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41

Mittwoch, 16. November 2005, 02:28

Jep.....das ist einfach positive Anker in einer negativen Geschichte abfeuern, das ist ganz witzig, da kommen die lustigsten Bilder zustande. Gute Idee!

LG
Bea
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ABRAHAM - HICKS

42

Mittwoch, 16. November 2005, 04:43

Und dann kommt die Lösung (oder ein Ansatz dazu) aus Deiner Tochter selbst !

LG, Reinhard

43

Dienstag, 29. November 2005, 13:51

Hallo zusammen

Per Zufall habe ich gestern ein Forum für psychische Krankheiten entdeckt. Es nennt sich www.verrueckt.de
Vielleicht auch ein Tip für Angehörige oder Freunde, ich weiss es nicht so genau, aber man kann sich vielleicht etwas vorstellen was so in einem kranken Menschen vor sich geht.

LG Pony

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44

Dienstag, 29. November 2005, 14:00

Liebe Pony

Das Problem in unserer Familie ist eher eine zu lebhafte Vorstellungsgabe als ein zuwenig davon.

Durch diverse Vorkommnisse (Austritt aus der Klinik auf eigenes Verlangen - Rückfall - Wiedereintritt in Klinik), konnte sich meine Tochter jetzt langsam etwas abgrenzen von der Freundin. Ein gewisses Mass an Wechselbad der Gefühle bleibt natürlich. "Wann rufst du wieder an?" am einen Tag und "ruf mich NIE mehr an!" am nächsten Tag.... Aber es ist nicht mehr so intensiv, dass wir das Gefühl haben das Auf und Ab der Freundin sei 24 Std. am Tag in ihrem Alltag präsent und beeinträchtige sie.

LG
Bea
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45

Montag, 2. Dezember 2013, 23:56

Eine Leserfrage zum Thema Schizophrenie eines Angehörigen

Heute bekam ich eine Anfrage per Email aufgrund der hier veröffentlichten Stellungnahmen zum Thema "Schizophrenie".

Zitat

Sehr geehrter Herr "Michael",

ich habe einige Beiträge im Portal ganzehitliche Sicht von Ihnen zu Schizophrenie gelesen.
In meiner Herkunftsfamilie sind 2 Geschwister betroffen und ich weiß nicht, wie ich meinem Bruder helfen kann.
Es gibt zu wenige Psychologen hier in X. Alle ausgebucht, hinzu kommt, wenige kennen sich wirklich mit Schizophrenie + Stimmen hören aus. Mein Bruder geht alle 8 Wochen zum Neurologen, um sich sein Medikament abzuholen. Ich will ihn so gern unterstützen. Das Medikament macht ihn nur antriebs- und lustlos.
Praktizieren Sie in Deutschland oder können Sie mir jemanden empfehlen, wo wir uns hinwenden können?

Viele Grüße Y

Sehr geehrte Y,

ich kann Ihren Bruder nicht behandeln und auch nicht per Internet oder Forum beraten, um es gleich vorweg zu sagen. Ich behandele ausschließlich Kinder- und Jugendliche und deren Familien im Einzugsbereich unserer Klinik und Institutsambulanz. Das ist übrigens auch sehr weit weg von X. Eine wohnortnahe Versorgung und Behandlung sollte im Fordergrund stehen und einen psychisch labilen oder anfälligen Menschen würde man nicht ohne Not und Vorbereitung irgendwohin verpflanzen. Ich kann Ihnen nur ganz allgemein etwas schreiben, ohne Ihre Situation näher zu kennen und Sie dann bitten, weiter vor Ort zu recherchieren.

Im Vergleich zu unserem Städtchen ist Ihre Stadt X deutlich größer (ca. 3 x so groß) und sollte mehr Infrastruktur bieten. X hat sogar eine psychiatrische Universitätsklinik und vermutlich auch eine Institutsambulanz, eine Tagesklinik usw. Ihr Bruder kennt sich hier gewiss besser aus, als ich.

