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1

Sonntag, 13. November 2005, 00:45

Macht unser Schulsystem "krank"? Und wie können wir umsteuern?

Liebe ForumsleserInnen,

dies soll keine Einladung zum populistischen Schlagabtausch werden, sondern zum Nachdenken über persönlich gangbare Alternativen.

Unsere Schulen sollen die Kinder für das Leben und diese Gesellschaft ausbilden. Aber wir wissen selbst nicht, wie das Leben bei uns in zehn Jahren aussieht, welche Jobs dann gefragt sind und ob, wie ein niedergelassener Facharzt unlängst meinte, dann noch Arztpraxen im Land stehen. Dennoch üben wir manchmal als Eltern, Lehrer, Kinderärzte und Therapeuten einen unheimlichen Anpassungsdruck auf unsere Kinder aus und machen ihnen Angst, dass sie nur mit diesen oder jenen Schulabschlüssen, Wissen und Fähigkeiten eine Chance hätten. Schon heute finden ältere und "überqualifizierte" Arbeitslose genauso wenig Arbeit, wie unqualifizierte...

Lehrer, Eltern, Kinder haben Angst vor der Zukunft. Man verlangt von einander immer mehr, hat höhere Erwartungen an Engagement und Interesse für die Schule. Der Druck steigt auf alle gleichermassen. Lehrer klagen über "Burnout" und Eltern, Eltern über Doppelbelastungen und über Lehrer, beide über die Kinder und diese über Kopf- und Bauchschmerzen, Schulunlust und -frust sowie über ein sich verschärfendes Klima der Mißgunst und Gewalt untereinander.

So rückt schon seit einiger Zeit ein steter Bevölkerungsanteil den Therapeuten und Kinderpsychiatern auf die Pelle: Drohendes Schulversagen mit depressiven Reaktionen bishin zu Suiziddrohungen, Teilleistungsstörungen, psychosomatische Funktionsstörungen mit schulabhängigem Verlauf, aggressive Verhaltensstörungen, passive Verweigerung, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprobleme, Konflikte im Gleichaltrigenkreis bei zunehmenden Selbstwertproblemen - all das und Vieles mehr tritt im Zusammenhang mit schulischen Anforderungen auf.

Das manchmal als zu starr und unflexibel empfundene Schulsystem mit von Lehrern beklagten Zwängen durch wenig modifizierbare oder zeitgemäße Lehrpläne, ständige Unruhe durch unausgegorene "Reformen", die oft vorallem auch noch Geld sparen helfen sollen, verunsichertes Lehrpersonal mit vielen kranken und älteren LehrerInnen, die sich von ihrem Beruf schon zermürbt fühlen, jüngeren LehrerInnen, die sich von den Älteren oft belächelt oder in ihrem Engagement gebremst fühlen, dadurch bedingte höhere Krankenstände und Unterrichtsausfallraten durch strukturellen Personalmangel führen zu weiteren Reibungsverlusten im System. Die Lehrer und vorallem die Schüler baden es aus. Aber auch die Eltern, die sich noch um ihre Sprößlinge kümmern, können verzweifeln, weil sie glauben, ihnen oft nicht mehr helfen zu können, zumal in den Konflikten, die sich im Rahmen der allgemein wachsenden Frustration in den Schulen zuspitzen.

Obwohl es vermutlich nicht ganz stimmt, zumal nicht für einige engagiertere private (Schuldgeld!) bzw. Modellschulen (z.B.v anthroposophische Waldorfschule) oder noch übriggebliebene Reformschulen, wie die integrierten Gesamtschulen, scheint trotz der zunehmenden Schwierigkeiten die aktive Mitarbeit in den Eltern- und Schülervertretungen seit Jahren rückläufig zu sein. Die Aktivität der Eltern wird zunehmed dafür benötigt, desolate Gebäudezustände durch eigene Renovierungsleistungen in den Klassenzimmern etwas abzumildern, denn die öffentlichen Kassen müssen sparen, sogar an der Substanz der Gebäude. Zu allem Übel wissen die Planer nichtmals, wovon sie ausgehen müssen oder tun zumindest so: Wieviele Kinder werden künftig noch zu beschulen sein im Land des Geburtenrückganges, in dem Kinderfreundlichkeit nur ein Schlagwort in Wahlkampfreden ist? Anschließend, so konnte man lesen, stieg in Niedersachsen seit zwei Jahren die Kinder- und Familienarmut weiter stetig an! Wieviele ältere Lehrer werden und können wie lange arbeiten und wieviel Jüngere werden gebraucht werden und ausgebildet sein? Welchen Status sollen Lehrer haben? Sollen es weiter Beamte sein und wie wird der Beruf attraktiv gemacht?

