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61

Montag, 7. Juli 2008, 20:31

Es ist mir nur ein kleines Rätsel.
Die GfK wurde auch bei Banden, Kriminelle, schwerzt Erziehbare, Mörder und sogar verfeindeten Völker angewendet, und zwar erfolgreich. Was ist das denn für ein Verein gewesen wo du da genau warst wenn das so schnell und an so Nichtigkeiten zum scheitern verurteilt war. Da frage ich mich aber auch wirklich mal, wenn ihr das da unter diesen "Laborbedingungen" noch nicht mal auf die Reihe gekriegt habt, wie ihr das im richtigen Leben macht, mit oder ohne GfK.
Aber er hat ja gar nix an
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62

Montag, 7. Juli 2008, 20:53

Im "richtigen Leben"?

Zitat

Original von Ahorn
Es ist mir nur ein kleines Rätsel.
Die GfK wurde auch bei Banden, Kriminelle, schwerzt Erziehbare, Mörder und sogar verfeindeten Völker angewendet, und zwar erfolgreich.

Tja, mein Lieber, das habe ich mich auch schon gefragt. Vielleicht geht es hier besonders gut - die Wenigsten sind intellektuelle Pädagogen und Therapeuten ;) (Ironie off).

Zitat

Original von Ahorn
Was ist das denn für ein Verein gewesen wo du da genau warst wenn das so schnell und an so Nichtigkeiten zum scheitern verurteilt war.

Für die konfliktauslösenden Personen waren es vermutlich keine Nichtigkeiten, ab er ich will das jetzt nicht psychologisch auseinander dröseln. Das habe ich andernorts schon getan und wird leicht als eine Schuldzuweisung mißverstanden.

Zitat

Original von Ahorn
Da frage ich mich aber auch wirklich mal, wenn ihr das da unter diesen "Laborbedingungen" noch nicht mal auf die Reihe gekriegt habt, wie ihr das im richtigen Leben macht, mit oder ohne GfK.


Gegenfrage: Was ist das "richtige" Leben? Das ist vermutlich überall und teilweise scheint es auch richtig gut zu klappern - immer wieder mal. Auf Wiederholbarkeit ist aber vermutlich kein Verlass, was wohl mit meiner Grundfrage zusammen hängt: Ich glaube eben, dass es keine gewaltfreie Kommunikation gibt, wenn man große Angst vor Gewalt hat.

Und "nicht auf die Reihe gekriegt"? War doch eine schöne Wolfs-Lösung, wie im "richtigen Leben", oder etwa nicht? Dir kann ich es ja erzählen, wenn Du's keinem weiter sagst: TherapeutInnen und TrainerInnen kochen auch nur mit Wasser. Peinlich wird's, wenn es ihnen anbrennt und gleichzeitig ist das auch eine "große Kunst".

In der Tat ist es mir in ca. 30 Jahren eigenständigem Kochen schon zweimal gelungen, soviel Wasser zu verdampfen, dass der Topf anbrannte und unwiederbringlich hin war. Einmal glühte und schmolz der "Sandwichboden", das war richtig spektakulär. Aber Feuerausbruch und Verletzungen konnte ich verhindern :frech.

LG, Michael
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63

Montag, 7. Juli 2008, 22:17

RE: "Leidenschaft", "Leidensdruck" und GfK

Zitat

Es wäre sicher auch nicht richtig, sich mit "Gewaltfreier Kommunikation" Gewalt anzutun und den Ärger in sich zu verstecken oder die Angst, was Marshall Rosenberg aber auch nicht empfiehlt. Die zentrale Frage, ob man gewaltfrei kommunizieren kann, wenn man Angst vor Gewalt hat, beantwortet mir Dein Gedanke aber noch nicht.


Ich glaube, die Angst vor Gewalt als Voraussetzung für Gewaltfreie Kommunikation ist situations- und kontextabhängig unterschiedlich ausgeprägt. Deswegen kann mensch in der einen Situation sehr wohl authentisch "gewaltfrei" kommunizieren, - dann macht er sich aber um die Gewaltfreiheit seiner Kommunikation sicherlich keinen Kopf. In der nächsten Situation, in der er aber noch große unbewältigte Ängste hat, funktioniert das eben nicht mehr.

Also kann auch eine GFK-Trainerin sicherlich in dem einen Kontext ganz authentisch gewaltfrei agieren und in dem anderen eben nicht mehr. Denn es geht ja nicht um die Methode, sondern um die innere Haltung und die läßt sich keinesfalls erzwingen. Auch ein GFK-Trainer ist nur Mensch.
Dass aber irgendein GFK-Trainer dieser Welt, auch Herr Rosenberg, umfassend in jeder Situation diese gewaltfreie innere Haltung innehat, das ist schon denklogisch ausgeschlossen. Denn wer wirklich keinerlei Ängste mehr vor Gewalt hat, der lehrt nicht gewaltfreie Kommunikation, höchstens lebt er sie. Ich bin mir sicher, wenn es Dir gelingt, Herrn Rosenberg in einen Konflikt zu verwickeln, in dem er dann persönlich so richtig identifiziert ist, dann wird auch bei ihm nicht mehr viel von gewaltfreier Kommunikation übrig sein. Möglicherweise kann er das dann aber besser reflektieren als Deine Lehrerin. Wer weiß?

Tania

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64

Montag, 7. Juli 2008, 23:04

Angst - Gewalt

Zitat

Original von Tania

Zitat

Es wäre sicher auch nicht richtig, sich mit "Gewaltfreier Kommunikation" Gewalt anzutun und den Ärger in sich zu verstecken oder die Angst, was Marshall Rosenberg aber auch nicht empfiehlt. Die zentrale Frage, ob man gewaltfrei kommunizieren kann, wenn man Angst vor Gewalt hat, beantwortet mir Dein Gedanke aber noch nicht.


Ich glaube, die Angst vor Gewalt als Voraussetzung für Gewaltfreie Kommunikation ist situations- und kontextabhängig unterschiedlich ausgeprägt.


Hi, Tania,

wie meinst Du das, dass die Angst vor Gewalt die Voraussetzung für "Gewaltfreie Kommunikation" sei? Meinst Du damit, dass das schmerzliche Erleben von Gewaltausübung und Gewalterfahrung Menschen motiviert, eine Kommunikationsart zu suchen oder zu erfinden, die "gewaltfrei" ist oder macht bzw. die Hoffnung darauf auslöst, damit sie ihre Ängste (vor Gewalt) loswerden? Ich denke immer noch: Angst: Gewalt. Angstfrei: Gewaltfrei. Oder?

LG, Michael
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65

Montag, 7. Juli 2008, 23:28

Zitat

Gegenfrage: Was ist das "richtige" Leben?

Im richtigen Leben muss man sich der Situation stellen. Die Flinte ins Korn schmeißen oder einfach flüchten, wie das in dieser gespielten Wirklichkeit der Fall war, ist im "richtigen Leben" oft nicht möglich.

Zitat

Die zentrale Frage, ob man gewaltrei kommunizieren kann, wenn man Angst vor Gewalt hat, beantwortet mir Dein Gedanke aber noch nicht.

Ja ich weiß. Ich wollte es später versuchen darauf einzugehen. Du hast die Frage schon mit einem nein beantwortet, und mit diesem nein stimme ich überein. Die Angst verursacht eine Ungewissheit und Anspannung, die durch eine vieleicht eintretene oder erwartete Bedrohung wie z.B. Schmerz, Verlust, Tod hervorgerufen wird. Mit Angst ist man nicht Anwesent oder bewusst Präsent, es ist ein Unbewusster Entwurf in die Zukunft. In der Zukunft ist die Angst und die Sorge, und aus der Vergangenheit zieht man die Scham. Da für die empatische Anschauung oder Kommunikation, daß Angewest sein oder die bewusste Wachheit (ein Jagdthund kann auch sehr Wach sein, ist es aber nicht Bewusst) unbedingt notwendig ist, ist also diese Angst, die mit einer Wahrscheinlichkeit eines Schadens verbunden ist, und im Gegensatz zur Furcht auf die Vorstellung oder Fantasie beruht, äußerst Unproduktiv.