Außerdem verfügt das Gesundheitsamt in X über einen so genannten Sozialpsychiatrischen Dienst ("SPD", Beratung auch anonym möglich, viele Adressen verfügbar). Das lässt sich ebenso wie die Adressen von Psychiatern, Nervenärzten und Psychotherapeuten schnell über das Internet ermitteln. Eine konkrete Empfehlung kann und darf ich nicht geben, ich kenne persönlich keinen Arzt und keine Ärztin aus dieser Gegend.

Wenn die Wartezeiten bei niedergelassenen ÄrztInnen und TherapeutInnen lang sind, hilft es nur, sich an vielen Orten anzumelden, sich auf Wartelisten setzen zu lassen und immer wieder anzurufen. Letzteres ist besonders wichtig! Dabei können Sie Ihren Bruder unterstützen, wenn er Sie darum bittet. Entscheidend sind dann die ersten Gespräche: Ihr Bruder und der (die) therapeutische Gesprächsparter(in) entscheiden anschließend, ob sie zueinander passen und "die Chemie stimmt". Dann kann es weiter gehen.

Ich stimme vermutlich mit Ihnen überein, dass Medikamente (Psychopharmaka) nur eine Seite der Behandlung sind (von denen es mindestens drei gibt), oft ein notwendiges Übel, von dem man nur soviel wie nötig und so wenig und so kurz wie möglich verschreiben sollte. Nicht immer lassen sich Medikamente ganz vermeiden. Wenn sie aber schon sehr lange gegeben und ev. auch noch mehrfach gewechselt wurden, ist besonderes Fingerspitzengefühl und besondere Fachkenntnis nötig, wenn man die Medikamente herunter dosieren und irgendwann wieder absetzen oder erneut verändern möchte. Ohne einen guten therapeutischen und sozialen Halt und ein gutes Maß an Stabilität ist das oft nicht ohne höheres Risiko (z.B. eines Rückfalls) möglich.

Der verantwortungsbewusste Einsatz von Psychopharmaka schließt die regelmäßige allgemeinärztliche oder internistische Überwachung des Patienten mit ein, damit gewährleistet ist, dass das blutbildende System mit seinem Immunsystem, das Herzkreislaufsystem (EKG, RR-messen usw.), die entgiftenden Organe Leber und Nieren und der Stoffwechsel (Diabetesrisiko, Gewichtszunahme oder -abnahme etc.) gesund sind und bleiben. Auch plötzliche, schwere Infekte etwa mit Grippesymptomen müssen bei Psychopharmakapatienten, insbesondere solchen, die Neuroleptika erhalten, ärztlich untersucht und überwacht werden.

Gewisse neurologische Untersuchungen einschließlich bildgebender Verfahren (CT, MRT) hat man natürlich im Rahmen der Ursachenforschung und Überwachung auch irgendwann gemacht und wiederholt sie nach einer längeren Zeit je nach Anlass, Symptomatik usw. Und schließlich fragt der sorgfältige Arzt auch nach den vielfältigen vegetativen Symptomen und geht auf mögliche Nebenwirkungen ein, die z.B. die Hormonachse betreffen und damit z.B. oft auch die so genannte "Libido" und dadurch das Geschlechtsleben, des Weiteren Schlaf, Antrieb, Appetit usw.

Schließlich gilt es im Auge zu behalten, dass Patienten mit Schizophreniesymptomen sich öfter selbst mit Drogen wie Alkohol, Cannabis, Heroin, Kokain und vielen anderen Substanzen und unzweckmäßigen Medikamenten zu behandeln versuchen, um ihr subjektives Leiderleben zu lindern. Auch darauf schaut ein guter Arzt und Therapeut, was eine leidlich gute Vertrauensbeziehung voraussetzt.

Daraus folgt natürlich insgesamt jenseits moderner medikamentöser Eingriffsmöglichkeiten: Gespräche und eine gute Gesprächsbeziehung sind sehr wichtig, sozialpsychiatrische Aspekte sind wichtig (also u. a. ob jemand Beschäftigung, Arbeit, etwas Sinnvolles in seinem Leben hat oder darauf zusteuern kann) und familientherapeutische Aspekte sind wichtig, also ob jemand Unterstützung und Anerkennung in seiner Familie hat.

