menschenrechtsaktivisten ins Leben gerufen wurde, ist "No Torch in Tibet".

Die Kehrseite: Vielleicht sind solche und andere internationale Bürgerechtsbewegungen im Web ein Grund dafür, dass Diktaturen wie China ihr Internet massiv kontrollieren, abschotten und anzapfen und sich kapitalistische IT- und Internetunternehmer wie Bill Gates von Microsoft oder yahoo sich mit den chinesischen Machthabern zu Zugeständnissen und Kooperation bereit finden: Anteile am lukrativen Markt z.B. in China sind dann nämlich wichtiger, als Bedenken hinsichtlich der Menschen- und Bürgerrechte.


Internationaler Druck z.B. auch der weltweiten Internet-Tibetkampagne mit Briefen an den chinesischen Staatschef und auch an die eigenen Regierungsrepräsentanten haben zumindest zu öffentlichen Zugeständnissen hinsichtlich einer Kontaktaufnahme der repressiven Gewalt in China mit Minderheitenvertretern, hier dem Dalai Lama, geführt. Über Mittelsmänner sollen erneut Verhandlungen begonnen und möglicherweise dereinst direkte Gespräche geführt werden. Allerdings darf man sich von den Regierungstaktikern der chinesischen Seite auch nicht täuschen lassen, die Jahrzehnte durch Scheinverhandlungen mit dem Dalai Lama nur sehr viel Zeit ohne substantielle Zugeständnisse schindeten, während sich die Lage des tibetischen Volkes innerhalb Tibets stetig verschlechterte. Bis heute wurden für den o. g. Brief im Internet 1,665,055 Unterschriften gesammelt. In den letzten Tagen war der Zuwachs aber schleppend. Schnell ging nur die erste Million. In diesem Zusammenhang ist die Nachricht interessant, dass etwa zwei Millionen Chinesen im Internet innerhalb weniger Tage dem Regierungsplan zugestimmt haben, Gespräche mit der Tibetischen Exilführung aufzunehmen.

Michael
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Freitag, 2. Mai 2008, 16:16

Hallo Michael,

auf der Seite http://www.youtube.com/ gibt es übrigens viele Videos zum Thema Tibet.

Liebe Grüße,
Ronja

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Samstag, 16. August 2008, 11:04

Olympischer Handschlag - eine völkerverbindende Geste

Das kennen wir bereits und sind vielleicht entsetzt, wütend, deprimiert, traurig: Die Propaganda-Maschinerie der chinesischen Staatsführung ist überwältigend, nicht nur was die verletzende Kritik betrifft, mit der die Kritiker der rotchinesischen Menschenrechtspolitik überschüttet werden, auch was das Vorgaukeln von werbeträchtigen Bildern voller Schönheit und Harmonie anlässlich der Massenveranstaltung zur Eröffnung der olympischen Spiele betrifft: Ein zehnjähriges Mädchen, dass den politisch Verantwortlichen [URL=http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,571507,00.html]nicht süß genug[/URL] aussah, wurde von einer neunjährigen Chinesin, inzwischen zum Kinderstar avanciert, gemimt, die wegen ihres nicht so schönen Gesanges nur die Lippen bewegen durfte. Die blendende Feuerwerksshow kam zum Teil [URL=http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,571507,00.html]computeranimiert und geschönt[/URL] über die Fernsehgeräte in die Wohnzimmer der Welt. Aber wollen wir dabei stehen bleiben, insbesondere als Menschen, die sich teilweise schon in Gewaltfreier Kommunikation üben wollen? Oder suchen wir nach einem Weg, wie man sich über die Gegensätze der Strategien hinweg auf der Grundlage unserer gemeinsamen Bedürfnisse die Hände reichen kann?


