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Dienstag, 11. November 2008, 14:18

Miriam Makeba - "Mama Afrika" 1932-2008

Miriam Makeba oder, wie ihr vollständiger Name lautet: Zenzile Makeba Qgwashu Nguvama Yiketheli Nxgowa Bantana Balomzi Xa Ufun Ubajabulisa Ubaphekeli Mbiza Yotshwala Sithi Xa Saku Qgiba Ukutja Sithathe Izitsha Sizi Khabe Singama Lawu Singama Qgwashu Singama Nqamla Nqgithi, oder einfach "Mama Afrika" genannt, weltberühmte schwarze Sängerin aus Südafrika, erlitt während ihrer Zugabe auf ihrem letzten Konzert in Italien (Castel Volturno) am 9.11.08 einen Herzinfarkt und verstarb in den frühen Morgenstunden des 10.11.2008. Nun schwebt ihre Seele schon seit einem Tag über den Weiten ihres Mutterkontinentes, ihrer Heimat und über fast einer Milliarde Afrikanern, für die ihre Stimme Balsam, Trost, Aufbegehren und Heimat bedeutete. Einmal in meinem Leben habe ich ihre kraftvolle, tönende, warme Stimme in den neuziger Jahren in einem so genannten Zeltfestival in Konstanz selbst gehört und diese runde, energievolle Frau selbst gesehen. Miriam Makeba hat als "Mama Afrika" und als Mama viel Leid erlebt, hat mit der Unterdrückung ihrer Landsleute durch das Appartheid-Regime gelitten, auch wenn es ihr möglich war, dem Terror selbst ein Stück zu entkommen, um ihre Stimme als Anwältin ihres Volkes zu erheben. Sie hat auch schon 1985 ihr einziges Kind, ihre Tochter Bongi Makeba, selbst Poetin und Musikerin, fünfundreißigjährig verloren, vermutlich an den Folgen einer Fehlgeburt und, da so etwas möglich war, vielleicht auch an den Folgen von Apartheid und der schlechten medizinischen Versorgung für schwarze Bürger. Bongi hinterließ nur ein einziges eigenes Musikalbum, aber viele Songs für ihre Mutter Miriam und andere südafrikanische Musiker und sie hinterließ ihrer Mutter drei Enkel. Miriam Makeba schien bis in ihr sechundsiebzigstes Jahr voller Kraft und Engagement für ihre Musik, ihre humanitären Projekte, ihr Afrika zu sein und für die Versöhnung und das Zusammenkommen der Menschen aller Rassen und Hautfarben. Trotz des Leides ihrer schwarzen Mitbürger war ihr Herz nicht voll Hass und Bitterkeit sondern voller Hoffnung, Liebe, Begeisterung aber auch Schmerz und Trauer. Der erste von allen südafrikanischen Bürgern gewählte Präsident eines freien Südafrika ohne Rassendiskriminierung, der jetzt neunzigjährige Nelson Mandela, bat Miriam Makeba 1990, nach dreißig Jahren Exil in ihr Heimatland zurückzukehren. Es war Miriam Makeba nicht gleichgültig, wie schwer sich ihre Mitbürger in dem eigentlich reichen und wunderschönen Südafrika mit der Freiheit, mit der Überwindung von Armut, Hass, Stammes und Klassengegensätzen, mit der Überwindung der Kriminalität und der Armutskrankheiten, besonders AIDS taten und immer noch tun. Ihre Stimme wird noch Jahrzehnte mit ihren aufrührenden und anrührenden, melodischen, rhythmischen Liedern aus den Lautsprechern für Freiheit, Würde und Gerechtigkeit, aber auch Versöhnung über ihrem Kontinent schweben und nicht nur da. "Mama Afrika" starb vermutlich so, wie sie es wollte, hingebungsvoll in der Ausübung ihrer Mission: mit ihrer Stimme ihren Zuhörern Freude, Zuspruch, Trost und Hoffnung zu sein für ein menschliches Leben. Sie hatte ihre Bühnentätigkeit 2005 eigentlich schon beendet gehabt. Dann trat Miriam Makeba auf einem Benefizkonzert für Roberto Saviano, einem Kämpfer gegen die Mafia, am 9.11.08 in Castel Volturno in Italien auf, wo sie während ihrer Zugabe einen Herzinfarkt erlitt. Es war ihr ein Anliegen, gegen die Ermordung afrikanischer Flüchtlinge durch Drogen-Mafiosi zu protestieren und sie hatte, schon gesundheitlich angeschlagen, ein Flüchtlingshilfszentrum besucht, wo man sich den an die italienischen Küsten angespülten afrikanischen Flüchtlinge annimmt. Miriam Makeba war, selbst 31 Jahre lang vom Apartheidsregime ausgesperrt, ein Flüchtling gewesen. Es muß ihr sehr zu Herzen gegangen sein, was sie in ihren letzten Stunden sah und hörte. Die Menschen trauern, nicht nur Afrikaner und nicht nur Nelson Mandela, der zum Abschied über Miriam Makeba sagte: "Ihre eindringliche Stimme gab dem Schmerz des Exils und der Entwurzelung - den sie selbst 31 Jahre ertrug - eine Stimme. Zugleich inspirierte ihre Musik die machtvolle Empfindung der Hoffnung in jedem von uns." Welch ein überwältigendes Finale! Welch eine große Stimme und eine große Seele!