Wichtig kann auch sein, wenn die Behandler sich als Netzwerk um und für einen Patienten und sein engeres soziales Umfeld verstehen und sich unterstützend austauschen, wenn es verschiedene Personen sind: Klinikarzt, Hausarzt, Psychiater/Nervenarzt, Psychotherapeut, Sozialarbeiter, SPD-Mitarbeiter usw.

Manchmal sind nicht nur vorübergehende Psychiatrieaufenthalte in einer Klinik notwendig, sondern anschließend eine stationäre Rehabilitation, bei jungen Leuten vielleicht eine geschützte Berufsausbildung, bei bereits Berufstätigen eine berufliche Wiedereingliederung usw. Die Betroffenen haben oft Zugang zu besonderen Beratungs-, Vermittlungs- und Qualifizierungsangeboten der Arbeitsagenturen und Jobcenter, brauchen aber oft einen Couch auf der Tour durch die Ämter und Behörden. Auch das Sozialamt und das Versorgungsamt sind oft wichtige Adressen bei länger oder gar chronisch Erkrankten.

Und schließlich können ebenfalls Betroffene mit ihren Erfahrungen und ihrem Einfühlungsvermögen in entsprechenden Situationen helfen. Gerade bei dem von Ihnen erwähnten Krankheitsbild haben sich schon seit Jahren psychiatrieerfahrene Menschen in Selbsthilfe- oder Patientengruppen organisiert. Dort nennen sich so genannte Patienten z.B. "psychoserfahren" und "psychiatrieerfahren" oder bezeichnen sich als "Stimmenhörer".

So gibt es auch im Internet beispielsweise ein "Netzwerk Stimmenhören e.V." (www.stimmenhoeren.de). Hier wird noch einmal eine andere Sicht auf dieses Phänomen genommen und zwar explizit nicht aus der Perspektive der "Pathologie", was manchen Psychiatern sehr suspekt vorkommt. Ein Perspektivwechsel von einer defizitorientierten ("Defekt") zu einer ressourcenorientierten ("Fähigkeiten") Denkweise kann jedoch helfen, wenn über die Monate und Jahre einer solchen Erkrankung das Selbstwertgefühl des Leidenden zusammen bricht und Betroffene sich nur noch als Kranke definiert sehen und diese Sicht zum Teil selbst sehr stark übernehmen, sich in ihr Krankheitsschicksal dann passiv ergeben und sich danach überwiegend aus der Opferperspektive erleben.

Manchmal ist auch eine spirituelle Unterstützung durch Seelsorger hilfreich, wenn jemand dafür offen ist, solange nicht mit Ideologien und auch nicht mit fundamentalistischen Ansichten gearbeitet wird, sondern mit offenem, zuhörenden, anteilnehmendem Herzen. Ein an einer so genannten Schizophrenie erkrankter Mensch braucht viele Menschen, genauso, wie wir "Gesunden", doch ist er aufgrund seiner Erfahrungen und vieler Ängste oft besonders misstrauisch. Und Angehörige benötigen eben auch ein aufmerksames Ohr. Auch ihnen helfen Gespräche in solchen Gruppen aus betroffenen Patienten und Angehörigen.

Eine seriöse, bekanntere Vereinigung sozialpsychiatrisch interessierter Menschen, die sich als TherapeutInnen und PsychiatriemitarbeiterInnen wie auch als Betroffene von psychiatrischen Diagnosen oder Erkrankungen schon vor langer Zeit in der so genannten "Psychiatriebewegung" ("raus aus der Psychiatrie") in Deutschland zusammen geschlossen haben, ist die "Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V." (www.dgsp-ev.de). In deren Homepage heißt es unter anderem:

Zitat

Die DGSP tritt ein für eine Kommunikation auf gleicher Augenhöhe zwischen psychisch erkrankten Menschen, Angehörigen und psychiatrisch Tätigen. Sie pflegt regen Austausch mit den Organisationen von Betroffenen und Angehörigen - dem »Bundesverband Psychiatrie Erfahrener« (BPE) und dem »Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker« (BApK).