Manche LehrerInnen versuchen sich tapfer im Verein mit Eltern, ÄrztInnen und TherapeutInnen in einer therapeutisch-pädagogisch austarierten Haltung und erhalten dafür oft keine Unterstützung im Kollegium oder von ihren Schulleitungen. Manche sehen sich weiterhin schlicht als Leistungsrichter und exekutieren ohne böse Absicht aber auch ohne weiteres Nachdenken so manche Schullaufbahn beispielsweise eines rechtschreibschwachen Schülers. Mag er sinnentnehmend lesen können oder verständlich schreiben, egal, mit 30 Fehlern hat der Viertklässler eine Sechs, mit 20 Fehlern, mit 15 Fehlern, erst dann wird allmählich die Notenschwelle erreicht.

Also werden diese Kinder reihenweise auf Krankenkassenkosten zur Diagnostik in die jugendpsychiatrischen Praxen und Institutsambulanzen getrieben, erhalten Tests, die auch nicht "nebenwirkungsfrei" sind und die Eltern bemühen sich um die Anerkennung einer Teilleistungsstörung und einer sog. "seelischen Behinderung", die mehr als sechs Monate drohen muß, um nach § 35 a des deutschen KJHG die Anspruchsgrundlage für eine Eingliederungshilfe beim Jugendamt zu bilden, die dieses dann erst einmal prüft, bevor die "Legastheniker" ein qualifiziertes Lese-Rechtschreibtraining vom Jugendamt bewilligt bekommen. Ein Nachteil dieser Prozedur neben der Kosten: Obwohl eine Teilleistungsstörung keine "Krankheit" ist, werden die Kinder tendenziell pathologisiert und beschäftigen unnötigerweise durch Testungen psychologische und kinderpsychiatrische Einrichtungen.

Natürlich findet in diesen Einrichtungen eine wichtige Arbeit statt. Recht oft benötigen die Beteiligten des "Problems" Schule inzwischen fachliche Hilfe, um Konflikte zu lösen, Gewaltpotentiale zu erkennen und zu entschärfen, traurige Kinder und Eltern zu ermutigen und zu trösten und Lehrern gegen die allgemein werdende Resignation den Rücken zu stärken. In einigen Einrichtungen sitzen Warner und Therapeuten, die sich weigern, die Kinder um jeden Preis der Institution Schule anzupassen und die dafür auch oft die klammheimlichen Sympathien nicht nur der Schüler, sondern auch der Eltern und Lehrer erhaten. Und es gibt auch jene Haus-, Kinder- und andere Fachärzte sowie ein paar Kinder- und Jugendpsychiater, die recht hemmungslos und ohne die nötigen strengen Indikationsstellungen sowie regelmäßigen Kontrollen und Begleittherapien massenhaft Stimulanzien wie Methylphenidat, Amphetamine und neuerdings das massiv beworbene neue und in seinen Langzeitwirkungen noch völlig unerforschte Psychopharmakon Atomoxetin verschreiben, manchmal völlig überdosiert, viel zu früh und viel zu lange und ohne sich um "Therapie" zu kümmern. Der Schüler lernt: Hast d ein Problem, dann nimmst du was... Zum Glück haben viele Jugendliche durch ihr Unabhängigkeitsstreben oftb eine natürliche, medikamentenkritische Grundhaltung.