Zitat

Dir kann ich es ja erzählen, wenn Du's keinem weiter sagst: TherapeutInnen und TrainerInnen kochen auch nur mit Wasser.

PS. ;)
Ja, wie du weißt, weiß ich das auch und außerdem wissen es jetzt viele :D



LG
Torsten
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66

Dienstag, 8. Juli 2008, 07:07

Ein Labor wie im richtigen Leben

Zitat

Original von Ahorn

Zitat

Original von Michael
Gegenfrage: Was ist das "richtige" Leben?

Im richtigen Leben muss man sich der Situation stellen. Die Flinte ins Korn schmeißen oder einfach flüchten, wie das in dieser gespielten Wirklichkeit der Fall war, ist im "richtigen Leben" oft nicht möglich.


Ich weiß, was Du meinst, Torsten, aber da wir uns auch unter Laborbedingungen oder in der Cyberwelt "wie im richtigen Leben" verhalten, also immer mehr oder weniger unbewußt uns selbst geben und spielen, gibt es da keinen wesentlichen Unterschied. In gewisser Weise ist das ganze Leben "gespielt", ein "Rollenspiel" im Dienste der Erfahrung. Echt ist man, wo man sich wagt, etwas authentischer zu sein und da kann es einem am Ende doch vorkommen, als sei man ein "Zwiebelschalenmensch": Man entblättert sich Schicht um Schicht und stellt eventuell fest, dass hinter der letzten Schicht nichts Sichtbares mehr ist...

Zitat

Original von Ahorn

Zitat

Original von Michael
Die zentrale Frage, ob man gewaltrei kommunizieren kann, wenn man Angst vor Gewalt hat, beantwortet mir Dein Gedanke aber noch nicht.

Ja ich weiß. Ich wollte es später versuchen darauf einzugehen. Du hast die Frage schon mit einem nein beantwortet, und mit diesem nein stimme ich überein. Die Angst verursacht eine Ungewissheit und Anspannung, die durch eine vieleicht eintretene oder erwartete Bedrohung wie z.B. Schmerz, Verlust, Tod hervorgerufen wird. Mit Angst ist man nicht Anwesent oder bewusst Präsent, es ist ein Unbewusster Entwurf in die Zukunft. In der Zukunft ist die Angst und die Sorge, und aus der Vergangenheit zieht man die Scham. Da für die empatische Anschauung oder Kommunikation, daß Angewest sein oder die bewusste Wachheit (ein Jagdthund kann auch sehr Wach sein, ist es aber nicht Bewusst) unbedingt notwendig ist, ist also diese Angst, die mit einer Wahrscheinlichkeit eines Schadens verbunden ist, und im Gegensatz zur Furcht auf die Vorstellung oder Fantasie beruht, äußerst Unproduktiv.


So ist es. Wenn das Gefühl, z.B. Angst, nicht gefühlt wird, sondern bewußt oder unbewußt daraus gehandelt wird, bleibt die Angst bestimmend und entsteht im Handeln ein Produkt aus der Angst. Ist es Angst vor Gewalt, die agiert wird, egal ob es mit der Angst oder gegen die Angst vor Gewalt geht, geht es mit oder gegen die Gewalt und wird es gewaltsam.

Genauso geht es mit den anderen Gedanken, denn auch wahrgenommene Gefühle sind zunächst den Gedanken ähnlich, wobei bloße Gedanken nicht gefühlt und erfahren, sondern nur bewußt wahrgenommen werden können, z.B. Sorge um die Zukunft, Scham aufgrund einer vergangenen Handlung, Ärger über sich oder Andere. Diese oft als "Gefühle" bezeichneten Vorgänge sind zwar mit ursprünglichen Gefühlen verbunden, aber von einem Denkvorgang des Ver- oder Beurteilens abhängig.

Zitat

Original von Ahorn

Zitat

Original von Michael
Dir kann ich es ja erzählen, wenn Du's keinem weiter sagst: TherapeutInnen und TrainerInnen kochen auch nur mit Wasser.

PS. ;)
Ja, wie du weißt, weiß ich das auch und außerdem wissen es jetzt viele :D

LG
Torsten

Au, jetzt hab ich es verraten und Jeder weiß es :)). Aber Spass beiseite: Viele Pädagogen, Psychologen und Therapeuten und auch Ärzte kochen nicht nur mit Wasser, sie bemühen sich auch, Kochen zu lernen, um sich und andere mit vermeintlich schmackhafterer Kost zu versorgen - wir und andere sollen es mal besser haben -, als sie es gewohnt sind, oft aus der Furcht, ansonsten mit dem Gewohnten von Muttern und Vatern verhungern zu müssen. Denn wer sollte für sie sorgen, wenn die einmal nicht mehr sind?

Also, für diese sensiblen, zur Sorge neigenden Menschen geht es ganz oft auch um Selbsterkenntnis und Selbstheilung und so spiegelnd und projektiv, wie wir gerne vorgehen, glauben wir, dass sich die Be-handlung und Be-lehrung von anderen Menschen am besten eignet, gut zu handeln und gut zu lernen, dann nämlich, wenn wir merken, dass wir doch immer wieder auf uns selbst zurückkommen, ja zurückfallen - was wir da an Anderen unter Laborbedingungen herumexperimentieren, machen wir ja doch mit uns selbst und ist für uns selbst somit das "richtige Leben".

LG, Michael
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67

Dienstag, 8. Juli 2008, 08:38

RE: Angst - Gewalt

Zitat

wie meinst Du das, dass die Angst vor Gewalt die Voraussetzung für "Gewaltfreie Kommunikation" sei? Meinst Du damit, dass das schmerzliche Erleben von Gewaltausübung und Gewalterfahrung Menschen motiviert, eine Kommunikationsart zu suchen oder zu erfinden, die "gewaltfrei" ist oder macht bzw. die Hoffnung darauf auslöst, damit sie ihre Ängste (vor Gewalt) loswerden?


Ja! Deswegen läßt sich mE kein Mensch auf dem Planeten Erde finden, der all seine Ängste überwunden hat und weiterhin GFK lehrt. Oder sag`Du mir, was sollte einen Menschen motivieren, dies zu tun, wenn er keine Ängste mehr hat? Die Angst, die wir da immer überwinden wollen, ist der maßgebliche Motor für unsere Entwicklung. Und wie unser aller Leben ausschauen würde, wenn wir alle unsere Ängste überwunden hätten, da bin ich selbst sehr neugierig. Was wird dann der Motor für unser Handeln sein?

Zitat

Ich denke immer noch: Angst: Gewalt. Angstfrei: Gewaltfrei. Oder?