Nun haben Sie ein paar Anregungen und Adressen inkl. Internetadressen. Dort können Sie Ihre Fragen loswerden, nach weiteren Adressen fragen, nach Selbsthilfe- und Angehörigengruppen, nach systemischen Familientherapeuten usw. Beziehen Sie aber wenn möglich Ihren Bruder mit ein und tun sich nichts einfach über seinen Kopf hinweg. Etwas anderes ist es, wenn Sie für sich selbst Hilfe als Angehörige in einer entsprechenden Gesprächsgruppe suchen, um z.B. zu erfahren, wie Sie sich selbst dem Bruder gegenüber verhalten können oder wenn Sie die Angst plagen sollte, im Sinne eine Familienschicksals auch einmal von schwererem psychischem Leiden betroffen zu werden.

Sie sehen, Ihre Frage hat mich zum Nachdenken veranlasst und ich überlege gerade, in allgemeinerer Form und selbstverständlich vollkommen anonym (ohne Hinweis auf Ihre Person!) im Forum eine allgemeinere Antwort auf Fragen um die Schizophreniebehandlung zu schreiben. Vielen Dank für die Anregung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

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Mittwoch, 4. Dezember 2013, 23:53

Fragen zur Schizophrenie. Ein Email-Dialog

Zitat

Aus einer Email:
Gesendet: Dienstag, 03. Dezember 2013 um 13:22 Uhr

Sehr geehrter Herr S.-H.,

ein ganz herzliches Dankeschön für Ihre so umfangreiche und unterstützende Antwort. Bei einigen Stellen in X habe ich schon recherchiert, ich glaube, ich muss einfach mehr Geduld aufbringen. Zudem hat mein Bruder mich nicht wirklich gebeten, zu suchen, ich sehe eben nur wie schlecht er drauf ist und dass die Medikamente ihn so antriebslos machen, dass er sicher auch nicht die Kraft aufbringt, etwas zu unternehmen. Es ist ein schmaler Grat, man möchte ihn nicht gängeln oder bevormunden, andererseits ist es schwer, zuzusehen, dass er sich nicht um seine Angelegenheiten/Interessen kümmert, eben einfach wartet…
…wartet auf seinen nächsten Neurologentermin, obwohl der noch weit weg ist, es ihm aber jetzt schlecht geht mit dem Medikament
…dass irgendwann eine Nachricht auf seinen Antrag berufliche Rehabilitation kommt…ohne zwischendurch telefonisch nachzufragen
…ein Angebot, dass ich anrufe und nachfrage, ablehnt, weil ihm das unangenehm ist (was ich verstehen kann) – aber trotzdem nicht selbst anruft

Es ist so schwer, als Schwester zuzusehen, dass Gefühl zu haben, helfen zu wollen, aber auch nicht die Kompetenz des Bruders antasten möchte. Ich hatte ihm gesagt, wenn es ihm nicht gut geht, könne er doch auch ohne Termin zu seiner Neurologin - wenn ich krank werde, habe ich ja auch keinen Termin; oder: nachdem er mir sagte, dass nichts passiert wegen seines Antrags auf berufliche Reha, riet ich ihm, vielleicht wäre es gut, bei der Rentenstelle mal anzurufen und nachzufragen, ob sein Antrag eingegangen ist…ich bot mich auch an, dass zu übernehmen, was er nicht wollte…

Ich weiß eben einfach nicht, ist er auf Grund der Erkrankung nicht in der Lage, sich zu kümmern und wäre es dann nicht meine Pflicht, ihn zu unterstützen oder… vielleicht muss es ihm noch schlechter gehen, bevor er mich vielleicht um Unterstützung bittet oder einsieht, selbst etwas zu tun. Ich habe eben einfach Angst um meinen Bruder…er könnte sich ja auch was antun in so einer depressiven Phase…