Hingegen werden Heilmittelverordnungen für übende Verfahren wie die sensomotorisch-integrative Ergotherapie bei Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen sowie Entwicklungsverzögerungen durch die strikte Budgetierung der Krankenkassen den Ärzten so verleidet, dass oft kaum sinnvolle, genügend lange und kontinuierliche Behandlungsverläufe zustande kommen. Die Ergo- und Psychomotoriktherapeuten weisen andererseits mit Recht darauf hin, dass den Kindern nicht nur in unseren Städten, sondern zunehmend auch auf dem Lande Erfahrungsräume für die koordinierte Schulung der Sinne und des Bewegungs- sowie Gleichgewichtsapparates verloren gehen. In unseren gestylten,verkehrsdominierten Landschaften toben und klettern die Kinder immer weniger herum. Sie werden von früh an auf das häusliche Freizeitverhalten der Erwachsenen vor der Glotze und dem Computer konditioniert. Und wenn man nicht ab der fünften Klasse Internetzugang in die virtuelle Welt des Wissens hat, wird man in der Klasse belächelt und abgehängt. Lehrer und Eltern, die Schullandheimaufenthalte zum Wandern, Radfahren und Paddeln überlegen, kriegen von ihrem Nachwuchs eins auf die Mütze: Sightseeing mit Cityshoppen, Chillen am Strand, ins Internetcafé und dann nachts in die Megadiso, so sehen die Wünsche ab der siebten bis achten Klasse aus.

Was können wir bei dieser Ausgangslage konkret für unseren Nachwuchs und die offenbar genauso überforderten Schulen tun, außer nur immer neue theoretische "Pisa-Diskussionen" zu führen? Welche Erfahrungen gibt es vor Ort mit Konfliktlotsen, Beratungslehrern, Schulpsychologen, Sozialpädagogen? Wie können LehrerInnen ihren Streß anders abbauen, als ihn an ihren Schülern abzulassen oder krank zu werden? Wie läßt sich Lernen aus Neugier und Freude wieder in den Vordergrund bringen? Wie kann man dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder Rechnung tragen? Wie kommt man fort von dem "tödlichen Vergleich" der Kinder untereinander, den wir Erwachsenen anstacheln, um aus den Kindern Sieger und Verlierer zu machen? Wie kommen wir weg von den sinnlosen Feindbildern, die sich z.B. auch in Jahrzehnten gegenüber Lehrern aufbauen und die auch schon zu Gewalttaten an Pädagogen geführt haben?

LG, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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2

Sonntag, 13. November 2005, 21:50

Lieber Michael

ich versuche mal stückchenweise auf dieses äusserst spannende und wichtige Thema zu antworten. Das eine ist ja "wie reagieren wir als Eltern auf den ganzen Schulstress unserer Kinder und ihre Reaktionen darauf?" und das andere "wie können wir auf Veränderungen im Schulsystem einwirken" und "welche Veränderungen sollen wir überhaupt anstreben, was hat sich bewährt?"

Ich habe drei Kinder, der Jüngste ist im letzten Jahr des Gymnasiums, die mittlere ist im 3. Semester am studieren, der Älteste hat zuerst die Ausbildung zum Primarlehrer am Lehrerseminar gemacht und studiert seit diesem Oktober ebenfalls.

In der Schweiz sind die Schulpräsenzzeiten wesentlich höher als in Deutschland. Bei uns hat man schon von der 1. Klasse an nachmittags Unterricht Offenbar werden bei uns mehr Fächer und Stunden unterrichtet, aber wir scheinen dafür zeitlich etwas weniger Hausaufgaben zu haben, jedenfalls resultierte das aus Unterhaltungen mit Müttern aus Deutschland. Ausserdem sind bei uns Hausaufgaben ganz klar Aufgaben des Kindes, nicht der Eltern. Das Kind soll sie alleine und ohne Hilfe erledigen, damit der Lehrer sieht, ob das Thema beherrscht wird. Von Deutschland hörte ich bisher, dass erwartet wird, dass die Eltern die Hausaufgaben überwachen und kontrollieren.

Bei uns erfolgt ein erster Übertritt nach der 6. Klasse, da wechseln je nach sozialem Einzugsgebiet 1/2 - 3/4 der Schüler in die Sekundarschule, die restlichen kommen in die Realschule, die eurer Hauptschule entspricht.

Ins Gymnasium gewechselt wird erst nach der 8. Sekundarklasse und zwar mittels Aufnahmeprüfung und anschliessender halbjähriger Probezeit. Von der Realschule gibt es keine Chance ins Gymnasium zu kommen. Lediglich die guten Realschüler können nach dem ersten Jahr in die Sekundarschule wechseln, verlieren dabei aber ein Jahr und riskieren, nach der Probezeit wieder zurückgestuft zu werden.

Das mal zu den Unterschieden. Die Probleme scheinen bei uns aber trotzdem dieselben zu sein.

