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Freitag, 10. März 2006, 00:20

Arnica montana nach Verletzung: Welche Potenz?

Nach Verletzungen aller Art wird in der Homöopathie oft Arnica verabreicht. In der Literatur werden unterschiedliche Angaben über die empfehlenswerte Potenz gemacht. Klar ist wohl, dass Potenzen ab D4 abwärts eine Blutung eher hervorrufen oder fördern können und daher sicher nicht gegeben werden sollten. Ich habe meist D12, gel. C12 gegeben, wenn es sich um die Behandlung körperlicher Verletzungsfolgen handelte. Standen seelische Folgen im Vordergrund oder waren diese Schockwirkungen bedeutsam, nahm ich C30. Was gäbe es aus homöopathischer Sicht dazu zu beachten und mit welcher Potenz würde man seine Reise- und Notfallapotheke am besten ausstatten? Wann wirken äußere Anwendungen von Arnica-Tinktur gut?

LG, Michael
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Freitag, 10. März 2006, 13:04

Hallo Michael

Bei stumpfen Traumen, wenn die Haut nicht verletzt ist, wirkt Arnica-tinktur gut. Sobald die Haut wund oder offen ist, soll man Arnica nicht mehr anwenden, es reizt die Wunde. Dann ist Calendula angezeigt.

Ganz generell passt Arnica dann, wenn sich jemand wund und verletzt fühlt und Angst hat angefasst zu werden. Ganz typisch ist auch die rasche Versicherung "mir ist nichts passiert, alles in Ordnung!" Arnica ist meistens das passende Mittel bei Kopfverletzungen und eben stumpfen Trauma der Weichteile. Bei Kopfverletzungen gebe ich es in der C 200, ansonsten in C 30.

Bei Schnittverletzungen/Operationen passt oft Staphisagria besser.

Bei Stichverletzungen Ledum.

Bei Verstauuchungen/Zerrungen Rhus-tox.

Bei Knochenhautverletzungen Ruta. Bei Bänder-/Sehnenverletzungen Ruta oder Rhus tox.

Bei Knochenverletzungen Symphytum.

Bei Riss-Quetschwunden ist oft Calendula auch innerlich die bessere Wahl.

Bellis perennis kann Arnica manchmal ergänzen oder sogar ersetzen.

Aber wie immer in der Homöopathie. Das sind nur Gedankenanstösse. Die Symptome des Mittels sollen auf den Zustand passen, sie sollen dem Leiden ähnlich sein, eben homöopathisch.

LG
Bea
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Freitag, 10. März 2006, 22:31

Zitat

Original von Bea
Ganz generell passt Arnica dann, wenn sich jemand wund und verletzt fühlt und Angst hat angefasst zu werden. Ganz typisch ist auch die rasche Versicherung "mir ist nichts passiert, alles in Ordnung!" Arnica ist meistens das passende Mittel bei Kopfverletzungen und eben stumpfen Trauma der Weichteile. Bei Kopfverletzungen gebe ich es in der C 200, ansonsten in C 30.

Liebe Bea,

dann würdest Du eine niedrigere Potenz als C30 nicht empfehlen/verwenden? Oder wo liegt der Wert der D12-C12-Präparationen?

LG, Michael
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Samstag, 11. März 2006, 12:59

Lieber Michael

Wenn jemand nur C6/D12 oder C12/D24 oder D30 zuhause hat oder auf die Schnelle nichts anderes in der Apotheke oder Drogerie bekommt, dann soll er eben das verwenden. Tiefere Potenzen als C6/D12 verwende ich nicht und empfehle ich auch nicht anzuwenden.

Ich gebe manchmal C6, wenn jemand sich kurz nach einer Hochpotenz einen Infekt zugezogen hat und offenbar Unterstützung durch ein Mittel braucht. Wenn die C6 in so einem Moment weiterhilft, ist das für mich eine gute Bestätigung dafür, dass das Mittel wirklich sehr gut passt. Wenn ich schon weiss, dass das Mittel beim Patienten bestens arbeitet, dann gebe ich es auch bei einem Unfall.