Wer ängstlich ist, ist immer auch mutig. Und wer mutig ist, ist immer auch ängstlich. Und deswegen finden sich in jedem Menschen (und sei es noch so ein Monster oder noch so ein Engel) friedliche wie gewalttätige Anteile. Deswegen kann ein GFK-Trainer dort so und dort so sein. Dass sich Deine GFK-Trainerin, die sicherlich keine dumme Frau ist, mit all ihren noch unbewältigten Ängsten an die Leitung eines GFK-Ausbildungskurses wagt, ist für mich auch Ausdruck von Mut, oder? Die Überwindung der Angst kann nur dann Voraussetzung für eine authentische friedvolle innere Haltung sein, wenn man die Angst nicht überwinden wollte " um zu"......; dann nämlich springt man auf die andere Seite, in den Mut , und man hockt weiter drinnen in Pol und Gegenpol.
Fragt sich, wie kann man die Angst überwinden, ohne sie überwinden zu wollen? Wen man diesen Widerspruch in sich voll erfassen kann, dann ist man in seiner Mitte. Und wie ich schon sagte, das Spiel, das wir jetzt noch alle spielen, hört dann in der bisherigen Form auf. Wie es dann aussehen wird, das weiß ich nicht.

Tania

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68

Dienstag, 8. Juli 2008, 09:09

RE: Angst - Gewalt

Zitat

Original von Tania
Oder sag`Du mir, was sollte einen Menschen motivieren, dies zu tun, wenn er keine Ängste mehr hat? Die Angst, die wir da immer überwinden wollen, ist der maßgebliche Motor für unsere Entwicklung. Und wie unser aller Leben ausschauen würde, wenn wir alle unsere Ängste überwunden hätten, da bin ich selbst sehr neugierig. Was wird dann der Motor für unser Handeln sein?

Der Anreiz zum Handeln wird bei den solcherart "erleuchtetet", "bewußten" und integrierten Menschen möpglicherweise keine "Gefühl" sein, da diese gefühlt und nicht mehr notwendigerweise ausagiert oder zum Motor umfunktioniert werden. Also bin ich skeptisch, ob es und sei es "bewußte" Neugier sein wird. Sind es weiter verschiedene Grundbedürfnisse, die aber klar erkannt und geäußert (mit-geteilt), sogar geteilt werden? "Lust" ist der Motor vermutlich auch nicht, weil die auf eine Erfahrungen der Vergangenheit beruhende projizierte Sehnsucht inh die Zukunft ist, ein unreflektiertes Verlangen also. Vielleicht wäre es in so einem irdischen Paradies sehr heimelig warm und schön, vielleicht aber auch nach unseren bisherigen Unterhaltungskriterien sehr langweilig. Nun, der Mensch wird es erst haben und erkennen, wenn er soweit ist und bis dahin kann die Menschheit noch mehrfach untergehen ;) ...

Zitat

Original von Michael
Ich denke immer noch: Angst: Gewalt. Angstfrei: Gewaltfrei. Oder?


Wer ängstlich ist, ist immer auch mutig. Und wer mutig ist, ist immer auch ängstlich. Und deswegen finden sich in jedem Menschen (und sei es noch so ein Monster oder noch so ein Engel) friedliche wie gewalttätige Anteile. Deswegen kann ein GFK-Trainer dort so und dort so sein. Dass sich Deine GFK-Trainerin, die sicherlich keine dumme Frau ist, mit all ihren noch unbewältigten Ängsten an die Leitung eines GFK-Ausbildungskurses wagt, ist für mich auch Ausdruck von Mut, oder?[/quote]

Hm. Du betonst die Allgemeinplätze der Dualität: Spiegelphänomen, Ausgleich der Energien, Komplentarität... Bringt uns das weiter? Der von Dir vermutete Ausdruck von Mut ist nicht nur der Mut als Gegengewicht zur Angst, es ist in der gerade nicht integrierten und nicht bewußten Handlungsmaxime auch die Angst vor der Angst, die Angst vor dem eigenen Mut und das Pfeifen im Wald.

Bei Selbstüberforderung holt einen die Angst als Angst vor dem eigenen Mut ein und sucht sich einen Schuldigen im Außen, ein "Angstobjekt", das benannt und z.B. "geteert und gefedert" wird, einen, den man exemplarisch beschuldigen, aus- oder einschließen kann in der Hoffnung, eine Gefahr zu bannen und die Angst zu beruhigen. Gefahr und Angst liegen hier aber innen.

Zitat

Original von Tania
Die Überwindung der Angst kann nur dann Voraussetzung für eine authentische, friedvolle innere Haltung sein, wenn man die Angst nicht überwinden wollte " um zu"......; dann nämlich springt man auf die andere Seite, in den Mut und man hockt weiter drinnen in Pol und Gegenpol.
Fragt sich, wie kann man die Angst überwinden, ohne sie überwinden zu wollen? Wenn man diesen Widerspruch in sich voll erfassen kann, dann ist man in seiner Mitte. Und wie ich schon sagte, das Spiel, das wir jetzt noch alle spielen, hört dann in der bisherigen Form auf. Wie es dann aussehen wird, das weiß ich nicht.

Tania

Da kann ich Dir mal zustimmen: Es ist Achtsamkeit bei Motiven und Impulsen gefragt: Woher kommen sie? Will ich etwas "besser" machen, eine allgemein als "gut und edel" akzeptierte Handlungsmaxime? Dieses erfordert aber volle Bewußtheit für jede Konsequenz des Denkens und Handelns und des Nicht-Handelns, das auch ein Handeln ist. Achtsamkeit heißt nicht Zergrübeln und Zerdenken... Es ist also zunächst wahrzunehmen und reaktionslos auszuhalten, ja anzunehmen, was ist. Ist man nämlich nicht bei sich, kommt man auch mit sich nirgendwo hin.

LG, Michael
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69

Dienstag, 8. Juli 2008, 11:36

Was ich in meinem Leben will,
ist Einfühlsamkeit,
ein Fluss zwischen mir und anderen,
der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.

(Marshall B. Rosenberg)


In dem Zitat ist mit dem Wort Fluss, fließen gemeint. Ich sehe es gerne Wortwörtlich, in dem der Fluss eine natürliche Grenze symbolisiert. Mit der intellektuellen-emphatischen Anschauung und Kommunikation wird eine "Linie" zwischen Ich und Du-, Ich und das Andere gezogen. Es ist ein getrennt sein, aber auch nicht getrennt sein, weil das Ich und das Du präsent sind. Ich und Du ist da :eek, weil ich, wenn ich emphatisch bin, oder ein bischen abgelutschter gesagt im Hier und Jetzt bin, ich und du anwesent bin, weil wir beide "sauber" getrennt- und somit deutlich sind. Für den Anderen, der nicht emphatisch ist, bin ich, oder von mir aus auch irgend etwas anderes zwar auch irgendwie da, aber das andere, oder vieleicht auch ich oder irgend ein Anderer, werden "Verschwommen, Verwischt oder Vermischt gesehen". Das klassische Vermischte oder Verworrene sehen, zeigt sich in Übertragungen, Verschiebungen oder auf Wahrnehmungen die durch Ereignisse der Vergangenheit behaftet sind, und mir, dir, einen anderen oder was anderes angehaftet werden. Es kann in diesem Fall nicht zwischen Vergangenheit, Zukunft, Gegenenwart, oder/und Innen und Außen unterschieden werden. Ich z.b., bin dann für denen, die mich nicht emphatisch anschauen, irgendein Mischmasch aus vielem. Und wenn z.b. Ich, emphatisch jemanden oder was anderes anschaue, ist der Andere oder das Andere "halbwegs" das was es ist, und nicht das was es sein soll, oder werden soll.


:haha Dies & Das



................................................................ :frech
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Mittwoch, 9. Juli 2008, 00:07

In Fluss kommen

Zitat

Original von Ahorn
Was ich in meinem Leben will,
ist Einfühlsamkeit,
ein Fluss zwischen mir und anderen,
der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.

(Marshall B. Rosenberg)


In dem Zitat ist mit dem Wort Fluss, fließen gemeint. Ich sehe es gerne Wortwörtlich, in dem der Fluss eine natürliche Grenze symbolisiert.