Ich musste auch zusehen, dass meine Schwester über zehn Jahre Neuroleptika nimmt, wenig psychologische Betreuung bekam, weil Sie nicht fähig war, es zu beanspruchen. All meine verzweifelten Unternehmungen, Ihr zu helfen, haben nicht gefruchtet. Das Akzeptieren, dass der Betroffene vielleicht lieber ein Leben lang Medikamente schluckt, weil er eben einfach ein schwächerer Mensch ist…das fällt mir sehr schwer. Mich zurück zu nehmen und zu akzeptieren L
Ich glaube eben, wenn ein Körper und eine Seele über einen längeren Zeitraum so aus dem Gleichgewicht gekommen sind, müsste es doch mit entsprechender Hilfe auch umkehrbar sein. Aber, es kann sein, ich liege falsch und es ist nur dann möglich, wenn der Betroffene eine besonders starken Willen hat und es auch selbst möchte.

Sorry, ich habe schon wieder so viel geschrieben. Aber Sie sind neben einem Betroffenen der einzige Mensch, der mir so kompetent und hilfreich geantwortet hat. Danke dafür.
Ich stelle auch fest, ich habe mangelndes Vertrauen – Ärzten und manchen Therapeuten (zumindest dem meiner Schwester) gegenüber – sicher suche ich deshalb eher Antworten im Internet.

Ich möchte Ihnen auf jeden Fall noch schreiben, ich habe großen Respekt für Ihr Angebot www.ganzheitlichesicht.de und dafür ein ganz großes Dankeschön. Sicher finde ich hier als Angehöriger weitere Anregungen und Hilfestellung.

Mit dankbaren Grüßen Y

Email, Gesendet: Dienstag, 3. Dezember 2013 14:53

Sehr geehrte Frau Y,

ich verstehe gut, was Sie meinen und Ihre Sorge und das Gefühl von Hilflosigkeit. Zudem kommt die Beziehungsfrage. Sie möchten Ihren Angehörigen beistehen und dennoch ist gerade das schwierig, besonders wenn es über gefühlvolle, menschliche Anteilnahme hinaus geht und Sie ins Handeln kommen möchten, Ihnen aber gesagt oder gezeigt oder bedeutet wird, sich vorerst da raus zu halten.

Daher glaube ich, dass Ihnen der Kontakt zu einer Angehörigengruppe gut täte, wo Sie sich austauschen können, ähnliche und etwas andere Sichtweisen kennen lernen können und Fehler, sofern das überhaupt relevant ist, vermeiden lernen können, etwa die des unwillkommenen Überengagement der umgekehrt des verzagten oder frustrierten Rückzuges aus dem Kontakt.

Außerdem könnte es interessant für Sie sein, weil sie aus eigenem Erleben in Ihrer Familie entsprechende Probleme kennen, in Organisationen und Vereinigungen von Menschen aktiv zu werden, die sich für eine mitmenschliche Psychiatrie mit sozialer Perspektive in der Gesellschaft und nicht von ihr abgeschieden einsetzen. Der so genannte "Trialog" ist ein Ergebnis der "Psychiatriebewegung" in den späten Siebzigern und Achtzigern und bedeutet, dass von drei verschiedenen Blickwinkeln Betroffene des Komplexes "Psychiatrie", nämlich Psychiatrieerfahrene ("Patienten"), Angehörige und PsychiatriemitarbeierInnen auf Augenhöhe gleichberechtigt miteinander ins Gespräch kommen und Ideen für eine lebenswerte und menschenwürdige psychiatrische Hilfe in Bedarfsfällen entwickeln und weiter entwickeln.