Wenn nicht schon eine höhere Potenz an der Arbeit ist, dann gebe ich C30 oder sogar C200 je nachdem wie sehr ein Unfall oder eine Krankheit die Lebenskraft zu beeinträchtigen scheint. Wenn ich befürchte der Patient sei sehr empfindlich oder seine Lebenskraft sei ziemlich geschwächt, dann lasse ich das Mittel in einem halben Glas Wasser auflösen und nur mal einen Löffel davon nehmen.

LG
Bea
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5

Samstag, 11. März 2006, 17:50

Arnica in höheren Potenzen

Zitat

Original von Bea
Lieber Michael

Wenn jemand nur C6/D12 oder C12/D24 oder D30 zuhause hat oder auf die Schnelle nichts anderes in der Apotheke oder Drogerie bekommt, dann soll er eben das verwenden. Tiefere Potenzen als C6/D12 verwende ich nicht und empfehle ich auch nicht anzuwenden.

Liebe Bea,

obwohl Du es nicht direkt sagst, denke ich, Du meinst Arnica. Worin liegt Deiner Meinung nach der Wert der niederigeren Potenzen von Arnica, da diese von den Apotheken in der Regel vorrätig gehalten werden?

Zitat

Original von Bea
Ich gebe manchmal C6, wenn jemand sich kurz nach einer Hochpotenz einen Infekt zugezogen hat und offenbar Unterstützung durch ein Mittel braucht. Wenn die C6 in so einem Moment weiterhilft, ist das für mich eine gute Bestätigung dafür, dass das Mittel wirklich sehr gut passt. Wenn ich schon weiss, dass das Mittel beim Patienten bestens arbeitet, dann gebe ich es auch bei einem Unfall.

Hier meinst Du vermutlich wieder Arnica oder meinst Du es mehr allgemeiner? Mir war Arnica als Infektmittel nicht so sehr geläufig, obwohl die Arnica-Symptomatik selbstverständlich auch zu einem "grippalen" Allgemeininfekt paßt, bei dem man sich "wie zerschlagen" fühlt. Ich stelle es mir aber nicht immer leicht vor, diese Symptomatik ganz eindeutig von einer Erstverschlimmerung nach einer Hochpotenz von Arnica zu unterscheiden, würde aber vermuten, dass die Erstverschlimmerung kürzer anhält, als der übliche Infekt.

Was ich aber nicht verstehe: Wenn die Hochpotenz richtig gewählt ist, wieso sollte eine wenig später gegebene niedrigere Potenz des Mitteles die richtige Wahl bestätigen? Und wenn Symptome nach der Hochpotenzgabe auftreten, die dem Arzneimittelbild des entsprechenden Mittels entsprechen (egal ob im Falle von Arnica als Infekt oder Erstverschlimmerung), warum gibt man dann eine niedrige Potenz des gleichen Mittels? Ist es überhaupt wahrscheinlich, nach einer Hochpotenzgabe von Arnica an einem Infekt mit Arnica-Symptomatik zu erkranken?

Zitat

Original von Bea
Wenn nicht schon eine höhere Potenz an der Arbeit ist, dann gebe ich C30 oder sogar C200 je nachdem wie sehr ein Unfall oder eine Krankheit die Lebenskraft zu beeinträchtigen scheint. Wenn ich befürchte der Patient sei sehr empfindlich oder seine Lebenskraft sei ziemlich geschwächt, dann lasse ich das Mittel in einem halben Glas Wasser auflösen und nur mal einen Löffel davon nehmen.