:haha Dies


Bei mir ist auch Einiges in Fluss gekommen. Z. B.folgender Gedanke: Als ich von GfK hörte, dachte ich etwas vorschnell: Das ist ja besser als Psychiatrie und Psychotherapie (etwa die in Deinem Loriot-Video von der Gruppentherapie). Wir brauchen eher GfK, als Therapie, um unser Leben zu bereichern. Vielleicht sollte ich den Beruf wechseln. Als ich in eine GfK-Trainingsgruppe eintrat, dachte ich in heftiger Ernüchterung: Zumindest der eine oder andere GfK-Enthusiast und die Trainerin könnten mehr von der Psychotherapie und der Haltung der Therapeuten profitieren. Nachdem sich der Staub legt und eine tiefe Resignation vielleicht gerade dabei ist, von einer positiven Skepsis abgelöst zu werden, denke ich: Der Mensch braucht weder die Psychiatrie und Therapie, um glücklich zu werden, noch GfK. Vielleicht macht er beides oder läßt beides, aber die Dinge sind einfacher und tiefer zugleich. Denke, fühle, rede, lebe, aber mach Dir keinen Kopf Zunge. Freiheit ist auch Freiheit von Therapie, von GfK, von urteilendem Denken, vom Zwang, frei sein zu müssen.

LG, Michael
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Mittwoch, 9. Juli 2008, 09:39

Sehn-Sucht nach und Be-gehren von Empathie als Spiegel unserer Empathie-Ängste?

Sehn-Sucht nach und Be-gehren von Empathie als Spiegel unserer Empathie-Ängste? Ein kosmologischer Ausflug.

Bei der Sehn-Sucht nach Empathie, nach der wir immer wieder so be-gierig erscheinen, beobachte ich bei mir und anderen aber fast immer auch eine mehr oder weniger verborgene Gegenbewegung: Die Angst vor Empathie sowohl beim Nehmen wie auch beim Geben. Bei meiner Kursleiterin ist mir das besonders krass ins Auge gesprungen, aber natürlich wirkt sie trotz ihres zertifizierten Profi-Standes ja auch als Spiegel für meine eigenen Haltungen und Befürchtungen. Ich muss halt viel mehr durch diesen und andere Spiegel lernen, wenn es das sichtbare Beispiel der Lehrerin und die Lehre selbst nicht ist, so wie sie gegeben wird und bei mir ankommt.

Meine Erfahrung ist, dass es sehr komplimentäre Bedürfnisse und verwirrend widersprüchliche Gefühle gibt und optimalerweise schwirren wir auf einem Energieflow von Pol zu Pol, ohne uns dauerhaft in einer Extremposition zu verrennen und balancieren die Kräfteverhältnisse aus. Das kann auch eine wohltuende, angenehme, neugierig machende Spannung aufrechterhalten, die uns Lebendigkeit erleben und fühlen läßt. Mühsam ist der Kampf gegen eine Tendenz, z.B. wenn wir uns schon sehr auf einer Seite eingerichtet haben und die andere Seite fürchten oder wenn wir etwas anderes sehr stark begehren, als wir gerade leben und leben können.

Die Angst vor Empathie finde ich faszinierend. Viele Befürchtungen und somit nicht nur Gefühle sondern auch Gedankenkonstrukte, "Glaubenssätze", fließen mit in sie ein: Angst vor erdrückender Nähe, Angst vor Kontrollverlust, Angst vor Verschmelzung, Angst vor Desillusionierung und Verlust, Angst vor Verrat und Illoyalität, dadurch Angst vor Schmerz, Angst vor Mißbrauch, Scham und wieder und wieder auch Angst vor der Angst. Selbstbe- und -Verurteilungen mischen sich ein: Ich habe das nicht verdient, bin es nicht wert, muss es teuer bezahlen, kann es nicht zurück geben und vergelten, gerate in Bringschuld, sehe mich anderen Bedürfnissen, ja Forderungen gegenüber, fühle mich angesichts dessen klein und halte mich für bedeutungslos.

Viele Gedanken, einige Gefühle. Und dabei kann ich mir die Empathie eben nicht erkaufen oder verdienen, nicht erdienen, nicht abzwingen, sie nicht für sich einfordern. Ich kann sie zulassen oder ablehnen, fließen lassen oder blockieren. Regulieren kann ich eigentlich immer. Dient mir die Angst aber wirklich als Regulativ oder ist es ein völlig überzogenes Abwürgen? Und wie ist es um unsere maß-lose Be-gierde nach Empathie bestellt, um unsere grenzen-lose Sehn-sucht nach Mit-gefühl und An-nahme, die Viele z.B. wegen ihrer ungeheuren Dimension auf ein noch größeres Wesen projezieren, dass sie u.a. Gott nennen? Die Buddhisten, kluge Psychologen, raten da auch zum Maßhalten, zum mittlerem Weg; sie sind Spekulationen über ein höchstes Wesen abgeneigt und lernen, dass unsere Unwissenheit übermäßiges Verlangen (gierige Anhaftung) oder Ablehnung (negative Anhaftung) anfacht und unterhält und zur Verstrickung, Unklarheit, Gefangensein in Widersprüchen der dualen Welt (Samsara, Kreis der unerlösten Wiedergeburt) führt.

Ich selbst zähle mich zu denen, die bewußt nur ein begrenztes Bedürfnis nach Empathie spüren, ein Vorsichtiges sozusagen - unbewußt vielleicht mehr - und bewußt auch eine eindeutige Reserviertheit insbesondere gewissen Ausdrucksformen gegenüber. Es gibt einige Kontexte und Beziehungssituationen, die sich für mich "sanierter" und sicherer anfühlen, in denen ich freigiebiger im Geben und Nehmen sein kann und in anderen bin ich enger. Die Grenzlinien sind durchaus nicht ohne Weiteres von außen als klar und logisch erkennbar, es scheinen sich der äußeren Betrachtung Brüche und Lücken aufzutun und außerdem sind es oft Momentaufnahmen. Die Suche nach Glaubenssätzen bringt mich da zuweilen auf interessante Spuren und "Sicherheit" bzw. der bewußte (angstfreie?) Umgang mit Ängsten scheinen da wichtige Themen zu sein.

Eine meiner weiteren Erfahrungen zu dem Thema ist, dass bei etwa gleich starken Bedürfnissen, die sich scheinbar - auf der Ebene der Dualität - widersprechen, z.B. das nach Gesellschaft und das nach Alleinsein, oft nur ein winzige Quantum an Energie notwendig ist, um die Schleife in die eine oder andere Richtung zu beginnen, wie ein kleiner Rückstoß aus den Steuertriebwerken einer Rakete, die in eine neue Kreisbahn um ein Zentralgestirn führen, wobei es eigentlich am Ende völlig egal zu sein scheint, weil man sowieso nur mehr oder weniger geschwungene Achten mit einem Kreuzungspunkt in der energetischen Mitte fliegt... Die Wahl der Intensität und Richtung des Steuerungsstoßes kann bewußt und unbewußt erfolgen.