Vielleicht finden Sie unter den Adressen ansprechende Angebote für Ihr Potential, das ja irgendwie nach Entfaltung in einem Engagement dürstet. Vielleicht helfen Sie damit nicht unmittelbar Ihrer Schwester oder Ihrem Bruder, aber allemal sich selbst und ein paar Anderen, sammeln Erfahrung und interessantes fachliches Wissen, sind im Kontakt und im Austausch mit interessanten Menschen und bekommen Ideen, die es ihnen leichter machen, mit Ihren erkrankten Geschwistern in einem befriedigenderen Kontakt zu sein und entwickeln auch eine Haltung, die diese ermutigt, Ihnen zu vertrauen, sich Ihnen anzuvertrauen und sich von Ihnen helfen zu lassen, wobei diese Ihnen umgekehrt dabei helfen, etwas mehr von ihrer Welt, ihren Bedürfnissen und natürlich auch von ihrem Glück und Unglück zu verstehen. Versuchen Sie es.

Eigentlich geht es für uns immer und immer wieder um's Lernen, selbst und gerade dann, wenn wir was tun wollen. Sokrates soll es so gesehen haben, nachdem er eingesehen hatte, dass er als angeblich weiser Mensch in den Augen seiner Mitbürger eigentlich nichts weiß. Darum hat er viele Meister ihres Faches befragt und wollte deren Weisheit ergründen. Dabei kam heraus, dass sie von manchen Dingen (Tugend, Denken, Menschlichkeit) auch herzlich wenig wissen, aber die Dialoge haben Sokrates selbst ein wenig weiter gebracht und seine Schüler, für die auch Platon später berichtete.

Und nun haben wir nicht nur den sokratischen "Dialog", sondern den sozialpsychiatrischen "Trialog" und sogar die familientherapeutische "Vielstimmigkeit" mit zirkulären Fragen, mit denen wir so genannte Probleme umwandern und von den verschiedensten Perspektiven aus betrachten können. Daraus ergeben sich manchmal erstaunliche Auflösungen. Daher möchte ich Sie ermutigen: Werden sie als Laie und betroffene Angehörige aktiv!

Ein Aktiver früher Stunde und Pionier des Trialoges ist übrigens der Sozialpsychiater Prof. Dr. Klaus Dörner, der am 22.11. gerade 80 geworden ist und der mit der DGSP verbunden ist. Er spricht immer vom "Dritten Sozialraum", in dem das soziale, republikanische Bürgerengagement die Kompetenz von Fachleuten, Behörden und Politikern wirkungsvoll ergänzen muss, wenn die Hilfen bei den Betroffenen ankommen sollen und sich eine Bürgergesellschaft nach den Bedürfnissen der betroffenen Bürger, von denen "da unten", entwickeln soll und nicht nur eine, wie sie die Verwaltung, die Politik und die professionalisierten Helfer sehen wollen.

Nur Mut und weiter viel Glück und Erfolg! Und vielen Dank für die nette Rückmeldung!

Mit freundlichen Grüßen,

M. S.-H.


Zitat

Aus einer Email:
Gesendet: Dienstag, 03. Dezember 2013 um 15:01 Uhr

Danke nochmals und die Ermutigung zu eigenem Engagement, soweit ich noch gar nicht dachte… hier könnte ich mein Anliegen vertreten und mein Potenzial entfalten J
Ihnen ebenfalls weiterhin alles Gute auf Ihrem engagierten Weg! Y


Gesendet: Dienstag, 3. Dezember 2013 23:05

Guten Abend, Frau Y,

ja, vielleicht haben Sie ja noch nicht daran gedacht, aber ich dachte, vielleicht könnte es hilfreich für Sie sein, Orte und Aufgaben für reflektiertes Handeln und Austausch unter Gleichgesinnten zu finden. Ist es nicht besser, sich dort zu engagieren, wo man sich als wirksam erleben kann und vielleicht gebraucht wird und erwünscht ist, als dort, wo man vielleicht auch schon gebraucht würde, aber noch nicht dazu eingeladen wird, hilfreich zu sein?