Was unterscheidet Deiner Meinung nach die Wirkung von C30 und C200 (warum nicht C 100...?)? Ich hatte gedacht, C30 wirkt schon vom körperlichen in den emotionalen Bereich hinein, ist eine relativ hohe Potenz, darf aber doch beispielsweise täglich (5 Globuli) gegeben werden, was für höhere Potenzen wie C200 nicht zutrifft, die auch schon den emotional-geistigen Bereich berühren.

Oder kann man das nicht so "schichten" (Geistiger oder gesamtheitlicher Bereich: Hochpotenzen; emotionaler Bereich: mittlere und höhere Potenzen; körperlich organotroper oder funktionaler Bereich: mittlere bis niedrigere Potenzen)? Ist Dein Verrühren einer hohen Potenz eines Mittels in einem Glas Wasser und die Gabe eines Teelöffels davon eine Verdünnung oder eine Eigenpotenzierung, so wie es der Köhler für einige Applikationsformen empfiehlt (mit z.B. halbstündigen Gaben bei allerdings niedrigeren Potenzen)?

LG, Michael
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Sonntag, 12. März 2006, 18:39

RE: Arnica in höheren Potenzen

Lieber Michael

Zitat

Original von Michael
obwohl Du es nicht direkt sagst, denke ich, Du meinst Arnica. Worin liegt Deiner Meinung nach der Wert der niederigeren Potenzen von Arnica, da diese von den Apotheken in der Regel vorrätig gehalten werden?


Nein, das war ganz allgemein gemeint und nicht nur auf Arnica bezogen. Die Apotheken halten bevorzugt niedrige Potenzen, weil sie sich meist mit Homöopathie nicht wirklich auskennen und deshalb bei Homöopathika ähnliche Anwendungsempfehlungen abgeben wie bei Phytotherapeutika. Arnica in Tiefpotenz hilft manchmal den Blutdruck zu senken, das ist die einzige Anwendungsmöglichkeit vonTiefstpotenzen bei Arnica, die mir so spontan in den Sinn kommt.

Zitat

Original von Michael
Hier meinst Du vermutlich wieder Arnica oder meinst Du es mehr allgemeiner? Mir war Arnica als Infektmittel nicht so sehr geläufig, obwohl die Arnica-Symptomatik selbstverständlich auch zu einem "grippalen" Allgemeininfekt paßt, bei dem man sich "wie zerschlagen" fühlt. Ich stelle es mir aber nicht immer leicht vor, diese Symptomatik ganz eindeutig von einer Erstverschlimmerung nach einer Hochpotenz von Arnica zu unterscheiden, würde aber vermuten, dass die Erstverschlimmerung kürzer anhält, als der übliche Infekt.


Nein, das war nicht mehr auf Arnica bezogen, sondern ganz allgemein gemeint.

Zitat

Original von Michael
Was ich aber nicht verstehe: Wenn die Hochpotenz richtig gewählt ist, wieso sollte eine wenig später gegebene niedrigere Potenz des Mitteles die richtige Wahl bestätigen? Und wenn Symptome nach der Hochpotenzgabe auftreten, die dem Arzneimittelbild des entsprechenden Mittels entsprechen (egal ob im Falle von Arnica als Infekt oder Erstverschlimmerung), warum gibt man dann eine niedrige Potenz des gleichen Mittels?


Wenn die Hochpotenz richtig gewählt war und die Lebenskraft trotzdem noch empfänglich ist für einen Infekt und den nicht selber innert nützlicher Frist überwinden kann (was ich eigentlich erwarten würde wenn das Mittel gut gewählt war), dann zeigt mir die gute Ansprache auf eine Tiefpotenz desselben Mittels, dass das Mittel passt, dass die Lebenskraft nur einfach zu sehr verstimmt war, um mit dem neuen Infekt selber fertig zu werden.

Zitat

Original von Michael
Was unterscheidet Deiner Meinung nach die Wirkung von C30 und C200 (warum nicht C 100...?)? Ich hatte gedacht, C30 wirkt schon vom körperlichen in den emotionalen Bereich hinein, ist eine relativ hohe Potenz, darf aber doch beispielsweise täglich (5 Globuli) gegeben werden, was für höhere Potenzen wie C200 nicht zutrifft, die auch schon den emotional-geistigen Bereich berühren.


