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Sonntag, 30. September 2007, 14:56

Die spirituelle Dimension des eigenen Namens

Sowohl in spiritueller wie auch in psychologischer Hinsicht kann es sehr nützlich und erhellend sein, sich mit dem eigenen Namen auseinander zu setzen. Auf der vordergründigen Ebene geraten Kinder oft in eine heftige Auseinandersetzung mit sich, ihren von den Eltern gegebenen Namen und Kosenamen und den mutmaßlichen versteckten Aufträgen und Erwartungen, die Eltern an ihre Namensgebung knüpften. Ganz viele Kinder machen eine Phase der Unzufriedenheit mit ihren Namen durch und sinnen auf Abänderung oder Erweiterung. Nicht Wenige empfinden ihren Namen bis ins hohe Erwachsenenalter als mehr oder minder schwere Bürde.

Ich habe es als eine interessante und der Vertiefung dienende Übung erlebt, unter PsychotherapeutInnen eine Vorstellungsrunde zu erleben, in der jede(r) etwas über seine(n) Vor- und Nachnamen sagte. Es kamen sehr viele differenzierte Gefühle und Gedanken zum Vorschein und bei diesen erwachsenen Menschen, die meist schon recht nahe an der Lebensmitte waren, auch sehr viel erarbeitetes Einverständnis mit ihrem Namen und ein vertieftes Verständnis.

Interessant fand ich bei der Beschäftigung mit Namen, dass z.B. die Kelten sich zu verschiedenen wichtigen Anlässen immer wieder neue, andere Namen gaben, sodass sie viele Namen besaßen, je nachdem, in welchem Kontext sie sich bewegten. So gab es spirituelle, geheime und auch Krieger-Namen. Wir wissen, dass der jüdische Gott (Jahwe, Elohim, Adonai) und auch der islamische Allah viele Namen hat und zwar ebenfalls geheime, unaussprechliche...

Den Namen zu kennen, zu wissen, wie und wann man ihn ausspricht, bedeutet auch rituelle, magische Macht. Diese ist mit großen Kräften und ebensolchen Gefahren verbunden. Namen gehorchen keinem Zufallsprinzip. Auch Eltern finden für ihre Kinder keine zufälligen Namen. Eine Auseinandersetzung mit einem archetypischen Lebensthema kann darin verborgen liegen. Andere suchen durch numerologische Zahlenwerte für die Buchstaben ihres Namens tiefere Bedeutungen zu erfahren.

Genauso legitim ist es, sich für neue Lebensthemen neue Namen wie ein neues Programm zu geben. In Miniaturform machen das Viele heutzutage für ihre Pseudonyme in verschiedenen Foren. Namen leben und lebten immer schon. Deshalb war es lebensfremd, als die Aufklärung in den Beamtenstaaten Österreich und Preußen ein bürokratisches Namensrecht erließen, in dem Verlangen, jeden Bürger lückenlos zu registrieren.

Ohne Namen und die zugeordneten biologischen (neuerdings) und soziologischen Eigenschaften hat man in den modernen Verwaltungsstaaten keine Identität. Menschen ohne Pässe gelten als "illigal" und werden allerlei Schikanen als Flüchtlinge und Asylbewerbern unterworfen. Aber auch "unbescholtenen Bürgern" wird von der Administration ein zu kreativer Umgang mit dem Namensrecht, z.B. hinsichtlich der Nach- und Familiennamen, nicht erlaubt. Die Amerikaner sind da trotz ihrer neuerlichen Terrorfurcht noch etwas liberaler.

Auch ich habe mich lange mit meinen Namen, insbesondere den Vornamen auseinander gesetzt. Mein Namenstagsbeitrag ist eine Frucht davon:

Zitat

Original von Michael
Michael: der Erzengel der Fragen...

Zitat

Original von Michael
Bis zum Ende der sechziger Jahre war der Gedenktag Gabriels (hebräisch: "Meine Stärke bist Gott") in der katholischen Kirche übrigens am 24.3. (heute) und erst danach kam er zu den übrigen Erzengeln (wie Michael) auf den 29.9., dem Namenstag, den Michael schon seit dem 5. Jh. hat. Nun teilen sich diesen die drei im Christentum bekannteren Erzengel eingeschlossen Raphael (früher 24.10.).

Heute am 29.9. ist der Namenstag der Erzengel Michael ( http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_%28Erzengel%29 ), Gabriel und Raphael. Obwohl ich die beiden Letztgenannten und auch Uriel (hebräisch: "Mein Licht ist Gott." Die Zahl der häufiger genannten vier und bis zu sieben Erzengel schwankt ( http://de.wikipedia.org/wiki/Erzengel ) sehr schätze, habe ich zu Michael ( http://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Michael.htm ) natürlich eine besondere Beziehung, trage ich doch dessen Namen.

Obwohl besonders Raphael (hebräisch: "Gott hat geheilt") ebenfalls als der "göttliche Arzt" im spirituellen Sinne gilt, hat doch auch der Erzengel Michael (hebräisch: "Wer ist wie Gott?") eine besondere Beziehung zur Heilkunde (siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_%28…29#Heilkundiger ). Er ist darüber hinaus der Seelenführer. Seine Person ist nach den verschiedenen jüdischen und christlichen (weniger islamischen) die Vieldeutigste und Schillernste unter den Erzengeln.

Michael steht mit der Farbe Rot unter anderem für die Energien des Feuers (Flammenschwert) und des Blutes. Die Darstellungen zeigen einen zwar ernsten, beherrschten bzw. beherrschenden Krieger, der aber voller Kraft und Temperament ist. In die "englischen Hierarchien" wird er ganz unterschiedlich eingereiht, mal an die Spitze als Engelsfürst und Führer der Heerscharen, mal nur als Anführer der untersten Engelshierarchie.