Es ist sehr wenig Kraft für eine Richtungsänderung in einem aber insgesamt doch sehr überschaubarem Energiefeld nötig. Doch auch ohne diese aktiven Steuerungsbewegungen umkreist man "seine Kraftzentren" und fliegt seine Bahnen in seinem Orbit, der sich aber mit anderen Orbitae überlappen kann. Um vielleicht unser aller energetische Mitte und Ursprung, die man sich auch als den Initialpunkt des Urknalls oder des tantrischen Weltbildes denken kann, entwickelt sich daurch das vierdimensionale Kreiseln auf unseren achförmigen Endlosschleifen ein komplexes "Pusteblumenbild", das andere Universen berührt und mit anderen verschmilzt, solchen mit gleichen und solchen mit anderen "lokalen" Mittelpunkten... Und obwohl die einfache "Kosmologie" die einfachen elipsenförmigen schwerkrafteingefangenen Kreisbewegungen von Objekten um einen Mittelpunkt kennt, ist die Dimension der Unendlichkeit doch die liegende Acht, die als doppelte Vier die Zahl des Kosmos ist. Die Acht hat einen Mittellpunkt im Schnittpunkt und zwei weitere "Neben-Mittelpunkte" ihrer jeweiligen Schleifen und somit drei wichtige Konstruktionspunkte. Dann denke man sich das Ganze noch dreidimensional statt auf einer Ebene liegend oder unter Einbeziehung der Zeit vierdimensional... Ist das nicht faszinierend?

Soweit der kleine Exkurs, bevor ich jetzt gleich abhebe ;)

LG, Michael
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Mittwoch, 9. Juli 2008, 09:57

RE: In Fluss kommen

Zitat

Original von Michael

Zitat

Original von Ahorn
Was ich in meinem Leben will,
ist Einfühlsamkeit,
ein Fluss zwischen mir und anderen,
der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.

(Marshall B. Rosenberg)


In dem Zitat ist mit dem Wort Fluss, fließen gemeint. Ich sehe es gerne Wortwörtlich, in dem der Fluss eine natürliche Grenze symbolisiert.

:haha Dies


Bei mir ist auch Einiges in Fluss gekommen. Z. B.folgender Gedanke: Als ich von GfK hörte, dachte ich etwas vorschnell: Das ist ja besser als Psychiatrie und Psychotherapie (etwa die in Deinem Loriot-Video von der Gruppentherapie). Wir brauchen eher GfK, als Therapie, um unser Leben zu bereichern. Vielleicht sollte ich den Beruf wechseln. Als ich in eine GfK-Trainingsgruppe eintrat, dachte ich in heftiger Ernüchterung: Zumindest der eine oder andere GfK-Enthusiast und die Trainerin könnten mehr von der Psychotherapie und der Haltung der Therapeuten profitieren. Nachdem sich der Staub legt und eine tiefe Resignation vielleicht gerade dabei ist, von einer positiven Skepsis abgelöst zu werden, denke ich: Der Mensch braucht weder die Psychiatrie und Therapie, um glücklich zu werden, noch GfK. Vielleicht macht er beides oder läßt beides, aber die Dinge sind einfacher und tiefer zugleich. Denke, fühle, rede, lebe, aber mach Dir keinen Kopf Zunge. Freiheit ist auch Freiheit von Therapie, von GfK, von urteilendem Denken, vom Zwang, frei sein zu müssen.

LG, Michael


Die Hölle, das sind die anderen“. Damit möchte Sartre nicht sagen, dass unsere Beziehungen zu anderen immer vergiftet sind, dass es immer teuflische Beziehungen sind, sondern dass, wenn diese Beziehungen verquer und vertrackt sind, der andere nur die Hölle sein kann, da die anderen das Wichtigste in uns selbst für unsere eigene Kenntnis von uns selbst sind. Wenn wir über uns nachdenken, wenn wir versuchen, uns zu erkennen, benutzen wir Kenntnisse, die andere über uns schon haben. Wir beurteilen uns mit den Mitteln, die andere uns zu unserer Beurteilung gegeben haben. In allem, was man über sich sagt, spielt immer das Urteil anderer hinein. Das bedeutet, wenn die Beziehungen von jemandem schlecht sind, begibt er sich in die totale Abhängigkeit von anderen. Und dann ist er tatsächlich in der Hölle. Das soll nach Sartre aber nicht heißen, dass man keine Beziehungen zu den anderen haben kann. Es kennzeichnet nur die entscheidende Bedeutung aller anderen für jeden Menschen. Die drei Personen des Stückes sind tot, wobei "tot" auch symbolisch zu verstehen ist. Viele Leute sind in einer Reihe von Gewohnheiten und Gebräuchen verkrustet und haben Urteile über sich, unter denen sie leiden, die sie aber nicht einmal zu verändern versuchen. Diese Leute sind wie tot, insofern sie den Rahmen ihrer Probleme, ihrer Ambitionen und ihrer Gewohnheiten nicht durchbrechen können und daher oft Opfer der Urteile bleiben, die man über sie gefällt hat. So lässt sich auch erklären, dass sie zum Beispiel feige oder bösartig sind. Quelle


Stress machen ein nur andere. Klingt zwar banal und man könnte dem entgegen halten, Stress macht man nur sich selbst, und die anderen sind nur ein Impulsgeber um die "Höllentür" in uns selbst zu öffnen. Aber ist es nicht wirklich so, daß die meisten Probleme und Problemchen von anderen her beruht. Bei aller Liebe und Toleranz, ohne diese "Störenfriede", die nach meiner Ansicht glücklicherweise nicht in der Überzahl sind, daß Leben sehr viel friedlicher und angenehmer wär, und wir schon fast den Duft des Paradieses auf Erden anschnuppern könnten. Ja, und es gibt einfach diese Leute, wie die Frau in dem Loriotfilm ziemlich direkt sagt, die primitiv und das Letzte sind. Da kann man auch nix mehr schön reden, daß ist dann einfach so, und mit komplizierte Erklärungsversuche ist sowas auch nicht unbedingt aufzulösen, sondern es wird noch verstrickter. Oft reicht eine einfache Feststellung, um zu wissen ob der oder die mir gut tut, und kann dem entsprechend handeln, ohne meine, oder die Psyche des anderen verausgabend zu analysieren.


LG
Torsten
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Samstag, 16. August 2008, 15:49

Erfahrungsbericht über ein IIT mit Marshall B. Rosenberg im Tessin

[SIZE=3]Internationales Intensivtraining (IIT) in Gewaltfreier Kommunikation mit Marhall B. Rosenberg in I Grappoli, Sessa, Tessin, 30.7.-8.8.2008[/SIZE]


Vom 30.7. bis zum 8.8.2008 fand im Tessiner Hotel I Grappoli im Ort Sessa/Schweiz eines von zwei diesjährigen Europäischen internationalen Intensivtrainings (IIT) mit dem Begründer der „Gewaltfreien Kommunikation“, Marshall B. Rosenberg, in englischer Sprache statt. Seitdem das Ehepaar Valentina und Marshall B. Rosenberg seinen Wohnsitz im letzten Jahr wieder zurück von der Schweiz in die USA verlegten, sind IIT’s mit Marshall in Europa rar geworden. Mir war es ein Anliegen, Marshall B. Rosenberg auch persönlich kennen zu lernen. Kursteilnehmer, die Marshall in früheren Jahren erlebt haben, berichteten auch, dass man dem beinahe 74-Jährigen nun doch auch sein Alter ansehe bzw. anmerke und dass Marshall vielleicht auch unter der Fürsorge seiner rührend bemühten und anhänglichen zweiten Frau Valentina mehr darauf achte, Zeit für sich und Ruhe sowie Entspannung zu finden und daher nicht wie früher bei allen auch nächtlichen Aktivitäten der Gruppe oder allen gemeinschaftlichen Essen dabei ist und diesmal auch etwas abseits vom Veranstaltungsort in einem eigenen Hotel wohnte.