C 100 ist eine unübliche Potenz und kaum zu bekommen. Die übliche Potenzreihe ist C30, C200, C1000(M), C10'000(XM).

C30 ist hoch genug um eine Wirkung zu haben, wenn es passt und tief genug, um keinen Schaden anzurichten, wenn die Lebenskraft geschwächt ist. C200 ist kräftiger, potenter und kann schneller eine Umstimmung der Lebenkraft bewirken, wenn sie dem Reiz gewachsen ist. Das mit den Emotionen und dem geistigen Bereich, das kannst du beiseite lassen. Homöopathie soll die Verstimmung der Lebenskraft korrigieren. Wenn die Verstimmung auf dem emotional-geistigen Bereich liegt, dann wirkt das Mittel dort. Wenn sie nicht dort liegt, dann richtet das Mittel dort auch nichts an. Immer vorausgesetzt, man hat sorgfältig ausgewählt und beobachtet die Reaktionen genau.

Wiederholen dürftest du auch eine XM, wenn die Lebenskraft danach verlangt, nur tut sie das äusserst selten in so kurzen Abständen. Und auch eine C30 lasse ich nie täglich wiederholen. Ich gebe eine Gabe trocken, vielleicht noch eine 2. am nächsten Tag, wenn es wirklich angezeigt erscheint und danach wird das Mittel aufgelöst in Wasser und löffelweise eingenommen, damit vorher immer gut verquirlt werden kann um jede Gabe leicht zu verändern.

Zitat

Original von Michael
Oder kann man das nicht so "schichten" (Geistiger oder gesamtheitlicher Bereich: Hochpotenzen; emotionaler Bereich: mittlere und höhere Potenzen; körperlich organotroper oder funktionaler Bereich: mittlere bis niedrigere Potenzen)?


Nein, das kann man so nicht schichten. Eine heftige und schwere Akutkrankheit kann wunderbar auf eine M oder XM ansprechen, ohne dabei irgendwas im emotional-geistigen Bereich anzurühren.

Zitat

Original von Michael
Ist Dein Verrühren einer hohen Potenz eines Mittels in einem Glas Wasser und die Gabe eines Teelöffels davon eine Verdünnung oder eine Eigenpotenzierung, so wie es der Köhler für einige Applikationsformen empfiehlt (mit z.B. halbstündigen Gaben bei allerdings niedrigeren Potenzen)?


Hahnemann hat auf seine alten Tage herausgefunden, dass die Lebenskraft Wiederholung von Mitteln sehr viel besser annimmt, wenn die Gabe jedesmal leicht verändert wird. Mit dem Auflösen des Mittels schwächt man es einerseits etwas ab, andererseits kann man es dann öfters geben und der Lebenskraft so immer wieder kleine Anstösse geben. Solange nur verdünnt und verquirlt wird, entsteht keine neue Potenz, sondern nur jedesmal eine leichte Veränderung der Gabe.

LG
Bea
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ABRAHAM - HICKS

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Montag, 13. März 2006, 22:58

Neues Thema zur Frage der Potenzierung und "Lebenskraft"

Liebe Bea,

vielen Dank für Deine Ausführungen. Ich werde der Frage nach den Potenzen noch etwas allgemeiner in einem neuen Thema nachgehen.

LG, Michael
Spaltet ein Stück Holz, und ich bin da. Hebt einen Stein auf, und ihr findet mich dort. (apokryph. Evangelium nach Thomas)

8

Montag, 4. Juni 2012, 11:14

Hallo,

google hat mir diesen Thread hier ausgespuckt.
Mein Sohn betreibt einen ziemlich schmerzintensiven und gefährlichen Sport. Häufig kommt er mit Prellungen und Blauenflecken nach Hause.
Gebe ihm Arnika Kügelchen, und habe neulich ein Solchen Gel Hier in der Apotheke gesehen
Hilft das vielleicht schneller und direkter gegen solche Verletzungen?