Jedenfalls ist Michael nach dem Empfinden der Menschen derjenige der namentlich herausragenden Engel, die dem Menschen und der von diesen bewohnten Erde von jeher am nächsten stand und somit tatsächlich eine Energie verkörpert, die die göttliche Dimension der irdischen entgegen bringt und umgekehrt, sie verbindet. Dabei muß er sich auch mit anderen, widerstrebenden Energien auseinander setzen, die z.B.mit dem so genannten Teufel symbolisiert werden. Michael sind die meisten christlichen Engelsheiligtümer geweiht, während der Islam durch die Verkündigungstätigkeit Gabriels eine tiefere Beziehung zu diesem Engel hat.

Obwohl man sich in unseren Breiten besonders im hohen, ritterlichen Mittelalter für den Erzengel Michael interessierte, sind seine Energien und sein Archetypus ein sehr modernes Konzept. Ab der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich der Name sehr stark verbreitet. Ich kenne sehr viele mit dem Namen Michael. Es scheint, als benötige besonders diese Zeit, in der es um Bewußtwerdung geht, um Transformation, diese Kraft.

Dies ist nicht nur ein scheinbar altertümliches und nicht nur ein christliches oder konservativ-kirchliches Konzept. Moderne Varianten des Christentums wie die anthroposophische Richtung ("Freie Christengemeinde"), die von der Theosophie her kam und auch eine westliche Verbindung zum östlichen Denken darstellte, schätzen die Michaelskraft sehr und geben ihr einen wichtigen Stellenwert im seelischen Weltengeschehen.

Was mir an diesem Engelsbild des Erzengel Michael so besonders gefällt und was ihn jedenfalls für mich dem Menschen so annähert, ist seine Dialektik: Er ist der einzige bekannte Engel, dessen Name eine Frage ist: Die Frage nach der Göttlichkeit. Die dialogische Beziehung zwischen dem Göttlichen und dem Menschen könnte in Frageform stattfinden: Der Mensch fragt nach Gott und Gott fragt nach dem Menschen. Der Erzengel fragt, wer ist wie Gott? Sind Fragen nicht manchmal wichtiger als Antworten?

LG, Michael


Der Name "Michael" machte mir anfangs als Schüler schon Kopfzerbrechen, weil sich doch fast immer mehrere angesprochen fühlten, wenn ich in Klassen oder Gleichaltrigengruppen saß: Es gab und gibt einfach ziemlich viele Michaels in meiner Altersgruppe. In einer meiner früheren Kliniken arbeiten drei gleichzeitig in der Kinderklinik und in meiner jetzigen sind es zwei, kurzzeitig sogar durch eine Praktikantin "Michaela" verstärkt. Inzwischen freut mich das.

Weniger einfach hatte ich es mit dem katholischen Namenszusatz "Maria", den meine Eltern hinter jeden Vornamen ihrer Söhne setzten. Ich dachte als kleiner Junge, warum es nicht Mario hieß? Ein Mädchenname an einem Jungennamen: Das ließ mich nicht nur zweifeln, sondern verzweifeln, wenn MitschülerInnen nach der Bedeutung des Michael M. F. auf dem Stempel, den mein Vater mir anfertigen ließ, fragten. Später machte ich selbstironisch und verschleiernd "Michael Maximillian Ferdinand" daraus.

Aber M.M.F. stand für "Michael Maria Fatima". Meine sehr katholisch erzogenen Eltern gaben damit der Bedeutung der Maria im Katholizismus und in ihren Auffassungen und mein Vater der persönlichen Bedeutung seiner spanischen Erfahrungen und des Marien-Erscheinungsortes Fatima Ausdruck. Natürlich nennt man den Erscheinungsort einer Marienerscheinung nur bei den spanischen oder portugiesischen Marien mit, nicht bei den katholischen Männern mit dem Beinamen Maria. Aber da war mein Vater etwas eigen.

Später konnte ich mich von diesen für mich zu engen Vorstellungen lösen und eine eigene Beziehung zu dieser Namenswahl herstellen. Ich freute mich über den allumfassenden Ausdruck, da man Maria auch als die weibliche Seite Gottes sehen konnte und Fatima verband mich nicht nur mit einem Heilsgeheimnis, sondern auch mit einer für mich zum Teil noch sehr fremden, islamischen Welt, sodass alle monotheistischen Religionen sich in dem Namen Michael Maria Fatima wiederfanden... Und die Beziehung zum Islam fand ich nur über einige sehr einfühlsame biografische Notizen über Mohamed, Ali und über Sufi-Geschichten und nicht über die Gesamtheit des Koran. Namen und Personen eben, die mir wichtig erschienen.

Vielleicht haben ja auch noch andere bedeutende persönliche Erfahrungen mit ihrem Namen gemacht und wollen uns daran teilhaben lassen. Vielleicht haben sich ihnen auch inner und äußere Dimensionen und Bezugpunkte erschlossen und sie konnten sich von ihren Eltern ersprürten Aufträgen und Verpflichtungen lösen und ihr eigenes Ich, ihre Identität und ihre Lebensaufgabe finden.