Die Weltgemeinschaft der Bürger, die sich tatsächlich nach Frieden, Schönheit, Harmonie sehnt, kommt natürlich nicht dadurch weiter, dass sie weg schaut oder ihrerseits darauf vertraut, mit ebenso penetranter Kritik die Herzen der pseudokommunistischen, mit diktatorischer Macht herrschenden Funktionäre zu erweichen. Das haben die weltweit im Internet agierenden Aktivisten für Bürger- und Freiheitsrechte sowie Umweltschutz von Avaaz erkannt und ihre Unterstützung daher einer simplen menschlichen Geste der Verständigungsbereitschaft, Friedfertigkeit und freundlicher Gesinnung gegeben, einem Handschlag, der vom Dalai Lama ausging und über hunderttausende menschliche Stationen rund um die Welt wie bei einem olympischen Fackellauf an die chinesische Staatsführung weitergegeben werden soll, als Einladung zur Wiederaufnahme des Dialogs. Wer sich daran bis zum Ende der Olympiade noch beteiligen will, findet hier die Gelegenheit:

Zitat

Zitat aus einer Internetbotschaft von Avaaz

„Mit diesem Handschlag reichen wir uns als Bewohner dieser Erde die Hände im olympischen Geist der Freundschaft und der sportlichen Höchstleistungen, und wir verpflichten uns der Aufgabe, unsere Regierungen dazu anzuhalten, sich höhere Ziele in Bezug auf Frieden, Gerechtigkeit und den Schutz der Menschenwürde zu setzen, wo immer diese zu kurz kommen, sei es in Tibet, im Irak, in Burma oder anderswo. Dialog bringt uns am Besten vorwärts; das gilt für China – und für die ganze Welt.“


Ich habe mich daran beteiligt und die Botschaft an bestimmt 100 Adressaten weiter gegeben. In wenigen Tagen sind 30.000 Handschläge (auf fast 170.000) dazu gekommen. Es könnten aber noch viel mehr sein. Ganz hübsch ist die Computergrafik, die man sieht, nachdem man den Handschlag weiter gegeben hat: Du siehst in Sekundenschnelle, wie die Verbindungen über den Erdball bis zu Dir, die/der den Handschlag als bisher Letzte(r) erhalten und weitergegeben hat, gelangt. Viel Spass!

Michael
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Dienstag, 26. August 2008, 10:01

RE: Olympischer Handschlag - eine völkerverbindende Geste

Zitat

Original von Michael


Zitat

Zitat aus einer Internetbotschaft von Avaaz

„Mit diesem Handschlag reichen wir uns als Bewohner dieser Erde die Hände im olympischen Geist der Freundschaft und der sportlichen Höchstleistungen, und wir verpflichten uns der Aufgabe, unsere Regierungen dazu anzuhalten, sich höhere Ziele in Bezug auf Frieden, Gerechtigkeit und den Schutz der Menschenwürde zu setzen, wo immer diese zu kurz kommen, sei es in Tibet, im Irak, in Burma oder anderswo. Dialog bringt uns am Besten vorwärts; das gilt für China – und für die ganze Welt.“


Ich habe mich daran beteiligt und die Botschaft an bestimmt 100 Adressaten weiter gegeben. In wenigen Tagen sind 30.000 Handschläge (auf fast 170.000) dazu gekommen. Es könnten aber noch viel mehr sein. Ganz hübsch ist die Computergrafik, die man sieht, nachdem man den Handschlag weiter gegeben hat: Du siehst in Sekundenschnelle, wie die Verbindungen über den Erdball bis zu Dir, die/der den Handschlag als bisher Letzte(r) erhalten und weitergegeben hat, gelangt. Viel Spass!

Michael


199.000 Menschen haben bis eben den Handschlag weitergegeben, heute werden es wohl noch 200.000 werden. Ein beeindruckender Erfolg. Die Olympia-Show mit ihrem Werbe-Image-Doping ist vorbei, die Kulissen werden sich lüften und die Chinesen, die in ihrem Land menschliche Fortschritte und Demokratie verwirklichen möchten, sind auf internationale Unterstützung angewiesen.

LG, Michael
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Dienstag, 10. März 2009, 09:48