Nette Grüße
Frank

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9

Montag, 4. Juni 2012, 22:22

Homöopathische Dareichungsformen von Arnica montana bei Verletzungen

Zitat

Original von Franke
Hallo,

google hat mir diesen Thread hier ausgespuckt.
Mein Sohn betreibt einen ziemlich schmerzintensiven und gefährlichen Sport. Häufig kommt er mit Prellungen und Blauenflecken nach Hause.
Gebe ihm Arnika Kügelchen, und habe neulich ein Solchen Gel Hier in der Apotheke gesehen
Hilft das vielleicht schneller und direkter gegen solche Verletzungen?

Nette Grüße
Frank


Hallo, Frank,


Es gibt in der Tat homöopathische Salbenzubereitungen mit Arnica, z.B. von den bekannten Firmen DHU (Arnica-Salbe N 50 g zwischen 5 - 7,24 € bei Discountern über's Internet); andere bekannte und renomierte Firmen, die bei Honöopathen Vertrauen genießen, sind z.B. Weleda (70 g 10% für 7 € und 70 g 30% für 8 €) und Wala (z.B. 100 g für 13 €). Es werden auch Gele ("Weleda Arnica Gelee") angeboten. Dein hier verlinktes Angebot wäre mir von einer mir nicht weiter bekannten Firma also eindeutig zu teuer. Andererseits sollte man nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Beratung schauen. Vielleicht lohnt sich manchmal doch der Weg zum örtlichen Händler, Drogerie oder Apotheke.

Der Vorteil des Gels ist oft, dass es kühlt. Es trocknet aber auch leichter die Haut aus und klebt anfangs. Wenn etwas kühlt, kann es sein, dass sich die Durchblutung verändert (Verringerung) und die Aufnahme durch die Haut langsamer erfolgt. Hingegen haben Sportsalben, die durch ätherische Öle erwärmend wirken, eine durchblutungssteigernde Wirkung. Ätherische Öle sind aber meist ein Antidot zu homöopathischen Arzneien, besonders Kampfer, welches die Wirkung blockt. Natürlich gibt es in den deutschen Discountern allerlei spezielle Marken, unter denen sie Arnika-Salben und Gele relativ günstig anbieten. Was von ihnen zu halten ist, ist natürlich fraglich. Wer hat ihre Wirksamkeit überprüft, da es sich nicht um apothekenpflichtige Arzneimittel handelt?

Grundsätzlich haben auch die eingeführten und bekannten homöopathischen Arzneimittelhersteller wie DHU, Wala und Weleda Salben und Gele mit Arnica montana für die äußere Anwendung im Programm. Also scheinen deren homöopathieerfahrenen Apotheker der Meinung zu sein, dass sie helfen. Im Prinzip kann ich mir das auch vorstellen, dass am Auftragungsort nach Aufnahme des Wirkstoffes durch die Haut eine arzneiliche Wirkung auftritt. Doch warum sollte sie schneller und besser wirken, als die Gabe z. B. von 5 Globuli Arnica montana C 30 unter die Zunge? Eher bin ich geneigt, zu glauben, dass die sublinguale und damit systemische Gabe der klassischen Zubereitung überlegen ist.

Warum? In den Globuli, Tropfen (Dilution), Tabletten ist Arnica in potenzierter Form verfügbar. Stimmt das Arzneimittelbild überein, etwa bei den typischen Verletzungen mit Zerrungen, Prellungen und Blutergüssen, ist eine gut gewählte mittlere Potenz m. E. schneller, systemisch im ganzen Organismus (einschließlich zur Behandlung der psychischen Traumafolgen) und somit besser wirksam, als eine Salben- oder Gelzubereitung, die alkoholische oder wässrige Arnica-Extrakte in stofflicher Menge enthält, aber keine potenzierte Arznei. Es gehen auch nicht alle für Arnica typischen Sesquiterpenlactone bei dieser Auszugsherstellung in Lösung.