LG, Michael
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Freitag, 10. Oktober 2008, 09:24

Geistige Kräfte - namhaft gemachte Energien - am Beispiel der "Erzengel"

In den meisten esoterischen Traditionen der Religionen gibt es die Überzeugung von der Existenz geistiger Energien und göttlicher Kräfte, die hinter bestimmten "Personen", die als geschaffen vorgestellt werden, stehen, z.B. hinter Engeln, von denen Einzelne einen Namen bekommen haben. Im christlich gefärbten theologischen Gebäudes des Anthroposophen Rudolph Steiner gibt es allerdings auch z.B. eine "Christus-Energie", für die die göttliche Person Jesus Christus stehen soll. Die Dinge sind mitunter ziemlich kompliziert. Im Nachdenken über die so genannten "Erzengel" der drei monotheistischen Religionen kamen mir etwas vereinfachte Bedeutungen über die von diesen repräsentierten Energien in den Sinn. Danach steht der Erzengel Gabriel, der Verkünder, analog christlicher und vor allem islamischer Traditionen für den göttlichen Geist, die Inspiration, den Logos des Johannes. Uriel, das Licht Gottes, der gottgefällige Lichtträger, repräsentiert den Urstoff, aus denen man sich die Engel mit ihrem feinstofflichen Körper gemacht vorstellt. Es ist die Energie des Urbeginns, die alles durchflutet und verwandelt. Michael hütet die Seelen und ist zuständig für den emotionalen Bereich, in dem der Mensch seine unvergänglichen Erfahrungen macht, verarbeitet und speichert. Mit dieser „Seele“ verbindet er seinen unsterblichen Geist mit seinem sterblichen Körper. Die formbare, „geschaffene“ Seele ist an allen „Übergängen“ beteiligt, besonders den Geburts- und Sterbeprozessen und steht hier unter der Energie der „Michaelskraft“. Mit ihr kommt der Mensch ins materielle Leben und wieder hinaus. Im irdischen Bereich steht dem Seelenhüter für die Sorge um den Körper und die leibnahen Empfindungen die große innere Heilkraft für die irdischen Schwingungen zur Seite, der Arzt für den Körper und die körpergebundene Psyche, Raphael, der „göttliche Arzt“. Somit wäre eine vereinfachte Zuordnung zumindest dieser vier namhaften Erzengel entsprechend der von ihnen repräsentierten geistigen Kräfte und Energiebereiche: Gabriel-Geist, Uriel-Lichtenergie, Michael-Seele (geistnah, „unvergänglich“), Raphael-Körper (und leibnahe Seelenkräfte, vergänglich). Mittels dieser Kraftprinzipien geschieht unter anderem „Inkarnation“, d.h. Erdgeburt des Geistes.

LG, Michael
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3

Freitag, 17. Oktober 2008, 11:41

Hallo,

das ist ein interessantes Thema. Ich kenne eine Frau, die ihren Vornamen ändern lassen hat (im Pass). Sie hatte vorher den Namen Ingrid und heißt jetzt Anja. Wir haben sie aber trotzdem immer weiter Ingrid gerufen. :D

Liebe Grüße,
Ronja

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4

Samstag, 18. Oktober 2008, 23:49

Maria - die weibliche Seite Gottes

Zitat

Original von Ronja
Hallo,

das ist ein interessantes Thema. Ich kenne eine Frau, die ihren Vornamen ändern lassen hat (im Pass). Sie hatte vorher den Namen Ingrid und heißt jetzt Anja. Wir haben sie aber trotzdem immer weiter Ingrid gerufen. :D

Liebe Grüße,
Ronja

Das kommt ja nicht so häufig vor. Eher ändert jemand seinen Familiennamen. Meist hat er dafür subjektiv gute Gründe. Daher respektiere ich dies und bemühe mich dann, mir den neuen Namen einzuprägen. Dein Bericht klingt so, als würdet Ihr die Änderung und den Wunsch der Frau, anders zu heißen, absichtlich ignorieren. Kennst Du die Gründe für die Namensänderung?

Der Name "Ingrid" entstand aus der Zusammensetzung der altnordischen Worte „ingwia“ (dem Stammes- bzw. Regengott Ingwio geweiht) bzw. „friðr“ (Schönheit). Der weibliche Vorname "Anja" ist eine russische Koseform von Anna/Anne. Er bedeutet übersetzt Gnade bzw die Begnadete. Könnte schon sein, dass neben persönlichen, lebensgeschichtlichen Gründen manche lieber eine Gnädige oder Begnadete sein möchte, als eine hübsche Regengöttin, jedenfalls in unseren Breiten ;).

In einem Buch über keltischen Schamanismus las ich einmal, dass sich Menschen im keltischen Kulturkreis früher viele Namen geben konnten. Sie hatten einen Namen, den man ihnen nach der Geburt verliehen hatte. Später kamen Ehrennamen hinzu, Sippen- und Clannamen, Namen anläßlich des Eintritts in bestimmte initiatorische Gemeinschaften, Kriegernamen und geheime spirituelle Namen, die nur der Träger selbst kannte. Heutzutage kann man sich in vielen Internetforen unterschiedliche Namen und Identitäten zulegen.

Meine Eltern gaben jedem ihrer vier Söhne nach einer katholischen Sitte den Beinamen "Maria" mit und meinen drei Brüdern noch einen zweiten Namen. Wir zogen uns damit auf, indem wir uns mit vollständigen Namen nannten. Mir war es als kleiner Junge peinlich, einen weiblichen Vornamen zu tragen und ich fragte mich, warum man mich nicht wenigstens mit zweitem Namen "Mario" genannt hatte. Mein Vater machte mir soger einen Stempel mit der dem Namen "Michael M. F." - "Michael Maria Fatima". Ich fand es entsetzlich.