Dennoch war seine Präsens während der zwei bis drei täglichen Trainingseinheiten von ca. je zwei Stunden Dauer ungeheuer stark und sehr beeindruckend, dazu seine Fähigkeit, sich blitzschnell in geradezu jede Situation einzufühlen und als GfK-Dialogpartner den Übenden und Ratsuchenden zur Verfügung zu stellen, was insbesondere in den Heilungssitzungen nötig war, in denen auch Marshalls Frau Valentina durch energetische Körpertherapie mitwirkte. In diesen Sitzungen brachten Teilnehmer, die sich dafür anmelden und auslosen lassen konnten (da so viele Bedürfnisse nach dieser Art von Verbindung mit Marshall bestanden) ihre Anliegen vor, seien es Probleme in der Partnerschaft, sei es die Erfahrung von Missbrauch, Ignoranz und Misshandlung in der Kindheit, sei es ein schwerer Abschied und eine nicht bewältigte Trauerarbeit. Aber auch Marshalls Assistentinnen in diesem IIT, die zertifizierten Trainerinnen Marianne Gothlin aus Schweden und Katherine Singer aus Korea (jetzt in den USA beheimatet) boten Heilungsarbeit mit in ihren Lehrerberufen verzweifelten oder mit anderen Traumata belasteten Teilnehmerinnen an und leiteten darüber hinaus qualitativ hochwertige GfK-Workshops zu diversen Themen und mit viel Praxisanteilen zum Üben.

Es war sehr beeindruckend, mitzuerleben, wie empathische Präsenz und eine einfühlsame Dialogweise ohne analytische Fragen, ohne Deutungen und ohne therapeutische Absicht einer von außen herangetragenen Heilungsveränderungen die Fähigkeiten des Probanden wie der empathisch teilnehmenden Zuhörer steigerten, sich in sich selbst und die Mitbetroffenen der meist tragischen Verwicklungen einzufühlen, sich und die Erfahrung anzunehmen, die damit verbundenen Gefühle wieder zu empfinden und loszulassen und zu Frieden und damit eine Form von heil Sein zu finden. Ich hatte mich gar nicht für so eine Heilarbeit angemeldet und auslosen lassen und doch mit der präsenten und einfühlsamen Begleitung dieses Prozesses bei anderen Teilnehmern bemerkt, wie sich auch tief in mir die Einstellung zu eigenen Konflikten und schmerzhaften Erfahrungen aus Kindheit und Jugend oder auch zu aktuellen Problemen bewusstseinserweiternd und achtsamkeitssteigernd veränderte. Einzelne Erfahrungen dieser Art konnte ich dann in vielen Übungseinheiten und Rollenspielen vertiefen.

Dabei hat mich besonders das Thema Schule bewegt, vielleicht, weil wir alle Schüler gewesen sind, bestimmt aber auch durch die Arbeit von Marianne Gothlin sowohl vor Ort in unserem IIT als auch in Schweden, denn sie leitet dort eine Giraffenschule und berichtete ausführlich über ihre Erfahrungen damit und den wohl hundert Besuchen in anderen Schulen während all der Zeit und als Vorbereitung der Gründung ihrer gewaltfreien Schule vor zehn Jahren. Ich glaube, ich wäre gerne in eine solche Schule und zu einer solchen Lehrerin gegangen. Sie leitete auch eine Heilungsarbeit mit einer französischen Kunstlehrerin, die ganz allein auf ihrer Schule versucht, GfK umzusetzen und dabei recht einsam und ohne suffiziente Unterstützung ist. Da kam viel Trauer und Sorge um ihre Schüler zum Ausdruck. Mir wurde bewußt, wie lückenhaft und fragil noch die Ansätze zu einer grundsätzlichen Umgstaltung des Schulwesens sind und wie vereinzelt sich die Aufgewachten vorkommen müssen, die etwas anderes ausprobieren wollen, als eine Schule, die zu obrigkeitshörigen Staatsbürgern, zu "netten toten Leuten" wie Marshall das manchmal nennt, erzieht. Gleichzeitig spürte ich viel Hoffnung durch diese aufgewachten Lehrer und Lehrerinnen und nahm mir vor, unsere älteste Tochter, die gerne Grundschullehrerin werden möchte, für diese GfK-Arbeit an Schulen zu interessieren.

Auch die persönlichen Gespräche dieses IIT abseits der Übungen und Workshops wurden von diesen Veränderungen in meinen Sichtweisen auf Konflikte und die Erfahrung mit den immer achtsamer, behutsamer und ehrlicher auftretenden Teilnehmern erfasst und transformiert. Insgesamt hatte sich schon nach zwei bis drei Tagen die Energie jedes Einzelnen und der Gesamtgruppe verändert, was in vielen Einzelbeobachtungen zum Ausdruck kam. Viele Teilnehmer bemerkten die Veränderung in den Haltungen und auch Gesichtsausdrücken der Anderen und sprachen das an. Es war von einer Zunahme von Entspannung, von häufigerem Lächeln und sogar von einem Leuchten die Rede. Wir hatten bis spät in die Nacht Gespräche, Spiel, Spaß, Tanz, Singen – jede Art von Entspannung auf schönste Weise. Schon ab sieben Uhr morgens boten Teilnehmer Yoga, Meditation und Zen an.

In ganz besonderer Weise trugen das Hotel und die Umgebung zu diesem Wohlbefinden und dieser Transformation bei, obwohl sicher die Präsenz von Marshall und seinem Team die wichtigsten Katalysatoren dieses Gemeinschaftserlebnisses war. Am Anfang schien alles noch ein wenig mühevoll. Die Zeltplatzvergabe für die, die ganz in der Natur und ein wenig sparsam oder nicht gleich mit Unbekannten in Zwei- und Dreibettzimmern sein wollten, war zu Beginn ziemlich bürokratisch und schwerfällig, die Plätze waren nicht besonders schön, die sanitären Anlagen unterdimensioniert und sicher kein Schweizer Standart. Die Essensausgabe unter Berücksichtigung vieler Sonderwünsche war langwierig und schwerfällig. Doch, oh Wunder, die Situation entwickelte sich ebenfalls nach einigen Tagen positiv. Ich entdeckte die schönen und angenehmen Seiten des Zeltens und kümmerte mich nicht mehr so sehr um meine neurotischen Hygienebefürchtungen und der Service war jeden Tag mehr bemüht, uns zufrieden zustellen. Darüber hinaus hatten wir sehr viele Programmangebote und gleichzeitig jede individuelle Freiheit, wie wir sie nutzen wollten. Die Trainer einschließlich Marshall waren jederzeit bemüht, auf die aktuellen Bedürfnisse der Teilnehmer, auch Einzelner einzugehen und es fand sich immer ein Leiter oder Teilnehmer, der seine Präsenz anbot, in und außerhalb der Gruppensitzungen.

Highlights waren auch unsere abendlichen Runden bei Wein, Witz, Spiel und Gesang. Das Rahmenprogramm des Hotel gab uns manchmal die Gelegenheit zu einem besonderen Spaß, z.B. als eines Abends der „Swiss Elvis“, ein Elvis-Interpret, auftrat. Elvis Musik ist normalerweise nicht die, die mich zum Mitsingen oder Tanzen veranlasst, aber die Atmosphäre, die ausgesprochen lustigen und aufgekratzten Kameraden und dieser süße Elvis in den Fünfzigern brachten es mit sich, dass auch nach dem Zubettgehen der übrigen Hotelgäste dieser Elvisinterpret in unserer Mitte mit entsprechender stimmlicher Unterstützung eine Zugabe nach der anderen sang und seinem beseelten Gesichtsausdruck zu Folge sicher einen der schönsten Abende seiner Karriere mit uns verlebte.