Ich teile das mal, damit es nicht zu lang und zu mühsam zum lesen wird.
The purpose of life is joy; its basis is freedom; its result is growth.
ABRAHAM - HICKS

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3

Dienstag, 15. November 2005, 02:35

hier also der 2. Teil:

Ich habe versucht die Entscheidung bezüglich Leistung meinen Kindern zu überlassen und sagte ihnen jeweils "es ist eure Schulausbildung, euer Beruf und eure Zukunft, ich habe nämlich meinen Beruf bereits. Ihr müsst wissen was ihr erreichen möchtet und wieviel ihr dafür einsetzen wollt." Ich hatte und habe auch immer noch viel Verständnis für den Stress den sie haben.

Meine beiden älteren Kinder haben ab Gymnasium sehr gegen den Schulstress rebelliert - sie haben mindestens 1 - 2 mal pro Woche geschwänzt und beide haben wegen Fehlzeiten Verwarnung und Ultimatum bekommen. Der Älteste war zweimal nur provisorisch versetzt und meine Tochter hat jedes Semster gebangt ob sie die Versetzung schafft oder nicht. Aber beide hatten glücklicherweise auch Fächer wo sie brillierten und Lehrer, die sie unterstützt haben. Und sie haben sich BEIDE ihr Interesse und ihren Lernwillen erhalten können. Mein Jüngster hat bezüglich Fehlzeiten und Versetzungen ganz bewusst meine Nerven schonen wollen (sagte er selber so), aber er leidet genauso unter dem Stress.

Allerdings hat er eine wirklich ganz ausgezeichnete Klasse. Sie unterstützen sich gegenseitig mit Zusammenfassungen von Lerninhalten für Prüfungen und Versenden von Lösungsbeispielen. Sie korrigieren sich gegenseitig Arbeiten und senden sich Inhaltsangaben von Büchern zu und zwar immer diejenigen, die in dem Fach besonders gut sind. Das bringt eine ganz enorme Entlastung, die die älteren beiden nicht in dem Ausmass hatten.

Trotzdem, meine Kinder hatten alle drei ihre Stolpersteine, wo sie eine Ehrenrunde drehten. Sie brauchten das Jahr zum reifer werden, alle drei sind Spätzünder. Abgesehen davon war die Erfahrung vermutlich nicht schlecht, um später abschätzen zu können wieviel Aufwand sie einsetzen müssen um weiterzukommen. Ich bezweifle, ob sie soweit gekommen wären wie sie heute sind, wenn ich damals mit Aufgabenkontrolle und Nachhilfestunden eingegriffen hätte. Man muss dazu allerdings sagen, dass bei uns nur 12 - 15% aller Schüler Matura machen können. Bei der Elite mit dabei zu sein, das braucht was.

Soviel zu unserer indidivuellen Situation, das andere im nächsten Beitrag.

LG
Bea
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ABRAHAM - HICKS

4

Dienstag, 15. November 2005, 14:43

Hallo Michael,

... das ist sicherlich ein weites, sehr umfangreiches Thema. Ich selbst habe zwei Mädchen, die eine geht in die 8. Klasse, die andere in die 13. Klasse- beide gehen- wenn auch manchmal mit Stöhnen- sehr sehr gerne zur Schule. Zwischendrin durften/dürfen sie auch "schulmüde" sein- bei uns in der Familie eine anerkannte Krankheit... auch nach einem Discobesuch unter der Woche ...
Die Schulkarriere meiner Kinder bekam einen großen Umbruch, als wir von Niedersachsen nach Bayern zogen und die Kinder sich mit völlig anderem Lernverhalten und Arbeitsstil auseinandersetzen mussten ( und das innerhalb Deutschlands)- Die Kinder haben soviel positive Unterstützung bekommen, ein schriftliches dickes Lob von Seiten der Lehrer und der Schulleitung. Auch wurden wir auf eine mögliche Legasthenie unserer kleinen Tochter hingewiesen, ( die sie schon in der Grudschule hatte, es aber keinem auffiel) es gab "Aufholzeiten" für schwache Fächer usw. Und ich habe mich sehr darum bemüht, dass die Kinder noch Zeit zum Spielen haben- dann wurden keine Hausaufgaben gemacht.... Natürlich war das nur durch Nachhilfe zuhause möglich- aber die Kidds bestimmen, wann sie von uns Eltern Unterstützung wollen ( ich brauche meine kleine Tochter manchmal auch als Coach, wenn ich was mit Powerpoint erstellen möchte...)
Jedenfalls haben sie bzgl Arbeitshaltung sehr gewonnen- und das hiesige Schulsystem- soviel es auch an Kritik gibt- ist jedenfalls besser, als das Wischwaschi in Niedersachsen. So das war der positive Teil ...