Die innerliche Anwendung nicht potenzierter Arnica-Pflanzenbstandteile, Blütentees und Extrakte ist mit einer recht hohen Vergiftungsgefahr behaftet. Die Erfahrungsmedizin weiß, dass äußerlich in Salben, Tinkturen und Gelen aufgetragene Arnicaextrakte bei Prellungen und Venenleiden lindern und helfen. Dass sie aber Verletzungen im Sinne des Homöopathieprinzips schneller und besser kurieren, wage ich zu bezweifeln. Während die potenzierte homöopathische Zubereitung kein toxisches und kein Allergierisiko birgt, können die unterschiedlich konzentrierten Salben (10-30 % bei Weleda z.B.) nach äußerlicher Anwendung durchaus bei empfänglichen Menschen Allergien auslösen.

Man könnte natürlich in Deinem geschilderten Fall, wenn man überhaupt etwas machen möchte, beides tun, nämlich lokal mit Gel oder Salbe und oral mit Globuli (z.B. D30 oder C30) behandeln. Unter die Potenz D6 würde ich nicht gehen und etwa die tiefe Potenz D4 soll sogar eher Blutungen auslösen oder verstärken können statt stoppen. Ob man kleine Verletzungen behandeln muss, möchte ich sowieso dahin gestellt sein lassen. Wieso benötigt ein Junge für jeden blauen Fleck und jeden Kratzer einen Salbenverband? Aufmunternde Worte tun es auch. Ich finde es gut, Arnica für stärkere Muskelprellungen, große schmerzhafte Hämatome, Schnitte (vielleicht zusammen mit Staphisagria, Stiche hingegen mit Ledum) und Verrenkungen oder Zerrungen zu haben. Zusätzlich könnte man stärkere Blutergüsse mit der guten alten "Blutegelsalbe" (Hirudin) behandeln. Ein frisches Trauma an einer Extremität kühlt man am besten zuerst physikalisch, macht einen Verband und lagert höher, um grotesken Schwellungen und Ergüssen vorzubeugen.

Und allgemein zu Deinem Sohn und seinem "ziemlich schmerzintensiven und gefährlichen Sport" - ohne dass ich ihm jetzt methodisches Draufgängertum und Dir mangelnde Sorge für sein Wohl unterstellen möchte: Ziel sollte es auch z.B. im Kampfsport wie in jedem Kraft- und Geschicklichkeitssport sein, ernsthafte, schmerzhafte Verletzungen zu vermeiden und zwar bei allen Wettkämpfern und Übenden. Will man einen geschmeidigen Kämpfer, gewandt wie ein Panther, oder einen tumben Helden, der sich und andere wie mit Hämmern bearbeitet und tapfer Schmerz ertragen lernt? Und auch beim Parcour ist der geschickte, umsichtige Akrobat gefragt und nicht der tolldreiste Selbstmordkandidat, oder?

Schmerz und Funktionsbehinderung nach Verletzungen lehren den Verletzten etwas über die Möglichkeiten seines Körpers, der wie sein Geist möglicherweise noch nicht sorgfältig genug ausgebildet ist, nämlich zunächst Schonung, darüber hinaus Achtsamkeit, Vorsicht und Voraussicht. Daher ist es manchmal besser, die Folgen unvernünftigen und unachtsamen Handelns nicht all zu sehr zu dämpfen, damit eine Schonungszeit eingehalten wird. Schmerz ist außerdem subjektiv, ein verrenktes Knie, ein verstauchtes Sprunggelenk oder ein gebrochener Knöchel jedoch nicht. Lässt man sich nicht genug Zeit zum Auskurieren, drohen dauerhafte Schäden.

LG, Michael
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