"Hölle auf Erden" - das Herrschaftsgebiet der Angst

Wieder ist ein trauriger Jahrestag. Am 10.3.1049, vor fünfzig Jahren erhoben sich die Tibeter gegen erdrückende militärische Repressalien der chinesischen Volksarmee und der maoistischen Diktatur, die dem Oberhaupt der Tibeter nach dem Leben trachtete. Der Dalai Lama floh, nicht nur um sein Leben zu retten, sondern vorallem, weil eine immer größer werdende Menschenmenge besorgter Tibeter um den Sommersitz des Dalai Lama in Lhasa versammelte, um das Leben ihres spirituellen und damals auch politischen Oberhauptes mit dem eigenen Leben gegen die chinesischen Besatzungstruppen, die begannen, in die Volksmenge und auf den Sommersitz zu schießen, zu schützen. Der Dalai Lama wollte ein Blutbad verhindern. Seitdem ruft der Dalai Lama zu Frieden und Versöhnung auf der Grundlage von Gerechtigkeit auf und spricht sich gegen jede Gewaltanwendung von beiden Seiten aus. Er hat viele versöhnliche Botschaften an die Völker des chinesischen Riesenreiches gesendet und auch die Führung jahrzehntelang um einen konstruktiven Dialog gebeten. Heute, zum fünfzigsten Jahrestag der damals massivsten Gewaltanwendung seit der gewaltsamen Besetzung Tibets wendet sich der Dalai Lama mit deutlichen Worten an die Welt und an China, wissend, dass das Leben seines Volkes nach sein Flucht nicht etwa besser geworden ist, sonden dass die Unterdrückung seitdem Hunderttausenden den Tod gebracht hat:

Zitat

[URL=http://portal.gmx.net/de/themen/nachrichten/ausland/7742894-Dalai-Lama-erhebt-dramatische-Anklage-gegen-China,page=0.html]gmx-Artikel[/URL] von AFP

[SIZE=3]Dalai Lama erhebt dramatische Anklage gegen China[/SIZE]

Zum 50. Jahrestag des Aufstandes in Tibet hat der Dalai Lama eine dramatische Anklage gegen China erhoben.


Die Volksrepublik habe den Tibetern die Hölle auf Erden bereitet, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter im indischen Dharamsala. Dennoch strebe sein Volk nicht nach Unabhängigkeit, sondern nach einer rechtmäßigen Autonomie. Weltweit fanden Solidaritätskundgebungen mit den Tibetern statt.

Seit dem Aufstand vom 10. März 1959 habe China den Tod von hunderttausenden Menschen verursacht und unaussprechliches Leid über die Himalaya-Region gebracht, sagte der Dalai Lama in seiner Ansprache im indischen Exil.

"Dies stieß die Tibeter in solche Abgründe von Leid und Not, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle auf Erde durchlebten." Dabei strebten die Tibeter nach nichts anderem als nach einem Arrangement, wie sie innerhalb der Volksrepublik leben könnten. "Ich habe keinen Zweifel, dass sich die gerechte Sache Tibets letztlich durchsetzen wird", sagte der 73-Jährige.

© AFP [URL=http://portal.gmx.net/de/themen/nachrichten/ausland/7742894-Dalai-Lama-erhebt-dramatische-Anklage-gegen-China,page=0.html]mehr:[/URL]


Die chinesische Diktatur hat ihren Herrschaftsbereich gewaltsam über mehr als eine Milliarde Menschen, Hunderte von Menschen, Dutzende von Religionen unter dem System der "Voksrepublik" ausgeweitet und gilt als Weltmacht mit einem riesigen militärischen, sogar atomaren Terrorpotential. Bis an die Zähne bewaffnet misstraut die rotchinesische Führung ihrem Staatsvolk und lässt trotz offiziellem Kommunismus im eigenen Reich ungeheure gesellschaftliche Gegensätze zwischen arm und reich, mächtig und ohnmächtig zu. Der jetzt grassierende Kapitalismus soll die Bedürfnisse der Massen, die der Kommunismus auch mit Gewalt nicht sättigen konnte, besser befriedigen, jedoch ohne demokratische Mitspracherechte der Konsumenten und Werktätigen. Wenige werden dadurch immer reicher während die Verwüstung der Umwelt und die fahrlässige Vergiftung von Millionen durch schädliche Produktionsarten, Produkte und sogar Lebensmittel voranschreitet und sogar neue Formen von Sklaverei entstehen.