Eine andere wunderbare Erfahrung war der nur fünfzehn Minuten entfernte Wasserfall, der etwa 20 m tief in breitem Fächer klares kaltes Wasser in ein allerdings sehr steiniges Bachbett in einer engen Schlucht ergoss. Nach Entdeckung dieses Naturschauspiels pilgerte ich manchmal dreimal am Tag von 7 h morgens an allein oder mit anderen zum eiskalten, erfrischenden, energetisierenden Bad, das morgens noch eine starke Herausforderung war, mittags in der brütenden Hitze aber ein wahrer Labsal und durch einen Regenbogen geradezu überirdisch zauberhaft. Und wir hatten wirklich viel kindliche Freude beim Toben, Spritzen und Schreien und haben da ein paar hübsche Reinigungsrituale vollzogen. Da immer mehr und auch recht unterschiedliche Leute Lust hatten, an diesen Unternehmungen teilzunehmen, war es eine weitere Gelegenheit, einander näher zu kommen und nicht nur tiefsinnige Gespräche zu führen oder anderen zu lauschen, sondern auch zu schauen und dabei miteinander zu schweigen oder aber auch zu spielen, zu plantschen und aus voller Kehle zu brüllen – aus Lebenslust sozusagen.

Es versteht sich von selbst, dass der Abschied ebenfalls bewegend war und nicht leicht fiel, sind doch viele verbindende Erfahrungen erlebt worden. Dies bewirkten auch die vielen individuellen Beiträge der Teilnehmer an jedem einzelnen Tag mit Liedern, Gedichten, Erzählungen, einzelne Workshops von Teilnehmern und eine wunderbare komödiantische „No-Talent-Show“, an der die meisten von uns mitwirkten. So und auf die Art, wie wir uns bei kleineren und größeren Katastrophen, gesundheitlichen Problemen und alltäglichen Organisationsaufgaben halfen und unterstützten, wurden wir einander vertrauter und freundschaftlich zugetan, sodass die Atmosphäre immer offener wurde. Wir freuten uns aber auch trotz manch klammer Gefühle über die daheim gelassenen Sorgen und Probleme darauf, etwas von den Energien, den Einsichten und Veränderungen in uns selbst in unseren Alltag nach Hause in unsere Familien, Partnerschaften und zu unseren Arbeitsstätten zu bringen.

Eine kleine Anekdote über die Wirksamkeit von Gewaltfreier Kommunikation im Alltag – wir lernten von Marshall ja auch „street giraffe language“ – will ich aber zum Schluss noch erzählen. Einer unserer besten Entertainer erwirkte beim Hotelmanager die Erlaubnis für eine Pool-Party im hoteleigenen Freibad mit Bühne und Bar. Wir bekamen Lautsprecher, Verstärker und Zubehör und den Hotelbus, um alles dort aufzubauen und die Party konnte losgehen. Es gab jedoch ein Missverständnis, denn den Pool durften wir entgegen unseren anfänglichen Hoffnungen schließlich aus gesetzlichen Gründen nicht benutzen, wenn kein staatlich vereidigter Bademeister zugegen sein würde und Dienst täte. Dass wir zwei Rettungsschwimmer und mich als Arzt in der Mannschaft hatten, überzeugte den Manager am Telefon nicht. Zum Schluss wollte er, dass ich per Unterschrift für alle die Verantwortung übernehme, leider nicht nur für die Gruppe, sondern auch für die übrigen Hotelgäste und Zeltplatzbewohner mit ihren Kindern und Kleistkindern, damit er von Haftung frei ist.

Wir überlegten lange hin und her, ob wir jeden in einer Liste vor Eintritt in den Pool mit seiner Unterschrift seine Selbsthaftung anerkennen lassen wollten doch erschien uns das zu bürokratisch. Schließlich drückten wir den Verhandlern von Seiten des Hotels unser Bedauern aus und äußerten etwas traurig und enttäuscht aber mit Verständnis für die gesetzlichen Vorgaben und den Manager unseren Verzicht auf die Poolbenutzung. In diesem Augenblick sah ein Kellner des Hotel eine Möglichkeit und rief noch mal seinen Chef an. Er war vereidigter Bademeister und kannte mich als eifrigen Biertrinker mit angemessenem Trinkgeld und bot seinem Chef an, den Job als Schwimmaufsicht am Pool zu übernehmen. Der Manager stimmte unter der Voraussetzung zu, dass sein Angestellter ab 23 h wieder im Hotel arbeitet und wir sofort 120 SFr. Eintritt zahlen würden. Spontan packte ich meine letzten 100 SFr. auf den Tisch und eine weitere Teilnehmerin 20 SFr. und wir hatten den Pool, den Bademeister und die Poolparty. Damit ich innerlich nicht ganz trocken bleiben musste, fand sich immer jemand, der mir ein paar Franken für ein Bier auslieh. Ich hatte Vertrauen, dass die Feiernden das Geld am nächsten morgen schon wieder zusammen bekommen und wir uns den Spaß teilen würden. In der Tat hatten wir bis zum nächsten Abend den ganzen Betrag beisammen. Ich schlug vor, Überschüsse als abschließendes Trinkgeld an die Bedienung zu übergeben. Das hat die Teilnehmer so begeistert, dass nochmals 130 SFr. als Trinkgeld zum Schluss an die Kellner übergeben werden konnten, wobei manche sehr großzügig waren.

Seitdem wir wieder zuhause sind, tauschen wir in E-Mails Bilder, die mit Handy’s und Kameras aufgenommen wurden und kurze Briefe aus. Es war eine aufregende Zeit, so aufregend, dass ich sogar vor dem IIT schon vor Erwartungsspannung etwas krank geworden, aber rechtzeitig wieder genesen bin. Allein die Aussicht, mich nur auf Englisch verständigen und alles mitbekommen zu sollen, hatte mich ein wenig nervös gemacht. Dabei hatte ich am Ende unerwartet viel Vergnügen auch mit meinen lustigen Versprechern und Missverständnissen und mein Zutrauen in meine NVC-Fähigkeit in Englisch wuchsen von Tag zu Tag. Ich würde es also getreu nach Marshalls Satz, tu nichts, was keinen Spaß macht, wieder tun und bin sehr froh über dieses IIT-Erlebnis und – in Erinnerung an diesen Satz – auch sehr froh, meine letzten beiden Kurswochenenden meiner ursprünglichen GfK-Ausbildung storniert zu haben. Ich habe so viele überzeugende Anregungen bekommen, wo GfK-Trainings und -Workshops auch in Deutschland Spaß machen, dass ich beim nächsten Bedarf an dieser wundervollen Energieauffrischung sicher andernorts fündig werde. Meinem Blick auf meine Beziehung und Familie hat dieses IIT-Erlebnis ebenfalls gut getan und die Energien von I Grappoli sind immer noch wirksam.

Liebe Grüße, Michael


Zitat

Brief an Teilnehmer des IIT in I Grappoli vom 30.7.-8.8.2008

Dear friends, brothers, sisters…

I like very much to read from you, to hear from you, to look on the pictures of our journey… I like to feel the connection with you all, I like to remember and to enjoy the meaningful experiences we had together and the relationship we established in this ten days in Ticino.

The shower of feelings, joyful, lovely, pleasing, delightful, beautiful and also painful, sad and hurtful had come over me like a waterfall, to purify my inner self. That had given me some hope to meet my inner child and to meet others in an honest and authentic way.

Marshall told us, that non-violent communication means not words. Martin Buber’s thoughts, referred by Marshall, had fallen deep in my heart: The most precious gift we can offer to another person is our totally presence! This includes, that I’m aware of my self.

I love the picture, Marshall had given to us: My totally presence in the presence of the other person is like visiting this person in its house. Being a visitor on earth and in your hearts, knowing that I’m welcome, is a gift of great value for me too.