Später erklärter er einmal seine Faszination für Maria, für die "Gottesmutter", wie für die angebliche Sünderin und vorallem Freundin Jesu, "Maria Magdalena", die Maria aus Magdala: Maria repräsentiere, wenn auch katholisch zurechtgestutzt, die weibliche Seite Gottes, die große Göttin in vorchristlicher Zeit. Das versöhnte mich mit der Idee, von zwei Vornamen eben auch einen weiblichen Vornamen zu haben: In gewisser Weise drückte diese Benennung Ganzheit aus, indem zu dem männlichen Vornamen eines göttlich inspirierten Geistwesens der Weibliche einer irdisch-mütterlichen Seite des göttlichen Wesens trat.

LG, Michael Maria
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5

Sonntag, 19. Oktober 2008, 17:52

Hallo Michael,

damals war ich noch ein Kind als die Namensänderung stattfand. Ihr war es wichtig, dass auf dem Papier der Name Anja stand.

Ich habe jetzt selbst noch einmal gegoogelt.

Anja ist hebräisch und bedeutet "die Anmutige".

Den Namen Ingrid hatte ihr Vater damals ausgesucht. Der Vater war ein "Nazityp" und redete immer von den "Hitlerzeiten". Sie hat sich nie mit ihrem Vater verstanden. Sie hat ihren Glauben geändert und sich dem Thema Israel zugewandt. Sie lernte hebräisch und ging in die Synagoge und fühlte sich den Juden nahe.

Deswegen wohl auch die Namensänderung.

Liebe Grüße,
Ronja

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6

Sonntag, 19. Oktober 2008, 19:50

Ererbte Schuld und Scham: die über Generationen reichenden Folgen von Nazi-Unrecht

Zitat

Original von Ronja
Hallo Michael,

damals war ich noch ein Kind als die Namensänderung stattfand. Ihr war es wichtig, dass auf dem Papier der Name Anja stand.


Es muss eine sehr starke Veranlassung dafür gegeben haben, wenn Deine Bekannte schon im Kindes-/Jugenalter auf eine offizielle Namensänderung bestand.

Zitat

Original von Ronja

Ich habe jetzt selbst noch einmal gegoogelt.

Anja ist hebräisch und bedeutet "die Anmutige"

Zitat

Original von Michael

Der weibliche Vorname "Anja" ist eine russische Koseform von Anna/Anne. Er bedeutet übersetzt Gnade bzw die Begnadete.


Das stimmt: Anja ist eine russische Koseform von Anna und Anna kommt aus dem Hebräischen: [URL=http://www.vorname.com/name,Anja.html]"Channah"[/URL] = die Gnade. Anna war ja die Mutter Marias. Die Russen, die ja vor der Oktoberrevolution gläubige orthodoxe Christen waren, haben viele Namen aus der Bibel übernommen.

Zitat

Original von Ronja

Den Namen Ingrid hatte ihr Vater damals ausgesucht. Der Vater war ein "Nazityp" und redete immer von den "Hitlerzeiten". Sie hat sich nie mit ihrem Vater verstanden. Sie hat ihren Glauben geändert und sich dem Thema Israel zugewandt. Sie lernte hebräisch und ging in die Synagoge und fühlte sich den Juden nahe.

Deswegen wohl auch die Namensänderung.

Liebe Grüße,
Ronja

Deine Erklärung macht die Sache verständlich. Deiner Bekannten behagte Ihr Name nicht, weil er eine Mitgift ihres ungeliebten Vaters war und weil er durch die Haltung des Vaters und das Zerwürfnis zwischen ihr und ihm ideologisch vergiftet war. Abgesehen von der Namensänderung, die das Sicht- oder Hörbare in das Vergessen verdrängen kann, hoffe ich für sie, dass sie einen anderen Weg der Versöhnung mit ihrer Herkunft, ihrem Stammbaum finden kann oder bereits finden konnte. Ja, Namen haen so viel mit unserer Identitätsfindung zu tun und verweisen auf unsere Namensgeber, dass sie sehr viele unterschwellige Botschaften für uns transportieren können, die weit üer eine allgemeine Namensbedeutung hinaus gehen.

Anläßlich der Begründung für die Namensänderung der Bekannten noch ein kleiner Ausflug zum Thema ererbte Schuld und Scham: Nazi-Eltern und Großeltern haben ihren Kindern und Enkeln eine große Belastung hinterlassen. Leider ist das Schuldkonzept hier wieder einmal völlig unzulänglich. Wenn es überhaupt anwendbar ist, dann nur hinsichtlich einer persönlichen Verantwortung für eigene Handlungen und Gedanken. Eine kollektive Schuld ist unsinnig. Wie unsinnig das Schuldkonzept an sich ist, sieht man ausgerechnet bei den Opfern. KZ-Überlebende fühlten sich vielfach dafür schuldig, das Grauen überlebt zu haben. Abgesehen von den Qualen durch die unvergänglichen Bildern des Grauens machte das Gewissen einen Kurzschluss: Wenn soviele "Gerechte" starben, wieso sie nicht? Hatten sie Schuld auf sich geladen, insgeheim unwissentlich kollaboriert? Warum waren ihre Eltern, Kinder, Verwandte, Freunde, Mitbürger umgebracht worden und nicht sie? Das konnten sie nicht fassen.

Diese unheimliche Schuldbelastung, dieses absurde schlechte Gewissen belastete die Überlebenden der Holocaust-Generation so sehr mit Scham, dass es ein weiterer Grund neben dem Wunsch nach Vergessen und Verdrängen war, mit Niemandem, schon gar nicht Ehepartnern oder Kindern, darüber zu reden. Waren die Holocaustüberlebenden schon an der Seele krank, so waren es deren Kinder und Enkel am Ende durch dieses Schweigen, weil hier Persönlichkeitsanteile wichtiger Bezugspersonen durch das Trauma totgestellt waren. Die Nachkommen wurden durch Gefühl- und Sprachlosigkeit in diesem Bereich unwissentlich ebenfalls traumatisiert.