5

Dienstag, 15. November 2005, 14:59

nun zur Kritik:

Schüler sitzen 6-8 Stunden am Tag auf einem Stuhl und sind eher passiv als aktiv- oft in Klassenräumen, die aussehen, als ob..... warum ist es für Lehrer und Schule nicht möglich, einen guten Lebensraum zu schaffen, an dem man 3/4 des Tages verbringt?
Dann gibt es Lehrer, die behandeln Schüler menschlich nicht wertschätzend!Sprüche gibts da ....*schüttel*
Gegen "schlechte" Lehrer kann man weder als Schüler, noch als Lehrer, noch als Schulleitung was machen- warum haben Lehrer in ihrem Klassenzimmer immernoch narrenfreiheit? Und es gibt immernoch Lehrer, die können kein normales Gespräch mit Eltern oder gar Schülern führen- völlig unfähig zu reflektieren,
... und es leiden viele Lehrer ab 50 an burn-out und anderen psychosomatischen Erkrankungen
und diese werden dann noch 10 Jahre den Kindern "zugemutet" - obwohl sie keine Lust mehr auf SChule haben und "nur" ihre Berufsjahre absitzen...
Warum können neue, andere, kreative Lehr- und Lernformen nicht endlich auch im Schullalltag Einzug erhalten?
Zu Arbeitsgemeinschaften wie Chor usw. gibt es kaum Zeit, durch die lange Schulzeit leidet auch die Bewegung, der Sport usw.
...
und, und, und
die Schule meiner Kinder nimmt einem Modellversuch teil, hier gibt es wenigstens ein Leitbild, Beurteilungskriterien, gemeinsame Absprachen bzgl Lernstoff -fächerübergreifend- die Klassenarbeiten werden vom Fachlehrer überprüft...

Vor Kurzem haben wir den Titel für eine Lehreberatung entwickelt: das Ende einer langen Schulzeit und das Verlassen des Schulgebäudes;, aus Lehrern werden pensionierte, erwachsene Menschen-
da liegt sicherlich viel im Argen...
wahrscheinlich könnte ich ganze Seiten mit Erlebnissen zum Thema:Schule füllen, zumal ich mich beruflich sehr mit dem Thema Schule auseinandersezte, insbesondere um die "Beratungsresistenzen" bei Lehrern in Schule audzubrechen....

Lina

6

Dienstag, 15. November 2005, 15:04

was hältst du von den alternativen wie z.b. waldorfschulen oder montessori ???

wir werden unsere tochter, wenn es denn geht, ab der 5. klasse in ein örtliches internat geben. kleine klassen - super betreuung - super teuer ;(

über alternativen haben wir schon vor ihrer geburt nachgedacht.

nachteilig ist hier einfach die entfernung zu den schulen.

da ich selbst in einem mädchengymnasium ganztags eingeschult war und durch den weiten schulweg mit bus und bahn den ganzen tag unterwegs war, möchte ich das unserer kleinen nicht antun.

ich hatte einen terminkalender incl. diversen sport, musik etc. am abend, wie die meisten erwachsenen nicht.

LG*susa
"Eine Erfolgsformel kann ich den Menschen nicht geben, aber ich kann ihnen sagen, was zum Misserfolg führt: der Versuch jedem gerecht zu werden."