I had learned in the last days, how enjoyable not only pain could be, than also gratitude. To hear from another person being thankful for that, what I was able to contribute to its needs, has now a new and delightful meaning to me by falling deep in my heart causing joy and satisfaction. Before this experience I often felt ashamed.

So I like to say to you all that I’m very thankful for the given opportunity to meet you and being invited to your houses as a visitor in your heart. Thank you for that, thank you for calling me friend or brother and thank you for the joyful experience together.

The great and loving spirit of the universe bless you all,

Michael, Wilhelmshaven, 12.8.2008
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Samstag, 30. August 2008, 14:55

"Ich hatte nie einen Vater...", Nachtrag zum Erfahrungsbericht

Ein Nachtrag zu meinem Bericht, den ich im Forum "Gewaltfrei-im-Norden" veröffentlicht habe:

Zitat

Zitat aus "Gewaltfrei-im-Norden"


Re: Erfahrungsbericht über ein IIT vom 30.7.-8.8.08 mit Marhall Rosenberg im Tessin
« Antworten #2 am: 18. August 2008, 10:18:03 »

Zitat

Zitat von: Rübenigel am 17. August 2008, 11:44:54
Lieber Michael,

ich bin ganz berührt, Deinen Bericht zu lesen ... und damit auch, dass ich meine wahrzunehmen, dass Du ein Stück von der GfK erlebt hast, die Du gesucht hast.


Liebe Cynthia,

ja, das stimmt und es freut mich, dass das trotz der Länge des Berichtes 'rübergekommen ist, besonders das Berührtsein nicht nur von einer Idee oder Worten, sondern von einem Gemeinschaftserlebnis, das aus Hunderten von Details besteht, die ich gerne in Erinnerung behalten, aber nicht alle im Einzelnen ausführen möchte, bis auf eine Begebenheit:

Ein Teilnehmer, ein stiller Mann voller Energie aber auch leidend unter der Last einer schweren Kindheit ("Die einzigen Berührungen, die ich als Kind verspürte, soweit ich mich erinnern kann, waren Schläge!"), hatte eine emotional höchst aufgeladene Sitzung mit Marshall und ging dabei, so kam es mir vor, ausgesprochen scharf, hart und provokant mit diesem für ihn offenbar sehr schwierigenVatervorbild um. Marshall war nie verlegen, die gleiche hart klingende Sprache zu benutzen, street-giraffe eben, aber immer respektvoll, gütig, geduldig, präsent. Er wich niemals aus. Am letzten Tag lag ihm dieser Mann in den Armen, weinte unaufhörlich und wurde von Marshall und uns gehalten. Er schluchzte: "Ich hatte nie einen Vater!" Und schließlich wurde Erleichterung spürbar und die Tränen schienen nun aus der Freude zu kommen, denn sein Gesicht strahlte über die Maßen mit einem schönen, freien Lächeln.

Zitat

Zitat von: Rübenigel am 17. August 2008, 11:44:54
Fein ... fein ... fein ... ich freue mich mit Dir!

Eine Umarmung von Herz zu Herz
Rübenigel


Vielen Dank! Geteilte Freude ist doch um so viel schöner Lächelnd

Liebe Grüße, Michael

[SIZE=1]Zuhören ohne zu wissen, zu wollen, oder zu handeln. Handeln mit Umsicht.[/SIZE]


und weiter:

Zitat

Zitat aus "Gewaltfrei-im-Norden"

Re: Erfahrungsbericht über ein IIT vom 30.7.-8.8.08 mit Marhall Rosenberg im Tessin
« Antworten #4 am: 19. August 2008, 15:03:28 »

Zitat

Zitat von: Rübenigel am 18. August 2008, 13:34:35
Lieber Michael,

dieses Stück gelebte GfK, dass Du erlebt hast ... nenn ich ein Stück vom Paradies.


Ja, Cynthia, in gewisser Weise war es ein spirituelles Erlebnis. Marshall sprach auch über GfK und Spiritualität und meinte, dass es ihm eigentlich darum gehe, um diese Spiritualität, nicht um vier Schritte oder Worte, sondern um eine Haltung, um Präsenz...

Zitat

Zitat von: Rübenigel am 18. August 2008, 13:34:35
So habe ich mich auch in Verden und Steyerberg gefühlt. Es ist wirklich kaum zu beschreiben ... aber ich meine genau zu wissen, was Du meinst.

Herzlichst, Cynthia


Das Schöne in diesem IIT war ja auch, wie ich es eben auch z.B. von Steyerbverg oder Findhorn hörte, wo Gemeinschaften leben, die sich der GfK zugewendet haben, dass keine Erwartungen geweckt wurden, die dann enttäuscht wurden. Marshall und die Trainerinnen hielten auch in persönlich schwierigen Situationen stand, stellten sich und setzten ihre Präsenz ein. Sie schienen keine Angst vor Aufgewühltheit und Emotionen zu haben und ihre GfK bekam daher einen authentischen und echten Klang...

LG, Michael

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LG, Michael
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Freitag, 20. Februar 2015, 23:41

Zum Tode Marshall Rosenbergs

Vor sechseinhalb Jahren lernte ich den amerikanischen Psychologen und Begründer der Nonviolant Communication (NVC) Dr. Marshall Rosenberg (*6.10.1934 Canton, Ohio, + 7.2.2015 Albuquerque New Mexico) persönlich kennen und war ebenso beeindruckt von seiner Persönlichkeit wie von seiner vorgetragenen und gelebten "Gewaltfreien Kommunikation" (GFK). Er war an Prostata-Carzinom erkrankt. Vor zwei Wochen entschlief er achtzigjährig friedlich im Familienkreis. Er lehrte, dass wir einerseits einzigartige und unvergleichliche menschliche Wesen sind und doch alle die gleichen Bedürfnisse haben und ähnlich fühlen, sodass wir über eine einfühlsame und respektvolle Gesprächsweise, die vom Herzen kommt und zum Herzen findet, Konflikte beenden und friedvoll miteinander umgehen können. Unsere Kommunikationsweisen sind ein Schlüssel zu diesem Vermögen und zu diesem Ziel. Marshall Rosenberg sah seine "Giraffen-Sprache", wie er die Gewaltfreie Kommunikation auch nannte, allerdings nicht als eine bloße psychologische Kommunikationstechnik oder gar manipulative Strategie an, um quasi auf die "sanfte Tour" leichter beim Gegenüber die eigenen Ziele durchsetzen zu können, sondern es ging ihm um Aufrichtigkeit und Authentizität des Selbstausdrucks und somit viel mehr um eine Haltung, die das ganze Leben umfasst. Jenseits von Forderungen und Vorwürfen können wir einander begegnen, indem wir unsere eigenen Bedürfnisse und die unserer Mitmenschen kennen und respektieren lernen, uns und anderen mit Einfühlsamkeit begegnen, Verantwortung für unser Fühlen übernehmen und wieder lernen, zu bitten und zu danken, anstatt zu manipulieren und Druck aufeinander auszuüben. Marshall Rosenbergs Geschichten über seine Erfahrungen und die Lehren, die er daraus zog, am liebsten erzählt mit den Handpuppen einer Giraffe und eines Wolfes oder Schakals, sind köstliche, humorvolle, geistreiche Lehrstücke, die jedem einleuchten können, wie etwa das Video: "Do you love me?". Das größte ehrenvolle Andenken ist, dass derjenige, der sich nicht scheute, in den aussichtslosesten Konflikten zu vermitteln, z.B. zwischen Israelis und Palästinensern, so viele interessante, originelle und begeisterte Nachfolger gefunden und ausgebildet hat, die die Welt mit der Idee der Nonviolent Communication in ihrer eigenen, kreativen Weise weiter bekannt machen und bereichern.
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