Lebe wohl, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Donnerstag, 5. Dezember 2013, 23:45

Erst Makeba, dann Mandela. Jetzt sind die Kinder und Enkel dran, es gut und besser zu machen...

"Mama Afrika" Miriam Makeba ist schon ein paar Jahre vorher gegangen. Heute verstarb "Tata Madiba" ("Papa Afrika") Nelson Mandela. Er hatte ein langes Sterben. Alles schien bei ihm auf lange Sicht angelegt. Er hatte ein langes Leben. Er saß lange im Gefängnis. Er führte nach langen Verhandlungen Südafrika aus der Apartheit und besiegte nicht nur die Rassentrennung, sondern auch den Hass. In seinem persönlichen Leben ist Vieles schief gelaufen. Seinem politischen Leben war ein großer Erfolg beschieden, doch nur, weil er einen langen Atem hatte. Dieser Atem wurde ihm zum Ende hin schwer, die Luft wurde knapp. Sie ist sowieso schon dünn gewesen in seiner Sphäre. Er war einer der Wenigen, die persönlich der Korruption und Vetternwirtschaft widerstanden. Nicht so seine Nachfolger und einige Verwandte. 95 Jahre alt wurde er. Sein Tod wurde lange erwartet und befürchtet. Er war zu Lebzeiten ein Symbol, doch das Leben wich immer mehr aus ihm. Während hier im Norden ein Orkan mit Sturmfluten wütet, erhebt sich Mandelas Geist über dem wunderschönen Land Südafrika und weht in die Ewigkeit. Das beste Andenken, das Südafrika ihm bewahren könnte, wäre in Frieden und Eintracht zu wachsen und an seinem Beispiel zu zeigen, das Afrika Armut, Rassismus und religiösen Fanatismus überwinden kann, ohne seine kulturellen Schätze zu verleugnen. Afrika ist die Wiege der Menschheit, ein schöner, wunderbarer Kontinent. Wir schulden ihm Respekt und unsere Solidarität.

Michael
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Freitag, 13. März 2015, 09:08

Transkontinentale Be-rührung*

Miriam Makeba singt "Pata Pata" im Morgenradio.
Die Sonne geht auf über Raureif
und dunstige Weiden Frieslands.
Pata Pata tanzten sie in Johannesburg,
singt Miriam Makeba, Mama Afrika.

Pata Pata hüpft mein Herz,
Pata Pata poltert mein Pickup
über die Straßen der Friesischen Wehde.
Pata Pata tanzen Mandiba und Mama Afrika
im Himmel über Soweto.

Im Zeitalter der Interkontinentalraketen
suchen Flüchtlinge Arbeit und Brot zum Leben.
Wenn uns das nicht berührt,
hilft nur noch die Musik des Herzens:
Transkontinentaler Sonnen-Tanz.

Auch wir stammen aus Afrika.
Vor 30.000 Jahren kamen wir
mit der zweiten Welle. Ice-Age!
Das Eis hat und weiß gemacht,
doch die Musik wird uns schmelzen.

Pata Pata in der Friesischen Wehde,
Pata Pata in Soweto, Johannesburg,
Sonne im Herzen, Raureif auf Feldern...





*Anmerkung: "Pata" heißt "Berühren, Anfassen". "Pata Pata", ein Tanz aus Südafrika, ist Miriam Makeba's größter internationaler musikalischer Erfolg und überwiegend in der südafrikanischen Sprache isiXhosa verfasst
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