Viele Grüße,

M. S.-H.

Zitat

Aus einer Email:
Gesendet: Mittwoch, 04. Dezember 2013 um 07:44 Uhr

Guten Morgen, Herr S.-H.,

da gebe ich Ihnen recht, es wäre viel besser, hier vor Ort agieren zu können. Und plötzlich habe ich auch schon die ersten Ideen. Die Selbsthilfegruppe für Schizophrenie/Stimmenhörer ist vor längerer Zeit eingeschlafen. Meine Schwester nahm daran teil und es waren auch nur 3 Teilnehmer. Vielleicht wäre es an der Zeit, mich hier um eine neue Initiative zu engagieren. Wenn ich hier Gleichgesinnte, Betroffene und Angehörige zusammen bringen könnte, dass wäre schon toll. Ich habe auch Kontakt zu einer angehenden Tanztherapeutin und kenne eine Musiktherapeutin. Da es diese Angebote hier außer im klinischen Bereich nicht gibt, vielleicht könnte ich hier Interessenten zusammen bringen. Meiner Schwester hat die Tanztherapie damals in der Klinik gut getan, nur leider sind halt solcherlei Angebote außerhalb der Klinik nicht möglich. Ich selbst habe auch Erfahrungen im Biodanza gemacht und fand diese sehr hilfreich und unterstützend, besonders in schwierigen Lebensphasen.
Ja, vielleicht hat mir bisher nur der letzte Anstoß gefehlt, um in konstruktives Handeln zu kommen, anstatt nur die Defizite zu sehen und mich dadurch zu entmutigen.
Ich denke ich werde einen Versuch starten und einfach mal loslegen. Mit diesen Gedanken bin ich auch selbst nicht mehr so dem Gefühl der Hilflosigkeit ausgesetzt. Vielen Dank für Ihre Anregungen.

Ganz herzliche Grüße aus X
Y
Ich wünsche Ihnen eine wunderbare Adventszeit!


Gesendet: Mittwoch, 4. Dezember 2013 10:06

Guten Morgen, Frau Y,

ich finde Ihre Idee wunderbar! Tun Sie das, was Sie da vorhaben! Menschen unterschiedlicher Art zu denken und zu fühlen benötigen genau diese Verbindungen, um einander kennen, verstehen, annehmen zu lernen und gar nicht so selten führen diese Bemühungen zu befriedigenden und heilsamen Kontakten.

Ich würde unseren ganzen Email-Dialog gerne in dem Forum, in dem Sie auf mich aufmerksam wurden, veröffentlichen, selbstverständlich anonym und ohne Namensnennung der Stadt oder von Personen, damit auch Andere etwas davon haben, sich ermutigt fühlen und die Initiative ergreifen.

Solche Fragen, wie Sie sie stellen, begegnen mir tatsächlich ab und zu, auch von meinen Patienten und es ist sehr aufwändig für mich, sie alle individuell zu beantworten, zumal es doch ein paar allgemeine Dinge gibt, die auf Viele zutreffen. Wären Sie daher mit meinem Vorschlag einverstanden?

Wenn Sie eine Initiative der von Ihnen genannten Art gestartet oder wiederbelebt haben, können Sie gerne im Forum www/ganzheitlichesicht.de darüber berichten und zur Kontaktaufnahme einladen.

Mit freundlichen Grüßen (und seien Sie auf der Hut vor dem Sturmtief ab morgen!),

M. S.-H.

Zitat

Aus einer Email:
Gesendet: Mittwoch, 04. Dezember 2013 um 10:24 Uhr

Sehr geehrter Herr S.-H.,

gern können Sie unseren Dialog veröffentlichen und ja, wenn ich etwas bewegen kann, bin ich gern bereit, mich im genannten Forum anzumelden und über meine Erfahrungen und Erfolge zu berichten. Wir können gern so verbleiben, dass ich bei weiteren Fragestellungen usw. gleich über das Forum schreibe, um Ihnen die individuelle Beantwortung zu ersparen sowie das nachträgliche Veröffentlichen. Dann also vielen Dank für den ermutigenden E-Mail-Kontakt und bis bald im Forum.

Viele Grüße Y
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)