Man weiß das heute sehr gut. Kinder und Enkel von Holocaustüberlebenden wurden untersucht und man findet heute Parallelen bei modernen Kriegs- und Folteropfern, Opfern von Massenvergewaltigungen und Zwangsrekrutierungen z.B. als Kindersoldaten. Erst in jüngerer Zeit sprechen Frauen von Vergewaltigungen, die sie während oder am Ende des 2. Weltkrieges als Besatzungsopfer durch fremde Soldaten erlitten haben. Aus ideologischen Gründen durfte z.B. in der DDR nicht über Übergriffe russischer Soldaten nach deren Einmarsch geredet werden. Meiner Großmutter ist solches nach Ihrer Vertreibung aus dem Sudetenland während eines Lageraufenthaltes mit ihren Kindern in Thüringen, wo sie Zwangsarbeit leisten musste, passiert.

Kinder von Nazis erlebten Ähnliches hinsichtlich Scham und Sprachlosigkeit. Die Täter, die bekannt waren, verursachten bei ihren Nachkommen oft Grauen, Abneigung und Scham und wenn sie, ob Täter oder Mitläufer, über ihre Vergangenheit schweigen und ebenfalls Teile ihrer Seele totstellen, erleben die Nachkommen und Angehörigen diesen Mangel ebenfalls und kommen in Konflikt mit der Sprachlosigkeit. Das hat den durchaus umstrittenen Bert Hellinger veranlasst, über Familienaufstellungen zu versuchen, diese alten Beziehungsnarben, die auch zu individuellen Wunden geführt haben, zu heilen und er hat dabei u.a. mit Nazi-Nachkommen gearbeitet. Es war ihm dabei ein Anliegen, auch Täter und Opfer bzw. deren Nachkommen miteinander zu versöhnen, eine schier unendliche Aufgabe, die ihm auch sehr viel Kritik eingebracht hat, wobei weniger die Absicht als vorallem die Methode die Mißbilligung hervorrief.

LG, Michael
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7

Sonntag, 19. Oktober 2008, 22:30

Hallo,

ich habe mich oben etwas mißverständlich ausgedrückt. Ich war im Kindesalter und die Person, die den Namen geändert hatte, war schon eine erwachsene Frau. Es war die Mutter meiner damaligen besten Freundin. Die Kinder von ihr sind übrigens dann tatsächlich eine Zeitlang nach Israel ausgewandert. Und als meine Freundin dort in Israel unterwegs war, da wurde sie für eine Russin gehalten, obwohl sie eine Deutsche war. Ihr Vorteil war, dass sie gut hebräisch sprach, so dass es keine Konflikte gab. ;) Das war alles sehr interessant, was sie dort erlebt hatte. Da fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Ihre Schwester hatte dort geheiratet, obwohl die Eltern von ihrem Mann dagegen waren. Dann hat sie ihn nach Deutschland mitgenommen und wurde hier in Deutschland beschimpft wegen dem Nachnamen. Einige Zeit später trennte sie sich von ihm. Ich weiß jetzt nicht, ob sie wieder ihren Mädchennamen angenommen hat, da ich zu der Familie keinen Kontakt mehr habe.

Liebe Grüße,
Ronja

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8

Dienstag, 21. Oktober 2008, 23:00

Eine spannende Geschichte von Identität, Heimat und Namen!

Zitat

Original von Ronja
Hallo,

ich habe mich oben etwas mißverständlich ausgedrückt. Ich war im Kindesalter und die Person, die den Namen geändert hatte, war schon eine erwachsene Frau. Es war die Mutter meiner damaligen besten Freundin.


Insofern kanntest Du die Mutter Deiner Freundin erst unter einem anderen Namen, bevor sie ihn geändert hat. Das war wahrscheinlich komisch für Dich und auch Deine Freundin, auch wenn sie ihre Mutter vermutlich nicht beim Vornamen genannt hat. Mit dem Namenswechsel war ja ein Identitätswechsel verbunden und gewollt und ob das Kindern immer so plausibel wird? Nicht zufällig oder böswillig benutztet Ihr ja den alten Namen.

Zitat

Original von Ronja

Die Kinder von ihr sind übrigens dann tatsächlich eine Zeitlang nach Israel ausgewandert. Und als meine Freundin dort in Israel unterwegs war, da wurde sie für eine Russin gehalten, obwohl sie eine Deutsche war. Ihr Vorteil war, dass sie gut hebräisch sprach, so dass es keine Konflikte gab. ;) Das war alles sehr interessant, was sie dort erlebt hatte. Da fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Ihre Schwester hatte dort geheiratet, obwohl die Eltern von ihrem Mann dagegen waren. Dann hat sie ihn nach Deutschland mitgenommen und wurde hier in Deutschland beschimpft wegen dem Nachnamen. Einige Zeit später trennte sie sich von ihm. Ich weiß jetzt nicht, ob sie wieder ihren Mädchennamen angenommen hat, da ich zu der Familie keinen Kontakt mehr habe.