Die Gewaltigkeit der Machdemonstration dieses unförmigen, unterdrückenden Staatsapparates spiegelt das enorme Potential der Angst vor der Freiheit wieder. Diese Angst findet sich nicht nur bei den chinesischen Potentaten und ihrer allmächtigen kommunistischen Partei. Sie findet sich auch im so genannten freien Westen, der überhaupt kein Interesse daran hat, dass sich die Völker innerhalb Chinas auf Freiheit und Selbstverantwortung besinnen. Es ist dem Westen lieber, auch wenn sie den chinesischen Riesen wegen seiner Volksmassen und seiner gierigen Wirtschaftsaktivitäten fürchten, dass ein Polizeistaat seine Bürger effektiv unterdrückt und in jeder Hinsicht bevormundet, als dass Hunderte von Einzelinteressen Handel und strategische, weltpolitische Sicherheitsfragen der anderen großen geopolitischen Machblöcke und Ideologiezentren um die USA und um Russland oder auch um Indien und in der islamischen Welt verkomplizieren. Alle haben Angst, Angst vor der simplen Freiheit des Einzelnen, dessen Gewissen, dessen menschliche Bedürfnisse auf Autonomie und Respekt seiner Menschenrechte.

Deshalb spricht der Dalai Lama zurecht von der "Hölle auf Erden". Diese durchleben die Chinesen und die Tibeter unter dem diktatorischen Regime. Doch ist die ganze Welt beteiligt am Zustandekommen und Aufrechterhalten dieser Höllenqualen. Jeder, der einen Teil der Wahrheit organisiert, gegen den Rest mit Gewalt abgrenzt und Menschen unter seine politische, militärische, kulturelle, ethnische, wirtschaftliche oder religiöse Herrschaft zwingt, ist im Grunde ein Oberteufel dieses höllischen Macht- und Angstsystems. Sein vorherrschendes Motiv ist Angst, seine Ausdrucksform ist Hass, seine Mittel sind staatlicher, politischer, militärischer, religiöser, ethnischer Terror. Auch Religionsgemeinschaften, im Grunde große Sekten einer viel zu großen, unfasslichen Wahrheit, betreiben im Grunde das Geschäft der Hölle und sind immer dann, wenn sie etwas Ausschließliches verkünden und verlangen, Verbündete des selbst erfundenen Teufels. Wie würde die ganze Welt, der ganze Höllenpfuhl aufatmen, wenn die Menschen ihre Angst zugeben und loslassen und das Geschenk der Freiheit und Eigenverantwortung annehmen könnten? Keiner müsste den anderen mehr mit Gewalt und Waffen bedrohen!

Jiddu Krishnamurti, ein aus Indien stammender Weiser, erzählte den folgenden Witz mit einer sehr ernsten Pointe: Der Teufel und sein Freund gingen einmal hinter einem Mann her, der etwas aufhob. Der Freund fragte den Teufel, ob er sehen könne, was er aufgehoben hatte und dieser bejahte: "Ein Stück Wahrheit." "Oh, das ist ja schlecht für Dich", meinte der Freund zum Teufel. Dieser antwortete: "Aber keineswegs, mein Freund. Ich lasse ihn dieses Stück Wahrheit organisieren und das ist wieder sehr gut für mich!" Der Geist weht, wo er will. Die Angst der Menschen verunreinigt diesen Geist bis zur Unkenntlichkeit und schnitzt die Teufelsfratze der Gewalt und Unterdrückung, schafft Höllen der Selbstkasteiung und geht daran, seine eingebildeten Feinde auszurotten. In Wirklichkeit kämpfen sie alle gegen sich selbst, zerfressen vom Krebs der Angst und des Hasses: die organisierten Religionen, Regierungen, Armeen.

Die mächtigen Heilsverkünder aller Couleur geben vor, mit ihrer materiellen und spirituellen Macht zu schützen, doch in Wirklichkeit sperren sie das Leben und die Freude aus und verkleinern sie auf ein winziges Paradies. Sie versprechen, dieses Paradies eines Tages erreichen zu können, wenn man sich an ihre Maximen hält. Das ist alles Schwindel! Keine menschenorganisierte Ordnungsmacht, kein System, das auf Gehorsam basiert und nicht auf selbstgewählter, unabhängiger Einsicht, ist in der Lage, zu Gott, zum Paradies zu führen, also tief zu uns selbst und darüber hinaus zu den Herzen der anderen. Jedes System, jede Religion, die dies behauptet und sich als den einzigen wahren Weg bezeichnet, steht zwischen mir und dem Leben, zwischen mir und Gott, zwischen mir und dem anderen. Der persische Sufi-Mystiker Rumi schrieb: "Jenseits von richtig und falsch ist ein Ort, da könnten wir einander begegnen."

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)