Herbert Bayard Swope

7

Dienstag, 15. November 2005, 15:40

naja, die Frage ist, was die Kinder in solch einer "Sonder"-Schule anderes lernen ?? Bei den Waldörflern sind doch ca 40 Schüler in der Klasse- geht nur bis zur 12. Klasse und dann muss eine harte 13 Klasse- "Normalschule" bis zum ABI drangehängt werden. Die Montessories gibt es nur im Grund- und Hauptschulbereich- gymnasiale Zweige hier in der Stadt nicht....
Da die Kidds ja irgendwann mit der "harten Realität" konfrontiert werden, lernen sie das doch am besten im normalen Leben- natürlich mit viel elternlicher Unterstützung und Verständnis. M.E. ist es viel wichtiger, dass die Kinder durch die Eltern lernen, WIE man mit all den Schwierigkeiten, Widrigkeiten und auch schönen Erlebnissen umgehen kann.
Kleine Klassen ist keine Garantie für eine gute Schule, eher im Gegenteil: wenn man nämlich 14 "blöde" SchülerInnen in der Klasse hat und dadurch als Kind wenig Auswahl beim Freundeskreis hat, beeinträchtigt das ganz erheblich das Leben und das Lernen. Für die älteren Kinder- ab ca 5.Klasse ist dieser Freundeskreis doch das Wichtigste von Welt, die Auswahl von Alternativen, wenn man mal gerade Stress mit der Freundin hat usw. und die Unternehmungen in der Clique...
Es gab hier an der Schule eine Untersuchung, dabei kam raus, dass die Kinder sich in größeren Klassen viel wohler fühlen und die Lernmotivation wesentlich höher ist, als in kleinen Klassen, es sei denn die Kidds sind so sozial auffällig, dass es für die Lehrer wichtig ist, diese Kinder in kleine Klassen zu packen (z.B. bei den Hochbegabten/ und oft Überaktiven- das würde sonst im großen Klassenverband gar nicht gehen)
Und was ist, wenn Dein Kind mit kreativem-muschen Dingen nix am Hut hat....
Wir hatten damals die Schule nach dem Kunstleistungkurs ausgewählt, weil ich dachte, unsere Große hätte da eine Begabung und Spaß dran-da sie soviel zeichnete usw. Nu, was hat sie mit 17 gewählt? Chemie und Mathe !!!! als Leistungskurs- damit hätte ich als Mutter niiieeee gerechnet, und meine Kleine hat alle Instrumente in die Ecke gepackt und macht nur noch Sport und Reiten, von der ehemaligen Neigung zur Musik ist außer Disco nichts mehr zu sehen,d h. desto größer das Angebot, desto besser und überlegter die Auswahl und um so eher können die Kinder IHRE Neigung entdecken.
Wir hatten die Waldischule früher auch überlegt, meine Tochter wollte aber mit ihren Freundinnen auf die weiterführende Schule- daswar ihr seehr wichtig.

Lina

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8

Freitag, 18. November 2005, 13:02

Liebe Lina

Zitat

Original von Lina
naja, die Frage ist, was die Kinder in solch einer "Sonder"-Schule anderes lernen ?? Bei den Waldörflern sind doch ca 40 Schüler in der Klasse- geht nur bis zur 12. Klasse und dann muss eine harte 13 Klasse- "Normalschule" bis zum ABI drangehängt werden.


Bei uns sind zwar die Klassen der Waldorfschulen "normal" gross oder sogar eher klein, aber es ist hier auch so, dass ein Wechsel ins Gymnasium nur über eine Aufnahmeprüfung möglich ist und das bedeutet dann ziemliche Büffelei für den Betreffenden.

Die vier Kinder meiner Freundin waren alle in der Waldorfschule und nach ihrer Einschätzung können einfach individuelle Bedürfnisse besser angebracht und umgesetzt werden. Wie gut das dann möglich ist hängt natürlich vom jeweiligen Lehrer ab, das ist aber an der öffentlichen Schule genauso. Ausserdem wird halt neben den offiziellen Fächern vieles gepflegt was an der öffentlichen Schule nur zum Zug kommt, wenn der Lehrer selber ein Faible dafür hat und einen Teil seiner Freizeit dafür einsetzt.

Zitat


Da die Kidds ja irgendwann mit der "harten Realität" konfrontiert werden, lernen sie das doch am besten im normalen Leben- natürlich mit viel elternlicher Unterstützung und Verständnis.


Mit dem Argument habe ich je länger je mehr Mühe. Ein Kind, das ohne Druck und pingeligem Lehrplan anfangen kann zu lernen, das wird doch viel besser gerüstet sein für die harte Realität. Es nimmt doch Ressourcen mit aus dem entspannten Lernklima, die ihm später sehr nützlich sein können.

Zitat


Und was ist, wenn Dein Kind mit kreativem-muschen Dingen nix am Hut hat....


Ja, das würde mich auch mal wundernehmen, wie so ein Kind die Waldorfschule erlebt. Oder ob die dann alle irgendwie eine kreative Ader entwickeln?

Zitat


d h. desto größer das Angebot, desto besser und überlegter die Auswahl und um so eher können die Kinder IHRE Neigung entdecken.