Liebe Grüße,
Ronja


Eine spannende Geschichte von Identität, Heimat und Namen! Es ist natürlich rein spekulativ, aber es klingt fast so, als hätte die Mutter Deiner Freundin, die diese Nazibelastung in ihrer Familie durch ihren Vater hatte, mit ihrer Hinwendung zum Judentum und ihrer Ausreise nach Israel bewußt oder unbewußt eine Art persönlicher Wiedergutmachung leisten wollen. Eine Tochter von ihr hatte sich dann sogar in Israel verheiratet und den Mann und den fremden Familiennamen dann mit zurück nach Deutschland gebracht, wo sie Anfeindung erlebte und sich später trennte. Ob es da eine zu große Hypothek gab, die dem Glück im Wege stand?

LG, Michael
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9

Mittwoch, 22. Oktober 2008, 11:50

RE: Eine spannende Geschichte von Identität, Heimat und Namen!

Zitat

Original von Michael
...als hätte die Mutter Deiner Freundin, die diese Nazibelastung in ihrer Familie durch ihren Vater hatte, mit ihrer Hinwendung zum Judentum und ihrer Ausreise nach Israel bewußt oder unbewußt eine Art persönlicher Wiedergutmachung leisten wollen. Eine Tochter von ihr hatte sich dann sogar in Israel verheiratet und den Mann und den fremden Familiennamen dann mit zurück nach Deutschland gebracht, wo sie Anfeindung erlebte und sich später trennte. Ob es da eine zu große Hypothek gab, die dem Glück im Wege stand?


Hallo Michael,

die Mutter ist nie nach Israel ausgewandert. Meine Freundin ist schon sehr früh von zu Hause ausgezogen. Da war sie noch minderjährig (um die 14 Jahre alt) und ging zur Schule. Sie ist mit einem jungen Mann (Perser) zusammengezogen. Als diese Beziehung nach ein paar Jahren auseinander ging (vor allem wegen seiner Famiie) hat sie während eines Urlaubes in Israel einen Mann kennengelernt. Kurze Zeit später ist sie dorthin gezogen.
Sie lebte aber glaube ich nicht mit ihm zusammen sondern in einer Wohngemeinschaft. Gearbeitet hatte sie dort auch, da sie sprachbegabt war. Eine Ausbildung hatte sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie ist nach ca. 2 Jahren wieder nach Deutschland gezogen, da sie sich um ihre Großeltern kümmern wollte. Währenddessen hatte ihre Schwester bei einem Besuch in Israel einen jungen Mann kennengelernt. Das war damals ein riesiges Hin und Her, zumal sie auch nicht volljährig war oder kurz davor stand. Die Schwester von meiner Freundin hatte schon sehr früh in der Kindheit eine Therapie bekommen, da sie verhaltensuaffällig war. Sie fing auch an, Marihuana zu rauchen und später kam noch Alkohol dazu. Der Opa war übrigens auch Alkoholiker und lebte in seiner Welt. Da habe ich es immer bewundert, dass meine Freundin bei dem ganzen Familienchaos ruhig blieb und ihren Weg ging. Sie hat in Deutschland ihr Abitur nachgemacht und fing an zu studieren. Dann bekam sie ein Kind von einem Türken. Das haben die Großeltern aber nicht mehr miterlebt.

Liebe Grüße,
Ronja

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Mittwoch, 22. Oktober 2008, 17:01

RE: Eine spannende Geschichte von Identität, Heimat und Namen!

Zitat

Original von Ronja

Zitat

Original von Michael
...als hätte die Mutter Deiner Freundin, die diese Nazibelastung in ihrer Familie durch ihren Vater hatte, mit ihrer Hinwendung zum Judentum und ihrer Ausreise nach Israel bewußt oder unbewußt eine Art persönlicher Wiedergutmachung leisten wollen. Eine Tochter von ihr hatte sich dann sogar in Israel verheiratet und den Mann und den fremden Familiennamen dann mit zurück nach Deutschland gebracht, wo sie Anfeindung erlebte und sich später trennte. Ob es da eine zu große Hypothek gab, die dem Glück im Wege stand?


Hallo Michael,

die Mutter ist nie nach Israel ausgewandert.


Stimmt, Ronja, das hattest Du nicht geschrieben und ich hatte es mißverstanden. Eventuell hatte sie ihren Wiedergutmachungsauftrag unbewußt an ihre Kinder delegiert, die ihn dann in sehr eigentümlicher Weise umgesetzt haben - auf ihre Art. Es ist manchmal schon sehr sehr spannend, sich solche Familiensysteme anzuschauen oder sie gar aufzustellen. Es ist ja wirklich eine bewundernswerte Geschichte.

Übrigens sieht man da meiner Meinung nach auch die Grenzen und Möglichkeiten der Beeinflussung. Als Großeltern und Eltern können wir manchmal Einfluss auf die Haltungen, Meinungen und Entwicklungen unserer Kinder und Enkel nehmen, doch sehr oft nicht direkt. Es kann sein, dass sie Manches übernehmen, auch wenn sie es in einer Phase der Rebellion und des Kampfes um Autonomie strikt abgelehnt haben. Es kann sein, dass sie dann fast das genaue Gegenteil machen. Doch das Familienthema bleibt oft und sei es unterschwellig irgendwie lebendig...

Manche sagen sogar, dass jemand oder eine ganze Familie von einem Thema oder einem Ziel regelrecht besessen ist. Redfield hat sich in seinen Geschichten um das Geheimnis von Celestine u. a. auch mit solchen Dingen beschäftigt und ging von jenseitigen "Seelenfamilien" aus, aus deren "Pool" es immer wieder zu Wiedergeburten um einen Aufgaben oder Familienkomplex kommt und die ihre inkarnierten Seelen unterstützen. Sieht man es vom diesseitigen Standpunkt und beurteilt man diese "Unterstützung" als negative Beeinflussung ev. sogar mit egoistischen Motiven des Abgelebten, sprechen manche von "Besetzung".

Namen sind dabei auch eine Art Programm und tatsächlich werden Stammlinien auch mnit Namenslinien verknüpft. Die Psychologie hat darauf reagiert, dass sie nicht nur die Individualgeschichte psychoanalytisch erforscht, sondern über tiefenpsychologische Aspekte das aktuelle Verwandschaftssystem genauso berücksichtigt, wie inzwischen das Vergangene. Heute gibt es viele Psychologen, die spirituelle Aspekte bishin zum Wiedergeburtsgedanken einbeziehen und diese Bereiche wie überhaupt die abgelebte Vergangenheit in ihren Aufstellungen berücksichtigen.

Zitat

Original von Ronja

Meine Freundin ist schon sehr früh von zu Hause ausgezogen. Da war sie noch minderjährig (um die 14 Jahre alt) und ging zur Schule. Sie ist mit einem jungen Mann (Perser) zusammengezogen. Als diese Beziehung nach ein paar Jahren auseinander ging (vor allem wegen seiner Famiie) hat sie während eines Urlaubes in Israel einen Mann kennengelernt. Kurze Zeit später ist sie dorthin gezogen.
Sie lebte aber glaube ich nicht mit ihm zusammen sondern in einer Wohngemeinschaft. Gearbeitet hatte sie dort auch, da sie sprachbegabt war. Eine Ausbildung hatte sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie ist nach ca. 2 Jahren wieder nach Deutschland gezogen, da sie sich um ihre Großeltern kümmern wollte. Währenddessen hatte ihre Schwester bei einem Besuch in Israel einen jungen Mann kennengelernt. Das war damals ein riesiges Hin und Her, zumal sie auch nicht volljährig war oder kurz davor stand. Die Schwester von meiner Freundin hatte schon sehr früh in der Kindheit eine Therapie bekommen, da sie verhaltensuaffällig war. Sie fing auch an, Marihuana zu rauchen und später kam noch Alkohol dazu. Der Opa war übrigens auch Alkoholiker und lebte in seiner Welt. Da habe ich es immer bewundert, dass meine Freundin bei dem ganzen Familienchaos ruhig blieb und ihren Weg ging. Sie hat in Deutschland ihr Abitur nachgemacht und fing an zu studieren. Dann bekam sie ein Kind von einem Türken. Das haben die Großeltern aber nicht mehr miterlebt.

Liebe Grüße,
Ronja


Vielen Dank, dass Du uns an dieser bemerkenswerten Familiengeschichte etwas Anteil nehmen ließest. Vielleicht hat es Dich ein wenig entlastet, diese Turbulenzen um Deine Freundin und deren Familie nicht mehr miterleben zu müssen, vielleicht ist es auch schade, den Kontakt verloren zu haben und nichts mehr von den Menschen zu hören, an deren Schicksal man so lange Anteil genommen hat? Auf jeden Fall scheint Deine frühere Freundin das Potential gehabt zu haben, ihren Weg zu gehen und man mag ihr wünschen, dass es ihr gut geht.

LG, Michael
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Mittwoch, 29. September 2010, 21:47

Das Ringen der Mächte des Lichts

Zitat

Original von Michael

Heute am 29.9. ist der Namenstag der Erzengel Michael ( http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_%28Erzengel%29 ), Gabriel und Raphael. Obwohl ich die beiden Letztgenannten und auch Uriel (hebräisch: "Mein Licht ist Gott." Die Zahl der häufiger genannten vier und bis zu sieben Erzengel schwankt ( http://de.wikipedia.org/wiki/Erzengel ) sehr schätze, habe ich zu Michael ( http://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Michael.htm ) natürlich eine besondere Beziehung, trage ich doch dessen Namen.


Der dunkle Engel
und der lichte Engel
ringen lange miteinander
bis zum Ende der Tage.
Und im letzten Licht
des letzten Sonnenuntergangs
erscheint der feurige Engel
und stellt die Frage:
Wer ist wie Gott?

Michael
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Samstag, 29. September 2012, 12:39

"Geflügelte" Botschafter

Als ein Körnchen menschlichen Geistes aus dem Auge des Jägers blickte, schaute er nicht mehr nur auf das Wild, während seine Fußsohlen den Erdboden spürten. Er lenkte seinen Blick nun auch in den Himmel. Er nahm Verbindung auf zu einer kosmischen Kraft, die nicht nur aus der Erde wuchs, sondern sich mit dieser vermählte und die kosmischen Körper einlud, Spalier zu stehen für die göttliche Befruchtung durch den noch namenlosen Geist.

Der intuitive Mensch gab diesen Kräften viele Namen und ersann Kulturheroen und Götter. Wo die Erde ihre Kraft sichtbar an den Tag brachte und zum Licht hervorsprudeln ließ, warme Quellen, heißes Magma, betörende Dämpfe, vermutete der Mensch eine göttliche Heilkraft, die sowohl aus Mutter Erde stieg wie von den himmlischen Gestirnen inspiriert und rhythmisiert wurde. Der Mensch suchte forschend noch und fühlend den Einklang mit den natürlichen Zyklen wieder zu finden, die sein erwachender Geist sowohl zu erkennen glaubte wie er sich auch schon im Augenblick des Erkennens verlor.