Das sehe ich genauso. Bei einem Kind von 6 Jahren ist noch überhaupt nicht abschätzbar ob die aktuellen Interessen die nächsten 10 - 15 Jahre anhalten werden oder ob die sich radikal verändern. Ging uns bei unseren drei Kindern genauso, wie bei dir mit deinen Töchtern.

LG
Bea
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ABRAHAM - HICKS

9

Sonntag, 20. November 2005, 00:33

Zum Thema Bildung fand ich auch das im Internet.


Intelligenz ist eine Anlage - Bildung ist das, was man daraus macht !

Übrigens führt Bildung (bei einfachen Gemütern) wirklich nur zu Dünkel:
Das sieht man z.B. am Nochbundeskanzler im Gegensatz zu H.Schmidt !

"Erfolg" hat mit Intelligenz und Bildung überhaupt nichts zu tun !
Der Erfolgreiche besitzt eine Art vordergründiger "Bauernschläue"
( das sieht man z.B. an den "Prominenten" in den "Medien" )

Im "gleichmachenden Bildungsstaat" sollen Kinder nur "gebildet" werden
zu einheitlichen "marktgerechten Arbeitnehmern" (zu Ungebildeten !)


Ich finde es sehr treffent,
Tschüß Heike
Leben ist ganz einfach, was das Leben so schwer macht, ist der Mensch selber

10

Dienstag, 22. November 2005, 08:57

Zitat

Original von Lina
Schüler sitzen 6-8 Stunden am Tag auf einem Stuhl und sind eher passiv als aktiv- oft in Klassenräumen, die aussehen, als ob..... warum ist es für Lehrer und Schule nicht möglich, einen guten Lebensraum zu schaffen, an dem man 3/4 des Tages verbringt?
Dann gibt es Lehrer, die behandeln Schüler menschlich nicht wertschätzend!Sprüche gibts da ....*schüttel*

Ich hab vor längerer Zeit mal einen beeindruckenden Bericht über eine Kombination aus Kindergarten und Schule gesehen.
Keine sogen. Klassenzimmer, alles halboffen mit Trennwänden. Unterteilt in Spiel- und Lernzonen.
Die älteren Kinder sind mitverantwortlich für die jüngeren, helfen beim lernen usw.
Dort gab es die gängigen Probleme auch nicht, die Lernbereitschaft war viel größer, die Kinder und Jugendlichen sind verantwortungsvoll miteinander umgegangen.
Hat mir sehr gut gefallen, ich glaub, das war im Raum Bielefeld.

LG Alfred
Ein Leben das am Ende beginnt, ist ein guter Anfang.

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11

Dienstag, 22. November 2005, 11:43

Bei uns ist es eigentlich bis in die 6. Klasse üblich, dass ein Klassenzimmer eine Lese- oder Kuschelecke hat, mit Sofa oder Matratze, Decken, Kissen, wo sich Schüler für Arbeiten die nicht am Schreibtisch erledigt werden müssen, zurückziehen können. Viele Klassen bei uns haben ein "Klassentier", je nach Interesse des Lehrers halt. Beim einen ist es ein Terrarium, beim anderen sind es Mäuse oder Fische ect.

In der Sekundarschule, also ab 7. Klasse, sind die Klassenzimmer dann etwas "funktioneller", aber meistens doch auch individuell eingerichtet. Statt Kuschel- Leseecke gibt es dann Gemeinschaftsarbeits-Raum. Die Klassenzimmer bei uns sind schon "Lebensräume", da kann ich mal ausnahmsweise nicht klagen. Vielleicht hängt das aber auch davon ab, wieviel Geld der Schulgemeinde für solche Dinge zur Verfügung stehen.

LG
Bea
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12

Dienstag, 22. November 2005, 11:49

das gibt es bei uns in der Grundsxhule auch ...

im Gymnasium- hier in Bayern ab Klasse 6 kommt dann das ungemütliche Klassenzimmer

aber Gruppenarbeit ist auch mal noch möglich- allerdings mögen die Schüler das nicht so sehr, da sie so nur kollektive Noten bekommen und das Schulsystem in Bayern ist nun mal streng- es gibt hier Abfragen, Stehgreifaufganen= unangekündigte Tests usw.

und den neumodischen gruppendynamischen Schnick-Schnack- oh Ton meiner Tochter- mögen die Schüler gar nicht

Lina