Aus dem intuitiven Menschen wurde der erkennende Mensch und seine Fühlbilder wurden immer abstrakter. Fortan benötigte sein Vorstellung klarere Bilder, um die einst natürlich gespürten Kräfte zu visualisieren und in sich auf zu nehmen. Ein einfaches Spüren und Fühlen war schwieriger geworden und die Vorstellungen des Geistes wollten mitgenommen werden und der menschliche Geist wollte alles umfassen. Das umfassende Geistige schien dem entgegen kommen zu wollen, so dünkte es den ersten spirituellen Suchern und das Göttliche schien leibhaftige Botschafter aus leichtestem, himmlischen Stoff in die Sphären des Menschenlebens zu entsenden.

Diese Botschafter waren für die Menschen, die begannen, sich tiefer in ihre Seele zu versenken, sodass Ahnen und grobe, menschliche Götter, Heroen und Titanen dem verfeinerten Menschengeist nicht mehr hinreichten, immer subtiler und feinstofflicher, doch ebenfalls mächtig und durchdringend. Englische Wesen von großem, kosmischen Einfluss und mit Macht und Herrlichkeit ausgestattet, umflogen die Krone göttlicher Geistigkeit und konnten die Erde auf einem Flügel tragen und mit ihm beschirmen. Auf Bergen und hervorragenden Landmarken, in Feuersäulen und heißen Quellen begegneten die Menschen den feurigen Geistern und suchten einen neuen inneren Ausgleich zwischen Verderben und Vergöttlichung in einer Heilkunde nach dem Maße des dreieinigen Menschen.

Der dreieinige Mensch aus Geist, Seele und Körper, der seine beginnende Zersplitterung bemerkte und sich bewusst nach der Einheit zu sehnen begann, bedurfte der Mystik und der himmlischen Botschafter wie er auch der Mutter Erde bedurfte und der warmen Gemeinschaft mit sich und Seinesgleichen. Die soziale Erschaffung menschlicher Kulturen erfolgte nicht friedfertig durch die nacheiszeitlichen Jäger und megalithischen Bauern und bedurfte der schützenden, verständigen, mächtigen Ordnungsmächte und Botschafter des Göttlichen, um aus der Jagd unter Ihresgleichen mit Mord- und Totschlag die ersten sozialen Gebilde zu konzipieren, die über Familie und Sippschaft hinaus wuchsen und mehr Leben als Tod spendeten.

Als sich diese sowohl friedfertig wachsenden wie gewalttätig nach innen und außen wuchernden Gebilde konsolidierten, verschwanden und wieder erschienen, um sich schließlich noch großartiger zusammen zu tun und bei all ihrer wachsenden Mächtigkeit zu verfeinern, wurden weiterhin kosmische Bindeglieder gesucht, um Sinn zu stiften und zu empfangen, denn dass unmittelbare Fühlen und das Gebet der guten Tat war längst abhanden gekommen in Sozialkörpern, die sich so spezialisierten, dass jedem Einzelnen das Fühlen und sogar das Denken zum immer größeren Teil von Priestern und Herrschern abgenommen war.

Doch die guten Kräfte des Menschseins und des Göttlichen, der göttlichen Mutter und des göttlichen Vaters schienen weniger in den einzelnen Menschen und auch nicht mehr nur in ihren priesterköniglichen, vergöttlichten Herrschern vorhanden zu sein, sondern gleichsam durch die Botschafterkräfte zwischen dem oft immer ferner gedachten Göttlichen und dem Irdisch-Menschlichen zu oszillieren. Die Vorstellung von Engelswesen, die den Menschen ähnelten, aber Gott nahe standen und zwischen seinem Geist und der menschlichen Physis stehend das Seelische dem Geist entgegen hoben, entwickelte sich in den verschiedenen Hochkulturen.

Und so sind nun die Kräfte, die mit Engelsnamen benannt werden und die Erde an ihrem Ort im Kosmos zu durchdringen scheinen, erneut in Bilder gebannt worden, damit der Mensch, der den Geist zur Ratio verkleinerte, noch Zugang findet zum Numinosen und Wunderbaren, dass er kaum noch an sich fühlen und erkennen kann, je mehr er rechnet, plant, konstruiert und denkt. Das Undenkbare findet seinen Weg nur noch in Bildern und Träumen zu uns, doch es lässt nicht von uns ab, auch wenn das Tagesbewusstsein davon nichts zu wissen vermag, ohne in seiner Skepsis zu spotten und sich seines Glaubens zu schämen.

Heute am 29. September ist wieder der Tag aller Erzengel und Engel in den christlichen Kirchen. Der Ursprünge dieser Mächte und ihrer Verehrung sind sie sich zumeist nicht bewusst und betonen wie die Menschen ohne Kirche und Glaube eigentlich mehr die Unvereinbarkeit von Wissen, Glauben und Fühlen, von Geist, Seele und Körper. Da die Menschen auf dem Wege zur Entwicklung ihres Verstandes das Feuer aus dem Himmel und aus der Erde domestiziert zu haben glauben, haben sie die tiefe Intuition und die hohe Inspiration auf ein Minimum reduziert.

Hier nun setzt die Aufgabe der Bilder von unseren geflügelten Botschaftern zwischen dem Göttlichen, dem ewigen Geist, der Erde, unserem Körper und dem Bindeglied, unserer Seele ein, eine Aufgabe, die mehr von den unbewussten Anteilen erfasst wird, sodass sich die Botschafterbilder in diesem Bereich festsetzen und wirken. Hier und nur hier kann noch harmonisiert und geheilt und der Mensch in seiner Seele mit allem verbunden werden und bleiben, sodass "Raphael" Körper und Erde heilt, "Michael" die Seele schützt und ebenfalls heilend erhebt, "Uriel" die Energie und das Licht in uns harmonisiert und "Gabriel" unseren Geist belehrt und unterrichtet und uns Anschluss an die hintergründigsten Wahrheiten vermittelt.

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)